so, hier nun bereits der zweite Teil des ersten Kapitels.


Kapitel 1 - Ein Sieg ohne Sieger (Teil 2)

„Hem, hem" kam es von der Türe.

Alle Personen und Portraits wanden sich schlagartig zur Türe. Dort stand Prof. Binns, ihr Lehrer für Geschichte der Zauberei.

„Hast Du auch gerade an die alte Kröte gedacht?" fragte Neville zu Ginny gewandt. Was als kleine Aufmunterung für Ginny gedacht war, entwickelte sich zu einem kollektiven Lachen, da er es etwas zu laut ausgesprochen hatte.

Als sich alle von ihrem Lachanfall erholt hatten, stellten sie fest, dass sich damit auch die Anspannung etwas gelegt hatte. Lediglich Prof. Binns wusste nicht, um was es ging, da er zum Zeitpunkt von Nevilles Ausspruch noch zu weit von der Gruppe entfernt gestanden hatte.

„Vielleicht kann ich Ihnen helfen" überraschte Prof. Binns die Anwesenden.

Hermine, Ron, Neville, Ginny und Luna sahen sich ungläubig an. Ausgerechnet Prof. Binns? Der Lehrer mit dem langweiligsten Unterricht? Der Lehrer mit dem Stoff, den kein Schüler jemals interessierte?

Prof. Binns muss die Gesichter seiner Schüler anscheinend richtig gedeutet haben, denn er bekräftigte seine Aussage nochmals.

„Sie sprachen doch gerade davon, dass man aus Hogwarts nicht apparieren oder disapparieren kann, unser Harry Potter aber dennoch verschwunden ist?"

„Aber woher ...?" begann Prof. McGonagall.

„Ich war gerade hier im Gang unterwegs und sie waren, nun ja, nicht zu überhören" beantwortete Prof. Binns ihre nicht beendete Frage.

„Und?" bedrängte Hermine nun ihren Lehrer. Man konnte sehen, dass sie Nahe am Ende ihrer Kräfte war.

„Das liegt sehr weit in der Vergangenheit" begann Prof. Binns zu erzählen „und es handelt sich nicht um überlieferte Tatsache." „Da ich mich privat sehr für die Geschichte von Hogwarts interessiere, habe ich alles an Büchern, Zeitungsartikeln, niedergeschriebenen Prophezeiungen und Gerüchten gesammelt, die ich zu diesem Thema finden konnte".

Prof. Binns blickte kurz irritiert auf, da er es von seinem Unterricht her nicht gewohnt war, dass man ihn mit fieberhafter Spannung zuhörte.

„Und aus dem Reich der Gerüchte habe ich drei verschiedene Aufzeichnungen gefunden, die mich damals nachdenklich gemacht haben." „Deshalb kann ich mich auch noch recht gut daran erinnern." „Zumal die Aussagen von verschiedenen Zauberern getroffen wurde." „Daher könnte an diesen Gerüchten vielleicht ein Funken Wahrheit sein."

„Nun, zurück zum Thema, diese Gerüchte besagen, dass die Gründer von Hogwarts in der Lage waren trotz jeglicher über Hogwarts gelegter Zauber zu apparieren und zu disapparieren."

Auf diese Eröffnung hin herrschte helle Aufregung.

„Albus" frage Prof. McGonagall „haben sie davon gewusst?"

„Tut mir leid Minerva" erwiderte Prof. Dumbledore „auch mir ist das neu." „Was aber nichts heißen will, da wohl niemand die ganzen Geheimnisse von Hogwarts je kennen wird."

„OK, die Gründer konnten die Schutzzauber von Hogwarts umgehen" begann Ron „aber Harry ist kein Gründer." „Wie soll er das gemacht haben?"

„Was schaust Du mich dabei an?" entgegnete Hermine.

„Na, weil Du doch sonst immer alles weist" fuhr Ron sie härter an, als er beabsichtigt hatte.

Auch bei ihm lagen die Nerven blank. Die Sorge um seine Mutter machte ihm sichtlich zu schaffen.

Hermine drehte sich von Ron weg um sich zu beruhigen. Am liebsten wäre sie ihn an den Hals gegangen. Glaubte er denn wirklich, er sei der Einzige, der Probleme hat? Als sie sich wieder umdrehte, erlebte sie eine kleine Überraschung. Luna hatte Rons Hand ergriffen und versuchte ihn zu beruhigen. Ron schien es nicht zu bemerken oder zumindest nichts dagegen zu haben.

„Luna" dachte Hermine bei sich. „Ausgerechnet Luna, die immer in ihrer eigenen Welt zu leben scheint?"

Aber der Erfolg eines sich beruhigenden Rons schien dem Recht zu geben.

Ihr Blick streifte durch die Runde und sie sah, dass auch Neville und Ginny sich an den Händen gefasst hatten. Und es schien beiden zumindest etwas Ruhe und Kraft zu geben.

„Die DA steht zusammen und gibt sich gegenseitig Halt" dachte Hermine mit einem kurzen Anflug von Stolz.

„Ich hätte da eine Theorie" unterbrach Dumbledore Hermines Gedanken.

