1.
„Hey Mary! Zieh nicht so ein Gesicht!", versuchte George mich aufzumuntern.
„Das sagst du so leicht! Was ist, wenn diese neue Familie total schrecklich ist?", meinte ich mit Leidensmiene.
„Quatsch, solange du nicht zu den Malfoys kommst. Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass du deine neue Familie sehr gern haben wirst..." erwiderte Fred geheimnisvoll.
Dann zogen sie mich auf den Bahnsteig, wo ihre Mutter auf uns zu eilte. Dort schloss sie erst die Zwillinge in die Arme und dann – zu meiner Verwunderung – mich.
„Willkommen in unserer Familie!", sagte sie strahlend.
„Wie bitte?", fragte ich unsicher.
Mrs. Weasley machte ein ernstes Gesicht und fragte die Zwillinge mit strengem Ton:
„Ihr habt es ihr nicht erzählt?"
Die Zwillinge schüttelten grinsend den Kopf.
„Würde mich mal jemand aufklären?", fragte ich irritiert.
Mrs. Weasley ließ sich nicht lange bitten und erklärte mir:
„Nun, es ist ganz einfach. Wir Weasleys nehmen dich auf, bis du auf eigenen Füßen stehen kannst. Wir haben dir sogar schon dein eigenes Zimmer angebaut. Eigentlich sollten dir die Zwillinge das alles schon erklären, aber sie wollten dich wohl überraschen."
Mir blieb der Mund offen stehen. Ich war sprachlos. Meine Augen füllten sich mit Tränen und so fiel ich Mrs. Weasley einfach um den Hals.
„Danke!", wisperte ich.
Ich konnte während der ganze Fahrt, zum Fuchsbau, nur grinsen. Ich war überglücklich. An der Haustür erwartete uns Mr. Weasley, der mich ebenfalls herzlich begrüßte. Beim Abendessen boten mir Mr. Und Mrs. Weasley sofort an, sie zu duzen.
An diesem Abend fiel ich müde in mein Bett und nahm mir nicht mal die Zeit mein Zimmer genau zu betrachten.
Am nächsten Tag erschrak ich; ich wusste im ersten Moment nicht, wo ich war. Dann viel mir ein, dass ich jetzt bei den Weasleys lebte und ich beruhigte mich schnell wieder. Gähnend stand ich auf und sah mich um. Es war ein kleines Zimmer. Es hatte ein Bett mit Nachttisch, über dem ein kleines Regal hing, einen Schreibtisch und einen Schrank. Über dem Schreibtisch war ein kleines Fenster. Die Größe des Zimmers störte mich nicht, ich würde sowieso nicht viel hier sein. Jemand musste meine Koffer hinauf getragen haben, denn sie standen vor dem Schreibtisch und ich hatte sie nicht hier her gebracht. Ich machte mich daran sie auszupacken. Meine Bücher, Pergamente und Federkiele landeten alle auf meinem Schreibtisch, meine Kleidung natürlich im Kleiderschrank und alles andere im Regal. Als ich nach meinem Wecker griff, um ihn auf den Nachttisch zu stellen, stutze ich. Es war schon zwei Uhr mittags. Ich zog mich hastig um und rannte die Treppe hinab. In der Küche begrüßte mich Molly fröhlich. Am Küchentisch saß ein älterer Herr, denn ich nicht kannte und der bestimmt nicht zur Familie Weasley gehörte. Er trug einen Anzug und hatte eine Aktentasche auf dem Schoss. Auch er begrüßte mich:
„Guten Tag. Sie müssen Ms. Riddle sein?!"
„Ja, bin ich." erwiderte ich verunsichert.
„Ich bin Mike Meyer. Der Anwalt ihrer Eltern." stellt er sich vor. Als ich nichts antwortete fuhr er fort:
„Da Sie nun das Schuljahr beendet haben, muss ich mit ihnen einige Dinge besprechen."
Ich setzte mich ihm gegenüber hin und sah ihn fragend an.
„Es ist so, Sie können Ihr Erbe erst antreten, wenn Sie volljährig sind. Solange wird natürlich von Ihrem Vermögen für ihren Unterhalt immer etwas abgehoben. Haben sie das verstanden?", fragte Mr. Meyer mich herablassend.
„Natürlich hab ich das verstanden. Außerdem wusste ich das schon. Und Ihr Gehalt wird auch von meinem Erbe bezahlt. Erzählen Sie mir was neues!", erwiderte ich schroff.
„Nun, da Sie das Alles schon wissen, gibt es nichts mehr zu besprechen." Mr. Meyer stand auf und verabschiedete sich:
„Ich melde mich bei Ihnen, wenn es Unklarheiten gibt. Einen schönen Tag noch!"
Dann disapparierte er.
„Was für ein Arsch!", murmelte ich, nachdem er weg war.
„Mach dir nix draus. Immerhin passt er auf deine Finanzen auf." versuchte mich Molly aufzuheitern und stellte mir mein „Frühstück" vor die Nase.
Die folgenden Wochen waren sehr schön. Ich hatte viel Spaß bei den Weasleys. Percy sah ich kaum, er musste arbeiten und war in seinen Kesselbericht versunken. In diesen Wochen hatte ich auch Geburtstag. Ich wurde 16 und die Weasleys haben eine nette kleine Party für mich veranstaltet. Ich freute mich riesig auf die Quidditch-Weltmeisterschaft, die eine Woche vor Schulbeginn stattfand. Harry und Hermine kamen auch mit. Es war schön die Beiden wiederzusehen, obwohl sie mich immer noch seltsam anblickten. Aber zuvor, in der 2. Ferienwoche lernte ich die restlichen zwei Weasleys kennen. Bill und Charlie.
