°....° = jemand denkt

"...." = jemand sagt

{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)

Darth Saturn - The Dark Harvest

Teil 2

Am Abend darauf trafen sich die Inneren Senshi in dem geräumigen Appartment, das sich Setsuna mit den beiden anderen Äußeren Senshi Haruka und Michiru sowie deren Adoptivtochter Hotaru teilte, um sich mit ihnen über Reis Vision zu beraten, wie Usagi es vorgeschlagen hatte.

Die fünf jüngeren Mädchen verteilten sich gemütlich auf zwei Ledersofas im großen Wohnzimmer, während Haruka und Michiru sich einen der Sessel teilten. Setsuna nahm im zweiten Sessel Platz. Die zwölfjährige Hotaru kam kurz darauf aus dem Kinderzimmer und ließ sich von der Wächterin der Zeit auf den Schoß nehmen.

Nachdem Rei ihre Vision ausführlich geschildert hatte, waren Haruka und Michiru, die bis zu diesem Zeitpunkt nur miteinander beschäftigt gewesen waren, sichtlich besorgt.

Setsuna hingegen bedachte die anderen Senshi mit ihrem typischen gleichmütigen Blick. Auf diese Weise erweckte sie wie so oft den Eindruck, daß man ihr nichts Neues erzählte. Häufig genug war das auch tatsächlich der Fall - einer der Vorteile, wenn man das Tor der Zeit bewachte, war, daß man in die Zukunft oder die Vergangenheit schauen konnte.

"Du erwartest jetzt, daß ich dir Informationen gebe, die klarer werden lassen, was du in deiner Vision gesehen hast, nicht wahr, Rei ?"

Rei wog die Kosten eines Bananensplits gegen die potentielle Wichtigkeit derartiger Informationen ab.

"Ja. Das hatten wir gehofft."

Setsuna seufzte leise, lächelte dann aber geheimnisvoll.

"Ich würde euch ja wirklich gerne helfen, Rei, aber ich kann euch kein Wissen überlassen, das nicht für euch bestimmt ist."

"Das ist nicht fair !" protestierte Usagi weinerlich. "Du hast uns früher auch schon mit Informationen weitergeholfen."

"Das ist richtig." gab Setsuna ihr unbeeindruckt Recht. "Aber das geschah, um die korrekte Weiterentwicklung unserer Zeitlinie zu gewährleisten."

"Aber..." Usagi schaute sich mit ein paar Tränen in den Augen um, ob noch Jemand mit Setsuna argumentieren würde. Fehlanzeige. "Aber kannst du nicht eine Ausnahme machen, Setsuna ?" Sie warf der älteren Frau einen bettelnden Blick zu.

"Natürlich könnte ich eine Ausnahme machen."

Usagi und die Anderen hingen erwartungsvoll an Setsunas Lippen, doch sie sprach nicht weiter. Schließlich lächelte sie amüsiert.

"Aber ich werde es nicht tun, denn das Risiko, damit den Zeitstrom zu beschädigen, ist zu groß."

"Das ist ja so gemein !" Usagi heulte Sturzbäche.

Die anderen Senshi rollten genervt mit den Augen.

"Tja." Rei grinste gemein in Usagis Richtung. "Ich freue mich schon auf mein Bananensplit."

Als Usagi das hörte, wurden die Sturzbäche zu reissenden Strömen.

"Alle sind immer so gemein zu mir !"

Als die Inneren Senshi das Treffen schließlich verliessen, hielt Hotaru Ami noch kurz zurück.

"Du solltest in der nächsten Zeit gut auf dich acht geben, Ami-san." sagte sie leise. "Ich hatte in letzter Zeit schlechte Träume, und viele davon betrafen dich."

Ami wollte das kleine Mädchen nach Details fragen, erkannte aber an Hotarus Blick, daß sie ihr nicht mehr verraten würde. Sie unterdrückte ihre Sorgen für einen Moment und lächelte Hotaru aufmunternd zu.

"Klar pass ich auf mich auf, Hotaru-chan. Tu ich doch immer."

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Zirkonite schaute überrascht auf, als es an der Tür ihres Büros klopfte. Eigentlich erwartete sie keinen Besuch.

