Tut mir schrecklich leid, dass ihr so lange habt die Fortsetzung warten
müssen. Ich habe diese Fic eigentlich schon seit fast einem Jahr fertig^^,
aber ich hatte völlig vergessen dass ich bei Fanfiction.net auch noch einen
Account habe und meine Stories auch hier veröffentlich hab^^. So, dafür
lade ich gleich alle Teile hoch.
Kapitel III
Besorgt beobachtete Marron, wie Chiaki ihre Tochter untersuchte. Ihre Besorgnis über den Gesundheitszustand Natsukis wuchs beinahe ins unermessliche und sie fühlte sich in diesem Moment mehr als hilflos. "Chiaki, bitte tu was." flehte sie ihren Mann an, als Natsuki plötzlich vorsichtig die Augen aufschlug. "Natsuki, mein Engel." Marron nahm ihre Hand und legte sie sich an die Wange. "Mama, Papa..." "Psst." Chiaki schenkte seiner Tochter ein liebevolles Lächeln. "Du hattest anscheinend einen Kreislaufkollaps und bist bewusstlos zusammengebrochen." Stellte er fest, während er mit seiner Untersuchung fortfuhr. Natsuki begann langsam, sich an das Geschehene zu erinnern. Shinji! Schoß es ihr durch den Kopf. Als er sie geküsst hatte, waren diese Bilder wie aus dem Nichts vor ihrem inneren Augen aufgetaucht. Geküsst. Shinji hatte sie geküsst. Entsetzt riss Natsuki die Augen auf. Trotz ihrem elenden Zustand spürte sie augenblicklich die Wut in sich aufsteigen. Was war ihm nur eingefallen das zu tun. Marron bemerkte, wie sich Natsuki's Miene verfinsterte. Sie drückte ihre Hand, um ihr auf die Art zu zeigen, dass sie für sie da war, was auch immer sie gerade durchlitt. Shinji tigerte unruhig in der Wohnung auf und ab. Was zum Teufel war nur mit Natsuki geschehen, fragte er sich. Er rief sich die Bilder ins Gedächtnis, die sich vor kurzem in ihrem Zimmer abgespielt hatte und die Erinnerung an ihren starren Blick, ihrem blassen Gesicht, kurz bevor sie das Bewusstsein verloren hatte, ängstigten ihn. Sie hatte so ausgesehen, als hätte sie sich in Trance befunden und ihr Geist schien weit entfernt gewesen zu sein. Sie hatte weder ihn, noch alles andere um sich wahrgenommen und schließlich... Wütend rammte Shinji seine Faust gegen die Wand. Die Sorge, die er in diesem Moment durchlitt machten ihn geradezu wahnsinnig. Er wollte so gerne bei ihr sein, doch Marron und Chiaki hatten ihn gebeten nach Hause zu gehen. Sie hatten ihm versprochen sich sofort zu melden, sobald Natsuki wieder bei Bewusstsein war, doch noch immer war kein Anruf gekommen und das machte ihm zu schaffen. Er kannte dieses Gefühl noch zu gut, dieses schreckliche Gefühl, der Hilflosigkeit, als Fynn in seinen Armen gestorben war und nun hatte er das Gefühl, als würde man sie ihm wieder wegnehmen wollen. "Wag es! Hörst du mich, Herr!" schrie er wutentbrannt und blickte nach oben. "Wag es, sie mir noch einmal wegzunehmen, dann gnade dir Gott!" Plötzlich hielt er inne, als er sich dessen bewusst wurde, was er gerade gesagt hatte. "Verflucht!" stieß er verärgert hervor und ballte die Hand zu einer Faust. "Von wegen gnade dir Gott." Schalt er sich selbst. "Er ist Gott, elender Idiot."
