Die Tage vergingen nun sehr schnell. Um die Ernsthaftigkeit ihres Studienwunsches und ihre allgemeine Leidensfähigkeit zu testen, ließ Snape Jean Pale die erste Woche nur niedere Aufträge erledigen: Phiolen reinigen, Kessel schrubben, Feuerholz stapeln, ja sogar sein Vorratsregal ließ er von ihr abschleifen und neu streichen – natürlich alles ohne Magie.

Obwohl sie stets gewissenhaft und zügig versuchte, seinen Ansinnen beizukommen, hatte Snape doch immer den einen oder anderen Kritikpunkt vorzubringen.

„Wenn Sie so weiter machen, wird das Glas noch dünnwandig!", kommentierte er kühl ihre Bemühungen, einen besonders milchigen Glaskolben zu polieren.

„Mal angenommen, ich griffe mir dieses Scheit-.", was er sodann auch tat. Sofort rutschte der mühsam gestapelte Haufen zusammen und Holzscheite kullerten durch den ganzen Keller. „Nun, da müssen Sie wohl leider noch einmal anfangen." Er grinste süffisant und ergänzte: „Diesmal bitte so, dass es auch hält, ich habe keine Lust, von Ihrer Feuerholzpyramide erschlagen zu werden."

„Sehen Sie: hier steht noch etwas ab. Nicht auszudenken, wenn Sie mit Ihrem Umhang daran hängen bleiben würden.", mit seinem gelblichen Finger hatte er über das bereits samtweiche Holz seines uralten Regals gestrichen, bis er eine winzige Erhebung erspürte. Er entblößte seine ungleichmäßigen Zähne zu einer verzerrten Grimasse blanken Spottes, sodass Miss Pale nicht wusste, ob er sie kritisieren oder veralbern wollte.

Es gefiel Snape, dass sie ihn nicht einzuschätzen wusste und er fand es belustigend, dass sie die Unebenheit tatsächlich noch schnell behob, als sie meinte, er würde gerade nicht hinschauen.

Dass sie ihm praktisch ausgeliefert und verunsichert war, reizte Severus zu immer weiteren Garstigkeiten.

Doch Miss Pale hatte rasch begriffen, dass Snape seinen Wissensschatz nicht ohne Weiteres preisgeben würde. Sie wollte sich ihrerseits aber nicht so schnell unterkriegen lassen. Sie konnte nur hoffen, dass Snapes Keller bald komplett auf Vordermann gebracht war, damit er gezwungen war, sich auf die eigentliche Kunst zu konzentrieren.

Tatsächlich hatte er eines Morgens im Wohnzimmer verkündet: „Holen Sie Ihren Reisemantel, Miss Pale! Wir haben Besorgungen zu machen.".

Euphorisch war Miss Pale die Treppe hoch in ihr Zimmer gerannt und hatte nur Sekunden später abreisebereit neben ihrem Meister gestanden. „Werden Aufrufezauber nicht mehr gelehrt in Hogwarts?", lautete dessen kaltschnäuziger Kommentar. Miss Pales Wangen wurden rosa und ehe sie sich mal wieder entschuldigen konnte, ergänzte Snape kühl: „Appariert sind Sie doch wenigstens schon einmal, oder…?"

„Ja, Sir, ich habe die Apparierprüfung im Frühjahr erfolgreich abgelegt.", beeilte sie sich, zu antworten.

„Meinen Glückwunsch. Dann dürfte Ihnen das Seit-an-Seit-Apparieren ja kaum Schwierigkeiten bereiten.", kühl hielt er ihr seinen Arm hin und jäh überkamen ihn die Erinnerungen: sie war damals kaum älter als Miss Pale jetzt und mit dem gemeinsamen Apparieren hatte sich eine ungeahnte Nähe zu ihr aufgebaut: Hermine.

Der altbekannte bittersüße Schmerz, den dieser Name für ihn bedeutete, kehrte in sein erkaltetes Herz zurück und ließ seinen Blick für einen Augenblick abwesend wirken.

Jean Pale beobachtete seine Regung interessiert und sogleich riss sich Severus Snape wieder zusammen. Blitzschnell bohrte er den strengen Blick seiner finsteren Augen forschend in ihre. Verlegen sanken ihre Augenlider nieder und verhinderten so wie nebenbei, dass er zu tief im strahlenden Blau ihrer Augen versank und Wahrheiten fand, die er nicht kennen durfte.

