-Kapitel 2-
Nein, ich träumte nicht.
Die nächsten Tage und Wochen machten mir das allzu deutlich. Zum einen hatte ich kaum drei Tage am Stück ohne Dämonen erlebt, oder irgendetwas anderes magisches. Zum anderen waren da all die Wesen im Camp, das Training, die Geschichten.
Tatsächlich hatte Percy auch Recht behalten, in der Hermeshütte war es zwar eng, dicht gedrängt und manches mal echt laut. Doch die Bewohner dort waren durchweg freundlich, hilfsbereit und für jeden Spaß zu haben. Und so seltsam es klingt, obwohl ich hier unter lauter unnormalen Jugendlichen war, eben lauter Demigötter, in einem völlig unnormalen Camp. Zum ersten mal schien mir mein Leben wirklich normal.
Ein Tag, folgte auf den anderen. Wir trainierten, wir trugen Wettkämpfe aus, wir hatten Spaß und lernten miteinander. Wir ritten auf den Pegasi und schwammen im Meer. Keine Dämonen, keine Monster. Einfach nur... miteinander leben. Normal sein. Teenager sein.
Ich bin Melina, siebzehn, eine Hexe und...haltet euch fest! Die Tochter eines Gottes, ist das noch zu fassen?
IXI/IXI/IXI/IXI/IXI/IXI/IXI/IXI/IXI
Fragen, über Fragen
Es wurde unverkennbar langsam wieder Sommer, es roch nach frischem Gras, die Blumen und Sträucher, die Bäume blühten. Es roch nach Sommer und feuchter Erde und Moos. Bis eben hatte es noch geregnet. Ich lächelte, zog meine Schuhe aus und rannte den Strand entlang durch die Brandung. Es blieben nicht viele Camper das ganze Jahr über hier. Aber alle die mir wichtig waren. Percy, Annabeth, Alexa, und ihre Freunde ebenso. Okay, auch einige, auf welche, die meisten von uns verzichten konnten, wie Clarisse. Sie war... eben Clarisse.
Sie und ich hatten uns gesehen und gehasst, ich denke so könnte man sagen. In der Nacht, in der ich angekommen war noch nicht, sie hatte ja den Stier erlegt, aber einen Tag später. Meinem früheren Fechttraining sei Dank, hatte ich mich bei meinem ersten Schwerttraining nicht blamiert. Bei meinem zweiten, einen Tag später hatte ich erst mit Annabeth, dann Percy gekämpft und beide waren sie erstaunt gewesen, wie sehr mir das lag. Ich ehrlich gesagt auch. Chiron war begeistert gewesen, Mr. D hingegen ein geschnappt. Damals hatte ich es nicht verstanden, später schon.
Am Abend dann hatte ein Wettkampf stattgefunden und ermutigt von meinen neuen Freunden und Chiron war ich auch angetreten.
Mit einem fiesen und siegessicheren Grinsen hatte Mr. D am Ende meinen und Clarisse Namen für das zweite Paar der ersten Runde genannt. Während die Ares- Hütte begeistert jubilierte, stöhnten die meisten anderen. Mir war es gleich, ohne den Zuspruch der anderen hätte ich mich ja schließlich gar nicht erst gemeldet.
Zu meiner Verwunderung aber war es ganz anders gekommen als gedacht. Nachdem Chiron das Signal gegeben hatte, war Clarisse gleich auf mich zugelaufen und ohne Rücksicht auf irgendetwas, zum Beispiel darauf, dass ich neu war hatte sie angegriffen. Mit geschulten Reflexen war ich ihr ausgewichen, hatte selbst angegriffen und mich schließlich an Annabeth Rat erinnert. Manchmal... ist Wissen stärker als Kraft... Das war es, ich wich zurück. Immer weiter, bis das Ende der Plattform, auf der wir kämpften beinahe hinter mir lag, dann parierte ich ihre nächsten Schläge, tat als griff ich an, duckte mich und rammte gegen sie. Clarisse fiel mit einem überrascht Aufschrei über mich rüber und von der Plattform. Ich wirbelte ungläubig herum. Ich hatte damit gerechnet sie zu übertölpeln, aber auch dass sie oben blieb. In diesem Moment des Triumphs hatte ich aber auch begriffen, was Mr. D quer gelegen hatte, die letzten Tage. Clarisse war seine Favoritin, meine Art zu kämpfen ungewohnt und mein Können gut, ich war eine Gefahr für sie und sie hatte jetzt auch noch gespürt. Von diesem Moment an hasste sie mich und ich sie ebenfalls, dafür, dass sie eine schlechte Verliererin war, dafür, dass mich Mr. D hasste, nur weil ich es mit ihr aufnehmen konnte.
