Kapitel 2, Part 4

»Gwenny …«, flüsterte die weiche Stimme meines Vaters sanft in mein Ohr. Grunzend drehte ich mich um. Sollte er doch meinen Namen sagen, mir doch egal.

»Aufstehen, Gwenny. Du musst zur Schul«", sang er melodisch und stupste meine Nase. Ich muss nicht zur Schule, ich konnte doch ganz gut hier in meinem schönen, weichen, warmen Bett liegen bleiben. Und weiterschlafen …

»Gwen, aufstehen!« Pa rüttelte mich unsanft. Vieleicht, wenn ich ihn einfach ignoriere, vielleicht geht er ja dann weg? Um der Sache noch bisschen einen Touch zu geben, drehte ich mich theatralisch schmatzend von Pa um.

Mein Vater seufzte und stsnd von meinem Bett auf. Dann verließ er murrend den Raum. Victoria, Victoria! Der Sieg ist mein!

»Also ehrlich!«, kiechste Xemis Stimme plötzlich über mir »Du glaubst doch nicht ernsthaft das Kümmel es so bleiben lässt?!« Aus irgendeinem Grund fand Xemerius , mein Dämonenfreund, neuerdings großes Vergnügen daran, Leute nach Gewürzen zu benennen. Mir war es immer noch ein Rätzel.

»Pff, man kann immer hoffen.«, erwiederte ich beleidigt. »Aber hatten wir keine Abmachung? Nicht vor halb neun inmein Zimmer!« Xemerius zog eine Schnute.

»Ich hab nur - … also, wenn du -«, suchte er nach Worten »Tz, dann geh ich eben!« Er verschränkte seine Arme – oder waren es seine Beine? – vor die Brust und flog mit vorgeschobener Lippe und hochgestrecktem Kinn durch die Wand. Leicht verärgert und trotzdem belustigt durch diesen Auftritt drehte ich mich zur Seite und schloss meine Augen.

»Geister!«, schmunzelte ich.

Plötzlich hörte ich, wie die Tür aufgerissen wurde und Sekunden dannach traf mich etwas kaltes Nasses am Rücken.

»Argh! PA!«, schrie ich und sprang auf. Ein knall oranger Waschlappen rutschte langsam meinen Rücken herunter und landete dann mit einem lauten »Klatsch« auf dem Boden.

»Guten Morgen, mein Schatz. Gut geschlafen?«, fragte mein Vater süssifant und hob sein Teufelswerkzeug auf. Ich funkelte ihn zornig an und zog mir mein nun klitschnasses – ich tendiere dazu, zu übertreiben, also Vorsicht! – Pyjamaoberteil auf. Mein Unterhemd klebte unangenehm an meinem Rücken, aber das ließ ich jetzt wohl lieber an.

»Mann! Gehts noch? Du darfst den Waschlappen doch nur benutzen, wenn es nicht anders geht!«, rief ich wütend und drehte mein Pyjamatop ein, sodass das Wasser auf den Teppisch tropfte.

»Ich hab dich versucht zu wecken! Ich hab gesagt 'Aufstehen, Gwenny', aber du hast weiter geschlafen! Ich hab dich gerüttelt, aber du hast weitergeschlafen! Was soll ich denn noch tun!«, sagte Pa entrüstet.

»Na und? Ich mein, du musst da nicht gleich mit den Niagara Fällen rausrücken, oder?!«

»Tz, stell dir doch beim nächsten Mal den Wecker«, maulte Pa und stolzierte gespielt beleidig davon. Das hatte ich irgendwie heute schonmal! War heute etwa der Überreagier-und-beleidigt-sei Tag?

»Idiot.«, murmelte ich und zog mich um.

»Charmant wie immer, meine Tochter.« Ma stand im Türrahmen und zog tadelnd die Augenbrauen hoch. Dann lachte sie ihr glockenhelles Lachen und zeigte Richtung Küche. »Dein Toast ist in zwei Minuten fertig. Komm dann zum Frühstück, ja?«

Ich nickte brav und kratzte mich am Ellenbogen, was ich immer machte, wenn mir etwas peinlich war. Ma lächelte und verschwand. Und ich packte meine Sachen in meine Schultasche.

Eine halbe Stunde später stand ich an der Bushaltestelle und wartete auf Leslie. Wo war sie bloß wieder? Ich checkte nochmal mein Handy für Nachrichten von ihr, aber es waren in den letzten zwei Minuten keine eingetroffen. Als der Bus anhielt, musste ich gezwungenermaßen einsteigen, aber Les fehlte immer noch. Seltsam, denn wenn sie krank war oder schwänzen wollte, rief sie normalerweise an!

Isabelle begrüßte mich sofort, merkte aber sofort, dass ich allein ins Klassenzimmer gekommen war.

»Wo ist denn Leslie? Ist sie krank?«, fragte sie besorgt. Die gute alte Isabelle.

»Das ist es ja eben! Ich weiß es nicht!« Ich hängte meine Schultasche um den Stuhl und setzte mich auf den Tisch. Isabelle setzte sich auf Leslies Platz und schaute fragend zu mir hoch.