Die nächsten darauffolgenden Tage blieb Natsuki zuhause, denn ihre Eltern verlangten absolute Bettruhe von ihr, da der plötzliche Zusammenbruch von ihr ihnen nicht geheuer war. Gelangweilt lag Natsuki auf der Couch und versuchte sich die Langeweile mit Lesen zu vertreiben, als ihre Mutter vom Einkaufen nach Hause kam. "Natsuki." Stieß Marron empört aus. "Du solltest dich doch schonen." Mit besorgtem Gesicht zeigte sie auf das Buch in Natsukis Hand. "Mama, ich versuche doch keine Bäume auszureißen, sondern lediglich zu lesen. Ich wüsste nicht, was daran schädlich ist." Entgegnete ihre Tochter mit einem schiefen Grinsen, woraufhin Marron anfing zu lachen. "Entschuldige, mein Engel. Ich bin nur ein wenig durch den Wind, durch das, was geschehen ist." Meinte Marron und schenkte Natsuki ein Lächeln, während sie innerlich mit Grauen daran zurückdachte, wie sehr sie damals gelitten hatte, als Fynn sich für sie geopfert hatte. Nein, ihren kleinen geliebten Engel noch einmal zu verlieren konnte und wollte sie nie wieder erleben müssen. Der Anblick ihrer bewusstlosen Tochter hatte sie an dem Tag jäh an die Vergangenheit erinnert und Marrons Herz hatte sich dabei vor Schmerz verkrampft. Unwirsch schüttelte sie diesen Gedanken ab. Nein, auf keinen Fall dürfte das je wieder geschehen und dafür würde sie alles in ihrer Macht stehende tun. "Mama, ist alles in Ordnung." Unterbrach Natsuki sie aus ihren Gedanken. "Jetzt ja, Engel." Antwortete diese lächelnd, dann machte sie sich daran das Essen vorzubereiten. "Übrigens," meinte Marron im Vorbeigehen. "Shinji hat nach dir gefragt. Wieso willst du nicht, dass er dich besuchen kommt. Er macht sich die größten Sorgen." Shinji. Allein bei der Erwähnung seines Namens stieg in Natsuki wieder die Wut über ihn hoch. Oh nein, dachte sie sich, der Kerl hatte für die nächste Zeit bei ihr verspielt. Er hatte es gewagt sie zu küssen und das würde sie ihm mit Sicherheit nicht so schnell vergessen, nahm sie sich fest vor. Und doch... Die Erinnerung an diesen Kuss ließ ihr Herz auf verdächtige Weise höher schlagen. Sie konnte noch deutlich spüren, wie sich seine Lippen angefühlt hatten, konnte den Glanz in seinen wunderschönen dunklen Augen sehen. "Wunderschön! Von wegen wunderschön!" zischte sie, doch das leise Trommeln in ihrer Brust strafte ihrer Worte Lügen. Eines jedoch war ihr noch immer ein Rätsel. Warum nur hatte sie genau in dem Augenblick, als Shinji sie geküsst hatte, diese merkwürdige Vision gehabt. Sie hatte IHN gesehen und nicht wie in ihren Träumen sonst, sondern... "Er liebt mich." Flüsterte sie zu sich selbst und blickte verträumt ins Leere. Natsuki fragte sich jedoch erneut, warum ausgerechnet Shinjis Kuss diese Bilder hervorgerufen hatte oder war das ganze nur ein Zufall gewesen. Sie hatte schließlich kurz davor einen merkwürdigen Tagtraum gehabt. War es überhaupt ein Traum gewesen?
"Natsuki!" Überschwänglich schlang Shinji seine Arme um das junge Mädchen und drückte sie herzhaft an seine Brust, anders konnte er seine Erleichterung darüber, dass sie endlich wieder gesund war, einfach nicht ausdrücken. Erbost stieß Natsuki ihn von sich. "Was fällt dir ein, du Idiot!" fauchte sie den jungen Mann mit zusammengebissenen Zähnen an. "Stoß mich doch nicht immer weg, mein süßer Engel." "Du nervst!" Mit einem dumpfen Schlag krachte Natsukis Faust gegen sein Kinn. "Was soll das?" Mit schmerzverzerrtem Gesicht stütze Shinji sich an der Hauswand ab, denn Natsukis Faustschlag hatte mehr als gesessen. Benommen fasste er sich an die Stirn und unweigerlich fragte er sich, womit er dass nur immer wieder verdient hatte. "Man, wie kommen die Leute nur darauf dich als lieb zu bezeichnen." "Shinji!" Erschrocken fuhr Shinji zusammen. Als hätte er angst, Natsuki könnte ihm erneut einen Schlag verpassen, presste er sich fester mit dem Rücken an die Wand. "Du Feigling!" meinte Natsuki mit einem spöttischen Blick und wandte sich zum gehen ab. "Feigling? Falls du es vergessen haben solltest, Natsuki mein Engel, Kendo sollte man nur zur Verteidigung anwenden und nicht damit, liebenswerte junge Männer, wie ich einer bin zu schlagen!" "Ich habe mich verteidigt, Shinji. Verteidigt vor einem Idioten, der nichts besseres zu tun hat, als mich ständig zu nerven!" "Dich nerven? Früher oder später wirst du schon noch merken, dass wir für einander bestimmt sind, meine Süße. So wie es früher einmal war." 'Früher...' schoss es Natsuki durch den Kopf und drehte sich hastig zu Shinji um. "Was meinst du damit?" fragte sie ihn barsch und kniff die Augen zu engen Schlitzen. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dich..." "Ach, vergiss es." Meinte Shinji so beiläufig wie möglich, doch der unsichere Tonfall seiner Stimme strafte seiner Worte Lügen. Während des ganzen Kendotrainings musste Natsuki ständig an Shinji's Worte denken und sie konnte sich einfach keinen Reim darauf machen, was er damit wohl gemeint haben könnte. Früher... Sogar ihre Eltern hatten ihre Vergangenheit schon einmal, im Zusammenhang mit dem Ohrring, angesprochen. Und diese wirren Träume, die sie jede Nacht hatte, gab es eine Verbindung zu allem? "So ein Unsinn!" schalt sie sich selbst und versuchte ohne großen Erfolg sich auf das Training zu konzentrieren. Auch ihre merkwürdigen Tagträume nahmen von ihren Gedanken besitz und sie konnte einfach keine Erklärung für das ganze finden. Diese Tatsache zermürbte sie. Sogar Shinji's Kuss hatten diese unerklärliche Vision vor ihrem geistigen Auge erscheinen lassen, aber was nur hatte Shinji mit dem Fremden aus ihren Träumen zu tun. Warum hatte sie ausgerechnet in jenem Augenblick diese Vision gehabt. Fragen über Fragen und die Erkenntnis, dass es darauf keine Antwort gab, ließen Natsuki beinahe verzweifeln.
