"Du bist verrückt einfach nur verrückt!" Eben noch berührte sie ehrfurchtsvoll ihr Medaillon und im nächsten Moment hielt ihr Tsubasa einen Briefumschlag entgegen.
„Hey du hast schließlich nur einmal im Jahr Geburtstag!"
Errötend lächelte Sanae. Was hatte sie da nur geheiratet? Er war immer so unglaublich lieb, aber entschieden verrückt. Nun besah sie sich schon zum fünften Mal die Karte, die sie aus dem Umschlag herausgenommen hatte. Er schenkte ihr eine Parisreise. Sie war schon weit herum gekommen, bei einem Ehemann wie Tsubasa war das auch nicht anders möglich gewesen, schließlich kümmerte sie sich um all seine Organisatorischen Belange, führte Gespräche und auch ab und an Interviews, plante und managte so ziemlich alles was ihren Göttergatten betraf, aber in Paris war sie noch nie gewesen. „Die Stadt der Liebe", hauchte sie ganz entzückt.
„Sie es als nachgeholte Flitterwochen an Liebste, du wolltest doch immer welche nachholen, aber uns kam ja immer etwas dazwischen."
„Hayate und Daibu", murmelte Sanae und stand auf um sich auf Tsubasas Schoß zu schieben. „Aber wohin mit den Kindern? Wir können sie doch nicht Rivaul für eine Woche aufdrücken?"
„Das liebste Sanae, habe ich auch schon längst geregelt. Wie es der Zufall so will, wird sich meine Mutter gemeinsam mit Daichi in den Ferien hier einnisten und voilà, das ist für uns die Chance einmal so richtig schön Urlaub zu machen! Dann kann ich zu jeder Tages und Nachtzeit dir auf die Pelle rücken und dich nerven mit Voulez vous coucher avec moi?"
„Spinner", lachte Sanae überglücklich und verpasste Tsubasa einen Kuss. „Bisher konntest du dich noch nie beschweren. Gott Tsubasa du bist einfach eine Wucht, wenn ich dich nicht schon längst geheiratet hätte, würde ich das jetzt auf der Stelle tun!"
„Oh was für eine Erleichterung", gluckste Tsubasa. „Das heißt du hast mir das Desaster in der Küche verziehen?"
Ein weiterer Kuss, bestätigte ihm seine Frage. Sanft schlang er seine Arme um ihren Körper und drückte sie leicht an sich. „Gut, das merke ich mir beim nächsten mal, dann weiß ich was ich tun muss, um meine kleine Frau zu besänftigen!" Eine Kopfnuss ließ Tsubasa auflachen, ehe er Sanae leicht in ihren hintern Kniff, ehe er sie losließ.,
„Das weißt du doch so oder so schon längst!"
„Dieses Geheimnis nehme ich mit ins Grab!"
„Du bist ein Spinner, aber ein süßer Spinner!"
„Ich weiß!"
„Ein Spinner mit einem ziemlich überzeugenden Ego!"
„Das habe ich mir über die Jahre hinweg schwer antrainiert, also lass mein armes Ego in Frieden zu Abend essen, er hat Hunger!"
„Du armer, aber ich weiß ja, ich stehe an zweiter Stelle, wenn es ums essen geht. Ein Magen mit Loch ohne Boden!"
"Autsch", dabei weiß ich ja nicht mal, ob es schmeckt."
„Vergiftet wird es schon nicht sein, auch wenn du gekocht hast!"
„Um ehrlich zu sein, ich hatte meine Mutter am Telefon dabei, die mir Anweisungen erteilt hat!"
„Ahhhhhh, dann kann es ja nur gut sein." Lächelnd ergriff Sanae seine Hand und drückte sie leicht. „Ich freue mich wahnsinnig auf Paris, nur wir beide, ganz alleine..."
„Ganz alleine und ich besuche nicht mal Misaki!"
„In unseren Flitterwochen, wäre das ja auch ein Ding mein Schatz!"
„Können wir denn einen Abstecher ins Disneyland machen?"
„Du bist wie deine Söhne und wirst nie erwachsen werden, aber was dich glücklich macht, macht mich erst recht Glücklich!"
„Wenn ich dich nicht hätte!" Lächelnd erhob Tsubasa sein Weinglas. „Auf Paris..."
„Auf Paris..."
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„Ist es noch weit?"
„Nein...schau du kannst den Turm doch schon sehen!"
„Das hast du vor einer halben Stunde aber auch schon gesagt, meine Füße tun weh."
