Schockgefrostet
Tigress, Crane und Monkey standen nun um die im Schnee liegende Gestalt herum.
„Verdammt, wer ist das?" fragte Monkey schockiert.
„Ich habe nicht die geringste Ahnung," sagte Crane verwirrt.
„Wir müssen ihn auf alle Fälle hier weg schaffen bevor er noch erfriert," sagte Tigress entschlossen.
„Aber Doktor Shun hat sich, wie alle anderen Dorfbewohner, vor dem Schneesturm verbarrikadiert," erwiderte Crane.
„Und Shifu mag es nicht wenn Zivilisten sich im Jade Palast aufhalten," fügte Monkey besorgt hinzu.
„Und was meint ihr sollen wir sonst machen?" fragte Tigress wütend. „Ihn hier liegen lassen und ihn einfach so sterben lassen?"
„Natürlich nicht," antworteten Crane und Monkey beleidigt zurück.
„Also habt ihr einen besseren Vorschlag?"Crane und Monkey schauten sich kurz ratlos an während Tigress auf eine Antwort wartete.
Schließlich seufzte Crane und sprach: „Gut, dann nehmen wir ihn also mit in den Palast. Ich werde vorgehen, den Anderen melden was passiert ist und dann mit ihnen ein Zimmer für unseren Patienten vorbereiten. Ihr könnt ihn ja in der Zwischenzeit hochtragen."
Mit diesen Worten hob Crane ab und versuchte sich fliegend, bei den heftigen und eisigen Windböen, zum Gipfel des Jade Berges vorzukämpfen.
„Fein," sagte Tigress als sie Crane hinterherschaute wie er sich mühevoll durch den Schneesturm kämpfte.
„Monkey!"
„Tigress?"
„Schnapp dir seine Beine! Ich werde ihn an den Armen nehmen. Wir müssen ihn vorsichtig tragen aber müssen uns trotzdem beeilen. Die Stufen werden eingeeist sein also pass auf wo du hintrittst!"
„Verstanden!"
So packte Monkey die Beine der Person während Tigress die Arme schnappte.
„Der ist steif wie ein Brett. Ich hoffe er lebt noch," bemerkte Monkey besorgt.
„Ein Grund mehr uns zu beeilen," bemerkte Tigress zähneknirschend.
Und so machten sie sich auf den Weg die 1.000 Stufen zu besteigen die zum Jade Palast führten. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch keiner wissen wie sehr sie mit dieser Tat das Leben im Jade Palast für immer verändern würden…
Meister Shifu saß gerade in seinem Zimmer und versuchte gerade etwas zu meditieren.
„Innerer Friede… Innerer Friede… Innerer…"
In diesem Moment hörte er, neben den Geräuschen die der Sturm verursachte, ein immer lauter werdendes Flügelflattern vor seiner Zimmertür. Gerade als es genau vor seiner Tür war erstarb es und stattdessen ertönte ein genervt davon gestört worden zu sein wandte sich Shifu der Tür zu.
„Herein!"
„Meister Shifu!"
Crane platzte in sein Zimmer herein. Er sah ziemlich erschöpft und verfroren aus und schüttelte sich erstmal Eis und Schnee aus seinem Gefieder. Shifu schaute etwas mürrisch auf die große Pfütze die Crane auf diese Weise in seinem Zimmer hinterließ.
„Wie ich sehe seid ihr aus dem Tal zurück. Ich hoffe die Dorfbewohner sind alle in Sicherheit?"
Crane zögerte kurz. „Äh ja… Die Dorfbewohner sind alle in Sicherheit und vor dem Schneesturm geschützt."
„Schön das zu wissen. Gute Arbeit, Crane! Das kannst du auch Tigress und Monkey ausrichten. Ihr dürft euch jetzt auch ausruhen. Das habt ihr euch verdient," sagte Shifu erleichtert.
„Meister Shifu. Das wird nicht gehen. Wir haben ein Problem," sagte Crane etwas nervös.
„Und das wäre…?"
„Als wir das Dorf fertig kontrolliert hatten und wieder zum Palast hoch wollten fanden wir eine Person vor der Treppe im Schnee liegen."
„Was?"
„Als wir runterliefen war sie noch nicht da aber nun lag sie eben reglos vor der Treppe. Sie scheint halb erfroren zu sein."
„Um wen handelt es sich?" fragte der geschockte Meister.
„Das wissen wir nicht. Es scheint aber niemand aus dem Dorf zu sein."
„Und wo ist sie jetzt?"
„Da Doktor Shun sich, wie alle anderen Bewohner des Tals, sicherheitshalber in seinem Haus verbarrikadiert hat haben wir keine andere Wahl als ihn mitzunehmen. Tigress und Monkey tragen ihn gerade die Treppe hoch. Wir müssen uns um diese Person kümmern sonst stirbt sie."
Shifu stöhnte genervt. Er mochte es nicht wenn irgendwelche Zivilisten sich im Jade Palast aufhielten. Aber in dieser Notsituation hatten sie wohl keine andere Wahl.
