Mit bangem Herzen, welches ihr bis zum Hals klopfte beobachtete Molly aus ihrem Versteck, wie Sherlock vom Dach des St. Bartholomew's Krankenhauses sprang.
Ihr wurde innerlich schlecht und für einen kurzen Moment wandte sie sich ab, fürchtete, dass der Plan misslang.
Aber er gelang.
Sherlock sprang, ruderte wild mit den Armen und landete zielsicher in dem vor dem Krankenhaus geparkten städtischen Müllauto.
Die oberen Schichten bestanden aus in Folie verpackten Kissen und Luftpolstern, die letzte Schicht beinhaltete ein großes Sicherheitsluftpolster, welches sich Molly bei einem befreundeten Feuerwehrmann ausgeliehen hatte, um für einen ungelösten Mordfall einige Nachforschungen zu stellen - "zu Übungszwecken".
Himmel sei Dank hatte sie ihn problemlos und ohne weitere Fragen zu stellen überzeugen können. Hatte sie in der Vergangenheit schon mehrere, eher untypische Hilfeleistungen gefordert.
Wenige Sekunden vorher, bevor Sherlock auf die schützenden Schichten prallte, öffnete Molly das äußere Fach im Müllauto, indem sie sich versteckt hatte und beförderte einen Leichnam nach draußen.
Sie sprang schnell hinterher und kniete sich neben ihn, benetzte sein Gesicht mit Blut, bis es unkenntlich war.
Er trug dieselben Sachen wie Sherlock, auf seinem Kopf befand sich eine Perücke, die Sherlocks Haaren zum Verwechseln ähnlich sahen.
Sie hoffte, damit die umstehenden Personen und auch John vorläufig täuschen zu können.
Molly hetzte zurück in das Auto, schaltete den Motor ein und fuhr los.
Sie bog eine Straße weiter links ein und blieb auf der hinteren Seite des Krankenhauses stehen, unbeobachtet von der Menschenmasse, die sich bereits um den Toten verscharrt hatten.
Einen kurzen Moment später wurde die rechte Fahrerseite aufgerissen und Sherlock starrte sie an. "Beeil Dich, Molly. Ich warte in Deiner Wohnung."
Sie nickte und stieg aus, öffnete die Sicherheitstür und stolperte darauf los, hoffend, noch rechtzeitig den Leichnam entgegennehmen zu können.
Ihr blieb höchstens eine Stunde, bis die Polizei auftauchen würde.
Höchstens eine Stunde, um Sherlocks Tod perfekt zu machen und um ganz London zu täuschen.
Molly erlebte die nächsten Stunden wie im Traum.
Sie hatte den Leichnam wieder Erwarten ohne längere Wartezeit entgegengenommen.
Während sie sich nun mit diesem alleine in die unteren Etagen zur ihrem Labor begab, zupfte sie im Aufzug die Maske zu Recht, welche sie Stunden vorher gemeinsam mit Sherlock gebastelt hatte.
Sie erschauderte, sah der Mann vor ihr Sherlock tatsächlich zum Verwechseln ähnlich.
"Gute Arbeit, Molly.", lobte sie sich selbst.
Dank Sherlocks guten Beziehungen zu den Obdachlosennetzwerken hatten sie gemeinsam die Leiche einen jungen Mannes erhalten, den niemand vermissen würde.
Einige Stunden aufwendige Arbeit mit Sherlocks Gesicht als Vorlage und dem nachträglichen Kauf der exakt selben Kleidung, die er an besagtem Tag trug, hatten sie einen Doppelgänger erschaffen.
Während Molly den Leichnam zurechtzupfte, wusch, erneut schminkte und die Kontaktlinsen überprüfte, hörte sie die Lautsprecheranlage. "Ms Hooper, zwei Herren warten vor Ihrer Labortür."
Sie erschauderte. Nun war es also soweit.
Jetzt würde sich zeigen, ob sie es tatsächlich Wert war.
