Chapter 3 – Früher

Das Essen war wunderbar.

„Wo hast du so gut kochen gelernt?" fragte ich sie.

„Bei meiner Mutter und das Lasagne Rezept habe ich von deiner Schwester." Sie lächelte. „Aber ich arbeite auch als Köchin. Ist zwar kein Traumjob aber es macht mir Spaß."

„Cool da kann ich ja sogar noch richtig was lernen hier." Grinste ich.

„So jetzt du mal." Sagte Angela und sah mich mit Interesse an. „Was machst du hier in Forks? Charlie kam nur zu mir und sagte: „Hallo Angela, Bellas Schwester will für ein paar Wochen nach Forks kommen. Kann sie bei dir wohnen?"" Dabei imitierte sie Charlies brummige Stimme. „Ich sage: „Natürlich Charlie. Wie heißt sie denn? Wie alt ist sie?" Er darauf: „Magdalena, ich glaube sie ist achtzehn. Danke das sie hier bleiben darf. Tschüß."" Ich lachte herzhaft.

„Ich bin hier um mehr über Bella zu erfahren. Vor ein paar Wochen zu meinem achtzehnten erzählte meine Mutter mir das erste mal von ihr. Aber da ich den letzten Teil ihres Lebens am spannendsten finde wollte ich hierher wo die Leute sind die diesen Teil miterlebt haben." Prompt ließ ich beim sprechen die Gabel fallen.

„Ach so. Ich wusste gar nicht das Bella eine Schwester hatte. Wobei, du warst damals ja noch gar nicht geboren... Was willst du denn wissen? Vielleicht kann ich dir ein paar Sachen erzählen."

„Zu erst würde mich interessieren ob ihr damaliger freund noch hier lebt." Oh wie dumm ich doch war. Diese Frage, was würde es mir denn bringen wenn Edward noch hier leben würde? Er wäre jetzt so alt wie Angela. Das war schon erbärmlich.

„Edward?" fragte Angela, „Nein. Er und seine zwei Brüder sind auf ein College in New Mexiko gegangen. Danach sind ihre Eltern nach Italien gegangen. Sein Vater war Chirurg. Keiner von ihnen ist je wieder hier aufgetaucht."

„Kannst du mir mehr über seine Familie erzählen?"

„Ja, die Familie von Dr. Carlisle Cullen. Sie waren ungewöhnlich. Dr. Cullen und seine Frau waren erst dreißig. Ihre Kinder waren dem alter nach: Emmett Cullen, Jasper und Rosalie Hale, Alice Cullen und Edward Cullen. Achtzehn und siebzehn. Emmett, Alice und Edward waren Adoptiert und Jasper und Rosalie waren die Kinder von Esmes älterer Schwester. Pflegekinder." Ihr Blick wurde ein wenig unscharf als würde sie die Familie vor sich sehen.

„Was ist mit den beiden Mädchen?" fragte ich weiter. „Sind sie noch hier?"

Jetzt sah sie mich mit einem Blick zwischen Mitleid und Trauer an.

„Du weißt wirklich nicht viel über den letzten Abschnitt oder?" Ich nickte. „Rosalie und Alice sind mit ihr nach Juans gefahren." Sagte Angela. Auf einmal sah sie so traurig und allein aus.

„Angela, wie nah standest du ihr?" fragte ich und legte eine Hand auf ihre.

„Ich weiß es nicht." Schluchzte sie plötzlich. „Ich weiß nur wie nah sie mir stand. Sie war die einzige wirkliche Freundin die ich hatte. Ich bin mit der Oberflächlichkeit der anderen Leute an unserer Schule nie gut klar gekommen. Sie war anders. Sie sah einen Menschen an. So viele Leute schauen an einem Menschen nur vorbei. Es sei denn er ist laut und bunt und schaut auch nur an den Menschen vorbei. Dann sehen sie sein Kostüm und immer noch nicht den Menschen."

Ich ging um den Tisch herum und legte einen Arm um Angelas Schultern. Sie war so viel älter als ich und doch war sie wie eine Freundin für mich. Ganz plötzlich. Ich kannte sie doch noch gar nicht. Aber es war so.

„Komm geh ins Wohnzimmer. Ich will dir etwas zeigen. Ich muss es nur schnell holen." Sagte ich zu ihr und lief die Treppe hinauf. Ich zog den Umschlag mit Bellas Bildern aus der Tasche und nahm ihn mit zu der jungen Frau die im Wohnzimmer auf dem Sofa saß. Ich setzte mich neben sie.

