1. Kapitel Die Bedeutung der Nutzlosigkeit

POV John

Die Langeweile brachte mich fast zum Weinen. (Mein Gott jetzt fange ich schon an wie Sherlock zu denken).

Ich fühlte, dass Sherlock sich diesen Vortrag für mich als Strafe gedacht hatte, da ich mich an diesem Morgen geweigert hatte, ihn zu einem Fall zu begleiten.

Ich erinnerte mich früher am Morgen; Sherlock war begeistert, „Aber John, das ist ein Niveau von 8,5 bis 9. Der Fall betrifft Diebe, die seit Jahren Juwelen, bildende Kunst und seltene Münzen gestohlen haben. Irgendwie schmuggeln sie es aus Großbritannien und die Ware landet bei Auktionen in ganz Europa. Aber jetzt hat Lestrade einen Hinweis. Zwei verstümmelte Leichen, getötet in einem Abstand von drei Tagen. Bei einer von ihnen war eine Münze, die in Verbindung zu dem letztem Raub von einem Museum steht. Er ist sich sicher, dass es eine Verbindung zu den Schmugglern gibt."

Sherlock explodierte fast vor Hochspannung. Seit drei Wochen gab es keinen Fall.

Ich verstand. Wirklich. Wir waren beide gelangweilt und zunehmend angespannter, und Sherlock´s Geist, drohte zusehends der endgültigen Langeweile zu erliegen.

Ich hatte wenigstens meine Klasse, um die Monotonie zu durchbrechen (doch angesichts der heutigen Vorlesung…, Klassen sind schrecklich), und ich hatte meinen Teilzeitjob bei der Forensik am Yard (warte, das bedeutet gewöhnlich, mit Anderson zu arbeiten, zusätzlich negativ.)

Ich benutzte meine beruhigendste Stimme, und sagte zu ihm, "Sherlock, geh´ einfach und beginne ohne mich, ich werde in drei bis vier Stunden nachkommen. Du kannst die Opfer begutachten und die Beweise mit Lestrade besprechen."

Dann legte ich meine Hände auf seine Schultern. „Sherlock, ich habe nur noch ein paar Wochen bis zum Abschluss. Die meiste Zeit davon, muss ich an meiner Dissertation arbeiten, aber heute werde ich zu dieser verdammten Vorlesung erwartet. Geh, sammle Daten und dann warte einfach auf mich. Nur dieses eine Mal, bitte warte auf mich. Und mach´ keine anderen gefährlichen Sachen. Unternimm nichts auf eigene Faust. In wenigen Stunden stehe ich zu deiner Verfügung."

Der weltweit einzig auferstandener und beratender Detektiv, wischte meine Hände ärgerlich zur Seite.

„Wenn ich sterbe, liegt es nur an dir, John", sagte der Welt ältester und grösster Vorschüler. Dann stolzierte er, im vollen Schmoll-Modus, aus der Wohnung.

Ich erhielt keinen anderen Abschiedsgruß. Vom Fenster aus beobachtete ich, wie er beinahe schon aus der Haustür segelte, sein Mantel aufgebauscht wie ein Umhang.

(Richtig, Mycroft sagte ja, dass Sherlock schon immer ein Pirat sein wollte.)

Momentan, beobachtete ich gerade den Dozenten, der wie durch Zauberei, einen Raum, voller, vormals dynamischer, Leute, in Zombies hypnotisierte.

Ich unterdrückte ein Gähnen während ich auf die Uhr schaute, 12:10. Wieder Verspätung. Sherlock wird niemals auf mich warten.

Mein Handy vibrierte wegen einer neuen Benachrichtigung:

Komm sofort zur Notaufnahme von St Bart´s. Sherlock wurde angeschossen. GL

Ich überrannte mehrere Leute, als ich aus der Halle stürmte und schnappte einer kleinen, älteren Dame das Taxi vor der Nase weg. In meiner Panik war ich rücksichtslos.

(Sherlock angeschossen. Nein, bitte lieber Gott, lass ihn nicht sterben. Nicht schon wieder. Ich kann das nicht noch einmal ertragen. Ich kann nicht atmen.)

Ich kann mich nicht an die Taxifahrt erinnern; ich erinnere mich nur, dass ich versucht habe zu atmen und nicht zu schreien. Und ich erinnere mich, dass ich um ein weiteres Wunder gebetet habe.

Ich glaube, dass ich dem Taxifahrer Geld gegeben habe. … dann, riß ich die Krankenhaustüre auf und stürmte in die Notaufnahme.

Ich bekenne, dass ich noch eine ältere Dame umgerempelt habe.

Die Polizei war in der Halle und eine vertraute Stimme zeriss jemanden in der Luft, anhand einer mißbilligenden Schlussfolgerung.

Als ich Sherlocks Raum betrat, sah ich, dass sein Arm verbunden war. Er hatte einige Hämatome an seiner linken Wange, und noch mehr an seiner Brust. Die Röntgenbilder an der Wand zeigten keine gebrochenen Rippen. Gott sei Dank. Allerdings hing er an einem i.v. Zugang und bekam eine Bluttkonserve transfundiert.

