Inside me
1. Kapitel
Es war spät in der Nacht und die Schule dementsprechend erdrückend still, als Harry durch die leeren Gänge von Hogwarts wanderte. Die Müdigkeit breitete sich stets mehr in ihm aus, dennoch gedachte der Junge nicht daran zu seinem Turm zurück zu kehren. Die Stunden die er seit Neuestem Samstagabend mit Snape verbringen musste, waren äußerst anstrengend und nahmen ihn auch noch psychisch sowie körperlich mit. Obwohl er erst zum zweiten Mal mit Snape trainiert hatte, wurde es dennoch zum Ritual, dass er danach alleine durch die Schule schlenderte und seinen Gedanken nach hing.
Dumbledore war noch immer nicht zurückgekehrt, also konnte er ihm auch noch nicht Rede und Antwort stehen. Dabei fraß ihn diese Unwissenheit regelrecht auf. Selbst Snape meinte, dass es langsam an der Zeit wäre, für ein Gespräch, dann würden ihm auch seine Übungen einfacher fallen.
Der Schwarzhaarige ging nach Draußen und ließ sich ein Stück vor dem See nieder. Er atmete die kühle Nachtluft ein und schloss für einen Moment genüsslich die Augen. Doch seine Gedanken ließen ihm keinen Frieden. Er musste sich immer wieder alles im Kopf abspielen, in der Hoffnung vielleicht auf diese Weise mehr über sich heraus zu bekommen.
Einen Monat war es erst her, – in etwa seit Anfang des sechsten Schuljahres – als er eine ungenaue und kurz gehaltene Erklärung bekam, was mit ihm los war. Warum er also eine komische Stimme hörte und sich hin und wieder nicht ganz als Herr seiner selbst empfand.
Das etwas in ihm war, dass ihn so veränderte, dass wusste er schon im Vorhinein. Was dieses Ding aber genau war, jedoch nicht. Es hielt auch keiner für nötig, ihm etwas genauere Details zu schildern, was für Harry lächerlich war, denn schließlich war er ja der Betroffene. Dumbledore meinte es wäre wichtig ihm zu Anfang nur das Nötigste zu erläutern. Nichtsdestotrotz wurde diese Last unerträglicher. Er spürte deutlich, dass er sich immer öfters weniger unter Kontrolle hatte. Der Höhepunkt hierbei war die neuliche Auseinandersetzung mit Malfoy, in der er vollkommen die Beherrschung verloren hatte. Soweit war es noch nie gekommen und selbst Dumbledore konnte sich das nicht erklären.
Seufzend zog der Junge die Beine an sich heran. Das alles war unglaublich kompliziert. Wieso musste er bloß immer mit solchen Dingen konfrontiert werden? Er hatte seiner Meinung nach bereits genügend andere Probleme mit denen er sich auseinander setzen musste. Aber natürlich wurde Jahr für Jahr noch einer drauf gesetzt. Das Schicksal hatte es wirklich nicht gut mit ihm gemeint.
Harry brauchte einige Zeit bis er überhaupt bemerkte, dass er bereits seit geraumer Zeit auf ein braunes Lederschuhpaar starrte. Er machte sich erst gar nicht die Mühe den Kopf zu heben, um zu wissen wer vor ihm stand.
„Was willst du, Zabini?" fragte er genervt ohne aufzuschauen. Er verspürte im Moment keinen Drang auch nur irgendwen zu sehen geschweige denn mit jemandem zu reden.
„Sind wir etwa immer noch beim Nachnamen?" lachte der Slytherin und legte sich vor den Schwarzhaarigen seitlings hin. Den Kopf stützte er an der Hand ab, währenddessen immer noch ein Grinsen seine Lippen umspielte.
„Was machst du hier?" ignorierte er Zabinis letzte Frage, welcher jedoch gelassen blieb. „Dasselbe wollte ich dich auch gerade fragen." Harry starrte ihn bloß ausdrucklos an. „Jetzt sei doch nicht so, Harry." Lächelte er charmant, doch Harry blieb standhaft mit seiner ausdruckslosen Miene.
„Naja wenn du es denn unbedingt wissen willst: Ich komme gerade von einer Verabredung." betonte er das Wort, während ein Grinsen seine Lippen umspielte. "Hat ein wenig länger gedauert, als erwartet." Erklärte er schlicht und zwinkerte Harry dann schelmisch zu. Es dauerte eine Weile bis der Gryffindor die Anspielung verstand und verzog sogleich das Gesicht.
„Warum erzählst du mir sowas?"
„Um dich in ein Gespräch zu verwickeln." Wieder dieses Lachen.
„Was für eine Art von Gespräch soll das werden?"
Zabini begann nun lauthals zu lachen aufgrund des Gesichtsausdrucks Harrys. Immerhin strahlte es jetzt etwas anderes aus als Starre.
„Aber es funktioniert immer wieder. Wir unterhalten uns." Kicherte Blaise und Harry musste nun doch versuchen sein Schmunzeln zu unterdrücken, was ihm nicht sonderlich gelang.
„Auf so eine Art Gespräch kann ich gerne verzichten." Grinste der Schwarzhaarige.
Blaise war schon ein Fall für sich. Einerseits war er arrogant, oberflächlich und eitel und dennoch schaffte er es diese Eigenschaften mit solch einem Charme und Humor wieder zu geben, dass es ihn letztendlich doch sympathisch wirken ließ. Ziemlich untypisch und selten für einen Slytherin. Aus diesem Grund wusste Harry schon bei ihrer ersten Unterhaltung in ihrem zweiten Schuljahr, dass er diesen Jungen mochte. Auch wenn er es zu Anfang nicht sonderlich zeigte.
