Kapitel 2: Unbequeme Wahrheiten

London war zu dieser Zeit einfach kaum zu ertragen. Es war heiß, die Luft lud sich auf und mindestens jeden zweiten Tag gab es Ohren betäubende Gewitter. Die heiße Sonne versengte sämtliche niedrig wachsende Pflanzen und selbst die Bäume wirkten ausgedorrt: Die Rinde der Bäume wirkte spröde, die Blätter hingen schlaff und gelb herab. An solchen Tagen lag man am liebsten faul auf der Wiese mit etwas Kürbissaft neben sich und viel Sonnencreme auf der entblößten Haut.

Doch Marcus musste stattdessen arbeiten. Er hatte seinen Kollegen beim Ministerium für Zauberei eine Nachricht zu überbringen, die sie alles andere als zufrieden stellen würde. Er war mit seinem Auftrag mehr oder weniger gescheitert. Er hatte den Auftrag bekommen, im Anwesen des verstorbenen Aurors Mercurius Arthur Thoresdale nach Hinweisen zu suchen, die ihnen im Kampf gegen den dunklen Zauberer Nebukadnezar Slytherin helfen könnten. Doch statt irgendwelche Hinweise zu finden, hatte er den Geist Thoresdales freigesetzt, welcher einfach geflohen war und anscheinend gar nicht gewillt war, irgendjemandem zu helfen. Er fragte sich bestimmt schon zum tausendsten Mal, ob sein Chef ihn wegen dieser Nachricht zum Auror-Gehilfen degradieren würde. Martin Weasley konnte manchmal schon recht impulsiv sein.

Klitschnass war Marcus nach der erfolglosen Suche nach Hause appariert, um erstmal ordentlich zu schlafen. Denn das hatte er in den letzten Tagen, seit er auf der Suche nach Thoresdales letzter Zufluchtsstätte war, sehr vernachlässigt. Daphne hatte sich natürlich sehr um seine Gesundheit gesorgt und hatte ihm allerlei Heilmittel und Kurmethoden anempfohlen, doch Marcus hatte nur schlafen wollen. Vergeblich hatte Daphne versucht herauszubekommen, wie er es geschafft hatte, bis auf die Knochen vom Regen durchweicht zu werden. Doch Marcus war sehr wortkarg geblieben und so hatte sie irgendwann resigniert, wenn auch schmollend aufgegeben und ihn in Ruhe gelassen. Während Marcus nun auf dem Weg zu seiner Abteilung im Ministerium war, fragte er sich, warum Daphne immer so schnell ausflippen musste. Er hatte nun wirklich keinen einfachen Job. Daphne wusste zwar nicht, dass er Auror war, doch das war trotzdem noch lange kein Grund, ihn ständig mit durchdringenden oder wütenden Blicken zu bedenken, wenn er mal ihre Fragen nicht zu ihrer Zufriedenheit beantwortete. Er durfte doch auch seine Geheimnisse haben, genauso wie sie ihre haben durfte.

Auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle, der Aurorenabteilung, begegnete er einigen Mitarbeitern, die er knapp begrüßte. Einige wollten ihn in ein Gespräch verwickeln und ihn über seine Fortschritte bei seinem Auftrag ausfragen, doch Marcus wimmelte sie ab, indem er sie darauf verwies, dass diese Informationen strenger Geheimhaltung unterlagen oder im Falle eines Aurorkollegen, dass er dies in der gleich folgenden Besprechung erfahren würde. Das, was Marcus zu sagen hatte, wollte er sicherlich keineswegs mitten auf dem Flur erzählen, wo praktisch jeder sein Versagen mit anhören konnte. Und so betrat er schließlich die Aurorenabteilung. Wie schon seit Jahrzehnten war der große Raum in kleine Boxen unterteilt, die mit Schreibtischen versehen waren. Diese separaten Boxen dienten jedem Auror als Arbeitsplatz. Jeder Auror hatte seine eigenen Arbeitsutensilien und gegebenenfalls Erinnerungen an was auch immer auf seinem Schreibtisch verteilt. An einer Wand des großen Raums hing eine große Weltkarte, auf der verschiedenfarbige Fähnchen angeheftet waren. Diese zeigten, wie Marcus und jeder andere Auror hier wusste, die Orte an, an denen Nebukadnezar und seine Anhänger gesichtet wurden. An den Rändern der Karte waren außerdem Notizen zu Nebukadnezar und seinen Anhängern angeheftet, zusammen mit mehreren Fotos derselbigen. Der Platz, an dem der berühmte Auror Alastor Moody einmal gesessen hatte, war unbesetzt. Er war ihm zum Gedenken stehen gelassen worden und so eingerichtet worden, wie Moody ihn immer eingerichtet hatte. Dazu war eine Plakette auf dem Schreibtisch angebracht worden, die an die Umstände seines heldenhaften Todes und an seine Taten als Auror und Lehrer in Hogwarts erinnerten. Gerade als Marcus seinen Platz an seinem Schreibtisch einnehmen wollte, hörte er eine ihm gut bekannte Stimme rufen: „Marcus! Kommen Sie bitte unverzüglich in mein Büro!"

