Hier kommt das zweite Kapitel, ich plane immer Freitags ein Update zu schicken (und ich hab auch schon mindestens 10 Kapis fertig ^^)
Ich hoffe es gefällt euch:
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Als er sich zu ihrem Gesicht vorbeugt um sie zu küssen, holte ihn sein Bewusstsein langsam wieder ein. Er sah in ihre Augen, die nicht die richtigen waren, atmete ihren Geruch ein, der ähnlich, aber nicht wirklich richtig war, spürte ihre Haare in seiner Hand, welche nicht die richtigen waren und hatte mit einem Mal das Gefühl, das alles hier furchtbar Falsch war. Überrollt von dieser Erkenntnis und ratlos ob ihrer Herkunft schreckte er zurück, blickt beinahe panisch in ihre Augen und ging schnell auf Distanz. „Was ist denn nur los mit dir?" fragte Sarah mit sehr viel Unsicherheit und vielleicht auch einem leichten Hauch von Panik in ihrer Stimme.
„Das", bringt er abgehackt hervor, „das ist...nicht richtig...so. Ich meine...das...Ach ich weiß auch nicht...Ich denke es ist besser wenn du jetzt gehst". Bei seinen letzten Worten schlich sich immer mehr das Gefühl der Verzweiflung in seine Stimme und er wandte den Blick ab.
Er konnte den überrumpelten Ausdruck auf ihrem Gesicht nicht ertragen, nicht die vielen unausgesprochenen Fragen, die ihn aus ihren Augen anfielen. Er wollte den Körper nicht mehr ansehen, der dort entblößt und bereit auf dem Bett lag und doch so gar nicht mit den Bildern in seinem Kopf und dem Gefühl in seinem Herz vereinbar war.
Als Sarah nun aufstand und verunsichert ihre Kleider zusammen sammelte, versuchte er eine Erklärung für das Geschehen in sich drin zu finden.
„John, ich... wir", begann sie, brach aber ab, als er mit einem vagen Kopfschütteln die Hand hob und ihr so sagte, dass es jetzt keine Worte zu wechseln gab, dass es nun nichts mehr gab.
Ob es nun seine Absicht war, oder auch nicht, so hatte Sarah ein Endgültigkeit in dieser winzigen Geste gespürt, die ihr die Tränen in die Augen trieb und die so viele Fragen aufwarf, deren Antwort sie wohl nie erhalten würde.
Mit abgewandtem Gesicht stand er da, während sie in aller Eile ihre Sachen zusammensuchte und mit einem letzten Blick in seine Richtung und einem „Machs gut, John", die Wohnung verließ.
Dieser registrierte ihr Fortgehen kaum, da sich die Gedanken in seinem Kopf überschlugen. Er stand dem Ereignis so fassungslos gegenüber, dass ihm die Offensichtlichkeit des ganzen nicht klar wurde. Er versuchte sich zu sammeln und eins nach dem anderen zu überdenken.
Sarah war weg, natürlich nicht ganz, da sie ja nach wie vor zusammen arbeiten würden (heute würde er garantiert nicht arbeiten gehen), aber für ihn war sie weg, soviel war klar. Nach diesem Punkt gab es für sie beide kein Zurück mehr, selbst wenn sie es gewollt hätten.
Sherlock („Ich sag es dir John, Frauen sind eine simple Zeitvergeudung, sie nehmen uns die Energie und die Zeit für wirklich wichtige Sachen. Du bist kein Beziehungsmensch, das hast du ja schon oft genug vortrefflich unter Beweis gestellt. Bleib bei dem was du kannst – assistiere mir, bringe mich zum leuchten!") hatte also wieder einmal recht behalten, wie verwunderlich.
„Dabei bist du doch überhaupt der Grund, warum keine meiner Beziehungen hält!" rief er voller Wut in die leere Wohnung, zu einem Sherlock, der ihn nicht hören konnte.
Die Erkenntnis, dass diese Aussage mit dem eben passierten, sogar in doppelter Weise zum tragen kam, traf ihn wie ein Blitzschlag. Als er merkte, wie ihm die Beine unter dem Körper weg zu knicken drohten, ließ er sich resignierend in seinen Sessel fallen.
„Sarah ist also weg", sagte er sich selber laut und streckte dabei einen Daumen in die Höhe.
„Sherlock ist ebenfalls nicht da", er streckt zusätzlich den Zeigefinger aus, „du sitzt also mit deinen Gedanken alleine hier herum und da du nicht zur Arbeit gehen kannst, hast du keine Chance dich von der Misere abzulenken".
Den dritten Finger hebend stand er auf. „Dann spielen wir doch mal Sherlock Holmes und gehen den Dingen auf den Grund. Nein, Deduzieren wir!" Er kam sich reichlich lächerlich dabei vor, wie er dort im Wohnzimmer stand und zu sich selbst sprach. Auch wenn Sherlock ein Gefühl wie Scham oder Peinlichkeit wohl fremd sein durfte, konnte er verstehen, dass er ihm einmal sagte, es sei besser, wenn er, John, mitkäme, da es dann nicht so seltsam aussähe, wenn er, Sherlock, mit sich selbst redete.