Sie verstanden sich gut und es gab immer viel und interessanten Gesprächsstoff. Zwar waren sie nie die besten Freunde, dennoch betrachtete Harry Blaise stets als angenehme und neutrale Gesellschaft, die er sehr genoss.
„Ich wusste ich würde ein Lächeln aus dir heraus bekommen." Der Slytherin setzte sich nun doch auf, ehe er weitersprach. „Keine Sorge, ich hatte nicht vor dich in mein Liebesleben einzuweisen."
„Da bin ich aber froh." Lachte Harry.
„Hei! Nur zu deiner Information: es ist fantastisch!" ärgerte sich Blaise gespielt und winkte mit der Hand ab. „Nein jetzt im Ernst." Begann er. „Ich wollte mit dir über etwas bestimmtes reden." Auch Harry wurde nun ernst. „Und zwar?"
„Deine Auseinandersetzung mit Draco."
Harry schwieg, was der Slytherin als Zustimmung weiter zu reden betrachtete.
„Er hat mir davon erzählt." Blaise wartete sicherheitshalber nun doch auf eine Reaktion Harrys.
„Und weiter?"
„Nun ja. Dumbledore hat gemeint, dass ihr euch bloß gezankt habt und sich Draco dabei den Kopf gestoßen hat. Aber Draco schwört darauf, dass du ihn angegriffen hast.."
"Was willst du jetzt von mir hören?" fragte Harry ruhig.
"Die Wahrheit." war die einfache Antwort, ehe Zabini fort fuhr. "Draco hat zwar einen Hang zum Geschichten erzählen, aber zu keinem Preis würde er zugeben vor Harry Potter Angst gehabt zu haben."
Harry horchte auf. "Hat er das wirklich gesagt?" Das war kaum vorstellbar.
Blaise lachte und winkte mit der Hand ab. "Nein, das hat er so direkt nicht gesagt. Aber nach all den Jahren kenne ich Draco mittlerweile besser, als er sich selbst. Er würde es nicht zugeben, weil er es sich nicht einmal selbst eingestehen kann, aber ja, er hatte Angst vor dir."
"Ich verstehe." sagte Harry bloß, nicht wissend, was er darauf erwidern sollte.
"Ich bin nicht blöd, Harry.." redete Blaise plötzlich weiter. ".. und sehe ganz genau, dass etwas mit dir nicht stimmt. Auch schon vor der Auseinandersetzung mit Draco. Und nicht nur ich bemerke deine Veränderung. Die ganze Schule spricht mittlerweile über dich."
"Großartig." meinte Harry sarkastisch. "Dann kannst du sie gleich fragen - anscheinenden wissen sie ja mehr, als ich."
Der Slytherin zog seine Brauen zusammen. "Ich werde mir sicher nicht den Blödsinn anhören, den sich irgendwer zusammen reimt. Wenn du wüsstest, was sich da in der Gerüchteküche alles zusammen braut."
"Und was willst du dann von mir wissen?" fragte Harry nun bissig und Zabini bemerkte den abrupten Stimmungswechsel. "Warum ich das getan habe? Ganz einfach: ich weiß es nicht."
Blaise erwiderte nichts darauf. Er hielt es für besser zu schweigen und das war allem Anschein nach auch die richtige Entscheidung.
Harry atmete einige Male tief ein und aus und beruhigte sich somit ein wenig wieder. "Tut.. Tut mir leid ich wollte dich nicht angehen." sagte er. "Ich weiß wirklich nicht, was mit mir los ist. In mir drinnen herrscht ein einziges Chaos. Ich tue und sage Sachen, die ich im Endeffekt gar nicht so meine. Es ist kompliziert.. ich kann es mir selbst nicht erklären." Harry wusste nicht weshalb er Blaise das anvertraute. Mit niemandem hatte er bis jetzt darüber gesprochen - noch nicht einmal mit Ron und Hermine.
"Alles was ich bis jetzt weiß ist, dass es im Grunde nicht meine Schuld ist." fuhr Harry unergründlicher weise fort. "Ich kann nichts dafür... es ist, als würde ich von etwas kontrolliert werden."
"Weißt du auch von was?" wollte Blaise ruhig wissen. Die ganze Zeit über hatte er nur da gesessen und zugehört. Er hatte deutlich erkannt, dass Harry das brauchte.
"Nein." war die einfache Antwort. "Aber ich hoffe das werde ich bald."
"Kling irgendwie nach einer Art Fluch." stellte Blaise fest und Harry nickte bestätigend.
"Ob es wirklich ein Fluch ist oder nicht, es fühlt sich zumindest nach einem an."
"Das klingt sehr verwirrend." wieder nickte Harry bestätigend. "Und gefährlich."
Dieses Mal sah er seinem Gegenüber eine Zeit lang direkt ins Gesicht, ehe er antwortete.
"Nach der Sache mit Malfoy weiß ich jetzt, dass es nicht ungefährlich ist."
Blaise erwiderte nichts.
"Bitte behalte es für dich." fügte Harry dann hinzu. "Dumbledore sucht bereits nach einer Lösung, aber er hat mir mehrmals gesagt, dass es niemand wissen soll. Er meinte, es würde nur Chaos anrichten."
"Kann ich verstehen." sagte Blaise. "Keine Sorge, dein Geheimnis ist bei mir sicher."
Harry lächelte, ebenso wie Blaise auch.
"Ich verstehe nicht..." sprach Harry nach einer Weile weiter. "... warum ich bei Malfoy so schnell die Kontrolle verloren habe. Sowas ist noch nie vorkommen und Dumbledore meinte, dass es auch ihm ein Rätsel ist."
