Hallo, da bin ich wieder!

Hier kommt Teil 2 meines kleinen Weihnachtsunsinns.

Nachdem ich beim letzten Mal Einiges vergessen habe, muss ich mich diesmal bei meiner Beta-Leserin Wolf (/Cassian) bedanken. Solltet ihr trotzdem noch Fehler entdecken, dann gehen die voll und ganz auf mein Konto!

Außerdem möchte ich mich bei Andreas bedanken, dessen konstruktive Kritik mich sehr gefreut hat!  Leider war es für Änderungen schon ein wenig zu spät, aber ich kann bestimmt noch etwas in meinen zukünftigen Geschichten verwerten.

Disclaimer: Wie gehabt.

Warning: Slash.

Kapitel 2 I saw three ships

Die Barnacle hatte guten Wind, so dass sie sich schon 5 ½ Wochen später in der Nähe der irischen Küste befanden. Spätestens hier wurde ihnen klar, dass sie mehrere, entscheidende Fehler begangen hatten.

Jack stand zitternd an der Reling und betrachtete sorgenvoll, die dunklen Wolken, die von Westen her aufzogen. Insgeheim bereute er es mit dieser ganzen Weihnachtssache überhaupt angefangen zu haben.

„Die Wolken sehen nicht gut aus."

Arabella stand neben ihm und wippte von einem Fuß zum anderen, um sich wenigstens ein bisschen warmzuhalten. Um ihre Schultern hatte sie eine leichte Decke gewickelt, die nicht im Entferntesten dazu beitrug, die Kälte abzuwehren.

„Nein." Jack schüttelte zustimmend den Kopf. „Das tun sie wirklich nicht. Winterstürme sind das. Deswegen sticht man hier in England auch nur im Frühjahr und im Sommer in See. Und man bemüht sich vor Beginn der Herbststürme wieder herzukommen, falls man das im Sinn hat."

In einer spontanen Entscheidung schritten Jack von der Reling weg und bellte „Segel einholen!" in die Runde, die in verwundert ansah.

Schließlich stürmte es ja noch nicht und es wäre doch sicher besser vor dem Sturm eine gute Strecke zurückzulegen?

„Nun, macht schon, ihr Landratten!!!" Jack verlor langsam, aber sicher die Geduld. „Oder wollt ihr die Barnacle an den Giant's Causeway segeln?! Das wäre leicht schmerzhaft, glaubt's mir."

Bewegung kam in die durchgefrorene Crew, sei es, weil sie der Einschätzung ihres Captains Glauben schenkte, sei es, weil sie die Bewegung zumindest ein bisschen warm halten würde.

Jean und Tumen kletterten in die Takelage und holten gemeinsam die obersten Rahsegel ein, Fitzwilliam und Tim kümmerten sich um die mittleren Segel, während Arabella die Focksegel des Bugspriets reffte. Jack schritt derweil das Deck ab und prüfte, ob alles, was sie noch brauchen würden irgendwo festgebunden war. Wenn er sich täuschte würde der Sturm nicht mehr länger auf sich warten lassen, und wie um ihn zu bestätigen, verwirbelte ein scharfer Wind ihm bereits die langen, schwarzen Haare und ließ seine beiden Perlen aufeinander klacken.

„Habt ihr's bald?!", schrie Jack nach oben, genau in dem Moment, in dem Jean und Tumen auf Deck sprangen. Jack warf einen kurzen, prüfenden Blick nach oben ins Segelwerk, war aber zufrieden mit der Arbeit seiner Crew.

„In die Kajüte, schnell."

Obwohl keiner der 6 anderen, nicht einmal Constance, einsahen, was für ein Theater Jack um Wolken machte, die noch weit genug weg schienen, folgten sie ihm alle hinein, froh um das bisschen Wärme, das sie dort drin erwartete.

„Jack."

„Hm?" Jack sah kurz zu Fitzwilliam auf, der sich auf dem einzigen Stuhl der Kabine niedergelassen hatte, während Jack im Schneidersitz auf dem Boden saß.

„Was soll das? Es stürmt doch-" In diesem Moment erfasste ein starker Wind die Barnacle, die mit einem heftigen Ruck reagierte und alle Möbel ein Stück zur Seite rutschen ließ.

