Kapitel 3
Ihr Magen knurrte.
Sie brauchte was zu essen und das war die perfekte Zeit für Mittag, eine dringend notwendige Chance ihren Kopf freizubekommen. Zum Glück hatte Lanie Zeit und zugestimmt sie bei einem neuen Bistro-Café, das sie beide ausprobieren wollten, zu treffen.
Etwas von dieser Befragung war haften geblieben, bohrte sich in ihre Gedanken, aber sie würde diesen Fall nicht mit ihrem Kopf spielen lassen. Ehemänner betrogen ständig ihre Frauen, aber sie wusste, es war ausgeschlossen, dass Castle sie je betrügen würde. Die Paranoia war das Ergebnis ihrer Hormone, pflanzte Samen von irrationalen Gedanken, wo sie nicht gebraucht wurden.
Kate hatte Glück. Castle war ein großartiger Ehemann. Sein einziger Fehler in letzter Zeit, war der, dass er sie mit seinem übertriebenen Bedürfnis sich um sie zu kümmern, nervte. Als wäre das was Schlimmes.
War es nicht. Es war ihr Problem und ihres allein, dass alles, was er in letzter Zeit tat, unter ihre Haut ging. Er verdiente ihre Genervtheit nicht.
Er versuchte – versuchte es wirklich – gut zu ihr zu sein. Mann, sie schuldete ihm wirklich was. Sie musste herausfinden, wie sie ihm seine Güte zurückzahlen konnte. Sie musste ihn morgen am Valentinstag irgendwie überraschen, etwas Unerwartetes tun.
Als sie im Erdgeschoss aus dem Fahrstuhl stieg, fühlte sie ihr Handy in ihrer Tasche vibrieren. Es war wahrscheinlich Castle, der sich fragte, ob er ihr was bringen konnte. Ihr Herz flatterte bei dem Gedanken; ihr übermäßig fürsorglicher, aber süßer Ehemann.
Als sie nach dem Gerät griff, war sie überrascht Alexis' Gesicht auf ihrem Bildschirm zu sehen.
„Hey Alexis, alles in Ordnung?", fragte Kate, während sie ihre Schlüssel aus ihrer Tasche zog und sich umschaute um ihr Auto auf dem Parkplatz zu finden. In letzter Zeit war sie vergesslich, ein netter Nebeneffekt der Schwangerschaft, vor dem sie keiner gewarnt hatte. Auf ihre Suche konzentriert, überhörte sie fast die Stimme am Ende der Leitung.
„Ja, alles in Ordnung. Ich kann nur Dad nicht erreichen", sagte Alexis atemlos. „Ist er bei dir?"
Kate blieb stehen, auf einmal von dem Anruf besorgt, als sie ihr Auto sah.
„Nein, ich bin auf dem Weg, Lanie zum Mittag zu treffen", erklärte sie und richtete ihre Tasche auf ihrer Schulter, während sie weiterging. „Er ist vor mehr als einer Stunde gegangen um irgendwelche Besorgungen zu erledigen."
Alexis seufzte und stieß ein leises Lachen aus.
Verdächtig.
„Oh, das stimmt."
„Das stimmt? Was hat er vor?" Sie hasste Geheimnisse. Nun, vielleicht nicht hassen, sie war nur nicht unbedingt ein Freund davon, außen vor gelassen zu werden.
„Kate, ich musste ihm versprechen, nichts zu verraten." Ihr Ton war locker, aufziehend. Wenigstens konnte sie auf Alexis zählen, sie nicht mit Samthandschuhen anzufassen. Endlich bei ihrem Auto, wartete sie eine Sekunde, schmiedete einen Plan.
„Ich bin sicher das hat er. Aber wie wär's, wenn du Lanie und mir beim Mittag Gesellschaft leistest und ich dich in Versuchung führe?"
Sie streckte ihre Hand aus und öffnete die Fahrertür, faltete ihren Körper hinter das Lenkrad und sank in ihren Sitz. Wenn Alexis ihr nicht erzählte, was Castle geplant hatte, würde sie es vielleicht einer gewissen Gerichtsmedizinerin sagen.
„Mittag klingt gut, aber sein Geheimnis ist bei mir sicher", sagte Alexis mit einem sanften Lachen.
„Dämliche Vater-Tochter-Verbindung", neckte sie. „Ich bin auf dem Weg zu Joe's Café in der Zweiten."
„Wir sehen uns da, aber meine Lippen sind versiegelt."
„Mhm, wir werden sehen." Kate legte ihre Hand auf ihren Bauch, fühlte ihre Tochter zustimmend treten. „Ich kann es nicht erwarten, bis diese Kleine alt genug ist Geheimnisse vor dir und deinem Dad zu haben."
Castle betrat komplett entmutigt das Loft. Er war stundenlang durch die Stadt gelaufen, auf der Suche nach der perfekten Idee für Kates Valentinstagsüberraschung. Nie zuvor war er so hinterher diesen Feiertag zu planen, aber mit ihrem letzten Urlaub und dem Leben generell, hatte er die Zeit komplett aus den Augen verloren.
