3. Willie und der Tierknast
„Fang auf, Lisa!"
„Autsch!"
Verärgert rieb sich das Mädchen die Stirn, als ihr der Ball so rüpelhaft an den Kopf geworfen wurde. Nelson warf ihr ein paar hämische Lacher zu und verschwand wieder. Die Schulkinder, die mit dem Ball gespielt hatten, beachten sie nicht weiter und fuhren mit ihrem Fußballspiel fort.
Verärgert sah sich die kleine Simpson auf dem Schulgelände um. Niemand, außer vielleicht Milhouse, wollte mit ihr zusammen sein, was sie zum einen quälte, aber es ihr dafür auch leichter machte, sich den Schularbeiten zu widmen.
In diesem Moment fuhr das Auto des Hausmeistes über den Rasen. Schweigend beobachtete sie wie der Laster in den hintersten Teil des Schulgeländes rollte, bis vor einen alten Schuppen, über dessen Eingang ein improvisiertes mit verschmierten Buchstaben beschriftete Schild prangerte: „Tierpension".
Für Lisa war es eher ein Tierknast, da die Tiere die dort untergebracht worden waren, wenig Freiraum hatten, weshalb sie es sich nicht nehmen lassen konnte mit Willie darüber zu reden.
Kaum hatte sie den Schuppen erreicht, war Willie gerade dabei etwas von der Ladefläche zu zerren.
„Mister Willie, ich wollte mit Ihnen nochmal um die Umstände der Unterbringung der Tiere reden."
„Sehe ich aus als hätte ich Geld wie Heu?", schnauzte Willie das Mädchen an.
„Sie haben ja noch nicht mal mit Rektor Skinner darüber geredet", fuhr Lisa unbeirrt fort.
Doch der Hausmeister war viel zu sehr damit beschäftigt die Fracht runterzuholen. Mit vereinten Kräften warf er das Netz mitsamt dem Inhalt auf die Wiese.
Lisa stieß einen erstickten Schrei aus, als sie in eines der merkwürdig, unheimlichsten Gesichter sah, was sie je gesehen hatte. Das Wesen vor ihr war grün als wäre es kurz vor dem übergeben, der Mund war halb geöffnet, spitze Zähne ragten hervor und das große Auge starrte halbgeöffnet unfokussiert irgendwo hin und Tentakeln lagen schlaf an ihm herunter.
„Was ist das?", hauchte Lisa noch immer geschockt.
„Tintenfisch aus der Dose", meinte Willie abfällig und war gerade dabei ein Wasserbecken aus Plastik aufzupumpen.
„Ein Planschbecken?", fragte Lisa fassungslos.
„Das Meer kann ich hier nicht an Land ziehen."
„Aber es müsste bei der Größe größer sein. Und überhaupt sieht mir das nicht wie ein Tintenfisch aus, sondern es hat mehr Ähnlichkeit mit einem Kraken." Prüfend kam sie dem bewegungslosen Wesen etwas näher. „Einem sehr kranken Kraken."
„Tintenfisch oder Kranke, läuft doch auf dasselbe hinaus."
„Seit wann hat ein Krake ein Glas auf dem Kopf?", fragte Lisa weiter, die der Glashelm mehr als merkwürdig erschien.
„Für was wohl? Um Wasser zu bekommen."
„Aber da ist kein Wasser drinnen."
Vorsichtig kam Lisa etwas näher und berührte sachte den gläsernen Schutzhelm. Dabei berührten ihre Finger den Speichel, der schon teilweise aus dem zersprungenen Glase tropfte. „Iiih, seit wann können Kraken sabbern?"
„Gleich sabbert er nicht mehr." Damit warf Willie das ohnmächtige Alien ins Planschbecken, in das er mit dem Gartenschlauch Wasser gefüllt hatte in das er noch Salz dazu gestreut hatte.
„Der wird gleich munter werden wie ein Fisch im Wasser."
