Vielen Dank an Nemyria für das Review. :DDD
Disclaimer: Dragon Age und seine Charaktere gehören Bioware.
Kapitel 2
9:39, Wintermarsch, Kaiserlicher Hochweg
Die Reise über die Nordstraße war sehr still gewesen. Amalia Cousland war Stille gewöhnt, denn sie reiste oft allein. Ihr gefiel dies besser, als ständig Meinungen hinter ihr zu haben, die nicht mit ihrer übereinstimmten. Sie hatte es satt, es allen recht machen zu müssen, denn sie wusste, dass es manchmal keine Kompromisse geben konnte. Diesmal hatte sie einen Begleiter, aber er bevorzugte ebenfalls die Stille. Arishok musterte sie manchmal von der Seite, aber sie wusste nicht genau, was er versuchte, aus ihrem Gesicht zu lesen.
Amalia trat ihrer Stute in die Flanken, damit diese ihr Tempo erhöhte. Sie hatten Gherlens Pass und den Eingang zu Orzammar schon einige Meilen hinter sich gelassen, dennoch bevorzugte sie es, das Gebiet so schnell wie nur möglich zu verlassen. Sie konnte schwören, sie spürte Dunkle Brut aus der Richtung, aus der Händler ihnen seelenruhig den Weg geschnitten hatten.
„Ganz Orzammar feiert!", hatte ein Zwergenhändler verkündet. „König Harrowmont hat einen Nachfolger." Amalia hatte ihn gefragt, warum ihn das so freudig stimmte. Schließlich gehörten die Oberweltzwerge nicht mehr zu Orzammar.
„Natürlich ist es mir egal, wer König ist, solange er die Handelswege frei hält", hatte der Zwerg ihr geantwortet. „Aber so eine Feier bedeutet immer gutes Gold für mich." Und dann hatte er ihr seine kostbaren Stoffe gezeigt und versucht, ihr seinen kümmerlichen Rest an Waren zu verkaufen.
„Da vorne sollten wir vorsichtig sein, Kadan." Amalia schreckte aus ihren Gedanken und begriff erst nach einer Weile, dass Arishok gesprochen hatte. Abrupt drosselte sie das Tempo ihres Rosses und die Stute wieherte protestierend. Dann sah sie, was ihr Qunarigefährte gesehen hatte. Auf der Straße vor ihnen standen zwei Wagen. Beim ersten Blick hätte Amalia angenommen, dass sich ein Unfall zugetragen hatte, aber seltsamer Weise war nichts von Händlern oder Pferden zu sehen. Nach dem zweiten Blick ähnelte es eher einer Falle.
„Wegelagerer auf dem Kaiserlichen Hochweg?", murmelte Amalia. „Diese Banditen müssen wohl ihren Tod herbei sehnen." Sie nahm ihren Bogen in die Hand und zog einen Pfeil aus ihrem Köcher. Sie hatte keine Angst vor einfachen Straßenräubern. Aber das Summen der Verderbnis in ihrem Kopf machte sie unwohl, vor allem weil sie nicht genau sagen konnte, dass sich Dunkle Brut in den Wäldern versteckte.
Mit einer Natürlichkeit, die Amalia bei einem anderen Mann als beleidigend empfunden hätte, überholte Sten sie mit seinem Pferd und stieg kurz vor den zwei Wagen ab, um kampfbereit zu sein. Rex gesellte sich mit angelegten Ohren und gehobenen Lefzen zu ihm, während Amalia zurück blieb. Von der Entfernung konnte sie sich mehr auf ihre Bogenkunst konzentrieren. Aufmerksam betrachtete sie die Büsche und Bäume am Straßenrand. Kaum ein Lüftchen regte sich. Arishok hatte sein Schwert gezogen und ging weiter auf den Wagen zu, der ihm am nächsten war; Rex schien verunsichert Inne zu halten. Waren die Banditen getürmt? Waren sie so wenige, dass ein einziger fremdaussehender und großer Mann mit einer Waffe in der Hand ihnen Angst einjagen konnte? Amalia spürte, wie ihr die Gänsehaut über den Rücken fuhr. Angst war ein seltsames Gefühl. Ein Gefühl, dass sie schon sehr lange nicht mehr verspürt hatte.
