Familie und Erbstücke

Bellatrix Black…

Die Frau, die Nevilles Eltern gefoltert hatte…

Die Frau, die in Azkaban dafür mit jahrelanger Folter (denn was waren Dementoren anderes) gebüßt hatte…

Die Frau, die Sirius getötet hatte…

Die Frau, die, ihrer Schwester zufolge, seit Wochen um ihren Cousin trauert…

Bellatrix Black….

Wut vernebelte ihm fast die Sinne. Sie brachte seinen Kopf zu wirbeln. Bilder aus dem Ministerium zuckten vor seinen Augen. Aber konnte er sie verdammen? Hatte nicht jeder eine zweite Chance verdient?

Narzissa hatte von einem Schwur geschrieben.

Einem Blackfamilienspruch, der es unmöglich machen würde, dass die Verwender sich belogen. Dieser Spruch wäre ihre Sicherheit.

Harry konnte niemandem etwas über die möglicherweise dunkle Natur des Unterrichtsstoffes erzählen und niemand konnte seine Geheimnisse erfahren.

Er konnte sie nicht ausliefern und sie ihn auch nicht.

Das war doch gar nicht schlecht. Sie würden sich auch nicht gegenseitig schaden können, durch die Medien oder auch direkte Gewalt. Das klang alles positiv und um das zu erreichen musste er nur der Mörderin seiner einzigen Familie eine zweite Chance geben. Als ob das möglich…

Dorea Black…

Der Name glitt plötzlich durch seinen Geist. Narzissa hatte etwas von Dorea Black geschrieben. Dort..

" Dorea Black ist Ihre Großmutter gewesen und die Schwester meines Vaters. Der Verwandtschaftsgrad ist nicht besonders eng aber er gibt Ihnen genug Blackblut um Sie zur Familie zu zählen…"

Er hatte Familie. Narzissa und Bellatrix waren Familie und Familien verziehen einander. Verdammt er brauchte Narzissa und wenn die einzige Möglichkeit war mit der anderen Black auch zu reden, dann war das eben so!

Seine angespannte Körperhaltung lockerte sich. Sein Licht, das während seines Gedankensturmes angefangen hatte zu flackern, beruhigte sich wieder und er traf seine Entscheidung. Er brauchte diese Hilfe. Er würde seine Meinung über Bellatrix zurück halten, bis sie sich trafen. Er konnte es bei Narzissa warum nicht auch bei Bellatrix. Bellatrix Lestrange hatte Sirius getötet aber Bellatrix Black kannte er noch nicht. Das konnte doch nicht so schwer sein.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf schrieb er einen knappen Dankesbrief an Narzissa. Er wollte ihn schon abschicken, da fielen ihm ihre Fragen an ihn ein. Fragen über seine Lebenssituation, seine Familie, sein Grundwissen und über sein Eulenproblem. So schnell und hastig wie er konnte hetzte er über die ersten beiden Fragen, nahm sich Zeit für die Dritte und erklärte knapp die Vierte. Dann schickte er den Brief mit dem Uhu ab. Der machte ihm übrigens auch Angst!

Die Lestrangebrüder standen in ihrem eigenen Haus vor verschlossenen Türen. Zissa und Bella hatten die Bibliothek und den angrenzenden Salon für sich beansprucht. Keiner von Beiden hatte Lestrangemanor seit dem Brief verlassen. Sie verbrachten die Zeit gemeinsam, erinnerten sich an ihre Kindheit zurück und planten ihren nächsten Schritt. Innerlich vibrierten sie geradezu vor Ungeduld.

Lucius Malfoy vibrierte auch aber nicht vor Ungeduld. Er versuchte, seitdem dieser Brief gekommen war, seine Frau zu erreichen, ohne Erfolg.

Er hasste nicht wissen und jetzt wusste er nicht nur Nichts, er war auch noch verwirrt. Und Draco war ebenfalls ratlos. Was zum Geier wollte Potter von Narzissa? Und warum schrieb er per Muggelpost? Und wieso war seine Frau nicht erreichbar und…

Wieso polterten Rabastan und sein Bruder gerade durch seinen Kamin?

