Die Geschichten von Tolliks, dem Uralten
Kapitel 2: Dank der Vex
Mächtig waren die Ruinen vergangener Tage, die wir auf diesen einen Planeten fanden. Vex, entzifferte mein Servitor ihre Kommunikation. Bemerkenswert war die Technologie. Denn die Vex selbst sind Maschinen. Maschinen, die Raum und Zeit trotzen. Es war noch lange bevor ich und meine Leute der Schar auf Oka, dem Schattenplanet, das erste Mal begegneten. Mein Servitor lenkte unsere Ketsch auf Befehl in die Atmosphäre der merkwürdigen Welt, die vor uns lag.
Bisher wussten wir noch nicht viel über die Vex, aber bald sollten sie unser Schicksal komplett beeinflussen.
Sie ließen Plattformen aus einem eigenartigen Gestein-Metallgemisch einfach so in der Landschaft erscheinen. Die Zeit forderte trotzdem ihren Tribut und deshalb zerfielen einige Konstrukte. Die Vex aber bauten sie nach und nach wieder auf. Aus Portalen kamen Maschinen, die vermutlich durch Äonen gereist waren, ohne auch nur lange zu warten. Überall platzierten sie ihre Technologie und nahmen Welten in Besitz. Ihr Beweggrund war mir damals noch unklar. Vielleicht zwang ihnen etwas einen Willen auf, das gesamte Universum in eine Vex-Ordnung zu drängen oder sie versuchten irgendwie zu überleben, indem sie Planeten in Versorgungsanlagen verwandelten. Dies waren allerdings nur zwei meiner Gedanken, die ich dazu hatte.
Ich war zu dieser Zeit noch kein König gewesen und man nannte mich noch nicht den Kell der Kells. Als ich meinen Fuß auf die von den Vex verwandelte Welt setzte, war ich ein einfacher Kell und reiste zusammen mit einem mir übergeordneten Kommandanten unserer Heimatwelt. Ich sagte, wir sollten die Technologie untersuchen, also wollte ich einige Vexmaschinen einfangen. Das stellte sich als nicht sehr einfach heraus. Denn sie waren bewaffnet und gaben ihre Technik nicht so einfach her.
Ich und meine Leute kämpften uns zu einem Portal durch. Dabei verlor ich viele gute Männer. Und leider blieb kein einziger Vex funktionstüchtig. Wir trafen sie immer genau und zerstörten ihre Herzen. Ja sie hatten Herzen, wie ich später feststellen sollte. Alles was ihnen fehlte, war ein eigener Wille. Sie gehorchten alle bedingungslos einer unbekannten Kraft, die sie jenseits von Raum und Zeit kontrollierte.
Jedenfalls hatten wir die Chance die Teile der zerstörten Vex zu untersuchen. Ich befahl sie einzusammeln, als ich eine kleine Vexmaschine entdeckte, die sich vor uns versteckte. Als sie mich sah, entschwand sie zu dem Portal, das wir bewachten. Ich sprang ihr ohne nachzudenken hinterher. Dabei umschloss mich zum ersten Mal die geballte Kraft des Sturmes. Arkus brannte sich durch meine Glieder und zog mich durch Raum und Zeit.
Und da war ich nun. In einer gewaltigen Halle. Überall standen deaktivierte oder im Ruhezustand befindliche Vexmaschinen, die aussahen, als seien sie uralt.
Ich versuchte mich leise voranzubewegen, die kleine Maschine im Blick.
Als ich sie erreichte, entfloh sie mir erneut. Diesmal aber wollte sie mich zum Narren halten. Sie schwebte über einen Abgrund und bewegte sich hin und her. Ich blickte hinunter und sah ein Arkusmeer. Überall zogen sich Blitze durch die Konstrukte, schlugen aus und gaben ihre Energie an andere Bauten ab. Es herrschte ein stetiger Austausch dieser Kraft. Ich fühlte mich elektrisiert, von Energie durchflutet.
Ich wusste nicht, wie mir geschah, aber das, was die Vex normalerweise auflud, verschaffte mir neue Fähigkeiten. Ich kostete von der Unsterblichkeit und verwendete Psi, um mir die kleine Vexmaschine zu schnappen. Sie konnte mir nicht entkommen, sodass ich sie letztlich doch in meinen Händen hielt. Als ich mich dem Portal zuwandte, hatten sich die ruhenden Vex aktiviert und ihre Waffen auf mich gerichtet. In der Mitte ihrer schirmartigen Köpfe leuchteten mich rote Lichter grimmig an.
Schnell zückte ich meinen Schrapnellwerfer und feuerte mein gesamtes Magazin leer, bis es mir gelang, mir einen Weg freizuschießen. Die Vex wollten mich aber nicht gehen lassen. Immer mehr kamen und zwangen mich in einen Spalt, der mich in einen anderen Raum führte. Dort bewahrten die Vex mit Arkus gefüllte Behälter auf. Ich schnappte mir einen und warf ihn durch den Spalt, wo er zerbrach und seine volle Energie entfaltete. Zwar luden sich die Vex mit Arkus auf, doch zu viel schien sie zu pulverisieren. Ich lief über ihre Trümmer hinweg und kehrte durch das Portal zurück zu meinen Leuten, die von einem gewaltigen Anmarsch von Vex bedroht wurden.
Ich hatte noch einige Arkusbehälter dabei und verband sie mit meiner Handfeuerwaffe. Die enthaltene Arkusenergie übertrug sich auf die Projektile und feuerte Schocksalven ab. Aber anstelle die Vex komplett zu zerstören, konzentrierte ich das Feuer auf ihre Köpfe und Arme, sodass sie nicht mehr sehen und schießen konnten.
Ich trug meinen Leuten auf die hilflosen Vex einzufangen und zurück zur Ketsch zu bringen.
Die Herzen der Maschinen waren mit Schockkernen gespickt, die eine Menge Arkus speichern. Damit konnten wir neue Waffen herstellen.
Zurück auf der Heimatwelt ernannte man mich zum Kell-Kommandanten. Denn meine Entdeckung bescherte uns die Technologie, die bis heute unser Arsenal bestimmt: Schockpistolen, Schockklinge, Dolch, Granaten und noch viele nützliche Erfindungen mehr.
Aber mich interessierte mehr als nur Waffentechnologie. Da wir bereits das Feuer in „Solar" umgewandelt hatten und damit Unglaubliches hervorbringen konnten und jetzt die Arkuskraft besaßen, fragte ich mich, was es noch da draußen gab.
Eine Ahnung ließ mich in die Finsternis des Weltenraums blicken.
