Date of begin: 20.10.02
Date of end: ?
Dirrty Dancer
Autor: Cigamina
Fandom: Weiß Kreuz
Pairings: Aya x Schuldig
Rating: NC – 17
Genre: yaoi, AU
Warnungen: prostitution
Disclaimer: Die Jungs von Schwarz gehören mir nicht, genauso wenig wie Ran und der Rest von Weiß. Auch Aya-chan nicht. Und das Lied ‚Dirrty' von Christina Aguilera auch nicht. Die Story hat ihren Titel von diesem Lied, also wundert euch nicht wegen der Schreibweise.
Summary: Schuldig sieht Aya in einem Club tanzen und prompt setzt sich der Gedanken in ihm fest, dass er den rothaarigen Stricher besitzen will. Durch eine List bekommt er die Chance, Aya näher kennen zu lernen, und macht dabei einige Entdeckungen, mit denen er nie im Leben gerechnet hätte…
Widmungen: Der vierte Teil ist dem Concon und der Ayan gewidmet, weil die mir ziemlich geholfen haben! Danke noch mal, Mädels! Ohne euch hätte ich Chapter 4 niemals angefangen…
Anmerkungen: Hm… mir fallen auf Anhieb keine ein… oder doch, es ist eine AU, also gilt wie immer: Situationen, Beziehungen und das Alter der einzelnen Personen haben sich geändert.
Story ist mir eingefallen, als ich zum hundertfünfzigsten Mal das Video zu ‚Dirrty' gesehen habe… welch ein Wunder…
Lieder, die ich gehört habe, als ich diese Story geschrieben habe:
Christina Aguilera – Dirrty
Eminem – Lose yourself
Eminem – Till I collapse
Guano Apes – Open your eyes (Diesem Lied habt ihr es zu verdanken, dass ich 'Dirrty Dancer' nach dem dritten Kapitel weiter geschrieben habe…)
Madonna – Die another day
Rammstein – Engel
Sean Paul – Get busy
Feedback an:
/Telepathie/
direkte Gedanken
--
Die nächsten Wochen verflogen schnell und für beide recht ereignisreich. Schuldig ging morgens arbeiten und abends holte er Aya hinter dem Club ab, in dem der Rotschopf tanzte, um dann mit diesem auszugehen. Er wählte immer recht ruhige Plätze, wo man sich ohne Probleme unterhalten konnte, denn das war ja der Sinn dieser Abende. Außerdem war der Jüngere meistens erschöpft, da Tanzen doch einiges an körperlicher Anstrengung bedeutete, sodass der Telepath dem anderen nicht noch mehr Lärm und Hektik in einer anderen Disco zumuten wollte. Stattdessen suchten sie meistens kleine, ruhige Bars auf, in denen man sich unterhalten konnte ohne die Musik durch Schreien übertönen zu müssen. Schuldig wollte Aya kennen lernen und ihm außerdem einiges über sich erzählen, damit der Jüngere ebenfalls einiges über ihn erfuhr. Er schreckte nicht davor zurück, Aya Dinge aus seinem eigenen Leben zu erzählen, obwohl es ihn ein bisschen wurmte, dass der Rotschopf sich über seine Vergangenheit beharrlich ausschwieg. Er erzählte nie etwas davon, auch wenn er im Laufe der Zeit ein wenig gesprächiger wurde. Von seinem Tag, der Schule und so erzählte er Schuldig schon mal was, aber sonst recht wenig. Der Telepath ließ ihn, er drängte ihn nicht. Er konnte sich vorstellen, dass die Vergangenheit des Jungen nicht gerade toll gewesen war, wenn er so beharrlich schwieg, und das einzige Mal, als Schuldig ihn auf seine Eltern und mögliche Geschwister angesprochen hatte, waren seine Augen ganz traurig geworden.
Auch erfuhr er recht wenig über den Jungen selbst. Er kannte seinen echten Namen noch immer nicht… eigentlich hatte er fast nichts mehr über den Rotschopf erfahren nach dem ersten Abend…
Doch es war okay für ihn, es machte ihm nichts aus. Er sah nämlich, dass Aya mit der Zeit während ihren Gesprächen immer lockerer wurde, undselten, wenn auch nur manchmal, lächelte, wenn Schuldig etwas Lustiges erzählt hatte. Er achtete nicht mehr ganz so streng darauf, seine eisige Fassade aufrecht zu erhalten, wenn er mit dem Telepathen zusammen war. Manchmal ließ Aya Schuldig an seinen Gefühlen teilhaben, ließ ihn sogar in seinen Geist hinein, wenn sie über die Telepathie und solche Dinge sprachen, die keiner zufälligerweise mithören sollte. Er begann Schuldig langsam zu vertrauen, worüber dieser sich natürlich freute.
Dem Telepathen wurde langsam klar, dass sich dieses Projekt noch ziemlich in die Länge ziehen würde… doch er bedauerte das gar nicht. Ihm ging es schon lange nicht mehr nur darum, den schönen Rotschopf flachzulegen. Das war anfänglich ja sein Plan gewesen und er hatte gedacht, er würde Aya schon ins Bett kriegen, wenn sie sich öfters und länger sahen, doch mittlerweile musste er zugeben, dass er das gar nicht mehr vordergründig wollte. Er war nicht mehr nur hinter dem Körper des Rotschopfes her, fand ihn auch so interessant, dass er ihn ganz, für längere Zeit bei sich haben wollte. Und das war ihm mittlerweile so wichtig, dass er richtig gerne Zeit damit verbrachte, ihre Beziehung richtig aufzubauen; und mit dem nötigen Vertrauen fing er an.
Mit der Zeit hatte er auch Erfolg, zum Beispiel fuhr Aya mittlerweile ohne zu zögern mit ihm im Auto mit und zeigte sein Vertrauen auf diese Weise. Im Auto konnte er nicht einfach aufstehen und gehen, wie er es in jeder Bar tun konnte – Schuldig zwang ihn ja nicht dazu, sitzen zu bleiben – sondern musste es mit Schuldig aushalten, bis dieser wieder anhielt und ihn raus ließ. Doch er war meistens recht entspannt, wenn Schuldig ihn an die schon bekannte Straßenecke fuhr, hatte sogar manchmal die Augen geschlossen und ruhte sich sichtlich aus. Auch sein Misstrauen Schuldig gegenüber, was ihre gemeinsamen Abende anging, schien er ganz verloren zu haben. Er schien begriffen zu haben, dass Schuldig keinen Sex von ihm wollte… was ja auch stimmte, zumindest für den Moment. Natürlich wollte der Rotschopf den Tänzer noch, sogar mehr als je zuvor, jetzt wo er wusste, dass der Jüngere so vielschichtig war… doch alles zu seiner Zeit. Im Moment gefiel ihm der Gedanke an Sex mit Aya gar nicht… Vielleicht würde der Rotschopf es machen, wenn Schuldig wirklich darauf bestand, denn immerhin musste er ihm eine Gegenleistung erbringen, doch dann wäre jegliches Vertrauen zwischen ihnen wieder zerstört. Aya würde sich bei ihren Treffen nicht mehr wohl fühlen, wenn er wusste, dass er früher oder später wieder mit Schuldig schlafen musste, nur um Geld zu bekommen. Schuldig wäre nichts weiter als ein weiterer Kunde für Aya, mit dem er schlief, weil er musste, er wäre einer von vielen. Und genau das war es doch, was der Telepath gerade nicht wollte. Er wollte der Eine für Aya sein, derjenige, mit dem er Sex genießen konnte, eben weil es ganz ohne Zwang geschah… mit dem er schlief, weil er es wollte, weil er ihm vertraute. Das war es, was Schuldig wollte.
Seine Einstellung zu der Sache hatte sich enorm gewandelt, seit er den Plan entwickelt hatte… und zu seinem Schrecken waren schließlich Gefühle in ihm wach geworden, von denen er eigentlich nicht geglaubt hatte, dass er sie jemals spüren würde. Doch er konnte das Kribbeln in seinem Magen nicht anders erklären, genauso wenig wie das Herzklopfen, das er immer hatte, wenn Aya leicht lächelte… er schien sich doch tatsächlich verliebt zu haben…
Dieser Gedanke freute ihn und machte ihm zugleich Angst. Einerseits freute er sich darüber, weil es einfach hieß, dass er dieses Gefühl wirken verspüren konnte, doch andererseits hatte er Angst auch davor. Liebe war immer irgendwo mit Abhängigkeit verbunden… man war nicht mehr so frei wie vorher, musste auf eine zweite Person Rücksicht nehmen… musste sich bis zu einem bestimmten Grad an jemandem anpassen. Man war abhängig voneinander, weil man ständig an jemanden denken musste, sich Sorgen machen, aufeinander acht geben musste… und das war etwas, das Schuldig nicht ausstehen konnte. Irgendwann war sowas immer zu Ende und zurück blieben nur Schmerz und gebrochene Herzen… Außerdem wusste er nicht ganz einzuschätzen, ob er überhaupt eine Chance bei Aya hatte. Doch das würde er schon herausfinden. Er musste einfach noch eine Weile so weitermachen undirgendwann würde sich diese Frage von ganz alleine beantworten.
