Kapitel 3 : Der Anfang

Kates PoV / 24. Mai 2007

(Zeitsprung von Gegenwart in die Vergangenheit)

Ich wachte auf mit den ersten Sonnenstrahlen, die in unser Schlafzimmer fielen. Ich streckte mich und genoss die Wärme, die mich umarmte. Mit einer Hand suchte ich nach Carlisle aber der war schon lange weg auf Arbeit. Ich öffnete dann meine Augen und atmete tief ein, bevor ich die Decke zur Seite schlug und aufstand. Ich streckte mich noch einmal und fühlte meinen ganzen Körper und meine Muskeln spannten sich an und ich fühlte mich sehr wohl in meiner Haut in diesem Augenblick. Ich lächelte und schaute in den Spiegel. Legte eine Hand auf meinen kleinen Bauch. Ich fühlte mich am Anfang jeder Schwangerschaft bisher extrem schön und begehrenswert. Ich nahm meine Hand weg und betrachtete meinen nackten Körper, zwischen meiner linken Brust und meiner linken Schulter war ein kleiner dunkelroter Fleck, ich zog die Augenbrauen nach oben, weil ich nicht verstehen konnte, warum Carlisle diese Flecken einfach nicht lassen konnte. Ich meinte zu wissen, dass wir aus diesem Alter mittlerweile draußen sein sollten. Meine Haare hatten wieder die perfekte Länge, ich hatte sie nach Maggies Geburt ratzekurz abschneiden lassen, weil ich dachte, dass das dazugehörte zum Älter werden, nach dem dritten Kind mit fast zweiunddreißig war es an der Zeit, die Haare abzuschneiden, das sagte zu mindestens meine Mutter. Ich hab danach Stundelang um meine Haare geweint. Jetzt war die alte Länge wieder erreicht und ich würde den Teufel tun, sie mir nach dieser Geburt wieder abschneiden zu lassen. Kastanienbraune Locken bis zu den Ellenbogen mit sechsunddreißig, ich liebte meine Haare heute besonders. Ich lächelte weil ich mich so gut fühlte. Sex in der Schwangerschaft stieß die verrücktesten Hormone aus. Ich liebte meinen kleinen Bauch. Er definierte sich in meinem Unterbauch, zwischen meinen Beckenknochen hervor und ich könnte Stundenlang hinschauen. Im vierten Monat war ich jetzt und alles war wundervoll. Ich lächelte mir noch einmal zu und beschloss duschen zu gehen, nach Sex am Frühstückstisch zu riechen war nicht meine Vorstellung von einem perfekten Morgen, also wusch ich mir Carlisle mit heißem Wasser und Seife, die nach Rosen duftete, vom Körper und hoffte, dass ich es nicht lange dauern würde, bis ich seinen Geruch wieder tragen durfte. Heute war ich verliebt wie ein Teenager.

Nach meiner Dusche zog ich mich an, ich föhnte meine Haare und trug etwas Mascara auf. Ich putze meine Zähne und hing mein Handtuch neben Carls zum trocknen. Ich lief auf den Flur und die Treppe nach unten. Im Wohnzimmer lief der Fernseher und Comicfiguren rannten über den Bildschirm. Über der Lehne des Sofas schaute ein blonder Schopf hervor und von der Seite baumelten zwei kleine nackte Füße. Jasper und Maggie.

„Morgen Mum!" Jasper hob eine Hand zum Gruß und Maggie sprang daraufhin sofort auf und hüpfte los.

„Mummy! Ich und Daddy haben heute Morgen zusammen die Zeitung geholt und sein Frühstück für die Arbeit gemacht!" sie rief begeistert und ich lachte und hob sie über die Lehne hinweg auf meinen Arm.

„Mum, Dad würde einen Nervenzusammenbruch bekommen wenn er das sieht!" Ich lachte, setzte mir Maggie auf die Hüfte und wuschelte meinem ältesten Sohn einmal durchs Haar.