"Herein."

Ein schwarzuniformierter Mann mittleren Alters trat ein und salutierte vor ihr.

"Major Rensa Turin vom Geheimdienst." stellte er sich vor.

Zirkonite kam sofort zur Sache.

"Was führt sie her, Major ?"

"Ein vorläufiger Bericht über die Suche nach Sailor Saturn."

Er reichte ihr eine schmale Dokumentenmappe, die sie öffnete und kurz überflog.

"Sind sie mit dem Inhalt dieser Dokumente vertraut ?"

"Ja, Ma´am."

"Dann geben sie mir einen Überblick. Ich werde den Bericht später genauer lesen."

"Wir hatten nicht viel Material, mit dem wir die Suche beginnen konnten, aber ausgehend von der Annahme, daß das Mädchen, bevor es zum Senshi wurde, irgendwo als einfache Person gelebt haben muß, haben wir versucht, die Identität des Mädchens zu lüften."

"Und ?"

"Wir haben das Bildmaterial von ihr mit allen Datenbanken abgeglichen, die wir erreichen konnten." antwortete er. "Ohne Erfolg. Aber dann hatte einer unserer Spezialisten den Einfall, die Aufzeichnung mit einem Lippenleseprogramm zu analysieren. Dies lieferte uns einen Vornamen: Hotaru."

Zirkonite gab sich äußerlich unbeeindruckt, obwohl sie am liebsten laut gejubelt hätte.

"Es gibt sicherlich hunderte von Hotarus in der Stadt."

"Ja." gab Major Turin ihr Recht. "Aber als wir uns Details über das Gebäude ansahen, auf das der Helikopter gestürzt ist, ergab sich eine Verbindung."

"Welcher Art ?"

"Das Gebäude, die Mugen Schule für Hochbegabte, wurde von einem gewissen Souichi Tomoe geleitet."

"Und ?"

"Er hat eine kleine Tochter namens Hotaru. Allerdings sagen die Berichte über den Kampf, bei dem die Mugen Schule vollständig zerstört wurde, daß Doktor Tomoe und seine Tochter dabei ums Leben kamen."

"Sie glauben aber nicht daran." warf Zirkonite mit einem knappen Lächeln ein.

"Nein. Zwei Tage nach dem Kampf gibt es einen Eintrag in den städtischen Archiven, der die Adoption eines Kindes namens Hotaru durch eine gewisse Michiru Kaioh betrifft." antwortete er. "Das kann ein Zufall sein, aber ich habe mir Vergleichsdaten über Adoptionsverfahren angesehen. Normalerweise findet lange vor der eigentlichen Adoption Schriftverkehr zwischen amtlichen Stellen und den potentiellen Adoptiveltern statt. Anträge müssen gestellt, geprüft und bewilligt werden, und so etwas dauert. Hier jedoch wurde das Kind praktisch von Heute auf Morgen adoptiert."

"Interessant." Zirkonite gestattete sich ein breites Raubtiergrinsen. "Ich bin erfreut, daß der Geheimdienst so schnell eine Spur liefern konnte."

"Wir werden bald mehr wissen." bemerkte der Major trocken. "Die Wohnung von Michiru Kaioh wird seit heute mittag von einigen Spionagedrohnen überwacht. Sie können sich aktuelles Bildmaterial jederzeit auf ihren Computer holen, wenn sie wünschen."

Sie wünschte nicht nur. Sie wollte sofort. Nachdem sie bei ihrem Laptop das nötige Zugriffspasswort eingegeben hatte, wechselte sie in die Überwachungsdateien des Geheimdienstes, rief dort das Verzeichnis gerade aktiver Drohnen auf und wählte dann eine der Drohnen aus, die für die Beobachtung dieser Michiru Kaioh abgestellt waren. Wenig später öffnete sich ein Fenster, in dem die Kamerasicht der Drohne gezeigt wurde, zusammen mit einem Steuerungsmenü für die Drohne und die Kamera.