„Uwahhhh!", Fitzwilliam, der mit einer plötzlichen Widerlegung seiner Worte nicht gerechnet hatte, fiel mit einem Schrei vom Stuhl direkt auf Jack, der unter der Last nach hinten kippte und seinen Schneidersitz aufgeben musste, um zu verhindern, dass sie sich beide überschlugen.

„Stürmt fast gar nicht, was, Fitzy?"

Der erwiderte gar nichts, sondern starrte Jack nur unverhohlen verdattert an und dachte nicht einmal daran, von ihm aufzustehen. Immerhin garantierte Jack, so paradox es war, eine gewisse Standfestigkeit.

Arabella, bleich wie ein Leintuch, klammerte sich an einen Pfosten, während sich die beiden Navigatoren an ihre Röcke klammerten, als wären sie noch die beiden Kinder, die sie vor 2 Jahren, als sie sich der Crew der Barnacle anschlossen, gewesen waren.

Timothy schließlich klammerte sich an Constance, zu der er eine für Jack immer noch unverständliche Zuneigung empfand.

Jack versicherte sich, dass alle seine Crewmitglieder sich irgendwie gesichert hatten, schubste dann Fitz von sich herunter, der gegen den Tisch rutschte und stand auf.

„Mach die Tür hinter mir zu, Fitzy. Ich sehe nach dem Steuer."

Durch die heftigen Wogen hin und her geworfen, gelang es Jack kaum sich zur Tür hindurchzuhangeln, doch es gelang ihm immer noch besser als Fitzwilliam, der sich keuchend am Tisch hochangelte.

„Jack, das ist Wahnsinn...!"

„Aber notwendig." Mit einem wagemutigen Grinsen drehte Jack sich um und öffnete die Tür, die der Crew den Blick freigab auf peitschenden Regen und eine aufgewühlte See.

„Ganz normal so was. Zieht hier meistens so plötzlich auf", meinte Jack in einem beiläufigen Ton und kämpfte sich dann zum Ruder durch, wobei er Mühe hatte nicht über Bord zu gehen, da der Wind so stark und er selbst so leicht war.

Schließlich gelang es ihm das Steuerrad zu packen, doch es drehte immer noch hin und her, brach ihm dabei fast die Arme, denn er war zu schwach, um es zu halten.

Plötzlich spürte er zwei andere Hände, die die seinen umgriffen und damit das Ruder auf Kurs hielten.

„FITZ?", brüllte er über den Wind hinweg. „GEH REIN!"

„NEIN!", gab der Adlige ebenso laut zurück. „DIE TÜR IST ZU, DIE ANDEREN SIND SICHER, WIR STEUERN!"

Gerne würde Jack widersprechen, doch der Wind machte dieses Unterfangen sinnlos. Außerdem wusste Jack ganz gut, dass er das Schiff ohne Fitzys Hilfe niemals auf Kurs halten könnte und so blieben beide an Bord.

Am nächsten Morgen hatte der Wind abgeflaut und das Schiff sich beruhigt.

Als Arabella, Jean, Constance, Tumen und Tim sich endlich aus dem Inneren des Schiffes wagten, fanden sie Fitzwilliam und Jack immer noch ans Steuerrad geklammert, pitschnass, zitternd und halb schlafend, doch erfolgreich.

„Da-das Sch-sch-schiff-- ist auf K-k-k-kurs...", brachte Jack mit klappernden Zähnen hervor, während Fitzwilliam sich zitternd von Jack löste.

Arabella trat hinter ihren Captain und legte ihm fürsorglich ihre Decke um, dann schüttelte sie vorwurfsvoll den Kopf.

„Geht hinein, ihr Möchtegernhelden, ihr holt euch noch den Tod."

„Aye..." Vermutlich waren Jack und Fitzwilliam sich nur ein einziges Mal so einig wie jetzt, als sie gemeinsam hinein gingen und sich in Decken wickelten.

„Aber st-steuert mir ja richtig!" brachte Jack noch hervor, bevor er sich in eine Hängematte kuschelte, in die er, der Wärme wegen, auch Fitzwilliam einlud.