Nach einigen Erklärungen (Bella und Narzissa hatten sie rausgeworfen), entschieden die drei Männer gemeinsam zu leiden. Nach kurzer Zeit gesellte sich auch noch Draco und eine Flasche Feuerwiskey dazu. Das wars dann mit den Sorgen.

Einige Tage schrieben sich die drei „Blacks" jetzt schon Briefe und sie alle lernten mit jedem Brief mehr. Das brüchige Verständnis zwischen den Frauen und Harry entwickelte sich schnell zu Vertrauen. Nicht genug um wahre Geheimnisse zu erzählen oder die Seele auszubreiten aber genug um sie um Hilfe zu bitten. Obelix überbrachte weiterhin die Briefe während Hedwig eingesperrt blieb. Es war sonst einfach zu unsicher.

Es war der 30. Juli und Harry bereitete sich darauf vor Schlafen zu gehen. Kurz vor Mitternacht würde für sein Geburtstagsritual sein Wecker klingen, auch wenn er keine Geschenke erwartete. Hermine war so gut wie tot, Ron würde ihm nur Kampfbücher schicken und Hagrid war zu einem Auftrag weg. (Was auch erklärte wieso Harry noch keine Antwort auf seine Frag bekommen hatte.) Aber er würde wach sein.

Er wachte auf, aber nicht durch seinen Wecker. Irgendetwas anderes hatte ihn geweckt. Er drehte den Kopf und fiel prompt rückwärts vom Bett vor Schreck. Auge in Auge mit einem Riesenuhu. Irgendwie kannte er das.

Obelix hatte es sich auf seinem Kissen neben ihm gemütlich gemacht und ihn beobachtet. Harry atmete erleichtert aus.

Obelix beobachtete den jungen Zauberer amüsiert. Er fand es witzig, dass der Zauberer sich immer noch so erschreckte. Anfangs hatte er die dauernden Botengänge als nervig empfunden. Er war ein Uhu verflixt und keine Posteule. Aber dann hatte er festgestellt, dass der Junge sehr sensibel reagierte. Er bemerkte ihn üblicherweise sehr schnell und reagierte immer wieder wie ein erschrecktes Kaninchen. Das durfte auch ein sadistischer Uhu witzig finden, danke schön.

Etwas anderes was seine Besuche lustig machte, war die Reaktion der hübschen Schneeeule. Seine Besitzerin (Bella) hatte ihm von dem Verrat erzählt. Was fiel der Eule ein ihren Besitzer zu verraten und das Postgeheimnis zu brechen? Das war jedem Posttragenden Vogel ein Heiligtum!

Jedenfalls neckte Obelix die Eule jedes Mal. Er plusterte sich vor ihr auf, flog stolz durchs Zimmer oder wedelte mit den Briefen vor ihrem Käfig herum. Sie reagierte darauf jedes Mal wütend und lautstark. Soo witzig.

Harry hatte sich wieder gesammelt und näherte sich dem großen Vogel. Wie jedes Mal machte Obelix nicht viel Theater. Er streckte einfach sein Bein aus und ließ ihn die Pakete abnehmen. Heute Nacht waren es zwei Stück. Eines war bestimmt das Buch über stablose Magie um das er gebeten hatte, aber das andere..

Er öffnete die Päckchen schnell und hielt tatsächlich in einer Hand das seltene Buch über stablose Magie in der Hand. Es war eine Abhandlung darüber, ob es möglich war Magie nur durch den Willen zu fokussieren oder ob stablose Magie immer durch Emotionen hervorgerufen wurde. Nach dem er erfahren hatte, dass Ausbrüche von Magie im Erwachsenenalter ungefähr den gleichen gesellschaftlichen Status hatten wie nächtliche Ejakulationen, wollte er sich etwas mehr mit dem Thema beschäftigen.

In der anderen Hand hielt er ein Halsband. Es war ein schwarzes Lederband, ganz weich und außen mit silbernen Runen beschrieben. Es war sein Geburtstagsgeschenk von Narzissa und Bellatrix.