"Sieht aus, als hätte sie gerade Besuch." bemerkte Zirkonite, während sie einen genauen Einblick in das Wohnzimmer bekam. Ein Mädchen mit langen blonden Zöpfen brach gerade in Tränen aus.

"Welche von denen ist Michiru Kaioh ?"

Der Major beugte sich über den Bildschirm und suchte einen Moment. Dann tippte er auf den Hinterkopf einer Person, die in einem Sessel mit dem Rücken zum Fenster saß.

"Das müßte sie sein." meinte er. "Laut unserer Aufzeichnungen ist sie eine ausgezeichnete Musikerin - allerdings ist sie schon seit einiger Zeit nicht mehr öffentlich aufgetreten."

"Und der Blondschopf neben ihr ist dann wohl ihr Mann, hm ?"

"Der Bildabgleich identifiziert diese Person als Haruka Tenoh. Professionelle Motorradrennfahrerin, die sich vor kurzem aus dem Sport zurückgezogen hat."

Zirkonite machte ein erstauntes Gesicht.

"Zwei Frauen ?" murmelte sie erstaunt.

"Offenbar bilden die Zwei eine Lebensgemeinschaft." bestätigte er.

"Und da haben wir ja auch Klein-Hotaru." Zirkonite lächelte erfreut und zeigte auf das schwarzhaarige Mädchen, das auf dem Schoß einer anderen Frau saß. "Eindeutig das Mädchen von der Aufnahme des Kampfs zwischen den Senshi."

"Laut der Adoptionsunterlagen sollte diese Hotaru ein Säugling sein." merkte der Major verblüfft an. "Aber das könnte ein etwas dilletantischer Tarnungsversuch sein."

"Sieht so aus, als ob dieses Mädchen eine Menge Geheimnisse zu verbergen hat." bemerkte sie. "Das wird sicher sehr interessant, sich mit ihr zu beschäftigen."

"Wenn dieses Mädchen dort das Mädchen ist, das damals von drei Senshi angegriffen worden ist, dann ist sie also Sailor Saturn."

"Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, Major."

"Und wie verschaffen wir uns darüber Gewissheit ?"

Zirkonite dachte nach.

"Die Senshi bekämpfen Dämonen." bemerkte sie. "Wenn wir ihnen ein paar Dämonen vorwerfen, sollten wir feststellen können, ob dieses Mädchen dazugehört, denn sie werden ein paar Drohnen dafür abstellen, das Mädchen rund um die Uhr zu beschatten."

"Was ist mit den Adoptiveltern ? Falls Hotaru Kaioh Sailor Saturn ist, sind sie möglicherweise eingeweiht."

"Überwachen sie sie ebenfalls." entschied Zirkonite. "Wir haben die erforderlichen Ressourcen dafür, also sollten wir sie auch nutzen."

Major Turin nickte eifrig.

"Wann soll die Operation beginnen ?"

"Ich werde heute die notwendigen Vorbereitungen treffen. Morgen Nacht werden ein paar Youma das Stadtzentrum von Juuban besuchen." entgegnete sie. "Und stellen sie sicher, daß der Kampfplatz von genügend Drohnen überwacht wird. Möglicherweise können wir die anderen Senshi nach dem Kampf verfolgen und auch ihre Identitäten aufdecken."

Rensa Turin nickte nochmal, salutierte und verließ den Raum.

Zirkonite machte sich anschließend auf den Weg in den Bereich der unterirdischen Basis, in dem sie ihre magischen Maschinen untergebracht hatte, mit denen sie aus Lebensenergie Youma erschaffen konnte. In fünfhundert Stasiskammern, die mit einem automatischen Versorgungssystem für die in ihnen eingesperrten Menschen ausgestattet waren, vegetierten junge, einstmals kräftige Menschen dahin, die sie als Teil einer Abmachung aus China bekommen hatte. Diese Menschen hatten nun die Ehre, als Energiequelle für Zirkonites technomagische Einrichtungen zu dienen.

"Hmm...ich denke sechs Youma dürften eine genügend große Bedrohung darstellen, um sicherzustellen, daß auch wirklich alle Senshi auftauchen werden." murmelte sie, während sie sich zu den Kontrollvorrichtungen ihrer Apparate begab.