Seit einigen Tagen regnete es fast ununterbrochen. Doch nicht nur das Wetter war mies. Nein, auch Hermines Laune. Sie vergrub sich schier in Arbeit und redete kaum mit jemandem. Auch Ron versuchte sie aus dem Weg zu gehen, aber wenn sie ihn doch irgendwo sah, was fast unvermeidlich war, setzte sie wieder ihre gleichgültige Miene auf. Aber, wie schon gesagt war es ihr nicht gleichgültig, wenn sie auf Ron und Lavender traf. Jedesmal, wenn sie die beiden sah verspürte sie einen äußerst unangenehmen Stich in der Brust. War sie etwa eifersüchtig? Diese Frage stellte sie sich oft, aber jedes mal kam sie zu dem Schluss, dass es nicht Eifersucht war. Es nervte sie lediglich, wenn Ron und Lavender beieinander waren. Kein Wunder! Wenn man etwas zu Ron sagen wollte, musste man es unweigerlich auch Lavender mitteilen, und auch das ständige geknutsche ging einem mit der Zeit auf die Nerven. Konnte sie Ron nicht eine Sekunde in Ruhe lassen? Plötzlich verspürte Hermine einen ungemeinen Hass auf Lavender. Doch woher kam dieser Hass aufeinmal? Hatte sie sie denn schon vorher gehasst? Nein, gehasst hatte sie sie vorher nicht. Sie hatte sie zwar nicht wirklich gemocht, aber im Grunde war sie ihr egal gewesen.
Immer, wenn sie sich bei solchen Gedanken erwischte, versuchte sie sich so gut sie konnte abzulenken. Doch dies bestand meist darin, dass sie sich noch mehr Arbeit aufbürgte.
Doch auch Ron ging es nicht unbedingt besser. Ja, er war die meinste Zeit mit Lavender beisammen. Doch wollte er das überhaupt? Wollte er seine freie Zeit nicht lieber mit Harry und Hermine verbringen?
Doch im Grunde ließ ihn Lavender gar keine Wahl. Sie war dieser Tage noch viel anhänglicher geworden, sodass Ron kaum mehr eine lavenderfreie Minute blieb. Er wusste, dass es das beste wäre, mit ihr Schluss zu machen. Sowohl für ihn, als auch für Lavender. Doch es war mehr oder weniger ein Missverständnis, denn sie hatte ihn ziemlich überrumpelt, als sie ihm gesagt hatte, dass sie wieder mit ihm zusammen sein wollte. Und ohne lange darüber nachzudenken, hatte er ihr wohl zu verstehen gegeben, dass er die gleichen Gefühle für sie hatte, obwohl das keineswegs zutraf.
Doch konnte er ihr das jetzt sagen? Sie würde ihn bestimmt fragen, warum er ihr das nicht bereits vor zwei Wochen gesagt hatte und warum er ihr die ganze Zeit etwas vorgemacht hatte.
Die einzige Möglichkeit war, ihr einen anderen Grund zu nennen, weshalb er mit ihr Schluss machen musste. Doch da ihm nie ein wirklich vernünftiger Grund einfiel, verschob er es immer wieder. Stattdessen redete sich ein, dass es auch seine guten Seiten hatte, mit ihr zusammen zu sein. Ja, es hatte seine guten Seiten. Zumindest eine.
Das Wetter hatte sich kaum verbesstert. Im Gegenteil, seit einigen Tagen stürmte es unablässig und der Regen hatte sich jetzt mit Schnee vermischt. An diesem Wochenende hatte Harry eigentlich vor, wieder mit dem Quidditch-Trainig zu beginnen, denn das erste Spiel des Jahres war nicht mehr all zu fern. Doch sie waren kaum eine halbe Stunde am Spielfeld, als sie auch wieder mit geschulterten Besen und schlechter Laune zurück zum Schloss gingen. Harry hatte entschieden, dass es kaum einen Sinn machte weiter zu spielen, da die Sicht dermaßen schlecht war und es so stürmte, dass sie sich kaum auf ihren Besen halten konnten.
Ron ging gerade, gegen den Wind ankämpfend, zurück zum Schloss, als er hörte, wie jemand hinter ihm seinen Namen rief. Er blieb stehen und drehte sich um. Ginny kam auf ihn zugerannt und kam neben ihm keuchend zum Stehen.
„Ron! Ich renn dir schon die längste Zeit nach! Warum hast du denn nicht auf mich gewartet?" „Oh,..ähm tschuldige. Was ist los?" sagte Ron
„Ich wollte mit dir reden. Über Lavender."
„Was ist mit ihr?" Ron´s Mine wurde zunehmend finsterer.
„Naja, seit du wieder mit ihr zusammen bist, hast du die ganze Zeit schlechte Laune. Weißt du, mir reicht das schön langsam. Ich meine, man kann ja gar nicht mehr normal mit dir reden, weil du andauernd anfängst zu streiten. Wenn du so unglücklich bist mit Lavender, dann mach gefälligst mit ihr Schluss."
Ron sah sie zunächst völlig verdutzt an, doch dann sagte er : „Das ist ja wohl meine Sache ob ich mit ihr Schluss mache, oder nicht. Also halt dich da raus!" Er drehte sich um und kämpfte
sich wieder durch Schlamm und Dreck den Weg entlang.
„Ron, warte! Okay, ich halt mich raus, aber ich will trotzdem mit dir reden."
Er blieb widerwillig stehen und wartete, bis sie ihn eingeholt hatte.
Dann sagte er übertrieben unhöflich : „Und worüber?"
„Naja, eigentlich schon über Lavender. Aber bitte geh jetzt nicht. Hör mir zu! Ich hab nur irgendwie das Gefühl, dass du dir selber etwas vormachst. Magst du sie denn überhaupt?"
„Sicher mag ich sie, sonst wär ich ja nicht mit ihr zusammen! Ich hab dir außerdem schon gesagt, dass dich das ganze nichts angeht!"
„Weißt du, ich hab irgendwie gedacht, dass du vielleicht aus einem ganz anderen Grund mit ihr zusammen bist!"
„Und was für ein Grund soll das bitte sein?"
„Ach, vergiss es! Ich wollte dir im Grunde nur sagen, dass du, wenn es dir mit Lavender nicht ernst ist, mit ihr Schluss machen solltest. Hast du vielleicht einmal daran gedacht, dass du damit eine bestimmte Person ziemlich verletzt?"
„Was?"
„Stell dich doch nicht dümmer, als du ohnehin bist, Ron! Du weißt ganz genau, was ich meine.
Du solltest mit Hermine reden!"
Ron lief rot an und sah Ginny mit gespieltem Erstaunen an. Dann sagte er : „ Was hat Hermine denn damit zu tun?"
„Ron, du bist ein Trottel!" sagte sie wütend. Sie wandte sich um und lief den schlammigen Weg entlang weiter, doch dann blieb sie nochmals stehen und rief: „ Du solltest wirklich mit ihr reden!"