Fitzwilliam zögerte kurz, doch dann beschloss er Jacks, höflich ausgedrückt, abenteuerlichen Geruch zu ignorieren, um sich zumindest ein bisschen warm zu halten.

„K-kalt..."

„Ach, was... Ich bin müde."

Ungeniert, wie es nur Jack möglich war, drückte sich der Junge an Fitzwilliams durchnässten Körper, um sie beide warm zu halten.

„Jack!" Fitzwilliam spürte unwillig, wie sich eine gewisse Röte in sein Gesicht schlich.

„Was?" Der Angesprochene öffnete ein Auge. „Willst du lieber erfrieren?"

Das wollte Fitzwilliam natürlich nicht und so akzeptierte er Jacks Körper an seinem, genoss sogar ein wenig die Restwärme die von ihm ausging. Die Wärme der engen Hängematte und der Kontrast zu der in Kälte und Regen durchwachten Nacht ließ die beiden schnell einschlafen.

Durch einen lauten Knall, fast wie Kanonendonner, sprang Jack erschrocken auf und zog dabei auch Fitzwilliam aus der Hängematte, der ihn wütend anschnauzte.

„WAS SOLL DAS, SPARROW!"

„Shhht! Hörst du das?"

Ein weiterer Knall, dieses mal näher erschütterte die Barnacle. Verwirrt versuchte Fitzwilliam den Urheber dieses Lärms auszumachen.

„Was...?"

„Kanonendonner."

Jack sprang besorgt auf die Beine. Was war denn das? Schossen die etwa auf sie? Wie um seine schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen, eilte Arabella in die Kajüte.

Das Mädchen sah zu Tode erschrocken aus, ganz so, als wisse sie nicht mehr, was zu tun ist.

„Lassie, was?"

„Oh, Jack." Zu Jacks Entsetzen schien Bella den Tränen nah zu sein. „Ein Handelsschiff. Es schießt auf uns."

„Ein Handelsschiff?!" Jack eilte nach draußen, Arabella im Schlepptau.

„Wo ist das verdammte Teleskop??" Hastig blickte er sich an Deck um, je schneller er es fand, umso besser.

„Hier." Ohne ein Wort des Dankes schnappte Jack sich das Teleskop aus Jeans Hand und richtete es auf das Schiff, das sie offensichtlich verfolgte.

„EITC. Verdammt, die müssen uns für Piraten halten!" Jack winkte mit der freien Hand, um dem Schiff seine ganz und gar nicht piratischen Absichten zu signalisieren, mit dem einzigen Erfolg, dass das Schiff eine weiter Kanonenkugel abschoss, die den Rumpf der Barnacle traf.

Wütend und frustriert sprang Jack auf und gestikulierte wild in Richtung des anderen Schiffes.

„Hört endlich auf, Löcher in mein Schiff zu ballern!!!!"

Zwecklos. Jack hatte eigentlich auch nichts anderes erwartet. Eine weitere Kugel, unter der sich der junge Captain gerade noch wegducken konnte, sorgte dafür, dass der Mast splitterte.

„Arrgggh! VERDAMMT!"

Jack drehte sich zu seiner verängstigten Mannschaft um.

„Verlasst das Schiff." Er wollte sich schon wieder wegdrehen, um diesem Schiff seine Verwünschungen entgegen zu brüllen, da fiel ihm der entgeisterte Blick seiner Crew auf. Was war denn nun schon wieder? Wollten die etwa auf einem offensichtlich sinkenden Schiff bleiben??

„Geht endlich in die Rettungsboo-" Da traf es Jack wie ein Blitzschlag. Sie hatten ja gar keine Rettungsboote!

„Scheiße!" Verzweifelt hastete Jack zur Reling. Hoffentlich hatte der Sturm sie nicht aufs offene Meer abgetrieben. Nein, eine Küste, entweder die irische oder die englische lag vor ihnen. Gut. Wenigstens etwas.

Die Entscheidung, ob er seiner Crew tatsächlich befehlen sollte, ins kalte Wasser zu springen, wurde ihm freundlicherweise vom Handelsschiff der EITC abgenommen. Eine weitere Kugel traf den Rumpf, der Barnacle, was das ganze Schiff erschütterte und selbst einige Planken an Deck in Mitleidenschaft zog. Eins war klar, die Barnacle würde sinken. Und zwar bald.