Damit sollten seine Träume und Visionen von Voldemort endlich aufhören und Okklumentik zu lernen sollte ihm jetzt auch leichter fallen.

Bellatrix war darauf gekommen, dass die Kopfschmerzen in seinem ersten Schuljahr vielleicht daher kamen, das Voldemort versucht hatte in seinen Kopf einzudringen. Und wenn das der Fall war, dann war sein Geist wahrscheinlich schlicht nicht in der Lage auf natürlichen Barrieren aufzubauen, da er keine mehr hatte.

Das Halsband würde seinen Geist beruhigen und reparieren. Dann könnte er, zumindest theoretisch, Okklumentik erlernen. Etwas was er unbedingt meistern wollte.

Bald war er soweit, dass er ihnen von seinem Problem erzählen konnte. Er hatte sein kleines Blutproblem nämlich immer noch nicht gelöst. In der letzten Woche war er extrem vorsichtig gewesen kein Blut zu verlieren, nachdem er eine von Petunias Teetassen aus Versehen geschmolzen hatte.

Dann schlug es Mitternacht. Harry J. Potter war jetzt 16 Jahre alt. Hinter ihm schien etwas an der Tür sich zu bewegen. Er drehte sich um und sah vor sich in der Luft etwas schweben. Glühend schwebten zwei Bücher vor ihm in der Mitte seines Zimmers. Eines trug die Aufschrift „Potter" und eines die Aufschrift „Black".

Draußen dämmerte es schon als Harry sich streckte. Er hatte die gesamte Nacht auf seinem Bett gelegen und in dem Buch der Potters gelesen. Er wusste jetzt was es war. Beide Bücher waren so genannte Familienbücher. Sie enthielten die Geheimnisse der jeweiligen Familie. Zaubersprüche, Familienskandale, Passwörter und meistens auch die Journale (Tagebücher) der bisherigen Familienoberhäupter.

Ein Familienbuch stand immer nur dem Haupt der Familie zur Verfügung und es konnte auch nur von diesem geöffnet werden.

Scheinbar war er das jetzt. Ein Familienoberhaupt…

Er hatte in den letzten Stunden Dinge über seine Familie erfahren, die er nie auch nur erahnt hätte. Dinge die ihm verschwiegen wurden oder die einfach nicht bekannt waren. Er hatte bis jetzt nur die Teile über den Ehrenkodex der Potters und das Journal seines Großvaters gelesen aber eines wusste er jetzt schon. Das wundervolle Traumbild über seine Eltern war endgültig zerstört.

Das Wort eines Potters war jahrhundertelang etwas Besonderes gewesen. Es wurde gleichgestellt mit einem magischen Schwur. Das hatte erst in den letzten Generationen nachgelassen. Besonders in der seines Vaters.

James Potter hatte den Namen der Potters verschandelt. Er war zum Gespött der Reinblutgesellschaft geworden, als er Lily Evans nicht nur hinterhergelaufen war sondern seine Familienehre für sie geopfert hatte. Er, der einzige Sprössling der letzten direkten Linie der Peverells, rannte ihr hinterher wie ein Hündchen. Sie schrie ihm entgegen sie würde ihn nicht heiraten wenn er der letzte Mann auf diesem Planeten wäre und als Antwort schenkte er ihr Einblick in die Familienmagie! Die Magie einer Familie war grundsätzlich geheim, sie einem Außenstehenden zu verraten war geradezu Hochverrat. Der einzige Grund weshalb James nicht enterbt wurde, war der tragische Tod seiner Eltern durch den Krieg. Das er dann die Tradition seiner Familie als neutrale Beschützer verraten hatte indem er Dumbledore unterstützte, war dann nur noch der Tropfen der das Fass zum Überlaufen brachte.

