Heimaturlaub
Das kleine, gemütliche Wohnzimmer war nichts anderes, als ein Flickenteppich der Erinnerung. Wandschrank und Kommode, beide ehrwürdig und erhaben, aus dunklem teuren Eichenholz, waren sorgfältig heraus gesuchte Hinterlassenschaften der Black-Familie. Der Sofatisch, ein Geschenk von Arthur Weasley, der versucht hatte, ihn nach Muggelmethoden herzustellen, weshalb er nur drei Beine hatte und etwas schräg stand. Die Teetassen voller als halb voll zu gießen, war bei dieser Unterlage nicht gerade anzuraten. Die Blumenvase auf dem Fenstersims, in der jetzt wunderschöne, frische Sonnenblumen standen, war von Dudley und musste als ehrlicher, aber leider geschmackloser Versuch der Annäherung verstanden werden. Sie war ein Billigimport, aber immerhin eine schöne Geste.
Die wertvollsten Schätze in diesem kleinen, gemütlichen Raum aber waren die beiden Sessel. Den einen hatten sie sich aus Hogwarts ergattert, aus dem Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Ein unglückseliger Schüler hatte einen Auffüllzauber bei seiner Kaffeetasse derartig verhunzt, dass der komplette Raum überflutet worden war und die Einrichtung ersetzt werden musste. Der Sessel war jetzt kaffeebraun und roch nach Espressso. Für Harry aber spielte das keine Rolle. Es war eine Erinnerung an seine Zeit in Hogwarts. Alles andere war egal. Der zweite Sessel aber war ungleich bedeutender und Harrys ganzer Stolz. Er hatte hier über 25 Jahre gestanden und bildete das einzige Möbelstück, das die Verwaisung des Hauses in Godric's Hollow, dass er und Ginny nun wieder bewohnten, überstanden hatte. Der einzige Besitz seiner Eltern, den sie Harry neben dem Geld und dem Haus überlassen hatten. Jetzt saß er darin, genoss den Duft alten Stoffes und las im Tagespropheten.
Harry Potter pockenfrei!
Wie die Presseabteilung des IBA ( Internationaler Bund der Auroren) gestern Mittag verlauten lies, ist der Auror, Nationalheld und Bezwinger des Schwarzmagieres Du-weißt-schon-wer, Harry Potter, nach sechsmonatigem Leiden an Drachenpocken aus dem St. Mungos entlassen worden. Bis zu Redaktionsschluss war es nicht möglich gewesen eine Stellungnahme von Mr. Potter zu bekommen. Ein Sprecher des IBAs bat um Rücksicht. Der junge Auror sei noch immer geschwächt und brauche einige Wochen, um wieder vollkommen zu Kräften zu kommen.
Drachenpocken gehen auf einen äußerst ansteckenden Virusfluch zurück, der nach jüngster Forschung im im 4. Jahrhundert vor Christus, im heutigen Syrien, durch eine misslungene Beschwörung entstanden sein soll und seitdem in veränderten Varianten immer wieder aufkommt. Die Beulenpest, die im 14. Jahrhundert die Muggelbevölkerung Europas dezimierte, ist ein Ableger dieses Fluches. Heutzutage sind die Drachenpocken und ihre verschiedenen Entwicklungsformen weitgehend eingedämmt. Nur in abgelegenen Teilen der Welt kommen sie noch vor. Wo und wie sich Mr. Potter diese gefährliche Krankheit zugezogen hat, wollte der IBA auch nach mehrfachem Nachfragen in den vergangenen Monaten nicht aufklären und weigert sich mit Hinweis auf die nationale und internationale Sicherheit auch nach der Genesung noch, Stellung dazu nehmen.
Wann und ob Mr. Potter selbst eine Erklärung abgeben wird, ist ebenso ungewiss. Auch bezüglich der Frage der Verleihungszeremonie , die für Mr Potter nachträglich abgehalten werden soll, haben weder das Zauberministerium noch Mr. Potter Stellung bezogen. Mr. Potter sollte am Neujahrstag diesen Jahres als jüngster Zauberer der Geschichte den Orden des Merlin erster Klasse zuerkannt bekommen. Aufgrund seiner Krankheit musste die Zeremonie allerdings verschoben werden.