„Was meckerst du eigentlich? Du warst schon in Paris und auch ganz bestimmt schon beim Eifelturm!"
„Jaaaa, aber ich war Jung und blind...der Turm war einfach denn da...wo ich auch war."
„Du armer", schnaufend blieb Sanae stehen. Es wäre ja gelogen, wenn sie sagen würde, ihre Füße würden nicht weh tun. Sie taten weh und wie. „Weißt du, wir hätten doch die U-Bahn nehmen sollen."
„Mein reden, aber du hörst ja nicht auf mich!"
„Ja ich gebe es zu, ich dachte eben, man kann das kleine Stück auch zu Fuß gehen."
„Und was haben wir jetzt davon?"
„Großes Fußaua, wie Daibu wohl sagen würde!" Stöhnend blieb Sanae stehen und wartete das Tsubasa sie eingeholt hatte, ehe sie sich bei ihm einhakte. Na komm, wäre doch gelacht, wenn wir den Rest nicht auch noch schaffen oder? Wír Ohzoras geben schließlich niemals auf!"
„Aufi aufi, kann ich darauf nur sagen", murmelte Tsubasa alles andere als begeistert.
Der Weg war weit, der Weg war schmerzhaft, aber schließlich gelangten sie zu ihrem Ziel. Ergeben blieben sie stehen.
„Ach wie schöööööööööööön", jauchzte Sanae begeistert. „Ich will ganz nach oben auf die oberste Plattform, ja...ja...bitte sag ja?"
Belustigt beobachtete Tsubasa seine quirlige Frau und lächelte. Er liebte es, wenn sie das kleine Mädchen heraushängen ließ. Lächelnd nickte er. „Ich habe doch nicht den weiten Weg zu Fuß hergemacht, um jetzt nicht bis an die Spitze zu gelangen!" Grinsend hielt er ihr seine Hand hin, die sie freudig ergriff. Frankreich war eine wunderbare Idee gewesen, auch wenn Taro ein wenig enttäuscht gewesen war, das sie ihn nicht besuchen kamen, aber er musste zugeben, es war schon etwas besonderes, nicht wegen seinem Beruf nach Frankreich zu fliegen, sondern wirklich um Urlaub zu machen. Er musste feststellen, das er eigentlich ziemlich die Kultur Frankreichs verpasst hatte. Nie hatte er sich darüber Gedanken gemacht, nie war er auf die Idee gekommen, mal ins Louvre zu gehen um sich die Mona Lisa anzuschauen, oder auf den Eifelturm zu steigen, oder den Notre Dame zu besichtigen. Seine Frau die seither eine romantische Ader besaß würde ihn morgen nach Versailles verfrachten, ehe sie dann die letzten zwei Tage ihres Aufenthaltes im Disneyland verbrachten. Lächelnd kaufte Tsubasa die Tickets für den Eintritt zum Eifelturm. Es war ein gutes Geburtstagsgeschenk gewesen, so kam Sanae mal aus allem heraus. In letzter Zeit hatte sie sich viel zu viel zugemutet. Sie war immer so blass gewesen und er hatte sich ernsthaft sorgen um ihre Gesundheit gemacht, aber hier...hier blühte sie förmlich auf. Ihre Wangen glühten rosig, ihre Augen bekamen ihren alten Glanz zurück. Er wusste er war ein Komplizierter Zeitgenosse und seine Söhne Daibu und Hayate schlugen ebenfalls nach ihm. Nicht zum ersten Mal überlegte er eine Assistentin einzustellen, die seiner Frau bei der Organisation entlastete, aber das schlug sie kategorisch grundsätzlich aus, sie wollte partout nicht, das jemand anderer ihre Aufgabe übernahm und schon gar keine andere Frau. Sie managte ihn eigentlich schon sein ganzes Leben lang, aber früher war sie ja auch nicht Mutter seiner Kinder gewesen und sie hatten Pläne. Sanae wollte unbedingt noch eine Tochter haben, der Stress würde also noch erheblich zunehmen. Auf der anderen Seite war er sehr froh, das sie das alles für ihn tat. Er führte sich nicht gerade sonderlich geschickt auf, wenn es um Verhandlungen ging. Nun hatte sie die Verhandlungen mit Adidas abgeschlossen, die Verträge waren unterzeichnet und er ganz Offiziell das neue Gesicht von Adidas, wenn er diese Verhandlungen geführt hätte, wäre wohl dabei heraus gekommen, das er zwei Jahre praktisch umsonst gearbeitet hätte, was ihn zwar nichts ausgemacht hätte, schließlich machte es ihm ja Spaß, aber so war es doch besser. Nicht das er das Geld brauchen würde, er hatte mehr als genug, aber es war ihm schon sehr lange ein Bedürfnis Kinder in Not zu unterstützen. Die meisten Gelder die er neben seinem Beruf einnahm flossen in dieses Hilfsprojekt hinein. Sanae meckerte zwar ab und an mit ihm, er müsse ja nicht gleich 100% immer spenden, aber im Grunde war sie sehr stolz auf ihn, das er es tat.
