A/N: Okay, mir hat ein Review gereicht, um jetzt schon das erste Kapitel zu posten ;) Der Prolog war ja nicht so lang, vielleicht erhält man jetzt eine bessere Idee von der Geschichte (auch wenn das erste Kapitel auch noch nicht so lang ist).
Elektra van Helsing: Danke für dein Review :) Mich hat gefreut, dass der Prolog dir gefallen hat. Hoffentlich gefallen dir auch die folgenden Kapitel.
1. Kapitel: Glashaus
„Ver- verdammt, wo bin ich hier?"
Blinzelnd hob Regulus seinen schmerzenden Kopf.
„Wie gesagt, du bist im Himmel."
Verwirrt richtete Regulus sich auf, während er mit der rechten Hand seine Schläfe massierte.
„Und warum habe ich dann höllische Kopfschmerzen?"
„Weil du eigentlich nicht hier sein dürftest."
Noch verstörter sah Regulus sich um. Mit wem redete er da? Er befand sich in einem weißen Raum, in dessen Mitte nur ein einzelner Stuhl stand. Mit misstrauisch zusammengekniffenen Augen ging Regulus zu dem Holzstuhl und setzte sich angespannt hin. Hier konnte doch etwas nicht stimmen.
„Wer sind Sie?"
Regulus erhielt keine Antwort.
„Gott?"
„Ich bin – wenn du so willst – die Stimme Gottes."
Stille trat ein. Regulus dachte angestrengt nach, über das, was mit ihm passiert war und über das, was ihm nun widerfuhr, aber er konnte sich beim besten Willen keinen Reim darauf machen. Seine einzige mögliche Reaktion darauf schien zu sein, dass er sich selbst für verrückt erklärte. Bei diesem Gedanken musste er laut lachen, was jedoch durch den Widerhall in dem seltsamen Raum schon fast gespenstisch klang und so verstummte er schnell wieder. Nachdem er (wie er meinte) lange genug auf eine Gesprächsweiterführung seitens der unbekannten Stimme gewartet hatte, warf Regulus schließlich einfach einen Satz in das Schweigen, das jede Faser seines Körpers erfasst zu haben schien und die Einsamkeit mit den eigenen Gedanken nur noch unerträglicher machte.
„Ich glaube nicht an Gott."
Der Sprecher ließ sich mit seiner Reaktion Zeit.
„Warum nicht?"
„Weil ich weiß, dass alle Phänomene, die die Muggel seit jeher nur mit der Existenz eines Gottes begründen konnten, in Wirklichkeit Geschehnisse bei den Zauberern waren, die einfach nur zu groß waren, um sie aus dem Gedächtnis aller Muggel zu tilgen."
„Glaubst du das?"
„Ja."
„Aber kann es nicht sein, dass es trotzdem einen Gott gibt?"
„Wofür? Wir Zauberer brauchen keinen, die Muggel haben einen – zumindest bilden sie es sich ein – und abgesehen davon habe ich nie irgendein Anzeichen auf das Dasein eines Gottes erkennen können. Wenn es ihn geben sollte, was macht er denn dann den lieben langen Tag? Nein, ich glaube definitiv nicht, dass es einen Gott gibt und folglich kann ich Ihnen auch nicht glauben, wenn Sie sagen, Sie seien die Stimme Gottes, da es ihn für mich nicht gibt und somit ist dieses Gespräch auch sinnlos und es wäre wohl am besten, wenn der Spuk hier bald vorbei wäre."
„Soso... für dich gibt es Gott also nicht?"
„Nein."
„Aber genau da liegt doch der Fehler."
„Ich verstehe nicht."
„Damit sagst du doch nur aus, dass es ihn für dich nicht gibt, was aber nicht ausschließt, dass es Gott für andere Menschen – Muggel wie Zauberer – gibt."
„Na ja, schon, aber..."
„Und damit stellt sich die Frage: Wenn andere an einen Gott glauben, du aber nicht, existiert Gott dann für sie und für dich nicht?"
„Ich..."
„Du musst erkennen, dass es einen Unterschied gibt zwischen der Tatsache, dass du glaubst, dass Gott existiert und der Tatsache, dass er existiert. Nur weil du nicht an ihn glaubst, heißt das nicht, dass er nicht existiert. Umgekehrt bedeutet der Glauben an etwas auch nicht, dass dieses etwas existiert. Verstehst du?"
„Ähm..."
„Aber kann man an etwas glauben, von dem man weiß, dass es existiert?"
„Ich – ich denke nicht."
„Nun, es geht schon, aber es ist ein schwächerer Glaube als der an etwas, das nicht nachweislich existiert. Denn in dem ungewissen Glauben schwingt immer Hoffnung mit, dass das, an das man glaubt, auch wirklich existiert. Außerdem ist das, das sich nirgendwo fest manifestiert, viel mehr deut- und auslegbar für viele verschiedene Arten von Menschen. Und deswegen glauben so viele verschiedene Menschen an ein und denselben Gott. Sie können ihn für sich selber anders auslegen, als es andere machen würden. Aber da nirgendwo die endgültige Wahrheit über dieses nebulöse Gebilde Gott festgehalten ist, also auch kein Beweis der Existenz, können sich die verschiedensten Menschen in ihrem Glauben an diesen Gott stärken lassen."
