Danke Melancholyworld für das nette Review. Ich hatte ganz vergessen, dass ich die Geschichte bzw. das erste Kapitel auch hier hochgeladen hatte (auf sind es nämlich schon 11 Kapitel). Würde mich aber freuen, wenn Du weiter liest (deshalb nun zwei Kapitel auf einmal). Und ja, es läuft auf Slash hinaus. :o)
Drei Tage später sollte mir alles klar werden...
Winnetou blieb während der ganzen Zeit verschwunden, in seinen Räumen im Pueblo war er jedoch nicht mehr. Die junge Frau ging am nächsten Tag kurz hinein, um –auch auf meinen Wunsch hin- nach ihm zu sehen und ihm etwas zu essen zu bringen. „Wo könnte er sein?" fragte ich sie. „Ich weiß es nicht. Als Tujunga noch lebte, verschwanden die beiden öfters zusammen. Aber Winnetou hatte für diesen Fall immer jemanden bestimmt, der in seiner Abwesenheit Entscheidungen traf und sich um alles kümmerte." „Sehen wir nach, ob Iltschi noch auf der Weide ist." Ich sprach diese Worte, als hätte ich es geahnt: Auch Iltschi war nicht mehr da. Ich suchte mit meinen Begleitern und einigen Kriegern die nähere Umgebung des Pueblos nach Spuren ab, doch Winnetou hatte uns auch diese Möglichkeit ihn zu finden genommen. Wir konnten nichts entdecken, was uns auch nur den kleinsten Hinweis gegeben hätte, in welche Richtung er geritten war.
Am dritten Tag saß ich unten am Fluss, meine Gedanken hatten mich in die Vergangenheit geleitet. Ich dachte an jene Tage, als Intschu-Tschuna und Nscho-Tschi, Winnetous schöne Schwester, noch lebten. Hier hatten wir gegessen, auf diesen Felsen am Ufer des Rio Pecos, und hoffnungsfroh in die Zukunft geblickt. Doch dann, am Nugget-Tsil war das Unglück über uns hereingebrochen. Seitdem schien mir Winnetou jedoch nicht mehr so bedrückt zu sein, trotz seiner Trauer um Vater und Schwester. Als wir uns vor ein paar Wochen das erste Mal wieder gegenüberstanden, hatte er zwar immer noch diese stille, innere Fröhlichkeit an sich, war aber auch auf eine Art und Weise sehr in sich gekehrt und schwermütig geworden...
Auf einmal hörte ich lautes Pferdegetrappel und schreckte aus meinen Gedanken hoch. Ich sprang auf und lief zum Pueblo. Iltschi! Schweißüberströmt und mit bebenden Flanken stand er dort auf dem Vorplatz. Winnetou hatte ihm die Saltillodecke abgenommen und stattdessen durch geschicktes Verschlingen des Lassos seine Silberbüchse und ein kleines Paket auf Iltschis Rücken befestigt. Wie er mich bemerkte, lief er auf mich zu und rieb seinen Kopf an mir. Ich streichelte ihn und flüsterte ihm beruhigende Worte ins Ohr. Vorsichtig löste ich Winnetous Gewehr und das kleine Paket von seinem Rücken, um Iltschi anschließend mit einer Decke trockenzureiben. Er begann zu grasen. Ich setzte mich neben ihm nieder und zog das Paket zu mir heran. Es bestand aus einer kleinen Decke mit einer Umschnürung, in die etwas eingewickelt war. Ich nahm mein Messer zu Hilfe und hielt bald mehrere eng beschriebene Pergamente in einer Lederhülle in der Hand. Ich begann mit größter Spannung zu lesen:
