Disclaimer: Harry Potter und die darin vorkommenden Charaktere gehören Evandar und mir in keiner Weise. Alle originalen Charaktere gehören Evandar.

SEQUEL von Serpens Armarum

Warnungen: Kraftworte, Slash etc. Es ist M.


Serpens Arcanem

By Evandar

Kapitel Zwei

Der Orden des Phönix'

Eine der ältesten und kompliziertesten Formen der Magie war das Errichten von Schutzschilden. Über die Jahre wurden einfachere Zauber, wie der Fidelius oder der Schildzauber kreiert, weil die Nachfrage nach viel praktischeren und weniger Magie-verbrauchenden Arten des Schutzes hoch war.

Wie dem auch sei, es ist weitgehend so, dass die älteren Schutzschilder, die nicht länger allgemein gebraucht werden, als stärker angesehen werden. Unter diese fallen Blutschilde (siehe Kapitel Fünf), welche eher gebraucht werden, um Familienwohnsitze und Erbstücke zu beschützen, und Opferschilde.

Das Nutzen von Opferschilden wird seit langem als Dunkle Magie angesehen, da die involvierten Zauber ein freiwilliges, menschliches Opfer benötigen und in den Magischen Definitionsabkommen von 1263 wurde festgelegt, dass keine Helle Magie den Verlust von Leben benötigen darf, ob menschlich oder nicht.

Harry hatte gerade umgeblättert, als die Klingel über der Tür schellte. Er schaute rechtzeitig auf, um einen von Dumbledores Lakaien vom Vortag durch die Tür hereinkommen zu sehen. Es war der knorrige alte Mann mit dem verrückten Auge – der, der Tiberius von irgendwo her zu kennen schien – und sicher genug, das verrückte Auge fixierte Harry sofort.

„Ausgefallene Illusion, die du dort hast, Junge", sagte der Mann rau.

Harry versteifte sich sofort. Er wusste, dass die einzigen Leute, die fähig waren durch Linaels Tarnung zu schauen Linael und er selbst waren. Linael, weil er sie hergestellt hatte; Harry, weil er sie trug. Umgehend brach er Augenkontakt; als Versicherung verschloss er seine zweiten und dritten Lider, während er auf seine Hand blickte. Feine, grüne Schuppen und lange, schwarze Klauen trafen spöttisch seinen Blick.

„Ich kann nicht hindurchsehen", sagte der Mann. Harry biss ein erleichtertes Seufzen zurück. „Ich weiß nur, dass sie da ist. Ich frage mich, was du verseckst."

„Nur Harry", entgegnete Harry. Er schaute wieder auf und lächelte ironisch. „Kann ich Ihnen helfen, Mr …."

„Moody", sagte der Mann. „Alastor Moody."

Harry hatte natürlich von ihm gehört. Ein paranoider Ex-Auror; Moody wurde letztes Jahr von Dumbledore dazu gezwungen, Verteidigung gegen die Dunklen Künste zu unterrichten. Dem Propheten nach hatte Moody das Jahr in Wirklichkeit damit verbracht, in einem magischen Schrankkoffer eingesperrt zu sein; der Lehrer, der die Schüler unterrichtet hatte, war in Wahrheit ein entflohener Verurteilter aus Azkaban gewesen: Der Todesser Barty Crouch Junior.

Harry fragte sich, ob Hogwarts einen neuen Trend setzte, mit all den entflohenen Verbrechern und Voldemorts Unterstützern, die sich im Gebäude zusammenrotteten.

„Dumbledore möchte, dass ich dir das gebe", sagte Moody und hielt ihm ein Stück Pergament hin. Sein verrücktes Auge drehte sich in seinem Kopf und inspizierte den Laden gründlich, bevor er fortfuhr. „Er hat mir gesagt, dass ich dir sagen soll, dass du dort willkommen bist und dass es heute Nacht ein Treffen gibt."

Harry nahm das Pergament entgegen und las es schnell.

Das Hauptquartier des Orden des Phönix' befindet sich in Nummer 12 Grimmauldplatz.

Es war in Dumbledores Handschrift verfasst, in derselben leuchtend grünen Tinte, die auf Hogwarts' Briefen genutzt wurde.

