Vielen Dank für die lieben Reviews, Lufa und Mimamu! Das mit den Pfadfindern hat mir auch gut gefallen und darum musste es unbedingt rein! :)
3 Das Dorf
Selbst die längste Nacht nahm zu seinem Glück ein Ende. Als der Morgen zu grauen begann, schob er Miss Granger vorsichtig von seinem Schoss, wo sie sich gemütlich wie eine Katze zusammengerollt hatte, und erhob sich. Ihm tat jeder Knochen im Leib weh. Er war nicht dafür geschaffen auf dem harten Boden eine Nacht sitzend zu verbringen.
Ein Blick auf Miss Granger zeigte ihm, dass sie noch tief und fest schlief und so erlaubte er sich schmerzhaft sein Gesicht zu verziehen und seine verspannten Muskeln zu strecken. Er wurde langsam alt. Schwerfällig sich das Kreuz haltend schlich er von der Lichtung, die Natur rief. Er suchte sich eine geschützte Stelle und verschaffte sich Erleichterung. Die Bewegung hatte ihm gut getan und seine Muskulatur gelockert, ihm ging es schon besser.
Mit finsterer Mine schritt Severus zurück in ihr "Lager". Ein Blick auf den Boden zeigte ihm das Miss Granger verschwunden war. Wo war sie hingegangen? Konnte er sie denn nicht einmal ein paar Sekunden aus den Augen lassen, ohne dass sie gleich verschwand? Hoffnung keimte in ihm auf. Vielleicht war ihr Verschwinden doch jemandem aufgefallen und sie hatten Hermione bereits zurückgeholt. Gleich würden sie auch ihn holen. Er würde ein angenehmes Frühstück bekommen und doch noch sein Bad und seinen freien Nachmittag genießen können.
Ein verschlafenes „Guten Morgen, Professor!" ließ ihn diese Hoffnung sofort vergessen. Miss Granger hatte sich auch wie er, nur erleichtert. Na fein! Sie waren gestrandet und hatten noch immer keine Ahnung wo.
„Es hat keinen Sinn hier weiter auszuharren! Wir sollten uns zu Fuß auf den Weg zurück nach Hogwarts machen!" bestimmte Severus.
Er würde bestimmt nicht noch eine Nacht hier verbringen. Nie im Leben! Ohne Miss Granger weiter zu beachten, oder ein Reaktion von ihr abzuwarten schritt er los. Er konnte ihren Anblick jetzt einfach nicht ertragen, sie erinnerte ihn zu sehr daran, dass es ihre Schuld war, dass sie hier festsaßen.
Severus schritt einfach in die Richtung aus in der er das Schloss vermutete. Er sehnte sich nach seiner ihm so vertrauten Umgebung. Seine Räume im Kerker, wo er jetzt gemütlich Frühstücken könnte. Was tat er stattdessen? Hungrig, durstig und müde stapfte er durch einen ihm unbekannten Wald und hinter ihm eine Schülerin. Gut ehemalige Schülerin. Das Leben konnte so ungerecht sein. Widerwillig verdrehte er die Augen und haderte mit seinem Schicksal.
Snape schien heute in sehr düsterer Stimmung zu sein. Hermione wagte es kaum ihn anzusehen, geschweige denn anzusprechen. Ein Wort von ihren Lippen und er hätte sie bestimmt verflucht. Sie konnte es in seinen Augen lesen. Er gab ihr noch immer die Schuld an ihrem Unglück. Niedergeschlagen trottete sie hinter ihm her. Eine gewisse Schuld konnte sie auch nicht von sich weisen. Er hatte Recht, wenn er sagte sie hätte nicht einfach in diesen Abstellraum eindringen dürfen.
Es machte sie unglücklich, wenn sie mit Missachtung bestraft wurde. Alles konnte sie ertragen, solange man nur mit ihr sprach. Selbst die übelste Schimpftirade war für sie leichter zu ertragen, als dieses Schweigen. Seit Stunden stapfte Hermione hinter ihm her durch diesen nicht enden wollenden Wald. Ihnen war schon bald klar, dass es nicht der verbotene Wald sein konnte. Sie hätten schon längst in einen vertrauten Teil kommen müssen.