"Eine gute Frage." gab der Slytherin zu. "Und sicher nicht die Einzige. Du solltest unbedingt mit Dumbledore reden. Anders wirst du keine Antworten erhalten können."
"Das werde ich auch, sobald er zurück ist."
Es tat gut über seine Gefühle zu sprechen. Schon so lange trug Harry diese Gedanken mit sich herum, ohne, dass er sie mit jemanden geteilt hatte. Schon sooft hatte er versucht mit Ron und Hermine darüber zu reden, hatte sich jedoch im letzten Moment anders entschieden. Er wusste nicht warum.
Bei Blaise sprudelten ihm quasi die Wörter aus dem Mund. Sein schlechtes Gewissen meldetet sich bereits jetzt schon.
Eine Zeit lang saßen die Jungen noch schweigend neben einander und genossen die Ruhe. Zabini war es schließlich, der aufstand und sich den Dreck von den Klamotten strich. "Langsam wird es frisch hier Draußen. Zeit ins Warme zu flüchten. Das solltest du auch." riet er dem Gryffindor. "Ach und noch etwas... " fügte er hinzu, als er sich gerade auf den Weg Richtung Schloss machen wollte.
".. wenn du mal wieder jemanden zum reden brauchst, dann scheu dich nicht zu mir zu kommen."
"Danke, Blaise."
Unendliche Schwärze und Stille bestimmen diesen unbekannten Ort. Es kommt ihm wie eine Ewigkeit vor , in der er im Nichts umher wandert. Ohne zu wissen wohin geht er dennoch weiter und weiter. Da! Ein Licht ist zu erkennen. Zu Anfang ganz schwach und noch weit entfernt. Wie gebannt schreitet er auf dieses Licht zu und während er diesem folgt, verändert sich seine Umgebung ganz langsam. Gitterstäbe werden vor ihm erkennbar. Er hält inne und bleibt direkt davor stehen. Hinter den Stäben ist wieder diese unendliche Schwärze vorhanden und doch taucht zwischendurch ein stechend blaues Licht auf. Immer nur ganz kurz bis sich dieses blaue Licht zu schlitzartigen Augen verformt.
"Was verschafft mir dir Ehre...?"
Von wo kommt diese furchterregende Stimme, die ihn so erstarren lässt?
Wie von selbst hebt sich seine Hand und streicht sanft über die Stäbe. Erschrocken weicht er zurück, als diese kalten Augen direkt vor i-hm und hinter den Gitter zum Vorschein kommen. Ein Knurren ist zu vernehmen, gefolgt von derselben tiefen und beängstigenden Stimme.
"Sehnst du dich nach mehr?"
Was ist das für ein Gefühl?
"Es ist ganz einfach."
Wie erzwungen, schaut er nach oben und erblickt paar Meter weiter auf den Stäben ein Zeichen. Es sieht aus wie eine Art Rune.
"Du musst nur danach greifen."
Diese Aura. Machtvoll und anziehend und dennoch... fühlt sie sich falsch an. Gefährlich und wahnsinnig.
"Du bist ein Nichts ohne mich. Wehr dich nicht."
Das ist nicht richtig.
"Tu es!"
Nein!
"Schwächling! Du entkommst mir nicht!"
Die Stäbe erzittern und ein ohrenbetäubend Gebrüll erfüllt den Raum und lässt ihn beben. Er wird durch eine unsichtbare Kraft an Gewalt zurückgeworfen...
"Harry!" Mit schmerzverzerrtem Gesicht und zugehaltenen Ohren schreckte Harry auf. Er brauchte eine Weile, um zu realisieren, dass er sich in seinem Zimmer befand. Erleichtert atmete er tief aus.
„Harry?" Neville stand neben seinem Bett und starrte ihn besorgt an.
„Alles in Ordnung? Hattest du wieder einen Alptraum?" Nachdenklich und verwirrt sah Harry auf seine Hände. Wenn er bloß mit Sicherheit sagen könnte, dass es wirklich nur ein Traum war…
Er spähte zu Ron, welcher immer noch im Bett lag und schlief, rüber. "Ja." war die schlichte Antwort und Neville musterte ihn für einen Moment mit einem Hauch von Mitleid ehe er fragte: "Kommst du mit zum Frühstück? Da könnten wir gleich unsere Arbeitsaufgaben für Verwandlung aufteilen."
"Klar doch."
Als Harry sich angezogen hatte, schlichen sie die Jungen leise aus dem Zimmer um Ron, Seamus und Dean nicht zu wecken. Kaum hatten sie den Gemeinschaftsraum betreten, stürmte sogleich eine anscheinend bereits wartende Hermine auf sie zu. "Harry, wir müssen reden!" verlangte sie und schenkte Neville einen vielsagenden Blick, der deutlich ausdrückte: alleine!
"Jetzt nicht. Ich muss noch mit Neville unsere Verwandlung Aufgaben einteilen."
"Ist schon ok, Harry." meinte dieser. "Wir können das auch zu Mittag machen."
"Gut, dann bis später." und mit den Worten verschwand er aus dem Raum. Hermine vergeudete keine weitere Sekunden mit schweigen und wandte sich wieder ihrem Freund zu.
"Warum gehst du uns aus dem Weg?"
"Tu ich nicht." log Harry schlecht und Hermine schnaubte nur verächtlich. "Seit der Sache mit Malfoy haben wir dich so gut wie nie gesehen. Du rennst als erster aus dem Unterricht, gehst alleine zum Essen, kommst spät in der Nacht und stehst früh auf. Wieso willst du uns nicht erzählen was los ist?"