"Pfannkuchen!" Gierig stürzte Shinji sich über das Essen und ignorierte den missbilligenden Blick Natsuki's, die größte Mühe damit hatte, sich zu beherrschen, nicht selbst das Essen zu verschlingen, das ihr Vater heute gemacht hatte. "Wieso musst du eigentlich immer hier essen, sobald es bei uns Pfannkuchen gibt?" fauchte Natsuki den jungen Mann an, wobei sie es vermied den mahnenden Blicken ihrer Eltern zu begegnen. "Nun," meinte Shinji mit einem Augenzwinkern und lächelte Chiaki dabei verschwörerisch an. "das war ein aaaltes Indianerehrenwort." "Was redest du eigentlich immer für einen Schwachsinn? Und was soll das blöde Gerede immer?" "Natsuki!" fuhr Chiaki nun ungeduldig dazwischen. "Nun lass den armen Jungen doch mal in Ruhe essen. Sei doch nicht immer..." "Lass nur, Chiaki- sama." Unterbrach Shinji ihn. "Das ist nur ihre Art mir zu zeigen wie gern sie mich hat." Das war genug. Wütend stand Natsuki auf und riss dabei den Stuhl hinter sich um. Shinji's fröhlich lächelndes Gesicht schürten ihren Ärger noch mehr und es fiel ihr sichtlich schwer die Beherrschung zu wahren. "Du Vollidiot!" stieß sie erbost aus. "Ich kann dich kein bisschen leiden und dass du es weißt, ich hasse dich!" "Ach," meinte dieser augenzwinkernd. "Das sagst du doch ständig, aber du und ich kennen doch die Wahrheit." Ihren Gezeter ignorierend aß Shinji ungerührt weiter. "Dieser Kerl macht mich noch wahnsinnig!" Wutschnaubend verließ Natsuki den Tisch und staubte davon. Das laute Zuknallen ihrer Zimmertür ließen die anderen zusammenzucken, wobei Marron besorgt auf die Türe blickte, hinter der ihre Tochter verschwunden war. "Access," wandte sie sich nun an den jungen Mann und legte die Stirn in Falten. "ärgere sie doch nicht immer." "Ich ärgere sie doch gar nicht. Ich halte ihr lediglich die Wahrheit vor Augen." Shinji entgegnete Marron's besorgten Blicken. "Tja, das ganze Unterfangen ist weitaus schwieriger, als ich es mir gedacht habe, aber ich schrecke auch vor dieser Herausforderung nicht zurück. Eure Tochter hat wirklich mehr als Feuer in ihrem Blut und genau das liebe ich an ihr. Sie ist so furchtbar stur und eigensinnig." "Das reizt dich?" hakte Chiaki ungläubig nach. "Sie verpasst dir bei jeder Gelegenheit einen kräftigen Schlag und das gefällt dir auch noch?" Bei Chiaki's Worten musste Shinji unweigerlich lachen. "Das ist nur ihre Art mir ihre Liebe zu zeigen." "Da hast du wohl recht." Stimmte ihm Chiaki lächelnd zu. "Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass es mir vor ein paar Jahren nicht anders ergangen ist." Marron horchte bei seinen Worten auf und verengte ihre Augen zu gefährlichen Schlitzen. "Ich will für dich hoffen, dass du nicht mich damit meinst!" "Nun sei doch nicht gleich so. Ich habe es ja nicht so gemeint. Außerdem bist du ein Lamm, im Gegensatz zu unserem 'Engel'."