Zum ersten Mal nahm er die junge Frau vor sich wirklich wahr und verglich sie unbewusst mit der Miss Granger, die er so eigentümlich zu lieben gelernt hatte. Ihr Bild war auch nach all den Jahren überdeutlich in sein Herz gebrannt.

Miss Pale war kleiner und noch viel mädchenhafter. Dennoch war zu erahnen, dass sie wohl eine hübsche Frau werden würde. Ihre zierliche Gestalt sowie die hellen Haare ließen Snape an eine Fee denken und automatisch unterstellte er ihr auch deren eitles Wesen.

Seine Betrachtungen waren oberflächlich und er machte sich nicht die Mühe, in Jeans Seele blicken oder irgendwelche Gemeinsamkeiten mit seiner späten Liebe sehen zu wollen, obgleich diese sehr wohl vorhanden waren: Miss Pales Haar war zwar kürzer und beinahe weiß, doch genauso störrisch wie das von Miss Granger und wenn sie lächelte, erkannte man obere Schneidezähne, die einen Ticken zu lang waren.

Außerdem reichte sie in Sachen Enthusiasmus und Fleiß durchaus an Hermine heran. Aber Snape sah in ihr nicht mehr, als das notwendige Übel, um seinen Großmeistertitel behalten zu können. Er mochte keine Kinder und Miss Pale war in seinen Augen eines.

Als sie schließlich nach einigen Wimpernschlägen seinen Arm ergriff, weil er ihn noch immer stumm hinhielt, war Snape sofort wieder im Hier und Jetzt. Er verdrängte die Erinnerungen und fokussierte auf den Ort, an den er Miss Pale nun mitnehmen wollte.

Im nächsten Augenblick befanden sich Snape und Miss Pale in der Nähe eines kleinen Dorfes im Südwesten Großbritanniens auf einer nass glänzenden Straße. Der Himmel war Wolken verhangen und die aufgehende Sonne drang kaum durch die dichten Fäden des beständigen Landregens, der hier niederging.

Ungerührt und stumm beschwor Snape einen Schutzzauber über sich, der den Regen wie ein unsichtbarer Regenschirm abhielt. Miss Pale zückte ihren Zauberstab und tat es ihm gleich.

„Wir sammeln heute Schneckenschleim.", verkündete der Meister die Tagesaufgabe. Dass Miss Pales Gesicht einen angewiderten Ausdruck annahm, ließ Snape bösartig grinsen. „Haben Sie ein Problem damit?", fragte er sie, wohl wissend, dass sie sich etwas Spannenderes von dem Tag draußen erhofft hatte.

„Ähm…nein, Meister. Nur eine Frage.",

Snape hob fragend die Augenbrauen.

„Warum kaufen wir solche Zutaten nicht einfach in einer Apotheke?"

Nun schnaufte er und tat enttäuscht: „Oh, wie schade. Sind Sie sich zu fein für diese Arbeit? Es ist doch so ein herrlicher Tag für einen Ausflug an der frischen Luft!", während Jean sichtbar bereute, etwas gesagt zu haben, fuhr Snape wieder tadelnd fort: „Wenn Sie sich tatsächlich so für Zaubertränke interessieren, sollten Sie wissen, dass die besten Zutaten jene sind, die man selbst gesammelt hat! Überdies sind die Preise für frischen Schneckenschleim – genau wie für die meisten anderen Ingredienzien auch – alles andere als angemessen!"

Er griff in seine Umhängetasche und holte zwei Sammelschalen hervor. Eine reichte er Miss Pale.

„Keine Nacktschnecken verwenden! Deren Sputum ist von minderer Qualität. Unglücklicherweise muss man die Tierchen stressen, damit sie schön schleimen. Das kostet sie viel Energie, deshalb bekommen sie im Anschluss diese Nährlösung auf Wasserbasis mit Algenaufwuchs.", ein weiterer Behälter, gefüllt mit einer Gel-artigen Substanz, kam aus seiner Ledertasche zum Vorschein. Miss Pale erinnerte sich, dass er die letzten Tage in einer Art kleinem Aquarium offenbar genau jenes Schneckenkraftfutter hergestellt hatte. Auch wenn er ihr untersagt hatte, ihn nach Dingen zu fragen, die er nicht von sich aus erwähnte, so konnte sie doch wenigstens die richtigen Schlüsse ziehen.