Ansonsten hatte sich nicht besonders viel getan an dieser Zeit. Außer, dass Nagi sein Interesse an Farfarello verlor. Er sah ein, dass er bei dem Iren keine Chancen hatte, denn dieser ignorierte ihn eigentlich ständig, und das waren nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für eine Beziehung. Stattdessen wandte sich das Interesse des pubertierenden Nagis immer mehr Omi, Takatoris jüngerem Sohn, zu. Er fand den Blonden ja so unheimlich süß… Schuldig war mal in Omis Kopf auf die Suche gegangen und hatte da gefunden, was er gesucht hatte: Omi fand Nagi auch zum Knuddeln…
Natürlich schwieg sich Schuldig Nagi gegenüber mit seinem Wissen aus, ganz einfach weil der Braunhaarige das selbst herauskriegen sollte. Er hatte keine Lust Kinder zu verkuppeln… dafür hatte er selbst ganz andere Sorgen. Aya zum Beispiel… oder Takatoris älteren Sohn, Youji… dieser stand unglücklicherweise immernoch auf den Telepathen. Aber weil dieser ihn ständig ignorierte oder abwies, wandte sich dessen Aufmerksamkeit immer mehr Crawford zu… Crawford! Mann, mann, das war doch ein Depp. Bevor Braddy Interesse an Youji zeigen würde, musste die Welt noch zweimal untergehen. Mindestens.
Eigentlich freute sich Schuldig immer darauf, Aya hinter dem Club, in dem der Rotschopf tanzte, abzuholen, doch heute hatte er schlechte Laune. Er hatte gerade ein nervenaufreibendes, wie Kaugummi in die Länge gezogenes Abendessen mit Familie Takatori hinter sich... die waren doch tatsächlich alle da gewesen, Mister Takatori selbst, seine beiden Söhne Omi und Youji und sogar seine Frau, die Schuldig noch nie vorher gesehen hatte. Sie waren alle zusammen mit einem von Takatoris politischen Anhänger abendessen gewesen... und Schwarz hatte zu diesem Anlass anwesend sein müssen, als die Bodyguards, die sie nun einmal waren. Das war so langweilig gewesen... nicht mal was zu Essen hatten sie bekommen, sie hatten bloß hinter ihrem Boss rumgestanden und der ganzen Sache zugehört. Und das war genauso interessant gewesen wie die politischen Gedanken in den Köpfen der beiden Alten. Über die Yakuza hatten die gesprochen, darüber, was die sich schon wieder geleistet hatten... So was uninteressantes hatte Schuldig schon lange nicht mehr gehört... wen interessierte es denn, ob die Yakuza dies oder jenes besetzt hatte, er hatte nicht mal richtig zugehört...
Und wegen diesem Schrott kam er jetzt zu spät! Zehn Minuten schon, verdammt! Wenn Aya mit seinem Kunden hatte mitgehen müssen, nur weil er zu spät kam, und das auch nur, weil er sich dämliches Geschwafel über ausgerechnet die Yakuza hatte anhören müssen, würde Schuldig sauer werden, aber richtig. Das durfte nicht passieren!
Seine Verspätung war auch der Grund, warum er jetzt aus dem Parkhaus raus hastete und zu rennen begann, als er auf seine Armbanduhr sah, die ihm anzeigte, dass er jetzt schon 12 Minuten zu spät war.
Hoffentlich, hoffentlich hatte der Typ auch Verspätung... denn wenn nicht, würden sie wahrscheinlich schon weg sein. Und bis Schuldig die beiden mit seiner Telepathie würde ausfindig gemacht haben und dort angekommen wäre, würde es schon längst zu spät sein... Er würde Aya verraten haben, denn so würde das für den Taenzer aussehen... verdammt, er würde das Vertrauen, das Aya in den letzten Wochen zu ihm gefasst hatte, mit einem Schlag zerstören... verdammt, verdammt, verdammt!!
Er durfte gar nicht daran denken, was passieren würde, wenn Aya mit seinem Kunden hatte mitgehen müssen... wenn dieser Bastard ihm auch nur ein einziges Haar krümmen würde, war er tot... Schuldig würde ihn töten, das war sowas von sicher!
Der Telepath fluchte, während er durch das Netz von kleinen Strassen hastete, die eine Abkürzung zum Club bildeten. Der Weg kam ihm viel länger vor als normalerweise, zog sich hin wie ein sehr ausgeleiertes Haargummi. Eigentlich war die Strecke nicht so sonderlich lang, aber heute kam es ihm vor wie unendliche Kilometer. Verdammt, schon 15 Minuten!
Schuldig biss die Zähne zusammen und spornte sich noch ein wenig mehr an, versuchte noch ein bisschen schneller zu werden. Sein Atem ging mittlerweile stoßweise, obwohl er eigentlich ziemlich gut trainiert war. Doch nach fünf Minuten in diesem Tempo kam selbst er ins Schwitzen, und lange würde er das auch nicht mehr durchhalten... doch er musste da hin, so schnell wie möglich!!
Wenn Aya schon weg war... er würde es sich nicht verzeihen, wenn der Rotschopf wirklich mit seinem Kunden würde schlafen müssen... und vielleicht war es auch noch einer von diesen, denen es Spaß machte, dem Jungen wehzutun... nein, das durfte nicht sein! Das konnte er nicht machen, Aya verließ sich auf ihn! Er konnte ihn nicht so hängen lassen!
Schuldig fetzte um die nächste Ecke und fand die dahinterliegenden Gasse als ausgestorben vor, woraufhin er sich nicht mehr beherrschen konnte und endgültig sein ganzes Geschwindigkeitspotential ausnutzte. Er machte das nicht gerne in der Öffentlichkeit, weil es Aufmerksamkeit erregen würde, wenn es jemand sah, und keiner sollte wissen, dass er besondere Kräfte hatte, doch dasjetzt war eine Ausnahme. Für Aya ging er das Risiko ein, gesehen zu werden, denn der Rotschopf war ihm eindeutig wichtiger...
Er spürte, wie er beschleunigte, mit einem Wahnsinnstempo über den Asphalt wetzte. Er sah die Häuser nur als Schatten an sich vorbeizischen, legte die nächsten 800 Meter in wenigen Sekunden zurück. Er hetzte um die letzte Ecke und kam in der Gasse hinter dem Club zum Stillstand, sah sich schwer atmend, hektisch um... und fühlte sein Herz aussetzen. Die Gasse war leer. Niemand war weit und breit zu sehen, keine Spur von Aya.
Schuldig spürte sein Herz wild pochen, und das nicht nur von der Anstrengung gerade eben. Scheiße, Aya war weg! Weg!! Seine Gedanken purzelten durcheinander, begannen sich wie wild im Kreis zu drehen. Verdammt, verdammt, was machte er jetzt nur?! Er hatte Angst um den Jüngeren, wusste nicht, was dieser gerade durchleiden musste! Scheiße! Er konnte nichts tun, konnte ihm nicht helfen, konnte nicht... er fühlte sich so hilflos...
Der Telepath schlug mit einer Faust gegen die nächste Hauswand, um seiner Wut ein bisschen Luft zu machen. Er war wütend auf sich selbst, weil er das nicht hatte verhindern können, noch dazu hatte er Angst. Angst um den Jüngeren, der gerade irgendwo war und sich von so einem widerlichen, alten Sack würde flachlegen lassen müssen, und das nur, weil Schuldig nicht da gewesen war, um ihn davor zu beschützen... Verdammt, er hatte dem Rotschopf versprochen, dass er nie wieder für Geld mit jemandem schlafen musste….
Schuldig fuhr sich mit einer Hand durch seine langen Haare und schloss die Augen, atmete ein paar Mal tief durch, zwang sich gewaltsam zur Ruhe. Jetzt in Panik auszubrechen war sicherlich nicht das beste, was man in so einer Situation tun konnte. Es würde Aya nicht helfen, und das war es doch, was Schuldig wollte. Er musste etwas tun, etwas für seinen Freund tun, und nicht darüber nachdenken, wie sehr er versagt hatte!
Der Rotschopf behielt die Augen geschlossen und begann sich zu konzentrieren. Er würde die vertraute Aura des Tänzers suchen... diese kannte er mittlerweile sehr gut, er war oft genug in der Nähe des Jungen gewesen, um zu wissen, wie er sich anfühlte. Also streckte er seine mentalen Fühler aus, begann die bekannte Präsenz zu suchen. Vielleicht waren sie noch nicht zu weit weg und er würde Aya trotzdem noch... DA!!
Seine Augen flogen auf, als er Aya plötzlich spürte, und das wirklich gar nicht so weit entfernt! Nur ein paar Straßen weiter!
Der Rotschopf machte auf dem Absatz kehrt und rannte ohne zu überlegen in die Richtung, aus der er die Aura spüren konnte. Er war noch hier, Aya war noch hier! Schuldig würde noch rechtzeitig kommen, er würde Aya vor dem schlimmsten bewahren können!
Schuldig hetzte erneut eine Gasse entlang, während er sich vorsichtig Zugang zu Ayas Geist verschaffte. Er musste wissen, wie es dem Jungen ging, ob es nicht vielleicht doch schon zu spät war...
Er betrat den fremden und doch so vertrauten Geist des Jüngeren, wurde sehr vorsichtig dabei. Da er nicht wusste, in welcher Verfassung der Jüngere war, musste er mit möglichen Abwehrreaktionen rechnen, die nicht nur ihn selbst, sondern auch Aya schaden könnten. Bei einigen Menschen trat das auf, wenn sie gerade Angst hatten oder ihnen Gewalt angetan wurde, dass der Geist sich reflexartig gegen alles wehrte, was den Menschen noch weiter verletzen könnte. Doch bei Aya trat es zum Glück nicht auf, denn sonst hätte Schuldig einiges an Arbeit gehabt, bis er den Rotschopf sich hätte beruhigen lassen.
