So. Nach dem langweiligen ersten Kapitel startet nun die Hauptstory.
Wir machen einen kleinen Zeitsprung und befinden uns nun also einige Tage in der Zukunft. Von jetzt an wird alles im Präsens geschrieben. Falls ich bei der einen oder anderen Zeitform falsch liege: Bitte verzeiht mir! Sagt einfach bescheid. Jetzt aber viel Spaß...
Das dritte wird dann tatsächlich etwas mehr Inhalt haben ;)

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Kapitel 2- Die Reise
Nach einigen qualvollen Tagen des Wartens sitzen wir nun endlich im Zug. Ich bin mir nicht sicher, wie viel Strecke wir schon zurückgelegt haben.
Ich bin müde und vom langen Sitzen tut mir alles weh. Trotzdem glaube ich nicht, dass ich jetzt schlafen könnte.
Tina sitzt mir gegenüber. Draußen beginnt es zu dämmern. Sie hat den Blick auf die vorbeirauschende Landschaft gerichtet.
Neben ihr sitzt Maya. Ihr Kopf ruht auf Tinas Schulter und die schwarzen Haare fallen ihr ins Gesicht. Sie scheint eingeschlafen zu sein.
Lukas hat sich auf den Platz neben mir fallen gelassen. Schon hat er den Blick auf ein Buch gerichtet.
Ich lese einige Zeilen mit, doch bald langweilt es mich, und ich wende die Augen ab.
Die Beleuchtung setzt flackernd ein. Bei dem vertrauten Summen schaut Tina vom Fenster auf und blickt mich an.
Unsere Blicke treffen sich einen Moment, dann wende ich meine Augen ab und schaue auf den Boden.
Ich bin von mir selber überrascht. Ich habe nie den Blick abgewandt, wenn ein Mädchen mich angeschaut hatte.
Ich schiebe den Gedanken von mir fort.
Gefühle waren zwischen mir und Tina nie ein Thema gewesen.
Außer unserem Wunsch nach Spannung, Forschung und Abenteuer verbindet uns nichts.
„Es wird die Müdigkeit und die lange Fahrt sein.", beruhige ich mich selber.
An der Anzeige des Zuges lese ich den Namen der nächsten Station. Die roten Zeichen leuchten mir entgegen. Es ist polnisch. Schon seit einiger Zeit kann ich die Namen nicht mehr deuten.
Doch diese Zeichen kommen mir bekannt vor.
Schnell vergleiche ich sie mit dem Zielort meiner Fahrkarte. Dann habe ich Gewissheit.
In wenigen Minuten werden wir den Bahnhof erreichen.
„Wir sind gleich da.", verkünde ich meinen Mitreisenden.
Meine Stimme klingt heiser und ich räuspere mich einige Male um sie wieder unter Kontrolle zu bringen.
Lukas schaut irritiert von seinem Buch auf.
Er schiebt ein Lesezeichen in das Schriftstück und verstaut es in seinem Rucksack.
Mein Blick liegt auf Tina, die die maulende Maya weckt. Stöhnend richtet sich diese auf und streicht sich die Haare aus dem Gesicht.
„Was ist los?", fragt sie gähnend.
Wir erheben uns und nehmen unser Gepäck.
„Anscheinend sind wir da.", erklärt Tina ihr.
Dann steigen wir aus.
Es ist schon ziemlich dunkel und mit uns verlässt nur eine Hand voll Menschen den Zug, die sich schnell in der Dunkelheit verlieren.
Dann sind wir allein. Unsicher stehen wir am Bahnhof und mustern die fremde Gegend, bis der Zug sich wieder in Bewegung setzt und die Rücklichter verschwinden.
„Na dann." , beginnt Tina zögerlich „wo wollten wir doch gleich die erste Nacht zelten?"
Maya verzieht das Gesicht. „Ich hasse zelten. Hab' ich das schon erwähnt?"
„Viel zu oft.", keift Lukas und schaut genervt.
Maya sieht ihn gekränkt und beleidigt an und will gerade etwas erwidern, als ich mich einschalte und die Diskussion über diese Nacht eröffne.
Ich habe eigentlich kein Problem mit zelten. Als Kind habe ich das häufig mit meinem Vater und meinem Bruder gemacht, doch nach diesem anstrengenden Tag erscheint mir der Gedanke, eingerollt in einen Schlafsack die Nacht auf dem harten Waldboden zu verbringen, nicht besonders verlockend.
Leise besprechen wir, wo wir diese Nacht verbringen sollen. Das Gespräch dauert nur wenige Minuten, dann ist klar: Keiner von uns ist besonders angetan, bereits diese Nacht draußen zu campieren.
Lukas erhebt noch ein paar Einwände, doch ich glaube er möchte in Wirklichkeit auch nicht zelten.