Lily Potter ne Evans half dem Ganzen nicht im Geringsten. Sie warf alles über den Haufen was seit Generationen etabliert war. Sie hatte sogar die Hauselfen freigelassen. Elfen die schon immer an die Potters gebunden waren. Hauselfen konnten ohne die überschüssige Magie die Zauberer und Hexen abgaben nicht leben. Die Magie erhielt ihre Körper gesund und ihre Magie in Bann. Die Hauselfen der Potters waren schon solange an diese eine Familie gebunden das sie inkompatibel mit anderer Magie geworden sind. Daher war die Entlassung durch Lily Potter ihr Todesurteil.

An diesem Punkt endeten die Aufzeichnungen. Harry konnte nur davon ausgehen, dass Lily das Führen eines Familienbuches als archaisch und veraltet erschien, sowie das halten von Hauselfen, und es deshalb nicht weitergeführt wurde.

Seine wundervollen Eltern waren gar nicht so wundervoll. Der Schock war groß. Jeder Waise entwickelte wohl eine Art Idealbild seiner Eltern und seines war auch noch durch alle anderen Leute verstärkt und gefüttert worden. Jetzt hatte man ihm brutal seine Illusionen geraubt und ihm gleichzeitig eine ganze Familiengeschichte geschenkt. Sollte er jetzt fröhlich oder traurig sein? Deprimiert oder begeistert?

Er war ratlos. Er tat das Einzige was ihm in den Sinn kam. Er schrieb einen Brief an die Blackschwestern und schickte ihn mit Obelix los.

Wenige Minuten später traf eine Eule ein. Sie brachte einen Brief von Dumbledore. Er würde morgen abgeholt werden und den Rest der Ferien mit den Weasleys im Fuchsbau verbringen. Normalerweise wäre das etwas tolles, aber wie sollte er den da mit den Blacks schreiben oder sich um sein Familienbuch kümmern?

Das Blackbuch hatte er schon ganz vergessen.

„Wow. Harry . Dumbledore hat uns von deinem Familienbuch erzählt, lässt du uns reingucken? Das ist so toll. Da muss tolle Magie drinstehen."

„ja, genau mein Freund. Zeig uns das Buch. Da könnte was drin stehen wie du Du-weißt-schon-wen besiegen kannst." Ginny und Ron Weasley waren nun wirklich nicht das was man taktvoll oder subtil nennen würde. Harry wusste zwar noch nicht viel über Familienmagie, aber das sie jemandem außerhalb der Familie zu verraten tabu war, war klar. Sowohl die Blackschwestern als auch sein Buch selber hatten das als erste Regel genannt. „Verrate niemandem die Familienmagie. Lass niemanden das Familienbuch lesen. Vertrauen niemandem der nach deiner Familienmagie fragt."

Dumbledore war nicht so dumm gewesen. Harry hatte sofort gewusst, dass der Direktor von dem Buch wusste. Warum sollte er sonst plötzlich entscheiden ihn zu den Weasleys zu schicken? Da war es jetzt auch nicht sicherer als am Anfang der Ferien.

Und da Dumbledore nach altem Kodex nicht fragen durfte, hatte er die jüngsten Weasleykids damit beauftragt. Ein Einblick in ein Familienbuch wäre wie ein Heiratsantrag. Eine öffentliche Kundgebung das die Weasleys seine Familie wären. Noch an letztem Weihnachten hätte er dem zugestimmt.

„Tschuldigt Leute. Aber ich hab doch schon gesagt. Es ist als Dumbledore aufgetaucht ist verschwunden. Ich hab keine Ahnung wie ich es wieder holen kann." Er log nicht gern, aber er war inzwischen richtig gut darin.

Er war erst seit zwei Tagen im Fuchsbau und die meisten der Familie gingen ihm jetzt schon auf den Geist. Die einen wollten immer nur Quidditch spielen, die andere ihn „aufpäppeln" und bei niemandem konnte er mal Fragen stellen. Mal abgesehen davon dass alle vier anwesenden Weasleys total versessen auf sein Buch schienen. Obwohl Arthur sogar noch mehr an dem Obstmesser interessiert war, dass Harry sich...geliehen hatte.

