Jenny POV:

Während wir zu meinem Auto gehen, hat er die ganze Zeit seinen Arm um meine Taille gelegt, trotz meiner Proteste, dass das wirklich nicht nötig sei.

„Du siehst furchtbar blass aus, bist vorhin ohnmächtig geworden und ich möchte wirklich nicht, dass du noch mal hinfällst.", meint er. Damit ist die Sache für ihn geklärt und er duldet keine Widerrede.

Auch wenn ich nicht gerne bevormundet werde und lieber selber entscheide, wann ich Hilfe benötige und wann nicht, genieße ich trotzdem seine Nähe.

Wie ein Gentleman öffnet er mir die Beifahrertür meines Wagens, nachdem ich ihn aufgeschlossen habe, und versucht mir zu helfen, mich hinzusetzen.

„DAS wäre jetzt wirklich nicht mehr nötig gewesen, Jethro. Aber es ist lieb von dir.", meine ich.

„Das war doch selbstverständlich, Direktor." Ich verdrehe die Augen, als er die Tür wieder schließt und sich selber auf den Fahrersitz setzt und losfährt. Er fährt sogar ausnahmsweise mal nicht so „schwungvoll" und schnell wie er es sonst tut. Offensichtlich tut er das mir zuliebe, da er glaubt, ich könnte jeden Moment wieder umfallen. Wo ich ihm auch Recht geben muss…zusätzlich zu den Kopfschmerzen dreht sich alles manchmal. Ich bin froh, wenn ich mich zuhause hinlegen kann.

Schließlich sind wir da, nach einer schweigsamen Autofahrt, und er meint mir wieder beim Aussteigen zu helfen wie er es auch beim Einsteigen getan hat. Zuvorkommend öffnet er sogar meine Haustür und hilft mir aus dem Mantel.

Dann stehen wir da. In meinem Flur und wissen nicht ob wir jetzt diese Stille durchbrechen sollen oder nicht.

Er entscheidet sich dafür.

„Wie geht es dir jetzt, Jenny?", fragt er mit fürsorglicher Stimme.

„Nicht schlechter, aber auch nicht besser…", antworte ich zögernd.

„Geht das auch noch konkreter?"

„Ich bin müde…der Tag war lang…"

„Jenny, du bist doch nicht nur müde!"

„Naja, ich hab noch Kopfschmerzen, ich glaube ich habe eine Erkältung. Sonst nichts."

„Jen! Du bist vorhin ohnmächtig geworden! Hast du Fieber?", fragt Gibbs besorgt und legt mir die Hand auf die Stirn.

„Nein, Fieber hab ich keins. Aber ich muss schon zugeben, ich bin ein wenig hungrig…"

Er hört auf weiter nachzubohren, scheinbar hat er verstanden, dass er aus mir nicht mehr rauskriegt.

„Weißt du was, ich koche uns beiden etwas und du legst dich so lange schon mal auf die Couch, ja?", sagt er wieder in freundlichem Ton und bevor ich überhaupt antworten kann, packt er meine Schulter sanft und bugsiert mich in mein Wohnzimmer, geradewegs auf die Couch. Er holt mir sogar noch eine Decke. Es kommt mir fast albern vor, dass ich hier stumm sitze, in meinem eigenen Haus wohlgemerkt, und er mich bedient, als würde er hier selber wohnen und genau wissen, wo sich alles befindet.

Ich lege mich hin, und schnell fallen mir auch schon die Augen zu.

Richtig schlafen kann ich nicht, aber ich entspanne mich solange bis es in der Küche auf einmal leise wird und ein sehr leckerer Duft in meine Nase steigt.

Ich öffne die Augen – und wieder, wie vor einer Stunde – sehe ich als erstes Jethros strahlend blaue Augen. Er hat die Hand ausgestreckt, so als wäre er gerade im Inbegriff, mich zu wecken. Da bin ich im wohl zuvorgekommen.

„Oh, du bist ja schon wach", sagt er.

„Wohl eher, ich habe überhaupt nicht geschlafen und bloß meine Augen entspannt bis mich dieser leckere Geruch erreicht hat", erwidere ich freundlich.

Auf dem Couchtisch hat er schon zwei Teller, Besteck hingelegt und das Essen serviert. Ich setze mich auf und er schaut mich an.

Ich setze mich auf und wir fangen an zu essen.

Die Gabel in meiner Hand zittert. Naja, eigentlich zittert meine Hand. Gibbs bemerkt es und meint:

„Soll ich dir helfen, Jenny? Ich könnte dich füttern.", bietet er an. Plötzlich muss ich lachen. Dieser Gedanke, wie ich mich wie ein Baby von Jethro füttern lasse ist auch einfach zu albern! Er muss auch schmunzeln. Seine Augen strahlen richtig, wenn er sich das Lachen nur schwer verkneifen kann und seine Wangen werden ganz rot.

