Kapitel 3

Verwirrung

„Was?", rief Hermine und richtete mit einer gezielten Bewegung ihren Zauberstab auf ihn. Ihre Hand zitterte, doch es war ihr gleichgültig.

Snape hob seine Augenbraue bis zum Anschlag an. „Nehmen Sie das Ding weg", murmelte er gelassen.

„Nein!"

„Miss Granger", sagte er müde, ohne weitere Bemühungen zu unternehmen, sich mit ihr auseinander zu setzen.

Alles was er tat, war sie anzusehen. Keine Regung auf seinem Gesicht war erkennbar. Keine Wut, keine aufbrausende Stimme. Nichts.

Es brachte sie an den Rand des Wahnsinns. „Wie können Sie jetzt nur so ruhig bleiben?"

Er lachte auf. „Ich habe getrunken, falls es Ihnen entgangen ist. Ihre Hand zittert. Und Sie sind nicht die erste Schülerin, die ihren Zauberstab auf mich richtet."

Sie zögerte einen Moment und umklammerte fest ihre Waffe. „Das überrascht mich kaum", gab sie hochnäsig zurück. „Vielleicht bin ich ja nicht die Erste, aber ich bin die Erste, mit der Sie verheiratet sind, Professor."

„Ja genau. Das hätte ich fast vergessen …"

Er klang belustigt. Zumindest bis er den kläglichen Versuch unternahm, sich aus dem Sessel zu erheben.

„Ouch!" Schwerfällig plumpste er zurück.

Hermine aber grinste ihn selbstgefällig an. „Das kommt davon!"

„Meinetwegen."

„Sie hätten meine Hilfe annehmen können, als ich sie Ihnen angeboten habe. Jetzt ist es zu spät. Gute Nacht."

Sichtlich verärgert machte sie auf dem Absatz kehrt und war gerade dabei, mit dem Zauberstab die Kerzen zu löschen, als sie eine Hand an ihrem Hals spürte.

Snape stand plötzlich hinter ihr und bevor sie wusste, wie ihr geschah, hatte er seine Finger um das Handgelenk gelegt, mit dem sie ihren Zauberstab hielt. Er drückte zu, fest genug, um sie bewegungsunfähig zu machen, ohne sie zu verletzen.

„Miss Granger", flüsterte er mit rauer Stimme in ihr Ohr.

Hermine zitterte. Sie roch seinen alkoholisierten Atem und hatte Mühe, ihren wilden Puls unter Kontrolle zu bringen. Die Tatsache, dass er ihr so nahe war, war beunruhigend. Noch dazu wusste sie, dass er sie in seiner Gewalt hatte, dass sie unfähig war, etwas gegen ihn zu tun. Snape war zu stark und zu schnell.

Langsam und vorsichtig glitten seine Fingerspitzen ihren Hals entlang, während er aus der Nähe jeden Zentimeter ihrer Haut inspizierte.

Mit klopfendem Herzen schloss Hermine die Augen und wartete. Hatte sie Angst? Sie konnte es nicht sagen. Es war ein befremdliches Gefühl, seine Finger auf ihrer Haut zu spüren und ihm so hilflos ausgesetzt zu sein. Aber Angst?

Er schluckte laut und entfernte seinen Kopf von ihrem Gesicht. Mit einem Ruck drehte er sie zu sich herum, so dass sie ihn anblicken musste. Sekunden vergingen, ehe er von ihr abließ.

„Bringen Sie es zu Ende, Miss Granger", eröffnete er ihr den Zugang zu ihrem nächsten Schritt. „Ich werde mich nicht wehren. Versprochen."

Seine Augen waren ernst. Er ließ die Hände locker an seinen Hüften herab hängen und sah sie an. War es Sehnsucht nach Erlösung, die in seinem Blick lag? Wieder konnte sie es nicht sagen, konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ihr Atem raste, ihre Hände bebten und sie hatte Mühe, den Zauberstab überhaupt zu halten.

„Ich hasse Sie", sagte sie schlicht und mit gebrochener Stimme.

Er holte Luft und grinste. „Bravo. Das ist ein Anfang."

xxx

Hermine drehte sich weg und ließ den Zauberstab auf den Boden fallen. Erschöpft kroch sie zum Bett und wälzte sich unter die Decke. Ihre Gedanken spielten verrückt, sie begriff nicht, was geschehen war.