Es machte ihn wuschig hier so eingesperrt zu sein. Es war immer laut, irgendwer war immer in seiner Nähe und ihm fehlten die Briefe mit Narzissa und Bella.

Er war es so gewohnt zu lernen, dass dieses erzwungene Nichtstun ihn beinahe irrewerden lies. Wenn er sich nicht irrte, hatte Dumbledore den Kindern des Hauses drei Aufträge gegeben.

1: Beschafft euch Einblick in das Familienbuch.

2. Findet raus wie viel Harry schon weiß und

3. Hindert Harry am Lernen. Er Könnte zuviel erfahren und anfangen Fragen zustellen.

Die Taktik hatte ja schließlich jahrelang gut funktioniert. Ohh, war er sauer.

Er konnte sich hier keinen Wutausbruch leisten. Mit tiefen Atemzügen beruhigte er sich und konzentrierte sich auf das warme und sichere Gefühl seines Halsbandes. Das Band hatte niemand bemerkt, weil niemand danach gesucht hatte. So einfach war das. Niemand interessierte sich für das Band, niemand interessierte sich für seine aufgerissenen Hände (vom Putzen ohne Handschuhe) und niemand interessierte sich für seine Meinung. Warum auch? Er war doch nur ein Teenager… im besten Fall.

Ron war ein Taktiker, ein Stratege. Jeder der mehr als ein paar Minuten mit ihm verbrachte wusste das. Aus diesem Grund war es Harry völlig unverständlich, weshalb sein Freund so etwas tun wollte. Das nannte man doch taktischen Vorteil aufgeben oder? Ron verlangte von Harry doch tatsächlich Dumbledore die Marauderkarte zu übergeben. Die Marauderkarte. Das letzte Stück Erinnerung an seinen Vater und Sirius. Und der einzige wahre Beweis, dass sein Vater sein Hirn in der Schulzeit auch tatsächlich irgendwann benutzt hat!

Klar, höchstwahrscheinlich wusste Dumbledore von der Existenz der Karte aber er wusste bestimmt nicht wie sie funktionierte und er brauchte sie doch auch nicht!

Wenn es dem alten Mann einen taktischen Vorteil geben würde die Karte zu haben, dann würde er es sich vielleicht noch mal überlegen. Aber Dumbledore wusste doch sowieso immer alles was im Schloss abging. Wahrscheinlich spionierten die Bilder für ihn… Mal ganz abgesehen, dass der alte Mann doch Zugriff auf die Schulschilde hat. Der braucht die Karte doch nicht!

Schweren Herzens fand sich Harry damit ab. Er konnte seinem besten Freund nicht mehr trauen. Der war viel auf Dumbledore fixiert um seine Geheimnisse zu bewahren. Die plötzlich aufsteigende Traurigkeit rigoros unterdrückend suchte Harry nach einem Weg die Karte aus Dumbledores Reichweite aber in seinem (Harrys) Besitz zu lassen. Er könnte es mit dem „obliviate" versuchen aber der Zauber brachte schlechte Erinnerungen hoch. Außerdem wollte er Ron nicht verletzten. Aber was wenn er die Karte funktionsunfähig machte? Es musste doch eine Möglichkeit geben, dass Passwort der Karte zu wechseln und wenn Ron sie dann vorzeigen will…

Gedacht, versucht. Harry sammelte die Karte aus seinem Koffer und fischte seinen Zauberstab aus seiner Hose. Die Spitze des Stabes auf dem Papier ruhen lassend, benetze er seine Lippen, bevor er sprach.

„Harry James Potter erbittet die Hilfe der Meister der Streiche, der Marauder."

Auf der Karte erschienen Worte…

Mr. Prongs fragt sich weshalb jemand mit dem Namen Potter nach ihrer Hilfe fragt..

Mr. Padfoot möchte darauf hinweisen, dass Hilfe immer einen Preis hat und das der Spitzname Harry sehr langweilig ist..

Mr. Moony würde gern wissen, was für Hilfe hier erforderlich ist..