Auch das noch! Ausgerechnet jetzt wollte Martin Weasley ihn sprechen und vermutlich seine Fortschritte erfahren. Dabei war die Besprechung doch eigentlich erst für heute Nachmittag angesetzt. Außerdem sollte sie nicht unter vier Augen sondern für die gesamte Aurorschaft stattfinden. Etwas verwundert und mit einem unangenehmen Gefühl in der Magengegend ging Marcus auf die Tür zum Büro des Abteilungsleiters hinüber, die Martin ihm erwartungsvoll aufhielt. Jetzt schien der große Moment gekommen, den Marcus seit dem vergangenen Abend fürchtete. Mr. Weasley lächelte ihm freundlich und einladend zu, als Marcus kurz vor der aufgehaltenen Tür stehen blieb. „Kommen Sie", sagte Martin einladend. „Worauf warten Sie? Ich beiße schon nicht." Doch Marcus war sich da keineswegs so sicher. Zögernd betrat er das Büro und machte sich auf die sicher bald folgende Rüge gefasst. Mr. Weasley schloss die Tür hinter ihm, ging auf seinen Schreibtisch zu, der der Tür gegenüber stand und setzte sich auf seinen Sessel. Er deutete auf den Sessel vor den Schreibtisch und sagte auffordernd: „Setzen Sie sich, Marcus!"

Unfähig, auch nur ein Wort zu sagen, tat Marcus wie ihm geheißen und setzte sich seinem Chef gegenüber. In diesem Moment fühlte er sich wie ein Hase vor der Schlange. Er sah seinem Chef einfach nur an – mit erwartungsvollem und unschuldigem Blick, wie er hoffte. Dieser ließ Marcus nicht lange warten und sagte: „Nun, Sie werden sich sicher fragen, warum ich Sie von ihrer Arbeit abhalte, nicht wahr?" Mit dem Blick eines erfahrenen Aurors und Abteilungsleiters sah er Marcus an. Dieser, immer noch nicht in der Lage, ein Wort hervorzubringen, nickte einfach nur. „Nun", begann sein Chef erneut, „zuerst einmal wollte ich Sie wieder in unserer trauten Runde willkommen heißen." Mr. Weasley zwinkerte ihm freundlich zu. „Nach ihrer langen Reise", fuhr er fort, „werden Sie sicher erschöpft sein. Glauben Sie mir, dass ich das durchaus verstehe. Natürlich steht Ihnen nach dieser anstrengenden Zeit eine Auszeit zu. Sie können also, wenn Sie wollen, sich etwas Erholung gönnen und etwas Zeit mit Ihrer Familie verbringen oder mit was auch immer. Ich möchte Sie allerdings darauf hinweisen, dass ich derzeit jeden fähigen Zauberstab gebrauchen kann, der uns beim Kampf gegen Nebukadnezar helfen möchte. Sie haben sich in der Zeit, die Sie bisher bei mir gearbeitet haben, mehr als fähig erwiesen und ich möchte Sie daher bitten, ihre Auszeit nicht zu lange auszudehnen. Wenn es nach mir ginge, hätte ich Sie am liebsten direkt wieder im Team, doch ich muss mich an die Vorschriften halten. Wenn Sie eine Auszeit wünschen, können Sie sofort damit beginnen. Ich möchte allerdings noch darauf hinweisen, dass die Zeit leider gegen uns ist." Hier machte Mr. Weasley eine Pause, offenbar um Marcus zu Wort kommen zu lassen.