Er runzelte die Stirn. Dumbledore hatte etwas vor. Er hatte ganz ehrlich und wahrhaftig etwas vor und er machte klar, dass er wollte, dass Harry dabei mitmachte, was auch immer es war. Harry traute Dumbledore nicht weiter, als er ihn werfen konnte – ohne Magie – und er hatte gedacht, dass er das deutlich gemacht hatte, aber anscheinend würde Dumbledore nicht damit aufhören seine Spielchen zu spielen.

Bastard.

Natürlich sagte nichts, dass Harry nicht auch solche Spielchen spielen konnte. Er wollte natürlich nicht. Es gab bessere Dinge, die er mit seiner Zeit anfangen konnte – wie seine Kurse bestehen oder einen Weg zu finden, um mit Voldemort klarzukommen und herausfinden, warum Nikolai immer kicherte, wenn er und Linael im selben Raum waren – als sich mit Dumbledore zu beschäftigen. Aber, nahm er an, was muss, das muss.

Und es war ja nicht so, als ob er sich da ohne Rückendeckung hineinbegeben würde.

„Wann?", fragte er.

Moody schaute milde erstaunt aus, aber er versteckte das bald. Harry tat so, als hätte er es nicht bemerkt. Es war nett, dass der ältere Mann ihn für klüger gehalten hatte, als er es vorgab. Irgendwie war es beruhigend.

„Um sieben Uhr", sagte Moody.

Eine Stunde vor Sonnenuntergang. Nicht ideal, aber gut genug. Harry lächelte. „Vielen Dank", sagte er.

„Verbrenne das", sagte Moody und nickte zu dem Pergament, welches Harry umklammerte. Dann, ohne ein weiteres Wort, wandte er sich um und ging.

Harry setzte sich zurück in den Stuhl und fuhr mit den Fingern durch sein Haar. „Fuck", murmelte er. Als er dann zum Pergament schaute, wechselte er die Sprache. „Verbrenne", zischelte er.

Dumbledores Notiz brach in Flammen aus. Harry grinste. Er liebte Parselmagie.


„Das ist keine gute Idee", sage Tiberius. „Hast du uns nicht erst gestern gesagt, dass du das zu deinen eigenen Bedingungen machen möchtest?" Die Worte „du benimmst dich phänomenal dumm" blieben ungesagt.

„Und hast du nicht gesagt, dass ich mich nicht mit mächtigen potentiellen Verbündeten verfeinden soll?", argumentierte Harry.

Tiberius sah immer noch nicht glücklich aus. Harry verstand wahrscheinlich besser was er fühlte, als Tiberius wusste. Er war auch nicht glücklich darüber. Tatsächlich bezweifelte Harry ernsthaft, dass irgendjemand außer Dumbledore glücklich darüber sein würde, dass er im Grimmauldplatz auftauchte. Tiberius hatte Recht. Er verhielt sich unglaublich dumm und das schlimmste war, dass Harry das wusste.

„Das habe ich", sagte Tiberius. „Aber man kann Brücken bauen und man kann halbbacken geradewegs in das Hauptquartier des Orden des Phönix laufen."

„Kann nicht viel schlimmer sein als die Kammer des Schreckens", hob Harry hervor.

„Und schau wohin dich das geführt hat, Mr Schlangen-Ding", schnippte Tiberius. Dann seufzte er, fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und zwickte seinen Nasenrücken. „Du trägst immer noch dein Armband, nicht wahr?", fragte er.

„Natürlich", sagte Harry. Bei der Erwähnung seines Armbandes bewegte sich seine Hand automatisch hin, um mit der feinen, silbernen Kette zu spielen. Sie würde Linael zu ihm rufen, ganz egal wo er war, solange er sie nur trug. Seit Linael sie ihm zwei Jahre zuvor zu seinen dreizehnten Geburtstag gegeben hatte, hatte er sie nicht einmal abgenommen. „Ich bin nicht beschränkt genug, um komplett allein in diese Sache hineinzugehen. Und ganz nebenbei, wenn Linael durch die Schutzzauber von Hogwarts in die Kammer des Schreckens gelangen konnte, dann kommt er ganz sicher am Fidelius vorbei."