Ich rannte weiter die Hügel hinauf, dort sah ich unten an den Pavillons meine Freunde und Chiron, mit einem Ares Sohn. Sie schienen über irgendetwas besorgt, also lief ich eilig auf sie zu, blickte fragend in die Runde. „Hey! Was ist los? Warum macht ihr so lange Gesichter?"
„Clarisse, sie wollte im Wald trainieren, aber jetzt... ist sie weg."
„Vorhin... hab ich gedacht die Schutzwälle aufleuchten zu sehen, aber ich dachte...naja...ein Mensch, oder..."
„Wo?" Stieß Chiron hervor. Ich deutete in besagte Richtung und wir liefen los. Als wir ankamen entdeckten wir einen Zyklopen, der sich zu etwas herunter beugte. Clarisse. Ich zog mein Klackarmband vom Arm und schüttelte es einmal. Mit dem Schwert in der Hand rannte ich los. Percy kam von der anderen Seite, Annabeth und Chiron schossen mit Pfeil und Bogen, Alexa und der Aressohn mit ihren Armbrüsten. Ein zweiter Zyklop kam heran gestampft und ich entschied, dass wir schneller mit diesem hier fertig werden müssen. Ich wich aus, huschte hinter einen Baum und streckte die gespreizte Hand nach unten aus. Als ich spürte wie sich die Hitze in mir ausbreitete und ich sie in meiner Hand spürte sprang ich hervor.
Mit einem Ruck ließ ich meine Hand vorschnellen und mein Feuerball schoss auf das Gesicht des Zyklopen zu, dann noch einer. Annabeth schrie mir zu, was ich mit dem Blödsinn wollte. Percy aber nutzte die Ablenkung, sprang auf den Oberarm des Zyklopen, rannte ihn hinauf und spaltete mit seinem Schwert Anaklusmos den Kopf des Zyklopen.
„Yeeeaah!" Rief ich aus und sprintete auf den nächsten zu. Annabeth verdrehte die Augen und schoss erneut einen Pfeil ab. Ich schaute zu Percy. Er nickte und dieses mal sorgte er für die Ablenkung, mit dem herbeigerufenen Quellwasser nahm er dem Zyklopen die Sicht. Ich kletterte auf den nächsten Baum, wartete das die anderen das Wesen in meine Richtung getrieben hatten und sprang, jetzt spaltete ich dem Zyklopen den Kopf und den Rücken. Das Wesen ging in schwarzen Rauch auf. Sicher landete ich mit meiner Waffe Calor auf dem Waldboden und sah mich um.
Percy hockte bereits neben Clarisse und heilte sie mithilfe seiner Kräfte und dem Quellwasser.
Ich kam vor ihnen zum stehen und schaute auf die verletzte Ares- Tochter hinunter.
„Warum... warum hat sie die Grenze passiert? Alleine?"
„Viel wichtiger was hat sie raus gelockt?" Fragte Chiron und schaute sich um. „Kommt, zurück." Ich nickte stand auf und spürte im gleichen Moment diesen schneidenden kalten Schmerz im Rücken. Ich keuchte und sah an mir herunter. Die Spitze eines Pfeiles schaute aus meiner Brust heraus. Mir wurde schlecht.
„LINA!"
Alexa riss mich zu Boden, Schmerz durchflutete meinen Körper, ein heißes Brennen, breitete sich von der Wunde her aus. Ich kannte dieses Gefühl, wenn ich es auch noch nie so intensiv verspürt hatte: GIFT! Schoss es durch meinen Geist. Ich...sterbe...