Der verbotene Wald war groß, aber so groß dann auch wieder nicht. Hermione bekam leichte Kopfschmerzen und ihr knurrte der Magen. Sie sah auf Snapes Rücken. Unermüdlich schritt er aus und tat immer noch so, als wäre sie nicht da. Beinahe wollte sie ihn schon bitten wieder mit ihr zu reden. Sie legte sich sorgfältig die Worte zurecht, denn zu einem Professor Snape konnte und durfte man nicht alles sagen, aber das abrupte Abbremsen von ihm dicht vor ihr machte dieses Vorhaben unmöglich.
Hermione hatte schwer damit zu kämpfen nicht in ihn hineinzulaufen, so plötzlich war er stehen geblieben. Vielleicht lag auf dieser Stelle ein Fluch und er war zu einer Säule erstarrt? Man sollte sich nie falschen Hoffnungen hingeben, sie können so trügerisch sein.
„Also das ist eindeutig nicht Hogwarts!" kam es giftig von seinen Lippen.
Wenn sie vor ihm gestanden hätte, als er diese Worte hervorstieß, sie wäre auf der Stelle tot umgefallen, der Pesthauch mit dem sie gesprochen worden waren hätte Hermione bestimmt getötet. Sie schielte um ihn herum, um zu sehen was er sah.
Nun irrten sie durch diesen Wald der kein Ende nehmen zu wollen schien. Miss Granger war ihm dicht auf den Fersen. Er konnte förmlich spüren wie sie unter seinem Schweigen litt. Sie war eine äußerst mitteilungsbedürftige Person und wenn sie von der Welt ignoriert wurde litt sie Höllenqualen.
Gehässig grinste Severus vor sich hin. Ihm war Schweigen vertraut. Er liebte seine Ruhe. Er zog die Gesellschaft von Büchern gegenüber denen der Menschen bei weitem vor. Sollten sie für ihn nicht die gehofften Informationen enthalten, brauchte er sie nur zuzuschlagen und wegzulegen. Menschen wurde man nicht so leicht los, egal ob es sich um Kollegen oder Schüler handelte. Dabei tat er wirklich alles um jeglichen Versuch mit ihm ein Gespräch zu beginnen im Keim zu ersticken.
Aber es gab immer wieder welche die einfach zu stur, wie Minerva oder zu dumm, wie Granger waren um das zu begreifen. Das würde ihr gut tun. Er würde sie bestimmt nicht hier draußen in der Wildnis verhätscheln. Sie hatte ihnen diese Suppe eingebrockt, nun sollte sie diese auch auslöffeln. Severus ergoss sich in seinen boshaften Gedanken, als plötzlich vor seinen Augen ein Dorf auftauchte. Völlig Erstaunt und verwirrt blieb er auf der Stelle wie angewurzelt stehen und realisierte zwei Dinge gleichzeitig.
Sie waren nicht mehr in Hogwarts und das Dorf selber sah aus, als wäre es im zwölften Jahrhundert erbaut worden. Es war noch schlimmer als er befürchtet hatte. Sie befanden sich entweder in der Vergangenheit und wenn man die englische Geschichte rund um das Mittelalter kannte, konnte man sich getrost ausrechnen es war schrecklich und barbarisch, oder in einem parallel Universum was nicht um den Hauch besser war, denn wer konnte schon sagen wie hier die Menschen, sofern es welche gab, waren.
Ungewollt tauchte das Bild vom Muggelfilm "Der Planet der Affen" vor seinem Auge auf und ließ ihn innerlich schaudern. Zu erschüttert um einen vernünftigen Satz von sich zu geben, stieß er das erste was ihm in den Sinn kam aus. „Also das ist eindeutig nicht Hogwarts!"