„Nicht, dass irgendjemand wüsste, woraus die Schutzzauber um Hogwarts eigentlich bestehen", betonte Tiberius. Er seufzte wieder. „In Ordnung", sagte er. „Geh. Aber sei vorsichtig, Harry, und halte dein Temperament im Zaum."

Harry nickte, aber als er aus dem Hostel und in die schattige Seitenstraße des magischen Londons trat, konnte er nicht anders, als sich selbst zuzumurmeln: „Es ist nicht mein Temperament, um das ich mir Sorgen mache. Es sind die Instinkte."

Die schmalen Straßen durch die er lief, ängstigten ihn nicht mehr. Als er das erste Mal zum Hostel kam war er verängstigt und verwirrt von den Veränderungen seines Körpers und seiner Sinne gewesen, und von den Auroren und Unaussprechlichen, die die Winkelgasse in ihrer Suche nach ihm überflutet hatten. Sein plötzliches Treffen mit Tiberius und die schleunige Reise durch das verdrehte Labyrinth, von dem er vorher nicht wusste, dass es existiert, hatte ihn nur noch mehr aus der Bahn geworfen. Aber über die Jahre hatte er begonnen diese Straßen als sein Zuhause anzusehen und er hatte gelernt sich in ihnen ohne Angst zu bewegen.

Die Steine unter seinen Füßen erschienen golden, wo die Sonne sie traf und erinnerten ihn an ein altes Sprichwort der Muggle. Irgendetwas, das vielleicht aus einem Buch kam. Er wusste, dass er verwirrt gewesen war, als er es das erste Mal gelesen hatte, aber nun meinte er es zu verstehen. Er mochte die Stadt eigentlich nicht so sehr, aber es gab Zeiten, in denen er sie wunderschön fand.

Er lächelte schwach und zog seinen Umhang fester um seine Schultern. Seine Nerven lagen blank, er stand kurz davor Angesicht zu Angesicht mit dem Orden des Phönix' zu stehen und alles woran er denken konnte war, wie hübsch das Sonnenlicht war. Manchmal wunderte sich Harry über sich selbst.

Er verwandelte seinen Umhang in eine Jacke, bevor er aus dem magischen Teil von London heraustrat und in die Muggelwelt ging. Seine Emanzipation hatte sein Leben in vielen Aspekten verändert – die Meisten zum Besseren – und eine dieser Veränderungen war, dass er, als legaler Erwachsener, seinen Zauberstab jederzeit benutzen durfte. Es machte seine Studien um einiges leichter, auch wenn er versuchte sich nicht allzu sehr darauf zu verlassen. Er wollte nicht faul werden, so wie der größte Teil der Zauberer, die er getroffen hatte und auch wenn Parselmagie cool war – und Spaß machte – gefiel es den Leuten nicht, wenn er sie nutzte. Nicht zu erwähnen war sie nicht gerade für Dinge wie Verwandlung zu gebrauchen.

Es war ja nicht so, als ob Schlangen so viel Interesse daran hatten, Ananas in Ohrenschützer zu verwandeln.

Es stellte sich heraus, dass der Grimmauldplatz ziemlich heruntergekommen war. Riesige gregorianische Häuserreihen die einst sicherlich schön gewesen waren, schauten auf ein viereckiges Stück Gras mit krank aussehenden Bäumen, welches mit Müll übersäht war. Das einzig wirklich interessante war, dass Nummer 12 auf den ersten Blick zu fehlen schien. Aber sobald Harry auf dem zerfurchten Bürgersteig stand und auf die Verbindung zwischen Nummer 11 und Nummer 13 starrte, begann Nummer 12 aus der Wand herauszuwachsen, was die anderen Häuser beiseiteschob. Die Muggle darin bemerkten es nicht.