Harry wandte den Blick von seiner Freundin ab. Es stimmte. Er ging ihnen aus dem Weg. Aber nicht, weil er Grund hatte auf sie böse zu sein. Ehrlich gesagt wusste er nicht genau, warum er das tat. Wahrscheinlich hatte er einfach Angst in ihrer Gegenwart ebenso die Kontrolle zu verlieren, wie damals bei Malfoy. Er wusste nicht zu was er fähig war und wollte es nicht an seinen Freunden austesten.
"Wir machen uns Sorgen um dich." meinte seine Freundin nun etwas sanfter. "Ich weiß, dass es schwierig für dich ist. Vor allem seit Sirius..." Harry kniff für einen kurzen Moment kaum merklich schmerzhaft die Augen zusammen. Hermine bemerkte es und ging deshalb gar nicht weiter darauf ein. "Wir wissen wie du dich fühlst. Deswegen wollen wir..."
"Sag das nicht." sprach ihr der Junge barsch dazwischen.
"Was?"
"Sag nicht, dass ihr wisst, wie ich mich fühle. Das ist nicht wahr."
"Wie denn auch?" fauchte das Mädchen. "Du redest nicht mit uns. Verstehst du nicht, dass wir einfach für dich da sein wollen? Wenn du deinen Freiraum brauchst oder einfach nur kurz für dich sein willst, dann sag es doch einfach. Aber hör auf uns so zu behandeln, als wären wir uns fremd."
Harrys schlechtes Gewissen meldete sich erneut und ergriff Besitz von ihm. Hermine hatte Recht. Er verhielt sich wirklich unfair gegenüber den beiden. Sie machten sich Sorgen und er ignorierte sie bloß. Wenn er sich schon Blaise anvertrauen konnte, dann mit Sicherheit auch seinen besten Freunden.
„Du hast Recht." zeigte der Schwarzhaarige Einsicht. "Bitte nehmt es mir nicht übel. Es ist sehr kompliziert und sch-" "Keiner nimmt dir etwas übel, Harry." sprach ihm seine Freundin sanft dazwischen. "Du musst dich auch nicht gezwungen fühlen mit uns zu reden. Es reicht, wenn du uns einfach wie deine, nun ja, Freunde behandelst." lachte sie und Harry stimmte kurz mit ein, ehe er sie in eine herzliche Umarmung zog.
"Danke." flüsterte er ihr lächelnd ins Ohr und auch die Lippen seiner Freundin umspielten ein warmes Lächeln.
"Lass uns frühstücken gehen." schlug Hermine vor, als sie sich wieder von einander lösten, doch allem Anschein nach wollte heute jemand verhindern, dass Harry heute überhaupt ein Frühstück bekam. Neville kam völlig außer Atem aus dem Portraitloch gestolpert. "Harry... du sollst... zu Dumbledore... es ist wichtig." informierte er ihn völlig außer Atem.
Harry zögerte keine Sekunde. Er schenkte seiner Freundin noch einen warmen Blick und machte sich anschließend zu Dumbledores Büro auf. Endlich war der Schulleiter zurück. Jetzt konnte es nur mehr bergauf gehen.
„Komm herein, Harry." Wie immer wusste der Direktor schon, dass er vor der Tür stand, bevor er auch nur die Hand zum Klopfen heben konnte. Harry trat ein und fand seinen Professor wie üblich hinter seinem Schreibtisch vor. "Willkommen zurück, Professor." begrüßte er den ein wenig müden, aber dennoch lächelnden alten Mann.
"Setz dich." bot er ihm einen Platz vor seinem Schreibtisch an. "Wir haben einiges zu besprechen."
Harrys Puls steigerte sich innerhalb weniger Sekunden. Mit viel Mühe versuchte er seine Unruhe zu unterdrücken.
"Bevor ich dir deine Fragen beantworte..." begann der Weißhaarige und holte währenddessen eine kleine schwarze Truhe heraus. "...möchte ich dir etwas geben." Er öffnete die kleine Kiste und holte eine schwarze Kette hervor. "Mithilfe dieses Relikts wird dein Siegel gestärkt und sollte derartige Ausbrüche zukünftig verhindern." Er reichte Harry die Kette, der sie genau musterte. Das glatte Material fühlte sich nach metallisch an, obwohl es wie schön geschliffene und geformte steine Steine aussah. Merkwürdig an der Kette war, dass sie scheinbar nichts wog. Der Junge legte sie sich um den Hals und sofort begann diese sich zu verengen, so sehr bis sie wie angegossen an den Hals passte. Er spürte nichts.
"Fürs Erste sollte das reichen." erklärte ihm Dumbledore und Harry war erleichter endlich eine gewisse Sicherheit zu verspüren.
"Dann können wir beginnen." Harry horchte auf und Dumbledore räusperte sich, ehe er weitersprach. "Dir ist mittlerweile bewusst, dass etwas in dir drinnen ist, dass dich so verändert." Harry nickte bestätigend. "Und um genau zu sein steckt in dir ein uraltes, mächtiges Wesen, dessen Existenz so gut wie gar nicht bekannt ist."
"Ein Wesen?"
"Ja. Sein Name ist Fulgor, der Blitzgeist oder auch Blitzdämon genannt."
"Ich trage also einen Dämon in mir?"
"Nein, Harry, es ist dämonischer Natur, aber kein Dämon."
