Ein schmaler Grat

Kapitel 1 – Ohne Ausweg

Mit einem Plopp disapparierte ein weiterer Todesser aus der ursprünglichen Vierergruppe, um sich in Sicherheit zu bringen. Wollte er doch nicht wie seine beiden Kollegen zuvor niedergestreckt werden. Ein anderer lag – der Blutlache nach die sich um seinen Kopf herum gebildet hatte wohl eindeutig tot – wie eine hingeworfene Puppe regungslos in der verschmutzten Gasse in welcher der Kampf stattfand. Einzig die knochenweiße Maske stach aus dem schwarz der Kleidung, dem rot des Blutes und dem grauen Schmutz um ihn herum hervor.

Nun stand nur noch einer. Eine dunkle Gestalt in schwarzen Roben, schwarzem Umhang und was umso erschreckender war, silberner Maske, die besagte das er im Gegensatz zu zwei der Anderen zum Inneren Kreis Voldemorts gehörte. Kein Wunder also das er noch stand. Auch wenn der andere mit einer silbernen Maske verhüllte Zauberer nicht so viel Glück gehabt hatte und gleich nach ihrem Eintreffen von einem Fluch niedergestreckt worden war.

Ob dieser nur bewusstlos, oder gar tot war wusste der noch stehende und weiter Flüche auf seine Gegner schleudernde Todesser nicht. Doch hatte er nicht vor das Risiko einzugehen und zu riskieren das dieser gefangen genommen wurde. Nicht von den Leuten des Ordens, die ihn nun langsam aber sicher einzukreisen begannen.

Langsam, unausweichlich wurde er immer weiter zurückgedrängt, bis er schließlich mit der Ferse gegen den Arm des zu Beginn zu Boden gegangenen Mannes stieß, welcher sich jedoch auch daraufhin nicht weiter rührte. Ein Umstand der den alle Hände voll zu tun habenden Todesser flüchtig annehmen ließ, das dieser wohl auch tot und verloren war.

‚Eine Schande, solche Verschwendung. Vater hätte den Giftmischer eben nicht mitschicken sollen.', überlegte der junge Todesser, während er sich duckte um einem Impedimenta auszuweichen und im Gegenzug gerade noch einen: „Enervate!", dem Lähmzauber entgegensetzen konnte, der diesen aufhob, ehe er ihn treffen und handlungsunfähig machen konnte.

Kurz darauf musste er sich mit einem laut gerufenen Protego auch schon wieder gegen zwei weitere gegen ihn gerichtete Flüche schützen, dabei nun nicht einmal mehr dazu kommend selbst einen Gegenfluch zu schleudern, der seine Gegner wenn schon nicht vertrieben, dann doch zumindest dezimiert hätte.

Aber so viel Glück war ihm einfach nicht vergönnt und sein Pech nahm noch weiter zu, als er einen dumpfen Druck über sich spürte, der ihm anzeigte, das ein Apparationsschild über ihm errichtet worden war und er nun nicht einmal mehr durch Disapparieren fliehen konnte.

Schweißfeucht, aber dennoch entschlossen griff er seinen schmalen aus Kirschholz und Testhralherzphaser bestehenden Zauberstab fester, nicht willens sich, auch wenn es aussichtslos schien, einfach so geschlagen zu geben.

Nein er würde niemals aufgeben!

Plötzlich merkte er dass keine weiteren Flüche mehr gegen ihn geschleudert wurden. Seine Gegner ihn nicht weiter angriffen, sondern stumm und ihre Zauberstäbe drohend auf ihn gerichtet haltend, um ihn herumstanden, wie als würden sie auf etwas warten.

„Gib auf! Du hast keine Chance … kannst nicht entkommen! Das muss dir doch klar sein!", rief da ein Mann mit schwarzen, strubbligen Haaren und braunen, vor entschlossener Härte schimmernden braunen Augen. Ein zweiter ebenfalls schwarzhaariger, aber wild gelockter Mann stand neben diesem, der dem Aussehen nach nur ein Black sein konnte. Und da es nur einen Black gab der aus der Art schlug – und noch lebte – konnte es sich dabei nur um Sirius Black handeln, womit der Rufer niemand anderes als James Potter, Auror und erbittertster Widersacher des Dunklen Lords sein konnte.

„Niemals!", schrie er zurück, dabei seinen Zauberstab noch fester umklammernd, um zu verhindern das dieser ihm aus den immer glitschiger werdenden Fingern rutschte. Doch wagte er es nicht auf seine nur mühsam ruhig gehaltene Hand zu blicken, um ja nicht zu verpassen was die Ordensleute taten. ‚War wohl doch kein Schweiß ….', sinnierte er dabei flüchtig, den Gedanken aber wie alle anderen beiweite fegend, gab es gerade jetzt doch Wichtigeres auf das er sich konzentrieren musste.

„Du bist verletzt … vom Kampf geschwächt. Lass es nicht zum Äußersten kommen!", rief ein weiterer Mann, dünn mit braunem Haar in dem sich einige wenige graue Strähnen zeigten, die so gar nicht zu dem jungen und irgendwie sanftmütig wirkendem Gesicht passen wollten, aus dem ihn zwei Bernsteinfarbene Augen fast schon flehend entgegenstarrten.

Ja er war verletzt. Seinen rechten Arm konnte er überhaupt nicht mehr bewegen, aufgrund eines Fluches der seine rechte Schulter getroffen hatte und ihn dazu zwang seinen Zauberstab in der Linken zu halten, mit der er zwar auch zaubern konnte, aber bei weitem nicht so schnell wie mit der Rechten, seiner eigentlichen Zauberstabhand.

Auch spürte er wie ihm etwas ins linke Auge tropfte und auch heftiges blinzeln nicht wirklich half, seine Sicht zu verbessern.

Dennoch hatte er bis jetzt standgehalten und er dachte nicht einmal im Traum daran aufzugeben, oder sich gar in die Hände des verhassten Phönixordens zu begeben.

Er wusste dass er verloren hatte. Wusste das es keinen Ausweg für ihn gab, hier heil heraus zukommen.

Ebenso wie er wusste das der Orden Mittel und Wege hatte, die Informationen die er diesen gewiss nicht freiwillig geben würde, aus ihm herauszupressen. Veritasserum zum Beispiel. Dem konnte selbst er sich nicht entziehen. Jedenfalls nicht so einfach und erst recht nicht in dem geschwächten Zustand in dem er sich gerade befand.

Langsam richtet er seinen Zauberstab gegen sich selbst, dabei die erst verwirrten, dann entsetzten Blicke der ihn eingekreist habenden Zauberer und Hexen ignorierend, wovon nicht zuletzt der Braunhaarige der zuvor schon sein Wort an ihn gerichtet hatte, nun ein lautes: „Tu es nicht! So muss es doch nicht enden!", schrie, doch egal was sie taten, er wäre schneller und dem entsetzten Blick aus den Bernsteinfarbenen Augen die ihn mit ihrer Intensität in ihren Bann zu schlagen drohten nach, wusste der Rufer dies auch ganz genau.

Nein – er hatte keine andere Wahl, wollte er verhindern das man das was er wusste – und das war eine Menge – gegen den Dunklen Lord, seinen Vater einsetzen würde. Etwas das er niemals zulassen würde.

Die ersten Silben des Todesfluches hatten bereits seine Lippen verlassen, als ihn etwas von hinten traf. Aus einer Richtung in der es nichts gab, außer einer Mauer in seinem Rücken und … den vermeintlich toten Giftmischer Voldemorts.

TBC … ?