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Erinnerungen

Trotz vorgerückter Stunde ging es auf dem Las Vegas Boulevard, von den Einwohnern der Stadt liebevoll Strip genannt, zu wie in der Rushhour. Ein lebhaftes buntes Gewimmel aus Milliarden flackernder kleiner farbiger Glühbirnen und unzähligen Menschen, meist Touristen aus aller Herren Länder, erweckten den Eindruck man befände sich auf einem riesigen Spielplatz – einem Spielplatz für Erwachsene. Rechts und links der Straße reihten sich die leuchtenden Reklametafeln hunderter Casinos aneinander und bei beinah jeder dieser Spielhallen herrschte reges Kommen und Gehen. Die mehrspurige Straße, die mitten durch dieses schillernde Schauspiel führte, war nicht minder überfüllt und ein rasches Vorwärtskommen somit beinah unmöglich.

Nervös und auch ein wenig genervt trommelte Nick mit den Fingern gegen das Lenkrad des schwarzen Einsatzwagens, nachdem er zum wiederholten Male an einer roten Ampel halten musste. Die Uhr am Armaturenbrett zeigte 02.09 am und verriet, dass bereits eine halbe Stunde vergangen war, seit Brass das Nachtschichtteam über den neuen 419 informiert und Catherine ihn und Warrick für diesen Fall eingeteilt hatte. Als die Ampel schließlich wieder auf grün umsprang, seufzte Nick erleichtert und fuhr weiter. Manchmal war es eben doch besser nicht den direkten und schnellsten Weg zum Ziel zu nehmen und er ärgerte sich innerlich etwas, dass er nicht auf seinen Partner gehört und eine andere Route eingeschlagen hatte. Doch Warrick sagte nichts dazu. Bereits seit ihrem Aufbruch war er ungewohnt schweigsam, obgleich ihm natürlich Nick's Anspannung nicht entgangen war. Immer wieder wand er den Blick von der Straße ab und beobachtete für ein paar kurze Sekunden das Verhalten seines Freundes, bis er schließlich doch sein Schweigen brach.

„Alles okay?", fragte er unvermittelt. Kleine Sorgenfalten begleiteten diese Frage und huschten wie ein unheilsschwangerer Schatten über seine Stirn. Seit er erfahren hatte, wo sich ihr Tatort befand, hatte er sich alle Mühe gegeben sich sein Unbehagen nicht anmerken zu lassen.

Nick zögerte kurz ehe er antwortete. „Klar. Es ist nur … der Verkehr und so."

„Dann liegt es nicht an dem Ort, zu dem wir fahren?", ließ Warrick nicht locker und beobachtete, wie kurz Unsicherheit in Nick's Augen aufflackerte. Dieser wusste nur zu gut, worauf sein Partner anspielte, denn ihr Weg führte sie geradewegs zu Joel's TreeCenter, einer kleinen privaten parkähnlichen Baumschule am Rande der Stadt. Seit seiner Entführung, bei der er unzählige Stunden lebendig begraben in einem gläsernen Sarg verbringen musste, hatte er solche Einrichtungen meist weiträumig umfahren oder zumindest möglichst schnell hinter sich gelassen. Noch immer quälten ihn die Erinnerungen an diesen furchtbaren Tag und nicht selten wachte er nachts schweißgebadet auf, weil ihn ein immer wiederkehrender Alptraum, in dem er gefangen in einem winzigen Kasten unter einer meterdicken Erdschicht um sein Leben kämpfte, diese Ereignisse stets von neuem durchleben ließ. Und obwohl es Nick die meiste Zeit über gelang nicht mehr daran zu denken, geschah es hin und wieder doch, meist wenn er am wenigsten damit rechnete, dass er unvermittelt daran erinnert wurde. Der Anblick einer kleinen scheinbar harmlosen Ameise zum Beispiel, reichte da schon aus und er hatte augenblicklich den Geruch feuchter Erde in der Nase, grünes Licht flackerte durch seine Gedanken und das dröhnende Geräusch eines Generators hallte in seinen Ohren wieder. Aber war es tatsächlich die Aussicht einen solch erinnerungsträchtigen Ort anzusteuern, der seinen Puls schneller schlagen ließ oder lag es vielleicht doch eher daran, das jener schreckliche Tag heute genau ein Jahr zurücklag? Nick war sich nicht sicher, ob sein Freund sich ebenso genau an dieses Datum erinnerte wie er, doch auch ohne dieses Wissen, da war er sich sicher, spürte Warrick den Kampf in seinem Inneren. Hatte er vielleicht Recht, schindete er hier womöglich wirklich unbewusst Zeit, in dem er sie mitten in den Freitagnachtverkehr manövriert hatte? Nick sprach sich davon frei, er war schließlich Profi genug, um seine persönlichen Probleme hinten an zu stellen und sich stattdessen ganz und gar auf die vor ihm liegende Arbeit zu konzentrieren.