Harry seufzte vernehmlich. Das war überhaupt das Besten an dem Auftrag in Indien gewesen. Er hatte einen Grund gehabt, diese unsägliche Zeremonie zu versäumen. Er fragte sich wie lang er das Ministerium jetzt noch hinhalten können würde. Schlecht gelaunt blätterte er um.
Todesser auf freiem Fuß
Der berüchtigte Todesser Draco Malfoy wird heute um 15 Uhr aus dem Hochsicherheitsgefängnis Askaban entlassen. Nach sechsjähriger Haft haben die Richter beschlossen, ihn wegen guter Führung und bemerkenswerter Kooperation vorzeitig zu entlassen. Damit ist er der erste Todesser, der unter Du-weißt-schon-wem gedient hat, der wieder als rehabilitiert gelten darf. In den Gerichtsprozessen nach Du-weißt-schon-wem`s Sturz, die als „Tage der Sühne" in die Geschichtsschreibung eingegangen sind, hatte er seine Schuld ausgiebig gestanden und mit detaillierten Informationen zur Verhaftung zahlreicher Todesser beigetragen. Was Malfoy nach seiner Entlassung für Pläne hat, ist nicht bekannt. Zu einem Interview stand er nicht zu Verfügung. Das Zauberministerium wies heute aber noch einmal ausdrücklich daraufhin, dass die Befürchtungen vieler Familien, Mr Malfoy könne eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen, vollständig unbegründet sei. „Er hat seine Schuld eingesehen und abgebüßt und wird vom Ministerium von nun an wieder als vollwertiges Mitglied der magischen Gemeinschaft betrachten. Wir bitten die Bevölkerung, dies ebenfalls zu tun und ihm alle Möglichkeiten zu geben sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren." ließ Percy Weasley, der Generalsekretär des Ministeriums, verlauten.
Harry runzelte die Stirn und legte die Zeitung beiseite. Draco war also frei. Er wusste nicht so wirklich was er davon halten sollte. Klar, Draco hatte sich damals wirklich sehr kooperativ gezeigt. Dank ihm waren dutzende Todesser, die sich auf den Imperiusfluch berufen hatten, entlarvt worden und seine Schuld war so oder so vergleichsweise gering, wenn man es mal mit der seines Vaters oder Bellatrix verglich. Er war noch ein verängstigter Junge gewesen, dem nur wenig Wahl geblieben war. Und doch, er war zwar nicht Schuld an Dumbeldores Tod, aber er hatte Todesser nach Hogwarts gebracht, Ron vergiftet und ihn selbst fast daran gehindert die Hoxcruxe zu zerstören. Durfte so einer wirklich frei gelassen werden? Konnte man ihm trauen?
Harry schüttelte den Kopf und stand auf. Es war Zeit etwas Luft zu schnappen. Seit einer Woche war er mittlerweile zurück und der Geheimhaltung wegen noch nicht aus dem Haus gekommen. Jetzt wo die Zeitungen von seiner Rückkehr wussten, gab es keinen Grund mehr, sich zu verstecken, auch wenn der Trubel wahrscheinlich unerträglich werden würde. Es war besser als hier zu versauern und früher oder später musste er sich so wieso stellen.
Er zog sich einen schwarzen Umhang über, schrieb eine Nachricht für Ginny, die bei der Arbeit war, dass sie sich im Tropfenden Kessel zum Essen treffen könnten und ging zur Vordertür hinaus. Von dort aus ging er zum Gartentor rüber, bis wo der Fileliuszauber reichte und apparierte, bevor einer der Reporter, die dort lauerten auch nur „Da ist er" schreien konnte. Sein ersten Ziel war St. Mungos. Dort hatte man ihn für die Tage sowieso hin bestellt und es gab keinen Grund, das aufzuschieben. Außerdem sah er es nicht ein, Kingsleys Anweisung, die Arbeit erst einmal zu vergessen, vollkommen zu befolgen. Es gab einfach zu viel, was es herauszufinden galt.
An der Rezeption, in der geräumigen, in weiß gehaltenen Vorhalle, stand eine junge, hübsche Hexe mit blonden langen Haaren und einer riesigen runden Brille, die ihn freundlich anlächelte, als er sich ihr zu wand.