Alle Augen ruckten in Richtung seines Portraits.

„Es ist nur eine Überlegung ..." begann Dumbledore.

„Nur zu Albus" ermuntere ihn Prof. McGonagall „eine Idee ist momentan so gut wie die andere".

„Also, Mr Potter ist kein Gründer von Hogwarts, da sind wir uns wohl einig" begann Dumbledore begleitet vom Nicken der Anwesenden. „Allerdings ist Mr Potter ein direkter Nachfahre von Godric Gryffindor."

Diese Ankündigung sorge jedoch dafür, dass das Kopfnicken abrupt endete und sich in entgeistertes Staunen verwandelte. Von den anwesenden Schülern wirkte nur Hermine nicht sonderlich überrascht.

„Ich dachte es mir" brach es aus ihr heraus. „Er hat das Schwert von Gryffindor aus dem Hut gezogen, was ja nur ein echter Gryffindor kann." „Und Harry ist nicht nur ein echter Schüler des Hauses Gryffindor, er ist der Schüler des Hauses Griffindor, der Nachfahre von Gryffindor."

Dumbledore lächelte Hermine aus seinem Portrait heraus an. „Ich erinnere mich an einen Lehrer, der mal zu mir sagte, dass Du die schlaueste Hexe wärst, die er je gesehen hatte." „Und er hat nicht übertrieben".

Hermine wurde rot vor Verlegenheit, jedoch bekamen ihrer Augen einen feuchten Glanz, als sie an die Person dachte, die diese Aussage in ihrem dritten Schuljahr getroffen hatte.

„Weiter Albus" drängte Prof. McGonagall.

„Schon gut" fuhr Dumbledore fort „Mr Potter ist der Nachfahre von Gryffindor, aber auch die besten Zauberer können nicht sagen, was an magischen Fähigkeiten von Generation zu Generation weitergegeben wird."

„Sie meinen" unterbrach ihn Prof. McGonagall erneut „er hat die Fähigkeit die Schutzzauber zu überwinden von Gryffindor geerbt?"

„Das kann nicht sein" wandte sich Hermine an die beiden. „Wir, nun ja, wir haben es gelegentlich mal versucht, als wir den Apparierunterricht hatten." „Und keiner, auch Harry nicht, konnte aus Hogwarts disapparieren."

„Dann hat mich unser Harry aber ganz schön hereingelegt, als ich ihn damals von den Dursleys abgeholt habe und wir Seite an Seite appariert sind" unterbrach Dumbledore sie mit einem süffisanten Lächeln.

„Aber lassen Sie mich erst mal zu Ende erzählen Miss Granger" setzte Dumbledore fort.

„Das zweite Puzzlestück ist Voldemort".

Und noch immer konnten sich die meisten Anwesenden eines Zuckens bei der Erwähnung des Namens nicht erwehren.

„Er hat einen Teil von sich in Mr Potter hinterlassen, als er ihn als Baby angegriffen hat." „Einen Teil, der ihm letzten Endes zum Verhängnis wurde." „Nun war Voldemort der Nachkomme von Salazar Slytherin und ich könnte mir denken, dass Harry auch von dieser Seite etwas „Zusätzliches" bekommen hat."

„Sie meinen" begann Prof. McGonagall, die zu ahnen schien, worauf die Idee von Dumbledore hinauslaufen sollte „dass Harry irgendwie mit den vier Gründern verbunden war und das die Gesamtheit ausreichte, um das zu ermöglichen, was die Gründer alleine konnten?"

„Sie haben es erfasst, Minerva" bestätigte Dumbledore ihre Aussage.

„Aber was ist mit den anderen Gründern" fragte Ron, der sich scheinbar wieder etwas beruhigt hatte.

„Was hatte Harry mit den anderen beiden Gründern zu tun? Was hatte Harry mit Ravenclaw und Hufflepuff zu tun?"

„Denken sie nach Mr. Weasley" entgegnete ihm Prof. McGonagall. „Sie waren doch sogar mit dabei".

Ron sah sie entgeistert an, doch dann begriff er.

„Die Horkruxe" stammelte er.

„Genau" fuhr Prof. McGonagall fort. „Mr Potter hatte in irgendeiner Art und Weise immer, wenn auch nur kurz, Kontakt zu den Horkruxen." „Und da Voldemort unter anderem aus den Wertsachen der Gründer die Horkruxe erstellte, ..." „Nun, den Rest können sie sich ja denken."

„Und nicht zuletzt war Mr Potter ja immer für eine Überraschung gut" beendete Prof. Dumbledore die Überlegungen der Anwesenden.

„Wenn wir davon ausgehen, dass es so war" fasste Prof. McGonagall zusammen „dann stellen sich nur noch drei Fragen.

„Ersten, warum Mr. Potter disappariert ist, als Voldemort besiegt war und keine Gefahr mehr für irgendwen bestand."

„Zweitens wohin ist er verschwunden."

„Und drittens, warum hat er niemanden, auch nicht seinen Freunden" wobei Prof. McGonagall insbesondere Ron und Hermine anschaute „irgendetwas gesagt?"