Sie wollte einen Pfeil anlegen und ihren Bogen spannen, aber die Unwissenheit über den Verbleib der Banditen machte sie nervös. Wenn sie Pech hatten, hatten die Banditen sie bereits eingekreist und würden von allen Seiten kommen. Amalia hatte keine Angst vor Banditen. Sie versuchte sich selbst davon zu überzeugen. Rex winselte.
Was genau Amalia erwartet hatte, konnte sie nicht sagen. Einen lauten Schrei? Eine Gruppe von schlecht bewaffneten Männern, die auf sie zu stürmte? Auf jeden Fall hatte sie nicht erwartet, dass das Summen in ihrem Kopf unerträglich laut werden würde. Und sie hatte auch nicht den plötzlichen Schmerz an ihrer Schulter erwartet. Amalia hatte bereits viele Pfeile abbekommen, aber noch nie hatte der Schmerz sie dermaßen überwältigt. Sie zwang sich, sich nach hinten umzudrehen und nach ihrem Angreifer zu zielen, aber das Geräusch der Dunklen Brut war einfach zu mächtig. Irgendwo bellte ein Hund. Amalia konnte nicht einmal mehr sagen, ob es Rex war. Unter ihr bockte die Stute und Amalia stürzte von deren breiten Rücken. Der Aufprall mit dem harten Boden rüttelte ihre Sinne wach. Die Heldin von Ferelden rappelte sich, wenn auch sehr schwerfällig, auf, und zielte auf den Bogenschützen, der versuchte, einen großen Hund abzuwehren. Obwohl sie ihrer zitternden Hand kaum vertraute, hörte Amalia doch den Schmerzschrei ihres Zieles. Rex sauste an ihr vorbei.
Als die Graue Wächterin sich umdrehte, taumelte sie leicht von dem Schmerz an ihrer Schulter. Sie sah, wie Rex sich auf einen weiteren Wegelagerer stürzte, der mitsamt fünf anderen Männern einen Mann angriff. So als würde sie ihre eigenen Gedanken nicht mehr lenken können, fühlte Amalia, wie sie sich selbst fragte, wer der Mann war. Und warum er gegen die Banditen kämpfte. Vor Allem hatte sie noch nie so einen Hund gesehen, wie den, mit dem dieser seltsame, unnatürlich große Mann kämpfte. Zu ihrem Glück waren die Banditen so sehr mit dem Kampf gegen Arishok und Rex beschäftigt, dass die verwirrte Bogenschützin sich wieder fangen konnte.
Amalia hob erneut ihren Bogen und zielte auf einen Mann, der hinter Arishok stand. Angespannt wartete sie auf den richtigen Moment, sie wollte auf keinen Fall ihren Gefährten verletzen. Sie schoss einmal fast zu früh, als es so aussah, als würde Arishok überwältigt in die Knie gehen. Dann ließ sie den Pfeil fliegen und ihr Ziel sackte zu Boden. Ein weiterer Mann fiel, als Arishok ihm sein Schwert in den Bauch rammte.
Amalia legte einen weiteren Pfeil an, aber konnte ihn nicht mehr abschießen. Einer der Angreifer war auf sie aufmerksam geworden. Und während Arishok sich um die zwei Anderen kümmerte, kam er direkt auf sie zu. In seiner Hand lag ein Kurzschwert. In der anderen schützte er sich mit einem Schild. Rex bemerkte ihn, schoss an Arishok vorbei und vergrub die Zähne in dem Bein des sich nähernden Kriegers. Die kurze Ablenkung reichte Amalia, um ihren Bogen auf den Boden zu werfen und ihre Dolche in die Hände zu nehmen. Sie hasste es, gegen Gegner mit Schild kämpfen zu müssen, aber sie hatte oft genug mit Harry trainiert, um zu wissen, wo die meisten Schildträger ihre Schwachpunkte hatten. Wenn doch nur ihr Bewusstsein sie nicht erneut im Stich lassen würde.
Einen Moment lang spürte die Graue Wächterin nur das Summen der Horde. Sie wandte den Kopf in Erwartung, dass sie die Ursache dieses Gefühls hinter den Bäumen erkennen würde. Sie hörte das Winseln eines Hundes und ein Schild rammte sich in ihre ungeschützte Seite. Sie kam auf der Erde auf und bereute sofort, dass sie sich nicht früher um den Pfeil in ihrer Schulter gekümmert hatte. Die Spitze hatte sich nun noch tiefer in ihren Körper gegraben. Instinktiv trat sie nach den Beinen des Schildträgers und rollte sich schnell weg, bevor sein fallender Körper sie erdrücken konnte. Sie rammte die Dolchklingen in seinen ungeschützten Rücken und atmete erleichtert auf, als er sich nicht mehr rührte.