Tatsächlich spürte ich es...
Plötzlich hörte ich viele leise Stimmen, hohe... sanfte Stimmen und das Sirren von Pfeilen. Ich hörte und spürte Wasser. Dann ein Keuchen neben mir und ich riss die Augen auf, als mich etwas traf. Percy lag neben mir, reglos, eine dunkle Gestalt beugte sich vor. Ich wusste ich musste handeln. Mein Sichtfeld verschwamm, meine Kräfte ließen nach...und...und wenn es...das letzte... ich hob zitternd meine Hand, Feuer schoss auf die Gestalt zu. Sie verschwand.
Ich blinzelte.
„DA!"
„Nicht aufgeben, Melina..."
Eine kräftige Hand strich über meine Stirn, so warm...so warm...
Dann es wurde kalt...
IXI/IXI/IXI
Er warf einen Blick hinüber zu seinem Vater und schloss die Augen. Er wusste, er überschritt die Grenze. Und er wusste, er tat es massiv, aber das konnte er nicht zu lassen.
Als er die Augen öffnete stand er zwischen den Kinder und einem schockiert drein blickendem Zentauren. Er ließ sich auf ein Knie nieder, der Junge hatte nur eine Platzwunde. Er streckte die Hand nach ihr aus. Ihre Lider flatterten.
„Nicht aufgeben, Melina. Kämpfen." Flüsterte er und sandte seine göttliche Magie in sie aus. Ihre Atmung wurde sofort stärker. Er drehte sie auf die Seite, brach die Pfeile in hinter Rücken und Schulter am Cresting durch. Mit einer raschen Handbewegung, ließ er die Pfeile im Bogen in den Wald fliegen. Er legte seine Hand über die größere Wunde in der Brust.
Alles in ihm zog sich zusammen, als sein Geist den Ausmaß der Vergiftung erfasste. Sie starb. Nein! Melina! Das konnte er nicht zulassen, mochten sein Vater und all die anderen mit ihm anstellen was sie wollten, er hatte schon den Tot ihrer Mutter nicht verhindern können. „Melina." Flüsterte er und schickte seine heilenden Kräfte erneut in ihren Körper. Über ihnen grollte ein lauter Donnerschlag.
„Zeus!" Er kannte die Stimme, sie war Athenas so ähnlich, ihre Tochter.
Noch ein Donner grollte, ein Blitz zischte und ein weiterer Donner erklang. Entschlossen und kampfbereit schaute er in den Himmel. Ehe er die Augen schloss. Er war der Gott der Heilung, doch diese Vergiftung war zu weit fortgeschritten. Eine einzelne Träne aus Iquor rann über seine Wange. „Nein," flehte er leise und sah zurück in den Himmel. Neben ihm regte sich der Junge, Poseidons Sohn. Chiron rief seine Zöglinge zurück, Athenas Tochter half dem Jungen auf. Poseidon!
Er hob sie in seine Arme und stand mit dem Mädchen im Arm auf.
Es waren nur wenige Meter bis zum kleinen Quellbach, dort ging er wieder in die Knie, er legte sie hinein, sie begann zu zittern, noch einmal flatterten ihre Lider. Er legte eine Hand ins Wasser. „Poseidon! Hilf ihr!"
Nichts.
„Hilf ihr!" Rief er halblaut und bittend. „Nimm mich mit zurück, was immer die Strafe ist, ich erwarte sie." Donner grollte dann verschwanden die Wolken, doch es freute ihn nicht. Er wusste warum Zeus seine Waffen zurück rief, er wusste das Melina starb. „Hilf mir! Sie...hat ihn gerettet!" Nichts.
Er beugte sich hinunter, küsste ihre Stirn. „Melina...ver-vergib mir," flüsterte er und spürte weiteren Iqor auf seinen Wangen. „Das wird sie gewiss." Eine Hand legte sich auf seine Schulter, er sah auf. Von irgendwo weiter hinten hörte er den Jungen.
„Dad!"
„Poseidon?"
