Ich bin weder JKR, noch verdiene ich einen Cent mit meinen kleinen Geschichten. Ich spiele nur. Die Charaktere werden zurückgegeben. Snape darf allerdings bleiben, wenn es ihm hier besser gefällt.

A/N: In dieser Geschichte wurden bekannte Märchen schamlos integriert, geklaut, verdreht, gezwirbelt, durchgeknetet und neu zusammengesetzt. Ich entschuldige mich bei Hans Christian Andersen und Ludwig Bechstein.

Tausend Dank an chivalric fürs Korrekturlesen! Sie verdient den Merlin-Orden Erster Klasse. Alle verbleibenden Fehler beruhen auf meiner Schussligkeit und sind nicht chivalrics Schuld.


Märchenstunde 1: Severus Schläft

Kapitel 2

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück wanderte Hermine wieder in den Kerker und Snapes Krankenzimmer um erneut zu versuchen, ihn aufzuwecken.

Nach einem kurzen 'Rennervate' drang sie erneut mit 'Legilimens' in seine Gedanken ein.


Der Mann ohne Herz, aber mit einer langen Nase

Hermine fand sich in einer kleinen Hütte im Wald wieder. In dieser Hütte wohnte ein Mann ganz alleine, ohne Frau und Kinder, nicht einmal Freunde oder Haustiere leisteten ihm Gesellschaft. Der Mann hatte eine große Nase, schlaffes, fettiges Haar, fahle Haut und schiefe Zähne. Er war sich sehr wohl bewusst, dass die Leute ihn hässlich fanden, und deshalb blieb er die meiste Zeit lieber für sich alleine.


Eines Tages kamen drei Hogwartsschüler an seinem Fenster vorbei.

"Was tut ihr denn mitten im Verbotenen Wald", fragte sie Snape – das nämlich war der Mann. .

"Wir sind die Rumtreiber",, sagte einer der drei. "Wir sind in die Welt hinausgezogen, um für jeden von uns eine Frau zu suchen, weil es uns sonst zu langweilig ist. Außerdem müssen wir die ganze Hausarbeit selbst machen. Wir haben noch einen Rumtreiber zurückgelassen, der hält die Stellung, aber wir haben versprochen, ihm auch eine Braut mitzubringen.

"Wenn ihr mir auf dem Rückweg auch eine Braut mitbringt, lasse ich euch hier übernachten, und ihr werdet reichlich zu essen und trinken finden."


Die drei Rumtreiber ließen sich nicht lange bitten, tafelten fröhlich, schliefen tief und sorglos, und sahen den einsamen Mann erst beim Frühstück wieder.

"Ihr könnt euch von mir aus soviel Proviant mitnehmen, wie ihr wollt", sagte der Mann, "nur bringt mir eine Frau zur Gesellschaft mit."

"Das wollen wir gerne tun", sagten die Rumtreiber, bedankten sich und zogen von dannen.

Das ist meine Chance, dachte Hermine, die das Märchen kannte, in dem sich Snape in seinen Träumen diesmal verfangen hatte. Hier kann ich vielleicht das Ende beeinflussen. Sie wartete, bis die Rumtreiber wieder zurückkamen und warf dann ihren Zauberspruch über sie.


Statt Sirius Black, Peter Pettigrew und Remus Lupin waren nun auf einmal Harry Potter, Ron Weasley und Neville Longbottom unterwegs, und sie führten Ginny Weasley, Luna Lovegood und Hannah Abbott als Bräute mit sich. Hermine gesellte sich zu ihnen, als die überzählige Braut.

Als die Gesellschaft zu der Hütte im Wald kam, schaute der Mann mit der großen Nase aus dem Fenster und begrüßte Hermines Freunde.

"Wie ich sehe, habt ihr mir eine Frau mitgebracht. Das ist gut."

"Äh, nein", stammelte Harry, "die ist für den, der daheimgeblieben ist. Wer war das doch gleich?" Verwirrt kratzte er sich am Kopf.


"Wie, ihr habt mir keine mitgebracht? Das sollt ihr mir büßen", schrie Snape und wedelte seinen Zauberstab. Hermines Freunde und ihre Bräute wurden in große Kieselsteine verwandelt und blieben neben der Türschwelle liegen.