»Wie du weißt es nicht? Hat sie sich etwa nicht gemeldet?«

»Nein, hat sie nicht. Seltsam oder? Ich mein, sie ruft mich doch sonst wegen jeder Kleinigkeit an!« Das stimmte! Ich bekam oft anrufe um vier Uhr morgens, weil Leslie nicht wusste, welchen Nagellack sie zu ihrem Outfit tragen sollte. Oder ob sie sich zur Abwechslung mal die Haare locken sollte. Manchmal heiß es dann sogar, ich könnte doch rüber kommen und ihr helfen. 'Rüber' benützt man doch eigendlich für Strecken, die nicht kürzer sind als um Beispiel der Klassenraum! Man kann es in diesem Sinn auch für Hausnachbaren benützten. 'Komm mal rüber' würde dann heißen, man geht in den Flur, geht aus der Haustür, läuft drei Meter weiter und geht durch die nächste Haustür! Aber nein, Leslies 'Rüber' bedeutet, ich müsste erstmal 500 Meter zur Bushaltestelle laufen, dann auf den passenden Bus warten, der jede Stundde kommt und dann noch 300 Meter laufen. Erst dann würde ich vor Leslies Haustür stehen. Deshalb leg ich immer auf, wenn auch nur das Wort 'rüber' benützt. Nur um sicher zu gehen.

Als unser Enligshlehrer eintraf und verkündete, dass wir einen spontanen Überraschungstest schreiben würden, waren Isabelle und ich ein wenig anbelenkt und vergasen Leslie für einige Zeit.

Sie kam auch erst in Mathe, der dritten Stunde. Mit roten Wangen und wirren Haaren trat sie in den Raum und blickte gespielt beschämt zu Boden.

»Ah, Miss Hay! Schön, dass Sie uns endlich mit ihrer Anwesenheit beehren! Setzen sie sich!«, rief , der gerne solche Ausdrücke wie 'mit ihrer Anwesenheit beehren sagte, und machte eine kleine Notiz in sein rotes Heft. Les verdrehte die Augen.

»Wo warst du?«, flüsterte ich und ordnete ihr Haar, damit es einigermaßen gut aussah.

»Ich hab verschlafen und mein Akku war leer, ich konnte dich nicht mehr erreichen. Und dann wurde ich fast Überfahren, weil so ein Hirni direkt auf mich zu gefahren ist und ich musste ihn heftig ausweichen! Ich krach natürlich dabei hin und schrotte mein Fahrrad!«, flüsterte sie zurück und zo ihre Hefte aus ihrem Ranzen. Ich zog grinsend ein Grimasse und sagte leise:

»Schon mal was von Festnetz gehört? Du weißt schon, das ist ein Telefon mit …-«

»Gwendolyn, über was reden wir gerade?«, unterbrach mich die schleimige Stimme von . Mein Mathelehrer hatte die Hände in die Hüften gestemmt und grinste fies.

»Ähm, Sternschnuppen?«, riet ich. So banal war der Vorschlag eigendlich nicht, wir hatten schließlich letzte Stunde über fallende Sterne geredet.

Nachdem die lachende Klasse wieder beruhigt hatte, sah er mich an und runzelte die Stirn.

»Nein, tun wir nicht.«, sagte er. »Komm doch bitte nach vorne und löse diese Gleichung an der Tafel!«

Ich stöhnte leise und ging nach vorne an das Lehrerpult, wo mir schon die Kreide hinhielt. Ich schaute an die Tafel. Na das könnte ja heiter werden!

»Na, wie gehts, Süße?« Andrew drückte mir einen Kuss auf die Stirn. Ich blickte auf - regelrecht. Mein Freund war im letzten Jahr so gewachsen, dass er jetzt schpn fast einen Kopf größer als ich war!

»Hi! Ja, geht schon. Und bei dir? Hast du jetzt dann nicht gleich Prüfung?« Wir gingen zum meinem Klassenraum und ich ignorierte die Schmatz- und Küssgeräuche hinter mir, die Xemerius von sich gab. Er fand es urkomisch, mich wieder zu nerven und wenn Andrew da war, war dies seine Lieplingsbeschäftigung: Stören und mich wie en Depp da stehen lassen.

»Andrew and Gwenny, sitting in a tree …«, sang er das englische Lied in mein Ohr, laut und schief. Ich fuchelte ihn weg und er flog kakelnd durch die Wand.

Andrew sah mich entgeistert an und murrmelte etwas von einer Biene. Er zuckte mit den Achseln und fuhr fort.

»… deshalb bin ich ja auch gekommen! Du wünscht mir doch Glück oder, Gwen?« Anscheinend hatte ich die Hälfte von was er gesagt hatte wegen Xemerius' Gesang nicht verstanden, doch ich nickte trotzdem.