„Nein. Das ist schon okay.", versicherte er schließlich und bemühte sich eine etwas lockere Haltung einzunehmen. Warrick durchschaute ihn jedoch.

„Das muss es aber nicht. Cath hätte es sicher verstanden, wenn du den Fall an Sara oder Greg abgegeben hättest."

„Ich weiß." Nick musste sich eingestehen, dass er tatsächlich kurz mit diesem Gedanken gespielt hatte, aber dann hatte er beschlossen, dass es besser war sich seinen Ängsten zu stellen. Wenn er einmal damit anfing es aufzuschieben, würde er es immer wieder tun.

„Ich glaube es wird mir helfen endlich mit dieser Sache abzuschließen.", fügte er dann hinzu und wand sich kurz zu Warrick um, der die Mimik seines Kollegen die vergangene Minute genau studiert hatte. Einen kurzen Augenblick hielt er seinem zweifelnden Blick stand und konzentrierte sich dann wieder auf den Verlauf der Straße.

Die restliche Fahrt über verbrachte Warrick erneut in sich gekehrt, während Nick den Tahoe ihrem Ziel immer näher brachte. Die lebhafte Touristenmeile hatten sie mittlerweile hinter sich gelassen und ihr Weg führte sie nun an dunklen Häuserschluchten vorbei, die um einiges bedrohlicher aber auch trostloser wirkten als der taghell beleuchtete Strip. Allerdings hatte man hier freie Sicht auf die Sterne, die den rabenschwarzen Himmel überzogen, wie ein feines Netz aus Abermillionen glitzernder Punkte.

Wenig später erreichten sie schließlich das weitläufige Gelände. Vor dessen großem verschnörkelten Eisentor, das die Form eines rund geschnittenen Laubbaumes bildete und sie um mindestens zwei Meter überragte, parkte bereits Brass' Einsatzwagen. Nick stellte den ihren in Fahrrichtung auf der gegenüberliegenden Straßenseite ab und stieg aus. Warrick tat es ihm gleich und gemeinsam holten sie ihre Ausrüstung aus dem Laderaum. Jeder mit einem silbernen Metallkoffer, in denen sich allerlei Utensilien zur Spuren- und Beweissicherung befanden, in der einen und einer Taschenlampe in der anderen Hand, liefen sie auf das gigantische Tor zu, dass nun wie von Zauberhand vor ihnen aufschwang.

Während Warrick bereits zulief, zögerte Nick einen Moment, dann atmete er kurz tief durch und folgte schließlich seinem Partner ins Innere der Baumschule. Es gab keinerlei Beleuchtungsvorrichtungen und so blieb ihnen nur der schwache Schein ihrer Taschenlampen, der sich schon nach wenigen Metern in der Dunkelheit verlor, um den Weg durch die undurchsichtige Nebelschleier zu finden, die knapp über den Boden trieben. Der eigentliche Tatort befand sich in nördlicher Richtung, irgendwo zwischen den Bäumen, die ihnen gespenstisch ihre Äste entgegenstreckten, als würden sie mit dürren langen Fingern nach ihnen greifen wollen. Nick fühlte sich immer unwohler in seiner Haut. Der erinnerungsträchtige erdige Geruch, der ihnen von einem lauen Lüftchen um die Nase gewehte wurde, machte ihm zunehmend zu schaffen und erschwerte ihm das Atmen.

