Wenn alles ander wird

Kapitel 2: Das Mädchen aus dem Baumhaus

Es war dunkel, als Sasuke sich noch immer in dem Baumhaus befand. Er hatte keine Ahnung wie spät es genau war, aber wahrscheinlich war es bereits mitten in der Nacht. Für Hinata, das Mädchen welches sich hier oben bereits einen Tag länger versteckte, war es bereits die Zweite Nacht die sie hier verbrachte. Da es keinen Sinn machte, im dunkeln nach unten zu klettern und es nur reiner Selbstmord sein würde, hatte sich der Uchiha dazu entschlossen, das Versteck erst dann zu verlassen wenn die Sonne wieder aufgehen würde. Wie er es dann schaffen sollte hier unversehrt wegzukommen, war ihm noch ein Rätsel und er musste sich etwas einfallen lassen. Wie auch immer er hatte noch ein paar Stunden Zeit sich einen Plan zurechtzubasteln.

Während er an der Holzwand lehnte, dachte Sasuke an seine Familie. Er fragte sich wo seine Eltern und Itachi jetzt waren. Ob seine Mutter und sein Bruder, ihren Vater gefunden hatten und er betete innerlich das sie nicht zu ihrem Haus zurückkehren würden, weil dort diese Zombies waren und er Angst hatte das ihnen etwas zustoßen würde. Aber vielleicht war ihnen bereits etwas zugestoßen?

In der Stille der Nacht konnte er von unten das Stöhnen und Röcheln der Zombies hören. Und das schmerzhafte Gefühl in seiner Brust wurde nur noch stärker. Es war durchaus möglich das seine Eltern und sein Bruder vielleicht auch schon zu diesen Monstern geworden waren.

Ein Schluchzer riss ihn aus seinen Gedanken als er aufblickte, zu Hinata, die direkt an der gegenüberliegenden Wand lehnte. Sie hatte ihre Arme fest um ihre herangezogenen Beine geschlungen und kämpfte mit den Tränen.

Sasuke wusste nicht wie er mit ihren Tränen umgehen sollte. Er konnte sich schon gut vorstellen weshalb sie weinen musste aber ihm ging es in diesem Moment auch nicht wirklich besser und da er generell nicht gerade ein mitfühlender Typ war, entschied er sich fürs erste dazu sie möglichst zu ignorieren. Aber sie begann nur noch mehr zu schluchzen und viele Tränen tropften aus ihren großen Augen. Hinata versuchte so leise wie möglich zu sein, damit sie keine weiteren Untoten anlockte und wahrscheinlich konnte man sie da unten auch gar nicht hören. Aber Sasuke der weniger als einen Meter von ihr entfernt saß, konnte das natürlich nicht ganz so einfach ausblenden.

Obwohl er sich nach außen hin immer kühl und unnahbar gab, war er doch kein Eisklotz. Er konnte Hinatas Gefühle und Ängste wirklich exakt nachvollziehen, immerhin saßen sie irgendwie im selben Boot.

Deshalb kramte er auch aus seiner Hosentasche ein Taschentuch hervor und reichte ihr rüber. Sie blickte ihn überrascht, aus ihren verweinten Augen an, bevor sie es zögerlich entgegennahm und sorgfältig ihre Nase putzte.

,,Vielen Dank..." Flüsterte Hinata.

,,Keine Ursache." Antwortete er und lehnte sich wieder zurück. ,,Ich kann mir gut vorstellen wie du dich fühlst..."

Hinata nickte. ,,Ich weiß... Du hast auch keine Ahnung wo deine Familie ist... Und ich weiß nicht wie lange ich hier noch warten soll, bis sie wieder zurückkommen... Ich meine wenn sie zurückkommen... Vielleicht..." Das Mädchen brach ab, weil sich neue Tränen in ihren Augen sammelten. Vorsichtig fuhr sie mit ihrer Handfläche über ihre Wangen um die Tränen wegzuwischen. ,,Entschuldigung..."

,,Wofür entschuldigst du dich?"

,,Na ja... Du hast genug eigene Probleme... Und ich heule hier vor dir rum..." sie senkte ihren Blick und vermied es ihn direkt anzublicken.

