Hier kommt erstaundlicherweise schon das zweite Kapiel. Ich wünsche euch viel Spaß damit.
Ach ja, da ich es beim ersten Kapitel vergessen habe: Sherlock gehört nicht mir, ansonsten würde in der Serie wohl einiges anders stattfinden ;)
Take my Fall
„Sherlock! Sherlock sind sie da? Ich benötige ihre Hilfe in-" Sprachlos blieb Lestrade im Türrahmen der Wohnung stehen und starrte auf das Bild, welches sich ihm bot.
Sherlock saß in seinem Sessel, die Beine ausgestreckt und an den Knöcheln überkreuzt. Wie immer trug er einen Anzug und ein Hemd, das Jackett geöffnet, die obersten Knöpfe des Hemdes ungeknöpft. Lestrade nahm immer an, dass er das tat um den Alphageruch, der von seinem Hals aus ging, nicht zu behindern – fragen würde er jedoch nicht. Er hatte Sherlock noch nie wütend gesehen und auch nicht das Verlangen danach ihn jemals so zu erleben. Was er von seinem Alpha über Sherlock in einem solchen Zustand erfahren hatte reichte vollkommen.
Sein Alpha gehörte gehörte mit zur Spitze, seine Aura zwang selbst andere Alphas in die Knie, wenn er es darauf anlegte, doch er hatte zugegeben, dass er nur einmal Sherlock tatsächlich wütend, nein, rasend auf sich gemacht hatte. Sie waren Jugendliche gewesen und Mycroft hatte Sherlock tatsächlicher weise so gereizt, bis Sherlock einem Aurenkampf zugestimmt hatte. Mycroft hatte den Kampf verloren und war unter Sherlocks Präsenz zu Boden gezwungen worden. Was jedoch tatsächlich furchterregend gewesen war, war dass Sherlock nicht geprahlt hatte, Mycroft nicht länger als nötig zu Boden hielt, wie es andere Alphas in der gleichen Position getan hätten. Sherlock hatte seinem Bruder nur einen eiskalten Blickgeschenkt, sich von ihm abgewandt und war gegangen. Seitdem jedoch war die Beziehung der Beiden geschädigt.
Lestrade hate sich seither bemüht Sherlock nicht wütend zu machen. Sicher, der konsultierende Detektiv war frustriert und manchmal auch ungemütlich, doch nie wirklich sauer – nie so sehr, dass seine Alpha-Aura außer Kontrolle geriet.
Doch all diese Jahre die Lestrade mit Sherlock verbracht hatte, konnten ihn nicht auf diesen Anblick verbreiten. Sherlock hatte nie das geringste Zeichen gegeben, dass er einen Partner auch nur tolerieren würde. Nun also John eben ihm auf einem Kissen, offensichtlich im Subspace versunken und Sherlocks Streicheleinheiten genießend, vorzufinden war doch etwas schockierend.
„Ich weiß ja, dass ich gut bin Lestrade, aber auch ich kann keine Gedanken lesen. Also sagen Sie mir endlich wobei sie, mal wieder, meine Hilfebenötigen bevor ich Sie bitten muss zu gehen und John nicht aus seinem Subspace zu holen. Ich hatte genug Arbeit in nach dem heutigen Nachtterror hinein zu befördern."
Aus stechenden Augen schaute Sherlock Lestrade an und der Inspektor spürte wie seine Betainstinke sich regten und Sherlock als den Alpha, der er war, registrierten.
Dennoch hielt Lestrade dem Blick stand. Er war in der Polizeieinheit nicht so weit gekommen, weil er sich von Alphas, die nicht einmal seine Bündnispartner waren, unterwerfen lassen hatte. Dennoch musste er sich selbst eingestehen, dass das Bündnis, das er mit Mycroft teilte, durchaus hilfreich war. Ein Bündnis reduzierte die Aura anderer Alphas und Betas auf die Hälfte, außer die des Partners natürlich.
„Ein Mann wurde tot aufgefunden, in der Northumberland Street. Wir brauchen deine Hilfe."
Sherlock schien einen Augenblick lang tatsächlich darüber nachzudenken, ob er den Fall annahm und Lestrade hoffte, dass der Fall ihm nicht zu langweilig war. Er könnte wirklich etwas Hilfe gebrauchen.
Glücklicherweise jedoch stimmte Sherlock zu.
„Und nun, machen Sie das Sie hier raus kommen, Inspektor. John und ich werden Ihnen in Kürze folgen."
Verständnisvoll trat Lestrade den Rückzug an. Alphas holten ihre Omegas nicht gerne in Gesellschaft aus dem Subspace. Der Vorgang war intensiv und intim. Zudem war der Omega oft verunsichert, wenn er im Beisein anderer Leuten auftauchte, die nicht sein Alpha waren.