»Aber klar doch! Ich drück dir ganz fest die Daumen.« Ich lachte und pieckste ihn in den Bauch. »Aber ich muss jetzt los, die Moon ist im Anmarsch.« Ich gab ihm einen zärtlichen Kuss. »Und jetzt hau schon ab. Du kommst sonst zu spät!« Ich schubste ihn freundschaftlich weg. Er grinste und joggte davon. Ich sah ihm nach, bis er um die nächste Ecke verschwunden war, und betrat das Klassenzimmer

unterrichtete Französisch. Ein Fach, wo ich mich getrost nach hintenlehnen konnte. Schließlich beherrschte ich diese Sprache fließend. Pa hatte sie mir schon fast als zweite 'Mutter'sprache beigebracht. Nur Les hatte so ihre Probleme. Sie wurde gerade im Wortschatz ausgefragt und sah immer wieder zu mir. Ein stiller Hilferuf.

»Und was heißt Haushalt, Leslie?« Wieder so ein stummer Hilferuf. Ich lehnte mich nach vorne und ließ mein langes schwarzes Haar wie ein Vorhang über mein Gesicht fallen.

»Menage«, hauchte ich und richtete mich dann wieder auf, nicht ohne mir ein kleines Lächeln zu verkneifen.

»Äh, menagsche«, sagte Les zögernd.

»Menage? Gut gemacht, Gwendolyn.« Geschockt starten Leslie und ich die Lehrerin an. Verdammt, sie hatte es bemerkt! »So Miss Hay, mal wieder nicht gelernt? Komm doch nach der Stunde bitte nach vorne!« Daraufhin fuhr mit dem Unterricht fort.

Leslie seufze verärgert und begann verbissen in ihr Hausaufgabenheft zu kritzeln. Ich blickte einfach gelangweilt aus dem Fenster. Es hatte angefangen zu regnen.

Zuhause am Tisch kamen wir auf meinen Geburtstag zu sprechen. Er war schon in zwei Wochen und ich wusste immer noch nicht was ich mir wünschte, geschweige denn was ich überhaupt machen sollte! Und dann kam die Frage aller Fragen, von Ma gestellt:

»Was willst du eigentlich zum 16., Schatz?«

Ich hörte schon diese Thrillermusik spielen. Ding, Ding, Ding, Ding, Düdü, Düdü, Düdü, Düdü, Ding, Ding, Ding …! Okay, Leslie und ich schauen wirklich viel zu viele Filme!

»Äh, weiß ich nicht. Überrascht mich, ja?«, stammelte ich und kratzte mich am Ellenbogen.

»Aber irgentwas willst du doch bestimmt! Überleg dir einfach was und dann erzähl uns davon okay?« Ich nickte.

»Na gut!« Ich wusste, was ich wollte. Ich wollte eine Party. Eine richtige Teeniparty. Aber Pa hielt nichts von Alkohol. Außer vielleicht ein Glas Rotwein zu einem Buch. Ma war da anders. Sie tank gerne mit ihren Freundinen ein oder drei Gläser Prosecco an einen ihren Mädchenabenden. Oder bei einer Party ließ sie gerne den Champagnekorken vom Balkon aus auf die Straße fliegen.

»Vieleicht können wir Mal wieder eine Runde shoppen gehen, aber diesmal auf eure Kosten!« sagte ich an Ma gewandt. »Ich bräuchte noch ein paar neue Sachen.«

»Das ist eine gute Idee. Ich wollte mich sowieso Mal wieder in [i]Victoria Secret[/i] umschauen!«, erwierte Ma erfreut. Pa wurde nur rot.

»Das wäre dann also geklärt. Nun zum anderen!«, wechselte er schnell das Thema.

»Ja genau, Gwenny. Wir müssen noch über deinen ersten Sprung reden, den Initiantionssprung.«, sagte Ma ernst.

»Ma, was ist ein Itionssprung?«, fragte Becky und setzte sich auf meinen Schoß. Ich schlang meine Arme um sie und knuddelte sie, ohne jedoch den Blick von Ma anbezuwenden.

»Warte Mal, ich hab doch irgentwo diesen Zettel ... ach da ist er ja!«, sagte Pa, kramte ein verknittertes Blatt Papier aus seiner Hosentasche und begann vorzulesen.

»[i]Eine unkontrollierte Reise durch die Zeit kündigt sich in der Regel einige Minuten, manchmal auch Stunden oder Tage vorher durch Schwindelgefühle in Kopf, Magen und/oder in den Beinen an. Viele Gen-Träger berichten auch von migräneähnlichen Kopfschmerzen. Der erste Zeitsprung - auch Initiationssprung genannt - findet zwischen dem 16. und 17. Lebensjahr des Gen-Trägers statt.[/i]«

Er faltete das Blatt zusammen und steckte es wiedder in die Tasche.

»Aha. Und daraus soll ich schlau werden?«, fragte ich ironisch und Becky kicherte.

Ma seufze. »Ja sollst du. Es bedeutet - ach was weiß ich! Du musst nur wissen, dass wenn dir schwindellig wird oder so etwas, du musst es uns sofort mitteilen! Außerdem darfst du nicht erwarten, dass du gleich an deinem Geburtstag springst. Es könnte noch ewig dauern bis das passiert. Ich sprang zum Beispiel zum ersten Mal mit 16 Jahren 1 Monaten.«

»Genau. Schau Gwen, ich bin mit 16 Jahren 5 Monaten gesprungen. Es ist also ganz unterschiedlich!« Ja, toll. Das ist mir auch zeimlich egal. Es ist ja nicht so als ob ich Tag und Nacht gespannt darauf warten würde, das ich Kopfschmerzen bekomme oder mir schwindellig wird. Was, bin ich etwa Charlotte? Ich gähnte herzhaft, drückte Becky sanft weg und stand auf.