Die Gedanken beachtete der Telepath erst gar nicht, sondern drang sofort weiter in die Gefühlswelt des Tänzers vor.
Zum ersten Mal, seitdem der Tänzer ihn in seinem Geist sein ließ, fühlte sich Schuldig dort nicht wohl. Ansonsten war Aya immer ausbalanciert in seinem Geist, doch heute war das absolut nicht so. Emotionen rauschten durcheinander, drehten sich wie wild hin und her, sodass der Telepath im ersten Moment Schwierigkeiten damit hatte, sie zu erkennen. Doch dann sah und spürte er es, die Angst, Verzweiflung und Hilflosigkeit die Aya verspürte. Verdammt, der Mistkerl hatte schon angefangen… aber er tat dem Rotschopf nicht körperlich weh, denn das hätte Schuldig in dessen Geist lesen können. Jedenfalls tat er es noch nicht, was Schuldig dazu brachte, sich so schnell er es sich wagte wieder zurückzuziehen.
Er wollte den Geist seines Rotschopfes gerade wieder verlassen, als ihm noch ein Gefühl auffiel, das irgendwie träge durch die anderen hindurchsickerte… es war eine seltsame Taubheit, die Aya verspürte, die jedoch durch ihre Kraft die anderen Gefühle dominierte.
Schuldig runzelte die Stirn, als er das sah. Was sollte das denn sein? Taubheit war in Ayas Situation nicht unbedingt ein Gefühl, das der Telepath zu finden erwartet hatte. Warum fühlte der Tänzer das? Schuldig verstand es nicht… doch er würde es schon noch herausfinden. Zuerst einmal aber musste er zu seinem Rotschopf und ihn von diesem Bastard, der ihn gerade bedrängte, befreien!
Der Telepath bog an der nächsten Gabelung links ab, raste die folgende Gasse entlang und wetzte um eine erneute Ecke, woraufhin er sich in einer ruhigen Nebenstraße wieder fand. Er blickte sich hastig um und sah dann am Straßenrand eine dunkle Limousine stehen. Wie edel für so eine kleine, perverse Mistratte von Freier, spottete eine leise Stimme in Schuldigs Unterbewusstsein. Doch den Telepathen selbst interessierte das herzlich wenig, denn Ayas Aura zog ihn genau auf das Fahrzeug zu. Sein Rotschopf schien dort drin zu sein…
Schuldig überquerte die Straße mit schnellen Schritten, ging um das Auto herum und blieb dort stehen. Er konnte kalte Wut in sich aufsteigen spüren, als er erkannte, was sich auf dem Rücksitz abspielte.
Er sah seinen Rotschopf auf dem Rücksitz, denn er war gegen die Tür und das zum Glück nur getönte, anstatt verspiegelte Fenster auf Schuldigs Seite gelehnt. Der Jüngere sah seltsam schlaff aus und rührte sich nicht, auch wenn seine Gefühle seinen wahren Zustand offenbarten. Aya wollte den Mann, der halb auf ihm lag und an seiner Halsbeuge saugte, wegstoßen, doch er konnte nicht. Etwas hielt ihn davon ab, und es war nicht nur der Gedanke daran, dass er das Geld brauchte…
Schuldig hatte plötzlich eine Idee, was mit seinem Tänzer los sein könnte… und er zog seine Augen zu Schlitzen zusammen. Wenn das stimmte…
Er rief sich selbst zur Ordnung und blieb noch ein paar wenige Momente in Ayas Geist, um den jüngeren Rotschopf ein wenig zu beruhigen. Er zog den vertrauten Geist in eine kurze, sanfte Umarmung, liebkoste ihn ein wenig und spürte, wie Aya ihn erkannte. Zufrieden damit ließ er dem Rotschopf ein paar Worte zukommen, nur um dem Tänzer zu versichern, dass er wirklich da war, und nicht nur eingebildet, denn das dachte Aya gerade…
/Ganz ruhig, Aya, ich hol dich da raus. Nur noch einen Moment…/
Schuldig spürte gerade noch, wie sich in Ayas Geist plötzlich Erleichterung und Hoffnung unter all die Verzweiflung und Angst mischten, bevor er die Verbindung trennte und sich vorsichtig zurückzog, um sich dann auf den Kunden zu konzentrieren und ihn zu übernehmen. Er ließ den Mann inne halten, spürte seine Verwirrung und Panik, als er sich nicht mehr bewegen konnte, und setzte ihn dann manierlich auf seine Seite des Wagens, bevor er ihn schlafen legte. Dann wandte er sich dem Chauffeur der Limousine zu, ließ ihn ebenfalls einschlafen und öffnete noch während er das tat die Autotür, gegen die Aya noch immer lehnte.
Er war eigentlich schon darauf vorbereitet, dass der Tänzer einfach gegen ihn kippte, keine Kraft mehr hatte, sich aufrecht zu halten. Es bestätigte die Idee, die er vorhin gehabt hatte… dieser Bastard…
Der Telepath half Aya dabei, aus dem Auto auszusteigen, wobei er merkte, das dieser sich nur mühsam bewegen konnte. Seine Bewegungen waren unbeholfen und steif, was so gar nicht zu dem grazilen Tänzer passte. Schuldig stützte ihn so gut er konnte und hielt ihn auch fest, als der Junge endlich vor ihm stand, ziemlich wackelig auf den langen Beinen. Der Ältere hielt Aya an den Armen fest, half diesem sein Gleichgewicht zu halten und blickte dem Rotschopf dabei ins Gesicht. Die sonst so klaren, violetten Augen waren trüb und ein wenig verschleiert, außerdem lag ein ungesunder Rotschimmer auf dem blassen Gesicht, der da so gar nicht hinpasste… wenn Aya normal rot wurde, sah das anders aus…
Schuldig blickte, besorgt und entschuldigend zugleich, Aya an, der nur mit ein wenig unfokussiertem Blick um sich starrte.
„Hey… bist du okay? Es tut mir so leid, aber ich konnte nicht früher von der Arbeit weg. Hat er dir etwas getan?"
Er ließ seinen Blick einmal über den Tänzer schweifen, über den geöffneten Mantel und die etwas unordentliche Kleidung, doch Aya hatte noch alles an. Er hatte es ja auch in dessen Geist gesehen, dass der Bastard eben erst angefangen hatte… anscheinend war der Typ auch ein wenig spät gewesen, ansonsten hätte Schuldig wahrscheinlich nur noch wenig verhindern können.
Der Rotschopf suchte seinen Blick, konnte seine Augen aber nicht lange auf einen Punkt fixieren, und schloss sie lieber. Daraufhin lehnte er sich nach vorne gegen Schuldig, der ihn überrascht auffing und dann die Arme um den schlanken Körper schlang, ihn stützte, damit er nicht umfiel. Aya ließ ihn gewähren und legte seinen Kopf auf die Schulter des Älteren, bevor er antwortete.
„Nein… kamst gerade… rechtzeitig…."
Seine Stimme klang erschöpft und er verschleifte die Silben ein wenig, sprach undeutlich. Schuldig drückte den Jüngeren, auch wenn er es schon gewusst hatte, erleichtert an sich, doch dann verfinsterte sich seine Miene wieder.
„Dann bin ich beruhigt… ich dachte schon, ich käme ganz zu spät… Aya, hat dir der Typ was gegeben? Irgendwas zu trinken oder so? Es ist nämlich nicht normal, dass du dich nicht richtig bewegen kannst, außerdem solltest du keine Taubheit fühlen… wenn ja, weißt du was?"
Er konnte Aya zuerst nur den Kopf schütteln spüren, doch dann sprach der Junge auch.
„Er… hat mich gezwungen was zu trinken… das muss es gewesen sein… aber keine Ahnung was…"
Der Telepath drückte den Jüngeren an sich und strich ihm tröstend über den Rücken. Er machte sich immernoch Vorwürfe, auch wenn er den Rotschopf vor dem schlimmsten bewahrt hatte… es hätte gar nicht erst passieren dürfen! Hoffentlich würde Aya jetzt nicht an seiner Glaubwürdigkeit zweifeln… der Rotschopf vertraute ihm schon verdammt viel, wenn er sich darauf verließ, dass er die Kunden von ihm fern hielt, das durfte er nicht kaputtmachen…
„Es tut mir wirklich Leid, Aya… ich konnte nur echt nicht früher weg… kommt nie wieder vor, ich verspreche es dir."
Der Rotschopf blieb in seinen Armen und verspannte sich nicht, wie Schuldig befürchtet hatte, er ließ die beruhigende Geste zu. Der Telepath freute sich darüber, auch wenn Aya im Moment nicht so ganz bei sich war. Er ließ ihn an sich heran, auch wenn Schuldig gerade Scheiße gebaut hatte… das hieß dann wohl, dass der Tänzer nicht sauer auf ihn war.