„Guten Tag Mister. Was kann ich für sie tun?"
„Mein Name ist Harry Potter.", stellte er sich vor. „Ich möchte mit Mrs Longbottom sprechen. Ich habe so etwas wie einen Termin."
Der unvermeidliche Blick auf die Narbe und die darauf folgende, ehrfürchtige Verwirrung überbrückte Harry damit, sich selbst zu fragen, warum all seine Freunde es eigentlich so eilig mit der Heiraterei hatten. Erst Hermine und Ron - nun gut das war zu erwarten gewesen - aber jetzt auch noch Neville und Luna, was ihn doch reichlich überrascht hatte. Die Hochzeit war vor drei Monaten gewesen, weswegen er sie natürlich verpasst hatte. Ihm waren fast die Augen aus dem Kopf gefallen als Ginny es ihm gestern wie nebenbei erzählte.
„Ach übrigens, Kingsley hat gesagt du sollt dich bei Mrs Longbottom in St Mungos melden, um dich wegen der Amnesie untersuchen zu lassen.", hatte sie während des Essens erwähnt, ihn dabei verschmitzt beobachtend
.„Ähm... Mrs Longbottom ? Wer soll denn das sein?", hatte er mit vollem Mund gefragt und dann nicht schlecht gestaunt, als Ginny ihn über die Hochzeit von Neville und Luna aufgeklärt hatte.
Harry seufzte und schaute wieder zu der Rezeptionistin, die mittlerweile ihre Starre überwunden hatte und ihn mit hochrotem Kopf anhimmelte.
„Oh Mister Potter, was für eine Ehre, ich … ähm..."
„Empfängt sie mich?", unterbrach Harry sie, allerdings nicht unfreundlich.
„Wer?"
„Mrs Longbottom."
´Die Gerade mal 22-jährige Mrs Longbottom , die in einem solch jungen Alter wirklich noch nicht hätte heiraten müssen.`, fügte er düster im Geiste hinzu. Nein, mit 22 musste man das noch nicht und das sollte sich Ginevra gefälligst hinter die Ohren schreiben.
„Äh... natürlich, folgen sie mir.", haspelte die Brillenblondine eilig.
„Hm, also, entweder haben sie dich mit einem hoch komplizierten Amnestiezauber verhext, der aber dann schief gegangen ist, oder du wurdest so stark gefoltert, dass dein Verstand selbst einen Schutzmechanismus entwickelt hat und die Erinnerungen verdrängt oder aber - und das halte ich für am wahrscheinlichsten - rotschäumde Saugsporen verstopfen die Synapsen in deinem Gehirn und fressen langsam all deine Erinnerungen auf.", zwitscherte Luna fröhlich, während sie eine große silberne Schraube aus dem goldenen, eierförmigen Helm drehte den Harry auf dem Kopf hatte.
„Rotschäumende was?", fragte er müde und auch ein klein wenig irritiert.
„Rotschäumende Saugsporen. Sehr seltene kleine Tierchen, die sich von Gehirnwellen nähren. Kennst du die denn nicht? Wenn sie einen mögen, singen sie dir was vor."
„Und die sind medizinisch belegt?", fragte Harry skeptisch.
Luna lächelte gedankenverloren, weiterhin am Helm herum schraubend.
„Naja, nicht direkt. Aber mein Vater ist kurz davor ihre Existenz zu beweisen. Er hat erst vor einer Woche einen Artikel über sie veröffentlicht."
Harry lächelte gequält. Luna hatte sich nicht gerade verändert. Als sie vor zwei Jahren tatsächlich im St. Mungos als Heilerin eingestellt worden war, hatte Harry es erst gar nicht glauben können. Die etwas weggetretene, an Saugsporen und Schlickschlumpfe glaubende Luna, die immer so wirkte als schaue sie mit einem Auge ins Märchenland, sollte die Verantwortung für kranke Menschen übertragen bekommen? Das hatte reichlich seltsam geklungen, aber wie es schien, machte sie sich hervorragend. Ihrer Fähigkeit, auch an die abwegigsten Theorien zu glauben und ihre Offenheit den Menschen gegenüber, hatte schon für die Lösung von mehreren, als undiagnostizierbar geltender Krankheitsbildern gesorgt. Sie war eine unorthodoxe Heilerin, aber gerade deshalb brillant.
