Kapitel 2

Im Kerker bei Professor Slughorn verlief der Unterricht leider nicht so, wie er es sich erhofft hatte. Heute war es schlimmer als je zuvor. Sein bester Freund redete kein Wort mit ihm und er konnte sich beim besten Willen nicht auf seinen Trank konzentrieren. Immer wieder suchten seine Augen unbewusst den anderen am anderen Ende des Klassenzimmers. Er wollte das nicht. Jedes Mal wenn es ihm bewusst wurde, zwang er sich wieder dazu auf seinen Trank zu achten. Zu allem Überdruss verunstaltete er seinen Trank mit zuviel geschnittener Narzissenwurzel, so dass sich eine silbergraue Wolke löste.

,Fuck! Warum ausgerechnet jetzt? Warum silbergrau?'

Sein Blick wanderte unwillkürlich durch den Raum und traf auf das gesuchte Augenpaar. Er sah nicht das hämische grinsen, sondern nur die Unendlichkeit in dessen Augen.

„Harry!"

„Was?" er zuckte merklich zusammen, wendete seinen Blick von der Unendlichkeit ab und sah nun direkt vor sich einen unförmigen Körper, der seinem Professor gehörte. Er bemerkte, wie der gesamte Kerker ihn unverhohlen verdutzt anstarrte, bis auf einen natürlich.

„Harry!" kam es noch mal, diesmal etwas eindringlicher, von Slughorn.

„Geht es ihnen heute nicht gut? Noch nie haben sie so … nun ja, amateurhaft einen Trank gebraut!"

„Ich … Ich weiß nicht … Ich bin …"

„Er fühlt sich tatsächlich nicht gut, Professor! Er hat so gut wie gar nicht schlafen können."

„Ach so, Harry! Sie hätten doch was sagen können. Dann setzten sie heute mal aus. Jeder kann mal einen schlechten Tag haben. Ich gebe ihnen einen Aufputschtrank, damit sie den anderen Unterricht überstehen!"

Mit den Worten verschwand er kurz im Tränkelager. Ein verächtliches Schnauben von der anderen Seite machte ihm mal wieder deutlich, dass es bei weitem kein Vorteil sein musste ein Lieblingsschüler zu sein.

„Hier, Harry! Und das nächste mal, lernst du nicht bis mitten in die Nacht hinein, ja?"

Der Schwarzhaarige nahm die Phiole mit dem Trank wortlos entgegen und leerte sie mit einem Zug.

,Lernen? Mein Gott, dieser Kerl ist so was von verblendet. Was glaubt der eigentlich von mir? … Wäre schön wenn das vom zu VIELEN Lernen kommen würde. Dann könnte ich wenigstens was dagegen unternehmen.'

Insgeheim war er seinem rothaarigen Freund dankbar, dass er ihn aus dieser prekären Lage gerettet hatte. War er ihm immer noch böse wegen vorhin? Er wusste es nicht und entschied sich „Danke" zu murmeln und sein Gesicht in seinen Händen zu vergraben.

„Schon gut. Wozu hat man Freunde!" murmelte sein Freund ebenfalls.

Der erlösende Gong, der den Unterricht beendete, war wohl das Zeichen für seine beste Freundin, endlich mit der belastenden Befragung zu beginnen. Doch Ron, der ab und zu echt sensibel sein kann, würgte sie unsanft mit den Worten „Is Männersache!" ab.

Hermine, die dieses Verhalten von ihrem Freund (Ja, tatsächlich, die Beiden haben es in den Ferien endlich geschafft! grins) schon seit längerem nicht mehr gewohnt war, verstummte verblüfft. Es dauerte ein paar Minuten bis sie ihre Fassung wiedererlangte. Ron und Harry sind mittlerweile weitergegangen und nun holte sie schnell auf und keuchte:

„Aber …"

„Herm, lass es, ok? Nicht jetzt, nicht heute!"

„Aber Ron …"

„Nein, Herm!"

„Aber ich wollte doch nur …"

„Verstehst du ein nein nicht?"

Mit diesen Worten hatte er sie nun endgültig zum Schweigen gebracht und so liefen die drei nun schweigend zu Verwandlung.