2. Akt: Blackout
„Wir haben dich im Park gefunden", erzählte der Junge. Sein Name war wirklich Yuugi. „Auf einer Bank. Zuerst sah es aus, als ob du einfach nur schlafen würdest, aber du hast nicht auf unsere Fragen reagiert. Und es war ziemlich kalt. Also haben wir beschlossen, dich zu mir zu bringen."Er sah ihn wieder so besorgt an. „Vielleicht wäre es klüger gewesen, einen Arzt zu rufen... aber du hattest kein Fieber und..."
„Du hast echt keine Ahnung mehr, wer du bist?"Der Zwischenruf kam von Jounouchi. Yuugis blonder Freund hockte auf dem Sofa und starrte denjenigen, der anscheinend den Namen Seto Kaiba trug, ungläubig an. „Nicht die klitzekleinste Erinnerung? Totaler Blackout? Systemabsturz wie's im Buche steht? Größter anzunehmender Unfall? Kurzschluss in den Leitu..."
„Ich weiß es einfach nicht mehr."Seto betrachtete wieder seine verschränkten Hände. Er sprach ruhig, aber ausdruckslos. Er konnte nicht sagen, ob das normal war. „Ich erinnere mich nicht."
„Krass!" Jounouchi lehnte sich zurück. Mit seinen ausgebreiteten Armen nahm er einen Großteil des Sofas ein, Yuugi begnügte sich mit dem Rand. Er schien daran gewohnt zu sein. „Ich dachte, so was kommt nur in diesen mexikanischen Soaps vor, die Shizuka manchmal während des Abendessens anlässt!"
„Das ist keine Fernsehserie, Jou!", kam es von Yuugi. „Wenn Kaiba sein Gedächtnis verloren hat, ist das ein ernstes Problem..."
„He, hab ich was anderes behauptet? Ich hab doch nur erwähnt, dass Shizuka mich mit diesem Schwachsinn in den Wahrsinn treibt und ich ihr oft genug..."Er verstummte plötzlich und starrte Seto wieder an. „Hey, Moment mal! Wenn du nicht mehr Bescheid weißt, wer macht dann das ganze Kaiba Corp Zeugs?"
Seto runzelte die Stirn. „Was?"
„Kaiba Corp!"Jounouchi wedelte ungeduldig mit der Hand. „Du weißt schon, dein ach-so-tolles Unternehmendings, mit dem du immer so angibst..."
Setos Hände verkrampften sich kurz. „Ich weiß es eben nicht."
Yuugi warf Jounouchi einen tadelnden Blick zu, den dieser mit einem breiten Grinsen quittierte. „Ey, sorry, Mann! Ich kann's eben nicht ganz glauben, dass du, Seto Kaiba, auf einmal so ein Gedächtnisverlust-Ding hinlegst. Das ist einfach nicht dein Stil..."
Seto wusste nicht, was sein Stil war. Er wusste nur, dass ihm dieser Katsuya Jounouchi langsam auf die Nerven ging.
In diesem Augenblick erschien ein alter Mann im Wohnzimmer. Er trug vier Tüten auf einmal und strahlte über das ganze breite Gesicht.
„Yuugi, stell dir vor, ich hab doch noch Kakaocreme bekommen können! Jetzt kann Anzu ihre Kekse doch noch bei uns machen... oh."Er hatte Seto entdeckt. Das Lächeln verschwand. „Was machen Sie denn hier, Kaiba?"Sein Tonfall war um einiges kühler.
Yuugi sprang auf. „Keine Sorge, Großvater, es ist nichts passiert!... Das heißt, es ist doch was passiert, aber nicht das, was du denkst, was hätte passieren können, also brauchst du dir... Komm, ich helfe dir beim Tragen!" Hastig nahm er ihm eine Tüte ab und bugsierte ihn an Seto vorbei in die Küche. Ein Päckchen Hefe fiel aus einer der Tüten.
Jounouchi sah den beiden nach, während Seto das Päckchen aufhob. Es fühlte sich rau und sandig unter seinen Fingern an.
„Kaiba." Er sah auf und begegnete Jous Blick. Der Blonde grinste nicht mehr. Sein Gesicht war ernst. „Ich warne dich. Wenn das irgendein kranker Trick sein soll, um dich an Yuugi ranzuschleichen und seine Karten zu klauen oder was weiß ich, dann kriegst du ernste Schwierigkeiten, klar? Es ist verdammt noch mal Weihnachten und er hat sich eine Pause von diesem ewigen Gezanke verdient! Also, wenn du irgend so was im Sinn haben solltest, dann hau lieber gleich ab, bevor ich dich eigenhändig rausschmeiße! Nachdem ich dich in einem Duell platt gemacht habe!"
Sein Blick war herausfordernd. Aber Seto ignorierte es.
„Was meinst du mit Duell?", fragte er.
Jounouchi starrte ihn noch einen Augenblick lang an, dann sprang er auf und folgte Yuugi und seinem Großvater in die Küche. Seto blieb allein mit der Hefe zurück.
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Ich weiß, die Akte sind ziemlich kurz, aber das ist durchaus beabsichtigt. Ich will euch mit Klicken nerven! Was haltet ihr von dem Hefepäckchen? Hat es nach diesem Mega-Auftritt die Chance ein Popstar zu werden? lach