„Du kannst doch nichts dafür…"
„Schon möglich, trotzdem hatte ich dir versprochen, dass du es nicht mehr machen musst…"
Der Ältere schob Aya ein wenig von sich, nur so weit, um ihm ins Gesicht sehen zu können. Die blassen Wangen glühten immernoch, erschienen ihm vielleicht sogar noch ein bisschen röter. Er runzelte daraufhin die Stirn, denn dass das nur von den Drogen kam, die das Arschloch Aya gegeben hatte, konnte er sich nicht vorstellen. Deshalb hob er eine Hand, berührte leicht das blasse Gesicht und fand es ziemlich erhitzt vor. Alarmiert hob er die Augenbrauen und legte seine Handfläche auf Ayas Stirn, die ebenfalls ziemlich heiß war. Seinen Verdacht bestätigt wissend zog er seine Hand wieder zurück und starrte Aya an, während sein Gehirn ihm erklärte, was das jetzt hieß. Das konnte der Tänzer nicht gemacht haben… oder? Er zog seine Augen ein bisschen zusammen, blickte Aya ärgerlich an.
„Mann, du hast Fieber! Du gehörst ins Bett! Warum bist du heute überhaupt zur Arbeit gegangen? Gott, bitte sag nicht, dass du heute getanzt hast… du hättest zusammenbrechen und dir sonst was tun können! Oder bist du etwa hingefallen? Wäre ein Wunder wenn nicht, bei so einer hohen Temperatur können die meisten Menschen nicht mal mehr gerade laufen! Wie konntest du nur?!"
Der Jüngere versuchte finster zurückzustarren, doch das scheiterte kläglich. Er schloss erneut die Augen, bevor er seine heiße Stirn wieder auf Schuldigs Schulter legte.
„Ich… kann nicht nicht zur Arbeit gehen… du weißt das ganz genau… ich brauche das Geld… und ja, ich war tanzen… bin nicht hingefallen… aber mir war nicht gut, alles hat sich gedreht… mir ist schlecht, Schu… und kalt… und ich bin müde… alles ist so taub…"
Der Telepath schüttelte leicht den Kopf. Er hatte Aya noch nie so sprechen hören… vor allem würde der Tänzer nie freiwillig sagen, wenn etwas mit ihm nicht stimmte. So was musste er immer aus Aya herausquetschen und hatte selbst dann nicht immer Erfolg damit… Und er hatte ihn Schu genannt… war ihm nur recht, denn er mochte seinen vollen Namen nicht besonders. Trotzdem, der Jüngere war geschwächt, stand unter dem Einfluss von wer-wusste-schon-was-für-einer Droge und war auch noch krank… er musste Aya nach Hause bringen und in sein Bett stecken, und ihn eine Weile schlafen legen, damit er sich erholen konnte…
„Du hast echt nen Knall, Aya. Was hättest du gemacht, wenn du da zusammengeklappt wärst, mitten auf der Tanzfläche? Du hättest dich krank melden sollen…"
Er schüttelte erneut den Kopf, als er daran dachte wie leichtsinnig Aya war… man durfte sich doch nicht einfach so überanstrengen wenn man Fieber hatte, das konnte gefährlich werden…
„Na komm, ich bring dich nach Hause, Aya. Du musst dich ausruhen, sonst wird das Fieber noch schlimmer."
Die violetten Augen sahen ihn verwirrt an, und als der Telepath den Tänzer in Richtung der Gasse zog, aus der er vorhin gekommen war, wehrte sich der Rotschopf dagegen, versuchte sich von Schuldig loszumachen. Es war nur ganz schwach, doch Schuldig bemerkte es und blieb stehen, blickte den Jüngeren überrascht an.
„Was ist?"
Aya starrte ihn an und schüttelte dann den Kopf, stöhnte aber sogleich auf und schloss die Augen.
„Ich… ich kann nicht nach Hause… wir waren noch nicht weg…"
Der Telepath brauchte einen Moment, bis sein gesunder Menschenverstand das verarbeitet hatte, doch als Schuldig den Sinn dann verstanden hatte, zog er eine rote Augenbraue hoch, nicht ganz sicher ob Aya von den Drogen so dämliche Ideen bekam oder ob der sture Tänzer sich das selbst ausgedacht hatte.
„Und weiter? Wir gehen auch nicht, Aya. Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich mit dir, krank und müde wie du bist, in eine Bar gehe? Nee, heute nicht. Wenn's dir wieder besser geht ja, aber nicht jetzt."
Zu seiner Überraschung öffneten sich die trüben Augen wieder und Aya versuchte ihn wütend anzustarren, was dadurch ruiniert wurde, dass er plötzlich begann zu zittern. Prima, vielleicht stieg das Fieber nun auch noch, wenn Aya erst jetzt fror…
„Wir müssen gehen… ich brauch das Geld…"
Schuldig verrollte leicht die Augen, als er das hörte.
„Ein paar Mal mehr oder weniger wird schon nicht so viel ausmachen. Deine Gesundheit ist um Längen wichtiger als Geld, also bitte lass den Quatsch und dich von mir nach Hause bringen. Wir gehen nicht, Punkt."
Aya zog seine Augen zu Schlitzen zusammen, als er das hörte und funkelte Schuldig gefährlich an, doch dieser ließ sich davon nicht beeindrucken.
„Aya, bitte. Das hat keinen Sinn, du kannst noch nicht einmal alleine stehen. Wie willst du denn irgendwohin laufen?"
Der Rotschopf jedoch wollte es anscheinend nicht einsehen, denn er starrte Schuldig immernoch wütend an.
„Wir müssen aber!"
Der Telepath spürte, wie er ungeduldig wurde, was nie gut war. Bei ihm war es mit der Geduld nicht allzu weit hin… schon gar nicht wenn er sich Sorgen machte, und das war gerade definitiv der Fall.
„Müssen wir gar nicht! Du gehst nirgendwo hin, nur nach Hause in dein Bett, klar?"
Die violetten Augen wurden noch eine Spur wütender und der Tänzer fauchte leise.
„Sag mir verdammt noch mal nicht, was ich zu tun und zu lassen habe!"
Es klang ein bisschen komisch, die wütende Stimme mit den schleifenden Silben, doch besser bekam Aya es nicht hin. Er war krank und stand unter Drogeneinfluss, verdammt! Warum wollte er das nicht verstehen? So konnten sie nicht weggehen!
„Mann, Aya! Warum kapierst du das nicht? Du hältst das nicht durch, du läufst keine fünf Schritte ohne umzukippen!"
„Trotzdem!"
Schuldig widerstand dem Drang Aya ein paar Mal ganz kräftig durchzuschütteln gerade noch so – das hätte dem Jüngeren wahrscheinlich gar nicht gut getan, wenn ihm schon Nicken Schwierigkeiten bereitete – und wollte schon erneut etwas zurück keifen, als ihm plötzlich ein Gedanke kam… ja, das könnte gehen… das würde vielleicht besser klappen als den Rotschopf anzuschreien, bis dieser entweder explodierte oder sich hinter seiner kalten Fassade verschanzte…
Er ließ seinen Blick ziemlich kühl und gelangweilt werden, bevor er Aya einfach losließ und einen Schritt zurücktrat, woraufhin der Rotschopf japste und schwankte, es jedoch schaffte auf den Beinen zu bleiben und Schuldig wütend anzustarren. Der Telepath jedoch sah nur kühl zurück.
„Schön, du willst es ja nicht anders. Gehen wir. Aber erwarte nicht, dass ich dir helfe oder auf dich warte."
Mit einem letzten Blick auf die zitternde Gestalt drehte er sich um und lief zurück über die Straße, seine Schritte in ganz normalem Tempo. Wenn Aya auf stur schaltete und stark spielen wollte, würde Schuldig ihm eben zeigen, dass auch er seine Grenzen hatte. Er würde mit Worten nichts erreichen, dafür war der Tänzer zu fixiert darauf, dass er niemandem etwas schuldig bleiben wollte… dieser Idiot…
Er war nur wenige Schritte gegangen, als er hinter sich auch schon den erwarteten dumpfen Aufschlag hörte. Schuldig blieb stehen und drehte sich um, wo er Aya wie erwartet auf dem Boden vorfand. Doch dieser saß nicht einfach nur da, sondern er lag zusammengerollt mitten auf der Straße, seine Augen waren geschlossen und sein Mund geöffnet, er schnappte nach Luft. Seine langen Ponysträhnen waren schweißgetränkt und klebten an seiner Stirn, während sein ganzer Körper heftig zitterte.