Seit John Sherlocks Angebot zugestimmt hatte waren zwei Wochen vergangen. In diesen zwei Wochen war nichts sexuelles passiert. Sherlock erlaubte es John sich langsam mit seinen Instinkten zurecht zu finden und John war sich sicher, dass der Alpha sehr genau wusste, was mit ihm passiert war. Er versetzte John sehr oft in den Subspace, als wolle er ihn daran gewöhnen und ihm zeigen, dass das Aufwachen nichts grausames war.
John, der zuvor immer nur in Einsamkeit und mit schmerzenden Wunden aufgetaucht war, der sich immer benutzt gefühlt hatte, genoss diese Aufmerksamkeit und begann auch den Subspace als etwas positives zu sehen. Nach dem fünften Subspace (innerhalb drei Tage), begann er die Angst davor zu verlieren und nach dem siebten Mal war er vollkommen entspannt. Sherlock sorgte dafür, dass er niemals alleine aufwachte.
Was John jedoch vor allem schätzte, war Sherlocks Fähigkeit ihn scheinbar mühelos und jederzeit untertauchen lassen zu können.
Er hatte zwar selbst nicht viel Erfahrung mit verschiedenen Alphas und deren Fähigkeiten was den Subspace anging, so hatte er dennoch mit anderen geredet. Wenn die meisten Alphas ihre Omegas in den Subspace versetzten, benötigten sie häufig ein bestimmtes Ritual, mit dem die Omegas den Subspace verbanden und fast immer Sex.
Sherlock benötigte nichts davon. Wenn er John in den Subspace versetzten wollte, dann tat er da auch, egal in welcher Situation.
John würde nie den Morgen vor drei Tagen vergessen. Er war gerade dabei gewesen sich einen Tee vorzubereiten, als plötzlich Sherlocks Alpha-Aura über ihn hinwegrollte, Sherlock ihn herumdrehte, ihn dazu zwang in die Augen zu schauen und schon hatte John gespürt, wie seine Omegaseite die Überhand gewann.
Für diese Fähigkeit Sherlocks war John vor allem dann dankbar, wenn er nachts von Terror geplagt aufwachte. Er hatte keine Albträume, ihn verfolgte der Nachtterror. Ein Nachtterror war die schlimmere Stufe von Alptraum. Sie versetzten ihn in einen panische Zustand welcher dazu führen konnte das er wegen Luftmangels das Bewusstsein verlor. Selbst nach dem Aufwachen war er noch immer in dem Terror gefangen. Er konnte sich noch nicht einmal damit beruhigen, dass es nur Träume waren. Illusionen, die sein Verstand herauf beschwor. Alles was ihn nachts verfolgte war wirklich geschehen, es waren Erinnerungen. Als er diese Nacht aus solch einem Terror erwachte, war Sherlock bereits an seiner Seite und statt zuzulassen, dass er in seiner Panik weiter verfiel, hatte Sherlock John an den Schulter zurück ins Bett gedrückt, ein Bein über seine Hüften geschwungen, so dass er nun auf seinem Becken saß, und ihn so auf dem Bett fixiert. Dann hatte er ihn einfach nur angeschaut, bis John in den Subspace versunken war.
Doch in diesen letzten zwei Wochen hatte John gefühlt, wie sein Körper sich immer mehr an die neuen Umstände gewöhnte. Er war nicht mehr so verängstigt, das Gefühl der Leere hatte nachgelassen (wobei das wohl eher mit Sherlock zusammen hing) und er fühlte, wie er wieder mehr zu den Mann wurde, der er vor dem Absetzen der Medikamente war. Sein Selbstbewusstsein kehre zurück und John fühlte sich besser als er sich jemals gefühlt hatte.
Als er nun also von einem scharfen „John!" aus dem Subspace geholt wurde, schaute er seinen Alpha erwartungsvoll an.
„Ja, Sherlock?"
„Lestrade war gerade hier, wir haben einen neuen Fall."
John spürte wie ihm das Blut in die Wangen schoss.
Lestrade war hier gewesen? Während er im Subspace, zu Sherlocks Füßen gekniet hatte? Wieso hatte Sherlock ihn nicht in dem Moment wieder geweckt, als er den Mann die Haustür hatte hereinkommen hören? Und John wusste, dass Sherlock es gehört hatte. Das hätte ihm ein paar Sekunden Zeit gegeben, sich zu orientieren und er hätte aufstehen können. Wer wusste wie lange Lestrade da gewesen war?
„Warum hast du mich nicht vorher zurück geholt?", fragte er also anschuldigend und Sherlock fuhr zu ihm herum, der blaue Schal, den er sich hatte umbinden, wollen hing lose um seinen Hals.
