Kapitel 16

Das Papier der Schriftrolle war bereits vergilbt, und rund um die Rolle war eine rote Schleife gewickelt die du behutsam abgemacht hattest und neben dich gelegt hast. Einige Risse und braune Flecken waren am Rand zu sehen und ließen die Rolle sehr alt wirken. Du liest dir den Text noch einmal durch, weil du einfach nicht glauben kannst was darauf steht. Erst einmal kneifst du dir fest in deinen Arm um sicher zu gehen dass es ein Traum war, aber es tat weh. Es tat sehr weh… und du konntest ein schmerzerfülltes Aufschreien nicht verhindern. Du wiederholst es sogar zweimal um sicher zu gehen das du nur träumst. Doch du wachst nicht auf aus diesem Traum, was war das hier für eine Welt in der du gelandet bist? War es vielleicht die Welt nach dem Ableben auf der Erde? Dabei dachtest du immer dich würde entweder der Himmel oder die Hölle erwarten. Nun konntest du an dieser Sache auch nichts mehr ändern und du widmest dich wieder der Schriftrolle um ihren Text immer und immer wieder durchzugehen.

Schriftrolle:

Sei gegrüßt Menschenkind!

Ich habe einen meiner Boten zu dir schicken lassen, und wenn du das liest dann dürfte die Schriftrolle angekommen sein. Ich möchte dir einen Vorschlag unterbreiten, ich beobachte dich schon dein ganzes Leben über hinweg, und bin mir sicher dass du uns helfen wirst. Folge den Hinweisen auf der Karte und suche eine Kiste die hier im Wald versteckt wurde. Nur du kannst die geheimen Zeichen entziffern. Wenn du die Truhe gefunden hast, dann öffne sie und eigne dir den Inhalt der Truhe an. Es ist etwas sehr kostbares, wenn die Zeit gekommen ist wird dir ein weiterer Hinweis zukommen der dich auf deinem Weg leiten wird

Lebe wohl

Du schüttelst den Kopf und willst das alles nicht so ganz verstehen, das war bestimmt nur eine ganz böse Verwechslung, und du bist nur aus reinem Zufall hier. Aber da erinnerst du dich wieder an ein altes Märchen das dir Big Mama immerzu erzählt hat wenn du weinend nach Hause gekommen bist.

Dabei ging es um einen kleinen blinden Fuchs der von seinen Artgenossen gemieden und schikaniert wurde. Der Fuchs war jeden Tag todtraurig, bis er schließlich schwach wurde. Er konnte sich kaum was zu Fressen jagen da er nichts sah. Die anderen schnappten ihm dann meistens seinen Fang weg und der kleine Fuchs ging jedes Mal leer aus. In jener Nacht kam es, dass der kleine Fuchs so schwach wurde dass er sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Trotzdem wollte er zu einem ganz bestimmten Ort gehen den nur er selbst kannte. Es war ein kleiner Felsenvorsprung der von den unzähligen Sternen des Nachthimmels erleuchtet wurde. Der kleine Fuchs schleppte sich mit seinen letzten Kräften auf den Felsvorsprung und blickte ein letztes Mal in den Sternenhimmel. Zwar konnte er nichts sehen, aber er konnte die hellen Sterne als kleine Punkte wahrnehmen in seiner sonst so schwarzen Welt. Es flogen einige Sternschnuppen an dem Fuchs vorbei, doch bei keiner einzigen offenbarte er einen Wunsch. Als der Fuchs seine Augen langsam schloss und ihn die schwarze Welt mit offenen Toren empfing, wurde es vor dem Fuchs plötzlich sehr hell. Der Fuchs sah nach vorne und entdeckte einen wolfsgroßen weißen Fuchs, der überall auf seinem Körper weiße Verzierungen hatte. Der kleine Fuchs traute seinen eigenen Augen nicht, denn er sah den Fuchs in voller Gestalt vor sich stehen. Er war nicht mehr blind und ging auf den großen Fuchs zu. Dieser jedoch senkte kurz sein Haupt und drehte sich ohne jede weitere Geste um, und sprang von den Felsen in den tiefen Abgrund. Der kleine Fuchs schaute ihm erschrocken nach, konnte ihn aber nicht sehen. Also beschloss er es ihm gleich zu tun und sprang dem weißen Fuchs nach. Er fiel und fiel, aber er konnte keinen Boden entdecken, die Welt um ihn herum schien nicht zu existieren. Als der kleine Fuchs jedoch an sich hinunter sah, musste er erschrocken feststellen dass er selbst der weiße Fuchs war der in den Abgrund gesprungen war. Die Moral von der Geschichte: Wenn die Welt um dich herum dich nicht so akzeptierst wie du bist, sollst du nicht in Trauer verfallen. Sonst könnte es sein das man am Ende sich selbst vergisst und aufgibt.