,,Schon in Ordnung. Wenn ich ehrlich bin, ist mir auch grad zum heulen zumute." Sagte Sasuke mehr zu sich selbst. Er wusste nicht warum er so viel mit diesem eigentlich fremden Mädchen sprach, vielleicht lag es ja daran das er sich ganz plötzlich in einer Welt voll mit wandelnden Leichen wiederfand, keine Ahnung hatte was mit seiner Familie war und er auch nicht wusste, wie er von hier nochmal runterkommen sollte und was dann werden sollte. Eigentlich konnte er noch immer nicht glauben in was für einer Situation er sich befand und zum wiederholten Male wünschte er sich aus diesen Albtraum aufwachen zu können. Denn ehrlich gesagt war alles nur noch beschissen und was würde ab jetzt kommen?

,,Aber im Gegensatz zu mir weinst du nicht." Stellte Hinata fest, wobei in ihren Augen noch immer Tränen funkelten.

Sasuke lachte kurz auf. ,,Tränen stehen einem Mädchen einfach besser als Jungs. Das ist alles."

Jetzt war es Hinata, welche lächeln musste. Aber schon einen Augenblick später wurde ihr Blick wieder ernst. ,,Ich weine ständig, weißt du. Eigentlich bin ich eine richtige Heulsuse aber ich glaube jetzt ist es das erste Mal das ich wirklich einen Grund habe zu heulen..."

,,Ja, im Moment hat wohl jeder noch lebende Mensch Grund zum heulen..."

Hinata senkte wieder ihren Blick. ,,Ich frage mich wie es meiner Schwester geht... ich hoffe das sie und meine Eltern in Sicherheit sind..."

,,Das Haido Krankenhaus ist das einzige welches in der letzten Woche überhaupt noch in Betrieb war. Haben deine Eltern sie dorthin gebracht?" Fragte Sasuke.

,,Ja... Sie wollten es jedenfalls... Aber das Krankenhaus befindet sich am anderen Ende der Stadt.. Ich hoffe sie haben es dorthin geschafft und sie sind, okay."

Der Uchiha wusste nicht warum er sie unbedingt aufmuntern wollte, denn normalerweise interessierte er sich nicht für die Gefühle anderer aber vielleicht hatte er so das Gefühl sich selbst ein wenig aufzumuntern, denn er steckte schließlich in der gleichen Misere wie sie.

,,Das Krankenhaus wird mit Sicherheit auch vom Militär bewacht... immerhin ist es das einzige was momentan im Betrieb ist..." Sagte er deshalb. ,,Sicher haben viele Menschen dort Zuflucht gefunden..."

,,Vielleicht sind sie gar nicht dort angekommen... Ich meine ich habe gesehen was hier los ist... Selbst zu unseren Haus sind sie schon gelangt..."

Sasuke senkte ebenfalls seinen Blick, weil er das gleiche über seine eigene Familie dachte. Er betete das Itachi gut auf ihre Mutter aufpassen würde und das sein Vater auch irgendwo da draußen okay war. ,,Gestern war es ja noch nicht so schlimm... Ich bin mir sicher sie haben es geschafft..."

Das Mädchen zwang sich zu lächeln. ,,Ich hoffe es... Aber ich bezweifle das sie noch einmal hierher zurückkommen..."

,,Die Frage ist eher ob sie es überhaupt noch hierher schaffen können. Die ganze Umgebung ist voll von diesen... Zombies..."

,,Ich weiß nicht wirklich was hier gerade vor sich geht... Ich verstehe es nicht und es macht mir Angst..."" Sagte Hinata ehrlich.

,,Da bist du nicht die einzige..." Sasuke wirkte nachdenklich als er fortfuhr. ,,Ich hoffe meine Familie kehrt nicht zu unserem Haus zurück um mich zu suchen... Es wäre ihr Todesurteil..."

Hinatas Gesicht verzog sich in eine schmerzhafte Maske, als sie erneut mit den Tränen kämpfte. ,,Gla... Glaubst du das gleiche auch hier?"

Sasuke zuckte mit den Schultern. ,,Wenn ich ganz ehrlich bin, dann schon. Ich wäre fast gestorben als ich hier ankam... Wirklich... Wenn dieses Baumhaus hier nicht wäre, dann wäre ich tot..."