Schuldigs Herz setzte für einen Schlag aus, seine Augen weiteten sich und er fluchte, bevor er zurück zu Aya rannte und sich neben ihn auf den Boden sinken lies. Verdammt, das hatte er nicht gewollt! Schuldig hatte gedacht, dass Aya einfach hinfallen würde… aber nicht gleich so zusammenbrechen! Scheiße, hoffentlich war ihm nichts passiert, das würde der Telepath sich nie verzeihen können… hoffentlich war er nicht mit dem Kopf aufgeschlagen und hatte jetzt eine Platzwunde oder hatte sich anderweitig verletzt…
Er streckte eine Hand aus und berührte Ayas Stirn, die er glühend heiß vorfand. Scheiße, gerade eben war es noch nicht so schlimm gewesen… vielleicht war auch das eine Auswirkung der Droge, Schuldig wusste es nicht, doch das war auch eigentlich nicht so wichtig…
Der Rotschopf fluchte erneut und strich sich dann verzweifelt durch die Haare, zwang sich zur Ruhe und logischem Denken. Er musste Aya unbedingt aus der Kälte hier raus bringen, sonst holte er sich noch den Tod und ihn ins Bett stecken… dazu musste er den Tänzer zu seinem Auto bringen… und er musste noch die Erinnerungen der beiden Typen in der Limousine verändern, sonst würde der Rotschopf noch mehr Probleme kriegen…
Schuldig schlug sich vor die Stirn, als ihm plötzlich die leichteste Lösung für sein Problem einfiel. Natürlich, das ging…
Der Telepath legte einen Arm um die schmalen Schultern und schob den anderen unter Ayas Knie, hob den Jungen vorsichtig von der Straße auf, die zum Glück wirklich nicht sehr befahren war. Er trug ihn umsichtig zur Beifahrertür des schwarzen Autos hinüber, wobei er bemerkte, dass Aya für seine Größe ziemlich leicht war. Er hatte wirklich gar nichts auf den Rippen, das sah man wenn der Rotschopf tanzte, doch dass er so leicht sein würde, hätte Schuldig nicht gedacht… das konnte er auch machen, dem Jungen mal was Richtiges zu essen kochen… oder Fertigfutter kommen lassen, denn seine Kochkünste waren nicht gerade die Besten… ohne Fast-Food wäre er schon längst kläglich verhungert…
Er ließ den Fahrer, den er vorhin schlafen gelegt hatte, aufwachen und die Tür öffnen, ignorierte, dass der Mann fast die Krise bekam, weil er keine Kontrolle mehr über sich hatte. War ihm doch egal, Aya war um einiges wichtiger.
Schuldig ließ sich mit Aya in seinen Armen vorsichtig auf den Beifahrersitz sinken und drückte den Rotschopf dann näher an sich, bevor er die Tür schloss und sich gegen die Rückenlehne legte. Den Jüngeren platzierte er so, dass Aya seitlich auf seinem Schoß saß, mit dem Rücken zum Fahrer und an den Körper des Telepathen gelehnt, sein Kopf ruhte auf Schuldigs Schulter. Der Ältere konnte die beschleunigte Atmung des Tänzers an seinem Hals spüren, genauso wie er den gesamten schmalen Körper zittern fühlte. Scheiße… der hatte sich bestimmt eine heftige Grippe oder sowas eingefangen…
Er schlang seine Arme eng um Aya, befahl dem Fahrer dann gedanklich die Heizung ganz hochzudrehen und dann loszufahren, was der verängstigte Mann auch gleich tat. Der Telepath prägte ihm dabei auch gleich den Weg zu seiner Wohnung ein, damit er sich darum später nicht noch kümmern musste. Er würde den Rotschopf zu sich bringen, denn erstens wusste er immernoch nicht genau, wo der Jüngere wohnte, und er konnte auch in Ayas Kopf nicht danach suchen, weil dieser Idiot da hinten dem Tänzer diese Mist-Droge eingeflößt hatte, und er deshalb fatale Dinge in dessen Kopf anrichten konnte, wenn er sich dort zu schnell bewegte. Er konnte schon froh sein, dass er vorhin nichts zerstört hatte… hätte er das gewusst, wäre er nie in Ayas Geist eingedrungen… Außerdem hatte er bei sich zu Hause alles, was er für die Behandlung von Fieber brauchte. Sein Auto würde er einfach morgen holen lassen, das war keine große Sache. Er hoffte nur, dass Ayas Fieber nicht noch schlimmer werden würde, denn sonst würde er mit dem Rotschopf zum Arzt gehen müssen… und davon wäre dieser bestimmt wahnsinnig begeistert…
Schuldig seufzte, während er merkte, dass die Heizung langsam in Gang kam. Aya würde auch so schon nicht davon begeistert sein, die nächsten Tage bei Schuldig zu verbringen… zwar brachte der Rotschopf Schuldig jetzt schon mehr Vertrauen entgegen, doch er war noch nie bei ihm gewesen. Er würde sich vielleicht komisch fühlen, wenn er dort wieder zu sich kam, vielleicht würde er sich sogar fürchten und deshalb aggressiv werden… aber das war egal, der Telepath würde ihn nicht weg lassen, bis es dem Tänzer wieder besser ging; nicht zur Arbeit, nirgendwo hin. Dem Rotschopf würde das gar nicht gefallen, er ließ sich nicht gerne was vorschreiben, und von Schuldig schon gar nicht. Aya war eine stolze, unabhängige Person, die es auch so schon nicht mochte herumkommandiert zu werden. Also würde er von jemandem, dem er nun wirklich nicht gehorchen musste, ganz sicher keine Befehle entgegen nehmen…
Schuldig seufzte leise und sah dann auf das verschwitzte gerötete Gesicht des Tänzers hinab.
‚Stolz'… und das obwohl Stolz eigentlich ein Fremdwort für den Jüngeren sein sollte, bei den Erniedrigungen, die er schon über sich ergehen hatte lassen müssen… dennoch hatte er sich das bewahrt. Ob das nur Teil seiner Fassade war, konnte Schuldig nicht genau sagen, aber der Rotschopf wirkte so. Stolz und ungebrochen, trotz der Gewalt, die ihm schon angetan worden war…
Der Telepath schüttelte die düsteren Gedanken ab und sah dann auf Aya hinab, der sich in diesem Moment an Schuldig drückte. Die blassen Lippen teilten sich und der Rotschopf stieß ein heiseres „Kalt…" aus, begann noch heftiger zu zittern. Der Telepath fluchte leise und löste dann einen Arm von Aya, um die Hand in den offenen Mantel des Jüngeren zu schieben. Er fuhr unter das Shirt, das Aya trug, und legte seine Hand auf den heißen Rücken des Tänzers, spürte Aya sich unter seiner Berührung verspannen. Er flüsterte ihm ein leises ‚Shh' ins Ohr, bevor er begann über die weiche Haut zu reiben und versuchte Aya ein bisschen aufzuwärmen. Tatsächlich schien es zu wirken, der Rotschopf entspannte sich langsam unter seiner Hand und drückte sich ihr entgegen, es schien ihm zu helfen. Schuldig selbst schwitzte schon fast, die Heizung wärmte das Auto ordentlich auf, er trug noch seinen Mantel und hatte Aya, der ziemlich warm war, auf dem Schoß sitzen… aber das machte nichts, Hauptsache dem Tänzer ging es ein bisschen besser…
Sie fuhren noch eine Weile durch die Straßen, Aya bewegte sich öfter mal unruhig auf Schuldigs Schoß und saß dann wieder eine Minute reglos da, doch er kam nie wirklich zu sich. Der Telepath hoffte, dass er erst aufwachte, wenn er ihn schon in seinem Bett hatte, mit Wadenwickeln… Dann würde er fiebersenkende Tabletten und Tee mit Zwieback bekommen, so wie seine Mutter es ihm früher immer gemacht hatte. Ihm war es danach meistens wieder besser gegangen, nach ein, zwei Tagen, und wenn es ihm half, dann würde es wahrscheinlich auch Aya helfen, selbst wenn es deutsche Hausmittelchen waren…
Schuldig verscheuchte die Gedanken an seine Mutter aus seinem Kopf und machte sich dann daran, die Gedächtnisse der beiden Männer zu verändern. Für das des Fahrers brauchte er nicht lange, aber das von dem Typen machte ihn heute krank. Jetzt konnte er dem Bastard Erinnerungen an Sex mit Aya verleihen, während dieser eine Grippe hatte… den Arsch hatte es natürlich nicht gestört, dass Aya Fieber hatte, er hatte trotzdem mit ihm schlafen wollen… Was für ein Saftsack, dass er sich einen Dreck um die Gesundheit des Rotschopfes scherte. Am Liebsten hätte Schuldig ihm ganz andere Erinnerungen eingepflanzt, und zwar um einiges schmerzhaftere, doch er wollte Aya keine Schwierigkeiten machen, deshalb ließ er es bleiben.
Als es schließlich zu seiner Befriedigung geklappt hatte, öffnete er seine zur besseren Konzentration geschlossenen Augen wieder und erkannte, dass sie fast bei seiner Wohnung angekommen waren. Er ließ den Fahrer in die Tiefgarage fahren und dort in seiner Parklücke halten, bevor er ihm befahl auszusteigen und ihm die Tür zu öffnen – das war bequemer und praktischer für ihn. Er zog Aya wieder sicher in seine Arme und stieg dann vorsichtig aus der Limousine, ließ den Fahrer die Tür schließen, um den Wagen herumgehen und sich wieder hinters Steuer setzen. Dann befahl er ihm loszufahren, wartete bis das Auto die Garage verlassen hatte und löschte dann die Erinnerung des Mannes an Aya und ihn selbst völlig, sodass sich der Typ fragte, was er mit seinem Wagen überhaupt hier machte.
Mit diesem Gedanken kappte Schuldig die Verbindung zu dem fremden Geist und wandte sich um, um mit Aya in den Armen zu den Aufzügen hinüber zu laufen. Der Kopf des Tänzers lag immernoch an seiner Schulter und wippte leicht bei jedem Schritt, den der Telepath machte. Aya drückte sich an Schuldig, seine blassen Hände verkrallten sich schwach in dem grünen Mantel, den der Ältere trug. Schuldig sah auf das blasse Gesicht hinab, Schweiß stand auf der Stirn des Rotschopfes und trotzdem zitterte er erbärmlich… Vielleicht hätte er vorhin schon seinen Mantel ausziehen und ihn Aya anziehen sollen… doch das war ihm nicht eingefallen… und jetzt lohnte es sich schon fast nicht mehr.