Charlie kam einen Tag vor Bill. Ich war gerade mit den Zwillingen und Ron im Obstgarten und spielte mit ihnen eine Partie Quidditch, als Molly uns zu sich rief.
In der Küche angekommen, stutze ich. Die Anderen bemerkten nichts und begrüßten Charlie freudig. Als Charlie mich endlich ansah, stocke auch er. Dann sagte er:
„Schön dich wieder zu sehen, Kleine."
„Ebenfalls!", erwiderte ich lässig und gab ihm die Hand.
Ausnahmslos alle Anwesenden sahen uns verwundert an; endlich ergriff Molly das Wort, während Charlie und ich uns noch grinsend anblickten.
„Wie, ihr kennt euch schon?"
„Ja, wir haben letztes Jahr in den Sommerferien kennen gelernt. Da war ich mit meinen Eltern in Rumänien im Urlaub." erklärte ich den Weasleys und schluckte bei dem Gedanken an meine Eltern.
Charlie nickte zustimmend.
„Und warum hast du uns nicht gesagt, dass du Charlie schon kennst?", fragte Ginny.
„Ich kannte seinen Nachnamen nicht. Und er ist bestimmt nicht der einzige Charlie in Rumänien. Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, dass der Charlie aus den Ferien, Charlie Weasley ist?!"
Charlie nickte fleißig weiter.
„Ich bring mal meine Sachen hoch. Schlaf ich mit Bill wieder im Zimmer der Zwillinge?!", sagte Charlie, hob seine Koffer hoch und ging zur Treppe.
Ich nahm ihm schnell einen der Koffer ab und folgte ihm nach oben. Als ich die Zimmertür hinter mir geschlossen hatte, sagte Charlie sofort:
„Wir sagen ihnen nichts. Und wir führen das vom letzten Jahr auch nicht weiter, klar?"
„Ich bin voll deiner Meinung. Wir bleiben einfach Freunde und erwähnen unsere Affäre nie wieder!", stimmt ich ihm hastig zu.
„Ok, dann wäre das geklärt!"
Wir lächelten uns an und ich fragte beiläufig und zum Scherz:
„Aber mit einem deiner Brüder darf ich doch was anfangen, oder?"
Charlie sah mich verdutzt an, dann lachten wir auf.
„Wenn du unbedingt willst..."
Am nächsten Tag kam Bill an. Unsere Begegnung war noch ungewöhnlicher. Naja, eher peinlich.
Ich stand gerade nur mit einem Badetuch bekleidet im Bad und flocht meine hüftlangen, schwarzen Haare. Plötzlich sprang die Tür auf – ich konnte nicht abschließen, weil dass Schloss mal wieder kaputt war – und Bill stand vor mir. Er sah mich völlig verdattert an. Zu allem Übel rutschte mir dann auch noch das Badetuch runter. Und so stand ich splitterfasernackt vor Bill. Glücklicherweise hatte er danach den Anstand den Raum schnell wieder zu verlassen.
Als ich mich angezogen hatte ging ich hinunter. Am Esstisch saßen sämtliche männliche Weasleys – bis auf Arthur, der musste arbeiten – und lauschten Bills Erzählungen. Ich vermutete, er schilderte unser Zusammentreffen im Bad. Aber als sie mich erblickten, grinste nur Bill frech. Alle Anderen begrüßten mich normal.
„Hey Mary, Bill erzählt uns gerade von den Fallen in den Pyramiden; unterstützt mit ein paar Fotos!", erklärte mir George und hielt einige Fotos in die Höhe, die, soweit ich erkennen konnte, ein paar besonders entstellte Mumien zeigten. „Ach ja, und das ist Bill!"
„Hab ich mir fast gedacht." erwidert ich wissend.
Zu meinem Erstaunen sprang Bill sofort auf, begrüßte mich ausgelassen und umarmte mich. Während der Umarmung flüsterte er mir ins Ohr:
„Tut mir leid, wegen vorhin. Ich erzähl's auch nicht weiter. Du siehst übrigens sehr sexy aus."
Als er die Umarmung löste lächelte ich ihn, mehr oder minder, erzwungen an und flüsterte ein leises, mit leicht ironischem Unterton: „Danke".
„Na, na, Bill! Nicht so stürmisch. Mary ist nicht zu erobern. Sie ist jetzt so was wie unsere Schwester!", gluckste Charlie.
„Das sagt grad der Richtige!", murmelte Bill leise.
Ich sah Charlie fragend an, der zuckte verlegen mit den Schultern und sagte:
„Er wusste es schon."
„Um was geht's denn?", fragten die Anderen gleichzeitig.
„Nicht so wichtig!", tat ich die Frage ab.
Dann widmeten sich alle wieder Bills Geschichten.
Erst jetzt hatte ich Gelegenheit mir Bill genauer zu betrachten. Er sah sehr gut aus. Ich fand lange Haare schon immer toll und ihm standen sie auch. Er war groß, schlank und muskulös. Ja, man kann sagen er übte einen gewissen Reiz auf mich aus, trotz der Tatsache, dass er 6 Jahre älter war als ich, was mich übrigens nicht im Geringsten störte.
liebguck