„Ah... alles klar."
Allmählich fing Regulus an zu schwitzen. Irgendwie war ihm das alles zu hoch und außerdem hatte er auch keine Lust, sich anzustrengen, um die Worte der körperlosen Stimme zu verstehen.
„Konntest du mir folgen?"
„Um ehrlich zu sein, nicht wirklich."
Die Stimme fing so plötzlich und unpassend an zu lachen, dass Regulus vor Schreck fast vom Stuhl gefallen wäre.
„Das habe ich mir auch schon gedacht. Bin wohl etwas ausgeschweift. Aber du musst mir das verzeihen, denn wenn ich unwissende Schäfchen wie dich treffe, dann muss ich einfach den Oberlehrer spielen."
„Ach, schon in Ordnung."
„Na ja, worauf ich hinauswollte: Es gibt Gott, egal, ob du mir das glaubst, aber es ist nun mal so."
Nachdenklich fuhr Regulus sich mit einer Hand durchs strähnige Haar (eine Eigenschaft, die er von seinem Bruder übernommen hatte).
„Nun, willst du denn gar nichts zu der Tatsache sagen oder fragen, dass du nun im Himmel bist?"
„Ich glaube nicht, dass es einen Himmel gibt."
Wieder lachte der fremde Sprecher.
„Glaubst du es wirklich nicht, oder willst du es dir einfach nur nicht eingestehen, weil du dann zugeben müsstest, dass es auch eine Hölle gibt?"
Regulus schwieg. Er wusste mittlerweile nicht mehr, was er glauben oder nicht glauben sollte.
„Nun, du fragst dich sicher, warum du im Himmel bist. Und das völlig zu Recht, völlig zu Recht. Bei den Taten, die du als Todesser vollbracht hast, hättest du eigentlich in der Hölle landen müssen. Du warst auch schon auf dem Weg dahin, als ich dich wieder herausgeholt habe. Die Kopfschmerzen waren noch ein kleines Überbleibsel, aber angesichts dessen, was dich da wirklich erwartet hätte, dürftest du mit dieser kleinen Strafe ja noch recht zufrieden sein."
Ungläubig lauschte Regulus den Worten der Stimme. Vor Anspannung konnte er nur mehr hauchen:
„Warum?"
Der Sprecher schien für einen Moment über seine Antwort nachzudenken.
„Du... du sollst eine zweite Chance erhalten."
Mehr als ein Flüstern schien Regulus' Kehle immer noch nicht zu verlassen.
„Was?"
„Du sollst eine zweite Chance bei deinem Versuch erhalten."
„Versuch?"
„Voldemort... den Horkrux zu zerstören."
„Ich soll was?"
„Du warst so kurz davor. Es darf nicht scheitern."
„Aber... woher wissen Sie... ich meine..."
„Von dem Horkrux? Das ist etwas, das ich dir nicht beantworten darf. Sagen wir mal so: Wir können den Lauf der Dinge sehen, Zukunft, Vergangenheit und natürlich die Gegenwart. Manche Dinge erfordern von uns mehr Zuwendung, andere praktisch keine. Wir beobachten, aber – wir haben noch nie in das Geschehen eingegriffen. Bis heute. Eigentlich hättest du heute nicht sterben dürfen, alles wurde durcheinander geworfen."
„Ich... ich hätte nicht sterben dürfen?"
„Ja. Es geht keineswegs darum, dass wir das Schicksal in die Richtung führen, in der wir es gerne haben würden. Vielmehr ist heute, wenn man so will, ein Fehler passiert und wir müssen das Schicksal wieder in die Bahn lenken, in der es sein sollte. Als hätte Voldemort geahnt, was du noch tun würdest, wenn du die nächsten zwei Tage überlebst, hat er dich umbringen lassen."
„Aber war das nicht, weil – weil ich ein Deserteur bin? Die werden immer so bestraft."
„Ja, Voldemort weiß selber nicht, welches Schnippchen er dem Schicksal fast geschlagen hätte, wenn ich nicht auf Anweisung von oben eingegriffen hätte. Wir sind immer noch am Rätseln, wie es passieren konnte, dass er diese Entscheidung getroffen hat, wo er sie ja eigentlich nicht – noch nicht – hätte treffen dürfen. Sehr mysteriös das Ganze. Aber wie dem auch sei, wir werden den Fehler korrigieren. Du wirst zurückgeschickt und das machen, was dir vorherbestimmt ist zu tun."
„Den Horkrux zerstören?"
„Ja."
„Aber wie?"
„Das darf ich dir nicht sagen. Aber sei gewarnt: Alleine wirst du es nicht schaffen."