„Sag mal träumst du? Nun komm..."
Verlegen grinste Tsubasa. „Ich komme ja schon..." Grienend gab Tsubasa Sanae die Eintrittskarten um sie aufzubewahren, wenn er sie behielte, würde er sie nur verlieren, wie sagte Sanae immer? Wenn sein Kopf nicht angewachsen wäre, würde er ihn sonst noch unterwegs verlieren.
Glücklich ohne weitere Vorkommnisse verbrachten sie wunderschöne Tage in der Stadt der Liebe, die sie am letzten Abend mit einem Gondelfahrt auf der Seine abschlossen. Friedlich an Tsuabasa angekuschelt, seine Nähe genießend war Sanae die glücklichste Frau auf der weiten Welt. „Weißt du, es war so schön, die Tage hier mit dir, endlich meinen Fußballer wieder einmal für mich ganz alleine haben zu können. Das habe ich so sehr vermisst, weißt du? Manchmal habe ich das Gefühl, du gehörst jedem, nur nicht mir."
Sanft küsste Tsubasa ihr Haupt und lauschte dem Plätschern der Seine und Sanaes Worten. Er war zu wenig daheim, das wusste er. Seit die Kinder da waren konnte sie ihn auch nicht mehr immer begleiten, so wie sie es sonst immer getan hatte. „Meine Anego", hauchte er. „Wenn jemand ein Besitzanspruch auf mich hat, dann nur du, kein Vertrag, keine Verpflichtung kann daran jemals etwas ändern!"
„Ich weiß...und dennoch, ich vermisse die alten Zeiten, am liebsten würde ich wie früher jede Sekunde bei dir sein und ich weiß, das geht nicht mehr."
Liebevoll löste er sich etwas von ihr und zog sie ganz nah an sich heran, hob ihr Kinn an. „Ein Wort von dir und wir werden auch da eine Lösung finden...so wie immer!"
„Versprichst du es?"
„Ja, ich verspreche es."
Liebevoll liebkoste Tsuabasa ihre Wange, zärtlich schmiegte Sanae sich an seine Hand heran, ehe Tsubasa seinen Kopf senkte und sie küsste. Zart umspielte seine Lippen die ihren, neckte sie, forderte sie ihn mehr zu geben. Er hatte stets die Welt erobern wollen, aber mit den Jahren wurde ihm mehr und mehr klar. Fußball war nicht alleine sein Leben, ohne Sanae an seiner Seite, war sein Leben nur die Hälfte wert, erst seit sie ihm in die große weite Welt gefolgt war, fühlte er sich komplett und vollständig. Er brauchte sie, ihr Talent, ihre Zuneigung, ihr unerschütterliches Vertrauen in seine Fähigkeiten. Sie war sein Gegenstück, der verrückte Pol seines Lebens.
Glücklich nahm sie seine Hand und legte sie auf ihren Bauch hinab ohne den Kuss zu lösen. Innig streichelte Tsubasa ihn. Sie hatte es ihm heute beim Abendessen gesagt, sie erwartete wieder einen kleinen Ohzora, oder auch eine kleine Ohzora, es hatte endlich geklappt, das war der Grund für ihre Überspanntheit gewesen, für ihre Blässe. Es war nie der Stress gewesen, nur die ganz normale Müdigkeit die jede werdende Mutter am Anfang ihrer Schwangerschaft befällt. Tsubasa schwor sich für sie da zu sein, wann immer sie ihn brauchte. Sein Traum war nicht nur der beste Fußballer der Welt zu werden, nein...ein weiterer Traum war seine Familie glücklich machen zu können und Sanae seine nie endend wollende Liebe Tag für Tag und Nacht für Nacht weiter zeigen zu können, ihr beweisen zu können, das sie vor einigen Jahren, die richtige Wahl getroffen hatte, als sie sich für ihn entschied. Tsubasas Kuss wurde fordernder und nur das Mondlicht, das ihre beide Gestalten auf dem Wasser an der Seine wiederspiegelten, war Zeuge dieser Liebe, die so unendlich tief und rein, wie die Ewigkeit war.