Marcus fiel ein Stein vom Herzen. Anscheinend wollte sein Chef seine Fortschritte doch nicht vor der Besprechung erfahren. Da er sich jedoch auf eine unbefriedigende Aussprache gewappnet hatte, wusste er im ersten Moment nicht, was er antworten sollte. Martin sah ihn erwartungsvoll an und als Marcus immer noch nicht antwortete, sagte er: „Sie können sich das natürlich alles in Ruhe überlegen. Wie gesagt: Sie haben sich ihre Auszeit verdient und Sie können sie jederzeit in Anspruch nehmen. Trotzdem ist ihre Hilfe auch jederzeit bei mir willkommen und dringend erwünscht. Das bedeutet ja nicht, dass Sie auf die Auszeit komplett verzichten müssten. Ich würde Sie lediglich darum bitten, die volle Auszeit eventuell auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen, wenn sich die Dinge wieder etwas beruhigt haben. Aber überlegen Sie das in Ruhe. Ich will Sie keineswegs drängen." Wieder sah er Marcus erwartungsvoll an. Marcus hatte sich inzwischen etwas gesammelt und begann langsam zu sprechen: „Nun, ich verstehe ihre Bitte vollkommen. Und wie Sie sicherlich wissen, Mr. Weasley, helfe ich gerne, wenn ich kann. Allerdings muss ich auch eingestehen, dass ich etwas erschöpft bin nach den vergangenen Strapazen. Eine Auzeit käme mir sehr willkommen und ich schätze, dass ich es auch meiner Familie schuldig bin, sie mal wieder für etwas längere Zeit mit meiner Anwesenheit zu beglücken. Aber ich werde über Ihre Bitte nachdenken. Wann ich meinen Entschluss gefasst habe, kann ich nicht genau sagen, doch ich werde mich bemühen, Sie nicht allzu lange damit warten zu lassen. In der Zeit stehe ich dem Ministerium natürlich zur Verfügung." Zu diesen Argumenten nickte Mr. Weasley, als verstünde er nur zu gut. Vermutlich tat er das auch. Bisher hatte er eine gute Menschenkenntnis gezeigt und bewiesen, dass er über viel Verständnis verfügte. „Also gut", antwortete Mr. Weasley, „Überlegen Sie gut. Ich schätze, dass es nun Zeit ist, wieder an die Arbeit zu gehen." Damit stand er auf. Marcus tat es ihm nach. „Arbeit gibt es in letzter Zeit leider ziemlich viel und sie erledigt sich nicht von selbst", fuhr Mr. Weasley seufzend fort. „Also will ich Sie nicht länger von ihren Aufgaben abhalten." Mit diesen Worten schritt er auf die Tür zu und öffnete sie für Marcus. Als dieser gerade durch diese hindurchgehen wollte, sagte Mr. Weasley noch: „Für die für heute Nachmittag angesetzte Besprechung wünsche ich Ihnen viel Glück! Sie machen das schon!" Bei der Erwähnung der Besprechung sackte Marcus das Herz in die Hose. An die hatte er bei dem Gedanken an eine Auszeit fast gar nicht mehr gedacht. Wenn er daran dachte, was er in ein paar Stunden vorbringen musste, fragte er sich, ob es ihm dann überhaupt noch möglich sein würde, eine Auszeit genehmigt zu bekommen. Er versuchte, möglichst locker zu wirken, nickte seinem Chef zu und ging auf seinen Arbeitsplatz zu. Als er sich an seinen Schreibtisch setzte, atmete er ein paar Mal tief ein und aus und fuhr sich dabei nervös durch die rotbraunen Haare.