Er sah zu, wie der ältere Olympier auf ein Knie herunter kam und sich seine Hand auf die Brust des Mädchens legte. Wasser kroch an ihr hoch, spülte die Wunden aus, drang in sie ein und wusch das Gift aus. Er spürte wie es verschwand und schickte seine eigenen Kräfte wieder aus, sie zu stärken und heilen. Poseidon schaute von ihr zu ihm und hinauf in den Himmel. „Möge mein Bruder uns beiden verzeihen." Sagte er mit Blick zum Himmel. Er sah mich an. „Bleib, bis sie erwacht." Flüsterte er und dann mit einem kurzen Blick auf seinen eigenen Sohn, verschwand Poseidon.
IXI/IXI/IXI
Das erste was ich spürte war... Wärme...Die Sonne? Es roch nach Blumen, nach Kräutern. Irgendwoher kamen Stimmen... irgendetwas war an meiner Stirn, wohlige Hitze durchströmte mich plötzlich, das Licht, die Stimmen...alles verschwand. Dunkelheit umfing mich, angenehm, warm...
….
Ich spürte eine dünne Decke, in meinem Mund war der Geschmack von Ambrosia. Es war hell, warm und ruhig. Irgendwo zwitscherten Vögel und es roch nach...Kräutern? Feuchter Erde? Irgendein anderes Geräusch rückte in meinen Geist.
Ta- dam tada ta- dam tipta-dam plop...
Regen?
Es regnet! Auf... Holz?!
Ich runzelte die Stirn.
Ein Kampf, der Wald. Ich sah Bilder in meiner Erinnerung, Schmerz, Kälte...Dunkelheit... Stimmen...eine Stimme, sanft, bittend...fremd...aber, diese Stimme...ein Gefühl, als würde ich brennen...Gift! Die Pfeile!
Das Lazarett! Nein...Moment! Kein Holz, da sind...Planen, da...
Ich versuchte wieder meine Augen zu öffnen, dieses mal gelang es mir. Ich sah direkt an eine hölzerne Decke. Verwundert blickte ich auf das braune Holz über mir. Bin ich im Großen Haus? Haben sie mich... Ich drehte den Kopf nach links, eine Wand. „Chiron?" Fragte ich in den Raum und drehte den Kopf wieder, allein diese Bewegungen waren unglaublich schwer. Für einen Moment schloss ich die Augen. „Chiron?" Wiederholte ich matt.
IXI/IXI/IXI
„Chiron?"
Er drehte sich herum, ließ die verschränkten Arme sinken und schaute zu ihr. Bei den Göttern, sie ist wach! Endlich! Langsam ging er auf sie zu, ihr Atem ging angestrengt, er sah, wie rasch sich ihr Brustkorb hob. Ihre Augen schlossen sich erschöpft. „Chiron?"
„Er ist... draußen."
Ihre Augen öffneten sich, seine eigenen blauen Augen, schauten ihm aus ihrem Gesicht entgegen. Er lächelte. „Hallo, Melina."
Sie starrte ihn an, Schrecken im Blick... dann Erkennen. Konnte es wirklich sein? Weiß sie es? Woher?
„Dad?" Fragte sie leise. Er lächelte noch breiter und strich ihr über die Wange. „Ja," antwortete er schlicht. „Hast du... Schmerzen?"
„Nein," sie schloss wieder die Augen. „So...schwer...alles ist... so schwer."
Er nickte. „Du musst dich noch ausruhen. Komm, ich helf dir was zu trinken." Er setzte sich auf ihr Bett, schob eine Hand unter ihre Schultern und hob sie ein wenig hoch, mit der zweiten Hand setzte er den Kelch an ihre Lippen. „Nektar, trink."
Als sie den Kopf wegdrehte, legte er sie wieder zurück. Sie lag kaum, da schlief sie schon wieder. Mit einem erleichterten Lächeln schaute er auf sie hinab. Dann ging er zurück zum Fenster, schloss die Augen, senkte den Kopf. Wir haben nicht geredet, noch konnte ich dir irgendeine Frage beantworten, und doch... muss ich gehen. Er gab mir Zeit, bis du aufwachst. „Verzeih mir, Melina. Es... tut mir Leid."