Amalia versuchte, sich aufzurichten, aber sie sank immer wieder auf ihre Knie. Ihr Kopf schwirrte. Das verdorbene Blut in ihr war sich sicher, dass Dunkle Brut in der Nähe war. Doch weder die Ungeheuer noch Andere ihrer Art tauchten in ihrem Blickfeld auf. Eine Stimme sagte „Kadan", nannte ihren Namen, aber sie konnte nicht einschätzen, ob diese Stimme ihr feindlich gesonnen war oder nicht. Eine feuchte Hundezunge leckte ihr übers Gesicht. Als Jemand ihre Schulter packte und den Pfeil heraus zog, fiel sie in Ohnmacht.
Arishok ließ die Pferde erst anhalten, als es schon zu dunkel war, um sicher über die Straße zu reisen. Er legte Amalias bewusstlosen Körper vorsichtig auf die Erde und nickte anerkennend, als der müde Mabari sich sofort neben seine Herrin setzte, um sie zu beschützen, während Arishok die Zelte aufbaute. Die Straße war zwar nah genug, dass Arishok nicht gerne ein Feuer entfacht hätte, aber Amalia brauchte Wärme. Als Arishok Amalia schließlich ans entfachte Feuer legte und ihren Rucksack durchstöberte, um nach etwas Essbarem zu suchen, sprang Rex auf und verschwand in den Wald. Nach einer kurzen Weile kam er mit einem Hasen im Maul zurück. Arishok begann, die Beute auszunehmen, und Rex lief wieder zur Jagd. Diesmal kam er erst zurück, als schon das Fleisch über dem Feuer briet. Der Mabari legte das gefangene Rebhuhn auf Arishoks Schoß und trottete zu Amalia hinüber, um sich neben sie zu legen. Der köstliche Geruch von bratendem Fleisch weckte sie letztendlich auf.
Als Amalia die Augen öffnete, erschrak sie, weil ein gewaltiger Hund neben ihr döste. Sie krallte die Finger in das Laken, auf dem sie lag, und richtete sich auf. Ihre linke Schulter schmerzte dumpf und sie tastete verwirrt nach dem Pfeil, der sie getroffen hatte. Jemand hatte ihr den Pfeil heraus gezogen und ihre Schulter notdürftig verbunden. Sie schmeckte den bitteren Nachgeschmack eines Heiltrankes auf ihrer Zunge.
„Kadan. Du musst etwas essen!" Arishok kam auf sie zu. Er hielt ihr einen Stock hin, auf dem Fleisch aufgespießt war. Rex wachte auf und bellte freudig. Amalia nahm das Fleisch dankend an und biss hungrig hinein.
„Wie lange habe ich geschlafen?", fragte sie zwischen zwei Bissen.
„Einige Stunden", antwortete Arishok knapp und nahm sich seine eigene Ration. Einen Teil davon warf er Rex hin.
„Hast du etwas Seltsames bei den zwei Wagen entdeckt?" Arishok sah sie fragend an, aber Amalia war nicht danach, ihm zu sagen, dass sie Dunkle Brut gespürt hatte. Oder das es Augenblicke gab, in denen sie nicht wusste, wer er war. Sie wich seinem Blick aus und starrte ins Feuer.
„Es waren gewöhnliche Banditen", sagte Arishok einfach und seine Stimme deutete nicht darauf hin, dass er verwirrt war, oder dass er sie am liebsten nach dem Grund ihrer Frage gefragt hätte. Aber sie wusste es besser.
„Gewöhnliche Banditen, hm?", murmelte sie. Rex leckte ihr übers Gesicht. Sie schob den aufdringlichen Mabari von sich und kraulte ihm den Nacken. „Wie schnell können wir wieder aufbrechen?" Nun war es wirklich nicht möglich, das Erstaunen aus Arishoks Zügen zu übersehen. Aber vielleicht lag es auch nur daran, dass sie jede seiner selbst kleinsten Regungen deutlich erkennen konnte.