»Okay, verstanden. Ich geh jetzt ins Bett, lesen. Gut' Nacht.«

»Gute Nacht, mein Schatz. Schlaf schön.« Ma drückte mir einen Kuss auf die Wange und Pa umarmte mich.

»Hmm ... 'Nacht.«

Ich lag lange im Bett und dachte nach. Über mein Leben, über die Loge und wie es weitergehen sollte. Über Andrew, Leslie, Isabelle und Holly. Über Ma, Pa und Becky. Über Grace, Nick und Caroline und über all die anderen Montroses. Über Charlotte und Gideon. Bis ich schließlich in unruhige, seltsamen Träume, über tickende Uhren, lange Gänge unter einer Stadt und schwarzen Vögeln, versank.

Kapitel 2, Part 5

Als ich am Morgen meines Geburtstags aufwachte, schien die Sonne durch mein Fenster herein.

Ich hörte Ma und Pa unten in der Küche hantieren. Auch Beckys kleine Stimme war zu hören, sie schien sehr aufgeregt zu sein. Ich musste lächeln. Meine kleine Schwester war zwar schon 5 Jahre alt, aber Geburtstage fand sie immer noch so faszinierend wie mit zwei.

Als ich Schritte auf der Treppe hörte, schloss ich die Augen und stellte mich schlafend. Rebecca liebte es, mich an meinem Geburtstag zu überraschen. Die Tür wurde aufgerissen und ich merkte, wie Becky in mein Bett kletterte und auf mich zukroch.

»Gwenny!«, flüsterte sie. »Du musst aufstehen!«

Langsam, als würde ich gerade erst aufwachen, öffnete ich erst das linke, dann das rechte Auge und blinzelte ins Licht. Becky kicherte und klatschte vergnügt in die Hände.

»Alles Gute zum Geburtstag!«, rief Pa vom Bettende. Ich grinste ihn und Ma an. Becky fiel mir strahlend um den Hals.

»Herzlichen Glückwunsch!«, sagte sie und quietschte, als ich sie kitzelte.

Ma und Pa überreichten mir dann meine Geschenke. Von Pa bekam ich ein Armband mit kleinen Anhängern, Charms, von Ma eine neue Armbanduhr und von Becky ein selbstgemaltes Bild.

»Das bin ich«, erklärte sie und zeigte auf das Bild, wo sich vier Strichmänchen mit überdimensonalen Köpfen und Haaren sich an den Händen hielten »Das bist du und das sind Ma und Pa.« Sie lächelte.

»Danke, das sieht wunderschön aus!« sagte ich und gab ihr einen Schmatzer auf die klebrigen Wangen.

Ich war ein bisschen enttäuscht, weil ich die Jahre zuvor mehr bekommen hatte, aber dafür waren die Geschenke dieses Mal teurer.

Ma grinste Pa an.

»Ein Geschenk hätten wir da ja noch!« sagte sie und schmunzelte. Auch Pa lächelte mich an und Becky hatte einen verschmitzten Gesichtsausdruck. Sie wusste also schon Bescheid.

»Einen Moment«, sagte Pa und ging hinaus. Ich war gespannt. Was würde wohl jetzt kommen?

Meine kleine Schwester hüpfte aufgeregt auf dem Bett hin und her. Sie konnte es wohl kaum erwarten...

Nach etwa 10 Minuten kam Pa wieder. Allerdings hatte er nichts in der Hand. Was sollte denn das jetzt? Plötzlich kam ein kleines Fellknäuel durch die Tür geschossen und hüpfte mit einem Sprung auf mein Bett. Das Fellknäuel stellte sich als kleiner Hund heraus.

»Ma, Pa!«, kreischt ich. »Ihr seid die Besten!« Ich umarmte sie stürmisch.

»Hey!«, rief Becky. »Und was ist mit mir? Ich hab geholfen, ihn auszusuchen!« Ich lachte schallend und stürzte mich auf sich. Dann knuddelte ich sie so heftig, dass sie sich schließlich bei mir beschwerte, keine Luft mehr zu bekommen.

Der kleine Hund hatte es sich auf meinem Kissen gemütlich gemacht und sah uns mit schräggelegtem Kopf an.

»Der ist ja süüüüüß!«, quietschte ich. Ich habe eine schwäche für Hunde, besonders Welpen!

»Es ist eine 'sie'!«, warf Ma ein.

Ich sah meinen Hund an. Sie hatte wunderschönes weiches, glänzendes Fell in allen möglichen Brauntönen und winzig kleine Pfoten. Aber am auffälligsten waren ihre aufmerksam blitzenden Augen. Um den Hals trug sie ein rotes Halsband - »Rubinrot«, hätte Charlotte gesagt. Das brachte mich auf eine Idee.