Mr. Wormtail wüsste gern wer Harry James Potter ist…

Harry musste schlucken. Das war so real, als wären sie tatsächlich hier.

„Ich bin James Potters Sohn und Harry ist nicht mein Spitzname. Ich heiß so."

Mr. Prongs möchte anmerken, dass niemals ein Potter einen solchen Namen hatte…

Mr. Padfoot fragt sich, weshalb der Sohn eines Marauders keinen Maraudernamen hat..

Mr. Moony bemerkt, dass der kleine Harry nicht viel über sich selbst zu wissen scheint..

Mr Wormtail schließt sich den Bemerkungen seiner Vorsprecher an

Harry schluckte erneut. Dann atmete er tief durch. „Alles klar. Also erstens: Jeder den ich kenne nennt mich Harry, also nehm ich mal an das ist mein Name. Zweitens: ich weiß wer ihr seid, James Potter, Sirius Black, Remus Lupin und Peter Pettigrew, und drittens, da ihr alle tot seid, hattet ihr keine Gelegenheit mir einen Maraudernamen zugeben."

Er beruhigte sich wieder und sprach dann weiter: „Aber Siri..ich mein Padfoot hat mich manchmal Prongslet oder Bambi genannt."

Bambi?

Bambi?

Prongslet?

Prongslet?

Dann verblassten die Worte und das ausgeblichene Papier wurde heller und glatter.

Das Pergament erinnerte immer mehr an Notizbuchpapier. In der Mitte der jetzt flachen Karte erschienen Worte…

„Mein kleiner Prongslet, mein Bambi.

Ich hoffe dieser Brief erreicht dich bei bester Gesundheit.

Mein Sohn, ich vermute du erhältst den Brief nicht von mir persönlich und das bedauere ich. Ich war in meiner Jugend ein Ignorant und ein dickköpfiger Idiot und du musst darunter leiden. Dafür muss ich mich entschuldigen. Ich hab leider nicht genug Zeit um dir alles zu erzählen, aber du musst wissen, dass ich große Fehler gemacht habe. Aber ich sollte vorne anfangen.

In Hogwarts habe ich das Mädchen meiner Träume kennen gelernt, deine liebreizende Mutter und war bereit für sie beinahe alles zu opfern.

Ich muss gestehen beinahe wünsch ich mir das das Familienbuch noch nicht bei dir aufgetaucht ist, aber ich habe das Gefühl du bist sehr viel verantwortungsvoller als ich. Leider ist die Geschichte darin über Lily und mich wahr. Viel zu spät hab ich erkannt, was ich eigentlich verloren hatte. Wir waren so blind und fühlten uns so überlegen.

Egal, dass liegt in der Vergangenheit. Wie gern würde ich mit euch fliehen von diesem kriegsverseuchten Land, aber der Ordensschwur an Dumbledore hält mich zurück. Niemand von uns kann ohne seine Erlaubnis das Land verlassen. Mein Kleiner, ich fürchte er hat etwas Bestimmtes mit dir vor. Pass auf dich auf. Ich hab heute das erste Mal Hand an das Familienbuch der Potters gelegt und ich habe Dinge erfahren, die mir Hoffnung geben. Es gibt Möglichkeiten um das Wichtigste in meinem Leben, dich, zu schützen. Ich habe Lily dazu überredet ein Blutritual durch zu führen. Das wird dich schützen. Außerdem hab ich die Potterverliese eingefroren. Ich weiß, dass Dumbledore sich daraus bedient hat und ich möchte sie sicher wissen bis du sie übernimmst.

Jetzt das letzte Thema. Die Karte die du in den Händen hältst ist nur ein Grundmodel. Wir sind viel weiter gegangen. Heute abend wird die Marauderkarte 2.0 bei dir auftauchen. Nutze sie gut!

Diese Karte kannst du behalten oder auch zerstören. Wenn du sie aktivierst und dann die Worte „Sicherheit ist das Motto der Marauder" sprichst, dann wird sie zu einem normalen Blatt Pergament, welches Leute beleidigt. Vielleicht ist es irgendwann nötig sie zu deaktivieren. Es ist so leicht den falschen Leuten zu vertrauen.