„Wenn deine Verletzung dich nicht behindert, können wir sofort losreiten", sagte er. „In der Nacht sollten wir jedoch doppelt so vorsichtig sein wie zuvor." Amalia nickte, schlang den letzten Rest ihres Kaninchens hinunter und stand auf.
„Dann sollten wir keine Zeit verlieren."
Sie wusste selbst nicht genau, warum sie so unruhig war. Die Pferde brauchten Schlaf und auch sie selbst, Arishok und Rex mussten sich ausruhen, aber Amalia konnte es nicht aushalten, weitere Nächte im Wald zu verbringen. Schon der Gedanke daran, jagte ihr Schauer nach Schauer über den Rücken. Sie alle waren müde und erschöpft, aber Amalia wollte nicht anhalten und trieb ihre Pferde so lange an, bis ihnen der Schweiß das Fell überzog. Erst am frühen Abend des nächsten Tages hielt Amalia an, als sie ein Dorf auf ihrem Weg erblickten. Ihre Bäuche knurrten und Rex hechelte so laut, dass Amalia für eine Weile das Summen in ihren Ohren ignorieren konnte. Sie nahmen sich zwei Zimmer in dem kleinen Gasthaus des Dorfes und ließen ihre Pferde striegeln und satt fressen. Am nächsten Morgen, nachdem Amalia beinahe die gesamte Küche des Gasthauses leer gegessen hatte, wollte sie das Dorf schon beinahe nicht verlassen. Aber sie konnten nicht hier bleiben. Sie mussten weiter reisen. Und wenn sie Glück hatten, wären die Pferde kräftig genug, um sie schnell nach Redcliff zu bringen. Wenn es sein musste, würde Amalia die Pferde sogar zum Galopp antreiben. In dem Fischerdorf selbst hätten die Tiere dann genug Zeit, um sich auszuruhen.
Aber natürlich schafften sie es nicht, Redcliff in einem Tag zu erreichen. Der Weg vor ihnen war lang und es würde auch kaum etwas nützen, die Pferde tot zu reiten. In der Nacht, als sie zu dritt um das Lagerfeuer saßen und ihr Abendbrot zu sich nahmen, wickelte Amalia sich in ihre Decke und versuchte, sich auf alles zu konzentrieren, außer auf den Wald, der sie umgab. Rex schlief schon lange an ihrer Seite, als Arishok sie ansprach.
„Du hast Angst", bemerkte er und sie wusste, dass es seine Art war zu fragen, warum sie sich fürchtete. Einen Moment lang erwägte sie die Möglichkeit, ihm nicht zu antworten. Doch dann seufzte sie.
„Ja, ich habe Angst", gab sie zu. „Ich würde dir gerne sagen, warum, aber ich kann es nicht erklären. Es ist einfach ein Gefühl, das mich nicht mehr los lässt."
„Das verstehe ich nicht", sagte Arishok. „Wenn du nicht weißt, wovor du Angst hast, dann solltest du auch keine Angst haben. Etwas ist erst angsteinflößend, wenn es dich direkt angreift und dein Leben bedroht. Sobald du weißt, was dieses Etwas ist, hast du noch genug Zeit, dich davor zu fürchten." Amalia konnte nicht anders; sie lachte. Arishok beobachtete sie nur dabei und sagte nicht. Als das Summen sich erneut in Amalias Kopf schlich, verstummte ihr Lachen und sie vergrub sich tiefer in ihrer Decke. Sie hatte Arishok gebeten, ihr Zelt nicht aufzubauen, denn sie konnte es nicht ertragen, in diesem zu liegen und nicht zu wissen, was hier draußen passierte. Arishok und sie blieben die ganze Nacht am Feuer. Erst, als die Nacht beinahe vorbei war, nickte Amalia für eine kurze Zeit ein.
Den nächsten Tag ritten sie erneut schnell, obwohl Amalia manchmal kurz davor stand, aus dem Sattel zu fallen, weil sie so erschöpft war. Immer wieder fielen ihr kurz die Augen zu, aber Rex' Bellen wachte sie rechtzeitig wieder auf. Amalia konnte es kaum erwarten, sich in ein weiches Bett zu werfen und in Sicherheit einschlafen zu können. Arishok wirkte, obwohl er ebenfalls nur sehr wenig geschlafen hatte, überhaupt nicht erschöpft. Seine wachsamen Augen waren auf die Straße gerichtet, aber er achtete auch auf jedes noch so leiseste Geräusch aus den Büschen am Straßenrand.