Als sie sich gerade fragten, wie lange sie wohl noch durch die Dunkelheit irren mussten, flammte plötzlich ein kreisrundes gleißend helles Licht vor innen auf. Nick's Herz setzte prompt einen Schlag aus und nahm dann seinen Dienst mit erhöhter Geschwindigkeit wieder auf. Auch seine Atemfrequenz erhöhte sich merklich. Erneute Erinnerungen an jene Lampe, die sich immer wieder eingeschaltet hatte, sobald sich einer seiner Kollegen auf die Homepage eingewählt hatte, auf der die Live-Übertragung seines Überlebenskampfes zu sehen gewesen war, zuckten wie Blitze durch seinen Kopf. Jeglicher Bewegung unfähig, blieb er wie versteinert stehen. Er konnte den Blick nicht von der strahlenden Helligkeit abwenden und spürte bereits die unmittelbare Nähe der sechs Plexiglaswände, die ihn in jeglicher Bewegung einschränkten. In Wirklichkeit war es jedoch Warrick, der ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter gelegt hatte.

„Nicky?", fragte dieser und musterte besorgt seinen Freund, der allmählich realisierte, dass es sich beim dem Licht lediglich um einen Flutlichtscheinwerfer handelte, den zwei Polizisten des LVPD aufgebaut hatten, um den Ermittlern des Kriminal Labors die Arbeit zu erleichtern.

Nick blinzelte ein paar Mal und versuchte so die grausige Erinnerung abzuschütteln. „Es geht mir gut.", antwortete er mit fester Stimme, sah Warrick dabei aber nicht in die Augen. Er wusste, dass er ihm das sonst unmöglich abgekauft hätte, er glaubte seine Worte ja nicht einmal selbst. Schließlich atmete er tief ein, stieß die Luft mit einem Mal kräftig wieder aus und straffte sich, ehe er weiter auf den Fundort der Leiche zuging, der sich ihnen nun offenbarte.

Auf einem sauber getrimmten saftiggrünen Rasen, umgeben von ein paar exotisch wirkenden Jungbäumen, befand sich ein dunkler Haufen frisch ausgehobener Erde. Unmittelbar dahinter tat sich ein etwa 2ft tiefes Loch auf, auf dessen Grund sich der Leichnam eines männlichen Weißen befand. Er lag ausgestreckt auf dem Rücken und war bekleidet mit einer Jeans und einem grünen T-Shirt, auf dem das Firmenlogo aufgedruckt war. Er hatte die Hände vor der Brust gefaltet, als sei er ganz normal beerdigt und zwei Tage später wieder exhumiert worden. Lediglich sein verzerrter Gesichtsausdruck verriet, dass es nicht so friedlich verlaufen war, wie es den Anschein machte. Das und das Fehlen eines Sarges.

Nick musste erneut schlucken und für einen kurzen Augenblick sah er sich selbst da unten liegen. Wieder berührte Warrick ihn an der Schulter.

„Bist du dir immer noch sicher, dass du das tun willst?", hakte dieser noch einmal nach.

„Ja. Ich schaff das schon.", antwortete er wenig überzeugend. Doch ehe sich einer der beiden Kriminalisten darüber Gedanken machen konnte, ob Nick tatsächlich die Kraft dazu hatte, einen solchen Fall zu bearbeiten, kam Detective Jim Brass auf sie zu.

„Okay.", nickte Warrick und wand sich dann an den Captain der Mordkommission. „Was haben wir?"

„Joel Simons. 35 Jahre. Landschaftsarchitekt und Verwalter dieser Örtlichkeiten. Todesursache noch unklar, jedoch keine sichtbaren äußeren Verletzungen.", gab Brass die wichtigsten Fakten wieder, die er bisher auf seinem kleinen Notizblock vermerkt hatte.

„Wer hat ihn gefunden?" Warrick ging neben dem ausgehobenen, ein Mal zwei Meter großen Loch in die Knie und blickte auf die Leiche hinab. Erinnerungen an den Moment, als sie Nick in ebenso einer Grube gefunden hatten, stiegen nun auch in ihm auf. Die Ähnlichkeit der beiden Tatorte war wirklich verblüffend. Diesen Gedanken schob er jedoch schnell wieder von sich und verbannte ihn in den hintersten Bereich seines Kopfes.

„Ein anonymer Anrufer hat die Tat gemeldet.", erklärte der Polizist knapp und klappte seinen Notizblock zu. Ein Zeichen dafür, dass er keine weiteren Informationen für sie hatte. Nick war neben ihn getreten und ließ seinen Blick über den Boden schweifen.