Das sah Lisa anders, denn kaum lag der „Krake" für ein paar Sekunden im Becken begann er sich leicht zu krümmen und verzerrte den Mund nur noch mehr. Dabei gab er so merkwürdige Geräusche von sich, dass Skinner im Büro meinte, er würde seine Mutter bei einem Asthma-Anfall hören.
Lisa wusste nicht was sie von all dem halten sollte und betrachtete den Speichel auf ihren Händen.
Der „Krake" sah wirklich nicht gut aus. Sie konnte sich auch gar nicht daran erinnern, etwas von einem Kraken mit einem so großen Auge gesehen zu haben. War es doch eine Mutation aus den Meeren?
Tief in Gedanken versunken radelte sie mit ihrem Rad die Straße entlang. Sie hatte am Nachmittag zu Glück nichts besonders vor, oder genauer gesagt ihre Mutter hatte nichts geplant. Von daher fuhr sie kurz nachdem sie Zuhause ihr Mittagessen gegessen hatte, zu einem bestimmten Haus. Dort angekommen, stellte sie ihr Rad an der Hauswand ab und klingelte unter dem Namensschild: Professor Frink.
„Oh, hallo Lisa", grüßte der dünne Professor mit der dicken Brille. „Wenn du bei mir vorbeikommst, dann hast du doch bestimmt etwas für mich, oder?"
„Sie sagen es", bestätigte das Mädchen und holte ein kleines Fläschchen aus ihrem Rucksack in das sie zuvor den Speichel reingewischt hatte.
„Können Sie mir sagen ob das wirklich die DNA eines Kraken ist? Oder sogar eine neue Spezies?"
Prüfend betrachtete Dr. Frink das mit der klaren Flüssigkeit enthaltene Glas.
„Ähm, nun, wenn ich es durch meinen Computer laufen lasse, dann werden wir sofort die Antwort haben. Mein Computer kennt jede DNA jedes bekannten Lebewesens auf der Erde und jedem Bewohner von Springfield und Umgebung und darüber weiter hinaus."
Wenig später standen die beiden vor Professor Frinks Super-Daten-Analyse-Computer und warteten darauf bis das Gerät das Ergebnis lieferte. Es dauerte dennoch trotz der starken Leistung mehrere Minuten bis ein langer Satz Papierbogen aus dem Drucker entsprang.
Der Professor las nur die letzten Zeilen. „Oh, eine Interessante Entdeckung. Diese DNA Form wurde auf der Erde bis jetzt noch nie verzeichnet. Ich bezweifle sogar, dass es von der Erde stammt."
„Sie meinen ein außerirdisches Wesen? Ein Alien?!" Lisa war wie erstarrt.
Der Professor bejahte ihre Vermutung teilweise. „Der Wahrscheinlichkeit ist die Wahrscheinlichkeit in dieser Richtung sehr hoch."
Lisa holte laut Luft. „Das müssen wir sofort näher untersuchen."
„Äh, nun, ich hab zwar noch andere Arbeiten, die auf mich warten, aber in Sachen Außerirdischer Forschung, steht die Wissenschaft immer an vorderster Front."
Es war schon fast Abend, als Lisa und Prof. Frink in der Nähe des Schulgebäudes ankamen. Willie hatte es sich gerade auf dem Schulrasen in seinem Rasenmäher bequem gemacht, als Lisa keuchend auf ihn zu gerannt kam.
„Sir, es geht um den Kraken, den sie heute eingefangen haben", kam sie sofort auf den Punkt. Doch als sie sich umsah, konnte sie das Becken nicht mehr sehen.
Willie hob müde die Sonnenbrille hoch. „Mm, ach den. Den hab ich ans Sushi-Restaurant verkauft."
Lisa meinte sich verhört zu haben. „Sie haben WAS?!"
„Mit dem war nichts mehr los gewesen", gab der Hausmeister als Erklärung. „Glaub mir, es wird das beste für ihn sein." Und damit wandte er sich wieder seinem Feierabend-Nickerchen zu.