„Schau. Das sind Fotos von Bella. Also aus ihrer Kamera." Als erstes zog ich das Bild von Bella und Charlie heraus. Angela sah es an und lächelte, nur ganz schwach aber es war zu erkennen. Dann gab ich ihr das Foto von Edward und Bella. Sie sah es eine Sekunde lang an dann gab sie es mir mit nahezu angewidertem Gesicht zurück.

„So ein Foto darf es von den beiden nicht geben." Sagte sie und zog die Nase kraus. „Ich weiß das viele Leute das über ihre Freunde sagen aber das hier ist wahr. Es ist so: Sie waren das Traumpaar des Jahrhunderts. Sie waren eine Steigerung von Romeo und Julia. Dieses Bild ist grauenhaft. Ich weiß nicht wie so etwas entstehen konnte. Darf ich es zerreißen?" Ich spürte ihre Wut. Ich warf einen letzten Blick auf das Bild dann gab ich es ihr in schweigendem Einverständnis. Sie sah es nicht einmal an als sie es entzweiriss. Sie klang wieder ganz gefasst als sie sagte:

„Ich hatte einmal ein Bild von den beiden auf dem Abschlussball. Es war ein wunderschönes Bild. Sie sah aus wie eine Prinzessin und man glaubte selbst durch das Foto den Zauber ihrer Liebe pulsieren zu spüren."

„Wo ist dieses Bild?"

„Ich habe es ihr geschenkt." Aus irgendeinem Grund klang das zweideutig. Was ist auf den anderen Fotos?" fragte sie.

„Du zum Beispiel." Lächelte ich und gab ihr den Stapel. Ihr Blick wurde erinnerungsselig während sie durch die Fotos stöberte.

„Der Junge hier ist Ben. Mein damaliger Freund." Erzählte sie mir.

„Wer von den Leuten wohnt noch hier?" fragte ich.

„Jessica zum Beispiel. Und Mike. Er war Bellas größter Verehrer." Sie lächelte. „Aber die größte Pleite hat Tyler sich geleistet. Im Winter hat er Bella auf dem Schulparkplatz fast mit seinem Van zerquetscht und wollte das unbedingt gut machen in dem er sie zum Frühjahrsball einlud. Aber als sie ihm einen Korb gab erzählte er überall sie würde mit ihm zu Abschlussball gehen. Dummerweise kam sie ein paar Wochen später mit Edward Cullen zusammen und trotzdem das er sie nicht selten vor Zeugen küsste und sie Hand in Hand durch die Schule spazierten bildete Tyler sich ein sie würde mit ihm zum Ball kommen. Was sie im übrigen nie gesagt hatte. Und am Ballabend stand er für ihrer Tür. Edward soll damals ziemlich deutlich geworden sein."

Wir lachten zusammen bis uns die Bäuche wehtaten. Sie weil sie sich Tylers Gesicht vorstellte und ich weil die Geschichte mir neu war und ich einen ausgeprägten Sinn für komische Situationen hatte.

Sie erzählte mir den ganzen Abend Anekdoten und als ich irgendwann beschloss ins Bett zu gehen einigten wir uns noch darauf das wir morgen zusammen Frühstücken würden bevor ich zu Charlie ging. Als ich das Zimmer verlassen wollte fiel mir noch etwas ein.

„Angela?" fragte ich leise. „Wie ähnlich bin ich ihr?"

Sie kam zu mir und legte ihre Arme um mich.

„Ich glaube nicht an etwas wie Wiedergeburt aber als ich dich vorhin gesehen habe hätte ich wetten können das du Bella bist. Eine Wiedergeborene Bella. Und auch dein Charakter ist ihrem sehr ähnlich. Das ist nichts schlechtes. Jeder Mensch will individuell sein aber wie Bella zu sein ist mehr wert als einzigartig zu sein!" sie drückte mir einen Kuss auf die Stirn und schob mich in Richtung meines Zimmers.

Am nächsten Morgen wurde ich vom Duft von frischen Kaffee und Brötchen geweckt. Vor dem Fenster regnete es. Angela klopfte an die Tür.

„Magda, Frühstück ist fertig. Du brauchst dich nicht umziehen wir frühstücken mal im Schlafanzug."

Ich grinste. Ja so fühlte sich Urlaub an...