„Das sind ja tolle Aussichten. Ein anonymer Anrufer, eine feinsäuberlich abgelegte Leiche und nicht den geringsten Hinweise auf den Täter.", stellte er betrübt fest, nachdem ihm aufgefallen war, dass keinerlei Fußabdrücke zum und vom Tatort wegführten, außer die der Polizisten und des Notarztes, die allesamt immer den selben Weg gegangen waren. „Das heißt also, im Grunde haben wir gar nichts."

„Na ja, ein was wissen wir schon.", erwiderte Jim Brass trocken und die beiden Tatortermittler sahen ihn fragend an. „Der Mörder war schon mal nicht der Gärtner." Der schwarze Humor, für den der Detective bekannt war, schaffte es, dass sogar Nick ein schwaches Lächeln zustande brachte.

„Ist der Gerichtsmediziner schon verständigt worden?", wollte Warrick wissen, während er sich ein paar Gummihandschuhe aus seinem Koffer überstreifte.

„Ja, aber der kommt frühestens in einer halben Stunde. Die Stadt der Sünde zeigt sich mal wieder von ihrer besten Seite."

„Kein Wunder, bei der Hitze heute Nacht, würde es mich nicht überraschen wenn der Streit um den letzten Eiswürfel tödlich endet.", scherzte Nick. Allmählich kehrte seine normale Arbeitsstimmung zurück. Warrick grinste und gab ihm insgeheim Recht, denn es war Hochsommer und das Quecksilber sank auch nachts nur selten unter die 30-Grad-Marke.

„Gut. Ihr kommt doch sicher ein paar Minuten ohne mich klar, Jungs. Im Verwaltungsgebäude, wartet eine mögliche Verdächtige auf mich. Maria Martinez, eine Angestellte. Sie war die ganze Nacht über auf dem Gelände, vielleicht ist ihr was Ungewöhnliches aufgefallen."

„Gehen Sie ruhig, Jim. Wir sehen uns solange schon mal etwas um, bis David kommt.", stimmte Warrick zu.

„Okay. Mr. Carson, Sie lassen mir die beiden nicht aus den Augen, haben wir uns verstanden!?" Brass deutet drohend mit dem Zeigefinger auf einen jungen Deputy, der unweit der Szenerie stand. Dieser sah ihn mit ehrfürchtigem Blick an, als würde er jeden Moment vor dem Detective salutieren wollen. Warrick fiel indes auf, dass der zweite Polizeibeamte nicht mehr da war, sah jedoch keinen Grund länger darüber nachzudenken. Vermutlich holte er nur etwas aus seinem Wagen.

Nachdem Brass gegangen war, drehte sich Warrick zu Nick um, der nur knapp hinter ihm stand, und sah zu ihm auf. „Kümmerst du dich um die nähere Umgebung? Dann fang ich hier am Grab an."

„Geht klar.", war Nick mit dem Vorschlag seines Partners einverstanden, stellte seinerseits den silbernen Koffer auf dem Boden ab, ließ die beiden Verschlüsse aufschnappen und schlug den Deckel zurück. Beide Ermittler bewaffneten sich nun mit der standardgemäß zur Ausrüstung gehörenden Kamera, prüften kurz ob sich ein Film im Inneren der Kammer befand und begannen schließlich mit der Suche nach Beweisen.

Während Nick sich langsam von der Grabstätte entfernte, sah sich Warrick die Ränder der ausgehobenen Grube etwas genauer an. Wie war der Täter nur hin und her gekommen, ohne auch nur die geringste Spur in der frischen Erde zu hinterlassen? Das Opfer konnte ja schlecht vom Himmel gefallen sein. Seine Haltung und die nicht vorhandenen äußeren Verletzungen sprachen eindeutig dagegen. Der Täter hatte also ganze Arbeit geleistet und sorgfältig jegliche Schuhabdrücke verwischt. Instinktiv betrachtete Warrick den Boden jetzt genauer und tatsächlich konnte er feine Rillen erkennen, wie sie nur ein Besen hinterlassen würde. Vorschriftsmäßig hielt er das in einigen Nahaufnahmen fest. Nachdem das geschehen war und er sich sicher sein konnte, dass er keine weiteren Spuren mehr finden würde, umrundete er das Grab und machte zunächst einige Aufnahmen vom Opfer, ehe er an der Längsseite erneut in die Knie ging, um den Rand etwas näher in Augenschein zu nehmen.