„Angenommen, nur mal angenommen...", fragte Harry nun vorsichtig, „es sind nicht diese Saugsporen, sondern Möglichkeit eins oder zwei, was würde das für mich bedeutet?"
Luna lächelte ihn versonnen an, drehte eine letzte Schraube aus dem Helm und nahm ihn Harry vom Kopf.
„Naja, dann würde das heißen, dass die Erinnerung noch irgendwo in deinem Kopf ist, aber nicht abgerufen werden kann."
Harry Herz begann zu rasen.
„Aber das heißt, theoretisch wäre es möglich, die Erinnerung wieder zu aktivieren?"
Luna nickte, fröhlich und packte den Helm zurück in einen Schrank, der über und über voll gestopft mit seltsamen blinkenden und blitzenden Metallgeräten war.
„Ja schon, aber dafür bräuchte es einen Auslöser."
Harry blickt sie erwartungsvoll an und drängelte, als sie nicht weiter sprach.
„Was für einen Auslöser?"
„Das ist ganz unterschiedlich. Etwas, dass die Erinnerung wieder gewaltsam hervor zieht, wie etwa ein Erlebnis oder eine Schlüsselwort. Das kann die Begegnung mit der Person sein, die dir die Erinnerung genommen hat, oder das Hören eines Wortes oder Namens der mit dem der Erinnerung in Verbindung steht. Oh ja, und wenn du dein Gedächtnis wegen Folter verloren hast, wäre eine Wiederholung der Qualen natürlich auch ein möglicher Auslöser."
Harry starrte sie fassungslos an
„Du willst, dass ich mich foltern lasse, um die Erinnerung zurück zu bekommen?"
Jetzt war es Luna, die ihn entsetzt anstarrte.
„Bei den Schlickschlumpfen! Natürlich nicht. Ich meinte ja nur, dass es möglich wäre."
Harry seufzte. Die ganze Angelegenheit schien komplizierter zu werden, als er sich das vorgestellt hatte.
„Nun gut, Mrs. Longbottom.", sagte er schließlich grinsend. „Lust auf ein Bier im Tropfenden Kessel? Ich lade dich ein."
„Oh", sagte Luna freudestrahlend. „Das wäre schön. Ganz wie Freunde es tun."
„Genau", erwiderte Harry.
Der Tropfende Kessel war voller Menschen, wie oft in den letzten Jahren. Vor allem junge Leute kamen immer öfter hier her, um gesellig nach der Arbeit zusammen zu sitzen und so waren auch heute wieder die üblichen Verdächtigen anzutreffen. An ihrem Ecktisch, den sie sich schon vor geraumer Zeit erobert hatten, saßen Dean, Ron, eine über drei Büchern gleichzeitig brütende Hermine, George und Seamus. Als Harry den Pub betrat, wurde es mit einem Mal vollkommen still im Raum, bis Ron, der gerade an seinem Bier genippt hatte, ruckartig aufsprang, die Flüssigkeit über den halben Tisch spuckte und schrie:
„Harry! Verdammt noch mal, wo warst du die ganze Zeit?"
Hermine blickte auf, bekam große Augen, sprang ebenfalls auf und fiel Harry in die Arme.
„Ginny hat gesagt, dass du da bist und hat schon alles erzählt. Ron weiß es noch nicht, weil wir nicht wussten ob das ok ist."
Jetzt kamen auch die anderen zu Harry und beglückwünschten ihn zu seiner Genesung. Bis er es schließlich schaffte sich hinzusetzen und ein Bier zu bestellen, hatte der ganze Tropfende Kessel ihm mindestens einmal auf den Rücken geklopft. Ein ältere Hexe, die eine Nähstube in der Winkelgasse betrieb, umarmte ihn sogar stürmisch und weinte dabei vor Freude. Sie habe die letzten Monate Ängste um sein Leben durchgestanden, meinte er aus ihrer schrillen Tirade heraus zu hören. Irgendwann, nach dem er endlose Fragen beantwortet hatte, kehrte Ruhe ein und er setzte sich neben Ron auf die Bank um durchzuatmen.
