1: Verkehrskontrolle (Gegenwart)

Running from the nightmare
In the middle of the road
Hell's no place for sleeping
In a world beyond control
Caught in the headlights
Coming after you
When I woke up this morning
I had to do what I gotta do
Blast me to Heaven


Speed
Give me what I need
Yeah
White lightning
Let's speed, on speed
On wheels, on wheels
Speed
Oh, let it bleed
Yeah
Greased lightning
Let's speed, on speed
On wheels, on wheels

I've seen a train full of pain
On the edge of overload
We're in Heaven, baby
You are gonna implode
I've got these crazy feelings
That I can't explain
I've gotta save you baby"

Billy Idol, Speed

Das Auto donnerte über den Asphalt. Die Reifen quietschten als der Fahrer zu viel Gas gab. Geschwindigkeit, er brauchte den Rausch, den die Geschwindigkeit brachte, hier im Schutze der Nacht. Die Landschaft raste wie ein Film an ihm vorbei. Es war egal, heute zählte gar nichts mehr, sein Blut rauschte laut in seinen Ohren, er fühlte sich berauscht und aufgedreht, er hatte es wieder getan, es war wie eine Droge und als er fertig war, wusste er, dass er es vermisst hatte… und es auch vermissen wird.

Der Fahrer hatte das Geräusch der Sirenen schon in den Ohren, bevor das Polizeifahrzeugs überhaupt in seinem Rückspiegel zu sehen war. Ein schrilles Geräusch. Er grinste hämisch und drehte das Radio lauter. Heute Nacht würde ihn nichts stoppen können, er hatte es wieder getan. Er fühlte sich frei, er fühlte sich glücklich, ja er fühlte sich unsterblich. Er hatte Leben genommen, und es war das schönste Gefühl, das ein menschliches Wesen empfinden konnte. Er suhlte sich in seinem Erfolg, in seiner Tat.

Die Heavy Metal Musik dröhnte laut aus den Boxen und der Adrenalinspiegel stieg noch weiter an. Er trat aufs Gas, der laute Motor und die dröhnende Musik ließen die Sirenen zu einem stummen, blinkenden Tanz der Blaulichter werden. Die Lichter reflektierten, funkelten im Rückspiegel und warfen flackernde, bunte Schatten auf seine blasse Haut.

Er hatte Alkohol getrunken, zuviel von seinen Medikamenten genommen und einen Rausch durchlebt, wie er ihn noch nie so intensiv erlebt hatte. Er war erregt und er stand unter Hochspannung.

Er fuhr weiter, schneller, er trat das Gaspedal bis zum Anschlag durch. Er nahm seine Umwelt nicht mehr wahr. Er fühlte sich wie in einem wunderschönen Traum, er war in einer Welt, zu der nur er selbst Zugang hatte. Die ihm alles bot, was er da draußen nicht hatte.

Die Sirenen heulten lauter, die Lichter wurden größer in seinem Rückspiegel, der Polizeiwagen kam näher.

Sie kommen, doch was immer passiert, das was ich durchlebt und genossen habe, sie können es mir nicht nehmen, niemals!

.Er hatte es gewusst, aber jetzt da dieser Augenblick so dicht bevor stand, dachte er vor Stolz an den vergangenen Tag, an das was er getan hatte und er wusste, er hatte ein Denkmal hinterlassen.

Ich bin unnahbar, ich bin unsterblich… ihr werdet nie wieder sicher sein!

Er hatte Narben hinterlassen, als Mahnung für ihre lächerliche Arbeit. Er hatte sie gewarnt, dass man ihn nicht stoppen konnte, seine Macht war einfach zu groß gewesen. Die Mahnung war in Fleisch und Blut geschrieben worden. Zwei Jahre zuvor. Er hatte sie auf dem einzigen Überlebenden seiner Phantasie hinterlassen und war direkt vor den Augen der Bundesbehörde in die Nacht verschwunden.