Es war nicht, was Harry erwartet hatte. Er wusste wirklich nicht, was er sich vorgestellt hatte, aber das war ihm nicht in den Sinn gekommen. Nummer 12 schaffte es irgendwie noch heruntergekommener als der Rest der Häuser auszusehen. Die schwarze Farbe auf der Tür und auf den Fensterrahmen blätterte ab und die Fenster waren grau vor Schmutz. Die wabernden Farben, die Harrys normales Sichtfeld überzogen, teilten ihm mit, dass die meisten Leute im inneren in Richtung Rückseite des Hauses im Erdgeschoss versammelt waren: Gleichzeitig zu weit weg und zu nah dran, um ihm die exakte Anzahl mitzuteilen. Ein paar Leute entdeckte er im dritten Stock, wo er annahm, dass die Schlafzimmer waren. Selbst wenn er auch hier nicht die genaue Anzahl nennen konnte, erkannte er aus der Größe der Hitzesignatur, dass er dieses Mal mit mehr als zehn Anhängern von Voldemort zu tun haben würde.

Mit einem tiefen Atemzug ging Harry zu den Stufen, die zur Eingangstür hinaufführten. Die Türklinke hatte die Gestalt einer angriffsbereiten Schlange und war mit Silber beschlagen. Harrys Meinung nach war es merkwürdig. Das sprach mehr als alles andere von alten, reinblütigen Linien; sicher nicht von Dumbledores Tendenz, alles nach Gryffindor aussehen zu lassen.

„Öffne dich", zischelte er leise und mit einem sanften Klicken gehorchte die Tür. Langsam drückte Harry sie auf und schmeckte die Luft mit seiner Zunge. Sie schmeckte nach altem Schmutz, dem ozonartige Anklang von Magie – Dunkler Magie – und dem salzigem Moschus der Menschen. Harry spürte als Reaktion auf diesen Geschmack der Luft, wie seine Augen im gelb der Basilisken brannten und er verschloss automatisch seine zusätzlichen Augenlider. Er musste vorsichtig sein.

Nachdem er seinen Zauberstab aus seinem Ärmel geschüttelt hatte, hielt er ihn lose zwischen seinen Fingern. Immerhin nutze er lieber Schilde und Erstarrungszauber, als jemand zu versteinern oder zu töten.

Als er in die Halle trat wurden seine Schritte von der dicken Schmutzschicht und dem darunterliegenden ebenfalls dicken Teppich gedämpft. Fußstapfen durchzogen die Schicht und enthüllten, dass der Teppich ein düsteres Grün hatte, der einst – hoffentlich – eine hellere, fröhlichere Farbe gehabt hatte. Mit dem Schmutz und Staub, die sich imprägniert hatten, sah es ein wenig sumpfig aus. Harry rümpfte die Nase. Ohne Zweifel hätten Aurora und Isabella einen Anfall über Hygiene und schlechten Geschmack was Dekorationen betrifft gehabt.

Wo er grad von Deko sprach, waren das Köpfe von Hauselfen da an der Wand? Ew ….

Mit einem sanften Klicken verschloss er die Tür hinter sich und ging langsam in Richtung der Wärmesignaturen in der Rückseite des Hauses. Zu seiner Linken waren Treppen, die zu einer hohen Decke heraufstiegen und mit einem dreckigen Geländer versehen waren, und, weiter den Flur hinab, waren Türen aus dunklem Holz die in versteckte Räume führten. Portraits bewegten sich und flüsterten an seiner Seite und Harry wusste, dass sie ihn beobachteten. Es fühlte sich sogar so an, als ob die Elfenköpfe ihn im Auge behielten.

Seine Hand wanderte zur silbernen Kette um sein Handgelenk, aber er stoppte sich selbst im letzten Moment davor, Linael zu sich zu rufen. Das Haus war gruselig. Eindeutig sehr, sehr gruselig; noch gruseliger als die Kammer des Schreckens. Hatte er nicht zu Tiberius gesagt, dass es so schlimm nicht sein könnte?

Harry fühlte den unbezwingbaren Drang sich selbst zu hauen. Wirklich, er hätte es besser wissen müssen.

Irgendwann stand er vor einem Raum, in welchem die Wärmesignaturen waren. Er konnte Stimmen hören, aber sie waren gedämpft, so dass er nicht hören konnte, was sie sagten. Ohnehin interessierte ihn die Anzahl der Anwesenden mehr. Von der Art, wie die Wärmequellen positioniert waren, nahm er an, dass mindestens dreißig Leute in dem Raum waren und die meisten schienen um etwas herum zu sitzen. Höchstwahrscheinlich ein Tisch.