"Ich werde sie Ruby nennen!" teilte ich meiner Familie mit. Ich liebte diesen Namen, schon seitdem ich das Buch [i]Sister Act[/i] von Jacqueline Wilson gelesen habe, wo es auch um eine feurige Ruby (und ihrer Zwillingsschwester Garnet) geht!

Pa grinste.

"Ruby, der Rubin, für unseren Rubin! Das passt ja wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge!"

Ich konnte es gar nicht abwarten, zur Schule zu gehen. Am Frühstückstisch - es gab Toast mit Marmelade - zappelte ich so lange herum, bis Ma mich endlich gehen ließ - mit einem riesigen Stück Kuchen für die Mittagspause.

Pa hatte darauf bestanden, mich zu fahren. Ich war enttäuscht, so konnte ich ja Leslie nichts von meinen tollen Geschenken erzählen.

In der Schule angekommen, rannte ich die Treppe hinauf und erreichte mit unserem Direktor und die Tür. Schnell witschte ich noch in den Klassenraum.

Als ich mich auf meinen Platz setzte war ich enttäuscht. Wo war Leslie schon wieder? Wehe, sie kam wieder zwei Stunden zu spät an!

Die beiden Lehrer bauten sich vor dem Lehrertisch auf.

»Meine lieben Schüler…-«, begann der Direx, wurde aber jäh unterbrochen.

Die Tür wurde aufgerissen und Leslie stürmte herein. Mr. King sah auf seine Uhr und meinte:

»Schon wieder zu spät!«, rief er verärgert und runzelte die Stirn.

»Das macht nichts«, sagte Leslie schnell. »Ich doch auch!«

Alle lachten, während sich Les auf den Platz neben mir fallen ließ. Schnell gab sie mir eine Umarmung und flüsterte: »Happy Birthday!«

»Wenn sich dann wieder alle beruhigt haben«, sagte der Direktor laut, »dann würde ich jetzt gerne anfangen!«

»Was gibts denn?«, rief jemand aus der letzten Reihe.

»Mein lieber Gordon«, sagte streng, »wenn du nicht so frech dazwischengeplappert hättest, wüsstest du es jetzt schon!« Ja und wenn Sie das nicht gesagt hätten, wüssten wir es jetzt auch schon! Oh mein Gott, es ist ein TEUFELSKREIS! Ahhh!

Gordon zuckte mit den Schultern und gähnte.

»Also gut, ich mach es kurz!« sagte der Direx. »Ihr bekommt einen neuen Englischlehrer!«

In der Klasse brach die Hölle los. Einige jubelten, einige stöhnten und Cynthia fiel aus unbekannten Gründen vom Stuhl, was wiederrum für Gelächter sorgte.

"Ich werde ihn hereinholen", sagte in das Geschrei und verzog beleidigt das Gesicht.

Kurze Zeit später betrat er mit einem hochgewachsenen Mann mit feurigroten Haaren den Raum. Der neue Lehrer musterte uns und sein Blick blieb an mir hängen. Ich fühlte mich unwohl und blickte weg.

"Das ist !" sagte der Direx. Er wird euch ab heute in Englisch und Sport unterrichten!"

Schade, dachte ich. Ich hatte eigentlich sehr gerne gemocht. Außerdem fand ich es schon etwas merkwürdig, mitten im Schuljahr einen neuen Lehrer zu bekommen. hatte letzte Woche auch nichts erwähnt.

Cynthia Dale beugte sich zu uns nach hinten.

»Oh mein Gott, sieht der HEIß aus!« zischte sie.

Leslie legte ihr die Hand auf den Arm.

»Cyn«, sagte sie leise, »du musst jetzt ganz stark sein!«

Cynthia sah sie verständnislos an.

»Er ist ein Lehrer!« sagte Les langsam und betont. »Er wird dich niiiiiiiiiemals beachten!«

Cynthia warf ihr einen arroganten Blick zu.

»Das werden wir ja noch sehen!«

»Hallo, meine Süße!« Andrew nahm mich in den Arm. »Alles Gute zum Geburtstag!«

»Danke!«, sagte ich strahlend.

»Gwen, ich…-« Hinter uns räusperte sich jemand.

»Sorry!«, sagte Leslie. »Aber ich muss dir Gwen mal kurz entführen!«

»Leslie, das…-« Leslie hielt mir die Hand vor den Mund. »Hmmhmpf!«

»Ich geh dann mal«, murrmelte Andrew und verschwand.

»Du willst doch bestimmt noch dein Geschenk kriegen, oder?«, fragte sie, ich nickte brav und sie nahm ihre Hand von meinen Mund.

»Tadaaaaaaa!«, rief Leslie und zog ein kleines Päckchen hinter ihrem Rücken hervor.

Schnell riss ich das Papier ab. Eine kleine Schmuckdose kam zum Vorschein.

Innen waren zwei Ketten, mit jeweils einem Anhänger in Herzform, die mit bunten Glassteinen besetzt waren.

»Nein, sind die toll!«, rief ich und strahlte Leslie an.

»Na ja, die eine ist für dich und die andere ist für … eine enge Freundin vielleicht?« Sie sah fragend zu mir rüber.