Er musste sich allerdings auch eingestehen, dass es erhebliche Vorteile mit sich brachte, die Dinge laut auszusprechen und sie dadurch selbst zu hören. Für einen Moment stahl sich bei den Gedanken ein kleines lächeln auf Johns Mund, bis ihm wieder gewahr wurde, weswegen er hier deduzieren wollte.
Nein er wollte das ernst nehmen, schließlich gab es eben einen tiefen einschnitt in sein Leben, der mit Sicherheit seine Spuren hinterlassen würde.
Da er nun mal nicht Sherlock war und nicht verstand, was in dessen Kopf vor sich ging (und wie sollte er auch?), versuchte er seine eigene Methode zu finden.
Was tust du, wenn du deinen Schlüssel verloren hast?", fragte er sich nun wieder laut. „Du versuchst deinen Weg vor dem Verlust nach zu vollziehen.
Da du nun scheinbar deinen Verstand verloren hast", stellte er mit einem sarkastischen Gefühl fest, „versuch es doch mal mit der gleichen Herangehensweise. Rekapitulieren wir also: Angefangen hat es gestern Nacht mit deiner.." er konnte es nicht aussprechen. „Also damit hat es zumindest begonnen", murmelte er und begab sich in sein Schlafzimmer. Er setzte sich auf sein Bett und spielte die Ereignisse im Kopf noch einmal durch.
„Du hast lange wach gelegen und dir alle möglichen und unmöglichen Gedanken dazu gemacht. Als nächstes wirst du vom klingeln wach und schaust auf dein Handy, wo du die Sms von Sherlock findest". Er griff nach seinem Handy und rief die Nachricht noch einmal auf. „Die Tatsache, dass er noch wegbleibt hat dir auf unerklärliche Weise einen Stich versetzt. Danach",
er stand auf und ging in Richtung Küche, „ist Sarah im Bad und du bereitest in der Küche den Tee vor. Als die Tür geöffnet wird wabern Dunstschwaden um dich herum und etwas komisches passiert mit dir. Du folgst Sarah". Er stellte die Kanne, die er zuvor in die Hand genommen hatte, wieder auf die Küchenzeile und lief zur Treppe und hoch ins Schlafzimmer.
„Plötzlich ist alles anders. Warum?" Er steht in der Tür zum Schlafzimmer und schließt die Augen.
„Irgendetwas reizt dich ganz tief drinnen. Eine Ahnung von Etwas, nicht konkret, nicht...", er atmet tief ein um seine Konzentration zu sammeln, der Geruch vom Duschen hängt noch vage in der Luft, verfängt sich in seiner Nase, rüttelt die Erinnerung wieder wach.
„Der Geruch? War es das?" er macht auf dem Absatz kehrt und folgt dem immer intensiver werdenden Duft zur Dusche. Er schaut sich um, entdeckt Duschgel, nicht seins, vielleicht Sarahs? Sieht das Shampoo, welches beide Männer benutzen. Am Waschbecken Zahnbürste und Zahnpasta nur von John, „natürlich, Sherlock wird seine mitgenommen haben". Ihn durchzuckt jäh ein Gedanke '„Schatz..ab...dus...eer...deins...utzen?" ' „Ihr Duschgel war leer und sie wollte meins benutzen, mein Duschgel steht nicht hier? Wo ist es? Hat Sherlock es mitgenommen? Warum? Das hier muss Sherlocks Duschgel sein".
Reflexartig griff er nach der Flasche, öffnete sie und atmete tief ein, ein Schleier legte sich auf seine Augen. Es fehlte was (was fehlte?) und trotzdem scheinen seine Nerven zum zerreißen gespannt, er fühlte sich, als würde Strom durch seinen Körper fließen, der all seine Sinne in Alarmbereitschaft versetzte. Schnell verschloss er das Gel wieder und stellte es zurück.
Einen Moment sah er die Flasche noch ratlos an, bis sich der Vorhang der Erkenntnis vor seinem Geist lüftete und ihn in ein intensives Gefühl der Fassungslosigkeit stürzte.
„DAS KANN NICHT SEIN!" Rastlos ging er in der Wohnung auf und ab, spielte alles im Kopf wieder und wieder durch und kam immer wieder zum selben Ergebnis.
„Nur diese Antwort erklärt alle Vorkommnisse der letzten Tage, die immer schlechter werdende Laune, die...meine Unpässlichkeit, das, wie ferngesteuerte, Verhalten, die Bilder die vor meinem inneren Augen aufgetaucht sind, die Erregung unter diesen Umständen, sogar das Gefühl von "Falsch" (es fehlte schließlich was entscheidendes - Sherlocks eigener Geruch)..."
„Die Wahrheit lautete: Ich, John Hamish Watson, stehe auf den einzigartigen Sherlock Holmes!"