Angela hatte den Tisch nicht gedeckt sondern im Wohnzimmer auf dem Teppich. Obstteller, frische Brötchen, kleine Muffins, selbst gemachte Marmelade und Cafe.

„So habe ich immer mit Bella und Alice gefrühstückt wenn wir ein „Mädchenwochenende" gemacht haben. Im Schlafanzug und auf dem Boden." Erzählte Angela mir als sie mir Cafe eingoss. Er verdiente seine französische Schreibweise. „Aus irgendeinem Grund hat Bella einmal ihre halbe Kaffeetasse über den Boden geprustet als Alice sagte irgendetwas wäre lecker. Wir haben gedacht sie währe High aber sie hat uns nicht erklärt was so komisch war." Ich war überrascht als ich sah an was für Kleinigkeiten sie sich noch erinnern konnte. Sie hatte sehr an den beiden gehangen.

„Wie sah Alice aus?" Toll das erste was ich heute fragte. Ich war wohl doch noch müde.

„Hm... das ist schwer. Sie hatte die gleiche weiße Haut und die Schatten unter den Augen wie ihr Bruder. Ihr Gesicht war perfekt geschnitten und ihre Augen wechselten zwischen golden und schwarz. Ihr Haar war kurz und schwarz und sie war sehr klein und extrem zart. Und sie lief nicht, sie tanzte. Im ernst ich wette das Herz jeder Ballerina währe gebrochen wenn sie Alice nur hätte laufen sehen." Sie grinste.

Gegen elf machte ich mich auf den Weg zu Charlie. Wir setzten uns ins Wohnzimmer und er sagte:

„Gut dann fang mal an mit dem Verhör." Als er jetzt lächelte konnte ich verstehen das er der Mann war in den meine Mutter sich einst verliebt hatte.

„Ich weiß nicht genau was ich fragen soll." Sagte ich leise. „Vielleicht könntest du mir einfach erzählen wie sie hier her kam und wie sie hier lebte."

„Nun gut." Sagte der alte Mann, ja eigentlich war Charlie Swan genau das. Er konnte nicht viel über sechzig sein aber er wirkte sehr viel älter. Er hätte mein Großvater sein können.

„Als meine Tochter hier her kam war es für mich die pure Freude. Sie übernahm gleich fast den ganzen Haushalt und fand überall hervorragend Anschluss. Eine weile war die Welt für mich heil und wir gewöhnten uns gut aneinander. Und dann kam Edward Cullen" – er sprach den Namen mit purem Hass aus – „es kam extrem plötzlich. Eines Tages fuhr sie weg. Mit Edward Cullen. Kurz davor oder danach hatten wir das Gespräch geführt ob einer der Jungen in Forks sie interessiere. Sie hatte gesagt nein. Am nächsten Tag, Sonntag, fragte ich sie nachmittags was sie gemacht hatte. Sie sagte sie währe bei den Cullens zu Hause gewesen und erzählte mir das sie mit Edward zusammen war. Am Abend holte er sie zum Baseball spielen ab. Als sie wieder kam schrie sie irgendetwas von wegen Cullen solle sie in Ruhe lassen und rannte in ihr Zimmer. Sie kam mit gepackter Tasche wieder hinunter. „Lass mich gehen Charlie. Ich halte es hier nicht aus. Ich fahre zurück nach Phoenix." Sagte sie zu mir und verschwand. Ein paar Wochen später kamen sie zurück. Cullen und sie. Ihre Geschichte war haarsträubend. Von da an waren sie nicht mehr zu trennen. Manchmal hatte ich den verdacht das er auch Nachts hier war aber nie deutete etwas wirklich darauf hin. Ich kam in dieser Zeit gut mit ihm klar. Manchmal amüsierte ich mich in seiner Gegenwart sogar recht gut. Er hatte ein paar seltsame Eigenarten. Er blieb zum Abendbrot und aß nie, er bewegte sich vollkommen geräuschlos und manchmal dachte ich er währe allwissend. Aber das ist verrückt... Als die beiden aus Arizona zurück kamen hatte Bella ein dickes Gipsbein. Alice Cullen kam jeden morgen und kümmerte sich um sie. Alice war ein Engel. Sie fuhr sie auch jeden Morgen zur Schule, zurück brachte er sie dann. Sie verbrachte in diesem Sommer so viel Zeit mit dieser Familie... Jedenfalls kam eines Tages der Moment in dem er Bella verließ. Als deine Mutter mich verließ und Bella mit nahm, nahm sie mir alles. Aber mein Leben ging weiter. Nach dem Cullen weg war, war es als wäre Bellas Leben zu ende. Es war als wäre jemand gestorben. Ich war so hilflos. Fast ein halbes Jahr ging es so. Es war als wäre sie ein Zombie. Dann fand sie einen Freund. Jacob Black. Ich war so froh damals das sie endlich wieder anfing zu leben, jetzt weiß ich das damit der Moment gekommen war in dem ich meine Tochter nicht mehr kannte. Im nachhinein erfuhr ich einiges was sie in dieser Zeit hinter meinem Rücken getrieben hatte. Sie fuhr Motorrad und sprang von dreißig Meter hohen Klippen in den Pazifik und das sind nur die Dinge die ich erfahren habe. Ja und wie das Leben läuft stand Alice Cullen eines Tages wieder vor der Tür. Sie war allein und Bella war so extrem glücklich sie zu sehen das ich selbst froh war das sie da war. Zumal in dieser Zeit einer meiner besten Freunde gestorben war. Alice war wie eine Kerze in der Finsternis. Aber kaum zwei Tage später verschwanden sie und Bella plötzlich. Ich fand nur einen Zettel: „Ich bin mit Alice verreist. Edward steckt in Schwierigkeiten. Ich weiß der Zeitpunkt ist ungünstig und wenn ich zurück komme kannst du mir den Hausarrest meines Lebens verpassen. Ich hab dich lieb Bella." Du kannst dir meine Wut vorstellen. Was interessierten sie die Schwierigkeiten dieses Kerls? Er hatte sie verlassen... Ich dachte ich sterbe vor Angst. Und drei Tage später waren sie alle wieder da. Rosalie Cullen, eine wunderschöne Frau, hielt in einem schwarzen Mercedes vor unserem Haus und da kam er.

