Liebe Leserchen!
Mich hat heute die Muse geküsst. Habe nun endlich eine genaue Vorstellung in welche Richtung das hier gehen soll und wird.
Außerdem habe ich das 3. Kapitel fertig bekommen. Et voilà! ^^
LG! SiamKitty


3. Am Bett meines Feindes

Eine ganze Weile saßen sie still da. Ohne sich einen Millimeter zu rühren schaute Harry hinab auf den jetzt ruhig atmenden und schlafenden Slytherin. Er sah besser aus als vorhin und meinte die junge Assistentin vorhin nicht, dass er wieder wird? Harry fühlte sich taub und erschöpft. Ein Paradoxon aus wirren Gedanken und völliger Leere streunte durch sein Inneres. Dass er den wütenden Blick seines Professors spürte, half ihm nicht wirklich in dieser Situation. Er hatte das Gefühl, dass seine schwarzen Tunnelaugen ihn jeden Moment erdolchen könnten.

Snape, der nach außen hin verärgert wirkte, war innerlich eher aufgebracht. Man konnte dennoch sagen, er war stinkwütend! Wie gern würde er diesen Bengel hier und jetzt zu Rede stellen. Aber er musste es klug anstellen. Wenn er die Beherrschung verlieren würde, dann würde ihn Poppy vor die Tür setzen. Also wartete er geduldig, bis sich Potter wieder einigermaßen gefasst hatte und den ersten Schritt tat.
Nach einiger Zeit machte der Junge diesen auch.

"Ich wollte das nicht", sagte Harry leise, die Augen immer noch starr auf Draco gerichtet.

Snape atmete einmal tief durch, er musste sich beherrschen. "Was wollten Sie dann?", fragte er, jedoch nicht ohne einen erzürnten Unterton.

Harry zuckte mit den Schultern. "Naja, eigentlich wollte ich ihm nur eine Lektion erteilen. Entwaffnen, schocken, verprügeln ... sowas eben."

Ein wüstes Schnauben durchdrang den Raum. "Dafür gibt es genug andere Zaubersprüche oder die Fäuste."

"Ich wusste nicht was der Spruch bewirkt", sagte Harry schnell. Er sah jetzt seinen Hass-Professor direkt an. So als wollte er damit die Ehrlichkeit seiner Aussage bekräftigen.

"Natürlich nicht", erwiderte Snape in seinem gewohnt zynisch-bissigen Ton.

Harrys Augen wurden größer. "Nein ehrlich nicht! Er stand in einem Buch mit dem Vermerk Gegen Feinde. Mehr nicht und da dachte ich ..."

"Sie dachten ´Oh, dann probier ich den doch einfach mal aus. Was soll schon schief gehen?!`", unterbrach Snape ihn in einem spöttischen Tonfall. "Ehrlich Potter, einen Zauber anwenden von dem man nicht weiß, was er bewirkt ist selbst für dich bescheuert! So gedankenlos hätte noch nicht einmal ich dich eingeschätzt!"

Harry senkte bei diesen Worten beschämt den Kopf.

Snape dachte über das Gesagte nach. Er hatte nicht wirklich geglaubt, dass James Potters Sohn tatsächlich dazu fähig wäre, wissentlich einen solch schwarzmagischen Fluch anzuwenden. Der völlig aufgelöste Junge, der sich vorhin gezeigt hatte, bestätigte seine Annahme.
Nichtsdestotrotz hatte dieser Bengel aber doch tatsächlich sein altes Zaubertrankbuch in die Finger bekommen. Es lag im Schrank im Tränkeklassenzimmer. Snape hatte schon längst vergessen, dass das Buch da deponiert war. Nun, vielleicht wäre es unter diesen Umständen besser es wieder an sich zu nehmen.

"Potter, holen Sie das Buch her!", schnarrte der Professor in die Stille hinein.

Harry sah erschrocken auf. "Wwwas?", brachte er nur stockend heraus.

"Das Buch, aus dem sie den Spruch haben! Bringen Sie es her!", sagte Snape jetzt doch sehr eindringlich.

Harry blickte nun erschrocken drein. Auf gar keinen Fall wollte er die Tipps vom Halbblutprinzen missen. Das war sein bestes Jahr in Zaubertränke und nun sollte er dieses kostbare alte Buch seinem Hasslehrer geben?! Er sträubte sich, obwohl eine kleine Stimme in seinem Hinterkopf sagte, dass es eigentlich unfair gegenüber den anderen war, da sein Erfolg aus dem Wissen eines anderen resultierte.

Snape schien seine Gedanken lesen zu können, denn er setzte drohend nach: "Keine Widerrede, Potter! Sie sind in spätestens fünf Minuten mit dem Buch wieder hier! Wenn nicht, dann können Sie sich ordentlich auf was gefasst machen!"