"Du sollst meine Braut sein", sagte Snape zu Hermine. "Ich gehe jetzt weg, aber du kannst hier ja schon mal aufräumen und mir etwas zu essen kochen."

"Das mache ich", sagte Hermine freundlich.

Als Snape abends wiederkam, war alles sauber und das Essen stand auf dem Tisch.

Er lobte Hermine, aber sie schaute ihn traurig an. "Was soll ich denn nur tun, wenn du stirbst, lieber Mann, und ich hier ganz mutterseelenallein im Wald bin? Dann muss ich ja auch sterben."


"Hab' keine Angst", sagte Snape. "Ich sterbe nicht so schnell. Ich habe immer einen Bezoar dabei, außerdem habe ich ein Gegengift gegen Naginis Gift geschluckt, und bin auch nicht ungeschickt. Selbst ein Tötungsfluch kann mir nichts anhaben, weil ich kein Herz habe. Ich habe es an einem sicheren Ort versteckt, wo ihm nichts passieren kann. Solange es dort sicher ist, wird mir nichts geschehen."

Am nächsten Morgen ging er wieder davon, aber Hermine stickte ihm eine schöne warme Decke, falls er sein Herz in seinem Bett versteckt hätte. Sein Herz würde ein wenig Liebe gebrauchen können, dachte sie. Vielleicht würde er dann aus seinem starren Beharren auf eine alte Kinderliebe aufschrecken.


Als Snape abends wiederkam und die schöne Decke sah, wunderte er sich und stellte Hermine zur Rede.

"Ich dachte, ich tue deinem Herzen etwas Gutes, wenn ich ihm eine schöne Decke sticke", sagte sie. "Ein warmes Herz ist glücklicher als ein kaltes."

"Immer die Besserwisserin", brummte Snape. "Wie kommst du denn auf die Idee, dass mein Herz in meinem Bett versteckt ist?" Mit einem Stirnrunzeln ging er davon.

Als Hermine am nächsten Tag ohne zu fragen die Stubentür mit Blumen schmückte, um seinem Herzen etwas zuliebe zu tun, verdrehte er die Augen. "Mein Herz ist da auch nicht versteckt, du altkluges Ding. Warum willst du denn unbedingt wissen, wo es ist?"


"Ich soll deine Frau sein, da muss ich doch wissen, wo dein Herz ist, lieber Mann, damit ich gut darauf Acht geben kann. Außerdem wäre ich hier doch verloren, so völlig alleine, wenn dir etwas passieren sollte."

Snape seufzte. Es sah so aus, als ob Hermine mit ihrer Beharrlichkeit ans Ziel käme.

"Wenn mir etwas passieren sollte, du unerträgliche Besserwisserin, dann nimmst du einfach meinen Zauberstab dort über der Tür und verwandelst die Steine zurück in Menschen. Mir passiert aber nichts, mein Herz ist gut versteckt."

"Wo ist es denn nun?", fragt Hermine.

Snape rollte mit den Augen und schnaubte. "Du gibst wohl nie auf?"

"Nie", sagte Hermine und lächelte.


"Na gut, das Herz ist in einem Schloss. Das Schloss ist von einem Wassergraben umgeben, den niemand durchschwimmen kann. Außerdem kann kein Mensch die Mauern des Schlosses einreißen. Und schließlich, sollte doch jemand hineinkommen, kann er mein Herz nicht fassen, weil es in einem kleinen Vogel versteckt ist, der immer umherfliegt und nicht zu fassen ist." Snape sah sie misstrauisch an. "Irgend etwas stimmt nicht mit dir. Meine Braut sollte nicht so naseweis sein." In dem Moment wusste Hermine, dass sie ihren Einfluss auf den Traum verloren hatte. Sie fand sich plötzlich als unsichtbare Beobachterin im Traum, die junge Braut aber hatte sich verändert. Sie hatte rotes Haar, grüne Augen und war sehr schön. Es war Lily Evans.


Hermine wusste, was nun kommen würde. Und richtig, als am nächsten Tag der Mann mit der großen Nase seine Hütte verlassen hatte, tauchte ein junger Mann am Fenster auf, der verblüffende Ähnlichkeit mit Harry Potter hatte. Es war der vierte Rumtreiber, James Potter, der auszog, um nach seinen Freunden zu suchen. Als James das schöne Mädchen sah, gefiel sie ihm sehr. Er klopfte an die Türe und fragte, ob sie seine Freunde gesehen hätte.