„Was?" Jemand kam durch die offene Tür, er erstarrte. Vater! Zeus!
„Das... du... sie gerettet hast? Meine Befehle, meine Warnungen ignoriert hast? Oder... das du das Herz meines Bruders, für seinen menschlichen Sohn ausgenutzt hast?" Fragte Zeus ernst und mahnend. „Oder... das du sie in dieser Welt gelassen hast?"
„Das... ich nie für sie da war."
Zeus lächelte und schaute von dem Mädchen zu ihm. „Du... hast viele Kinder, mit vielen Frauen. Sag mir... was ist bei ihrer Mutter anders gewesen? Was ist... bei ihr anders?"
Er schluckte und ließ den Blick auf seinem Mädchen, seiner Tochter ruhen. Ich habe sie geliebt. „Ohne die Regeln, ohne unsere...deine Gesetzte hätte ich sie beide mit mir genommen, auf den Olymp, mit in meinen Palast. Sie ist... mein Kind!" Er sah seinen Vater aus glänzenden Augen an. „Was ist mit Thalia, da hast du die eigenen Regeln gebeugt. Was ist... mit ihrem Bruder. Warum gleich zweimal die gleiche Frau, wenn nicht Liebe?"
Zeus der eben noch etwas hatte sagen wollen schwieg und schaute zurück auf das Kind, vor dessen Fußende er stand. „Perseus hat Recht." sagte er und schloss die Augen. „Wir versuchten menschlich zu sein, nur... haben wir dabei vergessen... was dabei mit uns geschehen würde. Aber... wir sind Götter, wir alle. Auch du Apollo. Unsere Gesetzte schützen nicht nur uns." Zeus blickte wieder auf und sah ihn jetzt direkt an. „Der Junge, hatte mit noch etwas Recht. Egal war stark, oder schwach unsere Kinder sind, es liegt auch an uns, welchen Weg sie gehen. So wie es auch an uns liegt sie aufzuhalten, wenn es sein muss."
Der Himmelsgott wandte sich ab und ging wieder hinaus, vor der Tür, im Schatten des Korridors blieb er noch einmal stehen. „Lass dir Zeit, aber vergiss nicht deine Verpflichtungen. Und ich erwarte dich in zwei Wochen im Rat." Dann war der mächtige Gott verschwunden, ließ seinen verwunderten und sehr erleichterten Sohn zurück.
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Ich drehte mich auf die Seite und öffnete die Augen. Am Fenster stand jemand. Ich schloss meine Augen noch einmal, öffnete sie wieder und sah durch den Raum. Dieses mal verschwamm meine Sicht nicht, langsam passten sich meine Augen an. Am Fenster stand mein Vater, die Arme verschränkt blickte er hinaus. Er...ist noch hier? Dann...hab ich nicht lange geschlafen?
Ich versuchte mich aufzusetzen, ließ es jedoch gleich wieder. Schwindel.
Verärgert schloss ich die Augen, seufzte.
„Hey, langsam. Ganz ruhig."
Seine Stimme hatte tatsächlich etwas beruhigendes, mein Ärger verebbte, schon erstaunlich bedachte man, dass ich es noch nie gemocht hatte im Bett zu sein, egal wie krank. Ich blickte zu ihm auf. Genau wie Granny ihn beschrieben hat! Er... hat meine Augen!
Sanft lächelte er auf mich hinab, strich mir eine Strähne aus dem Haar. „Ein neuer Versuche?" Fragte er ruhig. Ich nickte und stützte mich mit den Unterarmen auf die Matratze, drückte mich hoch. Seine Hand schob sich einfach hinter meinem Rücken durch. Ich sah ihn überrascht an, er verzog jedoch keine Miene. „Wie lange... hab ich geschlafen?"
„Du liegst seit vier Tagen hier, zweimal warst du wirklich wach. Aber...das erste mal, hab ich dich gleich wieder einschlafen gelassen, du brauchtest den Schlaf." Er ließ mich langsam los, als ich sicher saß und ihn musterte. Irgendwie war das jetzt eine ganz schön blöde Situation. Ich wusste das er mein Vater war, aber ich hatte keine Ahnung, wo wir waren, oder wer, er eigentlich war. Verdammt! Ich kann doch nicht einfach fragen... wer... er ist?