Nachdem er Stunden damit verbracht hatte, ziellos durch die schneebedeckten Straßen zu wandern, war ihm jetzt kalt und er fühlte sich besiegt. Jahrelang hatte er nie ein Problem ein romantisches Andenken zu finden oder den perfekten Abend in der Stadt zu planen, aber dieses Jahr fand er alle Ideen klischeehaft und oberflächlich. Das war Kate.
Seine Frau.
Sein Immer.
Sie trug sein Kind und verdiente um einiges mehr als Diamanten und Blumen. Er würde ihr die Sonne und den Mond geben, wenn das möglich wäre, etwas, das so viel Bedeutung hatte wie sie. Die letzte Woche war schwer gewesen, jeder weitere Tag ihrer Schwangerschaft ließ sie irrationaler werden. Er versuchte verzweifelt sie glücklich zu machen, aber entweder tat er zu viel oder nicht genug. Er war mal so gut darin gewesen, sie zu lesen, aber jetzt schien er vollkommen verloren zu sein, und er hasste es.
Er brauchte ein Wunder.
… eine geheime Waffe.
Er musste Jim anrufen.
Alexis saß bereits neben Lanie, als Kate es geschafft hatte einen Parkplatz zu finden und in das Restaurant zu gehen – wem machte sie was vor – watscheln. Sie war nicht so dick wie andere schwangere Frauen, aber ihre Tage von Power Walking waren vorbei, zumindest so lange, bis ihre Kleine auf die Welt kam.
„Alexis hat mir gerade alles von ihrem Freund erzählt", sagte Lanie mit einem wissenden Schmunzeln, während Alexis errötete.
„Du hast noch nicht alles darüber durch die Gerüchteküche auf dem Revier erfahren?", neckte Kate, warf ihren Mantel auf ihre Tasche und sank auf einen leeren Stuhl.
„Lustig." Alexis verdrehte ihre Augen in Kates Richtung, bevor sie ihre Aufmerksamkeit auf die Gerichtsmedizinerin richtete, die sich kaum zusammenreißen konnte.
„Siehst du nicht bezaubernd aus", gurrte Lanie, wandte sich an Kate und versuchte ein Lachen auf ihre Kosten zu unterdrücken.
„Nenn mich noch einmal bezaubernd und ich schlag dich."
„Oh Mädchen. Jetzt weiß ich, wieso du angerufen hast. Wenn du so schnippisch mit mir bist, kann ich mir nur vorstellen, was Castle ertragen muss."
Kate verengte ihre Augen ihrer Freundin gegenüber und biss auf ihre Lippe. Lanie hatte nicht ganz Unrecht, und Alexis' Nicken in ihrem Augenwinkel bestätigte das nur. Gott, ihr Ehemann war ein Heiliger.
„Okay, du hast Recht. Deswegen seid ihr beide hier… in letzter Zeit bin ich eventuell etwas zu hart mit ihm."
Sie sah, wie Alexis eine Grimasse zog und sie unterstützend anlächelte.
„Vielleicht nur ein bisschen. Erst seit kurzem. Du warst nicht die ganze Zeit schlimm", erklärte Alexis, streckte sich nach ihrer Hand und drückte sie. „Es scheint fast so, als hättest du mit Erreichen deines dritten Trimesters deine Geduld mit meinem Dad verloren."
„Normalerweise tut er alles, um meine Geduld auf die Probe zu stellen…"
„Stimmt, aber in letzter Zeit… Es ist mehr, als würde er auf Eiern laufen."
„Du hast recht. Ich bin grauenvoll", seufzte sie. „Ich brauche eine Idee, aber…"
Der Kellner begrüßte sie und beendete damit die Unterhaltung zeitweilig, während sie bestellten. Das Reden mit dem Kellner war genug Ablenkung, dass sie das Thema wechselten und begannen über Lanies und Alexis' Liebesleben zu reden. Sie hatten fast den eigentlichen Grund ihres Mittags vergessen, bis ihr Essen ankam.
Es schien Lanie wieder einzufallen, also wandte sie sich erneut dieser Aufgabe zu. „Der Mann hat alles", fügte sie zwischen zwei Happen ihres Salats ein, während sie für einen Moment von der Größe von Kates Truthahn-Club-Sandwich fasziniert war. Dieses Restaurant war den Hype definitiv wert, der auf dem Revier darum gemacht wurde.
„Er hat wirklich alles", stimmte Alexis zu, spielte mit dem Strohhalm in ihrem Eistee. „Und ich denke nicht, dass er will, dass du dir Sorgen darüber machst, was du ihm zum Valentinstag schenken sollst."
Das war ein Argument. Sie hatten eine Tradition von Gesten oder handgemachten Andenken, wenn es um die typischen kommerziellen Feiertage ging, auch wenn er selten dabei blieb.
Castle kaufte gerne Dinge für andere, aber er kaufte auch eine Menge für sich. Er hatte eine impulsive Persönlichkeit, die definitiv dazu führte jedes Gerät zu kaufen, sobald es die Regale erreichte, was Weihnachten und Geburtstage schwierig machte.