Das Kerzenlicht flackerte gespenstisch in dem zugigen Zimmer auf und ab, sie drehte sich von einer Seite auf die andere und konnte nicht mehr einschlafen, so aufgewühlt war sie. Es wunderte sie kaum, dass es dem Professor ähnlich zu gehen schien, denn noch immer saß er in seinem Sessel und starrte zu ihr hinüber; sie konnte seine Blicke förmlich spüren.

„Ich habe Fragen", sagte sie nach einer halben Ewigkeit.

„Die habe ich auch."

Sie zuckte mit den Schultern. „Wirklich? Gut. Ich fange an."

„Das ist kein Spiel, Miss Granger", knurrte er mahnend.

Er hatte eindeutig die Zähne zusammengebissen, doch Hermine ignorierte ihn. „Warum haben Sie Dumbledores Anfrage nicht abgelehnt?"

„Ich bin ein Lehrer, Miss Granger. Es zählt zu meinen Aufgaben, Schüler zu beschützen."

„Ha."

Wirklich?

„Das hätte ich so gar nicht gedacht. Ich meine ...", sie stutzte und überlegte. „Sie haben auf mich nie einen besonders beschützenden Eindruck gemacht. Es war eher das Gegenteil."

„Tatsächlich", stellte er trocken fest.

Sie konnte spüren, wie er seine Braue nach oben zog und setzte sich auf. Snape bot ihr immer noch den gleichen traurigen Anblick.

„Sie hätten Dumbledore eine Absage erteilen können", fuhr sie fort.

Er lachte auf. „Wie gut kennen Sie Professor Albus Dumbledore, auch Schulleiter genannt, Miss Granger?" Hermine schluckte. Es war die Art, wie er Miss Granger betonte, die sie frösteln ließ. „Dachte ich es mir doch."

„Und trotzdem. Sie sind nicht sein Hund, den er nach Belieben herumkommandieren kann."

„Und das wissen Sie so genau, weil … Sie Miss Granger sind."

„Nun ja, ich dachte …"

„Sie dachten. Was dachten Sie?"

Jedes seiner Worte rutschte seidenweich aus seiner Kehle hervor und nahm ihr, wie schon so oft, den Wind aus den Segeln.

„Nichts", antwortete sie schlicht.

Er seufzte tief. Sein Bild hätte dem eines Wracks geglichen, wenn er nicht so peinlich genau gekleidet gewesen wäre.

„Warum halten Sie in diesem Zustand Nachtwache?"

„Hmmm, lassen Sie mich überlegen. Damit ich eine Ausrede habe, um nicht nach Hause zu kommen, Miss Granger?"

Ratte!

„Und trotzdem sind Sie hier", bemerkte sie süffisant.

„Ich habe erfolgreich zwei knutschende Gryffindors verjagt und zum Nachsitzen verdonnert."

Ouch! Sadist.

„Warum tun Sie das? Was haben Sie davon, wenn Sie Schüler nachsitzen lassen? Macht es Ihnen Spaß, Ihre Zeit damit zu vergeuden?"

Er überlegte. Vermutlich waren das zu viele Fragen auf einmal gewesen, wenn man seinen Zustand in Betracht zog.

„Wissen Sie, wie lange ich schon unterrichte, Miss Granger?", fragte er schließlich. Sie schüttelte den Kopf. „Dachte ich mir. Jedenfalls sehr lange."

„Das beantwortet nicht im Mindesten meine Frage, Professor."

„Tatsächlich?", entgegnete er spitz.

„Hermine schüttelte den Kopf. „So kommen wir nicht weiter."

„Jepp."

„Haben Sie nie etwas anderes im Sinn gehabt, als zu unterrichten?"