Sherlock drehte sich zu mir um und blitzte mich zornig an. Seine blauen Augen waren wie Gletschereis als er, vor Ärger über mich, blinzelte.

Lestrade schaute erleichtert, als er mich sah. „John, ich bin so froh, das du da bist. Sherlock hat die Londoner Basis der Schmuckler gefunden. Sherlock untersuchte Spuren des Schmutzes, dass das zweite Opfer unter seinen Fingernägeln hatte und erkannte, das der Schmutz von einem verlassenen, teilweise abgebrannten Warenhaus in der Nähe der Themse sein musste. Er ging auf eigene Faust los und überraschte die Schmuggler. Er kämpfte mit ihnen, aber sie schossen ihn in den Arm. Er hat zwar eine Menge Blut verloren, aber die Ärzte sagen, dass er wieder in Ordnung kommt…"

"Genug jetzt! John kümmert sich weder um meine Verletzungen noch um mich. Seine „Klassenarbeit" ist ihm ja soviel wichtiger. Hast du heute mit Fingerfarben gemalt oder kleine Tontöpfe getöpfert?" Er war in einer irrsinns Form.

Ich verbarg meine Verletzung, da der arme Sherlock ja wahrscheinlich Schmerzen hatte.

„Du weißt, dass das nicht stimmt Sherlock. Hast du große Schmerzen?" fragte ich und versuchte seine Hand zu nehmen.

Sherlock zog seine Hand zurück. "Ja es schmerzt. Es ist eine Schusswunde. Es ist deine Schuld das ich angeschossen wurde, da du ja so selbstsüchtig zu deiner sowieso zwecklosen Klasse gingst. Warum dieser dumme Promotionskleinkram in Forensik, wenn ich es mit geschlossenen Augen schlussfolgern kann. Da ist kein gefälschter Abschluss erforderlich."

Ich spürte mein Gesicht vor Verlegenheit erröten.

Gut, ich wusste ja, dass er nicht glücklich war mit meinem Bestreben einen wissenschaftlichen Abschluss in der Forensik zu erlangen. Er hat sich niemals darum gekümmert, das ich die Ausbildung nur machte, um wieder Sinn in meinem Leben zu finden, nachdem er mich wegen der Suche nach Moriarty verlassen hat.

Ok, nun fange ich an überzureagieren. Sherlock rettete mein Leben und zerstörte Moriarty. Er ist ein Held. Er hat Schmerzen und ist frustriert, und er ist immer noch mein bester Freund.

Ich ignorierte Lestrade und Mycroft und die Ärzte, die alle sehr unbehaglich schauten.

(Verdammt, ja, auch ich fühlte mich ziemlich unbehaglich.)

„Alles klar. Du kannst mich immer ausschlussfolgern, aber das ist kein..."

"Ich kann dich sowohl hinaus-schlussfolgern, als auch hinaus-denken. Und überhaupt dienst du keinem besonderen Zweck. Wegen dir wurde ich angeschossen und liege jetzt im Krankenhaus.", knurrte Sherlock mich an. „Wegen dir entkommen die Schmuggler von Cawsand. Morgen werden sie auf hoher See sein. Ich dachte, das ich mit dir rechnen kann, aber da lag ich falsch."

"Du bist nutzlos. Verschwinde. Geh zu deiner Uni zurück oder zu deinem vorgeheuchelten Job, den dir irgendjemand besorgt hat, weil deine Gefühle verletzt waren. Geh´ und spiele Dedektiv während ich reelle Kriminalfälle löse.", beendete er.

Ich hörte hinter mir jemanden nach Luft schnappen.

(Nutzlos? Ich bin nutzlos? Richtig und ich habe einen vorgeheuchelten Job den ich nur wegen meiner verletzten Gefühle bekam.)

Sherlock höhnte weiter, „Gut, geh´doch! Du bist nicht mehr mein Partner. Weil wir gerade dabei sind, warum packst du nicht deinen ganzen Krempel und ziehst zu einem von deinen ja so kostbaren Klassenkameraden. Ich bin sicher, das ich dich in ein paar Tagen, wenn nicht sogar Stunden ersetzen kann."

(Ich bin überflüssig. Er kann mich ersetzen.)

Ich war sprachlos vor Zorn. Momentan konnte ich die Verletzung nicht mal vor mir selbst zugeben. Wenn ich nur für eine Sekunde denken würde, dass ich bei dieser Tirade verletzt wäre, würde ich zusammenbrechen und weinen.

Ein Soldat weint nicht, insbesondere nicht vor anderen.

Ich drehte mich um und marschierte aus dem Raum.

