Kapitel 3

Sie – Die Polizei, ihr, wenn Sie reinkommen, schieße ich."

Eine geflüsterte Entschuldigung kam über ihre Lippen, kaum hörbar für ihre eigenen Ohren, während die Worte im Raum wiederhallten, die Drohung ging direkt in ihre Eingeweide und regte ein schmerzhaftes Brennen von Angst an, und ihr Daumen drückte den Knopf um den Anruf zu beenden. Ihre Hände zitterten, ihre Nerven zwangen sie dazu, jede Bewegung der Waffe zu verfolgen, während sie ihr Handy in ihre Tasche steckte, bevor sie ihre Hände hob.

Instinkt zog sie vorwärts, ein paar Schritte stellten sie zwischen ihren Angreifer, der noch immer zusammenhanglos plapperte, und Kearney. „Niemand muss auf irgendjemanden schießen", sagte sie, ihre Stimme sicherer als ihr rasendes Herz. „Hören Sie, lassen Sie mich einfach mit meinem Team reden. Wir finden eine Lösung."

„Ich sagte Ihnen, ich werde nicht –"

„Halten Sie die Klappe, Kearney", zischte sie, die Worte leise unter der dröhnenden Stimme ihres Angreifers, wandte sich um, um ihn über ihre Schulter anzufunkeln. „Sie helfen nicht!"

„Er kann nicht", murmelte ihr Angreifer, „er kann nicht zuhören. Er weiß nicht, wie das ist."

Es war genug, um ihre Aufmerksamkeit von Kearneys von Angst maskierter Gefühllosigkeit zu ziehen, zurück zu den Worten, die über die Lippen ihres Angreifers kamen und in der Eile sie auszusprechen, verschmolzen. Er schüttelte seinen Kopf, lief in dem kleinen Raum zwischen jeder Kante zwischen Türbogen und Wohnzimmer hin und her. Seine Hand ballte sich so fest um seine Waffe, dass seine Knöchel weiß hervortraten, Hände zitternd, als er seine Waffe umherwedelte.

Sie schluckte das Stocken ihres Atems hinunter, zwang Worte an seine Stelle. „Was weiß er nicht?", fragte sie, langsam, versuchte ihn zu beruhigen.

„Warum zur Hölle versuchen Sie mit ihm zu reden?", blaffte Kearney, stand von seinem Platz auf dem Kaffeetisch auf und trat einen Schritt näher. „Er ergibt keinen Sinn!"

„Können Sie einfach Ihre Klappe halten?", schoss Kate zurück, eine warnende Hand landete auf seinem Arm, Finger drückten mit ihrer Nachricht zu, mit verzweifelter Hoffnung, dass er verstand, wie wichtig es war, dass er aufhörte zu reden. „Sie bringen uns noch um."

„Aber er-"

Kate erstarrte bei dem Klicken der Waffe, Kearneys Worte erstarben auf seiner Zunge. Seine Augen wanderten über ihre Schulter, und sie drehte sich um, fühlte die Ranken von Angst sich bei dem kalten Blick in den Augen ihres Geiselnehmers um ihre Wirbelsäule winden.

„Hören Sie auf Captain Beckett", sagte er, seine Stimme auf einmal tief und sicher. „Sie versteht es."

„Versteht was?", fragte Kate, vergaß Kearney mit einer Waffe auf sich gerichtet, von einem Mann, der bereit war zu schießen. Der Geiselnehmer schüttelte nur seinen Kopf, die Bewegung klein, genauso unsicher wie sein Auftreten. „Was verstehe ich?"

„Alles."

„Worüber?" Als er still blieb, trat Kate näher, hob eine Hand in den Raum zwischen ihnen, keine Berührung, aber dennoch ein Zeichen von Unterstützung. Ihr Blick landete auf seinem verdeckten Gesicht, versuchte ihn dazu zu bringen, die Waffe zu senken, ihnen ein paar mehr Sekunden von fast Behaglichkeit zu geben. Oder das Beste, was sie unter diesen Umständen kriegen konnte. „Reden Sie mir mit. Wie ist Ihr Name?"

Er wandte seinen Blick zu ihr, schüttelte seinen Kopf, als er sprach. „Ich sage Ihnen meinen Namen nicht."

„Okay, kann ich Sie ‚John' nennen?" Er nickte und sie fuhr fort. „Okay, ‚John', Sie können mich Kate nennen. Ich will Ihnen helfen, aber ich brauche auch Ihre Hilfe. Ich muss wissen, worum es hier geht."

„Es geht um ihn", sagte er, ruckte seinen Kopf in Kearneys Richtung. „Es geht um ihn und darum, was er tut."

Kearney stieß ein ersticktes Stöhnen aus, Protest hörbar, und wenn sie nicht entschlossen gewesen wäre ‚John' ruhig zu halten, hätte sie sich zurückgelehnt und ihn ins Schienbein getreten. Oder ihn selbst erschossen.

„Erzählen Sie mir davon. ‚John'", sagte sie. „Sie sagten, er fügt Menschen Leid zu. Wie?"