Hermione konnte seine Gereiztheit über diese Entdeckung gar nicht verstehen. Sie standen auf einer Anhöhe und tief unter ihnen in einem entzückend malerischen Tal duckten sich niedliche Häuser aneinander. Die Sonne schien über die Dächer und vereinzelt stiegen feine Rauchsäulen aus den Rauchfängen auf. Sie dachte nur da war ihre Rettung! Nichts wie hinunter, nach dem Weg gefragt und ab nach Hause.
Sie wollte schon mit dem Abstieg beginnen, denn wenn es auch nah aussah, so waren es bestimmt noch ein bis zwei Stunden zu laufen, bevor sie diese Behausungen erreichten. Ein stählerner Griff um ihren Arm hielt sie fest. Wütend sah Hermione zu Snape hoch. Was war denn nun wieder los? Dieser Mann nervte sie unheimlich. Heftig zog sie an ihrem Arm und wollte sich losreißen, aber es half nichts er war viel stärker als sie. Resigniert schloss Hermione für eine Sekunde ihre Augen und wartete was wohl kommen würde. Ihr Warten wurde mit zynischen Worten belohnt.
„Sind sie völlig irre? Wo denken sie rennen sie jetzt hin? Haben sie eigentlich ihr Gehirn in Hogwarts gelassen? Sehen sie sich das Dorf genau an und sagen sie mir was ihnen daran auffällt!" verlangte er.
Hermione zuckte mit den Achseln und tat ihm den Gefallen, da er sowieso nicht nachgeben würde, wie ihr der nach wie vor feste Griff um ihren Arm bestätigte.
„Niedliche Häuser aus denen Rauch aufsteigt. Scheinbar wohnen dort Menschen." antwortete sie knapp und patzig, doch durch ihn aufgefordert sah sie genauer hin.
Es gab keine asphaltierte Strasse, keine Autos und auch keine Stromleitungen. Gut handelte es sich um ein magisches Dorf oder nicht? Hermione war verunsichert. Snape würde nicht so ein Theater um ein magisches Dorf veranstalten, außer es war keines, was bedeuten würde sie waren in der Vergangenheit. Mit grausigem Verstehen riss sie ihre Augen weit auf.
Es war doch immer wieder erstaunlich. Severus konnte in Miss Grangers Gesicht lesen wie in einem offenen Buch und musste sich dafür nicht sonderlich anstrengen. Man brauchte ihr nur aufmerksam ins Gesicht blicken und wie von selbst zeigten sich die unterschiedlichsten Emotionen. Zuerst dieser Hauch von Empörung und Wut über ihn, dann angestrengtes Nachdenken, das in Verblüffung und Erkenntnis umschlug. Sie hatte es begriffen.
Er musste sie nicht länger festhalten, im Gegenteil sie klammerte sich unbewusst an seinen Arm und krallte ihr scharfen Nägel in sein Fleisch.
„Miss Granger lassen sie sofort los!" befahl er ihr scharf. Augenblicklich ließ sie ihre Hand sinken.
Ihre Rehaugen sahen ihn Hilfe suchend an. Ja klar, jetzt sollte sich der böse Professor eine Lösung einfallen lassen! Pah! Gut das er schon eine parat hatte.
„Sie haben es richtig erkannt! Scheinbar wohnen dort unten Menschen, aber mit Sicherheit wissen wir es nicht. Ich würde vorschlagen, wir nähern uns dem Dorf und warten erst einmal ab und beobachten. Da wir nicht wissen wo wir uns befinden, sollten wir äußerst vorsichtig vorgehen. Fehler könnten hier tödlich sein!"
Severus wog seine Wörter sorgsam ab und mischte die nötige Dosis Dramatik bei. Sie musste begreifen, dass das kein Spiel war. Ohne Magie waren es für ihn schwieriger sie und sich zu schützen. Er konnte sich nur auf seinen Verstand verlassen und auf seine bloßen Hände, falls es zu einem Kampf kommen sollte. Wer konnte ahnen was sie hier erwartete?