„Ok. Los, springt."

Da keiner der 6 sich von diesem Vorschlag so recht begeistern ließ, musste Jack wohl alles selbst in die Hand nehmen. Resolut packte er Jean, mit Ausnahme von Constance den Kleinsten und warf ihn mit einem „Ich hoffe, du kannst schwimmen." über die Reling.

Er wusste wohl, dass keiner seiner Gefährten diese rabiate Methode gutheißen würde, doch es ging offenbar nicht anders.

„Los doch. Das Schiff sinkt eh. Und wenn wir drauf bleiben, verletzen uns vielleicht die Kugeln!!"

Schließlich fasste sich Timothy ein Herz und sprang mit Constance im Arm hinterher.

Jack blickte die übrigen erwartungsvoll an. Ein weiterer Kanonenschuss überzeugte schließlich auch Arabella und Tumen von der Wichtigkeit dieses Schritts und so standen zuletzt nur Fitzwilliam und Jack an Bord ihres Schiffes. Traurig blickte Jack auf die Überreste dieses kleinen Bootes, das ihm zwei Jahre lang ein Zuhause gewesen war.

Fitzwilliam, erstaunlich mitfühlend, legte ihm die Hand auf die Schulter.

„Ich hoffe, du planst nicht, als Captain mit deinem Schiff unterzugehen."

„Nein." Jack seufzte. Dann stieg er schweren Herzens auf die Reling.

„Ich lasse dir den Vortr-", bevor Jack seinen Satz beenden konnte, erschütterte ein weiterer Einschlag die Barnacle und beförderte beide Jungen über Bord.

„Scheiße, ist das kalt!!"

Das Wasser stach wie tausend Nadeln auf seiner Haut, es war eisig kalt, kein Vergleich zu dem warmen, liebkosenden Wasser der Karibik.

Aus den Augenwinkeln sah er, dass auch die anderen mit dem Wasser zu kämpfen hatten. Gerade wollte er zu ihnen hinüberschwimmen, da hörte er eine Stimme, noch eisiger als das Wasser, die ihm durch Mark und Bein ging.

„Was machen solch dreckige Piraten wie ihr auf britischem Gewässer?"

Jack blickte wütend auf, um zu sehen, wer sie da als Piraten zu bezeichnen wagte. Er, ja, er war einmal ein Pirat gewesen, doch die anderen ganz sicher nicht. Und selbst wenn, jetzt besaßen sie lediglich ein harmloses Fischerboot, das als Piratenschiff ganz sicher nicht zu gebrauchen war.

Wobei es jetzt nicht einmal mehr las Fischerboot zu gebrauchen ist...

„Was ist, Pirat? Wütend, dass dein Schiff versenkt wurde?"

Auf der Reling des anderen Schiffes stand ein Mann mit weißer Perücke, der in edles Leinen gekleidet war. Seine Augen waren sehr kleinen und blickten so bösartig, dass es Jack kalt über den Rücken lief.

„Ich bin kein Pirat. Lasst und an Bord oder wollt ihr, dass wir erfrieren?!"

„Keine Piraten wollt ihr sein? Was seid ihr dann? Ein schwimmendes Waisenhaus? Es scheint fast so."

Jack war fuchsteufelswild. Was fiel diesem arroganten Arschloch eigentlich ein.

„Wir sind britische Staatsbürger. Sie können es sich nicht leisten, uns erfrieren zu lassen!"

Der Mann lachte, kalt und herzlos.

„Gut. Ihr amüsiert mich. Holt diesen Abschaum an Bord."

Bald geht's weiter… Ahnt Ihr schon, wem dieses EITC-Schiff gehört?

Noch ein paar kleine Worterklärungen(wenn was nicht stimmt, korrigiert mich bitte):

Rahsegel: Die Segel, die an den Rahen, also den obersten Querstangen des Mastes, befästigt sind.

Focksegel: Segel am Fockmast, der vorderste Mast auf Segelschiffen.

Giant's Causeway: Felsengruppe an der irischen Küste (ähnliches gibt es auch in Cornwall), die ursprünglich eine Treppe von Riesen gewesen sein soll.