»Oh, danke, Leslie! Du bist die Beste!« Ich überreichte ihr die eine Kette und ließ mir die andere von ihr umhängen.

»Keine Ursache!«, sagte Leslie. »Und jetzt erzähl mal, was du bekommen hast!«

Kapitel 2, Part 6

»Du, Ma …«, fing ich schleppend an und reichte ihr den nächsten Teller.

Der Tag war lang gewesen, besonders als die Shepherds uns besuchen kamen. Grandpa war auch mitgekommen, was mich sehr erfreut hatte. Im Moment räumten Ma und ich die Spülmaschine ein - Rebecca lag schon längst im Bett und Pa arbeitete wie immer in letzter Zeit an seinem neuen Buch 'Cindwig House' (- ich glaube ein Krimi).

»Ja, mein Schatz?«, Ma legte den Teller beiseite und schaute mich fragend an. Ich begann meinen Ellenbogen zu kratzen.

»Leslie fragt, ob ich morgen bei ihr übernachten kann. Wir würden einen DVD-Abend machen! Ich wollt fragen …- also ich weiß, dass Charlottes Geburtstag Morgen ist und Lady Arista will, dass wir kommen, aber …«, stammelte ich. Ma lächelte verschmitzt und ihre blauen Augen blitzten. Ich hatte genau die gleichen Augen, das gleiche strahlende Blau, und um ehrlich zu sein, manchmal fühlte ich mich deswegen schlecht, dass ich ihre so persönliche Einzigartigkeit geklaut habe. Ja, ich weiß, Leslie sagt auch immer, mir fehlt das Selbstbewusstsein.

»Aber natürlich Gwen! Schließlich ist morgen auch dein wirklicher Geburtstag und den musst du ja nicht unbedingt mit den Montroses verbringen müssen! Stellt aber nichts an, okay!«, lachte sie.

»Ich kann's nicht glauben, dass es jeden Moment passieren kann!", flüsterte Leslie eindringlich und schüttelte meinen Arm. Ich rollte meine Augen. Wir waren in der Schule, genauer gesagt im Geschichtsunterricht und Miss Mason ließ uns gerade einen ellenlangen

Text abschreiben, sodass ich mich eigendlich mehr auf's Schreiben als auf Leslies banales Geschwafel konzentrierte.»Du spinnst doch. Nur weil ich jetzt 16 bin, heißt dass nicht, dass

ich sofort springe. Außer du erschrickst mich jetzt richtig heftig oder bringst mich emotional durcheinander. Pa hat gemeint, das würde die Wahrscheinlichkeit, dass man springt, erhöhen.« sagte ich und schrieb weiter den Text von der Tafel ab.

»Boo!«, rief Leslie und riss die Augen auf.

»Ha-Ha.« Jetzt war ich ja total emotional durcheinander.

Vor uns drehte sich Charlotte nach hinten und warf mir einen tödlichen Blick zu. Ich streckte ihr die Zunge raus. Soweit ich weiß hatte ihr heute noch niemand in der Klasse zum Geburtstag gratuliert.

»Was denn? Hät' ja funktionieren können.«

»Ja, schon. Aber wie hättest du Miss Mason erklärt, wie ich mich in

Luft aufgelöst habe?«

»Oh. Stimmt.«

Als wir nach der Schule auf den Parkplatz gingen, hatte sich kleine Menschenmenge an dem Straßenrand versammelt. Ich warf Leslie einen fragenden Blick zu, aber sie zuckte nur mit den Schultern. Plötzlich stand Cynthia neben uns und zog mich in die Menge.

»Hey, Gwen! Der Typ dahinten - kennst du den? Er scheint ziemlich vertraut mit Charlotte zu sein!«, meinte sie und schob mich nach vorne, an die Spitze der gaffenden Schüler. Ich runzelte die Stirn und reckte meinen Hals. Wen meinte sie denn?

»Da bei der Limousine, du Blindfuchs!« Ich nickte - jetzt hatte ich sie gesehen.

Und wahrhaftig! Charlotte flirtete da doch wirklich mit einem dunklen Schönling! Der Junge - längst über 18 - lehnte sich an das schwarze Fahrzeug und spielte mit gesenktem Kopf mit Charlottes Haaren, während diese lachend irgendetwas sagte. Daraufhin hob der Junge den Kopf und blickte sich um. Und da erkannte ich ihn.

»Gideon!«, stieß ich überrascht hervor. Neben mir klappte Leslie

die Kinnlade runter. »Nein!«

»Was? Gisbert? Wer ist Gisbert?", fragte Cynthia verwirrt. »Hallo? Redet mit mir!«, rief sie entrüstet, als wir ihr nicht antworteten.

