Entscheidend. Entscheidend. Entscheidend.

Dumbledores Worte hallten wie ein Echo in der Stille nach. Mione schluckte wieder. Entscheidend. Aber Dumbledore konnte doch nicht einfach so erwarten, dass sie tat, um was er sie bat, dass sie ihren Lehrer "ehelichte" - Mione wurde schon bei dem Wort übel - nur, weil es wichtig sein könnte. Und ihr dann nur winzig kleine Informationsstückchen hinhalten.

Sie senkte den Blick. Doch, er konnte. Und wann hatte sie je gezögert, wenn es darum ging, Harry zu helfen? Harry...

Mione erinnerte sich an Snapes Worte. "Ich habe nicht vor den Krieg zu überleben." Warum saß er dann hier? Sie musste wieder schwer schlucken, ihre Finger begannen zu zittern und Mione knetete nervös ihre Hände. Warum kümmerte es Snape, wie der Krieg ausging, wenn er ihn sowieso nicht überleben wollte? Wie konnte er so etwas überhaupt sagen? Wie konnte er so völlig unbeteiligt über seinen Tod sprechen?

Snape heiraten. Mione erschauerte. Sie konnte sich nicht vorstellen, was das bedeuten würde. Mione sah auf.

Stille hatte sich über den Raum gelegt, Dumbledore musterte sie mit nachdenklichem Blick, während Snape weiter wie unbeteiligt geradeaus starrte. "Sir, was... was würde das für den Alltag bedeuten?", fragte sie mit schwacher Stimme und Snape schnaubte wieder.

"Wieso fragen Sie das alles", fragte Snape abfällig, ohne seinen eisigen Blick von dem Regal hinterm Schreibtisch zu nehmen, "wenn Sie sowieso gleich so schnell wie möglich gehen werden? Sie ziehen diese Möglichkeit doch nicht wirklich in Betracht."

Mione streckte ihren Rücken unmerklich und hob trotzig ihr Kinn. "Ich höre mir gewöhnlich alle Folgen und Konsequenzen an, bevor ich urteile, Sir", sagte sie leise und nur halb so entschieden, wie sie wollte.

Snape gab nur wieder ein schnaubendes Geräusch von sich, doch Dumbledore griff ihre Frage wieder auf. "Was das für den Alltag bedeuten würde, Miss - Hermione?" Er machte eine nachdenkliche Pause. "Es muss nichts bedeuten. Wie gesagt, ich möchte nur sicher sein, dass Sie sich beide Ihrer Loyalität in jeder Situation gewiss sein können."

"Sir, ich muss..." Nachdenken? Musste sie das wirklich? Sie vertraute Harry ihr Leben an - er vertraute Dumbledore. Sie vertraute ihm dann doch logischerweise auch. Oder?

Entscheidend. Das Wort hallte immer wieder in ihrem Kopf nach. Sie hatten die DA gegründet, sie waren in die Mysteriumsabteilung geflogen, sie waren zu Rebellen geworden, zur nächsten Generation der Kämpfer, doch was hatten sie bisher bewirkt? Jetzt war die Zeit gekommen, in der sie wirklich ihren Teil leisten konnte.

Es würde keine Auswirkungen auf ihren Alltag haben. Die Ehe bestand nur auf dem Papier. Keine Probleme, nur Papier. Und, wenn sie Dumbledore Glauben schenken wollte, wäre es unabdingbar, um in dem Krieg zu helfen. Um Harry zu helfen.

"Hermione-" Ihr Kopf ruckte hoch, während Dumbledore ihr ein nachsichtiges Lächeln schenkte. "Es ist verständlich, dass Sie diese Entscheidung nicht hier fällen können. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, schlafen Sie eine Nacht darüber, oder zwei, oder drei. Lassen Sie sich Zeit, bedenken Sie alle Eventualitäten und teilen Sie mir dann Ihre Entscheidung mit. Egal, wie sie ausfällt, Sie können immer-"

"Ich mach´s", ihre Stimme war so leise, so rau, dass nichtmal sie selbst sich verstand. Mione zuckte zusammen. Hatte Sie das gerade wirklich gesagt? Ja. Ja, aus dem Bauch heraus, einfach so.

"Wie bitte?", fragte Dumbledore, seine Augen weiteten sich ein kleines Stück.

Mione räusperte sich. Jetzt konnte sie nicht mehr zurück. Sie hatte sich entschieden. Zumindest ein Teil von ihr. "Ich mach´s", wiederholte sie sich, diesmal lauter, fester und stand auf. Snape wandte sich in Zeitlupe zu ihr um, ihr Magen gefror, sie fühlte sich seltsam kribbelig. "Ich tu es", wiederholte sie laut für sich selbst, als Erinnerung, als Überzeugung, doch bei den nächsten Worten stolperte sie. "Ich werde das tun, worum sie mich bitten. Ich werde Professor Snape heiraten."

Mit einem Satz war Snape auf den Beinen und fuhr zu ihr herum: "SIND SIE VON ALLEN GUTEN GEISTERN VERLASSEN?", schrie er, seine beinahe schwarzen Augen blitzten gefährlich und Mione zuckte ob der Lautstärke zusammen. "SIND SIE VOLLKOMMEN VERRÜCKT GEWORDEN?"

"Severus", mahnte Dumbledore leise. Snape fuhr mit einer fließenden Bewegung zu ihm herum und Mione war sich sicher, wenn Blicke töten könnte, wäre Snape als Massenmörder gesucht.

"SIE IST MEINE SCHÜLERIN!"

Dumbledore sah ihn über seine Halbmondgläser emotionslos an. "Ich weiß, Severus."

"SIE IST NOCH EIN KIND!", schnaufte Snape und fuhr wieder zu ihr herum, seine Augen flackerten bedrohlich in tiefem schwarz.

"Ich bin volljährig, Sir", flüsterte Mione leise, zog die Schultern hoch und senkte schnell ihren Blick, sie fürchtete, Snape würde jederzeit ausholen und etwas kaputt schlagen.

"Was?", fragte er wenig intelligent.

"Ich bin vor zwei Wochen siebzehn geworden." Mione starrte noch immer auf ihre Fußspitzen.

"Selbst wenn", fauchte Snape und drehte sich wieder schnaufend zu Dumbledore um. "Ich könnte ihr Vater sein!"

Dumbledore fuhr sich müde übers Gesicht. "Dessen ist sich Miss Granger sicherlich bewusst. Ich würde Ihnen raten noch eine Nacht darüber zu schlafen und wir treffen uns morgen Abend wieder hier. Für die Zeremonie, wenn Sie sich nicht anders entscheiden."

Mione nickte, während Snape nur ein grunzendes Geräusch von sich gab.

Jetzt verstand sie. Snape war davon ausgegangen, dass sie schreiend weglaufen würde. Dann hätte er sich vor Dumbledore nicht wehren müssen. Sie hatte ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Ich verspreche Ihnen Sir, ich werde keine Probleme machen", flüsterte Mione und riskierte einen kurzen Seitenblick zu Snape, der immer noch aussah, als würde er gleich etwas zertrümmern.

Snape sah zwischen ihr und Dumbledore hin und her. Sein Blick war mörderisch und Mione zog unbewusst den Kopf ein. Er begann langsam den Kopf zu schütteln. "Sie beide haben den Verstand verloren!", zischte Snape, fuhr auf den Hacken herum und stürmte aus dem Büro.