Schweißgebadet schreckte Natsuki aus ihrem Schlaf hoch. Mit klopfenden Herzen blickte sie auf die Uhr und seufzte, als ihr klar wurde, dass es mitten in der Nacht war. Wie sollte sie nur Schlaf finden, wenn ihre Träume sie in letzter Zeit immer stärker heimsuchten und mit jeder Nacht sich diese schrecklichen Gefühle weiter verstärkten, dass es kaum noch zum Aushalten war. Wieder war ER ihr erschienen und zum ersten mal, seit Natsuki ihm in ihren Träumen begegnet war, spürte sie die unglaubliche Anziehungskraft, die sie immer weiter dazu trieb, endlich das Geheimnis seiner wahren Identität zu erfahren. "Wer bist du?" flüsterte Natsuki in die Dunkelheit des Raumes. Mit langsamen Bewegungen tastete sie sich ins Wohnzimmer vor, schob die Balkontür leise auf und trat nach draußen. Das Licht des Vollmondes erhellte die Nacht. Die Sommerluft war milde und Natsuki hörte das Zirpen vereinzelter Grillen, die die Stille der Nacht durchbrachen. Das junge Mädchen blickte in den klaren Sternenhimmel und lauschte auf das leise Rauschen des Meeres, das der Wind mit sich trug. Auf merkwürdige weise fühlte Natsuki diese innere Ruhe in sich, beim Anblick der Sterne. "Natsuki..." Die sanfte Stimme ihrer Mutter unterbrach sie aus ihren Gedanken. "Früher, als ich sehr einsam war, blickte ich oft zum Himmel. Mir war, als sei Gott mir in diesem Augenblick sehr nahe." Marron trat zu ihrer Tochter und folgte ihren Blicken nach oben. "Gott..." Natsuki blickte ehrfurchtsvoll zum Himmel. Vor ihrem inneren Auge erschien das Bild der fremden jungen Frau, die sie in ihrem Traum gesehen hatte, einer Frau mit Flügeln und der schmerzerfüllten Seele. "Glaubst du an Engel, Mama?" fragte Natsuki mit leiser Stimme. "Ja." Hauchte Marron und versuchte die Tränen zu unterdrücken, bei dem Gedanken an ihren Engel Fynn. "Meinst du solche reinen Wesen sind in der Lage Schmerz und Leid zu empfinden?" Die Frage ihrer Tochter verwirrte Marron leicht. "Wie kommst du darauf, mein Schatz?" "Ich weiß nicht... Mir war nur, als hätte ich von einem Engel geträumt und... und ich konnte ihre Schmerzen spüren." "Schmerzen?" "Ich kann es mir selbst nicht erklären, Mama. Es war, als wäre ich selbst ein Teil von ihr und ich konnte alles fühlen, was sie fühlte. Nie zuvor habe ich solche Qualen durchlitten. Es war, als hätte man ihre Seele zerrissen." Marron stockte bei Natsuki's Worten der Atem. Konnte es sein... War ihre Tochter etwa im Begriff sich an ihr Leben als Engel Fynn Fish zu erinnern? Sie wandte ihren Blick zu dem jungen Mädchen und sah sie nachdenklich an. Das Licht des Mondes erhellte Natsuki's kindliche Gesichtszüge, doch ihre traurigen Augen richteten sich ins Leere und Marron war, als würde in diesem Augenblick ihre Fynn vor ihr stehen. Der gefallene Engel Fynn. "Auch Engel haben Gefühle, Natsuki. Sie waren vor ihrem Dasein als Engel Menschen und sie sind wie wir in der Lage Schmerz und Liebe zu empfinden. Ja, selbst ein Engel mit reinem Herzen kann Sünden begehen. Er wird zu einem gefallenen Engel, doch trotz allem wird er niemals seine Seele verlieren." "Du weißt sehr viel darüber." Stellte Natsuki überrascht fest. Marron lächelte traurig. "Ich habe einmal einen Engel gekannt und über alles geliebt..." Marron unterbrach sich selbst, denn jede Erinnerung an den Verlust ihrer Freundin stimmte sie traurig. Gott hatte ihr ihren Engel zwar als Wiedergeburt ihrer Tochter wiedergegeben, doch rührte sie die Vergangenheit noch immer auf und es schmerzte daran zu denken. "Nun geh wieder ins Bett, mein Schatz. Es ist bereits sehr spät." Natsuki nickte zustimmend und drückte ihrer Mutter liebevoll einen Kuss auf die Wange, dann ging sie in die Wohnung. Marron blieb noch eine Weile stehen und blickte gedankenverloren in den sternenklaren Himmel. Mit ihren Gedanken war sie bereits weit in die Vergangenheit gerückt und nur der Mond war Zeuge ihrer Tränen.