„Melina...weißt du... wer ich bin?"
Er stand nun wieder vor mir und ging jetzt langsam runter auf ein Knie, ohne den Augenkontakt zu mir zu verlieren. Ich konnte nicht anders als ihn anzustarren. Irgendwann fiel mir ein, dass ich ihm noch antworten musste. Gott! Wie konnte er einen soo ansehen! Und, las der Gedanken! Himmel! Nein, oder?! Ich atmete tief durch. Hey! Antworten! Ich wollte, aber ich war wirklich nicht sicher, ob mir meine Stimme gehorchen würde, also schüttelte ich den Kopf.
„Du beherrschst Feuermagie, nicht?" Fragte er. Ich nickte und lächelte. „Und... was spürst du, wenn du es benutzt?"
Verwundert schaute ich ihn an. Will er mir jetzt sagen, wer er war, oder nicht? Was sollen die Fragen? Irritiert blickte ich ihn an. „Ähm...Wärme, nein...Hitze, mir wird warm, von innen heraus, hier," meine Hand legte sich auf mein Herz, „es breitete sich aus, die Wärme wird zur Hitze, dann... ein Gefühl als knistern die Flammen um meine Hand."
Er nickte. „Hast du... je versucht das Feuer, einer Kerze, oder eurer Lagerfeuer zu beeinflussen? Oder... einfach Licht?"
Okay, nun ist es amtlich. Kein Plan, was der gerade will, also... worauf hinaus. „Nein, ich...ich fürchte ich verstehe nicht."
„Wärme... Hitze... Feuer und Licht? Und... du bist gut in Musik und Kunst, denke ich?"
Öhm...hat der mich beobachtet? In der Schule und so, oder... Moment! Das ist es! Seine... Attribute, ich meine... seine... warte, ruhig. Also: Musik, Kunst, Wärme oder Hitze, Licht...Eine Erinnerung überkam mich, seine Stimme im Wald ...Kämpfe... dann eine weitere: das erste mal, hab ich dich...einschlafen lassen, du brauchtest den Schlaf ich sah ihn an, hielt die Luft an. Heilen! Ich wusste wer er war, ich war sicher, so gut wie.
„Na, und?"
„Apollo?" Fragte ich ihn. Er grinste und nickte. Er nahm meine Hand, strich mit der zweiten über meine Stirn, sofort spürte ich Wärme, ein Kribbeln durchlief meinen Körper und ich fühlte mich ausgeschlafen, hellwach. „Danke."
Er stand auf und setzte sich neben mich. „Ähm... warst du... die ganze Zeit hier? Ich meine... deine Aufgaben, eure... Gesetzte?"
Er sah mich beruhigend an und schüttelte den Kopf. „Alles hätte ich aufgegeben, wirklich alles. Deiner Mutter konnte ich nicht helfen, es war verboten und beschäftigt. Aber dich... dich habe ich nie mehr lange aus den Augen gelassen. Sie... war meine einzige wahre Liebe, du... unser Kind."
Nachdenklich betrachtete ich ihn. „Du... liebst mich?"
„Natürlich," sagte er ruhig. „Und ich werde immer da sein, ich war immer da. Du musst mich nur rufen, oder bitten."
Ich musste an all die Geschichten von Annabeth und Percy, Alexa und den anderen denken, was dazu führte, das ich ein ungutes Gefühl bekam. Hier saß er, neben mir. Er hatte mir geholfen, mich gerettet, war mir nah, doch wie lange wohl? Er würde wieder gehen müssen. Vermutlich musste ich dankbar sein, dass er überhaupt noch da war. Nachdenklich betrachtete ich ihn. „Werde ich dich wieder sehen? Ich meine... nicht nur zur Wintersommerwende?"
„Nein, nicht nur dann, versprochen."
„Aber... wie... Moment! Sag nicht, ich kann dich mit Magie rufen?"