Er seufzte. „Meinen Sie abgesehen von meiner Tätigkeit als Todesser?" Hermine schluckte. „Oder als Spion?" Plötzlich war sie hellhörig geworden, was er amüsiert zur Kenntnis nahm. „Miss Granger, interpretieren Sie nicht zu viel hinein", sagte er ruhig. „Wir sind aus gutem und wichtigem Grund verheiratet, sonst würden Sie nicht auf meinem Bett sitzen, das kann ich Ihnen garantieren." Er kniff die Augenbrauen zusammen und schien über das nachzudenken, was er gesagt hatte. „Wie dem auch sei, wenn Sie mir mein Leben weiterhin unnötig zur Hölle machen wollen, tun Sie sich keinen Zwang an und erzählen Sie Ihren Freunden alles. Ihre Vermutungen, Ihre erheiternden Eingebungen, wirklich alles." Er holte angestrengt Luft. „Doch ich kann Ihnen versichern, dass Sie in diesem Fall eine äußerst kurze Lebenserwartung haben werden."

Sie riss die Augen auf. „Sie wollen mich töten?"

„Nein, Miss Granger. Nicht ich werde Sie töten - zumindest nicht in diesem Zustand - sondern der Dunkle Lord."

„Oh."

„Genau. Womit dieses Arrangement ein schnelles Ende nehmen würde, sehr zur Freude meinerseits."

Hermine war durcheinander. Was konnte sie schon mit Sicherheit über ihn sagen? Gut, sie wusste von den Zwischenfällen, die Harry mit dem Denkarium passiert waren. Aber sonst?

„Was genau machen Sie als Spion?", fragte sie aufgeregt. Die Vorstellung, es könnte mehr hinter ihm stecken, als nur Professor Snape, den sie kannte, war äußerst interessant.

Er schüttelte den Kopf, seine ungezähmten Strähnen fielen ihm wüst zu beiden Seiten des Gesichts herab. „Nicht heute."

„In Ordnung, Professor." Genau genommen fand sie es nicht in Ordnung, doch sie musste einsehen, dass dieses Gespräch nicht das Ergebnis erzielen würde, das sie sich erhoffte. Er war in schlechter Verfassung, doch das würde sie nicht davon abhalten, ihn nach und nach auszuquetschen. „Aber vergessen Sie nicht, wir sind verheiratet und ich werde es genießen, Ihnen das Leben zur Hölle zu machen. Verlassen Sie sich darauf."

„Natürlich werden Sie das. Ich hatte nichts anderes erwartet."

„Gut."

Sie streckte sich müde nach allen Seiten und wollte es sich bequem machen, da hörte sie seine Stimme leise durch den Raum dringen.

„Miss Granger."

„Ja?", fragte sie vorsichtig.

„Sie können Hogsmeade für diesen Monat vergessen."

„Was? Das ist …"

„Sie sitzen nicht mehr nur auf meinem Bett, Sie liegen sogar darin. Denken Sie nach. Sie haben mein Kissen, meine Bettdecke und mein Laken in Anspruch genommen."

„Wann haben Sie das Laken zuletzt gewechselt?", fragte sie irritiert durch seine Betonung. Er antwortete nicht und Hermine spürte einen kalten Schauder auf ihrer Haut. „Das ist ein Scherz, oder?"

Er schüttelte mit geschlossenen Augen den Kopf und sie kroch aus dem Bett. Noch ehe sie das Sofa erreicht hatte, hörte sie ihn schnarchen. Plötzlich war ihr eiskalt. In ihrer Not schnappte sie sich den schwarzen Umhang, der neben ihm auf dem Sessel lag und wickelte sich auf dem Sofa darin ein.

Mit wehmütigem Blick starrte sie abwechselnd zwischen dem verlassenen Bett und ihrem schnarchenden Professor/Ehemann hin und her, bis sie endlich einschlief.

xxx

Als sie aufwachte, war der Sessel leer. Dafür sah sie ihn auf dem Bett liegen, mitsamt seiner Kleidung und den Schuhen. Er lag wie ein langes Elend auf dem Rücken, hatte die Hände unter dem Kopf verschränkt und starrte sie an.

Hermine fühlte sich plötzlich ganz nackt in ihrem Schlafanzug und hüllte sich so fest wie möglich in seinen Umhang ein, die Wangen gerötet.

„Es war ein Trick", stellte sie verschlafen fest.

Er nickte. „Die Hauselfen sind für die Wäsche zuständig, falls Sie das vergessen haben, Miss Granger."

Seine Stimme war tief und rau. Die letzte Nacht hatte ihm eindeutig zu schaffen gemacht.