Kapitel III
Besorgt beobachtete Marron, wie Chiaki ihre Tochter untersuchte. Ihre Besorgnis über den Gesundheitszustand Natsukis wuchs beinahe ins unermessliche und sie fühlte sich in diesem Moment mehr als hilflos. "Chiaki, bitte tu was." flehte sie ihren Mann an, als Natsuki plötzlich vorsichtig die Augen aufschlug. "Natsuki, mein Engel." Marron nahm ihre Hand und legte sie sich an die Wange. "Mama, Papa..." "Psst." Chiaki schenkte seiner Tochter ein liebevolles Lächeln. "Du hattest anscheinend einen Kreislaufkollaps und bist bewusstlos zusammengebrochen." Stellte er fest, während er mit seiner Untersuchung fortfuhr. Natsuki begann langsam, sich an das Geschehene zu erinnern. Shinji! Schoß es ihr durch den Kopf. Als er sie geküsst hatte, waren diese Bilder wie aus dem Nichts vor ihrem inneren Augen aufgetaucht. Geküsst. Shinji hatte sie geküsst. Entsetzt riss Natsuki die Augen auf. Trotz ihrem elenden Zustand spürte sie augenblicklich die Wut in sich aufsteigen. Was war ihm nur eingefallen das zu tun. Marron bemerkte, wie sich Natsuki's Miene verfinsterte. Sie drückte ihre Hand, um ihr auf die Art zu zeigen, dass sie für sie da war, was auch immer sie gerade durchlitt. Shinji tigerte unruhig in der Wohnung auf und ab. Was zum Teufel war nur mit Natsuki geschehen, fragte er sich. Er rief sich die Bilder ins Gedächtnis, die sich vor kurzem in ihrem Zimmer abgespielt hatte und die Erinnerung an ihren starren Blick, ihrem blassen Gesicht, kurz bevor sie das Bewusstsein verloren hatte, ängstigten ihn. Sie hatte so ausgesehen, als hätte sie sich in Trance befunden und ihr Geist schien weit entfernt gewesen zu sein. Sie hatte weder ihn, noch alles andere um sich wahrgenommen und schließlich... Wütend rammte Shinji seine Faust gegen die Wand. Die Sorge, die er in diesem Moment durchlitt machten ihn geradezu wahnsinnig. Er wollte so gerne bei ihr sein, doch Marron und Chiaki hatten ihn gebeten nach Hause zu gehen. Sie hatten ihm versprochen sich sofort zu melden, sobald Natsuki wieder bei Bewusstsein war, doch noch immer war kein Anruf gekommen und das machte ihm zu schaffen. Er kannte dieses Gefühl noch zu gut, dieses schreckliche Gefühl, der Hilflosigkeit, als Fynn in seinen Armen gestorben war und nun hatte er das Gefühl, als würde man sie ihm wieder wegnehmen wollen. "Wag es! Hörst du mich, Herr!" schrie er wutentbrannt und blickte nach oben. "Wag es, sie mir noch einmal wegzunehmen, dann gnade dir Gott!" Plötzlich hielt er inne, als er sich dessen bewusst wurde, was er gerade gesagt hatte. "Verflucht!" stieß er verärgert hervor und ballte die Hand zu einer Faust. "Von wegen gnade dir Gott." Schalt er sich selbst. "Er ist Gott, elender Idiot."