Harry schluckte. Er wusste mit dem Hauslehrer der Schlangen war nicht zu spaßen. Als dieser ein "Wird's bald!" donnerte, setzte er sich auch schon in Bewegung.

Als er zur Tür raus war, seufzte Snape einmal und rieb sich mit einer Hand über den Nasenrücken. Anschließend schaute er zu Draco. Er sah von Minute zu Minute besser aus. Er hatte wieder etwas Farbe bekommen und sein Atem ging ruhig und stetig. Ein sicheres Zeichen dafür, dass der Körper heilte und die Tränke anschlugen. Nicht auszudenken, wenn Potter es tatsächlich geschafft hätte ihn um die Ecke zu bringen. Das hätte auch seinen sicheren Tod bedeutet. Und wieder fragte Snape sich, wie alles nur so weit kommen konnte.

Er saß eine ganze Zeit einfach nur so da, sah seinem Schüler beim genesen zu und dachte nach. Auf einmal schreckte er hoch. Wo blieb Potter? Sagte er nicht etwas von fünf Minuten? Wie lange war dieser unverschämte Bengel jetzt schon weg? Zwanzig Minuten, vielleicht Fünfundzwanzig?
Gerade als Snape aufspringen wollte um dieses arrogante, selbstgefällige und sich höchstwahrscheinlich absichtlich verspätende Gör eigenhändig aus dem Gryffindorturm zu holen, betrat ein vollkommen derangierter Harry die Krankenstation.

Seine Haare waren wirrer als sonst, die obersten Knöpfe des Hemdes waren offen, sein Umhang hing ihm schief über die Schulter und die Brille hatte auch schon bessere Zeiten gesehen. Außerdem hatte er ein blaues Auge, seine eine Wange war rot und geschwollen und seine Oberlippe war aufgeplatzt. Schwer atmend und mit leicht zitternden Händen, die ebenfalls an den Knöcheln gerötet waren, reichte Harry seinem Professor das alte Tränkebuch mit dem zerfledderten Umschlag.

Snape zog beide Augenbrauen hoch. "Wer war das?", fragte er während er nebenbei das Buch an sich nahm. Er riskierte einen kurzen Blick auf die erste Seite und erkannte die Angabe, die er selbst vor zwanzig Jahren dort hineingeschrieben hatte: Dieses Buch ist Eigentum des Halbblutprinzen.

"Malfoys Gorilla-Bodyguards haben mir auf dem Rückweg aufgelauert", antwortete Harry. Seine Stimme klang gefasster als er sich fühlte.

"Nun, Mr Crabbe und Mr Goyle waren schon immer etwas ... übereifrig", erwiderte Snape daraufhin süffisant. "Trotzdem, denken Sie nicht, dass Sie sich vor der Strafe drücken können! Ihr unkluges Verhalten hat fast einen Schüler getötet!"

Harry zuckte bei dem letzten Wort zusammen.

"Ich erwarte Sie morgen Abend pünktlich um 20:00 Uhr zur Strafarbeit in meinem Büro, Potter! Zu spät kommen, aus welchem Grund auch immer, dulde ich dann nicht mehr!" und mit diesen Worten war Snape verschwunden. Auf dem Weg in die Kerker sah er Hausmeister Filch, wie dieser das Blut auf den Gängen aufwischte und dabei die ganze Zeit vor sich hin schimpfte. Die fragenden Blicke der anderen Schüler ignorierte Snape geflissentlich. Je schneller diese tratschmäuligen Bälger diesen Vorfall vergessen würden, umso besser! Schließlich wird es fürchterlich genug werden, wenn er Dumbledore bei seiner Rückkehr nach Hogwarts, wann immer das auch sein würde, von diesem Vorfall erzählen musste.

Harry stand indessen immer noch hinter der Tür im Krankenflügel. Er schloss die Augen und atmete tief ein und aus. Er fühlte sich geschafft, so richtig erledigt. ´Was für ein Scheißtag!`, dachte er und wollte sich am liebsten einfach auf das nächstbeste Bett fallen lassen.

Da spürte er eine sanfte Hand an seinem Kinn. Als er die Augen öffnete, guckte er in das besorgte Gesicht der Assistenzheilerin Holly.
"Oh je!", seufzte sie. Natürlich hatte sie alles mitbekommen. "Ich mach dir einen Vorschlag. Wir heilen dich erst mal und danach legst du dich hin. Du kannst heute Nacht hier bleiben. In Ordnung?"

Harry nickte ergeben. Das war irgendwie im Moment alles an direkter Kommunikation, zu der er sich in der Lage fühlte. Er wollte nur noch seine Ruhe.