Sie spürte sein Lachen mehr, als das sie es hörte. Sie liebte sein lautloses Lachen, weil es das ehrlichste Lachen war, das sie kannte. Aber noch mehr liebte sie seinen Gesichtsausdruck, wenn er lachte. Auch wenn das hieß die wundervolle Wärme und das Gefühl von Geborgenheit, das sie in seinen Armen empfand, kurzfristig aufzugeben, drückte sie sich ein Stück von ihm weg, um ihm ins Gesicht zu schauen. „Warum haben wir denn so unverschämt gute Laune, Herr Lupin?" – „Eine schöne Frau im Arm, was braucht man mehr zum glücklich sein?", antwortete er immer noch grinsend mit einer Gegenfrage. Missbilligend zog sie die Augenbrauen hoch. Er hob die Hand und strich ihr zärtlich über die Stirn. „Schatz, was habe ich dir über das Augenbrauen hochziehen und Stirn runzeln gesagt?" Nun musste auch sie grinsen. „Jaha … ich weiß. Das gibt Falten." Ein Windhauch ließ sie frösteln und Remus zog sie erneut an seine Brust. Sie piekste ihn in die Seite. „Nun sag schon, worüber hast du eben gelacht?"
Er rieb sich die Stelle, in die Hermine gerade ihren Zeigefinger gebohrt hatte und auch wenn das Grinsen aus seinem Gesicht verschwunden war, so blieb doch ein schalkhaftes Glitzern in seinen Augen zurück. „Ich erinnerte mich gerade nur daran, dass ich nach unserem zweiten Kuss keinen einzigen Gedanken daran verschwendete, dass das was wir taten illegal ist oder das man jeden Grund gehabt hätte dich von der Schule zu schmeißen und mir zu kündigen." – „Das wundert mich nicht. Sobald sich ein bestimmtes Körperteil bei euch Männern einschaltet, gestaltet sich das Denken ja ohnehin schwierig." Remus krallte eine Hand in ihre Haare und zog ihren Kopf vorsichtig nach hinten, um ihr mit gespielter Empörung ins Gesicht zu blicken. „Miss Granger, was erlauben Sie sich eigentlich? Immerhin sprechen Sie hier mit einer Respektperson." Hermine antwortete nur mit einem leisen Kichern, dass er jedoch schnell mit einem Kuss unterband.
Als sie sich wieder voneinander lösten blickte er sie nachdenklich an. „Was hast du damals eigentlich gedacht, als ich dir sagte, dass du nachsitzen musst?"

Verwirrt verließ Hermine Remus Unterrichtsraum. Unangenehme Folgen? Ja, natürlich hatte er Recht. Es war Wahnsinn, was sie gerade getan hatten. Der erste Kuss ließ sich immerhin ein wenig durch den Alkohol, den sie beide ohne Zweifel im Blut gehabt hatten, entschuldigen, aber was war das nun gewesen? Er war ihr Lehrer. Und er könnte ihr Vater sein. Und – doch das störte sie noch weniger als die anderen Dinge – er war ein Werwolf. Wer würde diese Beziehung tolerieren? Aber Halt. Gab es überhaupt etwas zu tolerieren? Eilten ihre Gedanken nicht schon wieder viel zu weit? Wer würde gleich aus zwei Küssen eine Beziehung machen? Vollkommen in Gedanken versunken war sie mitten im Gang stehen geblieben. Zum Glück hatte sie gerade eine Freistunde, denn so konnte sie sich gewiss nicht auf den Unterricht konzentrieren. Einen Moment lang überlegte sie, ob sie in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors gehen sollte, doch dort würden Harry und Ron unweigerlich Fragen stellen. Warum sie so spät kam. Warum sie so abwesend sei. Sie beschloss in die Bibliothek zu gehen, denn dort würde sie sicher ein Buch finden, dass sie von ihrem sinnlosen Brüten abbringen würde.
Aber sie fand kein Buch, dass sie ablenkte. Sie zog das nächstbeste Buch aus dem Regal und schlug es auf. „Der Begriff „Werwolf" bezeichnet das Mysterium, dass sich ein Mensch unter besonderen Umständen nachts in ein Tier verwandeln kann und …" und schon waren ihre Gedanken wieder bei ihm. Warum wollte er von ihr, dass sie um 20 Uhr zu seinen Räumen kam? Das Nachsitzen war nur ein Alibi vor seinen Schülern, das war ihr klar. Aber was wollte er? War er auf der Suche nach ein wenig schnellem Sex? Bisher hatte sie es ihm tatsächlich verdammt leicht gemacht. Ja, das musste es sein. Was konnte ein gebildeter Mann wie Remus Lupin sonst von einer unscheinbaren Schülerin wollen? Aber was wollte sie eigentlich von ihm? Ohne Zweifel, er war attraktiv. Wenn sie an seine dunklen lockigen Haare dachten, die sich genauso weich anfühlten, wie sie aussahen oder seine bernsteinfarbenen Augen in denen hin und wieder der Schalk aufblitzte, die wenn er wütend war förmlich blitzten, dann spürte sie ein angenehmes Kribbeln im Magen. Aber er war auch intelligent, höflich, gutmütig, stark und ...