Er trug sie in den Armen als wäre nichts und sie wollte nicht weg von ihm. Sie sagte ich dürfe ihn nicht weg schicken und, und, und. Er brachte sie in ihr Zimmer und ging. Als sie wieder „bei Bewusstsein", sie war halb tot vor Müdigkeit als er sie her brachte, war erklärte sie mir irgendetwas von er hätte sie für tot gehalten und es sei sowieso alles ein Missverständnis gewesen und das sie und er nur im Doppelpack zuhaben währen. Wieder erst später erfuhr ich das sie zu diesem Zeitpunkt schon verlobt waren. Ja und dann verging der Sommer. Der letzte Sommer. Sie und die beiden Cullen Mädchen stiegen in dieses verdammte Auto und fuhren nach Alaska. Acht Stunden nachdem sie losfuhren bekam ich einen Anruf von den örtlichen Behörden. Wenige Tage später verließen Carlisle und Esme Forks. Ich glaube sie gingen nach Italien. Ihre Söhne waren Zeitgleich mit den Mädchen nach New Mexiko aufgebrochen. Keiner der Cullens war je wieder hier."

Ich hatte Charlie nicht ein einziges mal unterbrochen. Während des Erzählens spiegelten sich abwechselnd Hass und Wut, und Trauer auf seinem Gesicht. Die Geschichte um meine Schwester kam mir immer dramatischer vor und wieder einmal fragte ich mich warum Menschen sterben mussten wenn sie solche Zerstörung bei anderen Menschen hinterließen.

„Danke das du mir das alles erzählt hast. Was fühlst du wenn du an sie denkst?" fragte ich möglichst vorsichtig. Er überlegte kurz.

„Ich sehe sie vor mir. Spüre ihre warme Ausstrahlung und sehe sie lächeln. Sie war ein sehr liebenswürdiger Mensch. Sehr fürsorglich. Ich habe immer gewettet das sie eine sehr gute Mutter geworden wäre. Aber es lohnt sich nicht mehr sich Gedanken darüber zu machen."

Ja er hatte recht. Aber bei mir war es anders. Ich hatte früher Geschichten geschrieben und war gänzlich im Leben der Personen dieser Geschichten aufgegangen. Jetzt ging ich im Leben meiner Schwester auf. Ich brauchte um meinen Alltag zu überleben das Leben eines anderen um daraus einen Panzer über meine Haut zu spannen.

„Angela hat gesagt das Bellas Bett zu ihrem Grab geworden ist. Warum gibt es kein richtiges Grab von ihr?"