Glücklicherweise schaffen wir es von einer Telefonzelle aus einen Taxiservice zu erreichen. Die Frau am anderen Ende versteht ein wenig Deutsch, und so fährt nicht einmal zehn Minuten später ein Taxi vor.
Bald steigen wir an einem Hotel aus.
Das Gebäude sieht zwar groß und luxuriös aus, doch die Preise sind auch für Studenten wie uns bezahlbar.
Wir mieten zwei Zimmer. Schleppend gehen wir die breite Treppe zu den Zimmern nach oben.
Am Treppenabsatz trennen wir uns. Die Mädchen folgen dem Gang nach rechts zu ihrem Zimmer.
Lukas und ich nehmen ein Zimmer auf der linken Seite.
Wir betreten das Zimmer. Zwei breite Betten füllen den Großteil des Raumes aus.
Wir stellen unsere Sachen ab und ich gehe ins Badezimmer.
Ich nehme mir ein Handtuch und wasche mir das Gesicht. Dann werfe ich meinem Spiegelbild einen Blick zu.
Meine braunen Augen schauen zurück. Ich fahre mir mit der Hand einmal durch meine dunklen Locken.
Dann löse ich mich von dem Anblick um Lukas die Chance zu geben das Badezimmer in Beschlag zu nehmen.
Ich lege mich völlig erschöpft in eines der Betten. Mir tut alles weh, und einige Momente genieße ich es, einfach nur dazuliegen.
Wenig später kommt Lukas aus dem Badezimmer. Er hat seine blonden Haare gekämmt und sieht zufrieden aus.
Ich stütze mich auf einen Ellenbogen und beobachte wie er sie auf das andere Bett legt.
Er schaltet seine Nachttischlampe aus und taucht den Raum so in Dunkelheit.
„Anstrengende Fahrt, nicht?", beginne ich ein Gespräch als das Schweigen unbehaglich wird.
Zögerlich lässt er sich darauf ein.
„Ja. Schon…", antwortet er.
Wir schweigen beide eine Weile.
Diesmal bricht er es zuerst.
„Woher kennst du Tina und Maya?", fragt er mich und klingt ehrlich interessiert.
„Wir haben uns vor einem halben Jahr zufällig getroffen. Sie waren schon vorher befreundet und Maya wollte Tina etwas über ihr Studium erzählen. Du weißt ja, sie macht irgendetwas mit Landschaft… so genau weiß ich das auch nicht.
nun, wie auch immer. Anscheinend kam sie bei ihren Erzählungen in Gebiete die nicht mehr in ihr Studiengebiet fallen.
Ich glaube sie wollte sich nicht vor Tina blamieren. Also hat sie begonnen über Gesteine zu fachsimpeln.
Da habe ich mich dann eingemischt-„
„Achja. Du machst ja irgendetwas mit Kieselsteinen.", sagt er leicht amüsiert.
Leicht verärgert kläre ich ihn auf: „Ich studiere im vierten Semester Geologie. Und dabei geht es nicht um Kieselsteine. Es ist deutlich komplexer, und-„
Diesmal würgt er mich ab.
„Ist ja gut. Also. Wir waren bei Tina und Maya. Du hast dich also eingeschaltet um die Mädchen aufzuklären."
Ich atme durch. „Ja. Genau. Danach kamen wir ins Plaudern. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden.
Dann haben wir uns beim Mittagessen getroffen, gemeinsam Abende verbracht, und unsere gemeinsame Leidenschaft für Forschung und Abenteuer entdeckt.
Wie kommt es das du auf diesem Trip bist?"
„Wieso fragst du?", kontert er und klingt leicht verärgert.
„Naja.", sage ich beschwichtigend „Du scheinst mir nicht der typische Abenteurer zu sein."
Ich wähle meine Worte mit Bedacht, und anscheinend habe ich die richtigen getroffen.
„Bin ich auch eigentlich nicht. Naja, ich liebe schon Gefahr, aber als ich von dem Trip gehört habe, wollte ich vor allem dasselbe wie ihr: Forschen.
Jedes Team braucht doch ein Technikgenie, und dafür bin ich doch wie geschaffen, nicht?", fragt er nicht ohne einen Anflug von Stolz in der Stimme.
„Ja.", stimme ich zu. Ich hatte mich tatsächlich oft gefragt wieso er uns begleitete.
„Und außerdem", unterbricht er meinen Gedankengang „mit Tina verreisen wird sicher lustig. Sie ist ein kluger Mensch. Und dazu unbestreitbar hübsch", fügt er noch hinzu und klingt dabei etwas provozierend, als wünsche er sich, dass ich etwas entgegnen würde. Doch das tue ich nicht.
Ja, Tina ist hübsch, doch das trifft auf eine Menge Frauen zu.
Ich hänge meinen Gedanken über den folgenden Tag nach und gleite langsam in den Schlaf.

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Puh. Nächstes Kapitel hochgeladen.
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Viel Spaß euch noch!