„Oh, ich bin mir fast sicher, dass du es könntest. Oder zumindest können wirst. Aber... nein," er hob mein Kinn an. „Ich werde zu dir kommen. Nichts und niemand, wird mich davon abhalten können," sagte er. „Und... die anderen? Zeus?" Fragte ich. Ich konnte einfach nicht glauben das sich das alles geändert haben sollte. Vor allem aber auch, warum? Wieso? Wodurch?
„Aber..."
„Liebe," unterbrach er mich und zog mich in eine Arme, küsste mein Haar. „Selbst Zeus, hat dem nichts entgegen zu setzten und... dein Freund Percy, Perseus, ihm hast du es auch ein wenig zu verdanken."
„Wie?" Fragte ich verwundert und hob den Kopf, schaute ihn an, eine Hand an seinem Arm. „Er hat Zeus und den anderen die Augen geöffnet, Mensch sein bedeutet auch, dass wir nicht wegsehen dürfen, wenn... wenn unsere Kinder grausam die Welt der Menschen führen. Mensch sein, heißt auch handeln wie ein Mensch, uns kümmern. Die Wut, von vielen unseren Kindern, daran sind wir selber Schuld, wie... sollen sie uns mögen, wenn sie uns nicht kennen, glauben müssen, dass sie uns nicht bedeuteten. Bei all den Menschen dort draußen?"
Ich glaubte..., ich begriff langsam und nickte. „Darf ich... raus? In die Sonne?"
Ich war fast sicher ihn schmunzeln zu sehen, als er sich von mir löste. Er stand auf, streckte mir die Hände entgegen und zog mich hoch. Hatte ich mich eben noch gefragt, wieso er das tat, war ich jetzt sehr froh darüber, plötzlich war mir schwarz vor Augen, Schwindel. Als es wieder ging, löste ich meine Hände von seinen Armen. Ein prüfender Blick lag auf mir, ich nickte. Er ließ mich los, schob mir aber einen Arm in den Rücken, unter meinem Arm hindurch. „Komm."
IXI
Ich konnte es manchmal noch immer nicht begreifen, aber es war alles real. Ich lebte in einem, für gewöhnliche Menschen unsichtbaren Camp in der Nähe von Montauk, auf Long Island, New York. Hier lebten Wesen, welche die Menschen für Mythen hielten und nie zu Gesicht bekamen: Satyre, Nymphen, Pegasi, und viele mehr.
Kinder und Jugendliche wie ich, die anders waren, sterblich wie die Menschen, doch viel mächtiger, lebten hier in Sicherheit zusammen, mit all unseren Halbgeschwistern und entfernten Verwandten, verwandt, waren wir irgendwie alle, denn... wir waren die Kinder der Olympischen Götter und ihrer menschlichen Geliebten. Einige von uns lebten das ganze Jahr über hier, wie ich und meine Freunde, andere aber blieben nur im Sommer, ein paar kamen sogar nur für einen einzigen zu uns, doch wir waren und blieben eine große Familie.
Ich liebte mein Leben hier, vor allem seit ich wusste, wer mein Vater war. Apollo. Ich war die Tochter des Sonnengottes und mein Element waren Feuer und das Licht. Und wie alle anderen Camper durfte auch ich meinen Vater inzwischen besuchen kommen und er war regelmäßig hier bei uns. Und hier, hier hatte ich endlich auch Freunde gefunden, war eine von vielen und sicher. Denn für mich war die Außenwelt doppelt gefährlich schließlich war ich ja auch noch Hexe.
Ich schaute nach vorne in das Gesicht meines Gegners, der Sohn des Meeresgottes Poseidon. Um Percy herum sammelte sich das Wasser, er würde gleich angreifen. Ich grinste, zwar konnte mein Feuer seinem Wasser nichts entgegen halten, aber was er noch nicht ahnte, inzwischen beherrschte ich auch das Licht. Ich sah hoch zur Sonne, stellte mir vor ihr Licht einzufangen und schleuderte es dem Sohn des Poseidon entgegen.