Einer von ihnen bewegte sich zur Tür und Harry drückte sich a die Wand. Da wo er stand würde er, wenn sich die Tür öffnete, von ihr verborgen werden, sodass er keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde und wer auch immer hindurchtrat ihn nicht sehen würde. Er presste seine linke Hand gegen Mund und Nase, um seine Atemgeräusche zu unterdrücken und ergriff seinen Zauberstab fester in der Rechten. Die Wärmesignatur erreichte die Tür, der Knauf drehte und die Tür öffnete sich.

In seinem ganzen Leben war Harry nie glücklicher gewesen Sirius Black zu sehen. Er senkte seine Hand und ließ einen leisen, erleichterten Seufzer hören. Sirius schaute fast unmerklich in seine Richtung, bevor er die Tür hinter sich zuschwang. Dann drehte er sich, um Harry vernünftig anzublicken.

Harry bis auf seine Lippe. Aus dem Blick in Sirius Augen konnte er ablesen, dass er im Moment kein glücklicher Mann war und er konnte nicht anders, als sich zu fragen, ob das und wenn ja wie viel es mit ihm zu hatte. Sie waren in Kontakt geblieben, natürlich, aber das war die meiste Zeit durch Briefe gewesen. Sirius war vom Ministerium – und dem Tagespropheten - unschuldig gesprochen worden aber das bedeutete nicht, dass er ganz … zurechnungsfähig war. Immerhin hatte er zwölf Jahre unter der liebevollen Pflege von Dementoren verbracht.

Trotzdem gab es keinen Zweifel daran, dass Sirius, trotz der Lücke zwischen Sirius' Fantasie von seinem Patenkind und dem realen Harry, ihn gerne hatte.

Sirius sagte kein Wort. Er streckte nur seine Hand nach ihm aus und ergriff den Ärmel seiner verwandelten Jacke, bevor er ihn in einen der Nebenräume schleifte. Kerzen, die ihn aufwändigen, versilberten Kerzenständern waren, begannen zu berennen, sobald sie eintraten und Harry hüpfte. Sirius ließ ihn jedoch nicht los, auch nicht, als die Tür hinter ihnen zuschlug.

„Muffliato", grollte er und schnippte seinen Zauberstab in Richtung der Tür. Dann, und erst dann, wandte er sich Harry zu. „Was zur Hölle machst du hier?", verlangte er eine Antwort.

„Dumbledore hat mich zu einem Treffen des Ordens eingeladen", sagte Harry. „Ich weiß, dass es wahrscheinlich eine Falle ist, aber ich dachte mir, dass ich trotzdem vorbeikomme."

Der Ausdruck auf Sirius' Gesicht wurde nur noch dunkler. „Dumbledore hat was getan?", grollte er und klang ziemlich nach seiner Animagusform.

„Er hat mich zu einem Treffen des Ordens eingeladen", wiederholte Harry. „Er hat die Nachricht mit Alastor Moody gesandt."

Sirus fuhr mit der Hand durch sein Haar und drehte sich ärgerlich weg. Wenn Harry seine Zunge nutzte, konnte er den bitteren Geschmack der Wut in der Luft schmecken.

„Du musst gehen, Harry", sagte Sirius. „Bevor Dumbledore hier ankommt. Er hat anscheinend niemanden außer Moody davon erzählt. Du bist-"

„Schnurstracks hineingelaufen", beendete Harry für ihn. „Ich habe angenommen, dass so etwas geschehen würde. Aber Sirius, ich brauche Hilfe. Wenn Voldemort wirklich zurück ist, dann brauche ich alle Hilfe die ich kriegen kann."

Sirius wandte sich um, um ihn anzublicken. „Ich weiß, was du von mir verlangst, Harry, aber ich kann es dir nicht geben", sagte er. Das nackte Bedauern in seiner Stimme ließ Harrys Brust schmerzen. „Ich kann mich nicht gegen Dumbledore wenden."

Also hatte Harry vor all den Jahren Recht gehabt. Er hatte es vermutet, als Dumbledore nicht mehr dagegen gekämpft hatte, dass Sirius' Unschuld bewiesen wurde. Sirius hatte ihm nie etwas erzählt, über die ganze Geschichte ihrer Bekanntschaft, hatte er Harry nie einen Hinweis darauf gegeben, was Dumbledore über ihn in der Hand hatte.