Der Telepath drückte umständlich auf den Knopf und war froh, als die Tür zum Lift sofort aufging, selbst wenn er heute nicht mitten in der Nacht nach Hause kam. Aya war zwar nicht schwer, das Tragen war nicht sein Problem, aber er hatte das Gefühl, dass Aya jetzt nur noch mehr fror, wo er aus dem überheizten Auto draußen war… Schnell betrat der Telepath den Aufzug und drückte dann erneut umständlich auf den Knopf mit der 22, seinem Stockwerk. Die beiden Türen schlossen sich und es ging aufwärts, doch dass sie ein Weilchen fahren mussten. War ja klar, bei 22 Etagen und diesem alten Aufzug…
Schuldigs Aufmerksamkeit richtete sich sofort auf Aya, als dieser leise wimmerte, und sogleich sahen grüne Augen alarmiert zu ihm hinab. Der Telepath beobachtete den Jüngeren, doch er konnte nicht feststellen, was dem Rotschopf fehlte, außer dem, was Schuldig bereits vorher herausgefunden hatte.Trotzdem neigte der Telepath leicht seinen Kopf und flüsterte Aya leise: „Hey… ganz ruhig…" ins Ohr, rieb seine Wange sanft an den roten Haaren. Das schien ein wenig zu helfen, der Rotschopf beruhigte sich wieder in seinen Armen. Schuldig musste leicht lächeln, als er das sah. Es schien, als konnte ein bisschen Sanftheit doch etwas bei Aya bewirken… selbst wenn es ihn nur dazu brachte, sich zu entspannen, so schien das doch der richtige Weg zu sein. Natürlich war ihm klar gewesen, dass es nie klappen würde, wenn er versuchen würde Aya zu Dingen zu zwingen, doch so ganz hatte er sich auch nicht vorstellen können, dass der Rotschopf sich von Sanftheit so unheimlich beeindrucken lassen würde… oder zumindest seine Fassade nicht, doch mit der hatte Schuldig es meistens noch zu tun. Zugegeben, das hier war nicht die Fassade, Aya war nicht bei Bewusstsein also konnte er das auch nicht spielen, doch trotzdem… jetzt wusste er, dass er so weiter kommen würde als damit, den Rotschopf einfach zu verführen versuchen zum Beispiel …
Das kurze ‚Bing', das im Aufzug erklang, als sie auf der 22. Etage ankamen, holte Schuldig wieder in die Realität zurück und er schüttelte leicht den Kopf, während er mit dem Tänzer den Fahrstuhl verließ. Was dachte er da nun schon wieder? Im Moment würde gar nichts etwas bringen, ganz einfach weil Aya krank war und er sich erst einmal darum kümmern musste…
Schuldig lief mit Aya in den Armen den Flur entlang und trug den Rotschopf zu seiner Wohnungstür hinüber, wo er für einen Moment ratlos stehen blieb. Prima, und wie kam er jetzt am besten an seine Schlüssel dran? Die waren natürlich in seiner Manteltasche…
Nach einigem Hin- und Herüberlegen beugte sich Schuldig ein wenig widerwillig hinab und setzte Aya vorsichtig auf dem Boden ab, lehnte den schlaffen Körper gegen die Wand, damit der Rotschopf nicht umfiel. Den blassen Lippen entkam ein leises Stöhnen, woraufhin Schuldig neben dem Tänzer in die Hocke ging und ihm sanft durch die Haare strich, um ihm zu zeigen, dass er noch immer da war, bevor er in seinen Taschen nach dem Schlüssel kramte. Als er ihn gefunden hatte, richtete er sich rasch auf und öffnete die Tür zu seiner Wohnung, um sich danach wieder hinunterzubeugen und Aya in seine Arme zu ziehen. Er drückte den Körper des anderen sicher an sich und betrat seine Wohnung, der Tür gab er einen Tritt, nachdem er durch sie getreten war, sodass das Holz ins Schloss fiel.
In der Wohnung war es natürlich dunkel, doch Schuldig wohnte schon lange genug hier, um sich auch so zurechtzufinden. Er trug den Jüngeren vorsichtig durch den Vorraum und sein Wohnzimmer, bevor er nach rechts abbog und sein Schlafzimmer betrat. Dort lief er auf das Bett zu und legte Aya darauf ab, bevor er die kleine Lampe auf seinem Nachttisch anknipste und den Jüngeren ansah. Er legte die Stirn in Falten, als er in das Gesicht des anderen sah. Der Tänzer atmete unregelmäßig und Schweiß stand immernoch auf seiner Stirn, durchtränkte die langen Ponysträhnen und ließ sie an der blassen Haut kleben. Außerdem zitterte die schlanke Gestalt ziemlich, Aya fror eindeutig.
Schuldig streckte eine Hand aus und strich die feuchten Haare aus Ayas Gesicht, was sich diesen leicht verkrampfen ließ. Seine Gesichtsmuskeln verspannten sich, genauso wie der Rest seines schlanken Körpers, woraufhin der Ältere seine Hand wieder zurückzog. Wahrscheinlich machte der Rotschopf das instinktiv… vielleicht bekam er mit, dass er gerade auf ein Bett gelegt worden war, und damit hatte er ja bekanntlich genug schlechte Erfahrungen gemacht…
Der Telepath richtete sich wieder auf und strich sich dann selbst durch die Haare, überlegte, was er jetzt zuerst machen sollte. Er musste zusehen, dass das Fieber runter ging… Dazu musste er den Tänzer aufwärmen und vielleicht sogar dazu kriegen mal aufzuwachen, damit er ihm ein fiebersenkendes Mittel geben konnte. Und was zu trinken einflößen sollte er dem Rotschopf vielleicht irgendwann auch, ansonsten trocknete dieser ihm noch aus…
Er entschied sich schließlich dazu, erst einmal mit dem Aufwärmen anzufangen. Dazu ließ er Aya für ein paar Minuten allein auf dem Bett und ging zu seinem Schrank hinüber, wo er seine Decken für den Winter verstaut hatte. Noch war es nicht so kalt, dass er sie brauchen würde, doch Aya würde es bestimmt helfen.
Der Ältere kramte ein bisschen und fand dann schließlich auch seine Heizdecke, für die ganz kalten Tage. Oder für frierende, kranke Tänzer – wie man wollte. Diese Decke und noch zwei weitere Wolldecken trug er zum Bett hinüber und legte alles neben Aya ab, bevor er sich vorsichtig daran machte, dem Rotschopf dessen Mantel auszuziehen. Er rollte den Jüngeren ein wenig herum dabei, doch schließlich hatte er das Kleidungsstück vor dem Bett auf dem Boden liegen. Er hob es jedoch noch einmal auf und deckte den Tänzer damit zu, während er ihm die Schuhe auszog. Er wollte nicht, dass Aya noch mehr fror. Auch zog er dem Jungen die Socken aus und schob dann den Mantel von seinem Körper, um ihm die Hose zu öffnen. Er wollte Aya Wadenwickel machen, und dazu musste die Jeans weg. Den Pullover konnte der Jüngere anbehalten, aber seine Beine mussten für Wadenwickel schon frei sein.
Der Rotschopf verspannte sich erneut und japste leise auf, als er Schuldigs Hände seine Hose öffnen spürte, doch als der Telepath eine Hand ausstreckte und dem Jüngeren sanft über die Wange streichelte, beruhigte er sich wieder. Schuldig zog dem Rotschopf daraufhin flink seine Hose aus, griff dann schnell nach der Heizdecke und streifte sie über den schlanken Körper, bevor er den Stecker in die Steckdose steckte und die elektrische Decke einschaltete. Die anderen beiden Decken legte er noch über die erste und richtete sich dann auf. Das würde erst einmal reichen… hoffentlich…
Schuldig streifte sich nun selbst seinen Mantel ab und warf ihn über den Stuhl neben dem Bett, während er noch einmal überlegte. Vielleicht war es doch gar keine so gute Idee, Aya irgendwelche Arzneimittel zu geben… er hatte keine Ahnung, was für eine Droge der Junge intus hatte, und da war es vermutlich nicht so gut, ihm was starkes zu geben… außerdem wusste er nicht, ob Aya gegen sowas allergisch war, und wenn er es war, konnte das ganze ziemlich gefährlich werden. Vielleicht sollte er besser bis morgen damit warten, dem Rotschopf Arznei zu geben. Das war schon sicherer…
Also blieben ihm nur noch die Wadenwickel und den Jungen irgendwie zum Trinken zu bekommen… und durch die Nacht zu bringen. Irgendwie hatte er so im Gefühl, dass er nicht viel schlafen würde heute Nacht… doch das machte ihm nicht so viel aus. Er hatte morgen und übermorgen sowieso frei, also konnte er da wahrscheinlich ein bisschen Schlaf nachholen.Was tat man nicht alles für die Leute, die man liebte…?
Schuldig seufzte leise und wandte sich dann, nach einem letzten Blick auf Aya, ab, um ins Bad zu gehen. Er würde erst die Wadenwickel machen und danach Tee kochen, den er Aya dann irgendwie einflößen würde… das würde ein Spaß werden…
Er seufzte erneut, als er das Bad betrat, wo er das Licht anknipste und zwei seiner Handtücher mit kaltem Wasser durchtränkte,bevor er sich zwei trockene und ein Fieberthermometer aus dem Medizinschränkchen schnappte, das Licht wieder ausmachte und in sein Schlafzimmer zurückkehrte.