Hermine biss sich auf die Lippe. Warum war sie darauf reingefallen? Im Nachhinein war es so offensichtlich, dass er sie reingelegt hatte.

„In Ordnung", murmelte sie matt. „Sie haben diese Schlacht gewonnen, aber den Krieg werden Sie verlieren, Professor."

Er zuckte unbeeindruckt mit den Schultern. Seine Lieder waren schwer und doch leuchteten ihr seine schwarzen Augen eindringlich entgegen. Minuten des Schweigens vergingen und es war ein eigenartiges Gefühl, das sie dabei überkam, sich mit ihm in diesem Raum zu befinden.

Als sie nicht wusste, was sie aus der Situation machen sollte, drehte sie den Kopf weg und bearbeitete angespannt ihre Lippe.

„Wie spät ist es?", fragte sie irgendwann.

„Sehe ich aus wie ein verdammter Wecker?"

„Vielen Dank, Professor!"

Angesäuert sprang sie auf, ohne den Umhang loszulassen und verschwand hinter der Badezimmertür.

Der Raum war gewöhnungsbedürftig, aber immerhin gab es eine Dusche und eine Badewanne, der einzige Luxus hier unten. Das Bad hatte aufgrund seiner Lage kein Fenster und war schlicht und ergreifend alt. Dennoch nutzte sie die Gelegenheit, um sich frisch zu machen. Es wurde Zeit, die Kerker zu verlassen und sich der Wahrheit zu stellen. Bestimmt waren Harry und Ron außer sich vor Sorge um sie.

Als sie klitschnass aus der Dusche kam, stellte sie fest, dass sie weder frische Klamotten, noch etwas anderes Brauchbares bei sich hatte, das sie anziehen oder zum Abtrocknen benutzen konnte.

Verdammt!

Es blieb nur ihr Schlafanzug. Oder der Umhang ihres Professors, den sie auf dem Weg ins Bad entführt hatte. Sie biss die Zähne zusammen und wickelte sich darin ein. Vielleicht würde er es ja gar nicht bemerken… Vorsichtig öffnete sie die Tür und lugte hinaus. Er lag immer noch auf dem Bett.

Verdammt noch mal!

Und er starrte in ihre Richtung.

Hermine räusperte sich. „Wären Sie so nett, mir ein Handtuch zu reichen?"

„Benutzen Sie Ihren Zauberstab, Miss Granger."

Hermine sah wütend auf den Boden, wo sie in der Nacht ihren Zauberstab fallen gelassen hatte. Dann stürmte sie, ohne ihn weiter zu beachten, aus dem Schutz des Badezimmers, hinüber zu dem einzigen Schrank, der im Zimmer stand und öffnete ihn.

Oh nein!

Die Enttäuschung, als sie mit den Augen das Innenleben des Schranks durch scannte, war nicht zu verbergen. Beunruhigend war auch, dass sie seinen eisigen Blick auf ihrem Rücken spüren konnte.

Wütend fuhr sie herum. „Wo sind die Handtücher?"

Seine Brauen waren tief zusammen gezogen und brachten die dunkle Falte in der Mitte deutlich zur Geltung. „Was fällt Ihnen ein?" Seine Stimme war so düster wie seine Ausstrahlung.

„In diesem Schrank sind nichts weiter als Ihre verdammten pinguinfarbenen Klamotten! Ich brauche ein Handtuch!"

Er kochte förmlich vor Wut. „Sie tragen meine Garderobe auf Ihrem Körper und wagen es auch noch, meine Sachen zu beleidigen? Geben Sie mir den Umhang! Sofort!"

Hermine sah ihn verzweifelt an. „Das geht nicht." Sie versuchte mühsam, sich zu beruhigen. Vergeblich.

„Wieso nicht?", bellte er.

„Weil ich nichts darunter anhabe", antwortete sie kleinlaut.

Er stöhnte auf. „Sie! … Miss Granger, Sie sind wirklich unausstehlich!"

„Was denken Sie, wofür ich das Handtuch brauche, Professor?", rief sie patzig zurück.

„Ist es Ihnen in den Sinn gekommen, unter dem Waschbecken nachzusehen?"

Hermine schüttelte den Kopf. „Sie bekommen Ihren Umhang gleich wieder, versprochen."