Es waren Narben, die das eine Opfer, das Überlebt hatte bis an sein Lebensende tragen würde. Er hatte einen Mann aus der Regierung gekriegt, einen von Ihnen und er hatte ihn aus ihrer Mitte gerissen und Dinge mit ihm angestellt, die sie sich nie auch nur in ihren Alpträumen vorstellen konnten. Er hatte dem ganzen System ins Gesicht gespukt. Und jeder Polizist, jeder Bundesagent musste ihn mit Respekt und Ehrfurcht sehen. Er war bis in die höchste Behörde vorgedrungen und hatte dort zugeschlagen. Der Gedanke an das Messer, das er wie einen Tänzer auf dem unschuldigen Rücken des Agenten bewegt hatte, erregte ihn und er stellte sich vor wie seine Hand das Blut verschmiert hatte. Die rote Flüssigkeit auf der hellen Haut verteilt hatte.

BAU You'll never be save again! Never!

Es schien ewig her zu sein, doch noch heute fühlte er die Angst des jungen Mannes. Damals hatte er die zarte Haut beinahe liebkost, wenn das Verlangen nach Gewalt nicht so groß gewesen wäre. Er hatte die Worte verwischt, ohne dass sie fort waren. Er lachte über ihre Arroganz, sie jagten Menschen wie ihn und haben doch versagt.

Ein Bild des zuckenden Körpers unter ihm flackerte vor seinem geistigen Auge auf, er konnte noch heute das warme Blut spüren, das aus ihm heraus gesickert war, warm so unglaublich warm, während der Körper eiskalt gewesen war.

Das Polizeiauto kam näher, die Musik dröhnte laut und aggressiv aus den Boxen. Der Fahrer umklammerte das Lenkrad und atmete dann laut aus. Er schloss die Augen kurz und nahm den Fuß vom Gas. Er wurde langsamer und ließ sich schließlich einholen.

Er fuhr an den Straßenrand. Adrenalin schüttete sich immer noch aus und beflügelte seine Sinne. Doch es war vorbei, die großen Taten lagen hinter ihm, jetzt war er müde. Und die Medikamente hinderten ihm daran, seine Manneskraft einzusetzen, Ohne sie machte es längst nicht mehr so einen Spaß. Er stoppte den Wagen, machte das Radio leiser und wartete.

Der Polizist war ausgestiegen und ging langsam zu der Fahrerseite des alten Ford Mustangs. Der Fahrer kurbelte das Fenster runter und lächelte selbstgefällig. Er war stabil gebaut und hatte ein freundliches, gutmütiges Lächeln, das Gesicht blass und voller Schatten. Er trug ein Bikertuch über dem Kopf gebunden und eine Tätowierung prangte in Form eines Drachen auf seinem Hals. Sein Körper war nass geschwitzt. Leben nehmen bedeute einen hohen Kraftaufwand und er war wütend, nicht alles was er vorgehabt hatte machen zu können.

„Sir, Guten Abend. Sie waren zu schnell, kann ich ihre Papiere sehen?"

Fragte Officer James O'Connell höflich, er war einer der Jüngeren in der Truppe und schon den ganzen Tag auf den Beinen. Er bemühte sich um einen sachlichen Ton doch die Müdigkeit und Anspannung waren nicht zu überhören.

Seine blauen Augen verharrten misstrauisch auf dem Gesicht des Fahrers.

„Aber sicher, Officer."

Sagte der Fahrer langsam.

Er griff an der Schrotflinte, die unter dem Beifahrersitz lag, vorbei und holte die Brieftasche aus dem Handschuhfach.

Der Officer gab die Daten über Funk durch. Er ließ die Nummernschilder prüfen, was ein paar Minuten in Anspruch nehmen würde.

Er wollte eigentlich nur nach Hause. Heim zu seiner Frau und seinem kleinen Sohn, die Schicht war anstrengend gewesen. Und er hatte sich schon auf dem Heimweg befunden, als ihm der Wagen aufgefallen war.