Ich liebe dich mein Sohn, mein Bambi, mein kleiner Hadrian. Vergiss das niemals und lass dir nichts anderes einreden. Ich liebe dich.

James „Prongs" Potter

Harry war sprachlos. Langsam legte er die sich wieder zurückverwandelnde Karte unter sein Kopfkissen und lehnte sich zurück. Er war völlig verwirrt.

Er konnte diese Nacht nicht hierbleiben. Er musste raus aus diesem Goldfischglas. Lautlos schlich er mitten in der Nacht aus seinem und Rons Zimmer und kletterte die Hauswand runter. Unten angekommen lief er los und rannte hinunter ins Dorf. Vorbei an dem Haus der Lovegoods. Dort bewegte sich eine Gardine und ein Mann schaute ihm nach.

Harry rannte immer weiter. Er hatte kein Ziel, keinen bestimmten Ort an den er wollte. Er wollte sich nur frei fühlen. Wenigstens kurz. Er rannte durch das kleine Dorf und weiter über die Felder, bis er einen kleinen Wald erreichte. Dort huschte er hinein und setzte sich auf einen Baumstamm. Dann beobachtete er den Wald und spürte die Anspannung aus ihm heraus laufen. Ein Rascheln ließ ihn aufmerken. Er hob den Kopf und schaute in den Wald. Nur Dunkelheit blickte ihm entgegen

Immer wieder schaute er sich um. Er wartete darauf, dass die versprochene Karte auftauchte. Er jetzt fiel ihm ein, dass vielleicht die neue Karte bei der alten auftauchen würde. Das würde bedeuten in seinem Zimmer im Fuchsbau.

Aber dann passierte etwas. Vor ihm glühte es ..erneut! Irgendwie hatte er ein DejaVu.

Nur das sich diesmal kein Buch herausbildete. Es sah eher aus wie ein Karton?

Im Morgengrauen taumelte Harry in den Fuchsbau und ließ sich erschöpft in sein Bett fallen. Tief durchatmend blickte er hinüber zu dem schnarchenden Ron, der eingekuschelt in seinem Bett lag. Wieso musste Harry eigentlich auf einem Feldbett schlafen? So schwer konnte der Transfigurationszauber doch nicht sein!

Ein Blick auf das Geschenk von seinem Vater zeigte ihm, dass es erst knapp 6 Uhr war, er hatte also noch etwas Zeit. Er setzte sich aufrecht auf sein Bett und konzentrierte sich. Ein Licht tauchte vor ihm auf und schon viel das Familienbuch der Potters in seinen Schoss. Ehrfurchtsvoll strich Harry über die alten Seiten, dann nahm er seine Feder und setzte an.

Dies ist das Journal von Hadrian James Potter,

Prongslet, Bambi,

Sohn von James Charles Potter

Und das jüngste Mitglied der Marauder.

Dies ist meine Geschichte…

Beinahe drei Stunden später legte er die Feder wieder aus der Hand. Er hatte sein Leben bei seinen Verwandten beschrieben, das desaströse erste Jahr und einen guten Teil des zweiten. Das Schreiben tat ihm gut, endlich konnte er die schrecklichen Erlebnisse etwas verarbeiten. Vorsichtig ließ er das Buch wieder verschwinden und stellte Tintenfaß und Feder auf den Tisch. Dann legte er sich wieder in sein Bett und schloss die Augen.

Wenig später erklang Molly Weasleys liebliche Stimme und Ron stolperte aus seinem Bett und nach unten. Harry drehte sich noch einmal um und kuschelte sich fest in die Laken, bevor auch er dem Ruf des Frühstücks folgte.

Wenig später wehrte der Potter-Erbe die wohlmeinenden Versuche Mollys ab in mit fettigen Würstchen vollzustopfen. Verstand die Frau nicht, dass sein Magen diese fettige Nahrung noch nicht vertrug? Er hatte wochenlang gehungert, er würde sich nur mies fühlen.