Percy keuchte und ich rannte auf ihn zu, griff ihn an, riss ihn zu Boden und hielt ihm meine Klinge grinsend an den Hals. „Überrascht, Perseus?" Fragte ich leise, grinste und stand auf. Er zwinkerte überrascht, rieb sich die Augen, ehe er sich aufsetzte und mich fokussiert ansah. „Wow," entfuhr es ihm und ich zog ihn zu mir herauf.
„Ähm... kann...kann so was... hier jeder?"
Wir drehten uns herum, ein kleiner Junge, höchstens elf schaute uns aus erstaunten, fast ängstlichen großen Augen an. Ich musterte ihn. Er war brünette, seine tiefbraunen Augen leuchtete vor Energie, sie waren fast schwarz und sein Gesicht irgendwie vertraut. Ich schaute zu Percy, er nickte grinsend. Ich ging einen Schritt auf den Kleinen zu. „Nein, nicht alle. Ein... paar. Du bist neu hier?"
Der Junge nickte. „In... der Hermeshütte, seit... heute Nacht?"
Ich lächelte ihm freundlich zu. „Sicherlich nicht lange. Wie heißt du?"
„Ähm...ich bin Darry. Darry Johnson."
„Okay... hi Darry. Ich bin Melina. Melina Cassidy Callen, eine Tochter des Apollo und... eine Hexe."
„Eine..."
Ich grinste und nickte, nahm ihm seine kaputte Brille ab und strich mit der Hand darüber.
„Das zerstörte sei jetzt wieder ganz,
und alles Ungemach soll auch verblassen
damit kein Auge es jemals wird erfassen."
Die hablgebrochenen Brillenbügel und zerkratzen Gläser waren wie neu und ich reichte ihm die Brille zurück. „Willkommen im Camp Half Blood." Erklärte ich und rubbelte ihm durchs Haar. „Das ist Percy Jackson, Sohn des Poseidon. Warst du schon bei Chiron?"
„Nein, wer ist das?"
„Unser... Lehrer, könnte man sagen," ich grinste, „ein Zentaur. Komm, ich bring dich zu ihm."
IXI/IXI/IXI
Zwei Jahre später
Ich stand unten am Strand und blickte hinauf zum Waldrand. Immer mehr Camper, alte und neue Gesichter kamen dort oben gerade den Hügel hinunter. Einige fielen sich auf halben Weg in die Arme, anderen rannten winkend hinauf, oder nach unten. Es war wie in jedem Jahr und ich freute mich wahnsinnig darauf, das Camp wieder voll zu sehen.
Ich liebte es hier, aber ich liebte es hier vor allem, wenn es voll war und all meine Geschwister und Freunde um mich waren. Lächelnd lief ich den Strand hinauf und hinüber zu den Pavillons, jede Wette das ich Jason, meinen Freund, ein Sohn der Athena dort oben, bei seinen ankommenden Geschwistern antraf. Ja richtig gehört meinen Freund.
Ich blieb stehen und blickte zurück, weit über dem Meer stand die Sonne, ich sah in den Himmel und dachte an meinen Vater, die letzten zwei Jahre.
Tja Leute, ich bin jetzt siebzehn und wie es aussieht, ist Camp Half Blood längst mein richtiges zu Hause geworden. Und ich... denke, ich werde hier bleiben und als Erwachsene anderen jungen Demigöttern helfen in unserer Welt zurecht zu kommen und sich zu verteidigen.
Aber das... das ist eine andere Geschichte. Vielleicht erzähle ich sie ja irgendwann einmal.
„Hey! Hey, du weißt doch bestimmt wo die Hermeshütte ist? Ich heiße Lilia, und bin vierzehn."
Ich drehe mich um und gehe dem Mädchen entgegen. „Ich bin Melina Callen, siebzehn und ich bin die Tochter von Apollo und einer Hexe. Ich führe die Hütte meines Vaters."
„Cool. Ähm...oder?"
Ich grinse und bedeutete ich mit mir zu kommen.
Wie hieß es nochmal? Das Leben geht weiter? Hier auch.
Ende!/IXI/IXI/IXI/Ende!/IXI/IXI/IXI/Ende!/IXI/IXI/IXI/Ende!/IXI/IXI/IXI/Ende!
