Koys fluchte. Er hätte ihn erwürgen sollen. Aber er konnte nicht. Zu viele Gräueltaten hatte er bereits hinter sich. Er drückte noch einmal fest zu, und sah, wie sich die Augen des Tigers nach oben drehten. Besser so. Dann rannte er los. Er hörte bereits nach den ersten Metern irgendwo ein entferntes trapsen. Er suchte sich ein Versteck. Offene Konfrontationen endeten für ihn meistens mit toten. Egal auf welcher Seite.
Shira hörte das leise Echo des Schreis. Sie verfluchte sich selber, weil sie auf Diego gehört hatte. Dann rannte sie mit aller Kraft in die Richtung des Schreis. Überwand auf dem Weg Felsen, Baumstümpfe, und Stämme. Sie hatte das Gefühl, das etwas passiert war, das ihr nicht gefallen würde. Was auch immer es genau war, was auch immer ihr Liebster gesehen hatte…. Sie hoffte, Diego hatte gewonnen.
Er fiel in ein tiefes, schwarzes Loch. Dann war alles dunkel. Irgendwann hörte er ein leises Summen. Dann wurde er auf die Seite gerissen, und öffnete die Augen. Shira stand über ihm, und schrie ihn an. „Mir geht es gut. Sei leise." Shira gab ihn frei. Er stand auf. Atmete tief durch." Wir müssen den Spuren folgen" , beschloss er, „ Hoffentlich hat er nicht die anderen Gewittert. Schnell." Sie liefen los.
Koys hechelte. Er lag in einem Busch. Weit weg vom Strand. Hier würden sie ihn nicht so schnell finden. Er betete, sie würden ihn lassen. Er reagierte auf Kämpfe nicht sehr sensibel. Sobald jemand ihn Angriff rastete er aus. Dann bekam er Blutsucht. Er lief schneller. Hatte mehr Kraft. Und ein unstillbares Verlangen nach Ruhe. Koys konnte sich selbst dann nicht kontrollieren. Und er wollte nicht mehr töten. Er war es leid. Deshalb versuchte er auch die meiste Zeit, panisch zu flüchten, oder die Gegner außer Gefecht zu setzen. Ohne Gegenwehr. Ohne Tote.
Shira war wütend, angsterfüllt, und verwundert. Warum hatte das Ding Diego nicht getötet? Sie war sicherlich glücklich darüber, aber quälte sich dennoch mit dieser Frage. Plötzlich blieb Diego stehen. „Was ist? Hast du es?" Diegos Antwort fiel negativ aus. Er lauschte. Es war still. Dann zerriss ein lauter Aufschrei die Ruhe. Shira spannte ihre Muskeln an, und schnellte ohne ein weiteres Wort davon. Sie würde kämpfen müssen. Sie war sich sicher, dass ihre Schlauheit und Schnelligkeit in Kombination mit Diegos Fertigkeiten ausreichen würden, um es zu besiegen. Egal, was es war.