,,Ich muss meine Familie warnen... Ich muss zum Krankenhaus... Aber wie soll das gehen?" Fragte sie mit Verzweiflung in ihrer Stimme.

Das Haido Krankenhaus... Der Uchiha konnte sich vorstellen das viele Menschen dort Unterschlupf gefunden hatten. Er selbst hatte keine Ahnung wo er seine eigene Familie suchen sollte, aber was wäre wenn sein Vater verwundet war und deshalb niemand ihn hatte erreichen können. Dann hätte man ihn mit Sicherheit dorthin gebracht. Er wusste es war nur Wunschdenken und hatte nicht gerade Hand und Fuß aber eigentlich war es der einzige Anhaltspunkt den er überhaupt hatte. Mit Sicherheit würde dort auch Polizei und Militär sein um es zu schützen... Vielleicht konnte er wenigstens erfahren wo genau sich sein Vater befand...

,,Woran denkst du?"

Hinatas Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Er blickte in ihr blasses, von Angst gezeichneten Gesicht und erklärte ihr schließlich was ihm selbst gerade durch den Kopf gegangen war.

Sie nickte verstehend. ,,Das klingt logisch für mich. Vielleicht ist das deine einzige Chance... Wirst du mit mir zusammen hingehen?"

Er war überrascht das sie sich wirklich dazu entschlossen hatte mit ihm zusammen zu gehen, aber andererseits... Was sollte man sonst machen? Irgendwas musste man doch tun, hier oben würden sie sowieso verhungern wenn sie noch länger blieben und wenn sie nicht bald von hier verschwinden würden, dann war es nur noch eine Frage der Zeit bis noch mehr dieser Untoten hier auftauchten. Aber die Frage war, wie...

,,Wie sollen wir von hier weg kommen?" Sprach Hinata aus was er soeben gedacht hatte.

Seufzend, warf er seinen Kopf zurück. ,,Keine Ahnung... Es ist gefährlich aber es wird da draußen auch nicht besser. Und es wird immer schwieriger werden, umso länger wir hier oben sitzen..."

,,In den Nachrichten sagten sie, das man das Gehirn des Toten zerstören muss..." Sagte Hinata zögerlich.

,,Ich weiß..."

,,Aber ich stelle es mir fürchterlich vor... Ich meine... Trotz allem sind das doch eigentlich Menschen..."

,,Das sind keine Menschen mehr..." Unterbrach Sasuke, als er sich mit Abscheu daran erinnerte wie der Untote in seinem Wohnzimmer über die anderen Beiden hergefallen war. Und wie auf der Straße diese Zombies an Toten Menschen herumgefressen hatten. Was immer diese Monster auch waren, Menschen ganz bestimmt nicht. Sasuke wusste das er nicht mehr zögern würde einen von diesen zu zerstören... Der Schock und die Angst saßen ihm noch immer tief in den Knochen, aber er wusste er musste kämpfen wenn er es schaffen wollte seine Familie zu finden.

,,Vielleicht hast du recht... Ich habe schließlich auch gesehen, wie sie über alles lebendige herfallen... Aber es ist trotzdem schrecklich..."

,,Aber es ist notwendig." Unterbrach er erneut. ,,Ich beherrsche Kendo... Wenn ich irgendetwas Schwertähnliches finde... Einen Stock oder ein schmales Brett...

,,Du beherrschst Kendo?" Fragte Hinata überrascht.

Sasuke nickte. ,,Aber das nützt mir im Moment nicht viel... Ich habe nichts was ich als Waffe verwenden könnte..."

,,Wie wäre es dann damit?"

Sasukes Augen weiteten sich, als Hinata plötzlich aus einem Bündel Stoff ein echtes Katana herauszog.

,,Du hast ein echtes Schwert bei dir?" Fragte er und konnte es nicht glauben. Es wurde immer seltsamer! Er saß hier mit diesem fremden Mädchen, in einem Bauhaus wo unten dutzende von Untoten ihr Unwesen trieben und noch dazu hatte sie ein Katana bei sich! Welcher Mensch besaß schon ein echtes Schwert?!