„Wenn Sie ein viel versprechendes Exemplar gefunden haben…"- er sah sich suchend und mit dem Zauberstab leuchtend auf der halbdunklen Straße um, bis er tatsächlich eine Schnecke erblickte, die er sogleich mit Daumen und Zeigefinger aufklaubte. „…Halten Sie es mit der einen Hand und kitzeln es mit der anderen." Er richtete seinen Zauberstab auf den Bauchfüßer, was aussah, als wolle er mit Kanonen auf Spatzen schießen.

Tatsächlich wand sich der feuchte Körper des Tieres und glänzte bald darauf überaus schleimig. Snape hockte sich nun und hielt die Molluske über sein am Boden stehendes Schälchen. Mittels Zauberstab zog er den frisch gebildeten Schleim ab und gab ihn in das Glasförmchen. Dann setzte er die Schnecke in das Gefäß mit der Weichtiernahrung, welches er an den Randstreifen der Straße stellte.

Gebannt war Jean seiner Vorführung gefolgt. Sie war fasziniert davon, wie feinfühlig der zu ihr immer so bösartige Snape mit dem Tier umgegangen war und sah jetzt, wie die Schnecke zaghaft ihre Fühler ausstülpte und sich in ihrem Schlaraffenland umzusehen schien.

„Wenn es zu warm wird, verschwinden unsere kleinen Freunde, Miss Pale! Wenn Sie sich also langsam an die Arbeit machen würden, hätten wir bessere Chancen, mit nur einem Einsatz einen genügenden Vorrat anzuschaffen.", der Großmeister hatte bereits das nächste spiralig gewundene Häuschen in den langen Fingern, um dessen Besitzer zu ärgern. Jean sprang auf und machte sich ihrerseits auf die Suche.

„Welche Anwendungsmöglichkeiten für Schneckenschleim kennen Sie?", wollte Snape nach einigen schweigsamen Minuten wissen.

Wie auswendig gelernt, betete sie ihre Kenntnisse herunter: „Schneckenschleim wird in geringen Dosen zum Andicken dünner Essenzen verwendet und dient als Verschluss für heikle Tränke, die zum Beispiel von Korkstopfen ruiniert würden. Die innere Anwendung kann einer Vergiftung vorbeugen, wenn man gezwungen ist, Unbekanntes oder Verdorbenes zu konsumieren oder den Verdacht hat, jemand wolle einem ein Toxin unterjubeln. Noch recht neu muss die Verwendung in einer Verjüngungscreme sein, von der ich bisher nur in Ihrem Buch gelesen habe."

Gerade setzte sie eine entschleimte Schnecke in die Spezialnahrung und ihr Meister korrigierte: „Beinahe volle Punktzahl, Miss Pale. Die Äußere Anwendung ist jedoch weder neu, noch stammt die Idee dazu von mir. Diese Lorbeeren bekommen wohl die antiken Römer und Griechen, die Schneckenschleim schon beizeiten als Hautwundermittel erkannten. Wie so vieles, gerieten die positiven Eigenschaften der oft als Schädlinge empfundenen Weichtiere wohl in Vergessenheit.

Tatsache ist, dass der Schleim reich an Enzymen und Vitaminen ist, was inzwischen selbst die Muggel wiederentdeckt haben. Die Verjüngungscreme, von der sie sprachen, hat als Konglomerat diverser Inhaltsstoffe tatsächlich den Effekt, den Anwender rein optisch zu verjüngen. Wer sich nur vorübergehend und kurzfristig ein frischeres Äußeres verpassen möchte, greift eher zu einer Salbe, als einen komplizierten Jugendlichkeitstrank zu brauen, der mindestens zwei Wochen Reifung benötigt."

„Wie lange hält die Wirkung an?", fragte Jean nach. Sie wollte es ausnutzen, dass ihr sonst wortkarger oder sarkastischer Meister einmal in Lehrstimmung war.

„Je nach Qualität und Hauttyp – acht bis zwölf Stunden. Unter Umständen kommt es also zu einem bösen Erwachen, sollte man sich aufgrund von Verjüngungscreme einen Übernachtungsgast aufgehalst haben.", deutete Snape mit schiefem Mund an.