‚John' zog an seiner Maske, schob seine Finger hinunter, eine Bewegung, die Kate als Unwohlsein erkannte. Unter der Maske musste es heiß sein; sie konnte die Schweißperlen auf seinem Hals sehen. „Die Maske muss unangenehm sein. Warum nehmen Sie sie nicht ab?" Sie hob ihre Hand, als er die Waffe wieder auf sie richtete, trat einen halben Schritt zurück. „Nur um zu reden", versicherte sie ihm. Sie stieß einen stillen Seufzer der Erleichterung aus, als er nickte und seine Waffe senkte.

‚John' schien abzuwägen, und legte dann seine Finger um die Maske.


Adam Kearney war ein schüchternes Kind. Von dem Moment, in dem Esposito ihn und seine Tante von ihrem Haus abgeholt hatte, so viel war offensichtlich. Er war still, als seine Tante ihn zur Tür rief und ihm sagte, er solle sich anziehen, weil sie zum Revier mussten, und auf der gesamten Autofahrt, während Esposito versuchte Mrs. Hoffman – Senator Kearneys Schwester – vage über den Stand ihrer Ermittlung aufzuklären.

Esposito war nicht sicher, ob es besser oder schlimmer war, als ein Kind, das sich gern unterhielt. Ob er dankbar darüber war, der Flut an Fragen, die mit gesprächigen Kindern kam, zu entfliehen, oder ob er sich danach sehnte, dass Adam die Fähigkeit besaß, die Unterhaltung für ihn zu beginnen.

Richie war auch ein relativ ruhiges Kind, und Adam betrachtend fragte sich Esposito, ob das ein Grund dafür war, warum er sich mit Richie schwertat.

Mrs. Hoffman saß im Großraumbüro und unterhielt sich mit einem uniformierten Beamten. Er hatte Richie bei seiner Ankunft bei LT gelassen, wusste, dass Marisa ihm vertraute auf ihren Sohn aufzupassen, wenn sonst niemand da war. Und er führte Adam in den Pausenraum, bot ihm einen Snack von ihrer kleinen Auswahl und ein Glas Wasser an, wie sie es mit einem Zeugen oder trauernden Familienmitglied tun würden.

Er setzte sich auf den Platz gegenüber von Adam, beobachtete, wie die Füße des Jungen vor und zurück baumelten. Worte blieben in seiner Brust, die üblichen Äußerungen von Entschuldigungen und leisen, direkten Fragen passten nicht zu dem kleinen Jungen vor ihm.

Er schaute zurück zu Adam; große, neugierige Augen starrten zurück. Die erste Frage bildete sich auf seiner Zungenspitze, sein Gehirn formulierte endlich einen Plan, erst herauszufinden, wie viel Adams Tante ihm erzählt hatte, bevor er ihm irgendwelche Neuigkeiten mitteilte.

Aber Adam sprach zuerst.

„Der Junge, der mit uns im Auto saß?", fragte er. „Ist das Ihr Sohn?"

Espositos Blick wanderte zu den Pausenraumfenstern, dorthin, wo Richie LT zeigte, welches Videospiel er gerade spielte, bevor er sich wieder an Adam wandte. „Nein. Er ist… der Sohn einer Freundin", antwortete er, wartete, als Adam als Antwort nickte, aber kein weiteres Wort sagte. „Seine Mom, äh, hilft uns dabei herauszufinden, was mit deiner Mom passiert ist."

Sein Atem bleib in seiner Brust stecken, während er zusah, wie Adams Augen sich weiteten, seine Lippen sich nach unten zogen. „Ich dachte, Sie haben den bösen Mann gefangen."

Er schluckte schwer und nickte. „Ich dachte auch, dass wir das hatten, aber es stellte sich heraus, dass die Person, von der wir dachten, sie stecke dahinter, eigentlich ein guter Mensch ist", erklärte er. „Also müssen wir jetzt den wirklichen Bösewicht finden, und ich brauche deine Hilfe. Denkst du, du kannst mir helfen?"

Adams Augen füllten sich mit Tränen, seine Hände drehten sich in seinem Schoß, und seine Antwort war still, nichts als ein Nicken.

„Okay. Danke, Adam", sagte Esposito. „Ich muss wissen, ob du irgendjemand merkwürdigen bemerkt hast, der in letzter Zeit mit dir geredet hat. Vielleicht jemand, den du nicht kennst, der einfach mit dir gesprochen hat? Oder jemand, den du kennst, der öfter als sonst mit dir gesprochen hat?"

Er beobachtete, wie Adams bei der Frage seine Stirn runzelte, seine Hände drehten sich noch mehr. „Mit mir über was geredet hat?"

Esposito schenkte ihm ein, was er hoffte, beruhigendes Lächeln, schluckte den Klumpen in seiner Kehle hinunter, bevor er erklärte. „Vielleicht hat die Person dich nach deinen Eltern gefragt, was dein Dad arbeitet, oder wie du zur Schule kommst."

Adams Augen weiteten sich bei den Worten. Espo fühlte, wie sich sein Magen zusammenzog, Hoffnung keimte in seiner Brust, auch wenn er wusste, die Erinnerung eines Kindes war nicht die verlässlichste Spur.