Und was war mit Ginny los? Dauernd strich sie gegen ihn oder versuchte ihn zu füttern, dazu dieses „Mein Held" Geseufze. Hoffentlich waren diese Ferien bald zu Ende.

In jeder freien und ungestörten Minute beschäftigte Harry sich mit der Geschichte der Potters. Er las über seine Familie, über ihre Werte und Ansichten, ihre Verbündeten und Feinde. Er lernte soviel und je mehr er lernte desto mehr merkte er wie wenig er wusste.

Warum hatte ihm nie jemand erzählt das die Potters erst seit 3 Generationen „immer" nach Gryffindor gingen?

Warum wusste er nicht, dass sein Ururgroßvater ein berühmter Zaubertränkemeister war?

Wieso hatte ihm niemand gesagt, dass er die Zeitung für ihre Lügen verklagen konnte?

Warum hatte er keinen Anwalt? Wo war das Testament seines Vaters?

Und so vieles mehr. Eine wahre Lawine an Fragen überrollte den Teenager und Antworten gab es nur bruchstückhaft.

Jeden Abend nachdem Ron eingeschlafen war, schrieb Harry neue Teile seiner Geschichte auf. Immer mehr vielen ihm Unregelmäßigkeiten auf und die Fehler der Lehrer in Hogwarts wurden ihm immer deutlicher.

Warum hatte es keinen Unterricht in Zauberertraditionen für die Muggelgeborenen gegeben? Warum hatte er den Hogwartsbrief für einen in einem Zaubererhaushalt erzogenen Jungen bekommen? Warum hatte niemand mit ihm über die Wahlfächer gesprochen?

Es gab zu viele Ungereimtheiten als das Harry noch irgendjemandem vertraute. So mies es klang, aber am meisten vertraute er momentan den Blackschwestern.

Und nebenbei gab es auch immer noch sein kleines Blutproblem. Er musste sehr darauf achten sich nirgend wo zu verletzten. Schon die kleinste Wunde konnte riesige Schäden hinterlassen. Sollte er sich Narzissa und Bellatrix anvertrauen?

Die Blackschwestern saßen gemeinsam im Salon von Lestrange Manor. Sie trafen sich regelmäßig hier um die nächsten Schritte im Umgang mit Harry zu besprechen und zu planen. Momentan standen Runenkunde und Lateinunterricht auf dem Plan, neben Manierenunterricht. Aber es war zu gefährlich um Obelix regelmäßig zum Fuchsbau zu schicken, er war zu auffällig.

Bellatrix zischte plötzlich auf und presste ihre Hand auf ihren Arm. Entschuldigend und bedauernd blickte sie ihre Schwester an, dann eilte sie aus dem Haus und apparierte.

Sie tauchte in Malfoy Manor wieder auf und schob sofort ihre Maske auf ihr Gesicht, bevor sie zu ihrem Meister eilte. Der große Saal war abgedunkelt, nur wenige Kerzen brannten. Etwa 40 andere Maskierte knieten in dem Raum, wartend. Bellatrix hatte ihren Lord als eleganten, charmanten und sehr sexy Mann kennen gelernt. Der schlangenhafte, bösartige Mann, der sich gerade auf dem Thron niederließ ähnelte ihrem Lord kaum noch. Seit das Ritual schief gegangen war, war er nicht wieder zu erkennen. Auch heute schaute Bellatrix von den innersten Rängen her zu wie niedrige Todesser für kleine Fehler brutal gefoltert wurden. Sie ertrug es kaum ihren Meister so zu sehen. Aber wie konnte sie helfen? Niemand hatte den Fehler des Rituals herausgefunden. Der Homunculus war perfekt, die Opfergaben waren perfekt. Das wurde alles überprüft.… Die einzige Fehlermöglichkeit lag bei Harrys Blut, aber was sollte da fehlerhaft gewesen sein?

Zweites Kapitel. Ich hoffe es gefällt :).

Ich freu mich über jedes Wort ads ihr mir schreibt.

LG

Schattenkind