"Aber was ist das dann genau für ein Wesen?" wollte Harry wissen und Dumbledore fuhr sich über seinen langen, weißen Bart. "Das ist nicht einfach zu erklären. Es ist ein mächtiges, altes Geschöpf. Von Seinesgleichen stammen die heutigen magischen sowie nicht magischen Geschöpfe ab. Sozusagen der Ursprung der Fauna."
Versuchte ihm gerade Dumbledore zu übermitteln, dass der Urvater der Tierwelt in ihm lebte?
"Und warum wird er Blitzgeist genannt?"
"Weil es das ist, was er verkörpert. Das Element des Blitzes."
"Das Element?" Harry war verwirrt. "Was soll das heißen?"
"Es würde zu viel Zeit rauben das zu erläutern. Wichtig ist für den Anfang, dass du weißt, dass ein gefährliches Wesen in dir steckt. Er ist es, der dich beeinflusst und dich verändert."
"Wie macht er das?" Harrys Fragen wurden mit jeder neuen Antwort immer mehr. Dumbledore seufzte müde. Es war schwierig dem Jungen solch eine ernste und komplizierte Angelegenheit zu erklären.
"Fulgor ist in deinem Innersten gefangen. Er versucht dich zu manipulieren und zu kontrollieren, um seinem Gefängnis entkommen zu können." Vor Harrys innerem Auge erschienen eisblaue Augen hinter Gitterstäben. Könnte es ein...?
"Dieses Wesen kennt dich sehr gut, Harry. Wahrscheinlich sogar besser, als du dich selbst. Er weiß, was du denkst, was du fühlst, was dich freut und was dich ärgert. Manipuliert er deine Emotionen und lenkt sie in diese Richtung, die ihm zu sagt, ist es ihm einfacher dich zu kontrollieren."
"Er manipuliert meine Gefühle? Das heißt er kann entscheiden, ob ich traurig oder wütend bin?"
"Nein, das kann er nicht. Aber er verstärkt ihre Wirkung. Angenommen du bist traurig, so kann er dieses Gefühl soweit lenken, bis du letztendlich in tiefste Depressionen verfällst."
Harrys Augen wurden groß, als er den Sinn der Worte des Älteren verstand, ehe er fort fuhr.
"Vielleicht wird dir auch jetzt klar, wozu du gemeinsam mit Professor Snape trainierst?"
"Ja." Verstand Harry nun wirklich die letzten zwei Samstage. Er lernte seinen Geist zu befreien und seine innere Ruhe zu finden. In jeder Situation so gut es ihm möglich war, Herr seiner selbst zu bleiben. Einfach ausgedrückt: meditieren.
Sein Rektor nickte und lächelte, als er weiter sprach. "Es ist ebenso wenig zu deinem Vorteil körperlich geschwächt zu sein, aber dennoch fällt es Fulgor einfacher, dich durch deine Gefühlswelt zu unterdrücken. Aus diesem Grund ist es von Wichtigkeit deine Tore vor ihm zu verschließen."
Im Klartext hieß das also: Harry hatte ein gefährliches, dämonisches, uraltes und mächtiges Wesen in sich drinnen, dass ihn bei jeder Gelegenheit zu kontrollieren versuchte... warum überraschte es ihn nicht wirklich? Er hätte sich eher gewundert, wenn es nur halb so gefährlich und kompliziert sein würde.
"Warum ist dieser Fulgor in mir, Professor?" wollte Harry wissen. "Seit wann denn überhaupt? Oder war er schon immer in mir? Wenn ja warum wusste keiner davon? Und warum zeigt er sich erst jetzt? Ist es nicht viel-"
"Harry." beschwichtigte ihn der Ältere in seinem Redefluss. "Ich weiß du hast viele Fragen, aber wir sollten dennoch langsam an die Sache heran gehen." Dumbledore machte eine kurze Pause, in der er den Jungen vor sich ausgiebig musterte. Wie sollte er ihm das alles nur schonend beibringen? Schon so lange hatte er darüber gegrübelt und egal wie sehr er es drehte und wendete, er wusste, es gab keinen einfachen und zufriedenstellenden Ausweg.
Dumbledore atmete tief ein und aus. Es half nichts um den heißen Brei herum zu reden. "Dein Geheimnis ist nur sehr wenigen bekannt. Und das soll auch so bleiben." begann er langsam und Harry bemerkte die Unruhe, die von dem Weißhaarigen ausging. "Fulgor wurde vor 15 Jahren in dir versiegelt." sagte er und Harry erstarrte.
"Er wurde ... absichtlich in mir versiegelt?" fragte er leise und Dumbledore nickte bloß.
"Fulgor hat vor einen Teil der Zaubererwelt in Angst und Schrecken versetzt." sprach der alte Mann weiter. "Er zerstörte Dörfer und Städte und seine Angriffe wurden immer häufiger und verheerender. Man musste ihm Einhalt gebieten und der einzige Ausweg war ihn zu versiegeln. Dir können es viele verdanken, dass sie heute noch am Leben sind."
Harry stockte der Atem. Unfähig sich weder zu bewegen, noch etwas zu sagen, hörte er dem Schulleiter unweigerlich weiterhin zu.
"Im Laufe der Jahre versuchten wir eine Lösung zu finden, Fulgor aus dir heraus zu bannen, ohne dass weder dir noch anderen Menschen Leid zugefügt werden würde. Doch es gab nichts, was wir tun konnten. Abgesehen davon, dass dein Siegel viel zu mächtig ist, würde es bloß eine weitere-"
"Wer hat das getan?" sprach ihm plötzlich Harry leise, dennoch barsch dazwischen. Seine Stimme zitterte ein wenig. Dumbledore spürte den Stimmungswechsel sofort.