„Da Dr. Cullen den Auftrag gab seine Töchter vor ort zu begraben begrub man Bella fälschlicher weise mit ihnen und Reneè und ich waren uns einig sie nicht wieder ausgraben zu lassen."

„Kann ich ihr Bett sehen? Ich habe etwas was ich sehr gerne hier lassen würde..."

„Natürlich, komm mit."

Er führte mich die Treppe hinauf und öffnete eine Tür. Ein vollkommen unpersönliches Zimmer lag dahinter. Vielleicht wirkte es nur so weil man ihm so deutlich ansah das es sehr lange nicht mehr bewohnt gewesen war aber nur ein einziges Foto stand im ganzen Zimmer und auch sonst war alles unnatürlich aufgeräumt. Das Foto stand auf dem Schreibtisch neben einem Computer der aussah wie aus der Steinzeit. Es war ein Hochzeitsbild von Charlie und Reneè. Mein Blick fiel auf das Bett. Dort lagen vertrocknete Blumensträuße, Briefe und ein paar Geschenke, persönliche Gegenstände. Es sah tatsächlich aus wie ein Grab. Ich kniete mich davor auf den Boden und holte eine kleine goldene Kette aus der Tasche. Phils Mutter hatte sie mir Geschenkt als ich meine Periode bekam. „Weil du jetzt eine Frau bist." Hatte sie gesagt. Sie hatte sie zur selben Gelegenheit von ihrer Mutter bekommen und da sie keine Töchter hatte an mich weiter gegeben. Ich schenkte sie jetzt Bella. Ich wusste nicht genau warum ausgerechnet diese Kette aber sie war etwas persönliches und ich fand sie aus irgendeinem grund angebracht.

Das Foto von dem Angela mir erzählt hatte und das Fotoalbum von Bella das meine Mutter hier her gebracht hatte sah ich nicht.

„Ich habe in diesem Zimmer in fast vierzig Jahren genau zwei Dinge verändert. Als Bella wieder nach Forks kam habe ich ihr ein richtiges Bett hineingestellt und einen Computer. Danach habe ich nie wieder etwas verändert." Sagte Charlie. In seinen Augen glitzerten Tränen.

„Oh Charlie." Ich schlang meine Arme um ihn. „Du musstest nicht mit hierher kommen." Ich schob ihn sanft zur Tür hinaus. Im Wohnzimmer setzte ich ihn aufs Sofa und machte ihm einen Kaffee. Wir redeten nicht mehr viel und ich ging wieder nach Hause zu Angela.

„Oh du bist wieder da. Schön. Heute Abend habe ich ein paar alte Freunde von Bella angerufen und sie zum Abendessen eingeladen. Hast du ein bisschen schicke Garderobe mit?"

„Nein so was hab ich überhaupt nicht. Ist das schlimm? Wer kommt denn alles?" fragte ich neugierig.

„Nein das ist überhaupt nicht schlimm. Du kriegst was von mir. Als Mike Newton und Jessica Stanley haben zugesagt und bringen natürlich ihre Familie mit. Ach und ich erwarte noch eine Antwort von Tyler und Lauren."

Angela war voll in ihrem Element während sie mit mir zusammen das Abendessen vorbereitete. Sie kochte und ich richtete das Wohnzimmer her. Als ich ihr später beim Abwaschen half schob sie die Ärmel ihrer Bluse hoch und ich sah unzählige, lange, dünne Narben auf ihren Armen.

„Angela, wieso hast du das gemacht?" fragte ich. Meine Stimme zitterte vor Empörung und Schock. Ich hatte sie für sehr bodenständig gehalten. Schnell zog sie die Ärmel wieder herunter. Sie sah mich nicht an als sie antwortete:

„Es gab eine Zeit in der ich sehr unglücklich war. Eine Zeit in der ich nichts mehr hatte. Ich ertrank in meiner Verzweiflung und nur wenn die Klingen meine Haut durchbohrten schien sie für eine Weile mit dem Blut aus meinem Körper zu strömen. Ich habe Botschaften auf meinem ganzen Körper hinterlassen."