Diese Nacht ließ Amalia sie nicht rasten. Kalter Schweiß stand ihr auf der Stirn und bei jedem Geräusch fuhr sie zusammen. Sie wollte so schnell wie nur möglich in ein Gebäude aus festem Stein, das sie vor der Außenwelt beschützen konnte. Redcliff war nicht mehr weit weg. Das bedeutete, dass sie schon am Morgen oder am frühen Mittag das kleine Fischerdorf erreichen würden. Was Amalia nur recht war.
Die Pferde schnauften, Rex hechelte und Amalia hörte ihre eigene heisere Atmung. Doch die Sonne ging auf und ein Stein fiel vom Herzen der Heldin. Warmes Orange legte sich über den Weg vor ihnen. Der Winter fing für wenige Augenblicke Feuer und brannte lichterloh, während die Reisenden am Horizont nach Häusern und einer Burg Ausschau hielten. Arishok erblickte Redcliff als Erster, da Amalia vor Müdigkeit den Kopf auf den starken Hals ihrer Stute gelegt hatte. Rex bellte aufgeregt.
„Wir sind fast da", ließ Arishok seine Gefährtin wissen. Amalia hob den Kopf und ihre Augen leuchteten beim Anblick der Burg. Redcliff war das erste Ziel ihrer Reise gewesen; damals, als sie und Alistair die letzten verbliebenen Grauen Wächter gewesen waren. Sie hatten auf Hilfe gehofft. Amalia hatte auf einen Anker in all diesem Chaos gehofft. Aber Redcliff war selbst das Nest von Chaos geworden und sie hatte es säubern müssen. Dennoch erinnerte sie sich gerne an die Zeit nach Connors Dämon in Redcliff. Als der Arl von Redcliff wieder aufgewacht war, hatte sie sich einen Tag frei genommen. Sie war durch das Dorf geschlendert und hatte sich am Hafen niedergelassen. Sie und Alistair hatten einander von ihrer Kindheit erzählt. Es war das erste Mal gewesen, dass Amalia Alistair von dem grausamen Schicksal ihrer Familie erzählt hatte. An dem Tag hatte sie Sten sein Schwert wiedergebracht.
Der Himmel war wieder ein kaltes Blau, als sie Redcliff endlich erreichten. Die Bewohner begrüßten Amalia freundlich, aber die bedrückte Stimmung war deutlich zu spüren, während sie zur Burg ritten. Sie erkannte einige Männer im Hof, die ihr respektvoll zu nickten. Amalia glaubte, sie als Wache von Denerim zu erkennen. Ihre Vermutung bestätigte sich, als das Eingangstor der Burg aufschwang und eine Person, die sich nicht die Mühe gemacht hatte, einen Mantel anzuziehen, auf sie zukam. Amalia sprang von ihrem Pferd und warf sich in Alistairs Arme. Rex sprang an dem König hoch und leckte ihm die Hände. Amalia und Alistair umarmten sich wie Geschwister, die sich mehrere Jahre nicht gesehen hatten. Dann lösten sie sich voneinander und Alistair reichte Arishok zur Begrüßung die Hand. Ihre erschöpften Pferde wurden in den Stall gebracht und der König geleitete sie hinein ins Warme.
„Wie geht es Connor?", fragte Amalia sofort, als sie ihren Mantel abnahm, wobei sie einen leichten Schmerz in ihrer Schulter spürte. Die Wunde war dank der Heiltränke verheilt, aber ihre Muskeln protestierten immer noch.
„Er hält sich ganz gut", meinte Alistair, nicht ohne einen Hauch von Sorge in der Stimme. „Er hat mich gebeten, dich erst einmal etwas essen zu lassen, bevor du mit ihm redest. Die Reise war sicherlich anstrengend." Amalia nickte und ihr Magen knurrte zustimmend. Zufrieden lauschte sie dem sanften Summen in ihren Ohren. Natürlich hörte sie es immer noch. Doch diesmal war es anders; sanfter und vertrauter. Sie erkannte es als die Verderbnis in Alistairs Blut. Die Heldin von Ferelden folgte ihrem besten Freund in die Küche der Burg und entschuldigte sich schon gedanklich beim Koch, dafür, dass sie seine Speisekammer leer plündern würde.
