Das Erwachen eines Magus
Kapitel 3 - Freitag, 21. Juli - Tag 1
Code Purple
Sylvia Forester hatte die seltene Ehre und die damit verbundene Last, in dem Team zu sein, welches den ersten Magus seit 600 Jahren entdeckt hatte. Und laut den Archiven war der Magus, den man im 14. Jahrhundert entdeckte, der schwächste von allen, wenn man einen Magus als schwach bezeichnen könnte. "Sehen wir mal ... wenn ich mich richtig an die Entdeckungen von Albus errinnere, hat es in den letzten viertausend Jahren sechs Magi gegeben. Ich weiß, Fudge wird hysterische Ausbrüche haben, aber laut Ministeriumsverordnung ist es mein Recht als höchstes Mitglied des Entdeckerteams, den Mentor für einen neu entdeckten Magus auszusuchen. Es muss Albus Dumbledore sein, selbst wenn der von ihm auszubildende Magus nicht Harry Potter wäre."
Mit ihrer linken Hand holte sie ihr Amulett hervor. Es wurde normalerweise dazu benutzt, um andere Ministeriumsangestellte zu kontaktieren, aber in ihrem Fall war es außerdem so gemacht, dass man durch die beträchtlichen Verteidigung von Hogwarts kam und den Schulleiter erreichen konnte. Als sie das Amulett leicht nach oben kippte, entwickelte die silberne Platte ein dunkles Glühen. Mit ihrem Zauberstab zeichnete sie mit drei Umdrehungen im Uhrzeigersinn einen Kreis mit einem Durchmesser von ungefähr einem halben Meter. Dabei sprach sie eine Formel. "Telesensorium ad Albus ab Sylvia." Der Kreis füllte sich mit grauem Rauch.
Eine Stimme flüsterte aus dem Kreis. "Quis vocatus?" (Wer ruft?). Auf der anderen Seite des Zaubers hörte Albus Dumbledore die letzten Worte des Zaubers, "ab Sylvia" (von Sylvia). "Volo!" Albus akzeptierte den Ruf glücklich und als sich der graue Rauch lichtete, sahen die beiden den jeweils anderen im Kreis.
"Sylvia, meine liebe, es muss schon lange her sein! Aber wenn ich bedenke, dass das erst das zweite Mal in deinen zehn Jahren im Ministerium ist, dass du mich rufst, muss ich doch fragen, was los ist, Kind?" Dumbledores zuerst glückliche Stimme klang nun besorgt.
"Obwohl dieser Zauber vor Mithörern schützt, werde ich nicht zuviel sagen. Ich bitte dich nur, dich an die Arbeit zu errinnern, die du gemacht hast, um Amalthea die Schau zu stehlen. Die Arbeit, von der ich so fasziniert war." Sylvia hasste es, so ausweichend zu sein. "Ich habe gerade eine praktische Demonstration vom behandelten Stoff gesehen."
"Höhere Kräfte! Bist du sicher?" Dumbledore hörte sich aufgeregt, benommen, aber auch zum Teil ängstlich an. "Bitte sag mir nicht es ist..."
"Nein! Ich weiß, du hattest immer vor dieser Möglichkeit Angst, aber nein, es ist nicht... Tom." Sylvia beeilte sich, ihn zu beruhigen. Nein, es war definitiv nicht Voldemort. Dumbledore hatte sich im Geheimen immer davor gefürchtet, dass Tom Riddle / Voldemort sich eines Tages zu einem Magus entwickeln und unbesiegbar werden würde. Er hatte es irgendwie gespürt, dass der nächste Magus erwachen würde, wenn er noch lebte. "Wie bald kannst du hierher kommen? Du musst unbedingt der Mentor werden!"
"Gib mir zehn Minuten: fünf, um Minerva zu erklären, warum ich weg muss und weitere fünf, um außerhalb des Schulgeländes zu kommen, damit ich apparieren kann. Ich rufe dich in zehn Minuten zurück, damit ich den Kreis benutzen kann und damit zu dir kommen kann. Du bist in einem Muggelgebiet, nicht wahr?"
"Ja. Ich werde auf dich warten. Erasmus redet gerade mit ... ihm ... um zu erfahren, was genau vorgefallen ist. Ich habe gerade die Muggelzeugen befragt. Ja, ich weiß, wenn man unsere Ministeriumspositionen bedenkt, dann hört sich das zurückgeblieben an, aber diese Muggel wussten bereits über die Zauberwelt Bescheid und sind ziemlich intolerant. Du weißt, wie schnell Erasmus in solchen Situationen seine Geduld verliert. Ruf bitte bald an."