„Was für Botschaften?" Ich sah immer noch auf ihre wieder bedeckten Arme. Sie zog ihre Bluse über dem Bauch hoch und dort stand „Bella, Hilfe. Hilfe, Bella." Dann legte sie ihre Handrücken daneben und mir fielen kaum sichtbare Linien darauf auf. Links stand „Love" und rechts: „Hate". Ich strich sacht über sie Narben. Sie waren spuren von dunklen Zeiten. Spuren der Abnutzung auf einem Körper der ein hartes Leben bestritten hat.

„Jetzt ist es vorbei oder?" fragte ich leise.

„Ja" sagte sie und zog ihre Bluse wieder herunter. „Die Verzweiflung ist weg. Jetzt ist nur noch die Trauer da. Es ist gut das du hier bist Magda. Es gibt wieder etwas was ich liebe, jemand mit dem ich lachen kann."

„Das ist gut. Dann bleibe ich noch einen Monat länger hier." Wir umarmten uns. Ich überlegte ob allein der Tod meiner Schwester der Grund für ihre Verzweiflung war, aber ich fragte nicht.

Später kamen die Gäste zum Abendessen. Angela hatte mir ein schwarzes Kleid geliehen. Sie selbst trug ein blaues Kleid mit langen Ärmeln. Als erstes kam Mike. Seine Freundin hatte braune Haare und Augen und war relativ unscheinbar. Bildete ich mir die oberflächliche Ähnlichkeit mit Bella nur ein? Mike hatte etwas längere blonde Haare die er immer wieder mit der Hand sorgfältig zerwühlte. Außerdem ließ er sich einen Dreitagebart stehen.

„Hallo Ange." Begrüßte er Angela und sie umarmten sich. Auch Mike und seine Freundin waren relativ schick gekleidet.

„Und du bist Magdalena?" wandte er sich an mich.

„Ja, nur Magda bitte." Sagte ich und gab ihm die Hand. Auch er sah mich nach diese Äußerung kurz seltsam an bevor er zur Seite trat und seine Freundin zu mir kam. Sie stellte sich als Nicole vor und machte einen extrem reservierten Eindruck.

Jessica tauchte mit einem fünf jährigen Sohn und ohne Mann auf. Sie machte auf mich den Eindruck eines Workaholic. Auch Tyler ließ sich sehen und er wiederum wirkte mehr wie ein abgedrehter Bastler. Ob er an Autos oder Schwerkrafttheorien bastelte wollte ich allerdings nicht festlegen. Alle sahen mich auf die Aufforderung: „Nur Magda bitte." Irritiert an.

Beim Essen hakte ich deshalb nach.

„Na ja, als Bella damals zu uns kam hat sie auch jeden der ihren vollen Namen nannte korrigiert." Erzählte Mike mir.

„Und bei Sport hat sie dich einmal fast mit ihrem Badmintonschläger erschlagen." Erinnerte Tyler sich grinsend.

„Und du wolltest sie zum Ball ausführen als sie in Edward Cullens Händen war. So bescheuert eh." Gab Mike grinsend zurück.

„Oh Mann hat der Typ mich zur Schnecke gemacht. Dafür würde ich ihm gern noch mal eine reindrücken." Ging Tyler gutgelaunt drauf ein. Jessica und Nicole sagten nichts.

„Was hat er noch mal gesagt? Du kennst den wortlaut doch bestimmt noch." Zog Mike weiter.

„Ich glaube er sagte: „Tut mir leid Tyler, Bella ist heute unabkömmlich." Und als ich sagte: „Oh na ja, vielleicht ein andermal." Sagte er: „Nein sie wird von jetzt an jeden Abend unabkömmlich sein. Für jeden außer mir." Es klang echt als wolle er mir drohen. Der Typ war schon seltsam."

Mit der Widergabe solcher Anekdoten von denen ich manche schon kannte und manche noch nicht. Auch eine Haarsträubende Geschichte über Riesenwölfe war dabei.

Das war das wesendliche was ich bei meiner Reise nach Forks herausfand über meine Schwester und ihre Freunde. Beim Abschied von Angela tauschten wir alle Daten wir brauchten um in Kontakt zu bleiben. Pager und Handynummern, e-Mail Adressen und Adressen.

Schon als ich am Abend landete piepte mein Pager. „Ach Magda, hoffe du bist gut gelandet. Das Haus ist ganzschön leer ohne dich. Miss u Angela."

Ich schrieb sofort zurück und wir schrieben von jetzt an fast dauernd. Bei mir begann das College. Da Mum mich nicht hatte auf ein entferneres College hatte gehen lassen wollen besuchte ich das College in Jacksonville.