„Meister Shifu, auf Grund dieser prekären Lage, wäre es nicht angebracht ein Zimmer für unseren… Gast einzurichten und alles in die Wege leiten um ihn wieder aufzupäppeln wenn er nicht bereits…?" den Rest vom Satz wollte Crane erst gar nicht beenden.
„Selbstverständlich! Hol die Anderen und bereitet unverzüglich eines der leeren Zimmer vor! Sag Mantis und Viper sie sollen Erste Hilfe leisten! Wir wollen alles tun um diese Person zu retten," wies Shifu Crane an.
„Jawohl, Meister Shifu!" sagte Crane und stürmte mit entschlossenem Blick aus dem Zimmer seines Meisters.
Kurz darauf
Tigress und Monkey hatten es endlich geschafft den Patienten die 1.000 Stufen zu erklimmen. Dadurch dass sie sowohl durch das Tragen der Person als auch vorsichtig gehen mussten um auf den eisigen Stufen nicht auszurutschen, hatten sie, selbst für Kung Fu Meister, eine ganze Weile gebraucht um die Treppe zu bewältigen. Außerdem waren beide, spätestens jetzt, sehr durchgefroren (auch wenn Tigress selbst jetzt nicht zugeben würde dass ihr kalt ist). An der Schwelle zum Palast stand schon Crane und erwartete seine Freunde.
„Da seid ihr ja. Kommt mit! Ich habe mit Meister Shifu bereits gesprochen. Mantis und Viper bereiten ein Zimmer vor. Po kocht eine Nudelsuppe und Kräutertee. Etwas Heißes zu Essen und zu Trinken wäre für einen Halb-Erfrorenen genau das Richtige, meinte er. Ihr kennt ihn ja."
Monkey und Tigress erwiderten, durchgefroren wie sie waren, erst mal nichts und folgten Crane zügig in Richtung der Schlafräume des Jade Palastes. Trotz der Bürde, welche sie buchstäblich tragen mussten, waren beide auch sehr froh selbst nun endlich ins Warme zu kommen.
Als sie endlich im Zimmer für den Patienten angekommen waren (sie hatten den Raum rechts neben Po's Zimmer ausgewählt) warteten dort schon Mantis und Viper ungeduldig. Neben einer Matratze, welche mitten im Zimmer lag, hatten sie einen großen Zuber, gefüllt mit heißem Wasser, und das Akupunktur-Set vorbereitet um der betroffenen Person Erste Hilfe leisten zu können.
„Was ist passiert? Wer ist das überhaupt?" platzte es aus Mantis heraus.
„Ich sagte schon wir haben keine Ahnung. Wir wissen nicht wer oder was es überhaupt ist. Wir wissen nicht mal ob er noch lebt," sagte Crane genervt zu seinem Freund. In der Zwischenzeit hat er nicht ausführlich alle Details seinen Freunde schildern können.
„Legt ihn erst einmal auf die Matratze damit wir ihn erstmal untersuchen können. Dann werden wir wohl einige Fragen klären können," sagte Viper und Tigress legten die Person gerade vorsichtig auf der Matratze ab als Po, mit einem großen Topf Suppe in den Händen, ebenfalls in das Zimmer kam.
„Und? Wer ist es? Kennen wir ihn? Lebt er oder sie überhaupt noch?" fragte er neugierig.
„Das wissen wir selbst noch nicht, Po," antwortete Tigress. „Aber wir sind gerade dabei es herauszufinden."Sie zog der Gestalt die Kapuze vom Kopf…und enthüllte somit das Gesicht eines schwarzen Panthers.
„Nun… jetzt wissen wir immerhin was es ist," sagte Mantis nach einer kurzen Phase des Schweigens.
„Hoffen wir dass er auch noch lebt," sagte Viper ernst während sie mit ihrem Schwanz das Handgelenk des Panthers erfasste. „Ich spüre nämlich keinen Puls."
„Okay Leute, ihr könnt jetzt nicht mehr helfen. Ich und Viper werden jetzt die medizinische Notversorgung einleiten. Verschwindet! Ihr seid im Weg."
Mantis scheuchte Po, Tigress, Crane und Monkey, etwas ungehobelt, aus dem Zimmer während er verschiedene Nadeln aus dem Akupunktur-Set nahm und Viper weiter versuchte ein Lebenszeichen beim Panther festzustellen.
Als nun die vier Freunde aus dem Zimmer gescheucht waren blieben sie noch kurz vor der geschlossenen Türe stehen. Eine Weile war nichts zu hören außer das Viper und Mantis daran arbeiteten dem armen Kerl das Leben zu retten.
„Und? Was glaubt ihr? Wird er durchkommen?" fragte Po und schaute bedrückt auf die verschlossene Tür.
„Ich weiß es nicht, Po… aber es sieh nicht sonderlich gut für ihn aus. Wir wissen nicht wie lange er dieser Kälte ausgesetzt war," meinte Monkey niedergeschlagen.
„Aber er war noch nicht da als wir ins Tal gekommen sind um nach dem Rechten zu sehen," warf Crane ein. „Das bedeutet immerhin dass er nicht mehr als zwei Stunden vor der Treppe liegen konnte."