"Wer hat das getan?!" fragte er ein zweites Mal, als Dumbledore immer noch keine Anstalten machte zu antworten. "Wer, verdammt noch mal hat mir das angetan? Werde ich vielleicht auch einmal gefragt? Was ich denke, was ich fühle oder was ich will?" fragte Harry verbittert.
"Harry.." begann der Ältere nun doch. "Du solltest dich erst ein wenig beruhigen, bevor wir weiter reden. Ich weiß es ist schwer, aber wir-"
"Nein!" schrie der Gryffindor plötzlich, stand dabei auf und schlug mit den Händen auf dem Tisch auf. "Sie wissen nicht wie das ist... ich... ich habe es so satt, dass ständig über meinen Kopf hinweg bestimmt wird, was ich für ein Leid zu ertragen habe. Ich habe nie eine Familie gehabt und keine Kindheit! Sirius wurde mir gleich weggenommen! Voldemort will mich töten! Cedric lag tot in meinen Armen! Ist das alles nicht genug? Jetzt wird mir auch noch das bisschen weggenommen, was ich von meinem Leben übrig habe?" Dumbledores Herz krampfte sich schmerzhaft zusammen, als er Harrys glasige Augen notierte. Auch seine Stimme war im Laufe des Redeflusses nicht mehr so energisch wie zu Anfang.
"Sagen sie nicht, dass Sie wissen wie ich mich fühle..." wiederholte Harry erneut kraftloser, als zuvor und senkte seinen Kopf ein wenig. "...niemand weiß, wie ich mich fühle... warum sagen das immer alle?"
Dumbledore schwieg und beobachtete den aufgelösten Jungen vor sich. Der Kopf sowie der Blick waren leicht gesenkt und dennoch erkannte er ein, zwei Tränen, die seine Wangen herab rannen und auf seinem Schreibtisch aufprallten.
"Sagen Sie mir..." begann Harry nun wieder so leise, dass es schwierig war seine Worte überhaupt zu vernehmen. "..wer Fulgor in mir versiegelt hat.."
Der Schulleiter schloss für einen Moment die Augen und verschränkte die Finger in einander. Was sollte er nur tun? Das Gespräch verlief so schnell in eine Richtung, die er als nicht gut empfand.
"Bitte.." hauchte Harry flehend und Dumbledores Brust verkrampfte sich nur noch mehr.
"Dein Vater, Harry."
"..."
Mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen starrte Harry seinen Gegenüber fassungslos an.
"Was...?" krächzte er beinahe lautlos und sein Gesicht verzog sich schmerzhaft. Wie angewurzelt stand er da. Sein Puls steigerte sich ins Unermessliche und seine Gedanken rasten, unfähig die Information, die er gerade erhalten hatte, zu verarbeiten.
"Bitte glaube nicht, dass dir irgendwer.." Dumbledore stoppte mitten in seinem Satz, als in Harry Bewegung aufkam. Fassungslos hielt er sich die Hand vor dem Mund, als die Worte endlich zu ihm durchdrangen und er sich ein Schluchzen nicht mehr unterdrücken konnte.
"Harry.." versuchte es Dumbledore erneut, doch dieser schloss bloß gequält die Augen und schüttelte den Kopf. Bevor der Ältere noch etwas sagen konnte, machte Harry plötzlich kehrt und stürmte aus dem Büro hinaus.
Dumbledore vergrub das Gesicht in seinen Händen.
Er rannte und rannte. Nicht wissend wohin genau rannte er. Einfach weg von Dumbledore und der Wahrheit. Die Tränen rannen mittlerweile unaufhörlich, wodurch ihm die Sicht verschlechter wurde. Er rempelte einige Schüler, die ihm verwirrt hinterher sahen. Es war ihm egal! Alles war ihm gleichgültig. Er wollte einfach nur weg!
Immer wieder schwirrten ihm dieselben Gedanken im Kopf herum und ließen ihm keine Ruhe. Sein Vater, sein eigener Vater hatte ihm das angetan! Wieso? Wie konnte er nur?
Harry lief geradewegs weiter, an der großen Halle vorbei und ins Freie. Er lief so lange am See entlang, bis er sich schon ziemlich weit von der Schule entfernt hatte und ihm schließlich die Puste ausging. Seine Schritte wurden langsamer, sein Atem umso schneller und sein Gesicht war bereits vollkommen durchnässt. Seine Beine konnten ihn nicht mehr tragen vor lauter Zittern. Er fiel auf die Knie und vergrub sein Gesicht in den Händen. Das konnte alles nur ein schlechter Witz sein. Ein Traum. Er wollte doch gar kein Retter sein oder sonst etwas für irgendwen. Er wollte einfach... einfach ein normales Leben.
„Harry?" erschrocken zuckte der eben genannte zusammen und sah nach oben – direkt in das Gesicht von Blaise. „Verdammt, was ist denn los?" fragte der Slytherin atemlos, während er sich mit den Händen auf den Oberschenkeln abstützte, was daraus schließen ließ, dass er dem Gryffindor hinterher gerannt war. Sofort stieg Harry die Röte zu Kopf, bei dem Bild, dass er auf den Slytherin machen musste. Er wischte sich mit dem Ärmel das Gesicht trocken, doch die geröteten Augen blieben. Da Harry sich dem bewusst war, setzte er sich ganz auf den Boden und kehrte dem Anderen den Rücken zu, ohne ihm eine Antwort zu geben.
Erschrocken zuckte Harry zusammen, als er ein Gewicht auf seiner Schulter spürte. Blaise hatte sich neben ihn nieder gelassen und den Arm um seine Schulter gelegt.