Während Leslie sie aufklärte, starrte ich weiterhin Gideon an. Verdammt, hatte er sich verändert. Aus dem etwas kleinem pummeligem Jungen war ein hochgewachsener muskulöser Mann geworden. Mit glänzenden dunklen Locken, die ihm bis in den Nacken hingen. Einem wunderbar geschnittenem Gesicht - hohe Wangenknochen, perfekt geformte Nase und Kinn, und tolle Zähne. Toller Körper …-

»Gwen! Gwen!«, riss mich Gordon abrupt aus den Gedanken. »Cynthia sagt, dass der schwule Typ dahinten Gisbert heißt!«

»Was?!«, fragte ich etwas verdutzt und musste noch mal meine Gedanken neu orden, bevor ich seinen Satz beantworten konnte. »Nein! Nein, er heißt Gideon! Und - und er ist nicht schwul!« Hoffentlich, es wäre eine solche Verschwendung.

»Schon klar! Aber hey, musst du jetzt nicht zum Bus?« Ich warf einen Blick auf meine Uhr.

»Oh verdammt! Nur zwei Minuten! Danke, Gordon! Wir sehen uns morgen!«

Schnell rante ich zur Bushaltestelle, wo der Bus schon wartete und sprang durch die sich schließenden Türen.

Der Bushalter warf mir einen tadelnden Blick zu. Ich flüsterte ein kurzes Sorry und zeigte ihm schnell meine Fahrkarte. Dann nahm ich mir einen Platz am Fenster. Gideon. Ich ließ den Namen in meinem Kopf rumrollen. Ich flüsterte leise »Gideon«. Ich mochte die Art wie meine Zunge diese Bewegung

machte, wenn man seinen Namen ausspach. Einmal hin und her und wieder hin. Oder so.

Gideon. Gideon? Gideon!

… Gideon …

Als es an Wohnungstür klingelte, war ich gerade am Wimperntusche auftragen. Nach der Schule hatte ich nämlich vorerst einen Spaziergang mit Becky und Ruby gemacht und war hatte dann geduscht. Dannach Becky bei ihrer Hausaufgabe geholfen, selber Hausaufgaben gemacht, darauf mit Ma noch kurz zu [i]Marks & Spencer[/i] einkaufen. Und plötzlich war es 5.00 Uhr und ich hatte mich beeilen müssen fertig zu werden. Ihr müsst wissen, dass ich eine schreckliche Trödlerin bin. Ich könnte eine Stunde, zwei Stunden früher anfangen oder mich schon den ganzen Tag auf etwas vorbereiten - am Ende war ich immer in Hektik und meistens vergaß ich auch noch etwas an das ich mich schon den ganzen Tag errinnere, damit ich es auf keinen Fall vergessen würde.

Soweit ich weiß lief Becky an die Tür und öffnete. Dannach konnte man nur noch Gebell hören - Ruby und Leslie machten anscheinend zum ersten Mal Bekanntschaft.

Ich legte den Maskarastab weg.

»Bin im Bad!«, rief ich und ein paar Sekunden später öffnete sich die Badezimmertür.

»Hey«, begrüße mich Leslie. »Gut schaust's aus«

Ich lächelte. »Danke«

»Also, ich hab heute abend noch viel mit dir vor!«, verkündete Les und holte einen gefaltes Blatt Papier aus ihrer Tasche »Ich hab sogar ein Zeitplan!«, meinte sie stolz.

»6.00 - 6.05 Uhr: Gwendolyn den Zeitplan vortragen. Es ist jetzt 6.01 Uhr. lst also noch Zeit!

6.10 - 6.22 Uhr: zum Kino gehen.

6.23 - 6.29 Uhr: Vorbestellte Tickets abholen und Getränke und Popcorn kaufen.

6.30 - 8.30 Uhr: Film anschauen.

8.40 - 8.55 Uhr: Zu mir gehen.«, laß sie vor. »Weiter bin ich auch noch nicht«

Ich musste lachen. »Und was machen wir zwischen 8.30 - 8.40 Uhr?«

Leslie sah mich so an, als ob ich verkündete hätte, ich wolle der nächste brittische X-Factor Star werden.

»Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass wir zwei Stunden im Kino sitzen und dannach keine Pinkelpause machen!«

»Das ist genauso kitschig wie in diesen Horrorfilmen, wo die Frau im weißem Nachthemd die Treppe runter geht, ganz langsam, weil sie ein Geräusch im Haus gehört hat. Und anstatt zu verschwinden - denn schließlich weiß sie, dass ihr psycho Exfreund ihr ewige Rache geschwört und sie unbringen will - ruft sie auch noch: ''Hallo, wer ist da?''. Als ob der Mörder hinter dem Wandschrank hervortreten würde, ihr die Hand austreckt und sagt: ''Ja, hallo! Ich bin der Günther.'' Absoluter Schwachsinn!«

»Ich hab's schon verstanden: Der Film war ein bisschen zu kitschig!«, lachte Leslie und schloss die Wohnungstür auf.

»Ein bisschen? Ich glaub das war der kitschigste Film den ich jemals gesehen hab.«, erwiderte ich und stieß unsanft gegen etwas sehr hartes. »Man, Les! Kannst du nicht mal das Licht anmachen? Hier ist es ja stockdunkel!«

»Gleich ... ähm - geh du schon mal vor, ich komm gleich!«

»Okay«

Ich ging den Flur entlang - wobei ich darauf achtete, mir in der Dunkelheit nicht noch mehr blaue Flecken einzuhandeln - und öffnete die Tür zum Wohnzimmer.