Miss Pale sah kurz zu ihm, doch seine ganze Aufmerksamkeit schien dem Kriechtier in seiner Hand zu gelten. Es hatte inzwischen zu regnen aufgehört und Snapes schlanke Silhouette hob sich dunkel vor dem hellgrauen Himmel ab.

„In Ihrem Alter sollten Sie jedoch nicht einmal dran denken, sich optisch oder tatsächlich zu verjüngen.", schob er schließlich überraschend nach. „Abgesehen davon, dass ich keine weiteren Übernachtungsgäste in meinem Haus dulde." Streng sah er auf Miss Pale hinab, die sich geschwind wieder eine Schnecke suchte, um den Blick nicht erwidern zu müssen. „Keine Sorge, Sir! Ich habe nicht vor, mich von Irgendetwas oder Irgendwem von meinem Studium bei Ihnen ablenken zu lassen!"

Severus' Augenbrauen taten einen kleinen erstaunten Hüpfer und dann sagte er: „Wie überaus klug von Ihnen.".

Mehr fiel ihm dazu im Augenblick nicht ein und so arbeiteten sie noch eine Weile schweigend neben einander her.

Als die Sonne bereits begann, weite Teile der Straße zu trocknen, meinte Snape schließlich: „Das sollte genügen." Er verschloss sein gut gefülltes Sammelschälchen und steckte es in seine Ledertasche. Jean entschleimte noch rasch ihre letzte Schnecke und verschloss dann auch ihre Schale. Snape hatte derweil den Rest vom Molluskennährmittel an den Straßenrand gekippt und ihre beiden letzten Schnecken labten sich nun daran.

Erwartungsvoll stellte sich Jean neben Snape, der aber machte eine auffordernde Geste und sprach: „Wir gehen noch ein Stück."

Sie gingen die Straße von dem Muggeldorf weg und verließen sie schließlich, um in einen kleinen Wald zu gelangen.

Die nahe liegende Frage, wo sie denn hingingen und was sie als nächstes sammeln würden, wagte die junge Frau nicht zu stellen. So langsam traute sie sich überhaupt nur noch, zu sprechen, wenn sie etwas gefragt wurde, was Snape zwar den Grund für schnippische Anmerkungen nahm, aber dafür auch seine Ruhe sicherte.

Er war es dann auch, der nach einer gefühlten Ewigkeit, wieder zu reden begann: „Sie sollten sich eine Sammeltasche zulegen – nicht unähnlich der meinen. Und die sollten Sie fortan immer mit sich nehmen, wenn Sie das Haus verlassen. Als Tränkebrauer kann man nie wissen, wann sich einem eine unverhoffte Gelegenheit bietet, die eine oder andere Zutat zu bekommen. Deshalb führen Sie stets ein Sortiment leerer Gefäße mit sich und so sie von einem Stoff reichlich beschaffen konnten, haben sie auch davon jederzeit eine Probe dabei für eventuell sich ergebende Tauschgeschäfte. Weil immer etwas Unvorhergesehenes passieren kann, denken Sie auch an eine Trinkflasche. Idealerweise gefüllt mit Wasser. Wir werden von nun an jeden Sonntagmorgen Sammeln gehen…um diese Zeit bleibt man am ehesten ungestört. Es können weitere Sammeltage hinzukommen, wenn es eine Zutat beispielsweise erfordert, dass man sie bei Neu- oder Vollmond beschaffe."

Sie streiften durch das Wäldchen bis es heller wurde und sich eine Lichtung vor ihnen auftat. Farne und Wildkräuter glitzerten im Sonnenlicht. Hier war noch alles nass vom Regen. Snape ging zielstrebig zu einer dunkelviolett blühenden Pflanze und rief Jean Pale mit einer ungeduldigen Geste heran.

„Was sehen Sie hier?", wollte er wissen.

„Blauen Eisenhut, Meister Snape.", antwortete sein Lehrmädchen beflissen.

„Was zeichnet ihn aus?", fragte er weiter.