„Was Daddy nicht weiß, macht ihn nicht heiß." Ich fuhr einmal mit meiner Hand über seinen Mund und er schüttelte nur seinen Kopf.

Ich lief mit Maggie in die Küche und setzte sie auf die Arbeitsfläche. Sie klatschte in die Hände und freute sich. Sie erzählte mir von ihrem Morgen, was sie und Daddy alles schon gemacht hatten bevor er zur Arbeit gefahren war und wie früh sie heute schon wach gewesen ist. Ich machte mir während dessen Kräutertee, und setzte Früchtetee auf um Eistee für den Nachmittag zu machen. Die Luft war jetzt um halb sieben schon so warm, dass ich davon ausgehen konnte, dass es einer der ersten richtig warmen Tage dieses Jahr werden würde.

Auf Grund dessen, entschloss ich mich dafür, in den Garten zu gehen und ein wenig zu arbeiten, bevor es zu warm wurde. Maggie erklärte, dass sie mir helfen würde und so schickte ich sie sich umziehen. Zehn Minuten später trafen wir uns draußen und zusammen suchten wir die Rosen nach welken Blättern ab und nach Ungeziefer, das nichts in den Rosen zu tun hatte. Das war wohl mit Abstand Maggies Lieblingsaufgabe. Jedes Tierchen würde sie erst mir zeigen und dann jedem, der sich mit uns draußen aufhielt, sie wusste, dass Ungeziefer im Haus tabu waren aber auch diese Lehre dauerte etwas, bis sie sie gelernt hatte. Wir verbrachten fast zwei Stunden im Garten, ich schaute zu, wie Maggie mit Lylla, der Katze unsere Nachbaren spielte und wie sie zusammen durch den Garten jagte. Es bracht Maggie fast das Herz zu sehen, dass nach einer Weile ein kleine Haselmaus interessanter zu sein schien als sie. Wir gingen daraufhin nach drinnen, denn ich wollte vermeiden, das Maggie dabei zusah, wie die Katze der kleinen Maus das Genick brechen würde.

Drin schickte ich Maggie nach Oben um Rose zu wecken damit wir Frühstück essen konnten. Ich bat Jasper den Tisch zu decken während ich Obst Aufschnitt und Toaste in den Toaster warf. Maggie kam fünf Minuten später nach unten von Rose war noch nichts zu sehen, Maggie erklärte, dass Rose bald kommen würde. Das ‚bald' meiner Tochter kannte ich, also entschloss ich mich dazu, sie auf dem Handy anzurufen, ich drohte ihr, dass wir ohne sie frühstücken würden und ohne sie einkaufen fahren würden und dann ohne sie an den See fahren würden, wenn sie jetzt nicht aufstand. Jasper lachte, Maggie war außer sich vor Freude zu hören, dass wir an den See fahren würden und noch begeisterte, als sie hörte, dass Daddy direkt nach der Arbeit hinterher kommen wollte.

Sie war so euphorisch, dass sie direkt wieder die Treppen nach oben rannte und Rose hinunter brachte. Rose war leicht angekratzt, sie zickte hier ein wenig und maulte dort ein bisschen. Sie war mit ihren fünfzehn Jahren ein Teenager in voller Blüte.

Wir frühstückten alle zusammen und räumten auf, wir packten alle zusammen einen großen Picknickkorb und luden das Auto ein, Jasper und Rose packten ihre eigene Tasche und ihre eigenen großen Decken, während ich und Maggie alles für uns und Carlisle zusammen in einen großen Korb räumten. Jasper schmiss einen Volleyball ins Auto, Rose lies einen Schrei fahren und deutete auf die Gefahr hin, dass ihr Handy im Auto lag und er es kaputt werfen würde, wenn er weiter solchen Schwachsinn machte. Ich war dahingegen mehr um die Scheiben besorgt.

Bis halb elf hatten wir alles gepackt und warteten am Auto nur noch auf unsere Rosalie. Jasper war gegen die Beifahrertür gelehnt, Maggie sprang hüpfend ums Auto und ich stand an der Haustüre. Maggie klatsche Jaspers Hand bei jeder Runde ab.

