Prolog
Mein Leben kam mir zu keinem Zeitpunkt einfach vor, doch immer, wenn ich auf ein vergangenes Jahr zurückblickte, stellte ich mit Entsetzen fest, dass die letzten Monate wider Erwarten nicht so schlimm waren wie die gegenwärtige Situation. Sämtliche Bemühungen, meiner selbst geschaffenen Hölle zu entfliehen, blieben vergebens. Jedes Mal, wenn es so aussah, als könnte sich alles zum Guten wenden, erlebte ich einen erneuten Rückschlag und verlor mit der Zeit beinahe alle Menschen, die ich liebte, meine Familie, meine Freunde.
Wie leicht mein Leben – unser Leben hätte sein können und wie schnell wir der Kindheit beraubt wurden, begriff ich erst, als ich alles verloren hatte und ganz alleine am Abgrund meines Lebens stand.
Wie vehement man sich auch gegen das Erinnern sträubt, manche Begebenheiten lassen sich unmöglich vergessen. Sie brennen sich in das Gedächtnis ein und versetzen dem naiv hoffenden Herzen tödliche Stiche, wenn es am verletzlichsten ist.
Der Krieg, welcher unzählige Menschenleben gefordert hat, ist nun vorüber und der Dunkle Lord scheinbar endgültig besiegt.
Doch was passiert mit den unschuldigen Opfern dieser grausamen Zeit? Sind sie nun an einem besseren Ort? Gibt es dieses Paradies im Himmel, von dem die Muggel sprechen, tatsächlich, oder handelt es sich dabei um nichts weiter als puren Aberglauben? Und wohin gehen die Seelen der gewissenlosen Mörder ... Brennen sie zu Recht im Fegefeuer?
Oder waren auch die vermeintlich Bösen nur Opfer der Umstände, in die sie hineingeboren wurden – Sklaven der Angst?
Seine Familie sucht sich schließlich niemand aus. (Und es war nicht meine Entscheidung, von Todessern abzustammen, sehr wohl jedoch mein freier und törichter Wille, selbst einen solchen zu ehelichen.)
Trotzdem ... Die Wahl, das Richtige zu tun, bleibt den Mutigen unter uns, zu denen ich mich selbst nicht zählen kann, immer.
In stillem Gedenken an die Personen, welche ich in dieser brutalen Schlacht verloren habe, verweile ich nun einige Zeit an ihren Gräbern. In meiner Hand halte ich eine weiße Rose, bin in Gedanken bei meiner Tochter Sophie, denn auch mein kleines Mädchen wurde mir, als Folge all meiner falschen Entscheidungen, entrissen.
Wir schreiben den 17.10.2000, den Tag, an dem ich beschließe, mein Leben endlich selbst in die Hand zu nehmen und nicht weiter die einzelnen Glieder meiner selbstgeschmiedeten Kette zu zählen, jeden verfluchten Fehler bedauernd, sondern ändere es, ändere alles, beginne am Anfang und bringe es wieder in Ordnung.
Zwanzig Jahre zuvor ...