»Überraschung!«, schallte es mir ohrenbetäubend endgegen. Plötzlich wurde ich von allen Seiten gedrückt. Verdattert blickte ich in die Gesichter meiner Freunde.

»Was?«, rief ich. Plötzlich stand Leslie neben mir.

»Überraschungsgeburtstagsparty, Gwenny«, flüsterte sie mir in's Ohr und drückte mir einen roten Plastikbecher in die Hand. »Ganz nach deinem Geschmack«

Und dann verstand mein (sehr langsames) Gehrin was passierte. Leslie hatte eine Überraschungsparty für mich veranstaltet! Sie hatte die Möbel weggebracht (keine Ahnung wie sie das geschafft hat!) und alles Geschmückt. Ein rießiges Banner hing an der kahlen Wand, auf das jemand in fetter grüner Farbe Happy Birthday Gwenny geschrieben hatte.

Lachend umarmte ich sie.

»Du bist echt die Beste!«, rief ich und schaute mich um. Alle meine Freunde waren da und Andrew auch. Er stand hinter einer rießigen Musikanlage und unterhielt sich jemand.

»Ich weiß.«, sagte Leslie cool und grinste dann. »Gefällt's dir?«

Ich nickte heftig mit meinem Kopf.

»Gut«, lachte Leslie und zog mich in die Mitte des Raumes, wo sich die meisten Leute zu einer tanzenden Masse versammelt hatten. »Komm lass und tanzen!«

Dreizehn Lieder und sechs rote Plastikbecher später ging ich kichernd in die Küche, wo ich auf Gordon traf.

»Haio Gordn«, rief ich und reichte ihm meinen Becher. »Mein Becher ist bööse, er macht das Wasser immer weg! Füllst du's mir noch mal auf?« Ich versuchte es mit einem Hundeblick »Bitte«

Gordon nickte benommen und nahm den Becher. Ich drehte mich ein bisschen im Kreis und mein Bick blieb an der Wanduhr hängen. Erstaunt zeigte ich mit dem Finger auf sie.

»Boa, da ist ja ein Zeiger größer als der andere!«, rief ich. Gordon drückte mir mein Getränk zurück in die Hand, diesmal ein voller Becher. Ich warf ihm ein bezauberndes Lächeln zu.

»Dankeschöön«

Er nickte wieder nur und lehnte sich wieder an die Theke, den Kopf an die Oberfläche gedrückt.

Ich fand das natürlich urkomisch und abermals konnte ich nicht aufhören zu kichern. Doch dann fiel mir plötzlich etwas ein. Betrübt ging ich in's Wohnzimmer zurück und setzte mich neben Leslie, die auf dem Boden saß und mit ein paar Leuten Flaschendrehen spielte.

»Leslie ... es ist doch eigendlich ganz unfähr gegenüber deinen Eltern, wennn sie w-wegsind und den Spaß verpassen, während wir hier feiern«, sagte ich ihr traurig. Dann richtete ich auf und sah mich suchend um. »Sag mal, wo sind denn all die Möbel?«

Weitere vier Becher später. Ich wünschte Gisb - Gideon wär' hier. Dann könnt ich schein schönes Gesicht wegknutschen. Bestimmt schmeckt er nach Schokolade.

Mehrere unsprechbare Fantasien über Gideon un ein roten Plastikbecher später. Wo war Gisbe - äh Gideon - nein, Andrew! Wo war mein Freund? Also unter der Spüle hatte er sich nicht versteckt, da hatte ich gerade nachgeschaut. Auf'm Klo war er auch nicht - oh nein! Hoffenlich war er nicht in's Klo gefallen. Das wäre eine Katastrophe!

Irgendwas war's doch mit Musik. Genau, die Musikanlage. Da war er ja. Er umarmte gerade Holly. Oder ... Nein, die umarmten sich nicht. Sie steckten sich gegenseitig sehr leidenschaftlich die Zungen in den Hals.

Plötzlich wurde mir übel. Geschockt starrte ich meinen Freund an, der gerade mit meiner Freundin rummachte. Ich konnte es nicht wahrhaben. Tränen stiegen mir in die Augen. Schell schob ich mich an den Leuten vorbei, raus aus der Wohnung, raus aus diesem Albtraum. Schluchzend rannte ich die Straßen entlang, hörte nicht auf zu laufen, spürte nicht einmal die Bauchschmerzen, die ich bekam, oder den Regen, der auf mich viel, denn ich hatte meine eigene kleine Regenwolke in meinem Leben. Dann stand ich plötzlich vor unserem Wohnblock. Weinend drückte ich mich gegen die Tür und lief dann die Treppe hoch zu unserer Wohnung. Ich klopfte und unterdrückte ein Schluchzen. Wie konnten sie bl´ß, wie konnten sie bloß? Meinem Bauch ging es gar nicht gut, er schlug schon Burzelbaume. Dummer Alkohol.

Ma öffnete die Haustür. Als sie mich sah riss sie die Augen auf. In diesem Moment machte es einen heftigen Ruck in meinem Magen und alles wurde hell.