Mit diesen Worten marschierte sie zurück ins Bad und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen.

Es dauerte nicht lange, da kam sie erneut angetrabt.

„Was ist denn jetzt noch?", fragte er ungeduldig.

„Ich habe meine Anziehsachen vergessen."

Er rollte mit den Augen. „Was hat Albus sich dabei nur gedacht, mich in diese Lage zu bringen? Sie sind nichts weiter als ein kleines, verzogenes Kind."

Hermine atmete tief ein. „Das mag sein, Professor. Aber wenigstens bin ich nicht verbittert und verbohrt."

Er antwortete nicht, folgte ihr jedoch mit seinen Blicken, als sie durch den Raum wuselte und ihre Sachen zusammen suchte.

Nachdem sie es endlich geschafft hatte, vollständig bekleidet das Badezimmer zu verlassen, stand er mit verschränkten Armen an die Tür des Schlafzimmers gelehnt. Sein Blick fixierte sie und machte sie nervös, als sie auf ihn zuging.

„Das Badezimmer ist frei", entgegnete sie mit einem gequälten Lächeln.

Er schüttelte den Kopf. „Negativ."

Als er sah, wie sich die Mimik ihres Gesichts verzog, rollte er ungeduldig mit den Augen. „Keine Sorge, ich habe die Zeit genutzt, während Sie geschlafen haben."

Hermine war erleichtert. Und in der Tat, der alkoholische Geruch war vollkommen aus dem Raum verschwunden, wie sie erst jetzt bemerkte. Sie sog, so unauffällig es ging, die Luft ein und nahm einen angenehmen Duft aus seiner Richtung wahr, der ihr so noch nie zuvor aufgefallen war.

„Sollen wir gehen?", fragte sie vorsichtig, um die unangenehme Stille zu durchbrechen.

Er nickte, machte jedoch keine Anstalten, von der Tür wegzutreten.

Hermine runzelte die Stirn.

„Miss Granger", sagte er in ungewohnt mildem Ton. „Ihnen ist vielleicht noch nicht bewusst, was es für Folgen haben wird, wenn Sie diese Räumlichkeiten verlassen ..."

Ihre braunen, unschuldigen Rehaugen sahen ihn voller Erwartung an und er stutzte. Sekunden vergingen, in denen sie sich wortlos gegenüberstanden, dann räusperte er sich.

„Wie dem auch sei, Sie dürfen sich nicht die Blöße geben und darauf eingehen, was andere Schüler zu Ihnen sagen werden."

Sie nickte zaghaft und bekam ein ungutes Gefühl in ihrer Bauchgegend. „Was ist gestern geschehen?", fragte sie leise.

Er räusperte sich erneut. Ohne darauf einzugehen trat er beiseite.

Großartig!

Ganz plötzlich hatte sie es nicht mehr so eilig, die Kerkerräume zu verlassen. „Als Sie getrunken hatten, waren Sie gesprächiger", bemerkte sie zaghaft.

Snape presste die Kiefer aufeinander. „Was erwarten Sie von einem betrunkenen Mann, Miss Granger?"

„Dass er mir Dinge sagt, die er unter anderen Umständen niemals sagen würde."

Er warf ihr einen scharfen Blick zu. „Das sind die Worte eines Teenagers."

„Oh, immerhin sind wir jetzt schon so weit, dass ich kein Kind mehr bin."

Er schnaubte. „Sie wollen kein Kind mehr sein? Dann beweisen Sie allen das Gegenteil. Zeigen Sie, dass Sie fähig sind, mit der Situation umzugehen."

Sie sah ihm in die Augen und erkannte die Ernsthaftigkeit darin. Er war bereit, die Fassade aufrecht zu erhalten, genauso wie er um Dumbledores Willen zugestimmt hatte, sie zur Frau zu nehmen. Er würde sie nicht alleine lassen und mit ihr gemeinsam in die große Halle einmarschieren. Die einzige Frage, die sich nun stellte, war folgende: würde sie es ebenfalls schaffen?

Hermine atmete tief ein und aus. „In Ordnung", sagte sie schließlich. „Das ganze ist ein Spiel, richtig?"

Er kniff die Augen zusammen. „Wenn Sie es so wollen …"

„Dann mal los."