„Aber... aber wen soll ich denn noch mitnehmen? Jemanden wie Aline? Sie würde doch -"
„Nein. Du darfst keine Zauberin mitnehmen, überhaupt keinen Zauberer."
„Aber wen?"
„Das darf ich dir auch nicht sagen. Im entscheidenden Moment wirst du den Richtigen finden."
„So... und wo ist der Horkrux, wie sieht er aus, wie soll ich ihn zerstören?"
„Viele Fragen auf einmal. Nun, der Horkrux befindet sich in einer Höhle an der Küste. Ich werde dir einen Portschlüssel mitgeben, damit du nicht danach suchen musst."
In dem Augenblick erschien vor Regulus' Augen wie aus dem Nichts eine kleine Dose. Überrascht stand er auf, bückte sich nach ihr und hob sie auf. Gerade wollte er sie öffnen, als ihn die Stimme zurechtwies.
„Halt! Der Portschlüssel befindet sich im Inneren der Dose. Steck die Dose so ein, damit du nicht mit ihrem Inhalt in Berührung kommst, bevor der richtige Zeitpunkt da ist."
„In Ordnung."
Fahrig ließ Regulus das kleine Behältnis in seine Hosentasche gleiten, bevor er wieder auf dem Stuhl Platz nahm.
„Der Horkrux ist ein Medaillon. Du wirst es sofort erkennen, es hat vorne das Symbol Slytherins eingraviert."
„Das reich verzierte S?"
„Ja."
„Gut... und wie soll ich das Medaillon zerstören?"
„Das darf ich dir auch nicht sagen."
„Ah – na gut."
„Du solltest dich trotzdem sicher fühlen, immerhin weißt du, dass das Schicksal dich lenken wird und du eigentlich nichts falsch machen kannst."
„Ich werde es also schaffen?"
Der unsichtbare Sprecher schien zu zögern.
„Nun... alles wird den Weg gehen, den es gehen muss. Von einem Misserfolg deinerseits – ich sage nicht, dass es so sein wird – könnte später der Erfolg eines anderen abhängen. Alle Geschehnisse sind so eng miteinander verkettet und verbunden, dass es schwer fällt von einer Niederlage zu sprechen, wenn daraus später ein Triumph entwächst. Möge es noch so lange dauern."
„Es kann also sein, dass ich, wenn ich es schaffe, auch weiterleben kann?"
„Gewiss. Theoretisch ist alles möglich. Du wirst nicht mit der Auflage zurückgeschickt, dass du anschließend sofort wieder hierher zurückkehren musst. Aber Gottes Wege sind unergründlich..."
Regulus zögerte.
„Werde... werde ich bei meinem nächsten Tod in die Hölle kommen?"
„Ich weiß es nicht, aber es ist sehr wahrscheinlich. Tut mir leid."
„Ach, ist ja irgendwie meine eigene Schuld... und – und jetzt?"
„Schließ deine Augen."
Tief ein- und ausatmend schloss Regulus seine Augen. Nervös versuchte er sich gerade hinzusetzen.
„Alles in Ordnung?"
„Ja..."
Das war doch alles zu verrückt, wie Regulus sich eingestehen musste. So viel hatte sich an dem heutigen Tag ereignet, dass er eigentlich an seinem Verstand zweifeln musste. Vielleicht hatte er sich das alles nur selber vorgegaukelt? Vielleicht träumte er gerade nur?
„Bist du fertig?"
„Ich denke schon."
„Bist du es?"
„Ja."
„Beim Übergang von hier zurück ins Leben wirst du wahrscheinlich kurzweilig frühere Erinnerungen durchlaufen. Aber danach wirst du wieder ganz normal auf der Erde stehen, in Ordnung?"
„Ja."
Hinter Regulus' Augenlidern sprangen die Farben hin und her. Hier erschien ein grüner Klecks, dort ein gelber, da ein blauer... Das Rot, das sich durch die geschlossenen Schlitze drängte, wurde immer stärker. Um ihn herum musste es immer heller werden.
„Ich – ich kann das nicht. Bitte... ich will doch nicht. Ich habe noch nie etwas hingekriegt. Mein Bruder... der Idiot wäre besser geeignet."
Die Stimme antwortete nicht. Regulus fühlte, wie die Temperatur anstieg. Es wurde immer wärmer. Seine Haut fing an zu glühen.
„Regulus?"
„Ja?"
„Du wirst das schaffen."
Das Feuer durchdrang jede Faser seines Körpers. Plötzlich wurde er hochgerissen und dann fiel er. Er fiel und fiel – und spürte auf einmal, wie er in Wasser eintauchte. Immer tiefer sank Regulus. Die letzte Luft entwich seinen Lungen. Und dann wurde alles schwarz.
Kleines Preview: Im (ziemlich langen) zweiten Kapitel durchläuft Regulus größtenteils Erinnerungen. Sirius wird vorkommen, auch etwas in Bezug auf die Todesser und es wird erklärt, wer die von Regulus erwähnte Aline ist.