"So schnell ich kann, Kind. Finis!" Dumbledore trennte die Verbindung.
"Sir, ich habe mich gefragt...", fragte Harry als sie durch den Wald zum verstorbenen Todesser gingen. "Sie sagten, Ihr Name sei Trelawney?"
Erasmus kicherte. "Mit Sicherheit hast du Sibyll getroffen. Du bist schon in Hogwarts seit ... wie lange ... vier Jahren?"
"Ja, Sir", antwortete Harry.
"Nun, sie hat dich mehrere Male erwähnt und immer behauptet, alle Erlebnisse, die du hattest, vorhergesehen zu haben. Ich zweifle daran, dass sie dieses Erlebnis vorhergesehen hatte. Obwohl sie meine Schwester ist, fürchte ich, sie ist der Inbegriff vom Sprichwort 'Die, die es nicht können, lehren'. Ein wehmütiges Lächeln erschien auf Erasmus' Gesicht, als er an seine ausgefallene Schwester dachte.
"Trotzdem hat sie mindestens eine Vorhersage gemacht, die gestimmt hat." Harry fühlte seltsamerweise, dass er diesem Mann erzählen musste, dass seine Schwester nicht total falsch lag.
"Nein, du machst Witze!" Erasmus lächelte leicht, etwas, das er selten tat.
"Ja, es war ganz anders als normalerweise und als ich es Professor Dumbledore erzählte, stimmte er mir zu, dass es eine richtige Vorhersage war. Und dass es schon einmal davor geschehen war." Auch Harry lächelte, etwas, von dem er nicht sicher war, ob er es bereits wieder konnte. Dann blieb er plötzlich stehen. "Er ist dort drüben, Sir." Harry deutete auf eine Lichtung gleich vor ihnen.
Sie näherten sich langsam. Der Todesser lag auf dem Boden. Sein Zauberstab war gesplittert und es war nichts mehr davon übrig außer dem Stumpf, den der Todesser in der geschwärzten Hand hielt. In seinem Gesicht sah man die klassischen Anzeichen des Todesfluches... Schrecken, Qual und ein mattes grünes Leuchten. Erasmus beugte sich über ihn, um ihn genauer begutachten zu können. Dann zog er seine Hand zurück. "Harry, hier ist eine Menge übriggebliebener Energie. Ich denke, es ist eine Art Bindung. Ich weiß, es ist früh, dich zu fragen, aber könntest du versuchen, die Bindung aufzulösen? Dann könnte ich ihn genauer inspizieren und wir könnten ihn auch bewegen."
Harry atmete tief ein. "Ich bin mir nicht sicher, was ich tun soll."
"Wenn ich Recht habe mit dem, was mit dir geschehen ist, dann hast du eine Art instinktives Wissen in dir. Versuche, dich zu entspannen, und rufe einen kleine Menge der purpurnen Aura hervor, sagen wir, nur ein kleines Bisschen in einer Hand. Dann versuchst du, die Spuren der purpurnen Kraft an der Leiche zu erkennen und sie zu entfernen." Harry war bei dem Wort 'Leiche' zurückgewichen. "Harry! Nimm es nicht so schlimm! Dieser Mann hat einen unverzeihlichen Fluch benutzt, diente dem dunkelsten Zauberer in tausend Jahren und du hast keinen Grund, dich schuldig zu fühlen, weil du dich verteidigt hast und den Fluch auf ihn zurückgeworfen hast. Und jetzt versuche, was ich dir vorgeschlagen habe! Komm schon! Stell dir vor, das ist eine Prüfung in Hogwarts."
Die verbale Ohrfeige, die Erasmus ihm gegeben hatte, spornte Harry an. Harry atmete langsam und entspannte sich. Als er seine Hand ausstreckte, begann sie leicht purpurfarben zu glühen. Er bewegte seine Finger und da erschienen purpurn leuchtende Fäden aus Licht um die Leiche, die wie ein Netz ineinander verwoben waren. Sie entwirrten sich langsam und wurden in das Leuchten in Harrys Hand gezogen. Als alle Fäden verschwunden waren, verschwand auch das purpurne Leuchten.
"Gut gemacht, Harry! Siehst du, ich wusste du könntest es kontrollieren." Die Worte von Erasmus hoben eine Last von Harry und seine Angst, er wäre ein außer Kontrolle geratener Freak geworden, wurde weniger.