Er verbrachte die nächsten Stunden hauptsächlich damit, seine Notizen zu sortieren und einen Bericht über die Ergebnisse seiner Nachforschungen der letzten Tage zu erstellen. Mr. Weasley war immer sehr erpicht auf diese Berichte und umso besser war es, wenn er den Bericht schnell fertig schrieb. Er war jedoch nicht einmal bei der Hälfte angelangt, als die Stimme, welche auch die Stockwerke und Abteilungen des Ministeriums in den Fahrstühlen ansagte, die Mittagspause ankündigte. Natürlich war es jedem Mitarbeiter – und besonders den Auroren – freigestellt, das Mittagessen in der Kantine einzunehmen. Für Marcus jedoch bedeutete die Mittagspause, dass die Besprechung zur Lage im Kampf gegen Nebukadnezar gefährlich näher rückte. Sie war direkt nach der Mittagspause angesetzt. Marcus hatte sich für das Mittagessen belegte Brote mitgenommen, die ihm Daphne geschmiert hatte. Doch plötzlich war sein Hunger vergangen. Seine Kehle war plötzlich so trocken, dass er keinen Bissen hinunter bekäme. Trotzdem versuchte er, die Brote zu essen, allein schon weil er wusste, dass er Stärkung dringend benötigte. Abgesehen davon waren Daphnes belegte Brote – wie jegliche, von ihr zubereitete Nahrung – einfach köstlich. Es wäre praktisch eine Sünde, sie später wegzuschmeißen. Und so aß Marcus die Brote, die wirklich vorzüglich schmeckten, auch wenn er anfangs noch ziemlich viel kauen musste, bis er sie herunterbekam. Doch nachdem er auf den Geschmack gekommen war, hatte er sie schneller herunter geschlungen, als ihm lieb war. Sein Magen war immer noch nicht ganz gesättigt, als er schließlich mit klopfendem Herzen zu der Wand ging, an der die Weltkarte hing. Dort sollte die Besprechung stattfinden. Es warteten bereits einige Auroren, unter ihnen natürlich auch Martin Weasley, der vermutlich als erster dort aufgekreuzt war.

Nach und nach kamen auch die anderen Auroren, die in der Kantine gegessen hatten und Mr. Weasley erhob das Wort: „Nun, ich schätze, wir sind nun vollzählig. Dann können wir ja beginnen. Wie jeder hoffentlich weiß, wollen wir heute die Fortschritte und Rückschläge besprechen, die bisher im Kampf gegen Nebukadnezar Slytherin gemacht wurden. Jeder der hier Anwesenden weiß, welche Aufgaben ihm zugeteilt wurden und einige haben hoffentlich schon mit ihren Berichten begonnen. Je schneller wir alle Berichte zusammen haben, desto schneller können wir uns auf die weiteren Aufgaben konzentrieren. John, was haben Sie in Erfahrung bringen können?"

