Spencer lag auf ihrem Bett und hielt verzweifelt ein Stück Papier umklammert. Die Tränen liefen ihr über die Wangen und wie jeden Abend konnte sie dies einfach nicht stoppen.
Ashley war weg und Spencer konnte und wollte dies einfach nicht verstehen. Sie wusste, dass sie einen schwerwiegenden Fehler begangen hatte, aber genauso sehr wusste sie auch, dass Ashley sie von ganzem Herzen liebte und diese Tatsache machte ihr alles so unverständlich.
Zwei Menschen, die sich lieben mussten zusammen sein, aber Spencer hatte alles zerstört und bevor sie der Brünetten auch nur erklären konnte was passiert war, war Ashley aus ihrem Leben verschwunden und damit auch Spencers Chance alles wieder gut zu machen.
Die ganze Sache mit Jonica war ein riesiger Fehler. Ein Fehler, der Spencer im zarten Alter von neunzehn bewusst machte, dass sie die Liebe ihres Lebens gefunden hatte und niemand anderen wollte. Ein Fehler, den sie brauchte, um zu erkennen, dass Ashley ihr Leben, und alles andere unwichtig war, aber eben dieser Fehler nahm ihr auch alles.
Es war als ob sie endlich klar sehen konnte, als ob der Schleier, der alles verschwommen erschienen und sie nur orientierungslos durch die Gegend laufen ließ verschwand und sie endlich sah was sie wollte - Ashley. Aber als sie endlich nach ihren Ziel greifen konnte wurde es ihr wieder genommen.
Es schmerzte furchtbar zu wissen, dass sie alles zerstört hatte, aber gleichzeitig war es auch nötig, damit sie erkannte was sie wollte und das war Spencer klar. Hätte sie es nur erklären dürfen und Ashley zeigen können, dass es ihr Leid tat und das sie alles tun würde, um es wieder gut zu machen.
Aber das war einfach nicht mehr möglich. Das Schicksal würde entscheiden, ob Spencer irgendwann eine zweite Chance kriegen würde, aber genau diese Untätigkeit, das Wissen nichts tun zu können, machte sie verrückt.
So lag sie im Bett und machte sich Vorwürfe, wie sie es schon die letzen vier Monate getan hatte. Es war ein Wunder, dass sie überhaupt wusste wie lang es her war seit dem Ashley verschwunden war, denn jeder Tag schien gleich zu sein. Ihr Leben bestand nur noch aus einem Trott, der jeden Morgen von Neuem begann.
So starrte sie wie jeden Abend auf das Blatt Papier, das schon sehr dünn geworden war durch das ständige Anfassen. In den Ecken waren leichte Eselsohren und im Allgemeinen sah es aus als wäre es schon Jahre alt, obwohl es das nicht war, aber Spencer hielt es jeden Tag wenn sie zu Bett ging in der Hand und sah ein weiteres Mal auf die wunderschöne Handschrift darauf.
Nie ließ sie diesen Brief aus den Augen. Er war ihr wertvollster Besitzt und wo sie hinging war auch der Brief in ihrer Hosentasche. In diesen Worten, die schon an manchen Stellen von Spencer Tränen verschwommen waren, steckte Ashleys Herz und das wollte Spencer immer bei sich haben.
Schon unzählige Male hatte sie Ashleys Worte an sie gelesen, aber jedes Mal bevor sie schlafen ging las sie sie noch einmal. Es gab ihr das Gefühl der Brünetten nah zu sein und manchmal half ihr das einzuschlafen. Andere Male hingegen überkam sie die Angst, dass sie Ashley nie wieder sehen würde, dass das Schicksal ihr nicht helfen würde und in diesen Nächten weinte sie bis die Sonne aufging und fand keine Sekunde schlaf.
Heute war einer dieser Tage, denn schon bevor sie auch nur Anfing zu lesen stiegen ihr die Tränen in die Augen. Anstatt das es irgendwie leichter wurde ohne Ashley zu leben wurde es immer schlimmer und die Schuldgefühle wurden von Tag zu Tag schwerer auf Spencers Schultern und drohten sie zu erdrücken.
Auch wenn sie sich nur noch schlechter fühlen würde, las sie die Worte ein weiteres Mal. Jedes Einzelne davon konnte sie bereits auswendig, aber es hielt sie nicht ab und so begann sie zu lesen...
Liebe Spencer,
ich weiß nicht wirklich was ich dir schreiben soll, denn wahrscheinlich hasst du mich jetzt so sehr, dass du es eh nicht mehr hören willst. Aber ich muss es dir erklären.
Ich will, dass du weißt, dass ich dich über alles liebe, Spencer. Seit dem Augenblick, in dem ich dich das erst Mal sah. Auch wenn ich damals nicht wirklich nett zu dir war wusste ich es trotzdem. Du bist das Mädchen meiner Träume und auch wenn ich etwas gebraucht hab das zu verstehen sind meine Gefühle für dich heute um so stärker. Bitte zweifle nie daran.
Selbst wenn ich nicht mehr bei dir bin und mich vielleicht auch nicht so verhalte ist es trotzdem so. Kein Mensch wird mir jemals so viel bedeuten wie du, aber ich weiß, dass ich dich gehen lassen muss. Du hast mir beigebracht, dass ich meinen Gefühlen trauen muss und deswegen weiß ich, dass das hier richtig ist...
Ich will dir nicht weh tun und es tut mir Leid, dass ich es doch tue, aber es geht einfach nicht anders.
Spencer wir sind einfach noch nicht so weit. Ich will dir nicht die Chance nehmen dein Leben zu leben und Erfahrungen zu machen, die jeder Mensch nun Mal braucht. Ich weiß das klingt bescheuert, aber irgendwann wirst du es verstehen. Glaub mir.
Wir brauchen einfach etwas Abstand und deswegen werde ich aus LA weggehen. Ich kann dir nicht sagen wohin, denn ich weiß du würdest mich suchen und das sollst du nicht.
Bitte geb dir nicht die Schuld dafür. Das tue ich auch nicht. Du hast keine Schuld und auch wenn das mit Jonica falsch war ist es nicht der Grund warum ich gehe. Es hat mit nur gezeigt was ich schon vorher befürchtet habe – dass du nicht so weit bist. Und das ist okay.
Ich weiß wir beide gehören zusammen und egal wie weit wir voneinander entfernt sind, wie viele Kilometer uns trennen, wir werden immer zueinander finden.
Das Schicksal hat uns damals zusammengeführt und ich glaube fest daran, dass es das wieder tun wird und dann sind wir soweit.
Wir beide kriegen unsere Chance, Spencer, und dann werden wir glücklich zusammen leben bis wir alt und grau sind. In einem kleinen Haus am Strand wie du es dir immer gewünscht hast.
Bis dahin musst du für mich stark sein, okay? Ich weiß, dass du das kannst. Denk immer daran, dass ich dich liebe und dass wir füreinander bestimmt sind.
Wir werden uns wieder sehen, Spencer. Ganz bestimmt.
In Liebe
Deine Ashley