Die nächsten darauffolgenden Tage blieb Natsuki zuhause, denn ihre Eltern verlangten absolute Bettruhe von ihr, da der plötzliche Zusammenbruch von ihr ihnen nicht geheuer war. Gelangweilt lag Natsuki auf der Couch und versuchte sich die Langeweile mit Lesen zu vertreiben, als ihre Mutter vom Einkaufen nach Hause kam. "Natsuki." Stieß Marron empört aus. "Du solltest dich doch schonen." Mit besorgtem Gesicht zeigte sie auf das Buch in Natsukis Hand. "Mama, ich versuche doch keine Bäume auszureißen, sondern lediglich zu lesen. Ich wüsste nicht, was daran schädlich ist." Entgegnete ihre Tochter mit einem schiefen Grinsen, woraufhin Marron anfing zu lachen. "Entschuldige, mein Engel. Ich bin nur ein wenig durch den Wind, durch das, was geschehen ist." Meinte Marron und schenkte Natsuki ein Lächeln, während sie innerlich mit Grauen daran zurückdachte, wie sehr sie damals gelitten hatte, als Fynn sich für sie geopfert hatte. Nein, ihren kleinen geliebten Engel noch einmal zu verlieren konnte und wollte sie nie wieder erleben müssen. Der Anblick ihrer bewusstlosen Tochter hatte sie an dem Tag jäh an die Vergangenheit erinnert und Marrons Herz hatte sich dabei vor Schmerz verkrampft. Unwirsch schüttelte sie diesen Gedanken ab. Nein, auf keinen Fall dürfte das je wieder geschehen und dafür würde sie alles in ihrer Macht stehende tun. "Mama, ist alles in Ordnung." Unterbrach Natsuki sie aus ihren Gedanken. "Jetzt ja, Engel." Antwortete diese lächelnd, dann machte sie sich daran das Essen vorzubereiten. "Übrigens," meinte Marron im Vorbeigehen. "Shinji hat nach dir gefragt. Wieso willst du nicht, dass er dich besuchen kommt. Er macht sich die größten Sorgen." Shinji. Allein bei der Erwähnung seines Namens stieg in Natsuki wieder die Wut über ihn hoch. Oh nein, dachte sie sich, der Kerl hatte für die nächste Zeit bei ihr verspielt. Er hatte es gewagt sie zu küssen und das würde sie ihm mit Sicherheit nicht so schnell vergessen, nahm sie sich fest vor. Und doch... Die Erinnerung an diesen Kuss ließ ihr Herz auf verdächtige Weise höher schlagen. Sie konnte noch deutlich spüren, wie sich seine Lippen angefühlt hatten, konnte den Glanz in seinen wunderschönen dunklen Augen sehen. "Wunderschön! Von wegen wunderschön!" zischte sie, doch das leise Trommeln in ihrer Brust strafte ihrer Worte Lügen. Eines jedoch war ihr noch immer ein Rätsel. Warum nur hatte sie genau in dem Augenblick, als Shinji sie geküsst hatte, diese merkwürdige Vision gehabt. Sie hatte IHN gesehen und nicht wie in ihren Träumen sonst, sondern... "Er liebt mich." Flüsterte sie zu sich selbst und blickte verträumt ins Leere. Natsuki fragte sich jedoch erneut, warum ausgerechnet Shinjis Kuss diese Bilder hervorgerufen hatte oder war das ganze nur ein Zufall gewesen. Sie hatte schließlich kurz davor einen merkwürdigen Tagtraum gehabt. War es überhaupt ein Traum gewesen?
"Natsuki!" Überschwänglich schlang Shinji seine Arme um das junge Mädchen und drückte sie herzhaft an seine Brust, anders konnte er seine Erleichterung darüber, dass sie endlich wieder gesund war, einfach nicht ausdrücken. Erbost stieß Natsuki ihn von sich. "Was fällt dir ein, du Idiot!" fauchte sie den jungen Mann mit zusammengebissenen Zähnen an. "Stoß mich doch nicht immer weg, mein süßer Engel." "Du nervst!" Mit einem dumpfen Schlag krachte Natsukis Faust gegen sein Kinn. "Was soll das?" Mit schmerzverzerrtem Gesicht stütze Shinji sich an der Hauswand ab, denn Natsukis Faustschlag hatte mehr als gesessen. Benommen fasste er sich an die Stirn und unweigerlich fragte er sich, womit er dass nur immer wieder verdient hatte. "Man, wie kommen die Leute nur darauf dich als lieb zu bezeichnen." "Shinji!" Erschrocken fuhr Shinji zusammen. Als hätte er angst, Natsuki könnte ihm erneut einen Schlag verpassen, presste er sich fester mit dem Rücken an die Wand. "Du Feigling!" meinte Natsuki mit einem spöttischen Blick und wandte sich zum gehen ab. "Feigling? Falls du es vergessen haben solltest, Natsuki mein Engel, Kendo sollte man nur zur Verteidigung anwenden und nicht damit, liebenswerte junge Männer, wie ich einer bin zu schlagen!" "Ich habe mich verteidigt, Shinji. Verteidigt vor einem Idioten, der nichts besseres zu tun hat, als mich ständig zu nerven!" "Dich nerven? Früher oder später wirst du schon noch merken, dass wir für einander bestimmt sind, meine Süße. So wie es früher einmal war." 'Früher...' schoss es Natsuki durch den Kopf und drehte sich hastig zu Shinji um. "Was meinst du damit?" fragte sie ihn barsch und kniff die Augen zu engen Schlitzen. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dich..." "Ach, vergiss es." Meinte Shinji so beiläufig wie möglich, doch der unsichere Tonfall seiner Stimme strafte seiner Worte Lügen. Während des ganzen Kendotrainings musste Natsuki ständig an Shinji's Worte denken und sie konnte sich einfach keinen Reim darauf machen, was er damit wohl gemeint haben könnte. Früher... Sogar ihre Eltern hatten ihre Vergangenheit schon einmal, im Zusammenhang mit dem Ohrring, angesprochen. Und diese wirren Träume, die sie jede Nacht hatte, gab es eine Verbindung zu allem? "So ein Unsinn!" schalt sie sich selbst und versuchte ohne großen Erfolg sich auf das Training zu konzentrieren. Auch ihre merkwürdigen Tagträume nahmen von ihren Gedanken besitz und sie konnte einfach keine Erklärung für das ganze finden. Diese Tatsache zermürbte sie. Sogar Shinji's Kuss hatten diese unerklärliche Vision vor ihrem geistigen Auge erscheinen lassen, aber was nur hatte Shinji mit dem Fremden aus ihren Träumen zu tun. Warum hatte sie ausgerechnet in jenem Augenblick diese Vision gehabt. Fragen über Fragen und die Erkenntnis, dass es darauf keine Antwort gab, ließen Natsuki beinahe verzweifeln.