„Bitte?", fragte er verwirrt.
„Als Lestrade kam, wieso hast du mich nicht früher zurück geholt?"
„Wieso hätte ich das tun sollen? Du hast die Auszeit gebraucht, deine Mentalität musste sich erholen und ich habe ihr diese Chance gelassen. Wenn es ein Fall gewesen wäre, den ich abgelehnt hätte, hätte ich dich umsonst zurück geholt."
„Das hast nicht du zu entscheiden, was umsonst ist und was nicht. Mein Gott Sherlock, Lestrade hat mich am Boden knien gesehen, zu deinen Füßen, wenn ich mich nicht irre – und ich will gar nicht wissen wie ich ausgesehen haben muss!", explodierte John.
„Ich habe nicht zu entscheiden, was umsonst ist und was nicht?", fragte Sherlock plötzlich gefährlich leise und war nahe an John heran getreten. „Du vertraust mir, deinem Alpha, also nicht, zu wissen was und wann du etwas brauchst?"
„Du missverstehst mich Sherlock. Ich bin nicht nur dein Omega, ich bin auch ein Mensch und in der Gegenwart anderer Menschen zu knien ist unangenehm für mich."
„Du hast zu viel Zeit in der Armee verbracht, John. Zu viel Zeit von Menschen umgeben, die ihre Instinkte unterdrückt haben und ohne die von unserer Biologie vorgesehenen Rangordnung gelebt haben."
„Das mag sein, aber ich bin mehr als meine Biologie. Sicher verstehst doch zumindest du das. Ich kann mir kaum vorstellen, dass du dich von deinem Körper leiten lässt."
„Du hast Recht, das tue ich tatsächlich nicht. Oder zumindest tat ich es nicht bis ich dich kennenlernte. Und auch wenn meine Alphainstinkte nicht in jeder Sekunde danach verlangen würden für dich zu sorgen, so weiß ich auch als dein Freund, dass das was du brauchst nicht das Zusammenleben zweier Menschen, sondern das Miteinander eines Alphas und Omega brauchst. John, nur weil du dich an deine Instinkte gewöhnst, heißt das nicht, dass du sie nun wieder unterdrücken kannst. Nicht nur ist es so gut wie unmöglich ohne medikamentöse Hilfe, es würde dich miserabel machen."
„Woher willst du das wissen? Ich bin der Omega von uns beiden. Nicht du Sherlock."
„Und da kommen wir doch auf den Kern des Problems, nicht wahr? Ein Omega, ein unterlegener Part. Das ist es, was dir die Leute immer gesagt haben, nicht? Was du nicht zu verstehen scheinst ist, dass es keinen unterlegenen Part in einer Alpha und Omega Beziehung gibt. So sehr der Omega den Alpha braucht, so sehr benötigt der Alpha auch einen Omega. Es ist nur eine Laune der Natur, die bestimmt hat, dass die Alphas die Dominaten der Beziehung sind."
Ungläubig starrte John Sherlock an. Sherlock, der Alpha, der nicht auf andere angewiesen war wie es die Omegas waren. Der nicht das Verlangen fühlte jemand anderes zufrieden zustellen, nur um sich selbst zufrieden fühlen zu können.
Sherlock seufzte tief.
„John, es lag nicht in meinem Interesse, dich vor Lestrade zu erniedrigen. Was ich vorhin damit meinte, als ich sagte, dass du zu lange der Armee angehört hast, ist dass es vollkommen normal ist Alphas und Omegas, die sich in einer Beziehung befinden in solch einer Situation vorzufinden. Wenn sie im Schutz ihres Heimes sind, dann sowieso und nicht wenige zeigen diesen Teil ihrer Beziehung auch in der Öffentlichkeit."
John wurde blass. In der Öffentlichkeit? Derartige Verwundbarkeit in der Öffentlichkeit zu zeigen, sicher würde das Sherlock von ihm nicht Verlangen… oder?
„Mach dir keine Gedanken darüber John, wenn ich außerhalb unserer Wohnung bin, bin ich meistens viel zu beschäftigt, als dass ich dich ruhigen Gewissens alleine lassen könnte, ohne sicher zu gehen, dass nichts mehr vom Subspace übrig ist. Aber ich muss sagen, es ist fast schon ein wenig verletzend, dass du mir nicht zu glauben scheinst, wenn ich dir sage, dass ich für dich sorge. John, du warst ein Soldat. Meinst du wirklich ich wüsste nicht, dass es für dich fast unmöglich ist deine Deckung in Anwesenheit fremder Personen fallen zu lassen? Ich habe nicht vor dich zu erniedrigen oder dir zu schaden, aber hier in der Wohnung werde ich nach dem handeln, was ich glaube, dass es das Richtige ist. Wenn du mir nicht vertrauen kannst das Richtige zu tun, dann sollten wir das hier schnellstens beenden."