Märchen Ende

Soll diese Geschichte tatsächlich wahr sein? Big Mama behauptete das auf jeden Fall andauernd. Du beschließt den Hinweisen auf der Rolle nachzugehen, was hattest du schließlich zu verlieren? Du würdest ohnehin in dieser Welt festsitzen bis dein Körper in der richtigen Welt wieder zu sich kam. Auf dem Rand des Papieres befanden sich merkwürdige Zeichen, du drehst es einige Male aber kannst dir einfach keinen Reim darauf machen. Es waren seltsame Hieroglyphen die aussahen wie Schneckenhäuser, Pflanzen und Steine. Plötzlich überkommt dich ein eigenartiges Gefühl, und du drehst eher unwillkürlich das Papier auf die Rückseite. Tatsächlich konntest du nun die Zeichen erkennen welche sich nun in der Blattmitte befanden. Als du sie gegen das Licht hältst kommen dir die Zeichen schon bekannter vor und du konntest sie entziffern. Schnell nimmst du dir einen Stock und ritzt damit den ungefähren Plan auf den Boden ein. Es handelte sich dabei um so etwas Ähnliches wie ein Koordinatensystem, nur das die Koordinaten erst entschlüsselt werden mussten. Du konntest dich nur noch wage daran erinnern das du mal ein Buch über dies alte Schrift gefunden hattest. Angeblich bekam man dich nicht mehr von diesem Buch weg bis du es fertig gelesen hattest.

Als du den gesamten Punkten gefolgt warst und es in den Boden geritzt hattest, stellst du verwundert fest dass du einen großen Baum gezeichnet hast der eine Höhlung am Stamm aufwies. Nun hieß es diese Truhe zu finden. Du klopfst dir die Erde von deiner Hose und machst dich auf den Weg in den unbekannten Wald. Wie zum Teufel wolltest du den einen Baum unter tausenden finden? Innerlich warst du bereits genervt, du irrst schon seit Stunden im Wald herum, und hast das Gefühl im Kreis zu gehen. Als du weitergehst stolperst du plötzlich eher zufällig über einen merkwürdig aussehenden Stein. Du siehst ihn dir genauer an und stellst fest das auf diesem Stein genau der selbe baum abgebildet war wie der den du entschlüsselt hattest. Aber was sollte dieser Stein mit einem Baum zu tu haben? Du beschließt den Stein auszugraben und mitzunehmen, was sich jedoch als schwieriger erweist als du es dir gedacht hattest. Du bekommst den vermeintlich kleinen Stein einfach nicht aus der Erde gezogen und gräbst rundherum. Als du nach dreißig Zentimeter den Boden erreichst bist du heil froh. Du ziehst den ganzen Stein in voller Länge hinaus und stellst erschrocken fest das es eine Kiste ist dessen Seite aus der Erde geragt hatte. Du kippst die Kiste zur Seite und findest einen Drehverschluss vor der einer Lotusblume ähnelte. Und wie solltest du diese Kiste jetzt aufbekommen ohne Schlüssel? Du blickst dich um, irgendein Hinweis, irgendein Zeichen. Nichts machte sich bemerkbar. Dir fiel eine ganz Absurde Idee ein, wenn es eine Lotusblume als Schlüssel zeigte, war diese Blüte vielleicht auch der Schlüssel. Du schleppst die Truhe mit dir rum und suchst den Teich an dem du vorhin vorbeigerannt warst. Als du dort ankommst erblickst du ein Meer aus Lotusblüten. „Na toll…" entkommt es dir. Du siehst seufzend auf die ganzen Lotusblüten die sich vor dir im Wasser befanden und überlegst. Dann hattest du wieder einen deiner Einfälle und stehst auf um dir eine Blüte zu pflücken. Als du sie gepflückt hast, gehst du damit wieder zu deiner steinernen Kiste und legst die Kiste auf die Seite. Anschließend legst du die Lotusblüte auf das Drehschloss auf und wartest gespannt ab. Nichts tut sich, du warst schon dabei endgültig das Handtuch zu werfen, als du plötzlich das Rattern von Zahnrädern hörst. Du blickst erschrocken zu der Kiste und musstest feststellen das sich das Schloss drehte und mit einem lauten knacken aufsprang. Neugierig starrst du die Kiste an und hebst den Deckel der Truhe. Du klappst den Deckel nach hinten weg und blickst erstaunt in die Kiste. Es war eine Rotorangene Frucht mit wunderschöner schwarzer Schnörkelverzierung darauf. Du wusstest genau dass es sich hier um eine Teufelsfrucht handelte und hebst diese behutsam aus der Kiste. Das war also das wertvolle dass du dir aneignen solltest. Du versteckst die Frucht in einer deiner weiten Hosentaschen und blickst dich misstrauisch um. Um sicher zu gehen dass dich niemand dabei gesehen hatte versenkst du im Anschluss die Truhe im Teich. Und nun? Du warst dem Plan gefolgt, hattest den Inhalt der Truhe, und du warst immer noch hier.

