Anmerkung der Autorin: Alle Rechte liegen bei J.K. Rowling. Sämtliche Figuren sind ihr Werk.

Über Kommentare freue ich mich immer.


Teil 2. Die Liebe zu dir – lebt weiter

Es war früher Abend. Die letzten Sonnenstrahlen kämpften, um noch einen Lichtblick in die Welt zu schicken. Es misslang ihnen; kein einziger Funke gelangte durch das Fenster, hinter dem sich Andromeda Tonks aufhielt.

Sie saß in der Küche.

Das Zimmer hatte sich kaum verändert. Dieselbe Einrichtung, dieselbe Atmosphäre.

Nur waren die Möbel gebrechlicher geworden, der Stuhl, auf dem sie häufig saß, gab inzwischen Geräusche von sich, die auf sein nahes Ableben hinwiesen; hier und da war die Tapete grauer als noch Jahre zuvor. Dieses Zimmer war mit Andromeda älter geworden.

Und nicht nur mit ihr.

Auch Teddy war gewachsen. Er war schrecklich stolz darauf, wöchentlich mindestens zwei Zentimeter größer zu sein. Er liebte die Märchen von Beedle dem Barden; das Märchen Babbelhäschen und sein schnatternder Stummelschwanz hatte es ihm besonders angetan. Abend für Abend rief er Andromeda zu sich ins Zimmer, bat sie, die Geschichte wieder und wieder zu erzählen. Andromeda erinnerte sich jedes Mal aufs Neue, wie sie vor Jahren in demselben Zimmer saß, auf demselben Bett und dieselbe Geschichte vorlas – nur hatte dieses Kind meistens pinke Haare gehabt, wobei jenes, welches gerade dort im Nebenzimmer lag...

Ihre Gedanken verloren sich in Erinnerungen.

Schon mit drei Jahren hatte Teddy erste Anzeichen von Magie gezeigt. Fröhlich lachend hatte er auf einen Schmetterling gezeigt, den er besonders bewunderte, und prompt war dieser ihm entgegen geflogen und hatte sich auf Teddy's Kopf gesetzt. Andromeda war sich bewusst, dass das Verhalten des Falters kein Zufall gewesen sein konnte...

Zu seinem vierten Geburtstag hatte Teddy's Patenonkel ihm einen Besen geschenkt. Einen kleinen, natürlich, der nicht viel höher als einen Meter flog. Harry hatte ihn persönlich vorbeigebracht, um melancholisch lächelnd zuzuschauen, wie sein Patenkind durch die Gegend sauste, laut lachend, und eine streunende Katze nur um einen Millimeter verfehlte.

„Aus ihm wird noch ein großer Quidditch-Star.", hatte Harry prophezeit.

Andromeda hatte nur müde nicken und lächeln können. Sie hoffte lediglich, ihr Enkel würde nicht in die Fußstapfen seiner Eltern treten und sich tagtäglich neuen und lebensbedrohlichen Gefahren aussetzen.

Solch glückliche Erinnerungen trafen sie noch immer wie Messerstiche.

Die Trauer darüber, dass ihre geliebte Tochter dieses lebensfrohe, muntere Kind, welches so perfekt zu ihr gepasst hätte, nicht aufwachsen sehen konnte, überwältigte sie oft. Viel zu häufig verlor sie sich in diesen Gedankenlabyrinthen, aus denen die einzige Flucht darin bestand, stundenlang über diesen Verlust zu weinen. Andromeda hatte viele Tränen geweint in den letzten Jahren. Manchmal fragte sie sich, wann es endlich vorbei wäre – die Trauer, der Schmerz, die Wut. Es schien nicht nachzulassen.

Manchmal glaubte sie, es läge an Teddy. Teddy, der ihre Erinnerungen an Tonks beinahe täglich neu entfachte. Erst gestern hatte er ihr seine Schweineschnauze gezeigt.

Und doch – manchmal wusste sie, dass es wunderbar war, jemanden wie ihn zu haben. Das Lachen über seine beliebte Schweineschnauze kam nicht nur gequält. Sie hatte aus vollstem Herzen lachen können – denn mit Teddy und seiner Fähigkeit blieb ihre Tochter in Erinnerung, am Leben. Das war es, das für Andromeda zählte.

Die Liebe, die sie zu ihrem Enkel empfand, hatte sich im Laufe der Jahre so sehr gewandelt. Es war nicht mehr nur die Liebe zu dem Kind ihrer Tochter – es war die Liebe zu ihrer Tochter selbst. Ihre Tochter, die sie verzweifelt lebendig hielt, im Herzen, in Erinnerungen, in Teddy.

Die Welt war noch immer nicht jene, die sie sich für ein kleines Kind wie ihn erhofft hätte. Noch immer waren Todesser auf der Flucht und kaum eine Woche verging, in der nicht eine Person als vermisst oder sogar tot gemeldet wurde.

Doch der Vorgarten des Hauses war Frieden. Eine wunderschöne grüne Wiese mit vielen rosa und pinken Blumen darauf.

Die Welt versank noch immer im Chaos.

Aber solange Andromeda das Bild eines glücklich lachenden Teddy's mit einem Schmetterling auf dem Kopf bewahren konnte – solange war sie in Ordnung.

Die Tür zum Kinderzimmer, indem auch Tonks ihre jungen Jahre verbracht hatte, öffnet sich leise. Andromeda hörte es nicht, bis Teddy, heute Abend mit grünen Haaren und – sie seufzte erleichtert – mit seiner normalen Nase leise fragte:

„Erzählst du mir vom Babbelhäschen?"