"Pfannkuchen!" Gierig stürzte Shinji sich über das Essen und ignorierte den missbilligenden Blick Natsuki's, die größte Mühe damit hatte, sich zu beherrschen, nicht selbst das Essen zu verschlingen, das ihr Vater heute gemacht hatte. "Wieso musst du eigentlich immer hier essen, sobald es bei uns Pfannkuchen gibt?" fauchte Natsuki den jungen Mann an, wobei sie es vermied den mahnenden Blicken ihrer Eltern zu begegnen. "Nun," meinte Shinji mit einem Augenzwinkern und lächelte Chiaki dabei verschwörerisch an. "das war ein aaaltes Indianerehrenwort." "Was redest du eigentlich immer für einen Schwachsinn? Und was soll das blöde Gerede immer?" "Natsuki!" fuhr Chiaki nun ungeduldig dazwischen. "Nun lass den armen Jungen doch mal in Ruhe essen. Sei doch nicht immer..." "Lass nur, Chiaki- sama." Unterbrach Shinji ihn. "Das ist nur ihre Art mir zu zeigen wie gern sie mich hat." Das war genug. Wütend stand Natsuki auf und riss dabei den Stuhl hinter sich um. Shinji's fröhlich lächelndes Gesicht schürten ihren Ärger noch mehr und es fiel ihr sichtlich schwer die Beherrschung zu wahren. "Du Vollidiot!" stieß sie erbost aus. "Ich kann dich kein bisschen leiden und dass du es weißt, ich hasse dich!" "Ach," meinte dieser augenzwinkernd. "Das sagst du doch ständig, aber du und ich kennen doch die Wahrheit." Ihren Gezeter ignorierend aß Shinji ungerührt weiter. "Dieser Kerl macht mich noch wahnsinnig!" Wutschnaubend verließ Natsuki den Tisch und staubte davon. Das laute Zuknallen ihrer Zimmertür ließen die anderen zusammenzucken, wobei Marron besorgt auf die Türe blickte, hinter der ihre Tochter verschwunden war. "Access," wandte sie sich nun an den jungen Mann und legte die Stirn in Falten. "ärgere sie doch nicht immer." "Ich ärgere sie doch gar nicht. Ich halte ihr lediglich die Wahrheit vor Augen." Shinji entgegnete Marron's besorgten Blicken. "Tja, das ganze Unterfangen ist weitaus schwieriger, als ich es mir gedacht habe, aber ich schrecke auch vor dieser Herausforderung nicht zurück. Eure Tochter hat wirklich mehr als Feuer in ihrem Blut und genau das liebe ich an ihr. Sie ist so furchtbar stur und eigensinnig." "Das reizt dich?" hakte Chiaki ungläubig nach. "Sie verpasst dir bei jeder Gelegenheit einen kräftigen Schlag und das gefällt dir auch noch?" Bei Chiaki's Worten musste Shinji unweigerlich lachen. "Das ist nur ihre Art mir ihre Liebe zu zeigen." "Da hast du wohl recht." Stimmte ihm Chiaki lächelnd zu. "Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass es mir vor ein paar Jahren nicht anders ergangen ist." Marron horchte bei seinen Worten auf und verengte ihre Augen zu gefährlichen Schlitzen. "Ich will für dich hoffen, dass du nicht mich damit meinst!" "Nun sei doch nicht gleich so. Ich habe es ja nicht so gemeint. Außerdem bist du ein Lamm, im Gegensatz zu unserem 'Engel'."