"Falls du reden willst, höre ich dir gerne zu." meinte er zu dem erstaunten Harry und schwieg dann mit ihm eine Weile.
„Ich war gerade bei Dumbledore…" sagte plötzlich Harry nach längerer Zeit des Schweigens leise in die Stille hinein. Blasie erwiderte nichts darauf, sondern wartete einfach, bis der Gryffindor weiter sprach.
"In mir ist ein Wesen gebannt, das mich zu kontrollieren versucht..." sagte er geradeheraus und sofort schwang Blaises Kopf in seine Richtung. „Was?" fragte er teils ungläubig und teils geschockt, doch als er dessen eingeschüchterten Blick sah, wandte er seinen wieder ab und versuchte gelassen zu bleiben.
„Dumbledore erklärte mir, wie gefährlich und mächtig dieses Wesen sei.." sprach Harry weiter. "...und, dass ich von nun an lernen müsste, mich unter Kontrolle zu haben. Allein das ist schon schwierig genug zu akzeptieren... Und als ich fragte warum dieses Wesen gerade in mir versiegelt wurde..." Harry stoppte plötzlich und lachte verbittert, als er sich die Szene noch einmal vor Augen führte. "... meinte er, dass es ein Opfer war, das erbracht werden musste...ich wurde dazu auserwählt und... und zu allem Überfluss war es mein Vater, der diese Entscheidung getroffen hat.." Und wieder schnellte Blaises Kopf vor Fassungslosigkeit zu Harry. Er hatte mit vielem gerechnet, aber ganz bestimmt nicht mit so etwas.
Harry vergrub sein Gesicht in die Hände und der Slytherin fühlte wie der Junge neben sich bebte. Der Gryffindor konnte sich nicht zusammen reisen. Eigentlich war es ihm in Gegenwart von Zabini äußerst unangenehm zu weinen, aber die Gefühle überkamen ihn immer wieder mit solche einer Wucht.
Anstatt zu antworten, zog Blaise Harry noch näher an sich heran und streichelte ihm den Rücken zur Beruhigung. Er kam sich zwar ein wenig nutzlos vor, hoffte aber, dass es genügen würde den Anderen zu besänftigen.
„Ich versteh das nicht..." schluchzte Harry unverständlich in seine Hände. "Wie kann man so etwas seinem eigenen Sohn nur antun?"
Blaise erwiderte immer noch nichts. Er hielt es für das Beste nichts zu sagen und Harry so einfach nur zu stützen. Nach einiger Zeit des Schweigens ließ das Beben des Schwarzhaarigen langsam nach und auch das Schluchzen hörte auf.
"Harry..." wagte der Slytherin nun doch einen Versuch. "Hat dir Dumbledore gesagt, warum dein Vater das getan hat?"
"Nein..." kam die verspätete Antwort. "Ich bin vorher aus dem Büro gerannt. Ich will es auch gar nicht wissen, es interessiert mich nicht." meinte er nüchtern. Zabini veränderte seine Sitzposition so, dass er Harry nun gegenüber saß. Vorsichtig hob er seinen Kopf an, damit dieser ihm in die Augen schauen konnte. Dieser Umstand fiel dem Gryffindor schwer, da er sich zutiefst schämte vor Blaise geweint zu haben.
"Mach dich jetzt nicht fertig. Es bringt nichts sich weiter den Kopf darüber zu zerbrechen. Es ist schwer, aber es ist so wie es ist."
"Ich weiß, du hast ja Recht..."sagte der Schwarzhaarige. Es stimmte, er konnte an der Tatsache nichts mehr ändern.
"Trotzdem bin ich der Meinung, dass du nochmal mit Dumbledore reden solltest. Ich bin sicher es gab einen triftigen Grund, warum dein Vater so gehandelt hat."
"Ich glaube nicht, dass ich die Antwort wirklich wissen will..."
"Das wirst du aber müssen." lächelte Blaise und berührte den Anderen an der Schulter. "Aber egal, was herauskommt, Harry. Lass dich niemals fallen. Du hast ja noch deine Freunde, die dich unterstützen und dir in solch einer Situation beistehen."
"Und dich." lächelte Harry zurück.
"Nun ja, wenn man mich denn als guten Freund bezeichnen könnte." meinte Zabini gespielt bescheiden, woraufhin Harry wieder etwa mehr lachen musste. "Ja so könnte ich dich bezeichnen."
"Du wirst sehen es wird schon bald alles gut werden. Dumbledore wird dafür sorgen, da bin ich mir sicher."
„Danke Blaise. Du schaffst es mich aufzumuntern. Selbst jetzt."
"Ach, nichts zu danken."
Harry war wirklich dankbar in Blaise so einen guten Freund gefunden zu haben. Der Slytherin war direkt, ehrlich und keinesfalls heuchlerisch. Es war, als würde er durch ihn wieder ernüchtern und alles wieder ein wenig klarer sehen. Als hätte er wieder neue Energie durch dieses Gespräch erlangt. Er hoffte wirklich das würde auch so bleiben.
"Gut. Ich muss dann mal los, Blaise."
"Wohin denn so eilig?" fragte der Slytherin, überrascht von Harrys Enthusiasmus.
"Wie du sagtest: Ich habe meine Freunde, die zu mir stehen. Ich kann sie jetzt gut gebrauchen."
"Na dann hopp, hopp!" neckte der Slytherin den Jungen, der ihm noch die Zunge raus streckte, ehe er davon und in Richtung Schloss lief.
Lächelnd starrt er Harry noch eine Weile hinterher. Er war wirklich froh darüber, dass Harry ihn endlich als Freund bezeichnet hatte.