Aya hatte sich nicht bewegt, doch er zitterte nicht mehr so stark wie vorher. Dafür stand umso mehr Schweiß auf seiner Stirn, aber das war nur gut so. Besser er schwitzte die ganzen Keime aus sich raus… oder verbrannte sie in sich drin. Dafür war das Fieber ja auch da, um die Keime zu vernichten. Auch sollte man deshalb Fieber nie sofort senken, denn es war eine der körpereigenen Verteidigungen gegen Krankheitskeime. Man durfte es nur nicht zu hoch werden lassen, sonst trocknete die betreffende Person aus.
Schuldig legte das Thermometer auf dem Nachttisch ab, setzte sich zu Aya auf die Bettkante und schlug die Decke über seinen Beinen zurück. Anschließend machte er sich geschickt daran, die schlanken, leicht muskulösen Beine mit den nassen, kalten Handtüchern zu umwickeln. Der Rotschopf zuckte bei der ersten Berührung heftig zusammen und japste ein schwaches „Kalt…", doch er kam trotzdem nicht richtig zu sich, sodass Schuldig seine Arbeit in Ruhe vollenden konnte. Als er die beiden Beine schließlich jeweils mit einem nassen und einem trockenen Handtuch umwickelt hatte, legte er die Decken wieder zurück, richtete sich auf und sah zu dem jüngeren Rotschopf hinab. Er schüttelte leicht den Kopf, bevor er sich hinabbeugte und Aya eine schweißdurchtränkte Haarsträhne aus dem Gesicht strich. Warum musste das passieren? Schuldig machte sich Sorgen um den anderen… was, wenn das Fieber nicht runter ging? Vielleicht hätte er Aya gleich zum Arzt bringen sollen… doch jetzt hatte er ihn hier… Er beschloss schließlich, erst mal bis zum nächsten Tag zu warten, und wenn es dem Tänzer dann noch nicht besser ging, würde er ihn zum Arzt bringen.
Der Telepath strich Aya noch einmal leicht über die Wange, bevor er sich abwandte und das Schlafzimmer wieder verließ, den Flur überquerte und schließlich seine Küche betrat. Er würde Tee für Aya kochen und jede Menge Honig rein kippen, das hatte bei ihm selbst immer geholfen. Nur Aya zum trinken zu kriegen würde schwierig werden, solange der Tänzer schlief… hoffentlich würde Schuldig ihn aufwecken können. Mit Telepathie konnte er schlecht arbeiten, es stand außer Frage den Rotschopf so zu wecken… also würde er es wohl auf die herkömmliche Methode versuchen müssen.
Der Rotschopf setzte das Wasser auf und goss es ein paar Minuten später in eine Kanne, in der auch schon zwei Beutel Kamillentee hingen. Er ließ den Tee ein paar weitere Minuten ziehen und fischte die Beutel dann wieder raus, warf sie weg und holte eine Tasse und den Honig aus seinem Küchenschrank. Er mochte Honig gerne, und zusammen mit Kamillentee schmeckte dieser richtig gut. Kamillentee schmeckte ihm sowieso gut, aber nur der echte, deutsche. Den hatte er immer im Haus, weil er ihn selbst öfters trank. Umso besser, jetzt hatte er etwas, das er Aya geben konnte.
Der Telepath gab ordentlich Honig in die Tasse und goss dann den Rest mit Tee auf, bevor er einen Löffel aus der Besteckschublade holte und schließlich mit Tasse, Löffel darin und Kanne die Küche wieder verließ. Er ging zurück in sein Schlafzimmer und stellte die Sachen auf dem Nachttisch ab, wobei er den Tänzer besorgt ansah. Aya schwitzte, er atmete unregelmäßig und seine Wangen waren ungesund rot, doch er zitterte nicht mehr. Schien so, als ob das Fieber jetzt nicht mehr stieg. Schuldig streckte eine Hand aus und legte sie auf die Stirn, die er erneut als ziemlich heiß vorfand. Der Telepath strich Aya tröstend über die Wange und setzte sich dann mit dem Gesicht Aya zugewandt auf die Bettkante, bevor er den Jüngeren leicht an der Schulter rüttelte.
„Aya, hey… bitte wach auf."
Als der Rotschopf nicht reagierte, rüttelte der Telepath noch einmal, und als die Reaktion erneut ausblieb, gab er dem Rotschopf einen leichten Klaps auf die Wange, während sein Blick immer besorgter wurde. Er hasste das, so hilflos zu sein, ohne seine Telepathie… aber da musste er jetzt durch, es ging nicht anders…
„Aya… komm schon, wach auf… du machst mir Angst."
Das tat es wirklich, er wurde langsam nervös. Warum reagierte der Junge gar nicht? Na gut, er hatte sich auch auf dem ganzen Weg hierher nicht viel bewegt, doch trotzdem… Schuldig gab dem Rotschopf noch einen Klaps auf die Wange, ein bisschen kräftiger dieses Mal, und war dann unendlich erleichtert, als der Tänzer leise wimmerte und schließlich seine Augen schwerfällig einen Spalt breit öffnete. Schuldig tat es Leid, dass er Aya hatte schlagen müssen, doch es war ja kaum anders gegangen…
Der Telepath rutschte ein wenig nach vorne und beugte sich dann über Aya, um ihm in die leicht geöffneten Augen blicken zu können. Sie waren glasig und unfokussiert, die Pupillen waren geweitet. Natürlich, ein weiteres Zeichen dafür, dass Aya Drogen verabreicht bekommen hatte… doch trotzdem sah Schuldig Verwirrung und leichte Angst in ihnen stehen. Wie er es geahnt hatte… Aya hatte ja nichts mehr mitbekommen, seitdem er auf der Straße zusammengebrochen war, und musste sich daher jetzt ziemlich wundern, warum er in einem Bett lag. Und noch wichtiger, dass Schuldig sich gerade über ihn beugte.
Der Ältere streckte eine Hand aus und strich Aya leicht über die Wange, fühlte wie sich der Tänzer unter seiner Berührung anspannte, woraufhin er die Hand sofort wieder wegnahm. Er wollte Aya beruhigen und ihn nicht verschrecken, hatte er doch vorher schon gemerkt, dass dem Rotschopf Berührungen meistens unangenehm waren. Was auf Ayas Nebenjob zurückzuführen war… da mussten einem Berührungen ja unangenehm sein, wenn man nur schlechtes damit verband… vor allem, wenn man noch nie gute Erfahrungen gemacht hatte… das wusste er bei Aya zwar nicht, aber irgendwie konnte er es sich nicht so recht vorstellen. Außerdem hatte Aya ihm ja schon einmal gesagt, dass er noch nie jemanden wirklich gewollt hatte, also hatte er wohl solche Erfahrungen noch nie gemacht. Allein dafür tat er Schuldig Leid…
Aber vorhin waren ihm seine Berührungen nicht unangenehm gewesen… vielleicht, weil Aya einfach nicht bei sich gewesen war… vielleicht war Aya unter der Maske, mit der er versuchte, seine Umwelt an sich abprallen zu lassen, wirklich völlig anders.
Schuldig lächelte dem Jüngeren beruhigend zu und rutschte dann noch ein bisschen in Richtung Nachttisch, um das Fieberthermometer erreichen zu können.
„Hi… Zum Glück bist du wieder wach, ich habe mir schon Sorgen gemacht."
Die violetten Augen blickten ihn erschöpft an und fielen für einen Augenblick wieder zu, doch dann öffnete der Tänzer sie wieder ein wenig, ziemlich schwerfällig. Schuldig wusste, dass er nicht lange Zeit hatte, bis der Jüngere wieder einschlafen würde, und er musste diese Zeit nutzen. Er schnappte sich das Thermometer und schaltete es an, bevor er zu Aya aufblickte.
„Ich weiß nicht, ob du dich an vieles erinnern kannst, deshalb sage ich dir, was passiert ist, okay? Du bist auf der Straße zusammengebrochen, Aya, deshalb habe ich dich hierher gebracht, weil ich nicht weiß, wo du wohnst. Das hier ist meine Wohnung. Du hast Fieber, das ist der Grund warum du dich wahrscheinlich ziemlich matt fühlst. Frierst du noch, Aya?", unterbrach er sich, um sich nach dem Zustand des Tänzers zu erkundigen. Der Telepath sah Aya genau an und nur deshalb entging ihm das leichte Kopfschütteln nicht. Das war gut, also stieg das Fieber im Moment wirklich nicht.
„Gut. Mach dir keine Sorgen, wir kriegen das schon wieder hin, Aya. Ich hab dir Wadenwickel gemacht und jetzt messen wir Fieber, damit ich wenigstens weiß, wie hoch es ist. Ich kann dir noch keine Medikamente geben, weil ich nicht weiß, ob sich das mit der bescheuerten Droge verträgt, außerdem wäre das eh nicht so gut. Sag mal, bist du allergisch gegen Paracetamol? Denn dann müsste ich was anderes kaufen gehen, ich hab nur das."
Wieder sah er genau hin und bemerkte so abermals das leichte Kopfschütteln. Er nickte daraufhin und streckte die Hand mit dem Fieberthermometer in Richtung Aya aus.