„Er zählt zu den giftigsten Pflanzen in unseren Breiten. Schon der Verzehr weniger Gramm führt zum raschen Tod durch Atemnot und Herzstillstand. Wir sind wahrscheinlich auf die Wurzel aus, die zerrieben einen wichtigen Bestandteil des Wolfsbanntrankes ausmacht?", Bestätigung erwartend sah Jean auf in Snapes gleichgültige Miene. Er musterte sie und überwand sich schließlich zu einem schwachen Lob:

„Gar nicht mal so schlecht, Miss Pale. Leider wieder einmal unvollständig: Akonit, oder Wolfswurz, wie der Eisenhut häufig in älteren Werken genannt wird, ist in allen Bestandteilen hochgiftig. Beim Sammeln sollte man daher Hautkontakt dringend vermeiden. Bei Zarthäutigen führt schon eine flüchtige Berührung zu heftigen Taubheitsgefühlen.

Was den Wolfsbanntrank angeht, so machen Sie sich keine falschen Hoffnungen: bis Sie den brauen dürfen, vergehen noch einige Mondzyklen.", ein satanisches Grinsen huschte über sein Gesicht ehe er sie aufforderte: „Graben Sie die Pflanze aus! Sie nehmen sie komplett mit und werden sie bis Mittwoch in allen wesentlichen Teilen skizziert und beschriftet haben, sowie einen Aufsatz von siebzig Zentimetern über Biologie und pharmazeutische Bedeutung ebenso wie über die Anwendungsgebiete in der Zaubertrankbrauerei verfasst haben. Abgabe ist sechs Uhr morgens.

Anschließend werden wir die Wurzel reiben und ich eröffne Ihnen was im Allgemeinen und beim Wolfsbanntrank im Speziellen, den Unterschied zwischen Gift und Heilmittel ausmacht."

Jean nickte entschieden und zauberte sich aus ihren verlängerten Umhangärmeln ein Paar Handschuhe, um ihre Hände vor den Toxinen der Pflanze zu schützen. Dann richtete sie ihren Zauberstab auf die Stelle, an der der Stängel aus der Erde trat und überlegte. Schließlich wandte sie sich zu Snape um, der schon wieder selbstgefällig den Mund verzogen hatte.

„Sir, bitte entschuldigen Sie meinen Mangel an Erfahrung, aber wie grabe ich die Pflanze am Besten aus, ohne sie zu beschädigen?", sie wollte nicht wieder von ihm erinnert werden müssen, dass sie eine Hexe war, jedoch fiel ihr kein passender Zauberspruch ein, der zum schonenden Ausgraben eines Lebewesens geeignet gewesen wäre.

„Oh…", tat Snape überrascht. „Schade…ich hatte mich schon darauf gefreut, Sie in der Erde wühlen zu sehen, wie einen Frischling…Na schön. Zielen Sie weiter auf diese Stelle und versuchen Sie ‚Exhumeo'."

Miss Pale tat wie geheißen und tatsächlich: wie von selbst schoss die Staude aus dem Waldboden und schnell griff Jean zu. Ein bisschen stolz sah sie zu ihrem Meister, der nur ein abfälliges Schnauben für sie übrig hatte und sich dann abwandte.

Den restlichen Sonntagvormittag verbrachten sie noch in dem Wäldchen, wo Snape Miss Pale noch das eine oder andere Kraut bestimmen ließ und selbst einiges sammelte, während sie vollauf damit beschäftigt war, ihren Eisenhut nicht zu knicken.

Mit den gehexten Handschuhen war ihr bald ziemlich warm geworden und zu trinken hatte sie nichts mitgenommen gehabt. So schien sie überaus froh, als sie zur Mittagszeit wieder nach Spinner' s End apparierten und Snape gnädig verkündete, er wolle sie heute nicht länger sehen.

Snape war recht zufrieden mit sich: Er war zu einer beachtlichen Menge Schneckenschleim gekommen und hatte sich genügend Arbeit von dem Außeneinsatz mitgebracht, um sich in der kommenden Woche nicht langweilen zu müssen, wenn er Miss Pale stumpfsinnige und überflüssige Tätigkeiten verrichten ließ.

Er war zudem sehr froh, sich für den Rest des Tages nicht mit ihr abgeben zu müssen. Alles zu erklären, was für ihn seit Jahrzehnten selbstverständlich war, ermüdete ihn und hätte er nicht immer wieder kleine Schikanen einbauen können, an denen er sich erheiterte, wäre sie mit Sicherheit schon Opfer seiner schlechten Laune geworden. So aber warf er ihr immer wieder kleine Häppchen seines Wissens zu und ließ sich im Gegenzug von ihrer Unerfahrenheit unterhalten.