Schweißgebadet schreckte Natsuki aus ihrem Schlaf hoch. Mit klopfenden Herzen blickte sie auf die Uhr und seufzte, als ihr klar wurde, dass es mitten in der Nacht war. Wie sollte sie nur Schlaf finden, wenn ihre Träume sie in letzter Zeit immer stärker heimsuchten und mit jeder Nacht sich diese schrecklichen Gefühle weiter verstärkten, dass es kaum noch zum Aushalten war. Wieder war ER ihr erschienen und zum ersten mal, seit Natsuki ihm in ihren Träumen begegnet war, spürte sie die unglaubliche Anziehungskraft, die sie immer weiter dazu trieb, endlich das Geheimnis seiner wahren Identität zu erfahren. "Wer bist du?" flüsterte Natsuki in die Dunkelheit des Raumes. Mit langsamen Bewegungen tastete sie sich ins Wohnzimmer vor, schob die Balkontür leise auf und trat nach draußen. Das Licht des Vollmondes erhellte die Nacht. Die Sommerluft war milde und Natsuki hörte das Zirpen vereinzelter Grillen, die die Stille der Nacht durchbrachen. Das junge Mädchen blickte in den klaren Sternenhimmel und lauschte auf das leise Rauschen des Meeres, das der Wind mit sich trug. Auf merkwürdige weise fühlte Natsuki diese innere Ruhe in sich, beim Anblick der Sterne. "Natsuki..." Die sanfte Stimme ihrer Mutter unterbrach sie aus ihren Gedanken. "Früher, als ich sehr einsam war, blickte ich oft zum Himmel. Mir war, als sei Gott mir in diesem Augenblick sehr nahe." Marron trat zu ihrer Tochter und folgte ihren Blicken nach oben. "Gott..." Natsuki blickte ehrfurchtsvoll zum Himmel. Vor ihrem inneren Auge erschien das Bild der fremden jungen Frau, die sie in ihrem Traum gesehen hatte, einer Frau mit Flügeln und der schmerzerfüllten Seele. "Glaubst du an Engel, Mama?" fragte Natsuki mit leiser Stimme. "Ja." Hauchte Marron und versuchte die Tränen zu unterdrücken, bei dem Gedanken an ihren Engel Fynn. "Meinst du solche reinen Wesen sind in der Lage Schmerz und Leid zu empfinden?" Die Frage ihrer Tochter verwirrte Marron leicht. "Wie kommst du darauf, mein Schatz?" "Ich weiß nicht... Mir war nur, als hätte ich von einem Engel geträumt und... und ich konnte ihre Schmerzen spüren." "Schmerzen?" "Ich kann es mir selbst nicht erklären, Mama. Es war, als wäre ich selbst ein Teil von ihr und ich konnte alles fühlen, was sie fühlte. Nie zuvor habe ich solche Qualen durchlitten. Es war, als hätte man ihre Seele zerrissen." Marron stockte bei Natsuki's Worten der Atem. Konnte es sein... War ihre Tochter etwa im Begriff sich an ihr Leben als Engel Fynn Fish zu erinnern? Sie wandte ihren Blick zu dem jungen Mädchen und sah sie nachdenklich an. Das Licht des Mondes erhellte Natsuki's kindliche Gesichtszüge, doch ihre traurigen Augen richteten sich ins Leere und Marron war, als würde in diesem Augenblick ihre Fynn vor ihr stehen. Der gefallene Engel Fynn. "Auch Engel haben Gefühle, Natsuki. Sie waren vor ihrem Dasein als Engel Menschen und sie sind wie wir in der Lage Schmerz und Liebe zu empfinden. Ja, selbst ein Engel mit reinem Herzen kann Sünden begehen. Er wird zu einem gefallenen Engel, doch trotz allem wird er niemals seine Seele verlieren." "Du weißt sehr viel darüber." Stellte Natsuki überrascht fest. Marron lächelte traurig. "Ich habe einmal einen Engel gekannt und über alles geliebt..." Marron unterbrach sich selbst, denn jede Erinnerung an den Verlust ihrer Freundin stimmte sie traurig. Gott hatte ihr ihren Engel zwar als Wiedergeburt ihrer Tochter wiedergegeben, doch rührte sie die Vergangenheit noch immer auf und es schmerzte daran zu denken. "Nun geh wieder ins Bett, mein Schatz. Es ist bereits sehr spät." Natsuki nickte zustimmend und drückte ihrer Mutter liebevoll einen Kuss auf die Wange, dann ging sie in die Wohnung. Marron blieb noch eine Weile stehen und blickte gedankenverloren in den sternenklaren Himmel. Mit ihren Gedanken war sie bereits weit in die Vergangenheit gerückt und nur der Mond war Zeuge ihrer Tränen.