Nun konnte er die pulsierende Kraft in ihm noch deutlicher spüren. Es war mehr Kraft in ihm als er jemals zu träumen wagte. Aber er wusste, sogar wenn er Fehler machte, wenn er diese Kraft zu beherrschen lernte, würde er doch nicht ganz seine Kontrolle verlieren. Überstürze einfach nichts ... dachte Harry.
Erasmus legte als Vorbereitung seine eigenen Zauber auf die Leiche, damit er später eine Truppe vom Ministerium rufen konnte. "Lass uns den Zustand des anderen Todessers kontrollieren, bevor ich die Aufräum-Mannschaft hole."
Der andere Todesser lag in einer gleichen Position: gesplitterter Zauberstab und gequältes Gesicht. Aber, "Oh mein Gott, ich habe nicht bemerkt, dass es eine Frau war!" Harry schüttelte langsam seinen Kopf.
"Oh, Matilda, wie konntest du?" Erasmus erkannte die Frau als Vergissmich seiner Abteilung im Ministerium. Er hatte keinen Zweifel daran, dass sie Harry angegriffen hatte. Erasmus hatte in dieser kurzen Zeit ein unerschütterliches Vertrauen in Harry entwickelt. "Harry, bitte entferne deine Bindung sobald du dazu bereit bist, ok?" Erasmus hatte keinen Scherz gemacht, als er gesagt hatte, er würde es merken, wenn ihm Harry Märchen erzählen würde. Es war eine seiner Gaben, eine Art Wahrsagerei. Er wusste, wenn ihn jemand anlog, auch wenn er nicht wusste, welche Wahrheit sich hinter der Lüge versteckte. Aber er hatte Matilda nicht gut gekannt, und die Unterhaltungen, die sie geführt hatten, drehten sich nie um Themen, die ihm erlaubten, ihre Verbindung mit Voldemort aufzudecken.
Diesmal hatte Harry mehr Vertrauen in sich selbst, als er seine Zauber von Matilda entfernte. Es schien, als hätte die Bindung manche Eigenschaften eines Beruhigungs-Zaubers, denn als die Verbindung getrennt war, musste sie tief einatmen. Sie begann zu zittern und vor Schmerzen zu stöhnen. "Nein! Keiner sollte mit diesem Zauber gefangen sein", erklärte er. Er erinnerte sich daran, als er vor ein paar Wochen vor Voldemorts Füßen gelegen war und den Schmerz von einem sich immer wieder wiederholenden Crucio ertragen musste. Er streckte beide Hände mit den Handflächen nach unten aus. Das purpurne Leuchten wurde stärker und bedeckte Matilda wie eine funkelnde Decke. Sie hörte zu zittern auf, der Atem wurde langsamer, und nach wenigen Augenblicken war sie in einen tiefen Schlaf gefallen.
Erasmus konnte selber fast nicht atmen. Harry hatte den Effekt von Crucio zur Gänze deaktiviert, einem Fluch, der offenbar noch durch das Magusschild, das Harry beschützt hatte, verstärkt worden war. Er dachte, wenn ich irgendjemandem auf dieser Welt die Mächte eines Magus anvertrauen würde, würde es dieser junge Mann sein. Er versucht sogar, den Schmerz seiner Feinde zu lindern.
Erasmus platzierte seine eigenen Zauber auf dem Todesser, dann stand er auf und drehte sich zu Harry. "Es ist Zeit, die Aufräum-Mannschaft des Ministeriums herzuholen. Es wäre das beste, wenn du nicht da wärst. Es gibt eine Verordnung des Ministeriums, die besagt, dass ein ... jemand wie du ... geheimgehalten werden solltest, bis du dich der Situation angepasst hast."
Harry schaute nach oben und starrte Erasmus an. "Dann weißt du, was mit mir passiert! Erzähl es mir!" In seiner Besorgnis merkte Harry nicht, dass seine Augen zu leuchten begannen, in smaragdgrün und auch in purpur.
Erasmus fühlte sich tapferer, als er je in seinem bisherigen Leben gewesen war. "Harry, vertrau mir. Es ist zwar nicht meine Aufgabe, dir alles zu erklären, aber ja, ich denke, dass ich weiß, was mit dir passiert. Da Sylvia im Ministerium einen höheren Rang als ich hat, denke ich, wenn diese Muggel auch nur die Hälfte von dem, was du erzählt hast, erzählen, dann wird sie jemanden kontaktieren, der sich um dich kümmert und dir alles erklärt. Bitte, Harry. Vertraue mir, wie ich dir auch vertraue."