Bei dem Gedanken diese Beziehung – oder was es auch war – mit Sherlock zu beenden fühlte John, wie sich eine schmerzende Kälte in ihm ausbreitete.
„Nein…Sherlock, ist schon gut, ich vertraue dir."
Kopfschüttelnd trat Sherlock einen Schritt zurück. „Nein, tust du nicht John. Zumindest noch nicht. Aber du wirst es. Heute Abend werde ich damit beginnen, mir dein Vertrauen zu erarbeiten, wenn du es mir nicht freigeben kannst."
Bei den letzten Worten schaute Sherlock bedeutungsschwer an Johns Körper auf und ab und seine Augen verdunkelten sich.
John spürte einen Schauer, der ihn am ganzen Körper erfasste. Er konnte nicht sagen, ob es Lust oder Furcht war, doch er wusste eines – er konnte es kaum erwarten. Vor allem wenn Sherlock genau so nahe an ihn heran treten würde, wie er es gerade tat. Der Alpha beugte seinen Mund zu ihm herab und willig hob John den Kopf, wartete begierig auf den Moment, in dem Sherlock mit seinen Lippen Johns berühren und seinen Mund einnehmen würde. Doch Sherlock machte keine Anstalten näher zu kommen und mit einem verlangenden Geräusch krallte John seine Finger in den Mantel des Detektives und stellte sich auf die Zehenspitzen. Reckte sich dem Mund, nach dem er sich verzehrte, entgegen. Doch es reichte nicht. Er konnte Sherlocks warmen Atem auf seinen Lippen spüren und die Hände wie sie sich um seine Hüften legen. Doch ein paar Millimeter fehlten, nur ein Hauch welcher ihn von dem sündigen Lippen seines Alphas abhielt.
„Bitte.", versuchte er Sherlock zu überzeugen ihm entgegen zu kommen. Doch stattdessen hörte er nur ein dunkles Lachen. Dann packten eine Hand seine Hüfte, zwang ihn in der Position, auf Zehenspitzen gestreckt, zu bleiben, während Sherlock scheinbar John nachzugeben schien. Gierig erwartete John den Kuss und ein enttäuschter, verzweifelter Laut drang aus seiner Kehle, als Sherlock seinen Kopf plötzlich zurück zog.
„Bitte.", wiederholte John flehend, doch Sherlock schaute ihn nur aus dunklen Augen, voller Amüsement an.
Dann spürte er etwas anderes, was ihn erstickt nach Luft schnappen lies.
Sherlocks zweite Hand, die John nicht zwang seine Position beizubehalten, war zu Johns Schritt gewandert und massierte ihn nun durch die Hose hindurch.
Keuchend spürte John, wie er so schnell hart wurde wie noch nie zuvor.
„Sherlock.", wimmerte er, nicht wissend was er überhaupt wollte.
Dann war es plötzlich vorbei. Sherlock hatte sich vollkommen von John zurückgezogen und ging zielstrebig zur Tür hinaus, seinen Schal bereits in Position gebracht.
Hilflos stolperte John zwei Schritte nach vorne, bis er sein Gleichgewicht wieder fand.
„Kommst du John, wir haben einen Fall zu lösen. Lestrade kann schließlich nicht ewig warten."
Schalte die Stimme aus dem Treppenhaus zu John hinauf und fassungslos starrte John zur Tür.
Das konnte doch nicht wahr sein. Der Dreckskerl hatte ihn mit einer Erektion zurück gelassen und mit den Vorstellungen in seinem Kopf für heute Abend würde diese Erektion wohl auch nicht mehr so leicht verschwinden. Um selbst Hand anzulegen oder eine Dusche zu nehmen war keine Zeit und John wusste, wenn er Sherlock nicht folgte würde dieser kommen und ihn holen. Und er fühlte sich doch etwas zu alt um wie ein fünf jähriger Junge aus dem Haus gezogen zu werden.
Wütend und frustriert machte John also einen Schritt auf die Tür zu und fluchte im gleichen Moment. Der Stoff seiner Kleidung rieb an seiner Erektion und erinnerte ihn bei jedem Schritt an Sherlocks Voraussagung. Oh ja, dieser Abend würde sehr interessant werden. Aber zuerst musste er es die Stufen hinunter und zu diesem verdammten Tatort schaffen.
Ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen. Im nächsten Kapitel geht es dann auch endlich richtig zur Sache.
Über Kommentare und konstruktive Kritik freue ich mich immer.
Bis zum nächsten Kapitel :)