Ich erwidere bloß, nachdem ich mich wieder beruhigt habe: „Nein, danke, Jethro. Aber du hast mir doch heute schon so viel geholfen, obwohl ich das eigentlich gar nicht nötig habe."

Sein Blick wird ernst. Die Stimmung schlägt um.

Gibbs POV:

Ich sehe doch, dass etwas nicht stimmt! Sie ist hat irgendwas und will es nicht zugeben, dass ist es!

„Jenny…ich sehe doch, dass du etwas hast. Du musst nicht immer die starke Direktorin darstellen, es ist völlig in Ordnung auch mal zuzugeben, dass du Hilfe brauchst und das es dir nicht gerade bestens geht! Du stehst laufend unter Stress, arbeitest bis tief in die Nacht, du musst dich mal ausruhen! Was hast du?", frage ich sie ganz unverblümt.

Sie schweigt kurz, bevor sie antwortet: „Regel Nummer 31: Nicht so viel Gefühl. Das macht dich nur schwächer."

„Jennifer Shepard! Das hat nichts mit Stärke zeigen zu tun! Und das kann man auch nicht auf die Regeln übertragen! Du bist krank! Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass das nicht nur eine kleine Erkältung ist! Ich sehe doch, wie du zitterst, wie du wankst und wie blass du manchmal aussiehst!", sage ich mit etwas lauterer Stimme.

„Jethro, ich…ich kann es dir nicht sagen…", wispert sie und ihr Blick ist gesenkt.

„Also du gibst zu, das da doch mehr ist als nur diese Erkältung?! Wieso hast du es denn nicht gleich gesagt? Es ist doch nicht schlimm krank zu sein! Ich möchte dir doch helfen! Ich könnte mit dir zum Arzt gehen?! Oder vertraust du mir etwa nicht? Wir sind doch Partner, und Freunde, und…" – das „ehemalige Geliebte" bleibt mir im Hals stecken, ich spreche es nicht aus, „ich bin doch für dich da! Du kannst mir doch alles erzählen, das weißt du doch, oder?"

„Nein, das…das ist anders, Jethro. Ich kann es dir einfach nicht erzählen. Tut mir Leid.", und ihre Augen werden feucht und fangen an zu glitzern. In diesem Moment sind all ihre Fassaden weggebrochen und vor mir sitzt eine zutiefst niedergeschlagene Jenny.

Mir fällt sofort Regel Nummer 6: Bitte niemals um Entschuldigung! ein, doch in diesem Moment passt es überhaupt nicht.

Jenny POV:

Tränen bilden sich in meinen Augen. Ich zeige Schwächen normalerweise nicht, aber in letzter Zeit kommen mir viel zu schnell die Tränen, den Tod auf Schritt und Tritt mich sich zu schleppen verlangt einen Tribut, ich würde ihm in diesem Moment am liebsten mein Herz ausschütten, aber ich kann es nicht. Es würde alles noch viel schlimmer machen. Er wird sich wohl so oder so mit meinem Tod auseinander setzen müssen, aber ich möchte nicht, dass er es schon vorher als Last mit sich herumträgt. Das hat er nicht verdient. Das hier ist nur mein Problem, mein Leben und ich möchte ihn nicht unnötig belasten. Außerdem würde es sowieso nichts ändern, er würde trotzdem weiterhin keine Gefühle für mich haben, die hat er nämlich schon lange nicht mehr. Dieses Thema ist für ihn schon längst abgeschlossen.

„Es tut dir Leid, Jen? Du bittest mich um Entschuldigung, weil du mir nicht vertrauen kannst, mich nicht dir helfen lässt und damit ich dir nicht zu nahe trete?"

„Nein, so ist es nicht, ich kann es dir wirklich nicht erzählen, willst du es nicht verstehen? Ich habe meine Gründe!"

„Du kannst es mir nicht sagen, Jen? Weil du deine Gründe hast? Oder du willst es mir nicht sagen? Ich dachte immer, wir wären mehr als einfach nur Kollegen. Aber da habe ich mich wohl geirrt." sagt er mit kalter Stimme und Wut, Enttäuschung und ein Hauch Kränkung schwingen in seiner Stimme mit.

Er steht auf und geht. Hinterlässt nur einen kalten Luftzug.

Die Haustür geht auf und fällt wieder ins Schloss, und dann ist es still. Er ist gegangen.