Harry war geschockt. Erasmus vertraute ihm, obwohl er gesehen hatte, was aus ihm geworden war, und Harry sich nicht einmal sicher war, ob er sich selbst vertrauen konnte. Das letzte Stück seiner Angst schwand dahin. Er war noch immer vorsichtig... wer würde das nicht sein, mit soviel Kraft in sich selbst ... aber er war erstaunt, dass Erasmus ihm soviel vertraute. "Danke, Erasmus", flüsterte Harry. Und dann ein bisschen lauter, "Natürlich vertraue ich Ihnen und Miss Forester, Sir. Soll ich dann zurück in das Landhaus gehen?"
Erasmus nickte, als er ein Amulett unter seinem Shirt hervorholte. Es war genau so eines wie das, das Sylvia benutzt hatte, um Dumbledore zu kontaktieren. Als Harry durch den Wald zurückging, hörte er, wie Erasmus den Telesensorium ausführte und begann, mit jemandem zu sprechen. Er blieb stehen, um zu lauschen. Ich habe hier zwei Todesser, die in Gewahrsam genommen werden müssen. Nun, einer ist tot, der andere lebt noch."
"Was zur Hölle ist dort los, Erasmus?", kam eine dünne Stimme.
"Stell keine Fragen, Kamerad. Dies ist ein Code Purple", sagte Erasmus mit breitspuriger Stimme, der gleichen, die Harry am Anfang gehört hatte.
"Du machst einen Witz, Kumpel! Es ist bereits mehr als 600 Jahre her, seit der letzte..."
"Ich meine es so!", sagte Erasmus kalt. "Weißt du nicht, welche Strafe einem blüht, der fälschlicherweise einen Code Purple sendet?"
"Sag mir doch, wer es ist, 'Ras, alter Kollege, Kumpel." Die dünne Stimme wurde flehend.
"Du weißst ganz genau, dass die Identität, ja sogar die Existenz eines Code Purple als strengst geheim zu klassifieren ist, bis er trainiert wurde und bereit ist, das Geheimnis zu lüften. Ministeriumsverordnung, und mein Gefühl sagt mir das gleiche." Erasmus verlor seine Geduld mit diesem neugierigen Arbeitskollegen. "Schick einfach nur die Aufräum-Mannschaft her. Und zwar gleich!", rief er.
Harrys Gedanken rasten. Er war 'streng geheim'? "Ich denke, die Dursleys werden diesmal nicht ohne eine Gedächtniskorrektur davonkommen", murmelte er. Je mehr Gedanken er sich darum machte, desto sicherer fand er es, wenn sie sich nicht daran erinnerten, was vorgefallen war. Sie waren in Gefahr gewesen, und das nur wegen ihm. Er hasste es, wie sie ihn behandelten, aber er erkannte, dass die Rache, von der er oft träumte, nichts bringen würde. Er musste darauf bestehen, dass jemand einen anderen Wohnplatz für den Sommer für ihn fand, irgendwo, wo die Leute um ihn herum nicht hilflos gegen seine Feinde waren. Dort, wo die Leute um ihn herum nicht in Gefahr vor der Kraft, die in ihm wuchs, waren.
Der graue Kreis formte sich vor Sylvia. "Endlich! Volo!", schrie sie. Sie übersprang den Frageteil des Rituals und fuhr gleich mit dem Antwortenteil fort.
Dumbledore gluckste, als sein Gesicht im Kreis erschien. "Ich nehme an, du bist bereit, meine liebe." Er versuchte tapfer, sein Lachen zurückzuhalten. Er liebte dieses Mädchen, sie hatte ein Temperament wie Amalthea und sah auch so aus wie sie.
"Vidi!" (ich sehe) sagte Sylvia. Der Kreis weitete sich auf fast 2 Meter Durchmesser.
"Veni!" (ich komme) antwortete Dumbledore, als er durch den erweiterten Kreis schritt. Als Albus zur Gänze durch den Kreis geschritten war, verschwand der Kreis.
"Es tut so gut, dich zu sehen, Onkel Albus!" Sylvia musste fast springen, um den ehrwürdigen Schulleiter zu umarmen.
Harrys Stimme quietschte, als er um die Ecke des Landhauses kam. "Professor Dumbledore?"
Disclaimer: Major characters and plot elements in the Harry Potter world belong to J. K. Rowling and are copyrighted by her. Any additional characters and plot elements are copyright by Helena Whitaker and are documented in the Author's Appendix. The Author's Appendix can be found on the Author's website: helena (dot) whitaker (dot) name
Wenn ihr kurz Zeit habt, bedankt euch doch für das Übersetzen mit einem Review. Vielleicht ist das auch ein Ansporn für mich, weiter fleißig zu übersetzen. Danke!