„Rosalie May! Ich würde es sehr schätzen, wenn du dich beeilen würdest!" rief ich den Hausflur entlang nach Oben. „Ich bin ja schon auf dem Weg, jetzt mal ganz ruhig bleiben!" schrie sie zurück. Ich verdrehte die Augen und Maggie schrie Richtung Rose' Zimmerfenster.

„Wenn du noch länger brauchst, dann ist Dad vor uns da!" rief Jasper jetzt, der sich nach diesem Kommentar ins Auto setzte, ich hörte erst Rosalies Fenster zuschlagen und dann ihre Zimmertüre, als nächstes polterte sie die Treppe nach unten und rauschte an mir vorbei ins Auto, sie schmiss die Autotür zu und ich schloss halbzufrieden die Haustüre ab.

Wir fuhren erst Getränke kaufen und dann tanken. An der Tankstelle blieben Rose und Jasper im Wagen, Maggie hielt meine Hand, während ich selbstständig den Tank füllte, ich hasste es, an der Tankstelle bedient zu werden. Maggie schraubte den Tankdeckel zu und dann gingen wir bezahlen. Maggie hielt meine Hand etwas fester als normal gewesen wäre und sie lief dichter an mir als normal. Ich sah zu ihr nach unten und sie sah zu mir nach oben, sie schaute mich etwas besorgt an. Ihre Augen funkelten nicht mehr so glücklich wie den ganzen Morgen.

„Was ist denn los, Schatz?" fragte ich sie und sie drehte sich um und schaute ein Auto an, das neben uns stand, einen dunkelblauen SUV, dann schaute sie wieder zu mir auf. Sie flüsterte den nächsten Satz. „Das sind böse Männer Mummy!" murmelte sie und zog mich durch die Schiebetür der Tankstelle. Ich bezahlte schnell und Maggie bettelte auch nicht um irgendeine Süßigkeit oder um irgendeine Kinderzeitschrift. Sie zog mich förmlich wieder zurück zum Wagen ich lächelte dem Tankwart entschuldigend an und wünschte ihm noch einen schönen Tag, aber Maggie drängelte mich wieder nach draußen und zum Auto, ich wollte sie wieder anschnallen, aber sie bestand darauf, dass Rose das tat damit wir endlich loszufahren konnten. Etwas verwirrt starte ich den Wagen wieder und wir fuhren umgehend los. Irgendwas stimmte nicht mit Maggie und es beunruhigte mich ein wenig, weil sie ein sehr sensibles Kind war, sie hatte eine sehr gute und ausgeprägte Menschenkenntnis mit ihren fünf Jahren, darauf waren ich und Carlisle sehr stolz, sie redete niemals mit Fremden und blieb immer in unserer Nähe, wenn wir das Haus zusammen verließen.

Wir fuhren eine Weile und ich wurde etwas unruhig, weil der blaue SUV hinter uns war, es war nur ein Wagen zwischen uns. Ich versuchte das Gefühl wegzulachen weil es irrational war. Aber im Rückspiegel sah ich, dass Maggie noch immer nicht ihre natürliche Fröhlichkeit zurück gewonnen hatte. Ich bat Jasper, das Telefon an die Freisprechanlage anzuschließen und Carlisle anzurufen. Es war Gewohnheit von mir, mit ihm zu telefonieren wenn ich Auto fuhr… Nachts. Ich konnte im Dunklen nicht Auto fahren, ohne Carlisle Stimme im Ohr. Ich hatte immer ein wenig Angst, man hörte immer so viel…

Jasper tat genau das, er wählte die Nummer von Carls Büro im Krankenhaus und stellte auf die Freisprechanlage des Autos um. Wir warteten ein paar Sekunden, Rose erklärte, dass er ohnehin nicht rangehen würde und er tat es auch nicht. Ich bat Jasper es auf seinem Handy zu versuchen und wenn das nicht klappen würde auf Station anzurufen. Jasper schaute mich mit zusammengezogenen Augenbrauen an.