„So jetzt erzähl. Was war das mit diesen Drachenpocken?", fragte Dean schließlich, nach dem sie angestoßen hatten.
Harry hatte sich für diesen Fall schon eine Geschichte ausgedacht, weil Kingsley ihm gesagt hatte, dass es besser war so wenige Leute wie möglich in die Sache hineinzuziehen. Ron würde er später die Wahrheit sagen, Luna wusste es sowieso, weil sie seine Ärztin war und Hermine war ja die einzige Eingeweihte gewesen. Mehr Mitwisser waren wirklich nicht nötig und man wusste im Tropfenden Kessel nie, wer noch mithörte. Und so erzählte er schließlich, er habe sich die Pocken bei einem Auftrag in Afrika zugezogen, über den er nichts weiteres sagen dürfe. Es wäre aber nichts von Bedeutung gewesen. Er habe vier Monate flach gelegen, wäre nie in Lebensgefahr gewesen und war nun wieder vollkommen hergestellt. Luna bestätigte die Geschichte und alle waren zufrieden damit. Nun war es an Harry neugierig in die Runde zu blicken.
„Und bei euch? Ist irgend was aufregendes passiert? Vielleicht bei ihnen Mrs. Longbottom?", fragte er mit verschmitztem Grinsen.
Das brachte alle zum Lachen und Luna erzählte fröhlich und unbekümmert von der Hochzeit.
„Jetzt sind nur du, ich und Dean noch zu retten.", sagte George schließlich an Harry gewandt.
„Lass das Ginny nicht hören.", blökte Ron, was wieder für Gelächter sorgte.
„Was soll ich nicht hören?", kam es vom Eingang, in dem Ginny gerade erschienen war.
„Das wir all Hals über Kopf in dich verliebt sind,", feixte George und Ginny setzte sich unter viel Gelächter neben Harry.
„Dann fürchte ich, bist du in keinem Fall mehr zu retten Bruderherz.", gab sie zur Antwort und küsste Harry auf den Mund.
Der Abend verging vergnüglich. Harry genoss es nach einem halben Jahr endlich wieder seine Freunde sehen zu können und ließ sich ausführlich erzählen, was er alles verpasst hatte.
Hermine war noch immer dabei, ihren Doktor in Fluchforschung und magischen Runen zu machen und pendelte zwischen Berlin und London hin und her. Das wahr nicht wirklich ein Problem, weil es ausgezeichnete Portschlüsselverbindungen gab, aber das viele Langstreckenapparieren war anstrengend und so wirkte sie schon seit längeren leicht derangiert. Der Stress der Endphase ihrer Studien kam hinzu und man konnte ihr die Überarbeitung förmlich ansehen. Harry war froh das Ron sie zwang zu den wöchentlichen Kneipentreffen mitzukommen um sich ein wenig zu entspannen, denn sonst hätte sie unter Garantie auch noch diese Zeit durchgearbeitet. Es war sowieso schon erstaunlich und bewunderswert das sie mit 23 schon ihren Doktor machte, denn das war selbst in der magischen Welt sehr, sehr früh, aber man konnte es auch, wie Harry fand, übertreiben.
Ron war, wie Harry selbst, ein Auror und hatte ein paar Wochen frei, weil er gerade einen großen Auftrag in Peru gehabt hatte. Was ihm dort genau widerfahren war, hatte er in der Öffentlichkeit noch nicht erzählen können, aber die nur langsam verheilende Brandwunde an seinem Kinn lies nichts gutes erahnen.
Dean arbeitet im Ministerium in der Abteilung von Rons Vater und schlug sich mit schwarzmagischen Artefakten herum. Wie es schien, waren zur Zeit unzählige gefährliche Gegenstände aus China im Umlauf. Sie wurden heimlich von Schmugglern ins Land gebracht und sorgen hier für allerlei Unfrieden.
„Der schlimmste Fall war diese verhexte Vase letzte Woche. Da wahr irgendein verrückter Fluch drauf, der sich wohl beim Öffnen des Gefäßes aktiviert hat. Der arme Muggel, der das Ding gekauft hatte, liegt jetzt im St .Mungos mit irgendeiner komischen Krankheit von der keiner weiß, was es eigentlich ist und seine Familie hat Tage später plötzlich auch Symptome gezeigt." erzählte Dean.