„Das ist aber auch fast alles was wir wissen. Jetzt wissen wir noch dass es sich um einen Panther handelt. Aber wir wissen immer noch nicht wer er ist, warum er vor der Treppe im Schnee lag oder ob er überhaupt überleben wird," erklärte Tigress nüchtern.
„Ich hoffe jedenfalls dass er wieder auf die Beine kommt," verkündete Po immer noch schwermütig.
„Kopf hoch, Po. Das hoffen wir alle. Wir alle haben unser bestes versucht um ihn zu retten. Und nun ist er bei Viper und Mantis in den besten Händen," versuchte Monkey ihn aufzumuntern.
Dies half tatsächlich etwas. Der Panda nickte zuversichtlich und sagte: „Du hast Recht. Wir können momentan nur das Beste hoffen und daran glauben das Viper und Mantis ihn wieder gerade biegen. Nun ja… Nachdem ihr in diesem schrecklichen Schneesturm raus musstet und wohl noch ziemlich frieren werdet, denke ich dass euch etwas Nudelsuppe ganz gut tun wird. Ich habe extra etwas für euch aufgehoben.
"Monkey, Crane und Tigress bejahten dies einstimmig und machten sich gerade auf den Weg zur Küche als ein lautes Platschen aus dem Zimmer, vor dem sie bis eben gestanden hatten, ertönte.
„Hört sich ganz so an als ob unser Gast so eben ein heißes Bad nehmen würde…" schloss Crane.
Nachdem Viper und Mantis den Panther in das heiße Wasser gesteckt hatten machte sich Mantis daran Akupunktur-Nadeln in die Vital-Punkte des Patienten zu stoßen während Viper weiterhin nach Lebenszeichen suchte.
Nach der zehnten Nadel passierte es tatsächlich:
„Mantis, ich glaube er hat wieder Puls," verkündete Viper aufgeregt.
„Sehr gut, Viper," antwortete Mantis erleichtert. „Ich hatte echt nicht sonderlich viel Hoffnung für den Armen übrig aber wenn der Puls zurückkommt könnte er es tatsächlich schaffen."
„Mach bloß weiter. Sonst können wir nicht nur unsere Hoffnungen begraben…"
Nach einer Weile im heißen Wasser und weiteren verbrauchten Akupunktur-Nadeln schien sich der gesundheitliche Zustand des Panthers tatsächlich zu stabilisieren. Sein Puls hatte sich normalisiert und auch seine Atmung hatte wieder merklich zugenommen. Selbstverständlich waren Mantis und Viper sehr erleichtert darüber. Trotzdem wussten beide dass er noch nicht über den Berg war. Ob er sich wirklich wieder erholen würde könnte man erst mit der Zeit feststellen. Doch fürs Erste hatten sie alles getan was sie konnten. Sie holte ihn aus dem Wasser und trockneten ihn gut ab. Anschließend legten sie ihn wieder auf die Matratze und deckten den Panther vorsätzlich mit mehreren dicken Decken zu. Nachdem sie das Licht gelöscht hatten verließen sie schließlich das Zimmer und machten sich auf den Weg Richtung Küche um den Anderen von den Fortschritten zu berichten.
In der Küche hatten sich nun Tigress, Crane und Monkey von den Strapazen des Abends etwas erholt und sich wieder richtig aufgewärmt. Neben Po befand sich auch Shifu nun in der Küche. Sie unterhielten sich nicht sonderlich viel und warteten alle gespannt auf Neuigkeiten von Viper und Mantis. Als letztere dann endlich die Küche betraten blickten alle die am Tisch saßen gespannt auf um zu hören was Sache ist.
„Er lebt," war alles was Mantis Aufatmen ging durch die Küche.
„Aber wir wissen nicht ob es dabei bleibt. Wir haben alles getan was wir konnten. Jetzt ist alles davon abhängig wie er durch die Nacht kommt bevor wir irgendwelche weiteren Diagnosen stellen können. Auf jeden Fall braucht er jetzt zu aller erst etwas Ruhe," berichtete Viper formell.
Die Anspannung der Bewohner des Jade Palastes war zwar etwas gelockert aber noch längst nicht aufgelöst. Nach einer kurzen Weile des Schweigens erhob sich Shifu von seinem Sitz.
„Trotzdem habt ihr alles richtig gemacht, meine Schüler. Das war gute Arbeit von alle von euch. Alles was wir jetzt machen können ist zu den Göttern beten und hoffen dass unser Patient mit dem Leben davon kommt.
Heute war für euch ein langer und anstrengender Tag. Ihr dürft euch nun in eure Betten begeben und euch ausruhen. Das habt ihr euch redlich verdient. Gute Nacht."
Die sechs Krieger verbeugten sich vor ihrem Meister und wünschten ihm, sehr dankbar, ebenfalls eine gute alle in ihren Betten lagen schlief jedoch keiner. Der Schneesturm draußen tobte nämlich immer noch heftig und rüttelte lärmend an allen Fenstern und Türen.