„Ist alles in Ordnung?" er sah mich fragend an, während es laut durchs Auto tutete und Carlisle auch nicht an sein Handy ran ging. Ich war frustriert. Ich erklärte Jasper, dass alles in Ordnung war, aber in dem Moment fing Maggie auf der Rückbank an leise zu schluchzen. Ich drehte mich um und sah, dass Rose sich sofort darum kümmerte. Ich sah im Rückspiegel, dass der SUV den Kleinwagen hinter uns überholt hatte und jetzt dicht hinter uns fuhr.

Jasper wählte die Nummer der Station, auf der Carlisle arbeitete, es meldete sich eine Schwester. Ich bat sie mir zu sagen, wo sich mein Mann gerade aufhielt. Sie erklärt mir, dass er gerade im Behandlungszimmer war und sie ihm ausrichten würde, dass er mich zurück rufen sollte. Ich dankte ihr und betonte noch einmal die Dringlichkeit des Anrufes, es sei jedoch nichts mit dem Baby. Ich wusste, dass er durchdrehen würde, wenn er hörte, dass er mich dringend zurück rufen sollte… Warum sollte er mich überhaupt so dringend zurück rufen?

Wir fuhren immer weiter in den Osten der Stadt bis wir irgendwann die Kleinstädte erreichten. Rose erklärte Maggie, dass es Quatsch sei, was sie erzählte und dass überhaupt nichts passieren würde. Ich wollte sie nicht beunruhigen indem ich ihr erklärte, dass wir nun schon seit einer viertel Stunde von eben diesem Wagen mit eben diesen bösen Männern verfolgt wurden.

Vielleicht sollte ich die Polizei anrufen? Ich überlegte hin und her. Was wenn das alles nur eingeredeter Irrsinn war? Reiner Zufall. Wahrscheinlich würden sie mich dann in die Klapse stecken. Ich schüttelte den Kopf und versuchte Maggie abzulenken. Trotzdem klopfte mein Herz verrückt in meinem Brustkorb und ich zog in Betracht, nach Hause zurück zufahren. Warum meldete sich Carlisle nicht? Nach weiteren fünf Minuten bestand auch Maggie darauf, wieder nach Hause zu fahren. Rose lachte sie nur aus und Jasper versuchte sie davon zu überzeugen, dass es am See super viel Spaß machen würde. Aber ich tat es einfach, ich fuhr eine Schleife. Langsam hatte nämlich auch ich ein schlechtes Gefühl, mir war es egal wenn Carlisle mich daheim auslachen würde. Ich machte mir Sorgen.

„Mum! Was tust du denn? Du wirst doch nicht auf diesen laufenden Meter hören oder?" Ich schüttelte nur den Kopf. Im Rückspiegel sah ich, dass der Wagen auch jetzt noch hinter uns war.

„Wir werden verfolgt." Ich sagte es einfach und gerade hinaus. „Was?" schrie Rose, „Wir müssen Dad anrufen!" sie drehte sich um. In dem Moment war der Wagen nur noch wenige Meter von uns entfernt. Natürlich tat Jasper das Selbe und Maggie fing hysterisch an zu weinen. Aber da durchfuhr das Auto schon eine große Erschütterung. Sie waren uns hinten aufgefahren. Meine Güte, wir waren mitten im Nirgendwo! Meine Hände zitterten und ich verfluchte mich selbst. Wie dumm war ich nur. Ich fing an die Nerven zu verlieren und ich verlor die Kontrolle über den Wagen als sie uns erneut mit voller Wucht, diesmal an der Seite trafen, ich stieg mit aller Kraft auf die Bremsen.

…°°Schneephoenix - Vielen Dank fürs Lesen! Mal fürs Erste.
Zum Zweiten… eigentlich fällt mir gerade zum Zweiten gar nichts ein. Ich hoffe es hat jeder den Sprung verstanden von der Gegenwart in die Vergangenheit. Davon wird es ein paar geben im Mal wieder im Verlauf der Geschichte. Wahrscheinlich immer aus Kates Sicht.