Er wollte ihn gewähren lassen, wollte einmal den Tag enden lassen, ohne Überstunden zu machen, doch ein Gefühl sagte ihm, hier doch nicht zu schnell vorzugehen. Etwas stimmte nicht, jetzt, da er den Führerschein in der Hand hielt und das Gesicht des Mannes sah, schrillten alle Alarmglocken in ihm. Der Mann kam ihm bekannt vor, es war als hätte er sein Gesicht schon einmal irgendwo gesehen. Und das in keinem positiven Zusammenhang.

Er wurde nervös, ein Gefühl, dass er nicht erklären konnte, es war einfach da und seine Nackenhärchen stellten sich auf. Völlig automatisch musste er das Protokoll durchgehen.

„Sir, würden Sie bitte aussteigen?"

Bat er nun weniger freundlich, seine Sinne waren in Alarmbereitschaft, Etwas war nicht in Ordnung, er konnte es in der klaren Nachtluft fühlen.

Der Fahrer nahm seine Papiere wieder entgegen und zuckte nur kurz mit den Schultern.

Langsam öffnete er die Autotür und stieg mit großer Anstrengung aus, das Gesicht vor Schmerzen leicht verzogen, doch das Lächeln wich keine Sekunde aus seinen Zügen.

„Gibt's ein Problem, Officer?"

Er klang immer noch ruhig, doch das letzte Wort hatte er zynisch und ohne Respekt gesagt.

„Stellen Sie sich mit dem Gesicht zum Wagen und die Hände aufs Autodach, Sir.

Er tat, was ihm gesagt wurde, ohne etwas zu erwidern. Der Rausch hielt an, er fühlte sich unnahbar…

egal was passiert, Ihr werdet nie wieder sicher sein!

Eilig durchsuchte Officer O'Connell den Mann und fand nichts Verdächtiges. Sein Mund war trocken geworden. Er wusste er kannte das Gesicht. Woher? Seine Gedanken überschlugen sich beinahe, kleine Bilder erschienen in seinem Kopf… schemenhafte Umrisse, die klarer wurden. Ein Foto? Ja, aus dem Präsidium. Eine Phantomzeichnung. Es hing seit zwei Jahren dort. Er ging jeden Tag achtlos daran vorbei. Die Zeichnung trug das FBI Emblem.

Das Funkgerät knackte und er hob es nach oben, um die Mitteilung zu hören.

„Wie es aussieht, haben wir hier einen gestohlenen Wagen und sie riechen nach Alkohol, können Sie das erklären, Sir?"

Es kam keine Antwort. Officer O'Connell hatte seine Waffe gezogen und sah in die Kabine. Schnell huschten seine Augen über die vielen leeren Bierdosen.

Sein Blick fiel auf die Waffe in der Kabine, der Lauf lugte unter dem Beifahrersitz hervor.

Er nahm seine eigene Waffe jetzt fester in die schwitzigen Hände und richtete sie auf den Mann. Er entsicherte sie schnell, Das unangenehme Gefühl, das ihn begleitete, seit ihm der Wagen aufgefallen war wanderte jetzt in seine Magengegend, das Herz schlug ihm laut in der Brust und er hatte beinahe den Eindruck, dass der Mann es hören, ja sogar sehen konnte, sein Blick ruhte mit einer Mischung aus Belustigung und Befriedigung auf ihm, Ekel stieg in Officer O'Connell auf.

„Sir, öffnen Sie den Kofferraum… langsam."

Befahl er, die Stimme zitterte etwas, aber er bekam es schnell in den Griff. Sein Instinkt sagte ihm, das etwas nicht stimmte, ein gestohlener Wagen, Alkohol, die hämische Arroganz des Fahrers. Er hob die Waffe und entsicherte sie.

Und der Fahrer beugte sich zu dem offenen Seitenfenster herunter und betätigte den Hebel. Ein lautes Geräusch durchbrach die Nacht, als der Kofferraum entriegelt wurde und aufging. Danach hob er beide Hände wieder in die Höhe.

Gleich sieht er mein Werk, Ihr werdet nie wieder sicher sein, das hab ich Euch genommen!