„warum?", fragte Harry. Er hasste wie erstickt seine Stimme klang.

„Es war in meinem sechsten Jahr", meinte Sirius sanft, nicht fähig, Harrys Blick zu treffen. „Ich habe immer schon Probleme verursacht. Ein Streichespieler. Dein Vater – unser ganzer Freundeskreis – wir waren es. Aber ich bin zu weit gegangen. Ich habe fast einen Mitschüler umgebracht. Es war dein Vater, der ihn gerettet hat, Harry, aber der Schaden war angerichtet und wenn das jemals herauskommt …"

„Dann?", soufflierte Harry.

„Dann würde ich zurück nach Azkaban gebracht und Remus würde hingerichtet werden."

Ein schrecklich endgültiger Tonfall schwang in dieser Aussage mit.

„Dumbledore hat es für mich vertuscht", fuhr Sirius fort. „Er hat es für uns alle vertuscht. Er hat sogar S- den Mitschüler dazu gebracht den Mund zu halten. Das ist der Grund, aus dem ich dir nicht helfen kann, Harry. So wie es ist gehe ich eigentlich schon zu weit. Er versucht verzweifelt dich wieder in seine Krallen zu kriegen. Absolut verzweifelt. Du musst gehen, Harry."

„Das werde ich", versprach Harry. „ich werde gehen. Ich …" unsicher was er sagen sollte hörte er auf. Es gab nichts was er tun konnte, um Sirius aus dieser Lage zu befreien, besonders mit der Drohung, die über Lupin schwebte neben Sirius' eigener. „Danke", sagt er irgendwann. „Das du es mir erzählt hast."

Sirius lächelte reuevoll. „Kein Problem, Kiddo", sagte er. Harry brauchte die Lüge nicht auf seiner Zunge zu schmecken, um zu wissen, dass sie dort war. Das war etwas, von dem Sirius gewollt hatte, dass er es nicht wusste. Harry konnte ihm keine Vorwürfe machen.

„Ich gehe lieber", sagte Sirius. „Bevor sie bemerken, dass ich zu lange fehle. Wirst du alleine okay sein?"

Harry nickte. „Ich komme klar", sagte er. Sirius sah ein wenig nervös aus, aber Harry würde ihm nichts erklären. Wenn es um Dumbledore ging – und daher auch dem Orden – war Linael so etwas wie ein eine Geheimwaffe.

Er bewegte sich zurück in die Schatten des Raumes, während Sirius die Tür öffnete. Sein Pate schaute zu ihm zurück und Harry konnte das Bedauern in seinen Augen sehen. Dann schloss sich die Tür zwischen ihnen und versperrte Sirus von seinem Blick. Harry zuckte bei dem Geräusch, das sie machte. Verdammt noch mal, er fühlte sich wie ein getretener Welpe.

Er versteckte seinen Zauberstab in seinem Ärmel und rannte mit seinem Finger über das silberne Armband, welches um sein Handgelenk hing. Er fühlte das bekannte Dröhnen von Linaels Magie unter seinen Fingerspitzen und schloss seine Augen. „Linael", flüsterte er.

Als er seine Augen wieder öffnete, tat er es gerade rechtzeitig um zu sehen, wie der Drow aus den Schatten trat, die sich in einer Ecke des Raumes sammelten. Er sah müde aus, sein sternenleuchtendes Haar war noch vom Schlaf zerwühlt und fiel ihm über seine nackte Brust. Er versteckte ein Gähnen hinter einer langfingrigen Hand, bevor er sich streckte und weiter aus den Schatten und ins Kerzenlicht trat. Das Lächeln, dass er Harry zuwarf, ließ Wärme in Harrys Bauch erblühen und die Spitzen seiner Zehen kribbeln.

Er beobachtete, wie sich Linael neugierig im Raum umschaute. Der Drow blinzelte und Harry sah, wie seine Nase sich rümpfte. „Ich hoffe es stört dich nicht, wenn ich frage", sagt er, „aber wo sind wir diesmal?"

„Hauptquartier des Orden des Phönix'?", sagte Harry und hoffte, dass er nicht noch einmal an seine eigene Dummheit erinnert werden würde.