Hinter ihm ertönten plötzlich würgende Geräusche und ließen ihn unverhofft zusammenzucken. Erschrocken wand er sich um und erkannte, wie der Deputy vorn über gebeugt, sich an einem schlanken Baum abstütze und übergab.

„Ist alles in Ordnung mit Ihnen?", fragte Warrick den jungen Mann, war dabei jedoch weniger um ihn besorgt, als viel mehr um die möglichen Beweise die vernichtet werden konnten.

„Ja es geht schon, danke. Ich hab wohl nur etwas falsches gegessen.", versuchte dieser den Ermittler zu beruhigen und begann prompt erneut zu würgen.

„Na ja nicht jeder erträgt den Anblick eines Toten.", hatte Warrick eine andere Erklärung für die Übelkeit des Beamten.

„Nein, daran liegt es nicht. Damit hatte ich noch nie Probleme.", versicherte dieser ihm jedoch.

„Vielleicht sollten Sie sich trotzdem lieber ein paar Meter weiter weg stellen."

„Ich will deswegen aber keinen Ärger mit Captain Brass bekommen."

„Den kriegen Sie auch, wenn sie den Tatort verunreinigen!" Warrick sah ihn herausfordernd an, während der Polizist noch kurz mit sich haderte, ehe er schließlich seiner Bitte nachkam, sich abwand und ein Stück den Hang hinunter lief.

Dann widmete sich der Kriminologe wieder seiner eigentlichen Aufgabe und leuchtete aufmerksam an der Kante der Ruhestätte entlang, die anscheinend mit einem Spaten ausgehoben worden war, zumindest ließen die sauberen senkrechtabfallenden Wände des Lochs darauf schließen. Da fiel ihm jäh etwas ins Auge. So winzig und doch auf einmal so offensichtlich. Ein langes blondes Haar. Flugs griff er nach einer Pinzette und hob es vorsichtig auf, betrachtete es noch einmal genauer und verstaute es dann sicher in einer kleinen Beweismitteltüte, verschloss diese sorgfältig und beschriftete sie anschließend.

Gerade als er dabei war, dass soeben gefundene Indiz in den Koffer zu packen, vernahm er das knirschende Geräusch, von sich ihm nähernden Schritten, einer Person die über den Rasen auf ihn zukam. Er sah sich nicht um, weil er fest damit rechnete, dass Nick ihn jeden Augenblick ansprechen würde, um ihn über seine Entdeckungen zu informieren.

„Hi CSI!", ertönte jedoch eine völlig andere Stimme, die so gar nicht nach seinem Freund klang und ihm einen eiskalten Schauer den Rücken hinunter laufen ließ. Warrick's wohlgeschultes Gehör verriet ihm sofort, dass es sich dabei um eine verzerrte Tonbandaufnahme handelte, die digital bearbeit nicht erkennen ließ, ob es sich um eine männliche oder weibliche Stimme handelte. Doch das was ihm nun wirklich das Blut in den Adern gefrieren ließ, waren nicht etwa diese Worte, von denen er gehofft hatte sie nie wieder hören zu müssen, sondern vielmehr das plötzliche metallische Klicken einer Handfeuerwaffe, die entsichert wurde und deren kalter silberner Lauf sich nun gegen seine Schläfe drückte.

„Diesmal wird es kein Happy End geben. Zumindest für einen von euch wird jede Hilfe zu spät kommen!", sprach derjenige weiter, nachdem er die Schrecksekunde seines Opfers abgewartet hatte. Jetzt waren es allerdings seine eigenen Worte, keine Aufzeichnung mehr, und gaben Warrick Aufschluss darüber, dass es sich um einen Mann mittleren Alters handeln musste.

„Nick.", schoss ihm unmittelbar durch den Kopf, merkte dabei aber nicht, dass er den Namen seines Kollegen laut aussprach. Ohne darüber nachzudenken, ob es womöglich Folgen für ihn haben könnte, sah er sich nach ihm um, konnte ihn aber nirgends entdecken.

„Keine Sorge, er lebt.", beruhigte ihn der Mann und fügte dann ein erschütterndes „Noch." hinzu.

„Was wollen sie von uns?", stellte Warrick augenblicklich die Sorge um seinen Freund erstmal hinten an, momentan blieb ihm ohnehin nichts anderes übrig, als dem zu glauben, was man ihm sagte.

„Fürs erste reicht es, wenn du mir hilfst deinen Kumpel ins Auto zu schaffen!"