John Neville Longbottom, auf den jetzt alle Aufmerksamkeit gerichtet war, war ein kräftiger, untersetzter Mann mit blondem Haar, braunen Augen und einer wohltönenden Stimme, begann sogleich zu reden: „Wie Sie an den blauen Fähnchen auf der Karte sehen können," – er deutete auf die Karte – „haben sich Augenzeugenberichten zufolge weitere Attacken von Dementoren und anderen dunklen Kreaturen in den abgesteckten Gebieten gehäuft. Zudem soll Nebukadnezar in einigen weiteren Orten gesichtet worden sein." Er deutete auf ein paar rote Fähnchen, die offensichtlich erst vor kurzem dort angebracht worden waren. Darunter waren Orte zu finden wie Irkutsk, Wladiwostok, Xiaoping, Kyoto, der Taj Mahal, Alexandria und Katmandu. Eine besondere Häufung war in Ägypten, Nepal und Bulgarien, sowie am Nordpol auffällig. „Manche dieser Orte erscheinen als nicht wahrscheinlich" fuhr John fort, „da sie sich mit anderen Zeugenaussagen beißen würden, was bedeutet, dass sich Nebukadnezar gleichzeitig an zwei Orten hätte aufhalten müssen, was bekanntlich selbst für Zauberer unmöglich ist. Die einzige weitere Erklärung wäre Vielsafttrank. Ich würde diese Möglichkeit nicht außer Acht lassen. Auf diese Weise könnten Nebukadnezars Anhänger widersprüchliche Zeugenaussagen hervorrufen, die jede Menge Verwirrung stiften und uns die Suche erschweren. Wie Sie ebenfalls erkennen können, gibt es einige Zentren, in denen Nebukadnezar häufiger gesichtet wurde, als anderswo. Dies könnte natürlich auch eine Finte sein, die uns auf die falsche Fährte locken soll, doch ich würde trotzdem vorschlagen, besonders an diesen Stellen zu suchen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich unter den Augenzeugenberichten einige wahre verbergen, ist dort höher als anderswo." Damit beendete John seinen Vortrag. Marcus war beeindruckt von den Fortschritten, die John gemacht hatte. Er beneidete ihn keineswegs um diese Arbeit, denn es bedeutete jede Menge Überstunden, überzeugende Fragenstellerei und ein gutes Gespür für falsche Berichte. Darüber einen Bericht zu schreiben, war sicherlich eine Heidenarbeit. Dafür musste er bestimmt hunderte von Aussagen miteinander vergleichen und aufeinander abstimmen, um dann die echten Hinweise herauszufiltern. Das war eine Arbeit von Tagen, wenn nicht sogar Wochen. Und bei der knappen Zeit, die ihnen blieb, bedeutete das massige Überstunden für John.

„Gut", antwortete Mr. Weasley. „Danke für diese äußerst aufschlussreichen Informationen. Das sind beachtliche Fortschritte. Wir werden vermutlich demnächst mit der Zusammenstellung einzelner Teams beginnen. Ich erwarte Ihren Bericht dann in den nächsten Tagen. Crickton, wie steht's mit Ihnen?" Michael „Flawless" Crickton, welcher für seine absolute Korrektheit bekannt war, begann sofort mit seinen Ergebnissen, mit dem ihm gewöhnlichen wichtigtuerischen Ton: „Nun, bisher konnten keine konzertierten oder irgendwie gemeinsam organisierten Aktionen von Dementoren, Riesen, Manticoren, Drachen, Letifolden oder Kappas nachgewiesen werden. Nichtsdestotrotz häufen sich die Übergriffe dieser Wesen auf Zauberer und Muggel überall in der Welt, wie Mr. Longbottom bereits erwähnt hat. Es konnte auch eine deutliche Verhaltensänderung dieser Wesen festgestellt werden, welche sich vor allem darin äußert, dass sie deutlich aggressiver und blutdurstiger reagieren als gewöhnlich. Zudem scheinen sie ihre sonst zu beobachtende Scheu vor Menschen abgelegt zu haben. Vertreter aller betroffenenen Zaubereiministerien haben mir versichert, dass sie um eine Eindämmung der Übergriffe bemüht sind." Damit beendete auch Crickton seinen Vortrag.

„Vielen Dank für diese… äußerst informative Darstellung, Crickton" antwortete Mr. Weasley. Er wirkte ein wenig so, als ob ihn diese Informationen nicht überraschten, was jedem außer Crickton auffiel. Letzterer schien sehr zufrieden mit sich zu sein. Crickton war der einzige, den Mr. Weasley mit seinem Nachnamen ansprach, weil jener darauf bestanden hatte. „Das sind beunruhigende Neuigkeiten", fuhr Mr. Weasley fort. „Wir sollten die Sache weiter im Auge behalten. Die Suche nach Nebukadnezar hat allerdings Vorrang. Zweifellos steckt er dahinter. Wir sollten den betroffenen Zaubereiministerien jedoch umgehend unsere Unterstützung versichern. Ich denke, dass Sie das übernehmen könnten, Crickton. Wie steht's denn mit Ihrer Suche nach unserem alten Freund?" Damit wandte sich Mr. Weasley an Marcus und hatte den Nagel mehr auf den Kopf getroffen, als er vermutlich annahm. Dass Marcus tatsächlich den Geist des berühmten Aurors Mercurius Arthur Thoresdale gefunden hatte, ahnte in dieser Runde vermutlich keiner.