„Was für ein Hauptquartier?", fragte Linael.

„Ganz egal", sagte Harry. „Ich erkläre es, wenn wir wieder im Hostel sind. Versprochen. Aber, uh, wir müssen raus hier, bevor Dumbledore ankommt."

Das erregte eindeutig Linaels Aufmerksamkeit. „Dumbledore?", fragte er scharf. „Ich dachte, dass du ihm gestern Abend mitgeteilt hast, dass du nichts mit ihm zu tun haben möchtest?"

Harry fühlte sich schuldig. Das hatte er getan. Und dann war er dumm gewesen und hatte sich entschlossen Dumbledore eine weitere Chance zu geben – selbst, wenn der alte Mann das nicht verdiente – und nun steckte er in einem Haus fest, dass aussah wie aus einem Horrorfilm, inmitten einer Falle, kurz davor von Dumbledore erfasst zu werden.

„Ich werde es erklären, wenn-"

Ein leises Krachen unterbrach ihn. Er erstarrte. Gift ließ an seinen Zähnen herab und er hatte Mühen seine zweiten und dritten Lider verschlossen zu halten. Irgendetwas zu töten, besonders Linael – der genau vor ihm war – während er auf Dumbledores Grund und Boden war, würde dem Ausdruck „schlechte Idee" eine ganz neue Bedeutung geben.

Leicht überrascht blickte Linael auf einen Hauself herab – einem lebendigen – als dieser hervorschlich, gekleidet in einen dreckigen Kissenbezug. Sein Kopf war gesenkt und er sprach mit sich selbst, knochige Hände umklammerten verzweifelt etwas, das im Kerzenlicht leicht schimmerte. Wiederum konnte Harry nicht ganz nachvollziehen, dass Linael – groß, stolz und unglaublich schön – mit so einem Wesen verwandt war, wie entfernt auch immer.

„Kreacher hat gefühlt, wie Der Hohe angekommen ist, oh ja", sagte der Hauself. Seine Stimme war rau und fast frei von gesundem Verstand. „Kreacher hat es gefühlt, auch wenn die dreckigen Verräter, die die Flure meiner Herrin verschandeln, das nicht getan haben."

Linael blickte zu Harry auf. Wenn die Situation nicht so ernst gewesen wäre, dann wäre Harry beim Anblick von Linaels Gesichtsausdruck in Gelächter ausgebrochen. Er hatte den Drow noch nie so verdutzt gesehen.

„Gibt es etwas, womit ich dir behilflich sein kann?", fragte Linael langsam.

Der Hauself schauderte. „Lehnstreue zum Blut geht vor die Familie", sagte er. „Alte Überlieferung der Elfen. Aber Kreacher dient immer noch der Familie. Master Regulus, ja, aber er ist tot. Besser ein toter Herr, als der Blutsverräterabschaum und die Halbblüter."

Harry war ein wenig schlecht. Der Elf begann immer mehr nach einem dienstbaren Draco Malfoy zu klingen.

„Master Regulus hat Kreacher gesagt, dass er es zerstören soll, aber Kreacher schafft es nicht. Kreacher hat versagt, aber Der Hohe …" Der Hauself verstummte und schaffte es seinen Kopf lange genug zu heben, um Linael tatsächlich anzublicken, bevor er wegschrak. „Der Hohe ist stärker, also fleht ihn Kreacher an. Fleht ihn an Kreacher dabei zu helfen, seinem Herren zu dienen. Fleht ihn an es zu zerstören."

Linael hockte sich hin. Langsam näherte sich Harry ihm an, neugierig zu sehen, was der Elf vorhatte.

„Was möchtest du, dass ich zerstöre, Kreacher?", fragte Linael sanft.

Das glitzernde Objekt in der Hand des Elfen stürzte zu Boden, als der Hauself seine Hände zu den Ohren hob, um sie zu verdrehen. Aus seinen Augenwinkeln sah Harry, wie Linael mitfühlend zusammenzuckte. Anscheinend waren Ohren der Spezies Sidhe sehr empfindlich.