Sie schüttelte den Kopf. Nun saß sie hier tatsächlich und schwärmte von ihrem Angebeteten. Sie tat genau das, wofür sie andere Mädchen in ihrem Alter immer verachtet hatte. Und die hegten wenigstens Gefühle für Mitschüler und nicht für ihre Lehrer. Hermine straffte die Schultern, als ihr endlich klar wurde, was sie tun musste. Sie musste sich herausreden. Ihm erzählen, dass sie eine Wette mit irgendjemandem am Laufen hatte, dass sie es schaffen würde einen Lehrer zu küssen. Ja, das war eine gute Idee. Oder auch nicht. Das würde ihn sicher verletzten. Und wenn schon, das war besser, als wenn man sie erwischen würde. Und vielleicht oder sogar ziemlich wahrscheinlich, lag ihm gar nichts an ihr, sondern nur an ihrem Körper. Sie ignorierte die leise Stimme, die sagte, dass sie gar nichts anderes wollte, als in seinen Armen zu liegen und das es für den Moment egal war, ob er nun sie oder ihren Körper wollte.
Im Laufe des Tages wurde diese Stimme immer lauter, doch Hermine hielt ihr entgegen, dass dies auch von ihrer Seite nur ein körperliches Verlangen sei, dass gewiss bald wieder vergehen würde. Je später es wurde, desto nervöser wurde sie und als sie beim Abendessen kaum einen Bissen hinunter bekam, wurden auch Harry und Ron langsam misstrauisch. Ron beäugte sie, wie er normalerweise seine achtbeinigen „Freunde" begutachtete. „Was ist los Hermine? Du wirst doch nicht etwa krank oder? Von wem soll ich denn dann meine Hausaufgaben abschrei … äh … korrigieren lassen?" Hermine blickte von ihrem Teller auf, auf dem sie die Erben mit der Gabel schon seit bestimmt fünf Minuten von einer Ecke in die nächste schob. „Nein, keine Sorge. Ich … ähm … Mum und Dad haben mir ein großes Fresspaket mit Muggelessen geschickt und ich konnte mich vorhin einfach nicht zurückhalten." Es schien so, als wolle Ron noch weiterfragen, doch Hermine sprang nach einem kurzen Blick auf die Uhr schnell auf. „Oh, so spät schon?" Tatsächlich war es erst 19 Uhr, doch sie hatte keine Lust ihre Freunde noch weiter zu belügen. Und je schneller sie nun verschwand, desto weniger würden sie auf die Idee kommen, sie zu fragen, wo sie hinwolle. Ron und Harry würden ihr sicher nicht glauben, dass Remus sie zum Nachsitzen verdonnert hatte. Sie würde ihnen hinterher einfach erzählen, dass sie den Abend in der Bibliothek verbracht hatte, aber wenn sie ihnen das jetzt schon erzählen würde, dann würden sie vielleicht auf die Idee kommen mitzukommen. Tatsächlich hatte sie vor noch ein wenig in die Bibliothek zu gehen, einfach aus dem simplen Grund, dass sie ihre Freunde nicht anlügen, sondern ihnen nur verschweigen musste, dass sie nicht den ganzen Abend dort gewesen war.
Als Alibi zog sie ein Buch aus dem Regal und schlug es auf, doch wie schon einmal an diesem Tag gelang es ihr nicht sich auf das Geschriebene zu konzentrieren. Stattdessen malte sie sich aus, wie der Abend verlaufen würde. Sie würde Remus – nein, Herrn Lupin, verbesserte sie sich selbst in Gedanken – erklären, dass ihr furchtbar leid tue, was geschehen sei und dann würde sie ihm die Geschichte mit der Wette auftischen. Anschließend würde sie sofort seine Räume verlassen und schnurstracks zurück zur Bibliothek gehen.
Um Viertel vor acht hielt sie es nicht mehr aus und verließ die Bibliothek. Sie zwang sich langsam zu gehen und nahm ein paar Umwege, doch sie stand trotzdem fünf Minuten später vor den Räumen des Lehrers. Sie hob die Hand, um anzuklopfen, zögerte jedoch. Was machte das für einen Eindruck zehn Minuten vor der verabredeten Zeit vor der Tür zu stehen? Das musste so wirken, als könne sie es nicht abwarten. Noch während sie mit sich kämpfte zu klopfen oder doch lieber noch zu warten, erledigte sich dieses Problem von alleine, denn die Tür schwank von alleine auf. Verdutzt blickte Hermine auf und blickte in Remus lächelndes Gesicht. Ihr Blick schweifte von seinen strahlend weißen Zähnen zu den bernsteinfarbenen Augen und sie spürte wieder das mittlerweile vertraute Kribbeln im Magen. Plötzlich wurde ihr bewusst, dass sie immer noch mit der zum Klopfen erhobenen Hand vor der Tür stand. Plötzlich kam sie sich wie ein Idiot vor. Es fehlte nicht viel und sie hätte sich umgedreht und wäre so schnell sie ihre Beine tragen weggelaufen, doch da packte der immer noch lächelnde Remus sie am Handgelenk und zog sie durch die Tür.