Du wirfst dich in das grüne Gras das rund um den Teich vor sich hin wuchs und blickst in den Himmel. Mit einem Mal spürst du etwas Nasses auf deinen Füßen und richtest dich auf. Du erschreckst dich fürchterlich als du siehst wie dich Lotusranken in den Teich ziehen wollen. Du windest dich, und versuchst dich an irgendetwas festzuhalten aber alle Mühen waren vergebens und du wirst von den Ranken der Blume in die Tiefen des Teiches gezogen. Du versuchst immer noch verzweifelt wieder an die Wasseroberfläche zu kommen, doch so langsam geht dir die Luft und somit auch die Kraft aus. Du zappelst um dein Leben und entfernst dich immer weiter von der Oberfläche. Wie tief war denn bitte so ein Teich? Denkst du dir, als deine letzte Luft deinen Mund verlies und sich gegen Wasser austauschte. Du verlierst dein Bewusstsein im Todeskampf und schreckst mit einem lauten Schrei hoch. Doch du warst nicht mehr im Wasser, du siehst dich um und warst dir nun doch sicher dass es nur ein Traum gewesen sein muss. Plötzlich wird die Türe aufgerissen und ein völlig außer Atem geratener Law stand im Zimmer. Du selbst musstest noch stark atmen von deinem Traum, er hatte sich so real angefühlt, so als würdest du qualvoll ertrinken. Law tritt an dein Bett, ihm war nicht entgangen dass du verschwitzt warst und völlig außer Atem.

„Was ist passiert?" fragte er dich. Doch du warst unfähig auch nur einen Laut von dir zu geben. Der Schock saß dir immer noch im Nacken. Law drückte dich mit einer Hand auf deinem Brustbein wieder zurück ins Bett und legte seine Hand auf deine Stirn. Er gab ein leichtes Murren von sich und ging zu einem Schrank in einer Ecke des anscheinenden Krankenzimmers in dem du liegst. Langsam hattest du wieder deinen Atem unter Kontrolle, als Law auch schon wieder mit deinem lieblingsgegenstand in der Hand vor dir stand. Eine Spritze. „Die ist gegen das Fieber" sagte er kühl zu dir. Du hattest noch nicht die Kraft dich dagegen zu wehren, ansonsten hätte es Law wohl nicht so einfach gehabt dir sie Nadel in deinen Arm zu stechen. Völlig weggetreten siehst du ihn an, verstehst gar nicht was er eben zu dir gesagt hatte. Deine Gedanken mussten sich erst neu ordnen. Als Law wieder still das Krankenzimmer verließ lässt du noch einmal den Traum Revue passieren. Bis du plötzlich auf dem Gedanken mit der Teufelsfrucht kommst die du dir in die Hosentasche gesteckt hattest. Könnte es sein? Du greifst neben deinen Fuß und schreckst sofort mit deiner Hand zurück als du etwas Kaltes fühlst. Noch einmal fährst du mit der Hand hin und befühlst das eigenartige Objekt. Schließlich ziehst du es unter der Decke hervor und stellst erschrocken fest das es genau dieselbe Teufelsfrucht war die du in dem vermeintlichem Traum gefunden hattest. Nun war die Frage, solltest du es wagen diese eigenartige Frucht zu essen? Und wenn du es tun würdest, was würden es für Fähigkeiten sein die sie übertrug? Du beschließt sie erst einmal neben dir liegen zu lassen. Es würde sich schon noch die Zeit finden um sich noch Mal mit dem Thema zu befassen. Doch nun warst du sehr müde du musstest herzhaft Gähnen, als dir bereits deine Augenlieder zufielen und du in einen Traumlosen Schlaf abdriftest.