„Das erklärt so Einiges."
Blaise erschrak und wandte sich reflexartig in die Richtung, aus der er die Stimme gehört hatte. Draco Malfoy lehnte lässig, mit verschränkten Armen und einem diabolischen Grinsen im Gesicht gegen einen Baum, unweit von ihm entfernt.
„Draco?"
„Gut erkannt." Der Blonde stieß sich vom Baum ab und ging auf den verwirrten Blaise zu.
„Was machst du hier?" fragte dieser. "Bist du mir etwa gefolgt?"
„Eigentlich wollte ich bloß den Grund für dein plötzliches Verschwinden erfahren. Dass ich dich dann mit dem heulenden Potter vorfinde, hat mich doch überrascht." sein Grinsen wurde breiter, doch Blaise fand an der ganzen Situation gar nichts komisch.
„Was hast du alles mitbekommen?" verlangte er barsch zu wissen, doch Malfoy machte sich weiterhin einen Spaß daraus. "Lass mich überlegen..." Gekünstelt strich er mit seinen Fingern an seinem Kinn, so als würde er angestrengt nachdenken. "Alles." kam die schlichte Antwort. Zabinis Herz rutschte ihm in die Hose. Sofort ging er auf seinen Freund zu und meinte verschwörerisch: "Draco, das musst du für dich behalten."
"Nenne mir einen guten Grund, warum ich das tun sollte."
Fassungslos starrte Blaise seinen Gegenüber an. "Hast du nicht zugehört? Harry hat ein gefährliches Wesen in sich gebannt. Ich glaube kaum, dass es für ihn zum Vorteil wäre, wenn die ganze Schule Bescheid wüsste."
"Das ist kein triftiger Grund dieses Wissen nicht zu verbreiten und meine Vorteile daraus zu ziehen."
"Spinnst du? Hast du vergessen, dass dich Potter letztens fertig gemacht hat?"
"Er hat mich nicht...!" schrie Malfoy plötzlich aufgebracht auf, konnte sich jedoch im nächsten Moment wieder fangen. Er bändigte seine Wut und beruhigte sich so gut wie möglich. "Er hat mich nicht fertig gemacht. Ich war unvorbereitet und außerdem war es nicht Potter, der mich angegriffen hat, wie wir ja jetzt wissen."
"Was spielt das für eine Rolle? Draco, Hier geht es um viel mehr als deinen Stolz! Niemand weiß zu was-" "Blaise! Dieses Narbengesicht macht mir mein Leben schwer und letztendlich hat er mich auch noch angegriffen. Abgesehen davon, bin ich momentan das Gespött ganz Hogwarts und lag drei Tage lang im Krankenflügel. Und jetzt frage ich dich ganz ehrlich: glaubst du wirklich, da interessiert mich auch nur im Geringsten Potter und sein Wohlergehen?" Schnaubte er verächtlich und verschränkte die Arme vor der Brust. "Er kann von Glück reden, dass ich noch nichts meinem Vater erzählt habe. Andernfalls würde er längst nicht mehr in Hogwarts verweilen.."
"Ich verstehe, dass du wütend bist. Aber ich finde nicht, dass Harrys Problem teil eurer Rivalität sein sollte. Schließlich betrifft es nicht nur euch beide, sondern ganz Hogwarts."
"Rivalität." schnaubte Malfoy erneut. "Das war vielleicht einmal.."
"Draco." seufzte Zabini."Harry hat mir sein Geheimnis im Vertrauen erzählt. Und deshalb bitte ich dich als Freund: Behalte es für dich. Sieh dieses eine Mal darüber hinweg."
Der Blonde rümpfte seine Nase und schwieg einige Zeit lang, während Blaise ungeduldig auf eine Antwort wartete.
Draco und Blaise waren schon von Kindheitstagen an befreundet und deshalb wusste er auch, wie sehr er Harry verabscheute. Den genauen Grund dazu, hatte ihm Draco nie erzählt, dennoch wusste er, dass es damit zusammen hing, dass Harry ihm in der ersten Klasse die Freundschaft ausgeschlagen hatte. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die anfängliche Abneigung zu richtigen Hass. Die beiden Schüler versuchten sich bei jeder Gelegenheit gegenseitig zu provozieren und zu demütigen - obwohl er sich sicher war, dass es bei Draco nicht nur dabei blieb. Selbst jetzt in solch einer eigentlich recht gefährlichen Situation, scheute sich der Blonde nicht davor, Harrys Geheimnis zu verraten.
"Gut." hörte er des jungen Malfoys Stimme und Blaise atmete erleichtert aus. "Gnade ihm Merlin, wenn er sich noch einmal so etwas erlaubt."
"Du solltest endlich aufhören dir immer so viele Gedanken um ihn zu machen." lachte Blaise, um die Stimmung ein wenig zu lockern und von dem - für den Malfoy - sensiblen Thema abzulenken. "Konzentrier dich einfach auf das Wesentliche." sagte Blaise und klapste dem Blonden leicht auf den Rücken.
"Lass uns reingehen, der Unterricht beginnt bald." fügte er dann noch dazu, und ging Richtung Schloss, während Draco seinem Freund wortlos folgte.
Ein in Potter gebanntes Wesen, also. Und man wollte ihm tatsächlich einreden, sie hätten sich gezankt und er sich somit den Kopf gestoßen. Pah, er war doch nicht bescheuert.
So ein naiver Gryffindor. Er hatte es gewagt ihn heraus zu fordern. Jetzt musste er selbst sehen, wie er mit den Konsequenzen zurecht kommen würde.