Aber für Valentinstag – dieses Jahr würde eine Geste funktionieren, wäre wahrscheinlich das Beste.
„Das hilft tatsächlich", sagte sie, ihre Lippen formten sich zu einem Lächeln.
Alexis strahlte Kate an, während ihre Freundin von ihrem Teller aufsah und eine Augenbraue hob.
„Tut es? Mädchen, die Schwangerschaft muss wirklich verrückte Dinge mit deinem Verstand anstellen. In wie fern war irgendwas an dieser Unterhaltung hilfreich?", fragte Lanie ungläubig und Kate warf als Antwort ihre Serviette nach ihr."
„Castle ging es nie um Geschenke von mir. Es ging immer um die Geste. Also habe ich die perfekte Idee, wie ich ihn überraschen kann. Etwas, das wir eine Weile nicht gemacht haben." Sie steckte sich eine Pommes in den Mund und Lanies Augen weiteten sich.
„Oooh, ist das eine freakige Sex Sache?", fragte sie, lehnte sich näher und Alexis stöhnte, versteckte ihren Kopf hinter ihren Händen.
„Lanie, wir reden von meinem Dad."
„Stimmt", lenkte sie ein und legte ihre Hand auf Alexis' Schulter. „Kate, du sagst mir später, ob es eine freakige Sex Sache ist, oder?"
„Es ist keine freakige Sex Sache", lachte sie trocken und verdrehte ihre Augen über Lanies Schwachsinn. Offensichtlich war das Liebesleben, das ihre Freundin angab zu haben, nicht genug, wenn sie sich immer noch um Kates Sexleben Gedanken machte.
„Können wir aufhören freakige Sex Sache zu sagen, wenn wir von meinem Vater reden?", flehte Alexis, verzog ihr Gesicht auf eine Weise, die sie um einiges jünger wirken ließ als sie war. So süß und kindisch ihre Reaktion auch war, Kate stimmte zu.
„Natürlich."
„Ihr müsst beide ein bisschen leben", sagte Lanie und spießte eine Tomate mit ihrer Gabel auf. Kate schüttelte ihren Kopf bei dem Grummeln von der anderen Seite des Tisches und aß ihr Sandwich auf. Sie wusste, es war nur eine Frage der Zeit, bevor sie zurückgerufen wurde. Jetzt, da sie Captain war, brauchte sie immer irgendjemand.
Gerade als sie daran dachte, vibrierte ihr Handy und bewies es. Sie griff danach, sah das Bild auf ihrem Bildschirm aufleuchten und winkte mit dem Gerät den beiden anderen zu.
„Sorry, ich muss da rangehen", flüsterte sie und hob das Handy an ihr Ohr. „Beckett."
„Wir haben die Frau gefunden. Wir bringen sie rein", sagte Ryan, seine Stimme zögernd. Niemand wollte, dass die betrogene Frau der Mörder war, aber es war immer die logischste Option.
„Haben wir Beweise um sie anzuklagen?"
„Noch nicht, wir holen sie nur für eine Befragung. Aber ich fühle mit ihr. Wenn sie von der Affäre wusste? Das ist erschütternd genug, aber dann endet dein Ehemann auch noch tot."
„Sie könnte immer noch eine brauchbare Verdächtige sein", bemerkte sie. Sie hoffte, dass sie falsch lag, aber sie konnte vorgefasste Gedanken nicht mit der Wahrheit kollidieren lassen.
„Könnte sein."
Die wahren Opfer waren die Kinder des Paares und der Gedanke allein ließ ihr Herz ganz und gar sinken. Ein Elternteil zu verlieren war nie einfach. Sie hatte ihre Mutter verloren, als sie erwachsen war und es hatte sie zerbrochen. Sie konnte sich nicht vorstellen, wie es gewesen wäre ihre Mutter in jüngeren Jahren zu verlieren. Sie hatten erfahren, dass die Kinder des Opfers jung waren, so jung, sie würden sich womöglich nicht an ihren Dad erinnern, wenn sie größer waren.
Das war alles herzzerreißend.
„Betrogene Frau oder nicht, wenn sie die Mörderin ist, hat sie mehr als nur ihren Ehemann getötet. Dann hat sie eigenhändig ihre eigene Familie zerstört."
„Hoffentlich kann Espo mehr rausfinden."
„Nein. Ich bin auf dem Weg. Sie ist schwanger und emotional. Vielleicht ist sie empfänglich für mich, da wir beide schwanger sind." Kate stand auf und warf sich ihre Jacke über, schob ihr Handy in ihre Tasche. „Sorry, dass ich das unterbrechen muss."
„Die Pflicht ruft", sagte Alexis lächelnd. „Ich hoffe, morgen klappt alles."
„Ich auch." Sie ging um den Tisch herum und gab Alexis und Lanie flüchtige Umarmungen, bevor sie aus der Tür eilte.
Oder so gut eilte wie sie es konnte…