Der Polizist ging rückwärts am Auto entlang und ließ den Mann keine Sekunde aus den Augen, die Waffe immer noch auf ihn gerichtet. Er zielte weiter auf ihn, als er den Kofferraumdeckel ganz aufstieß. Dann löste er den blick für den Bruchteil einer Sekunde von dem Mann und sah er in einer kurzen Bewegung hinein. Übelkeit stieg in ihm auf. Er sah die Leiche eines Jungen Mannes, nackt und mit den schlimmsten Verletzungen überseht. Die Hände gefesselt.

Die Erkenntnis traf ihn wie einen Schlag und er zwang sich noch einmal hinzusehen.

Er kannte die blutende Gestalt, die mit leeren Augen in die Nacht hinausstarrte und doch nie wieder etwas sehen wird, es war der seit gestern vermisste Polizist, Officer Joey Rodriguez. Nur wenige Jahre jünger als er selbst.

„Sir… keine Bewegung!"

Stammelte er und kämpfte die Übelkeit fort. Er schluckte schnell und atmete tief durch. Den Blutgeruch unangenehm in der Nase.

Er hat eine Tochter… Großer Gott!

Der Mann lächelte ihn weiter an und nahm die Hände runter. Er hielt sie in einer abwehrenden Geste vor sich. Er schüttelte den Kopf.

„Wissen Sie was schade ist? Ich konnte es nicht wirklich zu Ende bringen… damals war es besser gewesen, da hat mich so ein hübscher Bengel richtig geil gemacht."

O'Connell fasste sich mit einer Hand an den Mund und schluckte schwer. Seine Kehle war wie ausgetrocknet.

„Ich war so nah dran, bis ganz oben, ich war so tief bei ihnen drin und sie haben mich trotzdem nicht gekriegt, die hellsten Köpfe des Landes."

Begann er und ließ sich von dem Polizisten gegen die Autotür schleudern, das Knallen durchbrach die Stille der Nacht.

„Sir, ich verhafte Sie… Sie haben das Recht zu schweigen…"

Begann Officer O'Connell schnell, als er sich etwas gefasst hatte, die Situation erforderte Professionalität. Eine bittere Flüssigkeit stieg seine Kehle herauf. Alles begann sich zu drehen.

Das muss ein Alptraum sein

„Ich habe einen von Euch geholt, einen FBI Agenten…"

„"…Alles was Sie sagen, kann und wird…"

„Direkt vor Euren Augen…Ihr von der Regierung seid so clever…"

Er verdrehte die Augen und lachte laut bei der Erinnerung.

Er legte ihm die Handschellen an und drehte ihn grob zu sich. Ihre Blicke trafen sich, einen Moment lang und Officer O'Connell konnte spüren, dass ihn diese wahnsinnigen Augen noch sehr lange verfolgen würden, genauso, wie er die toten Augen des jungen Polizisten vor sich sehen musste. Er fasste sich und sprach schnell weiter, ein Verfahrensfehler wäre hier fatal.

„…gegen Sie verwendet werden. Sie haben das Recht auf einen Anwalt."

„Ich kenne meine Rechte, ich habe zwei Jahre darauf gewartet, Sie können Agent Hotchner etwas von mir ausrichten…"

„… sollten sie sich keinen Anwalt leisten können…."

„Sie können ihm sagen, dass ich ihm dankbar bin, mir damals diesen Anfänger geschickt zu haben… ich hatte mit keinem so viel Spaß wie mit ihm, vor allem, als er sich die Seele aus dem Leib geschrieen hat!"

„…wird ihnen ein Pflichtverteidiger gestellt. Sie haben das Recht auf ein Telefonat. Gehen wir!"

Er schubste ihn zu dem Polizeiwagen und forderte über Funk Verstärkung und die Spurensicherung an. Ihm war immer noch schlecht. Und er wusste, dass die Nacht noch lange nicht vorbei sein würde. Schmerzlich dachte er an seine eigene Frau und seinen Sohn, jetzt musste er Mrs. Rodriguez mitteilen, dass ihr Mann nicht mehr nach Hause kommen würde.