Lily war nicht faul und erzählte James alle Geheimnisse des Mannes mit der großen Nase. Sie gab James auch reichlich zu essen und zu trinken, und am nächsten Tag machte er sich auf, den Vogel mit dem Herzen des einsamen Mannes zu fangen.


James war, genauso wie die anderen Rumtreiber, ein sorgloser Gesell, deshalb lud er jeden, der Lust hatte, zu seinen Mahlzeiten ein.

Zuerst teilte ein großer Ochse sein Mahl, dann ein Eber und zum Schluss ein Raubvogel. Alle drei versprachen James, ihm zu helfen, wenn er sie bräuchte.

Kurz darauf erreichte James das Schloss, und der Ochse trank den Wassergraben leer, der Eber rannte so lange gegen die Schlossmauern an, bis er eine Bresche geschlagen hatte, und der Raubvogel fing den kleinen Vogel mit dem versteckten Herzen ein.

James war sehr froh und machte sich auf den Rückweg. Als er wieder bei der Hütte ankam, versteckte ihn Lily unterm Bett, weil der Mann mit der großen Nase heimkehrte.


"Was ist mit dir, lieber Mann", fragte Lily. "Du siehst krank aus."

"Ich fühle mich nicht wohl", sagte Snape, "etwas muss mit meinem Herzen geschehen sein, dass es mir so schlecht geht."

Lily ging nicht näher darauf ein und servierte ihm das Abendessen.

James, der immer noch unter dem Bett lag, dachte, dass Snape es verdiente, ein wenig zu leiden, weil es ja wirklich nicht schön oder richtig war, dass er die anderen Freunde und ihre Bräute verzaubert hatte und Lily für sich behalten wollte. Deshalb kniff er den gefangenen Vogel ein wenig.

Der Mann mit der großen Nase stöhnte.


James fand das gut, und kniff ein wenig mehr.

Snape fiel vom Stuhl und regte sich nicht.

James stellte fest, dass er versehentlich den kleinen Vogel tot gekniffen hatte. Der Mann mit der großen Nase war nun ebenfalls tot, und auch die Alraune würde ihn nicht wieder zum Leben erwecken können. James und Lily entzauberten ihre Freunde, die Freude war groß, und alle kehrten zusammen heim.

Hermine schaute traurig auf den toten Mann hinab, küsste ihn auf die bleichen Lippen und verließ weinend Snapes Träume. Erschöpft brach sie zusammen.


"Ich hatte nicht den Eindruck, dass ich sonderlich erfolgreich war. Das Märchen nahm seinen Lauf, obwohl ich versucht hatte, etwas zu verändern, und am Schluss war er immer noch gefangen und wollte sterben." Sie wischte ein paar Tränen weg. "Ich bin unendlich müde und mir ist kalt. Ich brauche etwas Ruhe, aber morgen will ich es noch einmal versuchen."

Poppy nickte, deckte Hermine mit einer dicken, handgestickten Decke zu, und ging davon.


Am nächsten Morgen saß Hermine wieder an Snapes Seite. Sie war immer noch so müde, dass sie sich kaum aufrecht halten konnte aber sie wies jeden Vorschlag Poppys zurück, sich doch eine Pause zum Ausruhen zu gönnen.


"Ich muss das jetzt probieren, Poppy", sagte sie und schaute traurig zu ihrer Kollegin auf. "Der arme Mann ist in seinen Träumen gefangen und leidet sehr. Ich werde nicht eher aufgeben, bis er wach ist."

"Pass lieber auf, dass du nicht zum Aufgeben gezwungen wirst, Hermine. Du wärst nicht die erste Heilerin, die bei ihrer Arbeit zusammengebrochen ist, weil sie denkt, ihr selbst könnte nichts passieren und sie würde ihren eigenen Körper am besten kennen. Krank oder gar tot nützt du deinem Patienten nichts, weißt du?"

"Du hast ja recht, Poppy, und wenn ich es diesmal auch nicht schaffe, mache ich eine Pause. Aber dieses eine Mal muss ich noch probieren, so schlecht geht es mir nicht."