Aber als Adam sprach, ließ er sich glauben, dass es etwas sein könnte.

„Da gibt es eine Person."


Die Szene außerhalb des Kearney Hauses war noch immer schrecklich still, Kriminaltechniker versuchten weiterhin herauszufinden, wie sie Augen und Ohren in das Gebäude bringen konnten. Cops sprachen mit gedämpften Stimmen, und auch Castles verzweifelte Bitte nach Informationen hatte aufgehört, seit Beckett ihr Telefonat beendet hatte.

Ryan lehnte an seinem Auto neben Castle, der auf dem Beifahrersitz saß, seinen Kopf hängen ließ. Und auch wenn tröstende Worte in seinem Kopf auftauchten, versuchten ausgesprochen zu werden, teilte Ryan die Stille.

Bis sein Handy klingelte, von seiner Tasche plärrte und seine Aufmerksamkeit von der stillen Handlung der Szene wegzog, Castle aus seinen Gedanken riss.

Er griff nach dem Gerät, fummelte daran herum, als er Espositos Kontaktbild auf dem Bildschirm sah, seine Stimme über den Lautsprecher hörte, als Ryan diesen anstellte.

„Hast du was?", fragte er, verlor keine Zeit mit Höflichkeiten, wenn Beckett mit einem Schützen, der drohte zu schießen, in dem Haus eines Fremden eingesperrt war. Wenn alle verzweifelt auf Informationen warteten.

„Meine Vermutung war richtig", sagte Espo. „Wir haben einen Verdächtigen und es sieht vielversprechend aus."

„Wen?"

Es gab ein Knistern von Papier in der Leitung, ein schnelles Luftholen, bevor Esposito sprach. „Der Name ist Darrel Burgess", sagte Esposito. „Er passt auf die Überwachungsbilder, die wir haben: groß, schlank, blond. Adam Kearney hat ihn als einen Hausmeister an der Schule identifiziert, der sich öfter als gewöhnlich mit ihm unterhielt. Offensichtlich hat Mr. Burgess danach gefragt, wie Adam zur Schule kommt."

Ryan fühlte, wie sein Atem stockte, sein Blick wanderte zu den Fenstern, die mit Vorhängen verdeckt waren, den Mörder, Beckett, und Kearney hinter sich versteckten.

„Und Ryan?"

Er summte, wandte sich von dem Haus ab und sah, dass Castle den Punkt anstarrte, den sein Blick gerade verlassen hatte. Espositos Stimme kam wieder durch die Leitung.

„Er war am Tatort."


Beckett fühlte, wie ihr Atem stockte, ihre Brust sich verengte, in dem Moment, als die Maske abgenommen wurde. Ihre Hand verstärkte ihren Griff um den Saum ihres Shirts, zog es fester, als könnte der Stoff über ihrem Babybauch einen Anschein von Trost geben. Die andere, die noch immer zwischen ihr und ‚John' – nein, nicht ‚John' – schwebte, zitterte noch mehr, und sie senkte die Hand nur, damit er es nicht mitbekam.

Sie erwartete, dass auch Kearney reagierte. Eine Form von Wiedererkennung zeigte, Emotionen bei der Veränderung der Situation. Um entweder zu zeigen, dass er wusste, wen sie ansahen, oder wusste, wie monumental es war, dass er die Maske abgenommen hatte.

Aber Kearney blieb so stumm wie ihr Geiselnehmer, zwang sie dazu zurückzuschauen, um sicher zu gehen, dass er okay war, und zu sehen, wie er den Mann vor ihnen angespannt anschaute.

Sie drehte sich um und tat das selbe, sah die gleichen dunklen Augen, die sie durch die Löcher in der Maske angestarrt hatten. Sie schienen so viel weniger kühl, weniger eindringlich, jetzt wo sie den Rest seines Gesichts sehen konnte, die unordentlichen blonden Haare auf seinem Kopf, die Falten in seinem Gesicht, als würde das Leben selbst seine Augenwinkel hinunterziehen.

Basierend auf der Zusammenhanglosigkeit, die sie beobachtete hatte, wäre sie nicht überrascht, wenn das genau das war, was er fühlte.

„Ich kenne Sie", sagte sie, ein Flüstern, das Kearney endlich reagieren ließ, er keuchte hinter ihr. Sie stellte sicher ihm zu bedeuten, dass er still sein sollte, bevor er anfangen konnte darüber zu schreien, dass sie den Wahnsinnigen kannte, oder welch abschätzige Worte auch immer er aus seinem Vorrat ziehen würde. „Sie waren am Tatort."

Der Geiselnehmer zuckte mit den Schultern, sagte kein Wort, weder in Zustimmung noch Abstreitung.

Aber sie wusste es, erkannte das Gesicht, die gezeichneten Züge, die sie zunächst Stress zugeschrieben hatte, da er den Mord an einer unschuldigen Person auf einem Schulparkplatz gesehen hatte. Das war es ganz und gar nicht gewesen.

„Sie sagten, Sie sind ein Zeuge", sagte sie. „Sie sind der Hausmeister an der Schule."