„Okay, dann gebe ich dir das morgen, wenn du aufwachst. Und jetzt mach mal den Mund auf, wir messen das Fieber da."
Das war am Praktischsten und Schuldig konnte es selbst nirgendwo anders leiden. Außerdem konnte er sich nicht vorstellen, dass Aya damit einverstanden wäre, wenn er ihm das Ding unter die Achsel oder gar in den Hintern schob… nein, im Mund war es noch am Besten.
Der Tänzer schien einen Moment lang zu zögern, doch dann öffnete er seine Lippen ein bisschen und ließ sich das Thermometer in den Mund schieben. Schuldig platzierte es und ließ es dann los, bevor er über Ayas Beine krabbelte und sich links neben dem Rotschopf auf die Matratze setzte. Er würde ihm gleich helfen, sich aufzusetzen, und das konnte er besser von hier aus machen.
Die violetten Augen waren ihm gefolgt und sahen ihn müde an, der schmale Körper hatte sich leicht verspannt, als Schuldig näher gekommen war. Der Telepath verfluchte die rücksichtslosen Kunden Ayas einmal mehr. Sie und nur sie waren daran schuld, dass der Tänzer Angst vor menschlicher Nähe und Berührung hatte… er schüttelte leicht den Kopf, verbannte die Gedanken wieder und sah Aya beruhigend an, welcher gerade das Thermometer in seinem Mund hin und her schob. Schuldig streckte daraufhin die Hand aus und hielt es fest.
„Behalt es da, Aya, unter der Zunge. Ich weiß, dass es nicht angenehm ist und auch nicht gerade toll schmeckt, aber wenn du es hin und her schiebst, stellt es die Temperatur nie fest."
Er war fast erleichtert, als die violetten Augen sich leicht zusammenzogen und Aya versuchte ihn finster anzustarren, was ihm jämmerlich misslang, aber trotzdem wusste der Telepath, dass Aya noch da war mit seinen Gedanken. Er schien nicht völlig klar zu denken, denn sonst hätte er vielleicht versucht sich zu wehren, weil er doch seine Schulden immernoch nicht beglichen hatte, doch so ließ er alles mehr oder weniger über sich ergehen.
In diesem Moment piepste das Thermometer und Schuldig zog es aus Ayas Mund, bevor er es ein wenig ins Licht der Nachttischlampe hielt, um die kleine Anzeige lesen zu können. 39,4… hm… nicht besonders beruhigend. Aber zumindest schwebte der Tänzer nicht in akuter Lebensgefahr… sollte es morgen jedoch immernoch so oder gar noch schlimmer sein, würde er den Rotschopf auf jeden Fall zum Arzt bringen.
Schuldig sah Aya an, nachdem er das Thermometer ausgeschaltet und neben sich auf das Bett gelegt hatte, und seufzte dann.
„39,4. Ist nicht so hoch, dass es gefährlich wäre, aber trotzdem nicht gerade toll."
Er streckte seine Hände aus und schob einen Arm unter Ayas Hals durch, um ihn um die schmalen Schultern zu legen, wobei er spürte, dass Aya sich wieder verkrampfte. Seine violetten Augen spiegelten das wieder, was Aya spürte, ein wenig Angst und Verwirrung. Schuldig blickte sein Sorgenkind beruhigend an und strich ihm dann die schweißnassen Ponysträhnen aus dem Gesicht.
„Keine Angst, ich will dir nur helfen dich aufzusetzen. Du musst was trinken, sonst trocknest du noch aus. Na komm, setz dich hin."
Er begann den Jüngeren aufzurichten, wobei er von Aya nicht sonderlich viel Hilfe bekam, doch als sie es schließlich geschafft hatten, musste der Telepath Aya festhalten, damit er nicht nach vorne überkippte. Der Rotschopf hing mehr in Schuldigs Arm, als dass er eigenständig darin saß, und er schien seinen Kopf nur schwer aufrecht halten zu können, sodass der Ältere sich beeilte nach der Teetasse zu greifen. Er setzte sie an die zum atmen leicht geöffneten Lippen und wartete dann, bis der Tänzer darauf reagierte. Er konnte die Tasse nicht einfach kippen, solange der Rotschopf nicht bereit war zu schlucken. Er würde ihm alles über die Brust schütten, deshalb wartete er lieber ein wenig.
Als Aya schließlich soweit schien, kippte der Telepath die Tasse ein bisschen und ließ dem Jüngeren ein bisschen Tee in den Mund laufen, bevor er stoppte und dem Rotschopf Zeit zum Schlucken gab. Als dieser die Flüssigkeit hinuntergebracht hatte, wiederholten sie das ganze solange, bis die Tasse leer war und Schuldig sie zurück auf den Nachttisch stellen konnte. Der Kopf des Jüngeren sank erschöpft auf Schuldigs Schulter, was diesen ein wenig überraschte, doch dann drückte er den Rotschopf leicht an sich, hob eine Hand, um dem Jüngeren mit dem Handrücken über die Wange zu streichen.
„Dir geht's morgen bestimmt wieder besser, Aya. Du bist müde, hm?"
Er sah und spürte den Rotschopf schwach nicken, und daraufhin lächelte er, bevor er den Rotschopf vorsichtig zurück auf die Matratze legte und dort wieder richtig zudeckte. Er blickte den Jüngeren sanft an und strich ihm dann erneut über die Wange.
„Dann schlaf ein bisschen. Ich denke, ich werde dich ab und zu wecken, um dir wieder was zu trinken zu geben, aber jetzt schlaf erst mal."
Violette Augen versuchten ihn erneut finster anzustarren. Warum wusste Schuldig nicht so ganz, doch er konnte es sich vorstellen. Schon wieder versuchte er Aya herumzukommandieren, und das missfiel dem Rotschopf anscheinend. Für einen Moment hielt er Blick, auch wenn es durch seine glasigen Augen die Wirkung verfehlte, doch dann fielen sie vor Erschöpfung schließlich zu und Ayas Atmung wurde tiefer, ein bisschen ruhiger und gleich darauf war er eingeschlafen, einfach so. Schuldig schüttelte den Kopf. Der musste wirklich fertig gewesen sein… kein Wunder, bei 39,4 Fieber…
Der Telepath sah noch einen Moment auf den Schlafenden hinab und erhob sich dann vom Bett, um noch einmal kurz in die Küche zu gehen und dort eine Schüssel mit kaltem Wasser zu füllen, bevor er damit ins Bad ging, sich einen Waschlappen schnappte und alles zurück in sein Schlafzimmer trug, wo er die Schüssel auf den Nachttisch stellte. Er tauchte den Waschlappen in das kalte Wasser und drückte ihn aus, bevor er dem schlafenden Rotschopf sanft die Stirn abtupfte und ihm den Waschlappen danach auf den heißen Kopf legte. Das konnte auch helfen, oder es dem Kranken zumindest ein bisschen angenehmer machen.
Schuldig fuhr sich dann mit einer Hand durch die Haare, überlegte, wie er sich die Nacht organisieren sollte. Er würde sich wohl seinen Wecker alle paar Stunden stellen und dann aufstehen, um Aya ein bisschen was zu trinken zu geben, und vielleicht die Wadenwickel zu wechseln und den Waschlappen wieder nass zu machen. Er seufzte. Er würde definitiv nicht viel schlafen heute Nacht… aber Aya war wichtiger.
Der Telepath lief in Richtung seines Schrankes und fischte dort eine frische Boxershorts heraus, bevor er sich rasch umzog. Er schlief nur in Boxershorts zurzeit, alles andere war ihm zu warm. Seine Kleider ließ er einfach dort liegen und lief dann zu seinem Bett zurück, wobei seine Schritte allerdings immer langsamer wurden. Ach ja… da gab es jetzt ja ein Problem… wo sollte er schlafen? In seinem Bett lag Aya… eigentlich war das Bett groß genug für zwei, eher vielleicht für drei oder vier, aber trotzdem… irgendwie war ihm nicht so wohl dabei… Er wollte gar nicht wissen, was Aya machen würde, wenn er ihn im selben Bett fand… oder besser, was er denken würde. Er wollte nicht, dass Aya dachte, er nutze diese Situation aus, denn das war gar nicht seine Absicht. Aber andererseits… der Tänzer war ohnmächtig und würde nicht aufwachen, außer wenn Schuldig ihn weckte. Deshalb war es doch eigentlich ganz sicher…
Nach einigem Hin und Her entschied er sich dann doch dafür, in seinem Bett zu schlafen, allerdings mit einer eigenen Decke und wirklich auf der anderen Seite der Matratze. So schlenderte der Telepath zu seinem Bett zurück und stellte den Wecker auf den anderen Nachttisch, bevor er sich in sein Bett legte, vorsichtig, um Aya nicht zu wecken, bevor er seine Decke über sich ausbreitete und sich noch einmal zu dem Rotschopf hinüberbeugte. Er lächelte in das schlafende, gerötete Gesicht und strich seinem Geliebten leicht über die Wange.
„Gute Nacht, Aya, und werde schnell wieder gesund. Es ist blöde, wenn du mich nicht wütend anblicken kannst…"
Er grinste leicht und legte sich dann zurück, bevor er sich den Wecker stellte und dann auf die Seite rollte, um die Augen zu schließen. Er hatte jetzt vier Stunden zum Schlafen, und diese würde er nutzen. Er würde so müde sein morgen…
Mit diesem Gedanken schlief er schließlich ein.
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