„Herr Regulus würde sich schämen, dass Kreacher um Hilfe bettelt! Nicht gut genug für das Noble Haus der Blacks!" Nun schluchzte der Elf. „Aber Kreacher hat keine Wahl! Kreacher muss seinem Herren Regulus gehorchen, auch wenn er deshalb betteln muss."

Linael streckte seine Hand nach dem Objekt aus und als er es vom Boden aufhob und in das Licht hielt, sah Harry, dass es ein silbernes Medaillon war, welches von einer passenden silbernen Kette baumelte. Linael schaute es stirnrunzelnd an, bevor er zu ihm blickte.

„Sehr Dunkle Magie ist in es eingebettet", sagte er. „Sehr Dunkel und sehr mächtig." Er erhob sich, das Medaillon hing immer noch von seinen Fingern herab. Linael hielt es mit ausgestrecktem Arm und berührte es nur widerwillig. Harry ließ seine Zunge hervorzüngeln und wünschte sich auf der Stelle, dass er das nicht getan hätte. Die Luft um das Medaillon schmeckte grausig: Der normale Ozongeschmack von Magie war von etwas schrecklichem behaftet.

„Du hast gut daran getan, mir dies zu bringen, Kreacher", sagte Linael ruhig. „Du hast das sehr gut gemacht. Ich gebe dir mein Wort, dass es zerstört werden wird. Du hast die Befehle deines Herren erfüllt."

Die Schluchzer des Elfen verklangen. „Kreacher dankt Dem Hohen", sagte er. „Kreacher schwört, dass er alles, alles tun wird, um Dem Hohen zu helfen."

Linael warf Harry einen verzweifelten Blick zu. Harry erkannte den Grund für seine Verwirrung leicht. Um was konnte Linael einen verrückten, alten Hauselfen bitten? Was konnte der Elf geben, dass Linael haben wollte?

Es traf ihn wie einen Schlag und aus einem Impuls heraus streckte sich Harry, um Linael ins Ohr zu flüstern. Er konnte spüren, wie Linael leicht erschauerte, als sein Atem über das spitze Ohr wusch, aber er ignorierte es. Als er sich zurückzog hob Linael eine Braue, bevor er sich wieder dem Hauselfen zuwandte, der zu seinen Füßen kroch.

„Ich möchte, dass du mir alles über den Orden des Phönix' berichtest", sagte Linael. „Das ist eine sehr wichtige Aufgabe, Kreacher." Der Elf blickte staunend zu Linael hoch, bevor er sich offensichtlich wieder an seine Manieren erinnerte und wieder auf den Boden schaute. „Dein Befolgen der alten Überlieferungen hat mir gezeigt, dass ich dir vertrauen kann, Kreacher. Enttäusche mich nicht."

„Nein, Hoher", flüsterte der Elf ehrfürchtig. „Enttäusche niemals Den Hohen."

„Dann lass uns allein", befahl Linael.

Daraufhin verschwand der Elf mit einem weiteren leisen Krachen. Einen Moment hing eine drückende Stille im Raum, als sowohl Harry als auch Linael versuchten zu verdauen, was gerade geschehen war.

„Nun", sage Linael irgendwann. „Zumindest rufst du mich nirgendwo hin, wo es langweilig ist."

Er warf Harry einen kläglichen Blick zu und Harry konnte nicht anders, als verschämt zu lächeln. Linael schüttelte schlicht den Kopf, ein merkwürdiges Glimmen in seinen Augen.

„Dann komm", sagte er und nahm Harrys Hand in die seine. „Wir sind hier schon viel zu lang."

Als sie zusammen in die kalte Umarmung der Schatten verschwanden, ergriff Harry fest Linaels lange Finger; Linael hielt das Medaillon noch immer vor sich ausgestreckt.


TN: Danke für die supertollen Reviews!

Melanurus hat mich in der Review gefragt, was der Titel bedeutet. Also habe ich mich auf mein Wörterbuch gestürzt, da ich Armarum nicht aus dem Stehgreif wusste.

Serpens - Schlange (surprise o.Ô)

Armarum - wahrscheinlich vom Verb armare, bewaffnen

Arcanem - Akk. von Arcanum, Geheimnis

Serpens Armarum - Die Bewaffnung der Schlange

Serpens Arcanem - Das Geheimnis der Schlange