Hinata errötete, als sie erkannte was Sasuke zu denken schien. Schnell schüttelte sie ihren Kopf. ,,Das Schwert ist antik und gehört zu einer historischen Sammlung meines Vaters. Eigentlich hängen sie nur zur Deko an unserer Wand... Aber als sich unser Angestellter gebissen wurden war... Ich hatte solche Angst bekommen und habe es einfach gegriffen, als Waffe... Obwohl ich keine Ahnung habe wie man damit umgeht..."

,,Oh... Du weißt schon das du ziemlich merkwürdig bist.." Bemerkte Sasuke, der es noch immer etwas komisch fand.

,,Das... Das habe ich schon oft gehört..." Gab Hinata aufrichtig zu. ,,kannst du wenigstens damit was anfangen?"

Sasuke nahm das Schwert entgegen und betrachtete es sorgfältig. Ehrlich gesagt er hatte noch niemals in seinem Leben ein echtes Katana benutzt, aber er beherrscht Kendo ziemlich gut und auch wenn er bisher nur mit einem Holzschwert gekämpft hatte, es würde bestimmt keinen allzu großen Unterschied machen.

,,Ich glaube es ist okay..."

,,Das ist ja wenigstens etwas." Sagte Hinata.

,,Aber wenn ich das nehme, was ist dann mit dir? Kannst du dich irgendwie selbst verteidigen?"

,,Na ja... Ich kann Aikido..."

,,Was?" Fragte Sasuke ungläubig. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, das dieses schüchterne Mädchen eine Kampfsportart beherrschte.

Wieder schien sie zu wissen was er dachte, denn sie errötete noch mehr. ,,Ich kann wirklich Aikido... Aber ich nutze es normalerweise nur im Training und ich weiß nicht wirklich ob es bei diesen... na ja Toten... oder was auch immer sie sind wirkt..."

,,...Na ja... es ist besser als gar nichts..." Sagte er, noch immer fasziniert von der Tatsache das dieses komische Mädchen für Überraschungen sorgte.

,,Wir müssen es zum Haido Klinikum schaffen... Aber es ist sehr weit von hier..."

,,Egal. Dann müssen wir halt kämpfen aber das ist unsere einzige Chance..." Sasukes Blick blieb an dem Schwert, welches er noch immer in den Händen hielt hängen. Er war sich nicht sicher ob er es schaffen konnte, wirklich das Gehirn dieser Zombies zu zerstören, aber... Er musste es wohl schaffen, denn auch wenn erst seit einen Tag hier draußen, der Uchiha wusste bereits das er sterben würde, wenn er sich nicht behauptete. Er musste stark sein, doch er war so nervös und innerlich zitterte er vor Angst diesen Untoten noch einmal gegenüber stehen zu müssen. Trotzdem...

,,Du bist mutig..." Murmelte Hinata. ,,Nicht so wie ich. Ich habe Angst... aber ich muss etwas tun... Ich muss meine Familie finden..."

Er nickte wieder. ,,Wenn die Sonne aufgeht, müssen wir von hier verschwinden..."

Hinata sagte nichts und einen Moment lang herrschte Stille, bis sie sagte; ,,Ich bin froh das du hier aufgetaucht bist... Ohne dich könnte ich es nicht... Nicht alleine..."

Sasuke sagte nichts. Er schloss nur seine Augen und versuchte alles auszublenden, wenigstens für einen Moment. Doch er fand keine Ruhe, zu nervös und aufgeregt war er selbst. Und er hatte Angst. Schrecklich Angst sogar, aber er war zu stolz um dies diesem Mädchen zu zeigen. Als er seine Augen öffnete, blickte er zu Hinata, welche ihre Augen ebenfalls geschlossen hatte. Sie sah aus als würde sie schlafen, aber aus irgendeinen Grund, wusste er das sie wach war. Insgeheim war er auch froh, sie hier getroffen zu haben. So musste er wenigstens nicht alleine raus in diese Hölle. Zu Zweit würde es besser sein, das wusste er.

VIELEN DANK FÜR DAS REVIEW :)

IM NÄCHSTEN KAPITEL WERDEN SICH SASUKE UND HINATA DURCHKÄMPFEN UND EIN PAAR ANDERE LEUTE KENNENLERNEN, ICH HOFFE ES WIRD ETWAS MEHR ACTION BEINHALTEN ALS DIESES ;)