Mycroft versuchte mich am Arm zurückzuhalten. Ich wandte mich ihm zu und schaute ihn an. Ich schätze mal, dass ihm das, was er in meinen Augen sah, nicht gefiel, da er hart zurück prallte. Ich war verhältnismäßig zufrieden, als ich bemerkte, wie ihm sein überlegenes Grinsen aus dem Gesicht fiel, als ich ihn anstarrte.

Ich stürmte durch die Notaufnahme. Ok. Mein Leben ist gelaufen. Ich will es beenden. Ich will... Oh hör auf Watson.

Nein, ich werde nicht wieder auseinanderfallen. Ich lebte ohne mein Herz für drei Jahre, und kann das wieder tun. Die erstaunliche Fähigkeit von John Watson, dem nutzlosen Mann ohne Herz, beobachten. Beobachten, wie er zu leben vorgibt, nachdem ihn sein Mitbewohner mitten ins Herz getroffen hat.

Ich kochte, als ich mich durch die Massen in Richtung der Schwingtüren der Notaufnahme schob.

So, es ist also alles meine Schuld. Ich verlor die Schmuggler. Es ist also mein Fehler. Fein. Ich werde die Schmuggler und die Beweise bekommen. Dazu brauche ich jedoch mehr Daten.

Wer ausser Sherlock Verdammter Holmes hat noch die Informationen?

Greg Lestrade rannte mir hinterher. Es war Schicksal. Es war meine Bestimmung.

„John," rief Greg, „warte. Ich bin sicher, dass er das nicht so gemeint hat. Du weißt, nichts von dem was er gesagt hat ist wahr. Er ist einfach hysterisch, weil sie entkommen sind. Es gibt keinen Beweis der sie mit kriminelle Tätigkeiten verbindet. Und ich bekomme keinen Durchsuchungsbefehl. Bitte, sei einfach…."

Ich hob meine Hand gebieterisch, (ja ich imitierte diesen arroganten Schnüffler , alias Sherlock.)

„Hör auf. Ich will kein Wort mehr über ihn hören. Ich werde nicht darüber reden. Aber du könntest mir einen Gefallen tun Greg. Vielleicht könntest du mir dein Telefon borgen. Ich ließ meines an der Uni, als ich hierher hastete, nur um von meinem früheren Mitbewohner beleidigt zu werden."

„John, sicher meinst du das nicht so. Hier, benutze mein Telefon. Ich habe noch ca 10 Minuten Papierkram zu erledigen, dann können wir gemeinsam zum Yard zurück. Ok Kumpel?" sagte Greg hoffnungsvoll.

(Ha! Denkt hier eigentlich jeder ich bin blöd? Wahrscheinlich denken alle, das ich nutzlos bin, und hilflos. Ok).

Ich durchsuchte Greg´s Texte und fand mehrere detaillierte Hinweise, im Vorfeld von Sherlock, die zu dem Debakel im Warenhaus führten.

Im Laufe des Vormittags hatte Sherlock entdeckt, dass die Schmuggler eine Yacht in Cawsand in Cornwall geankert hatten. Er war sich sicher, dass sie auf diese Weise die gestohlenen Sachen transportieren und das die Abreise unmittelbar bevorsteht. Der Name der Yacht lautet Calypso, der des Besitzers Archie Lyon, ein reicher Playboy mit einer ausschweifenden Drogenvorgeschichte.

Sherlock folgerte, dass die Schmuggler Archie mit eingeschlossen haben, da er ihnen einen regulären, sicheren Transport bieten konnte.

Offenbar hat Sherlock drei von den Männern im Warenhaus überrascht, denn nach einem kurzen Handgemenge, schossen die Angreifer auf Sherlock und flüchteten.

Ich weiß nicht, warum sie Sherlock nicht ganz ausschalteten, aber wahrscheinlich haben Verrückte wirklich einen Schutzengel, der sich um sie kümmert.

So, die Schmuggler werden sich sicher zur Yacht bewegen, um das Land zu verlassen. Und wahrscheinlich ist die Yacht voll von ihrer unrechtmäßigen Beute. Sie werden diese nicht aufgeben wollen.

Die erste Flut meiner Emotionen war vorbei, und hinterlies eine kalte, leere Öde, an der Stelle, an der mein Herz sein sollte.

Ich überreichte Greg´s Telefon der am jüngsten aussehenden Polizistin die ich finden konnte, und hoffte, auf ihre Unsicherheit bzgl. der Rückgabe des Telefons an einen Detective Inspector.

Dann eilte ich zur U-Bahn and fuhr Richtung Baker Street. Zwischendurch wechselte ich den Zug.

Mein Telefon legte ich in einen Zug der nordwärts fuhr, während ich die Richtung East End trug ich auch ein neu gekauftes Kapuzen T-Shirt.

Ich plante das Gesetz zu brechen, aktuell gleich mehrere Gesetze.

Ebenso plante ich die Schmuggler zu überwältigen und genug Beweise zu sammeln um sie überführen zu können.

So, dann werden wir ja mal sehen, ob dein neuer Partner das übertrifft, Herr Beratender Schnüffler Detektiv.