Nun war also die Stunde der Wahrheit gekommen. Wie sollte er anfangen? Wie brachte er es möglichst schonend rüber? Marcus holte tief Luft, sich der Aufmerksamkeit, die nun ungeteilt auf ihm ruhte, vollkommen bewusst. „Nun", begann er, „ich weiß, ehrlich gesagt, nicht genau, wo ich anfangen soll…"

„So viele Ergebnisse?" rief Jack Masterson freudig überrascht. „Ja und nein", antwortete Marcus zögernd, während er den Blick auf das Knie seines Chefs gerichtet hielt, als hätte er dort etwas Interessantes entdeckt. „Ich habe einiges entdeckt, allerdings fürchte ich, dass wir vieles davon nicht richtig verwerten können. Zuerst einmal: Ich habe Thoresdales letzten Aufenthaltsort herausgefunden und auch aufgesucht."

„Na, das ist doch großartig!", kam es nun von Mr. Weasley. „Und weiter?" Marcus holte erneut Luft und fuhr fort: „Ich habe dort nach Aufzeichnungen gesucht, die uns weiterhelfen könnten, jedoch nichts brauchbares finden können. Es schien fast so, als wäre mir jemand zuvorgekommen." Bei diesem Satz zog Mark Shortfeather alarmiert die Luft durch die Zähne. Marcus fuhr etwas verunsichert fort: „Schließlich fand ich eine Kiste, auf der ich den Namen Thoresdales fand. Die Kiste war mit allerlei Zaubern geschützt, doch es gelang mir schließlich, sie zu brechen und die Kiste zu öffnen. Darin befand sich ein Geist, welcher durch einen Geisterbannfluch in der Kiste festgehalten wurde. Es war Thoresdales Geist." Als er Thoresdales Namen nun erwähnte, brachen einige Anwesende in Jubel aus und Marcus bekam Worte wie „Meine Güte!" und „Alle Achtung!" oder einfach nur „Wow!" zu hören. Selbst Mr. Weasley schien ganz aus dem Höschen zu sein. „Das ist aber noch nicht alles", fuhr Marcus bedrückt fort. „Als ich die Kiste öffnete, floh Thoresdale plötzlich. Ich war überrascht, da ich dachte, dass der Geisterbannfluch ihn in der Kiste gefangen halten müsste, doch irgendwas musste ihn befreit haben. Ich bin ihm natürlich gefolgt. Allerdings ist er mir entwischt." Plötzlich wusste Marcus nicht mehr, was er sagen sollte. Er blickte auf und sah in die teilweise immer noch überraschten Gesichter seiner Kollegen. Einige schienen noch weitere Erklärungen zu erwarten. Da platzte es aus Marcus heraus: „Es hat geregnet!" rief er entschuldigend. „Der Boden war komplett aufgeweicht! Ich bin nur wenige Meter vorangekommen, als ich ihn schon nicht mehr gesehen hab. Was sollte ich denn machen?" Er suchte nach Worten, die sein Scheitern noch entschuldigen konnten, doch ihm fiel nichts mehr ein.

„Nun beruhigen Sie sich doch!" beschwichtigte ihn Mr. Weasley. „Das ist doch alles verständlich. Ich glaube kaum, dass irgendwer hier in der Runde es hätte besser machen können. Außerdem sind das beachtliche Neuigkeiten. Wir wissen jetzt, wo sich der Bezwinger von Nebukadnezars Vater zuletzt aufgehalten hat und nicht nur das: Wir wissen sogar, dass er als Geist unsere Welt weiter beehrt. Alles, was wir jetzt tun müssen ist, nach ihm zu suchen. Er könnte von großer Hilfe sein, wenn wir ihn finden. Ich würde sagen, dass dies unser wichtigstes Ziel nach der Suche nach Nebukadnezar selbst sein dürfte. Ich hoffe, dass ich Sie mit dieser Aufgabe betrauen darf, jetzt, da Sie sich als so erfolgreich erwiesen haben? Natürlich bekämen sie weitere Kollegen zugeteilt, die Ihnen behilflich sein werden." Erwartungsvoll wartete Mr. Weasley Marcus' Antwort ab.