„Das heißt, der Fuch ist ansteckend?" fragte Harry ernstlich interessiert.
„Nein," erwiderte Luna an Deans Stelle „ Mrs Vaporius, die den Fall betreut, meint, der Fluch weise zwar Ähnlichkeiten mit einem Virus auf, sei aber nicht ansteckend. Keiner der Ersthelfer, der mit der Familie Kontakt hatte, wurde infiziert."
Betretenes Schweigen folgte, das Georg nach einer Weile mit einer Vorstellung seiner neusten Verkaufsschlager auflöste und damit alle zum lachen brachte. Der neuste Schrei auf Hogwarts waren demnach Harry Potter Drachenpocken Pillen, nach deren Genuss man eine Blitznarbe auf der Stirn und schwarze Pusteln am ganzen Körper bekam. Am Ende saßen alle bis auf Hermine, die es nicht besonders lustig fand, eine Krankheit ins Lächerliche zu ziehen, mit Blitznarbe und Pocken da und stießen schon etwas angetrunken auf ihr Wiedersehen an.
'Es ist schön Freunde zu haben.', dachte der zweinarbige Harry und versicherte Ron noch einmal wie bescheuert er mit Blitz auf der Stirn aussah, woraufhin dieser lachend zurück gab:
„Ganz ehrlich, dass will ich dir schon sagen seit wir elf sind."
Es wurde später und das Treffen verlagerte sich nach Godric's Hollow, wo am Ende nur noch Ron Hermine, Ginny und Harry im Wohnzimmer um Athur Weasley missglückten Tisch saßen und über die Dinge sprachen die im letzten halben Jahr wirklich passiert waren. Harry hatte seine Erzählung gerade mit dem Bericht über Lunas Gedächtnistheorie beendet und Hermine schaute ihn skeptisch und wissend an.
„Du kommst jetzt aber nicht auf die Idee, dich noch einmal foltern zu lassen, nur um dieser Erinnerung zu bekommen, oder?"
Harry lachte betont unbekümmert, doch er war sicher, dass es nicht wirken würde.
„Nein" betonte er deshalb nochmal. „Natürlich nicht, es gibt ja andere Methoden, die man ausprobieren kann."
Auch Ginny schaute skeptisch und besorgt, was ihn dazu brachte sie beruhigend zu küssen.
„Keine Angst, so verrückt bin ich nicht."
Ron, der schon ein wenig betrunken war, lallte fröhlich:
„Nee, Harry käme nie auf die Idee, irgend was Verrücktes zu machen, um Andere vor Schaden zu bewahren. So Aktionen, wie sich Voldemort in die Hände zu spielen und von ihm abmurksen zu lassen, damit der aufhört Hogwarts anzugreifen, sind mit Harry nicht zu machen."
Harry grinste zu Ron rüber, die beiden Frauen aber schienen das gar nicht zum Lachen zu finden und blickten sie beide finster an.
„Erzähl mir lieber, was mit deinem Gesicht passiert ist, du Schwätzer." meinte Harry deshalb eilig und zeigte auf die Brandwunde an Rons Kinn.
„Oh, das." Ron lehnte sich lässig in den Kaffeesessel, in dem er saß. „Halb so wild. Wir hatten einen Hinweiß auf Contador in Peru. Als wir zugriffen gab es Widerstand. Contador war nicht dabei aber einer seiner wichtigsten Männer: Augusto. Der hat mir die Wunde verpasst, aber ich habe ihn dennoch geschnappt. Jetzt sitzt er in Alcatraz und wird verhört. Ohne Erfolg natürlich. Er sagt kein Wort."
Harry schüttelte den Kopf. Xang Fu, Condador und die anderen Drei. So lange die fünf verbliebenen Großmeister der schwarzen Kunst noch auf freiem Fuß waren, würde es keine Ruhe geben. Mit oder ohne Voldemort, die Welt war groß und gefährlich und sie brauchte ihn, auch wenn er langsam aber sicher anfing, müde zu werden.
„Gut das nichts Schlimmes passiert ist." meinte er zu Ron.