Sie gingen schweigend dichter an dieses Dorf heran, so dass sie alles Nötige erkennen konnten, ohne selber entdeckt zu werden. Severus suchte sich ein trockenes Plätzchen und setzte sich. Schweigend nahm Miss Granger neben ihm Platz. Es tat sich lange nichts. Keine Seele war zu sehen. Er war schon fast der festen Meinung die Bewohner waren alle fort und nur mehr die Häuser blieben als stumme Zeugen zurück, als sich doch noch etwas regte.
Eine Frau kam aus einem der Häuser, ein Kind auf den Hüften. Suchend sah sie sich um, dann rief sie nach einem Aro. Sie war zierlich und schmal. Ihr langes weißblondes Haar hatte sie zu einem strengen Zopf geflochten. Sie wirkte als hätte sie immer schwer gearbeitet. Erleichterung durchströmte ihn bei ihrem Anblick.
Doch keine Affen, sondern ganz normale Menschen und sie sprachen dieselbe Sprache wie er. Außerdem zeigte ihr Verhalten dieselbe Art von Brutpflege, wie es auch die Frauen bei ihnen zu tun pflegten. Ein kleiner Junge, etwas 5 oder 6 Jahre alt, schlich um das Haus und versteckte sich in einem nahen Gebüsch. Frech lugte er daraus hervor und grinste breit, da ihn seine Mutter nicht finden konnte.
Wieder rief sie nach Aro, scheinbar der Name des Jungen. Severus erhob sich und schritt auf den Jungen zu.
„Hier ist der Junge!" sagte er laut.
Der giftige Blick der von unten kam, interessierte ihn nicht. Viel mehr wollte er über die Frau soviel als möglich über dieses Dorf und dieses Land erfahren. Misstrauisch sah sie ihn an. Aro lief zu ihr und klammerte sich an ihre Hüften.
„Wer seid ihr?" fragte sie zögernd.
Ihre Haltung drückte Feindseligkeit aus. Kein gutes Zeichen! Sie war Fremden gegenüber sehr misstrauisch. Miss Granger kam an seine Seite und die Züge der Frau wurden eine Spur milder. Noch eine Information die Severus speicherte. Einem Fremden gegenüber war sie misstrauisch, aber wenn er eine Frau dabei hatte, wurde es automatisch weniger.
„Ich bin Severus!" stellte er sich vor. Er nannte ihr aus einem Gefühl heraus seinen Vornamen und nicht wie er es gewohnt war seinen Nachnamen.
„Das hier ist Hermione!" stellte er auch Miss Granger vor. Zurückhaltend nickte sie mit dem Kopf.
„Ich bin Carla und das sind meine Kinder Aro und Cal. Mein Mann Zion arbeitet in der Schmiede."
Wie, als hätte er seinen Namen gehört kam ein schlanker muskulöser Mann aus dem Gebäude nebenan. Ernst sah er sie an. Er hatte wie seine Frau helles Haar. Beide schienen so mitte Zwanzig zu sein, aber das Leben hatte in beiden Gesichtern seine Spuren hinterlassen. Er nickte Severus zu und ignorierte Miss Granger völlig.
„Wer seid ihr und was treibt euch in diese Gegend?" fragte er noch misstrauischer als seine Frau. Dieser deutete er mit dem Kopf ins Haus zu verschwinden und ohne ein Wort des Widerspruches gehorchte sie, die beiden Kinder nahm sie mit sich.
„Ich bin Severus und das ist Hermione!" stellte er sie noch einmal vor. Er nickte ein paar Mal mit dem Kopf als müsste er überlegen, was er mit dieser Information anfangen sollte, dann bohrten sich seine Augen kurz in Hermiones, ehe er zu Severus zurück blickte.
„Ist sie euer Weib oder eure Tochter?" fragte er ihn und ehe er beides bestreiten konnte fuhr er, so als wollte er verhindern, dass Severus etwas sagte fort.
„Ist sie eure Tochter und unverheiratet so müsst ihr sie innerhalb der nächsten drei Tage verheiraten! Aber sollte sie weder das eine noch das andere sein, so ist sie eure Hure und muss sterben! So ist das Gesetz."