Marcus war einfach nur perplex. Er hätte sich nie träumen lassen, dass sein Bericht so positiv aufgenommen werden würde. Er hatte mit missbilligenden Reaktionen gerechnet, aber nicht damit. Ohne genau zu wissen, was er da zustimmte, sagte er „Ja, gerne." Mr. Weasley klopfte ihm erfreut auf die Schulter und sagte: „Großartig! Kommen Sie am besten gleich nach der Besprechung in mein Büro, damit wir alles weitere besprechen können." And die Runde gerichtet fragte er: „Sonst noch irgendwelche Neuigkeiten?" Als alle verneinten, wurde die Besprechungsrunde aufgehoben und jeder wieder seinen Aufgaben überlassen. Einige mussten sich schon jetzt auf Überstunden gefasst machen, andere konnten getrost ihrem Feierabend entgegensehen. Marcus jedoch folgte Mr. Weasley direkt wieder in sein Büro. Er war sich bewusst, dass er sich schon lange nicht mehr so lange an einem Tag im Büro des Abteilungsleiters aufgehalten hatte. Als sich beide wieder in die Sessel gesetzt hatten, kam Mr. Weasley direkt zum Punkt: „Nun, ich denke, wir sollten Ihnen mindestens drei weitere Mitarbeiter zur Seite stellen. Da Sie der Informierteste über Mr. Thoresdale sind, sollten Sie wohl das Kommando bei dieser Aufgabe übernehmen. Ich schätze, dass es einleuchtend ist, Mr. Thoresdale an den Orten zu suchen, wo er sich früher gerne aufgehalten hat oder die ihm sonst irgendwie wichtig waren. Gibt es irgendwelche Einwände von Ihnen oder brauchen Sie noch irgendetwas für diese Aufgabe?"

Marcus zögerte kurz, bevor er antwortete: „Ich schätze, ich könnte tatsächlich eine kleine Auszeit gebrauchen, bevor ich an diese Aufgabe herantraue." Er hatte das Gefühl, dass im Moment der beste Augenblick war, um die Auszeit zu beantragen, jetzt, da sein Bericht so positiv wirkte. Wer könnte ahnen, wie lange diese Stimmung noch anhielt? Mr. Weasley wirkte etwas enttäuscht, doch er antwortete: „Ja natürlich! Sie haben sich Ihre Auszeit wirklich redlich verdient, wie ich bereits vorhin schon sagte. Ich hoffe jedoch, hier bald wieder mit Ihrer Mitarbeit rechnen zu können. Für wie lange möchten Sie eine Auszeit beantragen?" Bei dieser Frage nahm Mr. Weasley einen Füllfederhalter zur Hand und begann sich eine Notiz auf einem Blatt Pergament vor ihm zu machen, welches er mit Marcus' Namen versah. Marcus zögerte mit der Antwort, während er überlegte und sagte schließlich: „Wären drei Tage in Ordnung?" Marcus hatte das Gefühl, dass diese Antwort Mr. Weasley überhaupt nicht gefiel, doch dieser antwortete: „Ja natürlich! Das geht vollkommen in Ordnung! Stellen Sie Ihren Antrag an besten noch heute bei der Personalabteilung. Meinen Segen haben Sie."

Mr. Weasley machte sich noch ein paar Notizen auf dem Pergament und schaute nicht wieder auf. Marcus nahm an, dass er nun gehen konnte und stand auf. „Auf Wiedersehen", sagte er rückwärts gewandt, als er das Büro verließ. Mr. Weasley murmelte: Auf Wiedersehen, Marcus! Erholen Sie sich gut!" Darauf schloss Marcus die Tür hinter sich und machte sich daran, seinen Bericht weiter zu schreiben. Als er auf seinen Schreibtisch zuging, fielen ihm die heimlichen Blicke seiner Kollegen auf. Was sie wohl dachten? Möglicherweise hatte er sich ein wenig mehr Anerkennung unter seinen Kollegen erarbeitet. Aber vielleicht waren diese Blicke auch mit Skepsis vermischt.